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Was in keines Menschen Herzen gekommen ist

30.03.1964Johannes 20,16

Eröffnung und Gebet zur Auferstehung

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen!
Doch der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden.

Wir wollen beten: Herr, du kennst unsere Not, wie wir gefangen sind in den irdischen Sorgen und im Streben nach Reichtum. Wie sie gebunden sind – in dunklen Sünden – und wie sie stur und hartnäckig verharren in unserer Selbstgerechtigkeit und Selbstrechtfertigung.

Nun lass die Botschaft deines Lebens wie ein strahlendes Licht in unsere Herzen fallen. Herr, du hast gesagt: „Siehe, ich mache alles neu.“ Gib uns neues Wissen und lass uns an deinem Leben teilhaben.

O Herr, wir bringen dir all unsere Sünden und Schuld und legen sie unter dein Kreuz. Bedecke sie mit deinem erlösenden Himmel. Jetzt rede du mit uns, Herr, so wie du mit uns reden willst. Amen.

Wir beten weiter in der Gemeinschaft: Herr, begegne uns wie den Aposteln und Maria. Begegne uns selbst. Amen.

Die Begegnung Marias mit dem Auferstandenen

Wir hören einen Bericht aus Johannes 20, der das Wirken der Heiligen beschreibt. Ich lese eine Geschichte vor, die ich anschließend noch einmal herausnehmen möchte, um sie im Prüfungsraum zu betrachten.

Maria stand draußen vor dem Grab und weinte. Während sie weinte, blickte sie in das Grab hinein und sah dort zwei Engel in weißen Kleidern sitzen: einen zu ihren Kopf- und den anderen zu den Füßen, an der Stelle, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. Die Engel fragten sie: „Frau, warum weinst du?“ Sie antwortete ihnen: „Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“

Als sie das sagte, wandte sie sich um und sah Jesus stehen, erkannte ihn aber zunächst nicht. Jesus sprach zu ihr: „Frau, warum weinst du? Wen suchst du?“ Maria dachte, er sei der Gärtner, und sagte zu ihm: „Herr, wenn du ihn weggetragen hast, dann sag mir, wo du ihn hingelegt hast, damit ich ihn holen kann.“ Jesus sprach zu ihr: „Maria!“ Da wandte sie sich um und sagte zu ihm: „Rabbuni!“ – das heißt: Meister.

Dies ist eine Quelle der Freude und des Trostes für unser Herz. Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen!

Wir lesen noch einmal das Wort aus Johannes 20: Jesus spricht zu Maria, und sie wendet sich um und sagt zu ihm: „Rabbuni“, das heißt „mein Meister“. Herr, lass dein Wort nicht leer zu uns zurückkehren, sondern wirke es in uns, so wie du es uns gegeben hast. Amen!

Persönliche Erfahrungen und die Bedeutung der Osterbotschaft

Eigentlich müsste man ihnen allen Orden verleihen, weil sie bei diesem Wetter heute Morgen um halb neun Uhr schon hier sind. Aber hier haben wir gesagt: Wenn Gott Erweckungen schenkt, dann fragt man nicht mehr nach dem Wetter.

Als ich vor vierzig Jahren nach Essen kam, war Essen eine völlig andere Stadt. Junge Leute kennen diese Stadt so nicht mehr. Es gab riesige Bergarbeiterbezirke mit großen Mietskasernen im Segeroth und am Melisenplatz. In einem dieser Bezirke habe ich sieben Jahre gearbeitet.

Sie glauben nicht, welche Feindschaft mir anfangs entgegenschlug. Es gab einige Schlagworte, mit denen die Leute mich begrüßten. Eines der beliebtesten war der Satz: „Na, also höhnisch und verbittert und so, nicht? Na, ihr Pfarrer, ihr habt ein gutes Leben.“

Seien Sie mal ehrlich: Denken Sie das nicht auch? Was sollte man darauf sagen? Ich habe dann aus tiefstem Herzen geantwortet: „Da haben Sie den Vogel auf den Kopf getroffen, das ist goldrichtig, wir haben ein gutes Leben.“

Die Leute sahen mich sehr verblüfft an, denn niemand will hören, dass er ein gutes Leben hat, wenn er das Wort an sich verteidigen will. Dann sagte ich: „Ja, ich habe ein gutes Leben, aber nicht so, wie Sie es meinen, nicht ein bequemes Leben. Mit Typen wie euch hat man kein bequemes Leben, aber ein gutes Leben.“

Ich habe ein gutes Leben, weil ich Bote einer wunderbaren und guten Botschaft sein darf. Und das empfinde ich immer besonders an Ostern: Ich darf Bote einer guten Botschaft sein.

Allerdings ist es nicht so, dass diese gute Botschaft dem natürlichen Menschen wie eine süße Pille eingeht. So ist es nicht. Am Palmsonntag habe ich hier gepredigt und gesagt, dass die Botschaft des Evangeliums so ist, dass sie im natürlichen Denken sofort widerspricht. Das hat sich kein Mensch ausdenken können.

Denjenigen, die am Sonntag hier waren, möchte ich sagen, dass ich hier gewissermaßen weitermachen und anknüpfen möchte. Der Apostel Paulus sagt im Evangelium, es sei in keines Menschen Herz gekommen. Damit will er ausdrücken: Kein Mensch konnte sich das Evangelium ausdenken.

Die Menschen haben viele Religionen erfunden, aber das Evangelium hat sich kein Mensch ausdenken können. Es ist in keines Menschen Herz gekommen, es ist nicht auf unserem Beet gewachsen, es ist göttlich.

Das möchte ich Ihnen in unserem Text zeigen, der davon spricht.

Die Unvorstellbarkeit der Auferstehung

Wir überschreiben den Text und die Predigt mit dem Thema: Was in keines Menschenherz gekommen ist.

Nochmal: Ich habe bereits am Sonntag diese Überschrift verwendet. Ich weiß das, und ich möchte daran anknüpfen, was in keines Menschenherz gekommen ist.

Wir haben, wie üblich, drei Dinge. Es ist in keines Menschenherz gekommen, dass der tote Jesus lebendig aus dem Grab kommt.

Unsere Geschichte handelt von einer Frau, Maria Magdalena. Diese Maria Magdalena hatte ihr Leben völlig auf Jesus gestellt. Es gibt viele 08/15-Christen, nicht wahr? Aber sie war anders. Sie hatte ihr Leben auf den geoffenbarten Gott, auf Jesus, gestellt.

Als Jesus gekreuzigt wurde und ihr weggenommen wurde, brach ihr Leben zusammen. Es war nichts mehr da. Millionen Christen in Deutschland – könnte man ihnen Jesus wegnehmen, würde gar nichts zusammenbrechen, oder? Der Brief wäre zusammen, wenn das Sparkassenbuch oder Bankkonto entwertet wäre. Aber nicht so bei Maria Magdalena. Für sie war nun alles zusammengebrochen, als Jesus weg war.

Es war eine törichte und sentimentale Reaktion, dass es sie nun zum Grab Jesu zog. Aber es ist so verständlich, nicht wahr? Zu allen Zeiten ist es so, dass Menschen, wenn sie Menschen und Tote haben, wenigstens das Grab haben wollen.

Am Ostermorgen kommt sie zu dem Grab, und es ist leer. Diese Grabeshöhle gähnt sie dunkel an, diese Felsenhöhle. Sie schaut hinein und sieht zwei Boten Gottes. Doch es rührt sie gar nicht. Das Grab ist leer, die Felsplatte, die das Grab verschlossen hatte, liegt irgendwo in den Blumenbeeten. Da weint sie nun vor dem leeren Grab.

Es gibt so eine amerikanische Redensart: Wenn jemand nachdenklich ist, fragt man: „Dollar für deine Gedanken.“ Ich würde zehn Dollar geben, wenn ich wüsste, was Maria Magdalena in diesem Moment gedacht hat. Welche Gedanken schossen wohl durch ihr Gehirn und ihr Herz? Nur eines ganz bestimmt nicht: Dass dieser Jesus, der Tote, lebendig aus dem Grab kommt. Das kam nicht in ihr Herz.

Und der Gedanke kam auch in keines anderen Menschenherz. Dass der tote Jesus lebendig aus dem Grab kommt, kam auch nicht in das Herz der Jünger. Sehen Sie, da ist ein ganz merkwürdiger Vorgang, der mich immer sehr interessiert hat. Ich denke, manchmal könnte Freud darüber Auskunft geben, was da los war.

Der Herr Jesus hat vor seiner Gefangennahme klipp und klar ein paarmal erklärt: Er werde verspottet, bespien und getötet werden und am dritten Tag auferstehen. Er hat das ausdrücklich gesagt. Und dennoch ging das nicht in das Herz der Jünger. Sie nahmen es nicht an, es ging einfach nicht rein.

Das ist merkwürdig, weil die Jünger ja die Reden Jesu so begierig aufgenommen haben. Denken Sie mal daran, wie genau sie die Bergpredigt verfolgt haben oder die Reden Jesu, die Johannes später berichtet. Sie nahmen jedes Wort auf. Aber das nahmen sie einfach nicht an. Es ging in kein Menschenherz rein, dass der tote Jesus lebendig aus dem Grab kommt.

Und das geht auch heute noch nicht in das Herz des Menschen. Ehe der Mensch das in sein Herz aufnimmt, glaubt er eher die abstrusesten und unwahrscheinlichsten Dinge. Ehe er glaubt, dass der tote Jesus aus dem Grab gekommen ist, glaubt er zum Beispiel, dass ein paar verschüchterte, ängstliche Jünger den Leichnam Jesu geklaut haben – vor den Augen schwer bewaffneter römischer Legionäre. Das scheint mir unmöglich, aber die Auferstehung glaubt der Mensch nicht.

Oder er glaubt eher, dass Jesus – davon hörten wir ja gestern sehr negativ einiges – scheintot war und in der Kühle des Grabes erwachte. Dass der Mann, der drei Tage nicht gegessen hatte und ausgeblutet war, die Felsenplatte wegrollte, die drei rüstige Frauen nicht wegschieben konnten. Sie kennen die Geschichte, wie die Frauen sagen: „Wer wälzt uns den Stein weg?“ Der Mensch glaubt, dass dieser halbtote Jesus den Stein weggewälzt hat.

Ehe das ins Menschenherz kommt, dass der tote Jesus lebendig aus dem Grab gekommen ist, glaubt er die komischsten Sachen. Zum Beispiel, dass die Jünger Halluzinationen hatten. Wissen Sie, so etwas, was sie sahen, was gar nicht da war.

Der Mensch glaubt, dass die Halluzination der Jünger eine Welt verwandelt hat und dass Millionen Menschen getrost auf die Halluzination der Jünger gelebt und selig gestorben sind.

Ja, liebe Freunde, eher glaubt der Mensch – das ist die neueste Erfindung –, dass das Ganze nur eine Botschaft ist, die irgendetwas aussagen soll, ohne realen Hintergrund.

Der Mensch glaubt eher, dass der Mond aus Käse besteht, ehe das in sein Herz reingeht, dass der tote Jesus aus dem Grab gekommen ist.

Das ist in keines Menschenherz gekommen.

Und da ist nun Maria Magdalena und wird von der Wirklichkeit überführt. Da steht er und ruft sie und spricht mit ihr.

Was in keines Menschenherz gekommen ist, wird Wirklichkeit.

Ist das nicht eine wunderbare Botschaft? Wir haben einen lebendigen Heiland.

Was in keines Menschenherz gekommen ist, was sich keiner ausdenken konnte, das ist die Botschaft, die ich habe. Darüber kann ich nicht mit Ihnen diskutieren, denn die Vernunft fasst sie ja nicht. Aber das darf ich Ihnen verkündigen und predigen: Was in keines Menschenherz gekommen ist – der tote Jesus ist unter uns lebendig.

Sehen Sie, keine Philosophie, keine Weltanschauung und keine Religion kann uns Trost oder Halt geben, wenn es wirklich darauf ankommt. Aber ein lebendiger Heiland, ein Erlöser, ein Retter.

Matthias Claudius sagt: Die Sache trieft, trieft von Barmherzigkeit Gottes.

Die Bedeutung des auferstandenen Heilands für das Leben

Ich bin so glücklich, dass ich keine Moral predigen muss. Es wäre heute im verkommenen Säkulum sehr nötig, Moral zu predigen. Doch ich verspreche mir davon einfach nichts bei den bösen Menschenherzen.

Ich bin glücklich, dass ich keine Moral, keine Religion und keine Dogmen predigen muss. Ebenso muss ich nicht über die Kirche sprechen, die mit Übermöglichkeit verbunden ist.

Ich bin glücklich, dass ich einen lebendigen Heiland bezeugen darf. Einen Erretter, einen Tröster, der vom Tod und von der Hölle errettet, von mir selbst und vom Alltag. Einen, der meine Schuld wegnimmt und für mich bezahlt hat – einen Bürger vor Gott.

Ich weiß, während ich von ihm predige, wirkt er unter ihnen. Sonst hätte ich nie Lust, hierauf zu steigen. Er hat unter ihnen sein Werk.

In unserer Geschichte nennt dieser Jesus nur einen Namen: Maria. Er sagt einmal: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.“

Oh, ich habe Gott sehr gebeten, dass es heute Morgen Menschen hier gibt, die aus dem Munde Jesu ihren Namen hören – ihren Namen: Du bist gerufen.

Die bleibende Bedeutung des geschlachteten Lammes Gottes

So etwas Zweites ist in keines Menschen Herz gekommen. Ich sage das, weil es wirklich noch nie jemand gedacht hat: dass der lebendige Tote aus dem Grab kommt. Aber nun kommt das Zweite, und das ist mir fast noch wichtiger. Damit beginnt ein besonderer Gedanke, der aber technisch schwer zu fassen ist.

Es ist in keines Menschen Herz gekommen, dass der lebendige Jesus das geschlachtete Lamm Gottes bleibt. Wir möchten das deutlich machen. Es gibt ein Osterlied, das so anfängt: „Triumph, Triumph, es kommt mit Pracht, der Siegesfürst heult aus der Schlacht. Wer seines Reiches Untertan, der schaue sein Triumphfest an. Halleluja!“ Schön!

Ich möchte gern lauthals in dieses Triumphgeschrei einstimmen, aber ich muss der Ehrlichkeit halber gestehen, dass beim ersten Osterfest der Weltgeschichte das Triumphfest ausgefallen ist. In den Ostergeschichten ist nichts von einem Triumphfest zu lesen. Der Herr Jesus geht zu einer weinenden Maria Magdalena. Das alles sieht nicht nach einem Triumphfest aus, oder?

Das ist außerordentlich bedeutsam. Wir müssen erst einmal sagen: Wer ist eigentlich diese Maria Magdalena, die so herausgehoben wird? Man weiß nicht viel von ihr, außer dass sie Maria hieß – viele heißen Maria – und dass sie aus Magdala kam, einem kleinen Ort irgendwo, daher der Beiname Magdalena.

Sie tut vieles, aber es gibt noch eine Bemerkung in der Bibel, die sehr aufschlussreich ist. Da steht fast beiläufig, dass der Herr Jesus von ihr sieben Teufel ausgetrieben hat. Ich will jetzt gar nicht über dieses geheimnisvolle Wort „sieben Teufel“ grübeln. Ich verstehe nur, was es bedeutet: sieben Teufel stehen für Sünde, für grauenvoller Triebhaftigkeit, für Gebundenheit, aus der man nicht herauskommt.

Das bedeutet Dunkelheit, innere Dunkelheit, Verzweiflung, Einsamkeit und Kontaktschwäche. Und dann kam Jesus. So steht es also im Nebensatz der Bibel: Er hatte sieben Teufel ausgetrieben. Das ist eine unerhörte Hilfe, nicht wahr? Sie hatte viel erlebt – von der Verlorenheit ihres Herzens und der Welt und von der Herrlichkeit ihres Heilandes.

Ich kann mir die Verzweiflung der Maria vorstellen, als sie Jesus am Kreuz sterben sieht. In diesem Augenblick tat sich der alte Abgrund wieder auf, die sieben Teufel heulten sozusagen. Die weinende Frau dort vor dem leeren Grab – das ist ein Mensch ganz dicht am Rand des Abgrunds, des dunklen Reiches. Und zu der geht Jesus, das ist sein Triumphfest: Er geht zu Menschen am Rand des Abgrunds.

Er hat auch später gar nichts anderes getan. Da ist Petrus, der oft zitierte Petrus, der uns so entsetzlich ähnlich ist, der so von sich überzeugt war. Und dann kommt die schreckliche Stunde, in der ihm alles Selbstvertrauen zusammenbricht. Er hat kein Vertrauen mehr zu sich und zu seinem Christentum. Sein Gewissen quält ihn grauenvoll. Gott verklagt ihn als Verräter, Verleugner.

Ein Mann am Abgrund, der Gott verliert und sich selbst verliert – wissen Sie? – in Verzweiflung stürzt. Und diesen suchte der auferstandene Herr Jesus auf. Nun lesen Sie mal die Ostergeschichten: Er sucht nur Leute am Abgrund auf.

Und nun kommt das, was ich Ihnen gerne deutlich machen will: Der auferstandene Heiland ist genau derselbe, der am Kreuz hing. Er ist kein anderer als der, der gekreuzigt wurde. Am Kreuz ist er ebenso der Heiland der Sünder, der für sie bezahlt, der Erretter derer, die vom Teufel gebunden sind, weil er sie loskauft mit dem Preis seines Blutes.

Er ist – lassen Sie mich dieses tolle Bild benutzen – der Erretter der Leute am Abgrund, weil er in den Abgrund springt und ihn gewissermaßen auffüllt. So können wir über ihn hinweg über die Abgründe gehen.

Ich sage es noch einmal: Der auferstandene Heiland ist kein Triumphator. Ach, lassen Sie das doch irgendwelchen Parteiführern, die gewonnen haben, oder so einen Quatsch. Nein! Der auferstandene Heiland bleibt der Heiland der Sünder, das geschlachtete Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt.

Sehen Sie, darum verschweigen die Ostergeschichten nie die Zeichen seines Todes, die Nägelmale. Ich habe einen Arbeiter gekannt, der Schlosser war. Seine Hände waren genagelt und schwielig. In der Inflationszeit wurde er Fabrikant und führte einen tollen Betrieb. Er ließ seine Hände fein machen, sodass man nicht mehr seine Vergangenheit sah.

So ist es bei Jesus nicht. Im Gegenteil: Da werden geradezu schamlos ständig die Nägelmale gezeigt. Er ist nicht der Triumphator, sondern genau derselbe, der er am Kreuz war. Die Ostergeschichte zeigt seine Hände und seine Seite. Maria will auf ihn zustürmen und seine Nägelmale berühren.

Nun lassen Sie mich das durch die Bibel zeigen. Ich muss noch einmal eine Vision erzählen, die ich oft erzählt habe, in früheren Jahren: Offenbarung 5. Johannes erhält einen Blick in die ewige Welt. Er sieht den Thron des Allmächtigen und die himmlischen Heerscharen, Mächte und Gewalten.

Dann geht die Frage durch Himmel und Erde: Wer führt Gottes Plan aus? Keiner kann es. Johannes beginnt zu weinen: Wer führt Gottes Plan aus? Da sagt ein Engel: „Sei still!“ Im Augenblick treten die himmlischen Majestäten, Chöre und Engelscharen auseinander, und man sieht ein Lamm mit der Todeswunde.

Verstehen Sie? Die Bibel sagt: In der Herrlichkeit ist Jesus das geschlachtete Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt.

Es gibt eine Geschichte, ein Bild, wie Jesus wiederkommt in Herrlichkeit. Er wird wiederkommen, darauf können Sie sich verlassen, in Herrlichkeit. Der Taufschein wird ihn sehen, und dann heißt es: „Wer da kommt, dessen Kleid ist mit Blut besprengt.“ Er bleibt das Lamm Gottes.

Es hat mich tief ergriffen, als ich einmal über Paulus nachdachte, den Apostel. Sie kennen ja die Geschichte: Er kannte Jesus in seiner Glorie. Als er nach Damaskus reiste, überleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel. Er sah Jesus in seiner himmlischen Herrlichkeit, in seiner Glorie.

Dieser Paulus reist nun nicht durch die Welt und sagt: „Hier ist der Triumphator der Welt, Jesus!“ Stattdessen sagt er: „Ich weiß unter euch nichts als Jesus den Gekreuzigten, ich weiß unter euch nichts als Jesus den Gekreuzigten.“

Sehen Sie, das macht mich am Ostermorgen so froh: Ich muss keinen triumphierenden Heiland predigen. Wir haben so viele Triumphe erlebt, die später doch schiefgingen. Unser Bedarf an Triumphen ist, glaube ich, für die nächsten zweihundert Jahre gedeckt, finden Sie nicht?

Ich bin vielmehr so glücklich, dass ich einen Heiland predigen darf, der immer sein Kreuz bei sich trägt, der immer Versöhner derer ist, die ihr Gewissen vor Gott verklagt. Ich rechne mich zu denen, die einen Heiland predigen dürfen, dessen Blut reinmacht von aller Sünde.

So einen, genau so einen habe ich nötig – heute, morgen, übermorgen und erst recht im Sterben.

Das war das Zweite, was in keines Menschen Herz gekommen ist: dass der Auferstandene immer das geschlachtete Lamm Gottes bleibt, das die Sünde der Welt trägt.

Die Stimme Jesu, die die Menschen scheidet

Und dann habe ich noch einen dritten Teil: Man muss es nutzen, wenn man zum Predigen kommt, um etwas zu sagen, was keinem Menschenherz bisher gekommen ist. Nämlich, dass dieser Jesus eine Stimme hat, die die Menschheit scheidet.

Sehen Sie, hier heißt es, Jesus spricht zu Maria. Sie hatte sich wohl von ihm abgewandt, da sagte er nur „Maria“. Da fährt sie herum, denn sie hatte ihn bisher für den Gärtner gehalten. Wahrscheinlich war auch der Leib Jesu anders als sein früherer Leib. Auch die Emmaus-Jünger kannten ihn nicht. Es war außerdem nicht in ihr Herz gekommen, dass er lebendig sein könnte, wissen Sie?

Und da sagt er Maria, da fährt sie herum und erkennt ihn an der Hirtenstimme. Sie hat ihn erkannt an der Hirtenstimme.

Nun denken Sie mal: In der Bibel steht, der Herr redet und ruft vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang. Haben Sie den Eindruck, dass die Welt es hört? Nein. Aber Maria hört es. Die Welt hört nicht, Maria hört es. Und dazu sagt Jesus in Johannes 10: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir.“

Diese Stimme Jesu scheidet die Menschen in Taube und solche, die gehört haben. Wo gehören sie hin? Diese merkwürdige Stimme Jesu, von der die Bibel eine merkwürdige Menge eigenartiger Dinge sagt. Zum Beispiel, dass man sie nicht auf den Gassen hören wird. Sie wird nicht rufen noch schreien, sie ist eine ganz leise Stimme. Sie ist so leise, dass man sie mit den Ohren nicht auffangen kann, sondern nur mit dem Gewissen.

Oh, die Bibel sagt viel über diese merkwürdige Stimme Jesu, die die Menschen scheidet.

Hören Sie mal folgendes Wort: Da sagt Jesus von seinen Schafen: „Einem Fremden folgen sie nicht, denn sie kennen die Stimme des Fremden nicht, sie fliehen vor ihm.“ Jesus’ Schafe erkennen die Stimme des Fremden und fliehen.

Es gibt tausend verführerische Stimmen in der Welt. Und die Welt fliegt auf all diese Stimmen, wie die Fliegen auf süßen Honig. Nur die Schafe Jesu Christi können genau unterscheiden. Viele dieser Stimmen tun so, als wären sie Stellvertreter des Hirten, als wären sie die Stimme Jesu. Aber die Schafe Jesu erkennen die Stimme des Fremden.

Sehen Sie, ich will Ihnen ein Beispiel sagen. Es war im Jahr 1933, als alles Kirche und alles Hitler zufiel. Wirklich merkwürdig. Da kam ich in ein abgelegenes Dorf auf der Schwäbischen Alb zu einer Gemeinschaftsstunde. Dort saßen die Brüder und sagten: „Wir wollen nicht von Hitler reden, das ist die fremde Stimme, die für uns ins Verderben führt.“ Da habe ich an dieses Wort gedacht: Die Schafe Jesu fliehen vor der Stimme des Fremden! Sie kennen die Stimme Jesu!

Diese Hirtenstimme scheidet die Menschen. Ich sage es in der Hirtenstimme: Jesus sagt, ich bin der gute Hirte.

Nun sehen Sie, da muss man zwischendurch sagen: Man erklärt uns heute dauernd, die Bibel wäre aus einer alten Vorstellung geschrieben. Damals gab es Hirten und Landwirtschaft, heute gibt es das kaum noch. Jedenfalls ist keiner von ihnen Landwirt, sie haben höchstens einen Blumentopf. Und so müsste ich also das Bild vom Hirten, von der Hirtenstimme in ihre Sprache übersetzen.

Ja, wie soll ich das machen? Soll ich sagen, die Stimme Jesu ist wie die Fabriksirene? Das ist schlecht, nicht? Oder wie das Heulen eines Düsenjägers? Oder wie... Ich könnte höchstens sagen, sie ist wie die Stimme einer Mutter.

Aber sehen Sie, wenn ich durch die Stadt gehe, dann höre ich so viele Mütterstimmen, die rufen: „Der kleine Junge ist hingefallen, du böser Kerl!“ Sie hauen auf ihn ein, kreischen ihn an. Kann doch ein Kind nichts dafür, oder? Ich höre so viele kreischende, töricht schimpfende Mütterstimmen, dass ich heute sagen möchte: Es gibt wenige rechte Mütter, so wie es wenige Hirten in der Großstadt gibt. Finden Sie nicht?

Also wollen wir es bei der Hirtenstimme belassen. Finden Sie nicht? Bleiben wir dabei, lassen wir es bei der Hirtenstimme. Die Welt hört sowieso nicht. Da brauchen wir uns gar keine Mühe zu geben, das zu übersetzen.

Aber hören Sie: „Meine Schafe hören meine Stimme.“ Jesus ruft Maria, und sie begreift: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.“

Es könnten Menschen hier sitzen, die er gerufen hat und deren Herz sich verstockt hat davor und die sich nicht umdrehen wollen zu ihm.

Die unter Ihnen, die unter das Wort Jesu fallen: „Meine Schafe hören meine Stimme“, die singen an diesem Ostermorgen mit allen Heiligen:

„Herr, mein Hirte, Brunnen aller Freuden,
ich bin dein, du bist mein,
niemand kann uns scheiden,
ich bin dein, weil du dein Leben und dein Blut
mir zu Gut in den Tod gegeben.“

Schlussgebet und Lied

Wir wollen beten. Ach Herr, wir danken dir, dass du als Lebendiger durch die Welt gehst und dass eine Hirtenstimme ruft. Nun bitten wir, wie so oft, Herr: Lass deine Todespein an mir nicht verloren sein. Amen.

Wir wollen aus dem Lied 373 den vierten Vers singen.

Liebe Gottes, unser Freund,
Gott sei Segen, Gott sei Segen,
Gott sei Segen, Gott sei Segen,
Gott sei Segen, Gott sei Segen,
Gott sei Segen, Gott sei Segen,
Gott sei Segen, Gott sei Segen,
Gott sei Segen, Gott sei Segen,
Gott sei Segen, Gott sei Segen,
Gott sei Segen, Gott sei Segen,
Gott sei Segen, Gott sei Segen,
Gott sei Segen, Gott sei Segen,
Gott sei Segen, Gott sei Segen,
Gott sei Segen, Gott sei Segen,
Gott sei, Gott sei,
Gott sei, Gott sei,
Gott sei, Gott sei,
Gott sei, Gott sei,
Gott sei, Gott sei,
Gott sei, Gott sei,
Gott, Gott, Gott, Gott,
Gott, Gott, Gott, Gott.

Die Frage: Wo sind eigentlich die Jungs, die sonst immer im Gottesdienst sind? Sie sind über Ostern abteilungsweise auf Freizeiten, auf Bibelfreizeiten und Fahrten. Darum sind sie heute nicht da.

Und nun lassen wir uns stille werden.

Unser Vater im Himmel,
dein Name werde geheiligt,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.

Unser täglich Brot gib uns heute,
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Herr, segne uns und behüte uns.
Herr, lass dein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig.
Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden. Amen.