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Jesus und der Erbstreit

Jesu Leben und Lehre, Teil 515/665
28.01.2025Lukas 12,13-14
SERIE - Teil 515 / 665Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist – Weg, Wahrheit und Leben.

Episode 514: Jesus und der Erbstreit

Ein unerwarteter Erbstreit in der Volksmenge

Während Jesus zu seinen Jüngern spricht, kommt eine Bitte aus der Menge. In Lukas 12,13 heißt es: „Einer aus der Volksmenge aber sprach zu ihm: ‚Lehrer, sage meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teilt.‘“

Worum es genau geht, wissen wir nicht. Ausgehend von dem Wenigen, was wir wissen, klingt es nach einer Erbstreitigkeit. Es gibt mindestens zwei Brüder und ein Erbe. Der eine Bruder möchte offenbar nicht mit dem anderen teilen oder vielleicht nicht fair teilen.

Wie gesagt, wir wissen nicht genau, worum es geht, aber es liegt vermutlich irgendeine Form von Unrecht vor. Jedenfalls wendet sich die vermeintlich benachteiligte Person an Jesus. Er soll für ihn Partei ergreifen. Die Bitte lautet: „Lehrer, sage meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teilt.“

Jesus verweigert die Rolle des Richters

Spannend ist jetzt, wie Jesus antwortet. Lukas 12,14: Er aber sprach zu ihm: „Mensch, wer hat mich als Richter oder Erbteiler über euch eingesetzt?“

Das ist vielleicht nicht die Antwort, die wir erwartet hätten, oder? „Mensch, wer hat mich als Richter oder Erbteiler über euch eingesetzt?“ Ich stelle mir gerade vor, dass das meine Antwort nach dem Gottesdienst im Kirchencafé wäre, wenn mich jemand um so einen Dienst bitten würde.

Aber halten wir fest, was Jesus hier tut: Er weigert sich, in diese Streitigkeit hineingezogen zu werden. Er sieht für sich keinen Auftrag, ein Richter oder ein Erbteiler zu sein. Und ich finde das wirklich bemerkenswert. Ich meine, sich so abgrenzen zu können und zu wissen, worin der eigene Auftrag besteht und worin eben auch nicht.

Aus diesem Vorfall kann man lernen, dass nicht jedes Problem, das mir begegnet, sofort zu meinem Problem werden muss. Und es ist anscheinend auch nicht lieblos, wenn man sich dann weigert zu helfen.

Die biblische Perspektive auf das Einmischen in fremde Angelegenheiten

Mich erinnert dieser Vorfall immer an einen Vers aus dem ersten Petrusbrief, 1. Petrus 4,15: „Denn niemand von euch leide als Mörder oder Dieb oder Übeltäter oder als einer, der sich in fremde Sachen mischt.“

Christen werden hier aufgefordert, nicht für Sünden zu leiden. Das bedeutet, man soll nicht leiden, wenn man etwas Böses tut und dafür bestraft wird. Diese Erfahrung ist für Christen nicht angemessen. Niemand von euch soll „leiden als Mörder oder Dieb oder Übeltäter“.

Bis zu diesem Punkt ist der Vers ganz klar. Doch dann wird plötzlich derjenige, der sich in fremde Sachen mischt, auf eine Stufe mit dem Mörder, dem Dieb und dem Übeltäter gestellt. Ich finde das sehr interessant.

Das Sich-ein-Mischen in fremde Angelegenheiten wird hier als Sünde dargestellt. Dabei dürfen wir Petrus nicht falsch verstehen. Natürlich sollen wir weiterhin mit anderen mitleiden, Gutes tun und dort helfen, wo wir die Möglichkeit dazu haben.

Die Balance zwischen Nächstenliebe und Zurückhaltung

Hier eine Sammlung wichtiger Bibelstellen zum Thema:

 Sprüche 3,27: Enthalte Gutes dem nicht vor, dem es gebührt, wenn es in der Macht deiner Hand steht, es zu tun.

 5. Mose 15,7-8: Wenn es einen Armen bei dir geben wird, irgendeinen deiner Brüder in einem deiner Tore in deinem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt, dann sollst du dein Herz nicht verhärten und deine Hand vor deinem Bruder, dem Armen, nicht verschließen. Stattdessen sollst du ihm deine Hand weit öffnen und ihm willig ausleihen, was für den Mangel ausreicht, den er hat.

 Galater 6,10: Lasst uns also nun, wie wir Gelegenheit haben, allen gegenüber das Gute wirken, am meisten aber gegenüber den Hausgenossen des Glaubens.

 1. Johannes 3,17-18: Wer aber irdischen Besitz hat und sieht seinen Bruder Mangel leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit.

Ihr merkt, ich darf das Gebot, dass ich mich nicht in fremde Sachen einmischen soll, nicht gegen das Gebot der Nächstenliebe ausspielen. Dennoch gibt es auch Situationen, in denen man sich in Angelegenheiten einmischt, die einen nichts angehen. Und das sollte man gefälligst bleiben lassen.

Die Risiken unbedachten Eingreifens

Sich in fremde Angelegenheiten einzumischen, kann schnell nach hinten losgehen. Man gerät möglicherweise in einen Streit, übernimmt sich oder es werden einem falsche Motive unterstellt.

Vielleicht ist die Person, der man helfen wollte, gar nicht ehrlich, und plötzlich steht man selbst in einem schlechten Licht da. Es ist also weder klug noch sinnvoll, sich für alles und jeden verantwortlich zu fühlen. Besser ist es, erst nachzudenken und dann zu entscheiden, ob es wirklich sinnvoll ist, sich einzumischen.

Im Blick auf Konflikte schreibt Salomo deshalb auch in Sprüche 26,17: „Der packt einen Hund bei den Ohren, wer im Vorbeigehen sich über einen Streit ereifert, der ihn nichts angeht.“ Man packt einen Hund nicht bei den Ohren, sonst wird man gebissen. Sich ungefragt in einen Streit einzumischen, kann dieselben Folgen haben.

Ganz leicht wird man dann selbst zum Opfer. Man sollte daher vorsichtig sein, wenn man sich in Dinge einmischt, die einen nichts angehen, und vorher die Konsequenzen bedenken.

Beispiele aus der Bibel für unkluges Eingreifen

Wir erinnern uns an Mose, oder? In 2. Mose 2,11-12 steht: Und es geschah in jenen Tagen, als Mose groß geworden war, da ging er zu seinen Brüdern hinaus und sah bei ihren Lastarbeiten zu. Dabei sah er, wie ein ägyptischer Mann einen hebräischen Mann, einen von seinen Brüdern, schlug. Mose wandte sich hierhin und dorthin, und als er sah, dass niemand in der Nähe war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sand.

Mose will eigentlich nur helfen. Es ist unklar, warum er den Ägypter sofort erschlägt. Aber hier mischt er sich definitiv in fremde Angelegenheiten ein, verhält sich unweise und muss infolgedessen aus Ägypten fliehen.

In 2. Chronik 35 lesen wir von König Josia. Er mischt sich in einen Konflikt zwischen dem Pharao von Ägypten und dem König von Assyrien ein. Der Pharao warnt ihn ausdrücklich, sich bloß nicht einzumischen. Josia tut es trotzdem.

Daraufhin wird er so schwer verwundet, dass er kurze Zeit später in Jerusalem verstirbt.

Jesu Lehre über Habsucht und die eigene Verantwortung

Kommen wir zurück zu Jesus. Er entscheidet sich also gegen das Helfen.

In Lukas 12,14 sagt er: „Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich als Richter oder Erbteiler über euch eingesetzt?“ Wenn wir weiterlesen, beginnt Jesus, über das Thema Habsucht zu sprechen.

Im nächsten Vers heißt es: „Seht zu und hütet euch vor aller Habsucht.“ Warum gerade dieses Thema? Ist das vielleicht die Motivation dessen, der Jesus um Hilfe bittet? Wir wissen es nicht.

Auf jeden Fall führt die Anfrage direkt zum Thema Habsucht. Es ist wichtig, sich dieses Prinzip zu merken: Nicht jede Bitte ist ein Auftrag.

Ich darf Nein sagen. Und ich darf es nicht nur, sondern es kann sehr klug sein, sich nicht in fremde Angelegenheiten einzumischen.

Einladung zur Selbstreflexion und Abschluss

Was könntest du jetzt tun? Überlege einmal, wie leicht oder schwer es dir fällt, Nein zu sagen. Musst du daran etwas ändern?

Das war es für heute. Am Ende jedes Monats sende ich per E-Mail drei Gebetsanliegen. Du findest sie auch in der App.

Der Herr segne dich, schenke dir seine Gnade und lasse dich in seinem Frieden leben. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

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