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Psalm 51

Die Psalmen - das Gesang- und Gebetbuch der Bibel, Teil 17/26
06.06.2015Psalm 51
SERIE - Teil 17 / 26Die Psalmen - das Gesang- und Gebetbuch der Bibel

Zum Thema Psalm 51 habe ich noch etwas nachzuholen. Ihr wisst, Psalm 51 ist ein Bußpsalm. Ich habe bereits unseren jungen Schwestern gesagt, dass ich heute Buße tun muss. Am ersten Abend habe ich etwas Falsches gesagt, und die beiden haben es bemerkt. Sonst wurde ich von niemandem korrigiert.

Ich hatte gesagt, dass der Vers „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ im Psalm 110 steht und im Neuen Testament zitiert wird. Das stimmt nicht. Das war eine Irrlehre. Bitte korrigiert das in eurem Denken.

Ich habe das verwechselt: Der Vers „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ steht im Buch Habakuk, Kapitel 2, Vers 4. Er wird im Neuen Testament mehrfach zitiert, allerdings mit unterschiedlicher Betonung.

Im Psalm 110 kommt der Vers „Du bist Priester nach der Ordnung Melchisedeks“ vor. Dieser Vers wird ebenfalls im Neuen Testament zitiert.

Bitte korrigiert das und vergebt mir, dass ich etwas Falsches gesagt habe. Ich denke, das passt hier zum Bußpsalm, Psalm 51.

Einführung in Psalm 51 und persönliche Korrektur

Ich würde vorschlagen, ich lese dem Chorleiter zunächst einen Psalm von David vor, der entstand, als der Prophet Nathan zu ihm kam, nachdem er zu Bathseba eingegangen war.

Sei mir gnädig, Gott, nach deiner Gnade!
Tilge meine Vergehen nach der Größe deiner Barmherzigkeit.
Wasche mich völlig von meiner Schuld und reinige mich von meiner Sünde,
denn ich erkenne meine Vergehen, und meine Sünde ist stets vor mir.

Gegen dich, gegen dich allein habe ich gesündigt
und getan, was böse ist in deinen Augen,
damit du recht behältst mit deinem Reden,
rein erfunden in deinem Richten.

Siehe, in Schuld bin ich geboren,
und in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.
Siehe, du hast Lust an der Wahrheit im Innern,
und im Verborgenen willst du mir Weisheit kundtun.

Entsündige mich mit Ysop, und ich werde rein sein,
wasche mich, und ich werde weißer sein als Schnee.
Lass mich Fröhlichkeit und Freude hören,
so werden die Gebeine jauchzen, die du zerschlagen hast.

Verbirg dein Angesicht vor meinen Sünden
und tilge alle meine Schuld.
Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz
und erneuere in mir einen festen Geist.

Verwirf mich nicht von deinem Angesicht
und nimm den Geist deiner Heiligkeit nicht von mir.
Lass mir die Freude deines Heils wiederkehren
und stütze mich mit einem willigen Geist.

Lehren will ich die von dir Abgefallenen deine Wege,
dass die Sünder zu dir umkehren.
Rette mich von Blutschuld, Gott, du Gott meines Heils,
so wird meine Zunge deine Gerechtigkeit jubelnd preisen.

Herr, tu meine Lippen auf,
dass mein Mund dein Lob verkünde,
denn du hast keine Lust an Schlachtopfern, sonst gäbe ich sie,
Brandopfer gefallen dir nicht.

Die Opfer Gottes sind ein zerbrochener Geist,
ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten.

Tu Zion Gutes in deiner Gunst,
baue die Mauern Jerusalems,
dann wirst du Lust haben an rechten Opfern,
Brandopfern und Ganzopfern,
dann wird man Stiere darbringen auf deinem Altar.

Soweit das Wort Gottes.

Die Offenheit Davids im Bekenntnis seiner Sünde

Ich denke, dieser Psalm ist sehr bekannt. Es ist erstaunlich, dass David seine Sünde öffentlich bekennt und sie beim Namen nennt.

Der Psalm stellt im Grunde die Frage, was echte Buße bedeutet. In der Bibel finden wir verschiedene Menschen, die Buße getan haben. Denken wir an Saul, der sagt, als er von Samuel überführt wird: „Ich habe gesündigt, nun rechtfertige mich vor dem Volk.“ Bei ihm merken wir, dass dies eher vorgeschoben ist und nicht echt.

Wenn wir die Geschichte von David betrachten, die uns in der Überschrift dieses Psalms genannt wird, entsteht ein ähnlicher Eindruck, wenn wir 2. Samuel 11 und 12 lesen. Wir denken: David, du machst es dir einfach. Du sagst nur: „Ja, ich habe gesündigt.“ Ist damit alles vorbei? Woher kommt es, dass Nathan dann sagt, Gott habe dir vergeben? Das hat Samuel bei Saul nicht gesagt.

Natürlich erkennt Gott, ob meine Buße echt ist. Dieser Psalm und auch Psalm 34 machen deutlich, was im Herzen Davids war. Das Kernanliegen dieses Psalms ist: „Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz.“ Ich glaube, jeder von uns hat diesen Wunsch: Gott, ich möchte ein reines Herz haben.

Der Wunsch nach einem reinen Herzen und die menschliche Erfahrung

Ich habe schon einmal erzählt, dass ich als Kind, bevor ich mich bekehrte, immer so geantwortet habe, wenn ich als kleiner Stöpsel gefragt wurde: „Wie heißt du?“ Dann sagte ich: „Ich heiße Ebiplatte, immer lieb und manchmal böse.“

Ich stellte mir mein Herz vor wie ein Schachbrett, schwarz-weiß, mit ein bisschen Weißem und ein bisschen Schwarzem. Aber ich glaube, jeder von uns hat eigentlich den Wunsch, ein reines Herz zu haben. Wenn man älter wird, denkt man manchmal: Könnte ich doch noch einmal von vorne beginnen, könnte ich doch einige Tage im Leben ausradieren. Gäbe es doch so etwas wie einen Tintenkiller.

Ich kenne das sicherlich noch aus der Schulzeit. Man lernte schreiben. Die Eltern unter uns kommen noch aus der Zeit, als man eine Schiefertafel hatte. Und wenn man Fehler gemacht hatte, ging das mit Spucke oder mit einem nassen Lappen wieder weg. Danach kamen die Hefte dran. Leider wurde der Tintenkiller nicht gleichzeitig erfunden.

Was machte man also, wenn man einen Fehler im Heft gemacht hatte? Man riss eine Seite heraus, aber dann musste man hinten auch eine herausreißen. Das war peinlich, wenn man dem Lehrer nur noch ein Heft mit vier Seiten gab. Abhilfe gab es dann durch die Kladden, und die waren schon perforiert. Da fiel es nicht ganz so sehr auf, wenn man etwas herausnahm.

Heute am Computer ist es einfach. Man hat ein Rechtschreibprogramm, das sofort zeigt, wenn etwas falsch ist. Wobei ich immer bedauere, dass diese Rechtschreibprogramme alle biblischen Ausdrücke nicht kennen und sie rot unterstreichen. Aber ich nehme diese Wörter dann immer als besonders bedeutsam.

Aber wie kann ich wirklich ein reines Herz bekommen? Man möchte ein sauberes Leben führen, und dann passiert doch wieder etwas. Dann hast du so einen richtigen Fleck. Solange der nur auf der Kleidung ist, gibt es dafür eine Waschmaschine. Aber was ist mit dem Herzen?

Die Frage nach Vergebung und ihre Bedeutung heute

Und die Frage ist: Warum kann Gott vergeben, und wie kann Gott vergeben? Wir wollen uns ein wenig damit beschäftigen.

Gerade in der heutigen Zeit ist es sehr wichtig, dass wir Christen uns bewusst machen, was die Bibel über Vergebung sagt. Viele Theologen – auch evangelische Theologen – und sogar der oberste Chef der evangelischen Kirche in Deutschland behaupten, dass sie nicht glauben, dass Jesus für Vergebung am Kreuz sterben musste. Sie sagen, Gott könnte uns genauso vergeben, wie wir Menschen vergeben, indem er einfach die Augen zudrückt.

Das ist eine Katastrophe. Man könnte ihm fast eine Bibel schenken. Es ist erstaunlich, dass jemand, der Theologie studiert hat und Professor oder Doktor ist, das Elementare nicht weiß. Deshalb ist es so wichtig, dass wir begreifen, warum Gott vergeben kann.

Nein, Gott drückt nicht die Augen zu. Bei Gott gibt es keine mildernden Umstände, er lässt nicht fünf gerade sein, und er lässt auch nicht über Sünde Gras wachsen.

Wir sehen hier bei David, wie Gott vergibt. David war im Verhältnis ein guter Mann. Wenn wir das Urteil Gottes in 1. Könige 15,6 über ihn lesen, steht dort, dass er tat, was recht war in den Augen Gottes – außer der Sünde mit Bathseba. David hatte also diesen schwarzen Fleck in seinem Leben.

Jeder, der seine Bibel kennt, weiß, dass eine einzige Sünde reicht, damit wir nicht in den Himmel kommen. Das bedeutet, dass keiner von uns in den Himmel kommt. Trotzdem meinen die meisten Christen: Wir sind ja nicht so schlecht wie die anderen, wir sind immerhin noch besser.

Psalm 51 als Schlüssel zum Verständnis von Vergebung

 Psalm 51 ist der vierte von sieben Bußpsalmen. Ich denke, dieser Psalm macht uns in ganz besonderer Weise klar, wie Gott vergibt, warum er das tut und was er von uns erwartet.

Denken wir einmal zurück an die Situation, in der David war. Ich will jetzt die Kapitel nicht vorlesen, sondern nur kurz nacherzählen. Ich gehe davon aus, dass die meisten diese Begebenheit kennen.

David war seit einigen Jahren König. Er hatte einen prächtigen Heerobersten namens Joab. Mit Joab zusammen führte er Kriege gegen die Feinde Israels, und sie hatten überall gesiegt. Dann schickte er seinen Heerobersten alleine los, damit dieser auf der gegenüberliegenden Jordanseite gegen die Amoriter kämpft. Joab sollte die Stadt Ramat einnehmen. David dachte, das schafft der Heeroberste alleine. Ich mache mal Pause.

Später lesen wir, dass David des Abends von seinem Lager aufsteht und auf dem Flachdach seines Hauses spazieren geht, um sich die Gegend anzuschauen. Das ist schon eine eigenartige Sache: Er steht abends auf, nachdem er tagsüber offensichtlich gefaulenzt hat. Dabei sieht er Bathseba im Nachbarsgarten baden.

Natürlich kann man sagen, Bathseba sei selbst schuld. Sie hätte eine spanische Wand aufstellen können oder sich irgendwie abdecken müssen. Musste das sein? Man weiß nicht, was in ihrem Herzen vorging, darüber schweigt die Bibel. In der Regel suchen wir, wenn wir sündigen, einen Teil der Schuld bei jemand anderem. Wir meinen dann, unsere Schuld sei nicht so schlimm.

Aber bei Gott ist das nicht so. Gott rechnet mit jedem Einzelnen ab. David erkundigt sich zuerst, wer diese Frau ist. Man sagt ihm, das ist die Tochter seines Geheimen Rats, also derjenige, der ihn sonst in seinen Regierungsfragen berät, und sie ist die Frau eines seiner Kriegshelden. Das hätte ihn schon warnen können.

David war ja nicht unverheiratet, er hatte schon mehrere Frauen. Aber wir wissen auch sehr schnell, und sicherlich ist das bei uns Männern ganz besonders eine Gefahr, dass manchmal die Gefühle durchgehen und der Verstand ausgeschaltet wird. Gerade wenn es um Sexualität geht, wissen wir alle, dass so etwas verkehrt ist, und wir tun es trotzdem.

David weiß auch, dass das falsch ist. Im Grunde hätte bei ihm in diesem Moment, als ihm das gesagt wird, die Alarmglocke läuten müssen. Doch er überschreitet die rote Ampel und lädt Bathseba zu sich ein. Man kann sich fragen, was er vorhatte. Wollte er mit ihr Abendessen und ihre Briefmarkensammlung anschauen? Er lässt sie kommen, und selbst da hätte er noch Stopp sagen und sie wieder nach Hause schicken können.

Nein, er nutzt die Gelegenheit und schläft mit ihr. Das bleibt nicht ohne Folgen. Sie gibt ihm Bescheid, dass sie schwanger ist. Und wir wissen auch: Wenn man gesündigt hat, muss man oft noch einmal sündigen, um das Erste zu verdecken. Wer gesündigt hat, lügt sehr leicht und sucht Ausreden.

David überlegt, wie er das Ungeschehene wieder rückgängig machen kann. Also schickt er einen Boten zu seinem Heerobersten mit der Bitte, Uriah zu ihm zu schicken. Er bietet diesem Heereshelden an, einen Tag Urlaub zu nehmen, um zu seiner Frau zu gehen.

Aber Uriah hat mehr Ehre in den Knochen als David. Er sagt: „Meine Kameraden und mein Heeroberst schlafen in Zelten und liegen vor dem Feind. Und ich soll zu meiner Frau gehen? Nein, ich bin Kamerad, ich halte zu meinen Kameraden.“

David merkt, der erste Anlauf funktioniert nicht. Er wollte das vertuschen. Hätte Uriah in dieser Nacht mit seiner Frau geschlafen, hätte David ihm die Schwangerschaft unterschieben können.

Also macht er einen zweiten Versuch. Er lädt Uriah zum Trinken ein, macht ihn betrunken und versucht es noch einmal: „Geh nach Hause!“ Doch auch das tut Uriah nicht. Selbst mit betrunkenem Kopf ist mehr Anstand drin, als David vermutet.

Dann bleibt David nichts anderes übrig, als Uriah mit seinem eigenen Todesurteil an die Front zu schicken. Er schreibt einen versiegelten Brief an Joab, in dem er ihn bittet, Uriah so zu stellen, dass er im nächsten Kampf ums Leben kommt. Das geschieht, Uriah kommt um, seine Frau trauert um ihn, und nach der Trauerzeit heiratet David Bathseba.

Damit scheint alles zugedeckt zu sein, abgesehen davon, dass sich jeder in Jerusalem ausrechnen konnte, dass das Kind, das geboren wird, eine Frühgeburt war. Aber wenn der König so etwas macht, spricht man nicht darüber. Das ist bis heute so.

Doch Gott vergisst es nicht. Das Kind wird geboren, und es heißt, dass Gott das nicht gut fand. Er schickt den Propheten Nathan zu David und sagt ihm die Wahrheit.

Das ist schon interessant, wie Gott durch Nathan David überführt. Nathan erzählt ihm eine Geschichte, und David hat ein Gerechtigkeitsempfinden. Er explodiert und sagt sofort: „Der Mann ist ein Mann des Todes, der das getan hat, was du da erzählt hast!“

Daraufhin sagt Nathan: „Du bist der Mann!“ Er überführt David seiner Sünde, des Ehebruchs und des Mordes.

Daraufhin sagt David: „Ich habe gesündigt.“ Offensichtlich dichtet er dann diesen Psalm. Ich denke, das geht schon zu Herzen. Er schildert, was in seinem Herzen vorgegangen ist und vorgeht.

Vielleicht kennst du das auch: Selbst wenn du ein Eigentum des Herrn bist und gesündigt hast, ich denke, das kommt bei jedem vor – bei mir auf jeden Fall. Wie gehen wir dann vor?

David betet hier: „Sei mir gnädig, Gott, nach deiner Gnade. Tilge meine Vergehen nach der Größe deiner Barmherzigkeit. Wasche mich völlig, reinige mich.“

David hat in diesem Psalm drei Hauptgebetanliegen.

Die drei Hauptanliegen Davids im Psalm 51

Das Erste, würde ich sagen, sind die Verse drei bis neun. Hier bittet David Gott: „Reinige mich.“ Er sagt, dass er dreckig ist, denn Sünde macht dreckig.

Das Zweite sind die Verse zehn bis vierzehn. David denkt an seine Zukunft. Jeder, der ehrlich ist, muss bekennen: Wenn ich einmal gesündigt habe, kann das immer wieder vorkommen. Ich bin nicht gefeit davor. Deshalb betet David und bittet darum: „Erneuere mich.“

Im dritten Abschnitt, den Versen 15 bis 21, bittet er: „Gebrauche mich.“ Ich habe hinter diesen drei Abschnitten jeweils „erste Strophe“, „zweite Strophe“ und „dritte Strophe“ geschrieben. So kann man die drei Abschnitte sehen, die David in diesem Psalm betet.

Man könnte sagen, zum Ersten: „Reinige mich.“ Wovon? Was ist seine Sünde? David weiß ganz genau, dass er Ehebruch begangen hat, Mord und Betrug. Das heißt, er hat drei der zehn Gebote übertreten.

David selbst ist Richter über Israel. Er hätte also über sich selbst Gericht halten müssen. Er hätte sich selbst anklagen und verurteilen müssen. Er weiß, dass er vor dem obersten Richter steht, vor Gott.

Wenn diese Anklage vor Gericht gekommen wäre, hätte David auch gewusst, dass es nach dem Gesetz keine Möglichkeit der Sühne und eines Opfers gibt.

Die Konsequenz der Sünde und die Notwendigkeit der Gnade

Ist euch schon einmal bewusst gewesen, dass die zehn Gebote bei jeder Übertretung die Todesfolge nach sich ziehen? Es gab im Alten Testament nur Vergebung durch ein stellvertretendes Opfer bei Sünden aus Versehen. Wenn jemand bewusst gesündigt hatte, gab es kein Opfer.

Können wir uns vorstellen, wie gut es uns heute geht? Das heißt, keiner von uns säße hier, wenn wir nach dem Alten Bund von Gott verurteilt würden. Jeder von uns hat schon bewusst gesündigt – wenn nicht mit den Händen, dann mit den Gedanken.

Mir geht das immer so, wenn ich mit meiner Frau in den Frauenknast gehe und mit den Inhaftierten spreche. Dann muss ich oft sagen: Was die getan haben, habe ich schon gedacht. Ich bin nicht besser. Ich habe es vielleicht nur nicht getan. Aber vor Gott ist es genauso Sünde. Oft denke ich, dass die meisten Christen nur Buße über ihre Taten getan haben, nicht aber über ihre Gedanken. Das hat zur Folge, dass wir immer wieder in Sünde fallen.

Wir kommen gleich noch darauf, denn David merkt das auch: Sünde beginnt immer in meinem Denken, nicht erst beim Tun. Ein einfaches Beispiel ist Kain und Abel. Kain überlegt sich vorher ganz genau, was er machen will. Gott begegnet ihm, bevor er den Mord an seinem Bruder begeht, und warnt ihn. Das macht sehr deutlich: Jede Sünde beginnt in meinem Kopf, in meinem Denken. Damit gibt uns Gott die Möglichkeit, eine Sünde nicht zur Tat werden zu lassen – aber meistens überschreiten wir diese Grenze.

David ist sich sehr bewusst, dass er für das, was er getan hat, dreimal die Todesstrafe verdient hat. Bei uns gibt es nicht mehr die Todesstrafe, sondern lebenslänglich. Wenn wir im Gefängnis mit den Frauen sprechen, treffen wir etliche, die mehrfach lebenslänglich haben. Wir kennen dort eine Frau, die neunmal lebenslänglich hat. Das heißt für sie: Sie kommt nicht mehr raus. Einmal lebenslänglich bedeutet, bei guter Führung kann man nach zwanzig Jahren eine Begnadigung erwarten. Aber bei mehrfach lebenslänglich ist das ausgeschlossen.

David merkt: Ich habe gegen Gott gesündigt. Natürlich hat er auch gegen Uria und gegen Bathseba gesündigt. Aber zunächst einmal ist jede Sünde gegen Gott. Ich sündige also nicht nur gegen Menschen, sondern auch gegen Gott. Sünde geschieht immer in zwei Richtungen: nach oben und horizontal.

So war das damals auch bei Adam und Eva. Sie übertraten das Gebot Gottes, sündigten gegen Gott, aber auch gegeneinander. Denn ihr Verhältnis zueinander veränderte sich mit ihrem Sündenfall. David erkennt: Es gibt für mich keine Möglichkeit, dass Gott mir vergibt. Deswegen schreit er um Gnade, bittet um Barmherzigkeit und Liebe.

Das ist bis heute in der Gesetzgebung so: Man hat keinen Rechtsanspruch auf Gnade, um Gnade kann man nur bitten. Gnade setzt auch in der heutigen deutschen Gesetzgebung voraus, dass man das Urteil anerkennt. Ich kann von Gott nur Gnade bekommen, wenn ich akzeptiere, dass sein Urteil über mich richtig ist.

David sagt das: Damit dein Recht gerecht ist. Er akzeptiert Gott, du hast Recht, ich bin ein Sünder, ich bin der Mann des Todes. Vor etlichen Jahren war ich auch im Knast in Köln-Ossendorf. Dort war eine Frau, die mehrfach lebenslänglich hatte, eine ehemalige Krankenschwester, die einigen Patienten beim Sterben geholfen hat. Ihr wurde gesagt, sie könne ein Gnadengesuch einreichen, aber sie lehnte ab, weil sie das Urteil über sich nicht akzeptierte.

Das ist genau biblisch. Jeder Mensch, der das Urteil Gottes über sich nicht akzeptiert, kann keine Gnade von Gott erfahren. Ich muss akzeptieren: Gott, du hast Recht. Meine Sünde hat die ewige Verdammnis zur Folge. Ich brauche deine Gnade.

David begreift das hier. Er weiß: Ich habe Ehebruch begangen, ich habe betrogen und Mord begangen. Ich bin der Mann des Todes, von dem der Prophet Nathan gesprochen hat. Deswegen spricht er drei Dinge aus, die wir gelesen haben.

Er sagt: Tilge meine Sünden. Das wäre das Beispiel einer offenen Rechnung, die man tilgen kann. Wenn ich eine offene Rechnung bei jemandem habe, kann sie getilgt, also ausgelöscht werden. Der, dem ich etwas schuldig bin, kann das durchstreichen.

Das Zweite, um das er bittet, ist Reinigung. Er weiß, Sünde verunreinigt mich. Ich denke gerne daran zurück, als wir damals unsere Pflegetochter aufnahmen. Sie war damals neunzehn Jahre alt, lebte auf der Straße und war noch nie in einer Kirche gewesen. Sie war alkohol- und drogenabhängig und lebte in einer lesbischen Beziehung. Sie kam zu uns, und wir nahmen sie auf.

Am nächsten Sonntag ging sie mit in die Gemeinde. Sie saß neben meiner Frau und fragte ganz unruhig: "Sind das hier alles Christen?" Meine Frau sagte: "Ja." Sie antwortete: "Hier ist es so heilig, ich bin so dreckig, ich passe hier nicht hin." Das hat sich verändert, als sie zum Glauben kam.

Wir brauchen also Reinigung und Säuberung. Die Bibel unterscheidet diese beiden Dinge: Reinigen und Waschen. Verunreinigung ist etwas wie zum Beispiel bei einem Aussätzigen, der unrein war. Einer, der sich sonst nicht wäscht, ist eben dreckig und muss gesäubert und gewaschen werden.

Das sind zwei verschiedene Dinge: Das eine ist ethisch-kultische Unreinheit, das andere halb hygienischer Natur. Wahrscheinlich kennst du das auch: Wenn du gesündigt hast, empfindest du dich als dreckig. Bei manchen Menschen entsteht dadurch ein Putzfimmel. Sie waschen sich fünfmal am Tag, duschen pausenlos und wollen auch alles in der Wohnung sauber haben.

Ich glaube, David merkt: Sünde ist nicht nur etwas Äußeres, bei dem andere Menschen beteiligt sind. Sünde beginnt zunächst einmal bei mir im Kopf. Deswegen stellt er sich das vor Augen. In der zweiten Strophe, Vers 10 bis 14, wird das deutlich.

Ihm wird bewusst, in Vers 5, dass Sünde seine Augen verunreinigt. Wer sündigt, hat keinen klaren Blick mehr. Das wird später deutlich, als sein Sohn Amnon sündigt und seine Halbschwester vergewaltigt. David wird zornig, sagt ihm aber nichts. Warum nicht? Amnon hätte sagen können: "Vater, was willst du? Was hast du denn gemacht? Und du willst über mich richten?" Das macht deutlich: Sünde verstopft uns den Mund.

David merkt das auch in Vers 8: Sünde verunreinigt seinen Verstand, sein Denken. Ganz offensichtlich merkt er, wie ich schon sagte, dass Sünde bei ihm im Denken, im Kopf beginnt. Sünde verunreinigt seine Ohren und seinen Körper. Wer sündigt und lügt, der hört die Wahrheit nicht mehr.

"Sünde verunreinigt mein Herz, meinen Geist", sagt Vers 12. Sünde verunreinigt seine Hände (Vers 16) und seine Lippen (Vers 15 bis 17). Die Bibel macht das sehr deutlich und verharmlost es nicht.

Denken wir an den Sündenfall von Adam. Der Sündenfall war nicht einfach nur der Biss in die Frucht, sondern durch diese Sünde zerbrach die Beziehung zu Gott, zu einander und zur Umwelt. Geist, Seele und Leib wurden durch die Sünde in Mitleidenschaft gezogen, und das ist bei jeder Sünde so.

Ich glaube, es ist wichtig, dass uns immer wieder bewusst wird, wie furchtbar Sünde in den Augen Gottes ist. Wie ich schon sagte: Der Ursprung der Sünde liegt in meinem Denken. Deswegen brauchen wir nicht nur Vergebung, sondern auch Erneuerung des Herzens und des Geistes. Ich brauche den Geist Gottes.

Das merkt David in diesem Psalm sehr deutlich. Er bittet darum: Gib mir einen neuen Geist. Das ist fast so, als würde er sagen: Gott, in meinem Kopf, in meinem Computer da oben, ist das Motherboard kaputt. Ich brauche ein neues. Das Innerste des Computers muss neu sein. Beim Auto hat man einen Austauschmotor, beim Computer kann man auch das Innerste auswechseln.

David sagt: Bei mir muss das da oben neu sein. Nicht einfach nur gesäubert, ich brauche einen neuen Geist. Er hatte noch nicht die Erfahrung des Neuen Testaments über den Heiligen Geist. Das Neue Testament macht uns sehr deutlich – und das ist das Geschenk, das Gott uns gibt, wenn wir uns bekehren –, dass er uns seinen Heiligen Geist gibt.

Das ist die Möglichkeit, dass wir durch ihn gesteuert werden und nicht mehr durch unseren sündigen menschlichen Geist. Ich brauche also den Geist Gottes. Es ist erstaunlich, dass David in diesem Psalm diese Erkenntnis bekommt.

Ich muss nicht nur, wie heute oft gesagt wird, meine Sünden bekennen und dann ist die Sache erledigt. David merkt viel mehr: Obwohl Gott uns verspricht zu vergeben, lässt er uns häufig auch die Folgen tragen.

Das gilt auch bei David. Nathan sagt ihm, Gott hat ihm nach seiner Buße vergeben, aber das Kind muss sterben. Er begründet es damit, dass David durch sein Verhalten als König den umliegenden Völkern Grund zum Spott gegeben hat.

Wir kennen wahrscheinlich die Geschichte, wie David im Gebet gerungen hat, aber Gott sich nicht erweichen ließ. Dann wurde der zweite Sohn geboren, nachdem diese Sache geklärt war: Salomo, der Thronfolger. Das wiederum ist Gnade. Darauf hatte David keinen Anspruch.

Die Aufforderung zum Dienst nach Vergebung

Und ich sagte, David hat eine dritte Bitte. In den Versen 15 bis 21 finden wir sozusagen die dritte Strophe: Er sagt, „Gebrauche mich!“ Das ist eigentlich etwas völlig Neutestamentliches. Wenn ich Vergebung meiner Sünden durch Gott bekomme, dadurch, dass Jesus an meiner Stelle stirbt, erwartet Gott von mir, dass ich ihm auch diene.

David sagt, dass der Dienst für Gott durch Sünde unterbrochen wird. Das kennen wir sicherlich aus vielen Begebenheiten, auch in unseren Gemeinden. Der Teufel weiß ganz genau: Wenn er eine Gemeinde zerstören will, muss er bei den Verantwortlichen anfangen, damit diese durch Sünde unmöglich werden.

Das heißt, wenn ich mir meiner Schuld bewusst bin, weiß ich, dass ich nur noch von Gottes Gnade abhängig bin. David weiß, dass Opfer ihn nicht reinigen können. Deshalb bittet er um ein zerbrochenes Herz. Das ist Buße – nicht einfach nur mit dem Mund zu sagen „Bitte vergib mir“, sondern Gott sieht das Herz und prüft, ob mein Herz zerbrochen ist.

Deswegen ist es für mich immer wieder wichtig, dass wir immer wieder, und in vielen Gemeinden ja sogar wöchentlich, das Abendmahl feiern, das Brot brechen, das Mahl des Herrn. So werden wir daran erinnert, was nötig war, damit wir Vergebung durch Gott bekommen.

Wie oft kann der Teufel eine gute Arbeit durch Sünde zerstören? Wir könnten uns auch fragen: Warum kann Gott vergeben? Nicht, weil er die Augen zudrückt. Auch damals bei David hat er nicht einfach die Augen zugedrückt. David wusste noch nichts vom Sterben des Herrn Jesus. Aber Gott konnte David vergeben, weil er wusste: Mein Sohn wird einmal sterben – auch für die Sünden von David. Manche nennen das vorlaufende Gnade.

Eine andere Frage ist: Wann vergibt Gott? Wir kennen alle den Vers aus 1. Johannes 1,9: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, dann ist Gott treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“

Ist euch schon mal aufgefallen, dass da steht: „Dann ist Gott treu und gerecht“? Was ist daran treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt? Müsste da nicht stehen: „Dann ist Gott gnädig und barmherzig“?

Wir merken, Gottes Vergebung ist nicht einfach nur Mitleid mit uns. Gottes Vergebung ist eine rechtmäßige Angelegenheit. Sein Sohn stirbt an meiner Stelle, und das ist rechtmäßig. Er hat für mich Sühnung getan, er hat die Folge meiner Sünde getragen.

Wir waren in dem Gefängnis durch den Willen, und an einem Abend war eine Frau zum ersten Mal da. Nach der Andacht fragte sie mich: „Warum kommt ihr überhaupt?“ Ich antwortete: „Wir haben die beste Botschaft, die es gibt.“ Sie fragte: „Was ist das?“ Und ich sagte ihr: „Passt auf, wir schlagen zusammen die Bibel auf, da steht es.“

Ich schlug mit ihr zuerst Johannes 1,9 auf. Ich bat sie, den Vers laut zu lesen. Sie las ihn. Danach fragte ich: „Verstehst du das?“ Sie schaute mich an und fragte: „Alle Sünden?“ Ich sagte: „Lies noch mal.“ Sie las erneut und fragte: „Auch die schlimmen?“ Ich sagte: „Lies noch mal.“

Sie las noch einmal und flüsterte nur: „Auch Mord?“ Ich sagte: „Lies noch mal.“ Sie las erneut und sagte: „Auch viele Morde?“ Ich sagte: „Lies noch mal.“ Ich vergesse ihre Augen nicht, als sie mich anschaute und sagte: „Das ist ja Wahnsinn, das müsste ja jeder hier im Knast wissen.“ Ich antwortete: „Deswegen kommen wir.“

Ich denke, das muss nicht nur jeder im Gefängnis wissen, sondern jeder hier in Savelstein und überall in Deutschland: Gott vergibt. Menschlich gesprochen ist das Wahnsinn, oder? Ich glaube, es ist wichtig, dass uns das immer wieder bewusst wird.

Die Tiefe der Vergebung Gottes veranschaulicht

Und wie vergibt Gott? Gottes Wort sagt es – wahrscheinlich kennt ihr dieses Lied von Margaret Birkenfeld. Im Buch Micha wird gesagt, dass Gott unsere Sünden in die Tiefe des Meeres wirft.

Wer weiß, wie tief das Meer an der tiefsten Stelle ist? Elftausend Meter, nicht wahr? Der höchste Berg ist etwa achttausend Meter hoch. Das passt also rein, und es ist noch viel Wasser darüber.

Wenn Gott sagt: „Ich werfe deine Sünde in die Tiefe des Meeres“, was will er damit sagen? Dass niemand mehr daran herankommt. Ist schon einmal jemand in elftausend Meter Tiefe gewesen? Ja, im Jahr 1960 ist der Schweizer Jacques Piccard mit seinem Tauchboot Triest bis auf zehntausendneunhundert Meter hinabgetaucht.

Konnte er da aussteigen? Warum nicht? Der Wasserdruck ist zu stark, das hält kein Mensch aus. Konnte er dort unten etwas sehen? Es war stockdunkel.

Gott will also sagen: Die Sünden, die du mir bekennst, werfe ich in die Tiefe des Meeres – da kommst du nicht mehr dran. Und wenn auch alle Psychotherapeuten dir sagen, tauche in deine Vergangenheit, und wenn fromme Therapeuten sagen, tauche in die Vergangenheit und hole sie mit Jesus wieder hervor – das steht nicht in deiner Bibel.

Gott sagt: „Tuse, weg!“ Das ist göttliche Endlagerung, besser als Gorleben.

Oder er sagt ein anderes Beispiel: „Ich habe deine Sünden getilgt wie einen Nebel.“ Wer war schon einmal morgens früh im Tal, wenn Nebel liegt, und dann kommt die Sonne? Wo ist der Nebel? Weg! Du kannst ihn nicht mehr greifen, du kannst ihn nicht wiederholen – einfach weg!

Und Gott sagt: Die Sünden, die du mir gibst, tilge ich wie einen Nebel – weg!

Wenn wir das begreifen, müssten wir eigentlich alle fröhliche Christen sein. Nietzsche hat es so gesagt: Wenn die Botschaft der Christen stimmt, müssten die Christen viel erlöster aussehen. Und ich glaube, er hat Recht.

Also lasst uns füreinander beten, dass Gott uns bewahrt. „Herr, bewahre uns vor dem Bösen“, lehrte Herr Jesus uns zu beten.

Die Bedeutung echter Busse und Zeugnis im Leben der Gläubigen

Ich denke, es ist für uns wichtig zu verstehen, dass echte Buße ein zerbrochenes Herz vor Gott bedeutet. Wenn du mit einem zerbrochenen Herzen zu Gott kommst, dann kann Gott nicht anders, als dir zu vergeben. Das halte ich für sehr bedeutend.

Ich kann von anderen keine Buße verlangen, aber ich kann selbst Buße tun. Jeder, der das getan hat und immer wieder tut, wird merken, dass das das Leben befreit. Dann ist wieder klare Luft zum Atmen, so wie nach einem Gewitter. Ich wünsche euch allen genau das.

Mich bewegt das sehr, wenn ich Psalm 51 lese. Ich staune über das, was David in dieser Situation erkannt hat und wie offen er darüber spricht. Er sagt auch, dass er das weiter erzählen will. Jeder, der Vergebung erfahren hat, sollte das Bedürfnis verspüren, anderen Menschen davon zu erzählen: wie er zum Glauben gekommen ist, wie Gott ihm geholfen und ihn befreit hat.

Vor anderthalb Jahren haben wir das mit einer Frau im Frauengefängnis erlebt. Sie hatte mehrfach lebenslänglich, weil sie als Altenpflegerin einige Seniorinnen umgebracht hatte. Sie kommt seit langer Zeit zu unserer Kontaktgruppe und hatte immer viele Fragen. Schließlich hat sie die Entscheidung zur Buße getroffen.

Bis voriges Jahr lautete die Jahreslosung: „Gott nahe zu sein ist mein Glück.“ In einer Andacht im Gefängnis habe ich zuerst gefragt: Wer von euch ist glücklich? Zwei Frauen meldeten sich. Ich fragte die erste Frau, die sagte, sie werde nächste Woche entlassen. Ich antwortete, das sei ein vorübergehendes Glück, und hoffte, dass wir uns nicht wiedersehen würden.

Die zweite Frau war die junge Frau, die Buße getan hatte. Sie sagte: „Ich habe begriffen, dass ich vor Gott sündig bin. Ich sitze hier im Gefängnis zu Recht. Was ich getan habe, kann ich nicht wieder gut machen. Selbst durch mein Bekenntnis werden die Menschen nicht wieder lebendig. Ich sitze zu Recht hier. Aber Gott hat mir meine Sünden vergeben, mein Herz ist frei, und ich kann hier im Gefängnis glücklich sein. Das ist gewaltig.“

Zurzeit kommen manche der anderen Frauen zu ihr und fragen: „Kannst du uns erklären, wie du das gemacht hast?“ Verschiedene Wachhabende sind zu ihr in die Zelle gekommen und haben gefragt: „Was ist mit dir passiert?“ Sie gibt Zeugnis, und es ist schön, das einfach zu sehen.

Sie sagt: „Ja, das, was ich hier tue, ist zu Recht. Was ich getan habe, war falsch und ist mit nichts zu entschuldigen. Aber die Schuld ist weg.“ Das finde ich gut. Jeder Inhaftierte weiß, dass ein Richter ihn nur bestrafen kann, aber nicht seine Schuld vergeben kann.

Ich weiß aus dem Gefängnis in Köln Ossendorf, dass sich ein junger Mann, einen Tag vor seiner Entlassung, in seiner Zelle aufgehängt hat. In seinem Abschiedsbrief schrieb er: „Ich werde mit meiner Schuld nicht fertig.“

Wir Christen haben die Botschaft: Ja, Gott kann auch bestrafen, aber Strafe ist etwas anderes als Schuld. Die Strafe bei David war, dass der Junge danach sterben musste. Aber die Schuld bei David war vergeben, sein Gewissen war frei.

Bei manchen ist es so: „Du sündigst vielleicht, bist Alkoholiker und bekommst Leberzirrhose.“ Die Leberzirrhose ist die Folge, aber nicht die Schuld. Ich sage immer: Wer frei werden will von irgendeiner Sucht, ob Alkohol, Drogen oder etwas anderes, der muss zuerst Buße tun. Dann kann Gott ihn auch befreien.

Ich möchte dazu Mut machen. Echte Buße ist ein zerbrochenes Herz vor Gott. Da kann Gott nicht anders, als Vergebung zu schenken. Amen.

© Autor, Referent: Eberhard Platte

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