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Charakterzüge der endzeitlichen «bibeltreuen» Gemeinde Laodizea – Teil 1

Offenbarung 3,14-2215.03.2026
SerieTeil 5 / 7Frühjahrstagung "Das prophetische Wort" Zavelstein 2026

Einleitung und Hinführung zum Thema

Ich kann mir gut vorstellen, dass manche von euch, die dieses Abendthema auf dem Programmzettel gelesen haben, etwas verwirrt waren oder auf einen Schreibfehler getippt haben. Aber das ist kein Schreibfehler. Bibeltreu steht hier in Anführungsstrichen und soll andeuten, dass es Gemeinden gibt, vielleicht sogar eine Gruppe von Gemeinden oder auch von einzelnen Personen natürlich, die sich für bibeltreu halten, aber vielleicht von unserem Herrn als laodizeisch betitelt werden.
Wir lesen Offenbarung 3,14 ff., wo dieses Sendschreiben an die Gemeinde in Laodizea zu lesen ist. Das ist das letzte der sieben Sendschreiben, und ich lese wieder nach der Alten Elberfelder:
Dem Engel der Versammlung in Laodizea schreibe: Dieses sagt der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes: Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! So, weil du lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund. Weil du sagst: Ich bin reich und bin reich geworden und bedarf nichts, und nicht weißt, dass du der Elende und Jämmerliche und arm und blind und bloß bist, rate ich dir, von mir zu kaufen Gold, geläutert im Feuer, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du bekleidet werdest und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest. Ich überführe und züchtige, so viele ich liebe. Sei nun eifrig und tu Buße! Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem werde ich eingehen und das Abendbrot mit ihm essen und er mit mir. Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron. Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt.
Eine ziemlich schockierende Zustandsbeschreibung: lau, elend, jämmerlich, arm, blind und nackt. Ich hoffe nicht, dass du jetzt laufend hin und her rennen musst. Und ich bitte euch, diese Diagnose des Herrn auch auf euer persönliches Leben und auf das eurer Gemeinde anzuwenden und zu fragen, ob uns das etwas zu sagen hat.
Wir alle neigen ja dazu, uns mit mehr Interesse die aktuellen politischen Entwicklungen und die prophetischen Aussagen der Bibel zu verfolgen. Aber was wir nicht so gerne tun, ist, unseren Eigenzustand und die biblische Diagnose darüber, die Diagnose Gottes, auch einmal mit Ernst und in Ruhe zu studieren.
Ich werde keine lange Einleitung machen, aus Zeitgründen. Wir haben heute Abend nicht so viel Zeit. Ich setze voraus, dass den meisten von euch die Einteilung der Offenbarung gut bekannt ist, und ich wiederhole nur ganz kurz:
Im Allgemeinen teilen die Ausleger, die die Bibel gut kennen, die Offenbarung in drei Teile ein. Das kann man auch bei Roger nachlesen. Leider ist seine Offenbarung ja noch vergriffen, wird aber bald wieder lieferbar sein.
Teil 1: Kapitel 1. Da finden wir das, was Johannes gesehen hat, was ihm gezeigt wurde, also die Beschreibung unseres Herrn als Richter und nicht so sehr als unser Heiland oder Bräutigam der Gemeinde. Das ist wichtig, wenn man das betrachtet. Das ist das, was du gesehen hast, so beginnt das auch.
Teil 2: Kapitel 2 und 3. Und zwar die Beschreibung von sieben Gemeinden zur Zeit des Apostels Johannes aus der Menge der damaligen zahlreichen Gemeinden in Kleinasien, also der heutigen Türkei, beginnend mit Ephesus und endend mit Laodizea, was wir eben gelesen haben. Sie lassen sich auf einer Landkarte im Uhrzeigersinn fast als Kreis verfolgen. Also es beginnt mit Ephesus, dann geht es schrittweise weiter: Pergamos, Thyatira, Sardis, Philadelphia und schließlich dann auch Laodizea.
Das ist ganz erstaunlich, weil auf der einen Seite der Zustand der damaligen Gemeinden beschrieben wird, wie es denen ging, was da los war in den Gemeinden, welche Entwicklungen da waren. Wir bekommen einen Eindruck davon. Auf der anderen Seite ist es auch eine prophetische Vorausschau über den Verlauf der Kirchengeschichte. Und das macht diese ganze Geschichte, meine ich, auch sehr spannend: vom ersten Jahrhundert an, also zur Zeit des Johannes, bis dann zur endzeitlichen Christenheit, in der wir leben.
Teil 3 ist dann der Rest der Offenbarung von Kapitel 4 an bis Kapitel 22. Das ist das, was nach der Entrückung der Gemeinde kommen wird. Denn das wird eingeleitet mit dem, was noch kommen wird: an Gerichten über die Völker, über Israel, die Namenschristenheit, über den Teufel, seine Helfer und so weiter. Und dann natürlich auch das zukünftige tausendjährige Reich und die herrliche Zukunft Israels und der Gemeinde.
Das kann man nachlesen in einer der letzten, also nicht der letzten, aber der vorletzten, glaube ich, Neuerscheinungen von dir, Roger? Ja, Vorfreude auf das Schönste, die himmlische Herrlichkeit. Das Vaterhaus, was uns da erwartet, möchte ich auch ganz warm empfehlen. Man kann es gut weiterschenken, gerade auch an Geschwister, die krank sind oder leiden, Nöte haben und so weiter. Es ist eine große Ermutigung. Auch schön gestaltet, ich glaube fünf Euro etwa oder fünf Euro fünfzig. Also das, was sein wird, was kommen wird.
Aber heute Abend möchte ich eigentlich nur etwas sagen, ganz kurz über diese sieben Sendschreiben und vor allem dann eben über das, was wir gelesen haben, über Laodizea.
Die Auslegungsmöglichkeiten: Einmal kann man diese Sendschreiben, die Briefe an die verschiedenen Gemeinden, historisch untersuchen. Dann bekommen wir einen Eindruck, wie die Gemeinden damals ausgesehen haben, die Gemeinden zur Zeit des Apostels Johannes, also etwa um das erste Jahrhundert nach Christus, sagt man. Und das ist sehr ernüchternd, denn wir stellen fest: Damals schon haben Frauen gepredigt und gelehrt, haben verführt zu Hurerei, zum Götzendienst. Arroganz war in den verschiedenen Gemeinden zu erkennen, dann die Lehre Biliams, das ist die im Alten Testament, auch im Neuen Testament oft genannte Vermischungslehre des Biliam, der verführt hat zu Hurerei und zum Götzendienst, die Lehre der Nikolaiten usw. Also ein Teil der Entwicklungen, die uns heute nach fast zweitausend Jahren in unseren Gemeinden Sorgen bereitet, waren genau diese Dinge im Ansatz damals schon vorhanden.
Wir haben also oft ein sehr, sehr rosiges Bild von der damaligen Christenheit. Das ist aber nicht realistisch.
Dann kann man die sieben Sendschreiben auch prophetisch auslegen, und das wollen wir auch heute Abend tun, haben wir auch schon ein wenig getan. Man kann den Verlauf der Kirchengeschichte verfolgen. Das wird allerdings von geschätzten Auslegern der reformierten Fraktion anders gesehen. Es gibt da eine, wurde auch schon erwähnt, Bundesteologie oder Ersatztheologie, die die Bibel mit einer ganz anderen Brille lesen, auch die ganzen Prophezeiungen im Alten Testament. Sie behaupten, dass der Staat Israel überhaupt keine Rolle mehr spielt im Heilsplan Gottes, sondern dass die Gemeinde im Neuen Testament alle Verheißungen für Israel usw. im Alten Testament übernommen hat und eben Ersatz ist für Israel. Deswegen spielt das politische Israel gar keine Rolle mehr, weil jetzt die Zeit der Gemeinde da ist und die Gemeinde anstelle von Israel. Also diese sogenannte Ersatztheologie.
Die behaupten zum Teil, die differieren auch ein bisschen, dass wir jetzt schon im Tausendjährigen Reich sind. Einige sagen, das fing mit Augustinus an, andere sagen, das begann mit der Reformation. Da wurde eben die Hure Babylon schon gerichtet, die katholische Kirche usw. usw. Sie vergeistlichen, allegorisch, viele Bibelverse und Abschnitte und würden wahrscheinlich mit dem größten Teil von Rogers Ausführungen überhaupt nicht einverstanden sein. Aber es sind teilweise auch sehr liebe und nette und fromme Leute, die wir teilweise auch sehr, sehr schätzen. Ich will jetzt keine Namen nennen, aber da können wir auch mal drüber sprechen. Sie können das eben nicht nachvollziehen.
Mit vielen arbeiten wir auch zusammen. Zum Beispiel haben wir auch bei CLV ein Buch aufgelegt, Die Heiligkeit Gottes. Von wem ist es noch? Wer kann mir helfen, bitte? Ja, Sproul, genau. Er hat viele gute Bücher geschrieben. Und diese Brüder, auch gerade in den USA, wie John MacArthur und Sproul, haben zusammengearbeitet, obwohl sie diese Dinge, die Prophetie, Israel und die Gemeinde, ganz verschieden beurteilen. Sie haben sich aber nicht gestritten. Und im Allgemeinen sind das ja auch nicht so Rambos, die jetzt mit ganzer Gewalt ihre Ansichten da durchpeitschen, sondern man kann mit denen reden. Sie nehmen sich auch meist nicht so furchtbar wichtig. Es gibt da natürlich ein paar Ausnahmen.
Aus den E 21, wenn das ein Begriff ist, FNG um 21 sind wahrscheinlich die meisten führenden Brüder auch solche, die diese Ersatztheologie vertreten. Aber sie haben auch einige dabei, die das anders sehen, den Dispensationalismus vertreten, also die verschiedenen Heilszeiten, die wir heute schon gehört haben, ohne dass sie sich da sehr groß darüber streiten. Ich möchte das auch nicht dramatisieren. Es gibt allerdings auch einige, die sind sehr, sehr bewusst. Tobias Riemenschneider, der wahrscheinlich auch ein Mitglied von euch bekannt ist und in den letzten Wochen und Monaten von sich hat reden gemacht, ist der Überzeugung, dass wir also wunderbare Zeiten vor uns haben. Deswegen sollte man auch möglichst einer politischen Partei beitreten oder sie unterstützen, damit eben diese ganze Politik und die ganze Welt, die ganze Kultur durchdrungen wird vom Evangelium und uns ein herrliches Ende bevorsteht. Tausendjähriges Reich, da sind wir jetzt mittendrin. Das ist irgendwie verrückt, oder? Wenn man mit offenen Augen und Ohren zugehört hat und manches gesehen und erfahren hat, wie man dazu kommen kann.
Es gibt zwei Bücher, da möchte ich kurz darauf hinweisen, ohne allzu viel dazu zu sagen. Einmal von Charles Ryrie, Dispensationalismus. Da wird diese Lehre der Heilszeiten im Gegensatz zur Lehre der Ersatztheologie sehr ausführlich, gründlich recherchiert, belegt und dargestellt. Eine etwas kürzere Version zum Sonderpreis von drei Euro statt neun Euro neunzig von einem sehr bekannten Autor, Pentecost: Prophetie verstehen. Methode, Geschichte und Praxis ihrer Auslegung. Was für eine Tradition steckt dahinter, wenn man heute von einer Ersatztheologie spricht, was hat man in den verschiedenen Jahrhunderten in der Vergangenheit gelehrt und wie sieht das eben im Gegensatz zum Dispensationalismus aus? Beide sind sehr wertvoll, wichtig. Das hier sind beide ein bisschen anspruchsvoll, es ist keine Romanform, sondern sehr sachlich, aber sehr, sehr lehrreich. Und da kriegt man eine gute Übersicht über diese verschiedenen Standpunkte, nur zur Information.
Dann kann man natürlich auch die Anwendung machen: Welche Gemeindetypen von den sieben ähneln unserer Gemeinde? Was können wir von diesen sieben verschiedenen Gemeinden für uns lernen? Und ganz zum Schluss ein Spiegel für uns persönlich: Welcher Charaktertyp der Gemeinden trifft auf mich zu? Wir haben ganz verschiedene Möglichkeiten, diese Sendschreiben zu untersuchen. Sie wollen auch zu unseren Herzen reden, geben uns eine gute Übersicht auch über die kirchliche Geschichte. Man lernt viel darüber, wie es damals in den Gemeinden ausgesehen hat, und es ist erschreckend, dass wir im Grunde all das, was damals auch schon im Ansatz da war, heute bei uns finden.
Ich möchte aus verschiedenen Gründen etwas vorlesen und hoffe, dass euch das nicht zu langweilig wird, aus einem Buch von Nicola Vollkommer: Leidenschaft in einer kalten Welt, aus dem Nähkästchen geplaudert. Eine recht bekannte Autorin, viele Bücher geschrieben, sehr guter Schreibstil, gute Einsicht auch in Gottes Wort, aber total geprägt zunächst einmal von der pfingstcharismatischen Bewegung. Sie war auf der Bibelschule mit ihrem Mann in England, von Jugend an in einer Mission, und kam dann nach Deutschland. Sie haben geheiratet und dann eine Gemeinde gegründet in Reutlingen und waren ganz im Strom der charismatischen Bewegung, auch im Kreis der charismatischen Leiter usw. Und sind mit all den verschiedenen Personen weltweit, die eine Rolle spielten, bekannt gewesen. Sie haben oft in ihrer Familie gehabt, wenn die zu Gast waren als Redner, und viele von diesen Größen waren dann bei ihnen zu Hause. Sie haben dann auch diese Männer im Alltag kennengelernt, und deswegen wird aus dem Nähkästchen geplaudert. Es wird dann deutlich, wie sie, je länger, je mehr sie Kontakt hatten mit diesen verschiedenen Koryphäen in der charismatischen Pfingstbewegung, Fragen aufkamen, weil sie einfach gemerkt haben, dass irgendetwas da nicht stimmt.
Also ein Doppelleben wurde sichtbar. Wenn man geheilt hat und viele Tausende zum Glauben kamen usw., aber wenn die zu Hause waren, dann waren sie so platt oder hatten solche Rückenschmerzen, dass sie gar nicht mehr gerade stehen konnten, so dass man sich dann fragte: Arzt, heile dich selbst, was ist denn hier los? Das wird auch so plastisch beschrieben und auch mit ein bisschen Humor natürlich auch, wie Gott diese Erfahrungen benutzt hat, um ihnen von Jahr zu Jahr mehr die Augen zu öffnen, bis sie plötzlich zur Erkenntnis kam, dass diese ganze Bewegung zu hinterfragen ist und da etwas nicht stimmt.
Dazu kam dann auch die Entwicklung in Stuttgart, Peter Wenz und Gospelforum usw., dass Tausende oder zweitausend Mitglieder ausgetreten sind und dann auch eine Gemeinde suchten und dann viele zu ihnen gekommen sind. Das ist ja nicht so furchtbar weit entfernt nach Reutlingen. Und sie da jahrelang auch viele Diskussionen und Schwierigkeiten hatte mit denen, die jetzt eine Gemeinde suchten, aber sich doch nicht ganz trennen konnten von dem ganzen charismatischen Hintergrund. Irgendwann waren sie dann so weit, dass sie sich ganz klar und deutlich distanziert haben von dieser gesamten Bewegung. Und dann hat diese Frau Nicola Vollkommer auch erkannt, wie sie als Frau, die früher da auch gepredigt hat, auch mit in der Leitung der Gemeinde war, doch ihre Überzeugung geändert hat oder ändern musste, je mehr sie die Bibel las usw. Sie hat viele Frauenarbeiten gemacht, Seminare usw., Frauentreffen und dergleichen mehr.
Natürlich kam dann die Frage: Was ist die Aufgabe der Frau? Ich lese das jetzt vor, weil heute schon hier auch die Frage aufkam: Wie verhalten wir uns, wenn in unserer Gemeinde plötzlich Frauen gewählt werden als Ältestinnen oder als Lehrerinnen? Kann man in solch einer Gemeinde bleiben? Jetzt lese ich euch ein Kapitel vor: Alte Vorurteile neu durchdacht.
Was, die Frauen dürfen nicht mal beten, sich auch kein Lied wünschen?, fragte meine Freundin mich mit großen Augen, als wir einmal auf Dienstreise waren und eingeladen wurden, dem Brotbrechen unserer Gastgeber in einer Brüderversammlung beizuwohnen. Hat auch Vorteile, hörte ich mich sagen. Vorteile, welche denn?, kam die entrüstete Antwort. Ich musste selbst kurz überlegen, welchen Vorteil ich eigentlich meinte und wie ich ihn formulieren sollte.
Einmal in der Woche gibt es eine volle Stunde, in der nur Männer reden, leiten, prägen. Das muss für jede Gemeinde vorteilhaft sein, würde ich mich sagen, mehr zu mir selbst als zu meiner Freundin. Wenn es immer so wäre, hätte ich aber ein Problem.
Verschiedene Bilder schossen mir durch den Kopf: Männer, die keine Verantwortung in einer Gemeinde übernehmen wollen; Frauen, die das Sagen haben; Männer auf dem Rückzug, wortkarg, überrumpelt durch lautstarke Damen; selbst mit einer Chipstüte in der Hand und mit einem Bier auf dem Beistelltisch, weil sie keine Lust haben, zum Gemeindetreffen zu gehen; die von den verbalen Emotionsausgüssen der Frauen dominiert sind; Männer, die in geistlichen Runden weder beten noch etwas beitragen. Frauen, die ihren Seelenschmerz ausschütten, ihr ganzes Leben, ihre Meinung, ihre ganze Nachbarschaft und alle möglichen Kranken umbeten, die aus dem Gebetsanliegen ausführlich die neuesten Pleiten, Pech und Pannen der erweiterten Verwandtschaft nennen, dazu diverse Krisen verschiedenster Gemeinden; Frauen, die ein Ventil für den inneren Frust suchen, der sich aus ihrer Seele angestaut hat und die all das in der Gebetsstunde rauslassen, so dass die Brüder lieber stillschweigend Däumchen drehen und abwesend aus dem Fenster schauen.
Militanter Feminismus in den Gemeinden, moderne Lobpreislieder über Sehnsüchte und himmlische Romantik, die zu einem Kerzendinner am Valentinstag besser passen würden als in einer christlichen Versammlung, überhaupt viel zu viel weiblich, rosa und ätherbetont. Und hier, mitten auf dem Land, in einer Gemeinde, gibt es eine ganze Stunde in der Woche, in der nur die Männer das Sagen haben, beten, das Wort sagen, Lieder aussuchen. Nach allen Erfahrungen, die wir in den Irrungen und Wirrungen unserer Gemeindegeschichte hatten, war das plötzlich extrem wohltuend.
Müssen die Frauen immer schweigen?, sagte meine Freundin. Na ja, wir hatten selbst mitbekommen, wie lautstark, erzählfreudig und aktiv die Schwestern waren. Sie waren alles, aber nur nicht eingeschüchtert. Vielleicht hängt das damit zusammen, dachte ich, wenn Männer zuversichtlich leiden, dann blühen die Frauen auf. Das hatten wir in unserer Gemeinde auch so erlebt.
Und diese Erlebnisse und viele ähnliche und andere werden hier geschildert, die wirklich nach Hilfe sind, gerade auch heute in jüngeren Gemeinden, sich zu orientieren und sich nicht täuschen zu lassen von dem Mainstream, wo alles selbstverständlich ist, dass die Frauen in Leitungsaufgaben gezogen werden, weil die Männer einfach andere Interessen haben. Das nur als Einlage zwischendurch.
Heute geht es also um die Gemeinde in Laodizea, ihren damaligen Zustand und um die sehr wichtige Frage, ob wir oder unsere Gemeinde uns persönlich in der Beschreibung wiederfinden können.
Ein paar Hintergrundinformationen zu der Stadt: Damals eine sehr, sehr reiche Handelsstadt, verkehrsgünstig gelegen in der Nähe von Kolossä und Hierapolis in Kleinasien, Zentrum des Bankwesens. Damals schon konnte man Kreditbriefe in Laodizea einlösen. 17 nach Christus wurde Laodizea durch ein Erdbeben zerstört, durch Rom wieder aufgebaut. Es ist dort ein vulkanisches Gebiet, da sind oft Erdbeben. Im Jahr 60 nach Christus wurde es wieder völlig zerstört, doch da hat man jede fremde Hilfe von außen stolz abgewiesen. Tacitus schreibt: Laodizea wurde aus eigener Kraft und ohne fremde Hilfe aus den Ruinen wieder aufgebaut. Dieser Tacitus lebte 58 nach Christus, ein berühmter römischer Geschichtsschreiber und Senator.
Großer Anteil dieser Stadt waren reiche Juden. Man hatte eine starke Bekleidungsindustrie, es gab vier verschiedene Sorten von Tunika, die in aller Welt exportiert wurde. Man legte dort großen Wert auf gutes Aussehen. Es gab dort eine berühmte Schule der Heilkunst, eine Salbe, auch als Pulver, gab es dort gegen Ohrenentzündungen, und ganz berühmt ein augenheilendes Mittel, exportiert in aller Welt gegen schwache und kranke Augen.
Großes Problem war die Wasserversorgung. Vulkanisches Gebiet, es gab Heilquellen in Laodizea, aber mit einem üblen Geschmack. Kennt ihr vielleicht auch von manchen Bädern, wo Heilwasser angeboten wird, das irgendwie so einen schwefeligen Geschmack hat, und das sorgt dann eher für Brechreiz als für alles andere. Deswegen hat man dann durch eine Wasserleitung aus Hierapolis über zehn bis fünfzehn Kilometer aus heißen Quellen frisches, gutes Wasser bekommen, das kam aber dann in Laodizea an. Das kann man sich einigermaßen vorstellen.
Nebenbei bemerkt: Ihr merkt, dass der Heilige Geist, der das ja beschrieben hat, auf diese allen bekannten Merkmale, geografisch und wirtschaftlich, in seinem Brief an die Gemeinde Bezug nimmt, um die Aktualität seiner ernsten Botschaft zu illustrieren. Und das dürfte auch ein Wink sein für alle Brüder, die verkündigen, dass wir versuchen, wenn es eben möglich ist, unsere Botschaft wirklich aktuell und eindringlich zu machen, indem wir auch ein Auge dafür haben, wie bestimmte Dinge in der Welt ein Bild sind für Entwicklungen in den Gemeinden. Das fand ich sehr, sehr interessant, dass wir das hier in allen sieben Sendschreiben finden. Man bezieht sich auf allgemein bekannte Besonderheiten in diesen Städten.
Der Name der Stadt heißt Laodizea, übersetzt Volksrecht oder Volksgericht, was beinhaltet, dass das Volk entscheidet, was Recht ist. Die Schweizer haben ja letztens noch eine Volksabstimmung gemacht, ich glaube über die Radio- und Fernsehrechte und Programme und wie und was. Was war das? Steuerrecht. Ach ja, okay, bitte? Nein, das ist klar. Gut, aber davon träumen wir ja in Deutschland, dass man überhaupt eine Meinung äußern darf. Also Volksabstimmung ist eine schöne Sache, da kann der Stoss drauf sein.
Wenn man das vergleicht mit dem Sendschreiben an Philadelphia, die hat vor Laodizea das Zeugnis bekommen: Du hast mein Wort bewahrt und du hast meinen Namen nicht verleugnet. Ein gewaltiger Unterschied. Also in Laodizea allein schon der Name macht etwas deutlich von dem Charakter dieser Gemeinde dort: Das Volk bestimmt oder man entspricht der Meinung des Volkes, während im Sendschreiben an Philadelphia der Herr das Wort hatte: Du hast mein Wort bewahrt, meinen Namen nicht verleugnet. Und allein schon die Namensbedeutung, Laodizea und Philadelphia, Bruderliebe, sind schon eine Anspielung und eine kleine Predigt für sich.
In Philadelphia also war das Wort Gottes und die Herrschaft Jesu Maßstab und Orientierung, aber in Laodizea war Menschenmeinung entscheidend, nicht auf Gott ausgerichtet. Wie kommen wir beim Volk an? Marketingstrategie oder Marktorientierung. Das heißt, wir bieten das, was man gerne hören möchte oder sehen möchte und erleben möchte. Bedürfnisorientierte sogenannte Gottesdienste ist ja ein Widerspruch in sich selbst. Gottesdienst, was heißt das? Wir dienen Gott. Oft gut gemeint, aber völlig falsch fokussiert. Man lässt sich bedienen.
ICF, die haben das sehr, sehr intelligent und klug aufgebaut, haben einen riesigen Zulauf. Die verwirklichen diese Prinzipien unbedingt bedürfnisorientiert: Was hört man gerne, entsprechende Musik. Einige sind hier unter uns, die kommen aus dieser Bewegung. An vielen Orten kriegt man gleich einen Ohrstöpsel mitgeliefert beim Eintritt, weil man damit rechnen muss, dass die Ohren auf Dauer etwas beschädigt werden. Also ein Musikstil, der der älteren Generation wahrscheinlich überhaupt nicht gefallen kann, besonders wenn sie sich erfreut am Spiel von Roger, klassischer Musik. Man sieht Dinge, die beeindruckend sind für bestimmte Altersgruppen. Frauen spielen eine große Rolle in der ganzen Art und Weise, wie man sich präsentiert, wie sie eingebaut werden, wie sie auch predigen. Es ist selbstverständlich, dass sie auch predigen.
Manche besonderen Ereignisse oder Veranstaltungen sind in meinen Augen wirklich anstößig, wenn man an die Kleidung, das Auftreten der Frauen oder Schwestern denkt. Aber sie haben Zulauf. Es ist im Allgemeinen dunkel, alles wird nur angestrahlt, Menschen stehen im Mittelpunkt. Eine Bibelwoche kann ich erst mitbringen, wenn überhaupt Bibelverse zitiert werden, dann werden die an die Wand geworfen, und sollte irgendwann einmal Stromausfall sein, da kann man dann die Leute entlassen. Hat man nichts mehr zu sagen, nichts mehr zu hören, nichts mehr zu sehen, kann man nach Hause gehen. Also es ist schon eine hochinteressante Sache.
Aber Zulauf oder Kirche für alle? Ein baptistischer Jugendsekretär hat vor Jahren einmal öffentlich verkündigt: Wir müssen als Gemeinden schwuler werden. Was heißt das? Ja, wir müssen uns doch diesen Leuten auch annehmen und so weiter und offen werden dafür. Ein anderer Allianzvorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz hatte geäußert: Wir müssen weiblicher werden und so weiter und so weiter. Da könnte man jetzt fortfahren mit Zitaten. Aber eine Wetterfahne ist kein Wegweiser, und genau das war damals und ist auch heute ein Teil von vielen sich als bibeltreu verstehenden evangelikalen Gemeinden.
ICF und andere werden sich als bibeltreu bezeichnen und verstehen. Manche Predigten sind auch gut, die dort gepredigt werden, sie sind sehr verschieden, man kann sie nicht über einen Kamm scheren. Aber das Drum und Dran und die Art und Weise und die Motivation und die Ziele sind natürlich sehr zu hinterfragen.
Unser Herr als Absender des Sendschreibens an Laodizea stellt sich vor als der Amen und der wahrhaftige, treue Zeuge. Und das sollten wir natürlich auch sein: absolut treu, verlässlich, vertrauenswürdig, auf dem Fundament des Wortes Gottes stehen, die Wahrheit des Wortes Gottes bezeugen und alles zu seiner Ehre tun.
Die Diagnose beginnt mit einem Knaller: Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch heiß bist. In allen anderen Sendschreiben, auch an Thyatira, ein Bild von der Periode der Hochzeit der katholischen Kirche, findet Gott ein Lob, teilweise ein starkes Lob, was wir gar nicht mehr heute so aussprechen könnten. Aber hier kein einziges Lob, nur die Diagnose: Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch heiß bist. Und das ist wirklich sehr, sehr dramatisch.
Allerdings, es gab da auch keine Kritik wegen ihrer Lehren, wie in Pergamos, Thyatira, Lehre Biliams, Nikolaiten, Weib Isabel usw. Sie waren nicht kalt. Nein, es gab sicherlich dazu gibt es heute Lieder, Konzerte, Konferenzen, Wochenenden, Aktionen, christliche Schulen, Freizeiten, Seminare, Definitionen, Außenmissionen, aber sie waren zwar nicht kalt, aber sie waren auch nicht heiß.
Das griechische Wort, so kann man nachlesen bei griechischen Kennern, bedeutet siedende Hitze, nicht nur einfach ziemlich warm, sondern absolute Hitze, das heißt herausfordernd, verändernd, in der Liebe zum Herrn, zum Wort Gottes, zum Gebet, glühende Nächstenliebe Ungläubigen gegenüber. Das wäre das Idealbild: heiß. Sie waren weder kalt, große Aktivitäten, aber sie waren nicht heiß.
Wir haben ja schon daran gedacht, dass wir Erben einer Erweckungsbewegung sind, in der vierten Generation, je nachdem wie man zählt, aber abgekühlt. Wie das ursprünglich heiße Wasser aus Hierapolis, das lauwarm in Laodizea ankam. Lau, weil abgestanden, abgekühlt oder auch lau durch Vermischung von heiß und kalt. Auch darüber könnte man eine Menge sagen.
Erinnern wir uns: die erste Generation Herzensfrömmigkeit, die Wahrheit im Herzen; die zweite Generation Kopfglaube, die Wahrheit im Kopf; die dritte Generation die Wahrheit im Bücherschrank; die vierte Generation Wahrheit im Altpapier entsorgt. Was Wahrheit ist.
Vielleicht erlaubt ihr, dass ich noch eine kleine Ergänzung mache zu dem, was ich heute Morgen über die Generationen sagte. Das passt vielleicht hier auch ganz gut hin: ein Beispiel für das Lauwerden auch in unseren Familien, in unserer Erziehung und wie wir auch mit unseren Partnern und unseren Kindern umgehen. Gerade auch in der Partnerwahl, das kann man ganz gut bei den Patriarchen verfolgen.
In der ersten Generation, ihr habt vielleicht 1. Mose 24 im Hinterkopf, da haben wir den Wunsch von Abraham, dass sein Sohn Isaak am Ende seines eigenen Lebens, Abrahams, doch die richtige Frau kriegt. Und er hat nur eine große Sorge: Wo finden wir die eine passende Frau für Isaak? Und dann sendet er seinen wertvollsten Mitarbeiter Eliezer, der eine große Verantwortung hatte in dieser Sippe wahrscheinlich, auf die Reise, um eine Braut für Isaak zu holen. Und er lässt ihn schwören, ganz feierliches Kapitel: Bringt nur ja keine Kananiterin mit, um gar keinen Preis. Komm lieber alleine zurück, und dann soll der Isaak lebenslang ledig bleiben, aber keine Kananiterin, sondern sie muss aus dem Volk Gottes kommen, so würde man das heute sagen. Und Gott wird seinen Engel vor dir hersenden, lass dich führen, eine ganz wichtige Angelegenheit.
Die Folge kennen wir alle, diese wunderbare Geschichte, wie der Knecht Abrahams die Führung Gottes erlebt, wie er wartet auf die Führung, wie verhält sich die ganze Geschichte, da kam dann eine Frau, welchen Charakter hat sie, und irgendwann hat er den Eindruck: Das ist genau die richtige. Und sie gibt dann auch ihr Ja-Wort. Eine wunderbare Führung und ein wunderbarer Beginn einer zunächst vorbildlichen Ehe.
Also der Anfang der Ehe von Isaak und Rebekka ist traumhaft schön. Das erste, was wir lesen: Er hatte sie lieb. Wir finden zum ersten Mal in Bezug auf Ehepartner in der Bibel. Wunderschön. Aber leider hat das nicht, ja, hat schon zwanzig Jahre gedauert, aber dann, als die Kinder kamen, da ging die Ehe leider dann langsam auseinander.
Aber ein vorbildliches Verhalten darum geht es mir von Abraham: um jeden Preis nur eine Frau, die wiedergeboren ist, wie wir heute sagen, die mit dem Herrn lebt und die eine Hilfe sein kann, die die Verheißung Gottes kennt und zu ihrer Gottes leben möchte.
Die zweite Generation in Isaak in der Prägung der beiden Söhne, Esau und Jakob, halbherzig, auch lau. Isaak war selbst ein Genießer, das haben wir schon kurz erwähnt. Er hatte keinen großen guten Einfluss auf seine Söhne, war auch ziemlich gleichgültig, und er erlebt dann, dass Esau im Alter von vierzig Jahren sich zwei Frauen nimmt und beide nicht aus dem Volk Gottes, sondern von den Hethitern, 1. Mose 26.
Wir sehen überhaupt keine Bemühungen in Bezug auf Esau, dass Isaak versucht, ihn zu beeinflussen, ihn zu prägen, ihn zu warnen, ihn zu fördern und ihm Prinzipien irgendwie beizubringen. Kommentar in der Bibel: Sie waren ein Herzensleid für Isaak und Rebekka. Sie sahen die ganze Not, die damit verbunden war, als diese zwei Frauen jetzt in diese Familie kamen, die nichtgläubig waren. Und viele unter euch werden auch ähnliche Gefühle aus eigener Erfahrung kennen.
Die dritte Generation, Jakob, zwölf Söhne, wir kennen die Geschichte, sie waren teilweise Hurer und Mörder, und Jakob selbst nimmt so gut wie gar keinen Einfluss auf ihre Entscheidungen, auch nicht auf Partnerwahl. Vielleicht seine beiden letzten, jüngsten Söhne Joseph und Benjamin haben ein bisschen was vom Vater mitgekriegt, aber andere waren Chaoten, waren Gauner, waren gewalttätig und was nicht alles. Tragisch, wenn man sieht, wie im Laufe der Generationen das Bewusstsein und die Verantwortung für die nächste Generation gar nicht mehr erkannt wird.
Wie ist das in deinem Leben, ihr als Eltern? Habt ihr Einfluss auf eure Kinder in der Beziehung? Seid ihr ein Vorbild an Liebe zueinander, an Treue? Und all diese Dinge: Nehmt ihr euch Zeit, mit euren Kindern die Bibel zu studieren, zu lesen, Andachten zu machen, aber auch ganz praktisch gemeinsam Dinge im Alltag zu erleben, damit man auch Einfluss haben kann auf ihre Entscheidungen, auf die Herausforderungen, vor denen sie stehen?
Dann die vierte Generation, Juda, ein ganzes Kapitel im Alten Testament, 1. Mose 38 behandelt diese Person. Diesen Mann Juda, er hatte sich von seinen Brüdern, von seiner Familie getrennt, als Erwachsener natürlich, heiratete eine Kananiterin, wovor sein Uropa gewarnt hat, nimmt aktiv für seinen erstgeborenen Sohn Ger, die Bibel sagt, er war böse in den Augen Gottes, eine Frau von den Heiden, Tamar. Das ist ja eine hochdramatische Geschichte, die müssen wir mal studieren. Aber hier sehen wir, wie der Abfall oder der Rückschritt in den Generationen sehr deutlich zu erkennen ist. Nicht nur, dass dem Juda egal ist, welche Frau er nimmt, seinen Sohn, sondern er wählt ganz bewusst eine Kananiterin, obwohl er wusste von seinen Eltern und Voreltern, wie das in den Glauben Gottes aussieht.
Was allerdings erstaunlich ist, dass gerade diese Tamar durch Gottes unbegreifliche Gnade eine der Stammmütter unseres Herrn Jesus wird, in Matthäus 1,3 nachzulesen. Eine wunderbare und erschütternde Geschichte. Aber dann beginnt mit Juda ein Neuanfang, gerade durch die ergreifende Güte und Gnade Gottes in seinem Leben. Wir können sogar ungefähr sagen, an welcher Stelle, in welcher Situation er sich bekehrt hat und ein ganz anderer Mensch wurde und sogar dann hinterher ein Bürge wurde für seine Brüder. Es ist wirklich traumhaft, wenn man das verfolgt.
Also, es ist wirklich unwahrscheinlich wichtig, dass wir darauf achten, dass wir als Eltern unsere Verantwortung fühlen, viel im Gebet sind, aber auch viel Gemeinschaft mit unseren Kindern haben und wir klare Vorstellungen haben und ihnen auch vermitteln, dass unsere Kinder dann wirklich für den Herrn brennen.
Wenn ich darf, habe ich jetzt noch zehn Minuten, so ungefähr: lauheit oder heiß, siedend heiß, was ist unser Zustand? Ein Beispiel aus dem Leben von George Whitefield, also von unseren Vorvätern, die für den Herrn wirklich brannten. Vielleicht kann uns das auch so ein bisschen wachrütteln oder auch unseren Horizont erweitern.
Kurz vor seinem Heimgang, er wurde nur 56 Jahre alt, er lebte von 1714 bis 1770, hielt er eine kurze Rede von seinen Freunden, die ist überliefert, und er sagte dann: Wenn wir in den Wäldern Amerikas reisen, müssen wir nachts ein Feuer anmachen, denn das muss die wilden Tiere von uns vertreiben. Ich habe mir und meinen Freunden in der Nacht oft gesagt: Dieses Feuer ist wie das Feuer der Liebe Gottes, das den Teufel und die uns schädlichen Lüste von uns vertreibt. Es ist mir ein großer Trost zu wissen, dass am Tag, da Gott mich rufen wird, die Engel Gottes mich in Abrahams Schoß tragen werden. Aber noch größer ist der Trost zu wissen, dass ich vor meinem Meister, meinem Jesus, treffen darf. Nach allen hin und her wogenden Kämpfen hienieden werde ich endlich sein Angesicht sehen dürfen. Es ist an der Zeit, dass ich jetzt meine Grabrede halte. Ich fahre zum dreizehnten Mal über den großen Ozean, ich rufe Himmel und Erde zum Zeugen dafür an, jetzt hört, dass ich die Liebe zur Welt auch nicht eine einzige Viertelstunde in meinem Herzen getragen habe.
Ich wiederhole: Ich rufe Himmel und Erde zum Zeugen dafür an, dass ich die Liebe zur Welt auch nicht eine einzige Viertelstunde in meinem Herzen getragen habe, nach seiner Bekehrung.
Eine seiner letzten Worte wenige Stunden vor seinem Heimgang: Lieber zerbrechen als verrosten. Das kann man in der Biografie von Benedikt Peters nachlesen. Von seiner Bekehrung an bis zu seinem Tod stand er jeden Morgen um vier Uhr auf, studierte die Bibel auf den Knien und betete auf den Knien bis zum letzten Tag seines Lebens. Man hat nachgerechnet, dass er etwa dreißigtausend Predigten in seinem kurzen Leben gehalten hat. Das heißt: für den Herrn brennen, für ihn unterwegs sein, erfüllt sein von ihm. Keine Viertelstunde Liebe zur Welt in seinem Herzen. Wenn ich das von mir sagen könnte.
John Wesley, sein Mentor, er wurde wesentlich älter, 88 Jahre alt, 1703 bis 1791, Vater der Methodisten, deswegen weil gerade John Wesley eine ganze Generation von Gläubigen geprägt hat, diszipliniert zu leben, nach Methode zu leben. Er hat zuversitzend über 233 Bücher geschrieben. Das waren keine dicken Wälzer wie der Messias im Tempel von Roger mit 800 oder 900 Seiten, es waren kleinere Schriften, aber auch größere, zu Pferd sitzend 233 Bücher geschrieben. Er hatte ein extra zugerichtetes Pferd, das auch ohne Zügel, wie das geht, weiß ich nicht, Ziele ansteuern konnte. Er hatte einen Spezialsattel machen lassen aus Leder mit einem Ledertöpfchen für Tinte und Feder. Und während er dann galoppierte oder im Trott unterwegs war, hat er dann seine Bücher geschrieben, die Zeit ausgenutzt, nach Methode gelebt.
Zitat von einem Zeitgenossen: Diejenigen, die seine Bücher kennen, konnten nicht verstehen, dass er noch Zeit zum Reisen findet, während die, die um seine Reisen wissen, nicht verstehen können, wann er noch Zeit zum Schreiben hat. Also der hat wirklich sein Leben, der brannte für den Herrn.
Und er sagte von sich selbst, dass es wohl keinen Menschen gibt, dem er begegnet ist, dem er nicht innerhalb von 15 Minuten über das Evangelium gesprochen habe. Whitefield keine 15 Minuten Liebe zur Welt, Wesley keine 15 Minuten, ohne dass ich mit jemandem, den ich treffe, über den Herrn rede, über das Evangelium.
Es gab eine Ausnahme. Einmal schrieb er in sein Tagebuch, kann man nachlesen, auch heute noch: Zwei Tage lang machte ich nun ein Experiment, zu dem man mir oft und nachdrücklich geraten hatte, und zwar zu keinem Menschen über göttliche Dinge zu sprechen, wenn ich mich nicht wirklich danach fühle. Das ist ja ein beliebtes Argument von uns, oder? Man muss sich fühlen, man muss innerlich bereit sein, man muss selbst vom Herrn erfüllt sein, sonst hat es sowieso keinen Zweck. Und was war das Ergebnis? Er machte ein Experiment.
Erstens sprach ich während der ersten sechs Kilometer meiner Reise mit niemandem, also in einer Kutsche, noch nicht einmal mit meinen Reisegenossen. Zweitens hatte ich weder ein Kreuz zu tragen noch auf mich zu nehmen, und nach ein oder zwei Stunden schlief ich ein. Drittens begegnete man mir überall mit Achtung, wo immer ich auch hinkam, und jedermann benahm sich mir gegenüber wie zu einem netten Herrn. Oh, wie sehr gefällt das alles dem Fleisch und Blut!
Tagebucheintragung, Seite 93, habe ich hier stehen. Das waren Männer, die für den Herrn brannten, und da könnte man noch viel mehr aufzählen und auch zitieren, das uns Mut machen sollte, uns daran zu orientieren: Sind wir solche, die für den Herrn brennen?
Und das würde ich dann versuchen, morgen fortzusetzen, weil es jetzt viertel vor neun ist und wir hier dann eine Pause machen.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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