Einleitung und Rückblick auf das Thema
Es geht ja um die endzeitliche bibeltreue Gemeinde Laodizea. Da sind wir gestern nicht zu Ende gekommen. Ich bin auch ganz froh darüber, dass wir dann eigentlich den Abschluss damit machen können, weil dieses letzte Thema hier, gesellschaftliche Entwicklung, sowieso nicht mein Thema gewesen wäre. Das göttliche Du aber hat Roger gestern schon angesprochen und wird hoffentlich auch in dieser Betrachtung von Laodizea noch einmal deutlich.
Laodizea: zum Ausspucken, selbstgerecht oder arrogant.
Ich möchte gerne noch einmal dieses Sendschreiben lesen, damit es uns in Erinnerung bleibt, und will das beherzigen, was Roger gerade zum Schluss gesagt hatte über das Lesen. Das finde ich sehr, sehr wichtig. Ich bin auch ein Feind davon, entschuldigt, wenn ich das offen sage. Das heißt natürlich nicht, dass es nicht auch von Gott gebraucht werden kann. Aber die Tendenz, dass wir immer mehr digital lesen oder uns informieren, im Handy und so weiter, halte ich für bedenklich. Ich kann das auch nicht so gut begründen. Instinktiv, also ich kann da gar nicht mit leben.
Eine Bibel muss man in der Hand haben. Da muss man blättern können. Das kannst du ja auch nicht, wenn du nur ein Handy hast und deine Bibelersetzung da drauf. Da muss man drin arbeiten, da muss man anstreichen, das muss eigentlich zu meinem Leben gehören. Deswegen möchte ich auch dazu Mut machen, dass wir auch unserer jungen Generation das Lesen lieb machen, und vor allem das Lesen des Wortes Gottes natürlich.
Es ist schon eine tragische Entwicklung, dass immer weniger junge Leute Bücher lesen oder auch die Bibel lesen, die man in den Händen hat. Verzeiht, wenn ich ab und zu solch einen etwas nicht so erbaulichen Einschub mache, aber das ist mir doch sehr wichtig.
Also das letzte der sieben Sendschreiben, Offenbarung 3,14-22:
Dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Dies sagt der Amen, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes. Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! Aber weil du lau bist und weder kalt noch warm, so werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Weil du sagst: Ich bin reich, ich bin reich geworden, und bedarf nichts, und weißt nicht, dass du der Elende und der Jämmerliche und arm und blind und bloß bist, rate ich dir, Gold von mir zu kaufen, geläutert im Feuer, auf dass du reich werdest, und weiße Kleider, auf dass du bekleidet werdest und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, auf dass du sehen mögest.
Ich überführe und züchtige so viel ich liebe. Sei nun eifrig und tue Buße. Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem werde ich eingehen und das Abendbrot mit ihm essen, und er mit mir. Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden und mich mit meinem Vater gesetzt habe auf seinen Thron.
Dann enden diese sieben Sendschreiben mit dem Wort: Wer ein Ohr hat, höre, was der Geist den Gemeinden sagt.
Die Lage der Gemeinde und die Gefahr geistlicher Selbsttäuschung
Ich habe gestern Abend versucht, ein wenig deutlich zu machen, wie die Situation in Laodizea von der Geographie her, von den Umständen, von der Politik, von der Wirtschaft und von dem Reichtum her zu verstehen ist, was sich dazu aus der Geschichte berichten lässt. Es geht hier also um eine Gemeinde, die in der Einbildung lebt, reich zu sein, geistlich reich zu sein, nichts Neues nötig zu haben, und die dann in einem Selbstbetrug wirklich in dem Wahn lebt, offene Augen zu haben und nichts zu bedürfen.
Ich habe versucht, ein wenig deutlich zu machen, was es heißt, heiß zu sein und kalt zu sein. Wenn man zurückblickt in die Kirchengeschichte, sieht man, dass es immer wieder Zeiten der Erweckung gab, die aber nicht angehalten haben. Das ist eben das Problem der Generationen: Man kann Erweckung, geistliches Leben, nicht konservieren, und man kann es auch nicht vererben. Es muss erlebt werden vor dem Herrn und von Gott gewirkt sein.
Und wenn wir als ältere Geschwister nicht erleben, dass in unserer gegenwärtigen Generation eine Erweckung stattfindet, dann müssen wir natürlich zuerst einmal die Fehler bei uns selbst suchen und nicht sagen: Ja, wir leben in der Endzeit, und für die Endzeit ist der Verfall prophezeit, da können wir nichts daran ändern. Warten wir ab und versammeln wir uns, erbauen wir uns persönlich, und dann wird irgendwann der Herr kommen. Das wäre eine falsche Einstellung.
Sondern wir sollten uns fragen, was wir zu tun haben, damit in unserer Generation ein Erwachen geschieht. Und das muss bei mir persönlich anfangen, und nicht bei der Kirchenleitung. Da können wir lange darauf warten, sondern bei mir persönlich, in meiner Familie. Dann wird das Kreise ziehen, wenn wir das in Demut, im Gebet und in aller Bescheidenheit von Gott erwarten.
Vorbilder aus Erweckung und geistlicher Prägung
Eines der letzten Beispiele, die ich gebracht habe, waren Whitfield und Wesley, diese beiden großen Erweckungsprediger, die wiederum erweckt worden sind. Und das ist vielleicht auch ermutigend. Es waren ja zwei sehr gebildete Leute. Wesley, ich weiß nicht, wie viele Sprachen er sprechen konnte, hatte eine hochintelligente Mutter, die 19 Kinder geboren hat. Das müssen wir uns vorstellen: 19 Kinder, die sie aber alle einzeln erzogen hat.
Nicht alle sind am Leben geblieben, ein paar sind auch gestorben, aber ich glaube, 14 haben die Mutter noch überlebt. Und die ersten Jahre der Schule haben sie im Haus der Mutter, im Wohnzimmer oder in der Küche, von ihr Unterricht bekommen. Sie hatte sich als hochintelligente Frau zum Lebensmotto gemacht, oder zur Lebensaufgabe: Ich möchte wirklich meine Kinder zum Herrn führen, zu Gott führen, und möchte meine ganze Kraft, meine Intelligenz einsetzen, dass meine Kinder den Herrn Jesus liebgewinnen und ihm folgen und seinem Wort folgen.
Das war für die Söhne und auch für die Töchter sehr, sehr prägend. Sie hatte an einem Tag in der Woche eine ganz bestimmte Zeit, in der sie ganz allein für eines der Kinder zur Verfügung stand. Dann hat sie mit dem Kind gesprochen, gespielt, gebetet, gerungen und geprägt. Bei John Wesley war das der Donnerstagnachmittag um 17 Uhr oder wann auch immer. Das hat er bis an sein Lebensende mit 88 Jahren nicht vergessen, was er donnerstagnachmittags um diese Uhrzeit von seiner Mutter profitiert und gelernt hat.
Das ist ein wunderschönes Beispiel dafür, wie wir auch, und wie ihr als Mütter vielleicht auch mit großen Begabungen, ein Segen sein könnt, wenn ihr eure Kräfte und eure Zeit in eure Kinder investiert. Die Folge ist, dass zwei von den Söhnen Erweckungsprediger wurden, nicht nur John, auch Charles. Von Charles Wesley haben wir viele geistliche Lieder. Er war besonders evangelistisch und auch musikalisch begabt.
Aber die eigentliche Bekehrung und die bewusste Lebensübergabe an den Herrn hat Gott schlichte, einfache Brüder aus Deutschland benutzt, aus Oberschlesien, aus Herrnhut, die teilweise überhaupt nicht gebildet waren, ganz schlichte Handwerker usw., um Wesley und auch Whitfield zum Herrn zu führen, durch ihr Vorbild, durch ihre Liebe und ihre Hingabe an den Herrn.
Herrnhut, Zinzendorf und die Kraft gelebter Frömmigkeit
Also müsst ihr euch vorstellen: Wesley war ein Mann mit hoher Intelligenz, auch vom ganzen Niveau seines Lebens her. Er war ein ganz anderer Typ, ganz anders geprägt als die schlichten Herrnhuter Brüder, die sie dann kennenlernten, entweder auf der Überfahrt in die USA auf dem Schiff oder in England, wo die Herrnhuter dann auch missioniert haben und durch ihre echte Frömmigkeit solch einen Einfluss auf ihre Umgebung hatten, dass Gott sie mächtig gebrauchen konnte.
Herrnhut steht in enger Verbindung mit Nikolaus Graf von Zinzendorf. Roger hat gestern kurz erwähnt, wenn ich die richtige Erinnerung habe, dass Zinzendorf ein sehr reicher Mann war. Das stimmt nicht. Der war als Graf in seinem Schloss so bettelarm, dass er manchmal sein ganzes Silberbesteck ins Leihhaus geben musste, um seine Angestellten am Leben zu erhalten. Also hatten sie immer Geldsorgen, aber sie vertrauten auf den Herrn und haben dann natürlich in einem Schloss oder schlossähnlichen Haus versucht, in aller Bescheidenheit in Hingabe bei einem Herrn zu leben.
Na ja, aber was da in Herrnhut war: John Wesley war dann auch eine Zeit lang in Herrnhut, als er zum Glauben gekommen war, und wollte sich das Gemeindeleben einmal angucken. Da stellte er fest, dass dort in dieser Gemeinde, oder Gemeine hieß sie damals, „Herrnhuter Brüdergemeine“, jeden Abend eine Gemeindestunde war. Nachdem sie tagsüber etwa zehn oder zwölf Stunden gearbeitet hatten, war jeden Abend Gemeindestunde. Da wurde dann von der Mission berichtet, da wurde zusammen gebetet, und da entstanden Tausende von Liedern durch Zinzendorf. Eines davon haben wir ja gestern gesungen. Er war darin sehr begabt, aber auch die einfachen, schlichten Brüder fingen dann an, Lieder zu texten. Und dann waren da solche, die musisch begabt waren; die haben dazu gleich eine Melodie gemacht. So sind in Herrnhut Hunderte von Liedern entstanden, die teilweise noch in unseren Liederbüchern erwähnt werden.
Wenn ihr ab und zu mal guckt, meist sind bei den neueren Liederbüchern ja immer die Autoren und auch die Komponisten genannt, dann werdet ihr oft finden: Herrnhut 1735 oder 1740 und so weiter. Das ist also wirklich schön, wie solch eine Weckung plötzlich auch Gaben erweckt und deutlich macht, mit denen man gar nicht gerechnet hat.
Also: jeden Abend war Bericht, Mission, Gebet, Gesänge. Und man hat dort unter den Brüdern auch eine Gebetskette gehabt. Jede Nacht, jeder Abend wurde dann mit einem Stundengebet begonnen, und sie wechselten sich dann ab bis an den Morgen, so dass die ganze Gemeinde praktisch noch ein bisschen eingehüllt war in Fürbitte von den Brüdern.
Ja, das hatte einen ganz großen Einfluss. Aber das hat auch nicht lange gehalten, oder nicht sehr lange gehalten. Nach ein, zwei Generationen war von dieser Frömmigkeit nicht mehr viel zu sehen. Und wer heute die Losungen liest und weiß, wie es in Herrnhut aussieht, der weiß, dass die liberale Theologie und auch die ökumenische Bewegung dort ganz bestimmend ist, dass diese guten, schönen Zeiten von damals Vergangenheit sind.
Grenzen der Erweckung und die Brüderbewegung als Bewegung Gottes
Als wir vor einigen Jahren in Honduras waren, waren wir auch im Dschungel. Man kommt dort nur mit dem Flugzeug hin, denn es gibt keine Straßen. Alternativ geht es auf dem Seeweg, aber das dauert sehr lange über Flüsse und Ähnliches. Deshalb gibt es dort einen kleinen Flughafen, den wir benutzt haben.
Wir haben uns dann umgesehen und tatsächlich eine Kapelle der Herrnhuter Brüder gesehen, der Morawier, wie man sie auch nannte. Dort stand auch der übliche Bibelvers. Man konnte es also sofort erkennen: schlicht, einfach und stabil gebaut, mitten im Dschungel, unter dieser armen Bevölkerung, die kaum etwas von der Umwelt mitbekommt.
Dort wird auch gebetet. Aber genau dieser Platz ist zugleich ein Umschlagplatz für Drogen. Dort wird gebetet, dass der Herr doch bald wieder einen Abwurf von Drogen schicken möge. Die Drogen kommen mit kleinen Flugzeugen, die sie dort abwerfen. Die Leute wissen schon, wann das geschieht. Auf diese Weise verdienen sie ihr Geld, halten sich am Leben und halten sogar Dankgottesdienste, wenn wieder ein Flugzeug mit Drogen gelandet ist und sie wieder ein wenig Geld zum Überleben haben.
Also: Erweckung kann man nicht konservieren.
Wir haben eben noch ein wenig gehört, und ich habe gestern auch schon etwas erzählt. Ich versuche es kurz zu machen: Hundert Jahre später war die Brüderbewegung in England. Und wenn wir ab und zu von der Brüderbewegung sprechen, dann ist das immer so eine Sache. Es war einfach eine Erweckungsbewegung, die Gott bewirkt hat.
Das fing in England, Irland und Schottland an. Die Namen sind schon gefallen: Anthony Groves, Georg Müller, Chapman, Darby, Ballett, Kelly und so weiter. Gott hat diese Personen durch ihre Hingabe an den Herrn so gebrauchen können, dass ihr praktisches Leben, ihre Ausstrahlung, ihre Bibelkenntnis, aber vor allem ihre Liebe zum Herrn und die Bereitschaft, einzig und allein Gottes Wort als Maßstab für Lehre und Glauben zu haben, viele angezogen haben.
Auch viele Pastoren aus der anglikanischen Kirche kamen zu den Bibelstunden. Die anglikanische Kirche hatte damals noch katholische Rituale, und obwohl sie eine reformierte Theologie hatte, war sie in den Formen sehr katholisch. Damals wurden auch viele vermögende Leute gläubig. Sie öffneten dann ihre schlossähnlichen Häuser und luden jede Woche oder alle 14 Tage oder jeden Samstag ein, ich weiß nicht mehr genau wann.
Dann gab es eine Begrüßung, anschließend Tee, wie das in England üblich ist. Danach klingelte der Hausvater, dann wurde es ruhig, und dann ging es um das Wort Gottes. Die Teilnehmer hatten eine Bibel bei sich und tauschten sich stundenlang über Gottes Wort aus.
Das war so sehr vom Herrn gesegnet, dass dadurch viele Pastoren ihr Amt aufgaben und zu den sogenannten Brüdern überliefen, weil sie dort das verwirklicht fanden, was sie auch in der Bibel erkannten. Das hatte eine so große Anziehungskraft, dass Tausende von Gemeinden allein in England entstanden sind, und dann auch in den USA, in Europa und so weiter.
Kennzeichen geistlicher Frische und praktischer Hingabe
Schwerpunkte waren Bibelstudium, Evangelisation und Mission, im Vertrauen auf Gott. Das kannte man auch nicht: allein auf Gottes Wort und auf seine Verheißung zu vertrauen, auch in Bezug auf Versorgung. Da waren die Brüder in ihren Anfängen wirklich ein Vorbild. Das waren so die Schwerpunkte.
Dann auch die Waisenhausarbeit, ebenso die ganz praktische humanitäre Hilfe. Man hatte offene Augen, auch für die Nöte in der Umgebung. Es sind viele Waisenhäuser entstanden. Aber klar, das prophetische Wort wurde studiert, weil das in der Reformationszeit, wie wir eben gehört haben, wenig beachtet wurde. Und die Wiederkunft des Herrn wurde erwartet. Die Anbetung Gottes wurde betont und praktiziert.
Und wie gesagt, sie waren sehr begütert. Sie haben gerne ihre materiellen Besitztümer zur Verfügung gestellt, indem sie sie weggaben, um Missionen zu unterstützen. Oder sie stellten das Haus zur Verfügung, um Leute, die nicht so viel hatten, einzuladen und einfach auch den vorhandenen Reichtum mit anderen zu teilen. Man trachtete nicht mehr nach Geld und materiellen Gütern.
Und das wird auch immer der Fall sein: Je mehr man den Herrn schätzen lernt und die Verheißung Gottes und Gottes Wort im Allgemeinen, dann werden materielle Dinge nebensächlich. Da klebt man nicht mehr daran, sondern man hat einen Reichtum erkannt, der ganz anderer Art ist. Dann kann man gerne alles weggeben.
Georg Müller zum Beispiel hat am Lebensende die Bibel zweihundertmal gelesen. Ich weiß nicht, wie oft ihr sie gelesen habt. Aber das kennt man heute gar nicht mehr: einfach eine Liebe zum Wort Gottes, dass man immer wieder liest und immer wieder neu verinnerlicht, was er uns in diesem Wort zu sagen hat.
Er hat dann im Vertrauen auf den Herrn mit seinen Mitarbeitern am Lebensende etwa zehntausend Waisenkinder in seinen fünf Waisenhäusern aufgenommen und immer auf Gottes Versorgung vertraut. Die bekamen kein regelmäßiges Gehalt oder irgendetwas, sondern sie haben darauf vertraut, dass Gott zur rechten Zeit das Rechte auch gibt. Da gibt es Bücher darüber, die liegen auch auf dem Büchertisch, wenn man das nachlesen möchte: Georg Müller im Vertrauen auf Gott. Das war ein ganz großes Zeugnis und hat auch Schule gemacht.
Gebet als Prüfstein des geistlichen Zustands
Es gab ein intensives Gebetsleben, ganz persönlich, und auch in den Gemeinden, die jetzt entstanden waren. Das ist für mich wirklich ein Phänomen bei Georg Müller gewesen: intensives Bibelstudium, intensive Missionsarbeit, dann die Waisenhausarbeit. Aber er hatte dreimal an dem Tag Zeit, mit seiner Frau ins Wohnzimmer zu gehen, um mit ihr zusammen zu beten, ihr die Hand zu halten und sich auszutauschen.
Und wenn man dann liest, was für eine wunderbare Ehe die beiden hatten: In der ersten Ehe, als, ich glaube, Maria gestorben war, hat er noch einmal geheiratet. Da hat er das ähnlich fortgesetzt. Das ist für mich eine unwahrscheinliche Herausforderung.
In seinen Tagebüchern, sowieso am 1. Januar, schrieb er dann: Heute habe ich meine Frau, ich habe Gott entehrt durch Reizbarkeit gegen meine Frau. Und das, nachdem ich auf den Knien gelegen habe und Gott für meine Frau gedankt habe. Herr, nimm mich lieber hinweg, als dass ich noch einmal dich verunehre durch Reizbarkeit gegen meine Frau.
Ich habe mir das dick unterstrichen, wenn ich das von mir sagen könnte. Unglaublich! Also man kann mit dem Herrn intensiv leben, aber wenn es gut ist, dann hat das auch zur Folge, dass man im Familienleben ein Zeugnis ist, eine Freude ist. Und das war so eine vorbildliche Ehe, wie wir sie selten gerade bei solchen Persönlichkeiten finden.
Aber es gibt nicht nur bei ihm und bei anderen das persönliche Gebetsleben, sondern auch in den Versammlungen waren Gebetsstunden und Gebetsnächte. Die sind zu allen Zeiten ein Symptom für Erweckung. Ich weiß nicht, ob jemand hier unter uns ist, der das auch bezeugen kann, dass es Gebetsnächte in der Gemeinde gibt. Vielleicht haben wir das auch schon zu besonderen Gelegenheiten erlebt, auch mit einigen Brüdern, dass man sich einen Tag zurückzieht, um nur zu beten für bestimmte Anliegen, die Not machen.
Aber das sollte eigentlich ganz normal sein und nicht eine Ausnahme. Und die Tatsache, dass wir Gebetsnächte, Gebetstage und so weiter gar nicht mehr kennen, zeigt deutlich, dass wir nicht in einer Zeit der Erweckung leben. Da sind wir uns sowieso einig. Das ist wirklich die wöchentliche Gebetsversammlung, und auch solche Gebetstage sind das untrügliche Thermometer einer Gemeinde. Der Zustand wird daran deutlich.
Persönliche Gebetsarmut und die ernste Diagnose an Laodizea
Ich habe vor Jahren einmal eine Umfrage gemacht und ein paar Tausend Brüder und Schwestern befragt, meist jüngere, aber auch ältere. Das geschah auf Konferenzen wie hier, wo manchmal allerdings auch wesentlich mehr Leute waren, aber auch in kleinen Versammlungen und so weiter. Ich habe das dann nach ein paar Jahren ausgewertet, nur um einmal eine Zahl zu nennen. Dabei habe ich festgestellt, dass unter bekennenden, echten, bibeltreuen Gemeinden konservativer Art, also nicht irgendwelchen flippigen Bewegungen, 42 % aller Befragten zugegeben haben, dass sie am Tag nicht mehr als fünf bis fünfzehn Minuten beten.
Können wir dann mit einer Erweckung rechnen? Ist es möglich, dass man als Christ am Tag nur fünf Minuten betet, jetzt einmal abgesehen vom Gebet zu den Mahlzeiten? Es ist leider so.
Ich werde nie vergessen, wie ich einmal Besuch hatte, das ist schon lange her, von zwei bekannten christlichen Autoren, die viel geschrieben haben, die auch im Fernsehen auftraten und auf Konferenzen Konferenzredner und Evangelisten waren, die viel evangelisiert hatten. Sie kamen zum ersten Mal zu Besuch und waren dann bei uns in dem kleinen Buchladen, damals noch im Hühnerstall. Es waren nette Kerle, und ich habe teilweise auch heute noch Kontakt zu ihnen. Wir leben auch noch beide.
Da habe ich sie einmal gefragt: Darf ich dich einfach mal fragen, wie viel Zeit nimmst du dir zum Gebet? Da guckte er sich erst einmal um, ob keiner zuhört, und dann sagte er: Also, soll ich ehrlich sein? Ja, ich sage: Was denn sonst? Selten mehr als fünf Minuten.
Ein Evangelist, vollzeitig im Dienst für den Herrn, betet nicht mehr als fünf Minuten. Ich fürchte, dass unter uns sicherlich auch eine Menge sind, die, wenn sie ehrlich sind und nicht nach links und rechts gucken, dasselbe sagen würden.
Dann fragte ich den Zweiten, seinen Freund, der mit war, auch Evangelist, auch Autor: Darf ich dich auch mal fragen? Der guckte sich auch um, aber es war kein anderer da. Ich wäre dankbar, wenn es wenigstens fünf Minuten wären.
Tja, in welchem Land leben wir, in welchen Gemeinden leben wir, wenn intensives Gebet nicht mehr die Normalität ist? Klar, man muss es nicht machen wie Wesley. Wesley hat zu seinen Predigern gesagt: Wer von euch nicht am Tag vier Stunden betet, der taugt nichts, der soll aufhören. Vier Stunden am Tag beten, das ist für uns eine Wahnvorstellung. Wir leben in einer ganz anderen Zeit.
Aber wir haben uns daran gewöhnt, und wir finden das schon nicht mehr abschreckend oder schlimm, sondern: Na ja, es ist halt so. Und immer da, wo in einer Gemeinde oder in einer Versammlung die Gebetsversammlung minimiert oder abgeschafft wird, da kann man schon die Beerdigung einer Gemeinde vorbereiten, ankündigen. Das ist ja nur noch eine Frage der Zeit.
Als ich bei uns in der Versammlung in einem Vortrag einmal fragte: Glaubt ihr wirklich, dass nach Matthäus 18,20 der Herr unter uns ist?, kam natürlich die Antwort: Klar, dass wir es glauben. Man kann Selbstverständliches nicken.
Als ich dann nachbohrte und sagte: Wenn wir das wirklich glauben würden, dass der Herr in unserer Mitte ist, wenn wir als Gemeinde zusammenkommen, würde dann einer von uns in der Gebetstunde fehlen, weil gleichzeitig eine Geburtstagsfeier ist oder ein Fußballspiel von der Nationalmannschaft übertragen wird oder sonst irgendetwas? So ist es doch, oder? Wenn ich jetzt hier eine Umfrage machen würde, wie der Besuch eurer Gebetstunde ist, ja, wenn man das doch wirklich glauben würde, der Herr ist da, dann geht man doch nicht woanders hin. Dann interessiert mich doch keine Geburtstagsfeier oder eine Hochzeitsfeier oder was weiß ich.
Aber das zeigt einfach, dass wir uns überhaupt gar nicht mehr auf einem Boden versammeln, wo wir ehrlich und aufrichtig sind und wirklich, wo es um den Herrn geht und um seine Gegenwart. Und das sind wirklich Anzeichen einer tödlichen Krankheit.
Wenn die Gebetstunde kaum noch besucht wird, junge Leute sind oft überhaupt nicht mehr da. Ich bin sehr dankbar, durch Gottes Gnade sind bei uns mehr junge Geschwister als ältere in der Gebetstunde. Oder wenn manche Versammlung sich nur noch alle vierzehn Tage oder gar einmal im Monat zum Gebet versammelt, wie wird der Herr darüber denken?
Die ernste Selbstbeschreibung der Gemeinde und ihre geistliche Blindheit
Hier in den Sendschreiben Laodizeas finden wir den ergreifenden, erschütternden Gefühlsausdruck in Vers 15: Ach, dass du kalt oder warm wärst! Und da wird die Sehnsucht des Herrn deutlich. Klar: Wenn du kalt wärst, dann könnte ich um dich werben mit meiner Liebe, da gibt es Hoffnung. Aber weil du lau bist, weder kalt noch warm, werde ich dich aus meinem Mund ausspucken.
Dieses Ach erschüttert mich jedes Mal. Wie macht er über mein Leben denken und über unser Leben.
Gottes Problem sind nicht die kalten, liberalen, evangelikalen oder verweltlichten Gemeinden, sondern die formell bibeltreuen, aber lauen, zum Ausspucken eingebildeten Gemeinden.
Und die Selbsteinschätzung, die finden wir hier sehr deutlich beschrieben: Weil du sagst: Ich bin reich und reich geworden und bedarf nichts. Und das ist leider, leider, leider auch ein Kennzeichen der Brüderbewegung, bestimmter Prägungen. Da gibt es ja auch verschiedene Sortierungen. Dass man in dem Wahn lebt, dass man besser ist als andere, dass wir mehr wissen als andere, dass uns keiner mal etwas sagen kann. Unsere Literatur, das ist die einzig wahre Literatur. Und die anderen können von uns lernen, aber wir können von denen nichts lernen. Denn wenn sie etwas Gutes haben, dann haben sie das von uns gelernt.
Das ist so schlimm und so abartig, wie das hier auch deutlich wird: Weil du sagst, ich bin reich und reich geworden und bedarf nichts.
Whitfield hat einmal gesagt: Stolz auf empfangene Gnade ist der sicherste Weg, sie zu verlieren. Zu sagen: Ich bin reich geworden. Das steht über vielen unserer Brüdergemeinden. Stolz zu sein, sich zu erheben über andere Christen, die nicht so viel wissen, die den prophetischen Plan nicht so im Kopf haben oder die einfach auch den Herrn in seinen Eigenschaften nicht richtig kennen, das ist doch ein Geschenk Gottes, wenn wir das erkennen dürfen. Damit sollten wir anderen dienen. Aber stolz darauf zu sein, ist der sicherste Weg, sie zu verlieren. Das hat Whitfield hundert Jahre vor der Brüderbewegung gesagt.
Echte geistliche Bildung und Erkenntnis macht immer bescheiden und demütig, weil man die eigene Schwachheit und Armut im Licht der Bibel sehr, sehr deutlich erkennt. Ich zitiere Roger Liby in einem Kommentar zu einem der weisheitlichen Sprüche. Da schreibt er: Diejenigen, die wirklich göttliche Weisheit besitzen, sind sich ihrer Unwissenheit am stärksten bewusst. Das ist ein wahres Wort.
Gottes Diagnose und die Bilder von Blindheit, Verfall und Selbsttäuschung
Gottes Urteil
Du weißt nicht, dass du elend, jämmerlich, arm, blind und bloß bist. Außer einer Selbsttäuschung, die tragisch ist, erinnern wir uns an Simson in seinen letzten Tagen. Er wird umgarnt. Es gibt auch ein nettes Büchlein darüber: Die Fessel der Unfreien. Er wurde von Delila umgarnt, und die Philister versuchen alles, um zu erkunden, worin seine geistliche und körperliche Stärke besteht. Schließlich wurden ihm die Haare abgeschnitten, während Delila ihn auf ihren Knien einschlafen ließ. Und dann heißt es in der Bibel, er stand auf wie die anderen Male, um alles abzuschütteln, was ihn irgendwie gefesselt hatte. Aber er wusste nicht, dass die Kraft von ihm gewichen war. Er wusste es nicht. Zum ersten Mal wurde er besiegt.
In Hosea 7,9 klagt Gott über Ephraim: Ephraim ist wie ein Kuchen geworden, der nicht umgewendet ist. Fremde haben seine Kraft verzehrt, und er weiß es nicht. Ja, ich kann das nur am Beispiel eines Pfannkuchens erklären oder illustrieren, den ich mir manchmal mache, weil ich meist, wenn ich mittags etwas zu essen haben will, das selbst machen darf oder muss. Wie schnell das geschieht, wenn man in aller Eile Pfannkuchen machen will, von Knorr oder von wem auch immer, ist ja einfach zu machen. Aber wenn man da nicht aufpasst und meint, man müsse die Zeit nutzen und könne auch nebenbei noch etwas anderes machen, dann stinkt es auf einmal in der Küche, und dann ist alles schwarz. Man hat ihn nicht umgewendet.
Diesen Vergleich nimmt Gott über Ephraim. So ist Ephraim wie ein Pfannkuchen oder, was weiß ich, ein Kuchen, der nicht umgedreht wird. Fremde haben seine Kraft verzehrt, aber er weiß es nicht. Ist das nicht eine Tragik, wenn unter uns der eine oder andere, oder auch ich, so ist wie einer, der selbst nicht merkt, wie der Geist Gottes einfach nicht von ihm gewichen ist, aber kaum noch wirksam ist in seinem Leben? Und er bildet sich immer noch ein, besser zu sein als andere oder in Gottes Augen okay zu sein.
Und dann geht es noch weiter: Auch ist graues Haar auf sein Haupt gesprengt, und er weiß es nicht. Pfannkuchen ungenießbar – das ist meine Erfahrung, die ich immer wieder mache, sehr einseitig gebacken. Graues Haar, Gottes gnädige Erinnerung jeden Morgen und Abend an unsere Sterblichkeit, wenn ich in den Spiegel schaue und daran denke, dass meine Uhr abläuft und mein Leben kurz vor der Ziellinie ist. Ja, jeden Morgen habe ich das doch vor Augen. Graues Haar ist auf sein Haupt gesprengt, und er weiß es nicht.
Wie ist es möglich, dass man in den Spiegel schaut und die Anzeichen seines Verfalls vor Augen hat und dennoch überhaupt nicht darüber nachdenkt, wie wenig Zeit einem noch bleibt? Gerade die älteren Geschwister unter uns, und ich als Erster: Wie tragisch ist das. Eigentlich sollte ich es immer vor Augen haben, dass meine Uhr wirklich abläuft, mein Leben vor der Ziellinie ist, mit der Hoffnung und mit dem Gebet, dass ich auf den letzten Metern nicht in Sünde falle. Laodizea weiß es nicht oder will es nicht wissen.
Daran ändert auch kein Haarfärber etwas, keine Verdrängung biologischer Tatsachen. Wenn man die Augen zumacht, möge der Herr uns Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit schenken, dass wir uns in seinem Licht wirklich erkennen. Dann gibt es Hoffnung für uns.
Die göttliche Antwort: Reichtum, Reinheit und klare Sicht
Interessant: Gottes Therapie. Ich rate dir, Gold von mir zu kaufen, das wertbeständig ist. Sie wussten nicht, wie arm sie in Gottes Augen waren, jämmerlich arm. Gold ist ein Bild von Gottes Herrlichkeit und Gerechtigkeit.
Zweitens: weiße Kleider. Ein Bild der geschenkten Rechtfertigung durch den Glauben an den Herrn Jesus Christus, „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid“. Es ist auch ein Bild eines von Gott vor Gott tadellosen, moralisch sauberen Lebens. Die feine Leinwand der Braut in Offenbarung 19 sind die gerechten Taten der Heiligen. Die haben wir so sehr nötig. Und hier spielt Gott an auf die modebewussten Laodizeer, die ja ihre Tunika in aller Welt exportiert haben, aber in Gottes Augen eine ganz große Schande, die Schande ihrer Blöße.
In jungen Jahren habt ihr ja alle die Geschichte gelesen von des Kaisers neuen Kleidern. Ich lese vor:
Am Hof des Kaisers, der viel Wert auf feinste Kleidung legt, erscheinen zwei Weber, also so kleine Weber, und behaupten, sie könnten ihm ganz einzigartige Kleider anfertigen, die nicht nur prachtvoll aussehen, sondern dazu noch die Besonderheit hätten, dass sie niemand sehen könne, der dumm sei oder für sein Amt nicht tauge. Begeistert darüber erteilt der Kaiser ihnen den Auftrag.
Die Weber machen sich sogleich an die Arbeit, weben auf leeren Webstühlen und verlangen immer mehr Geld und feinste Seide, die sie jedoch für sich selbst einstecken. Natürlich können weder die vom Kaiser zur Beobachtung der Arbeit geschickten Minister noch schließlich selbst die vorgeblichen wunderbaren Stoffe auf den Webstühlen sehen. Doch da dies einzugestehen bedeutete, dass sie selbst dumm oder unfähig seien, loben sie alle die prachtvollen Muster und Farben.
Bei einem anstehenden großen Festzug will sich der Kaiser in seinen neuen Kleidern dem Volk zeigen. Auch das Volk weiß inzwischen um die Eigenschaft der Kleider, so dass auch niemand zugibt, gar keine Kleider zu sehen, bis ein kleines Kind überrascht ausruft: Der Kaiser hat ja gar nichts an, der ist nackt. Der Vater des Kindes nimmt das als Stimme der Unschuld und verbreitet es weiter, bis das ganze Volk es ruft: Der Kaiser ist nackt. Der Kaiser setzt schließlich ein, dass er sich hat betrügen lassen, beschließt jedoch, auszuhalten und den Umzug zu Ende zu führen, und läuft dann also in seiner Unterhose herum.
Ich denke, das ist ein treffendes Bild auch für uns. Wir reden uns vieles ein, lassen uns vieles einreden. Andere machen ihr Geschäft daraus. Und wir werden verdummt und verblödet und haben gar kein Urteilsvermögen mehr, wenn wir in den Spiegel gucken und sehen, wer wir wirklich sind. Die Schande deiner Blöße, so wird das hier genannt.
Dann als Drittes: Augensalbe. Eine Anspielung auf Laodizeas weltbekannte Augensalbe. Sie waren kurzsichtig und blind über sich selbst, ohne Selbsterkenntnis. Auch mit viel Bibelkenntnis kann man blind über sich selbst sein.
Warnende Beispiele aus der Gegenwart und der Ruf zur Ehrlichkeit
Ein paar traurige Beispiele, und das sage ich jetzt nicht, um Brüder schlechtzumachen: Joshua Harris hat in jungen Jahren einen Bestseller geschrieben, in viele Sprachen übersetzt, ungeküsst und doch kein Frosch.
Genau vor einer Woche kam eine alte Oma in so einen Buchladen und fragte mich, sie hätte gerne ein Buch für ihren zwanzigjährigen Sohn. Der wäre aber nicht gläubig und so weiter. Da hätte es doch mal so ein Buch gegeben mit so einem Frosch und einem Kuss. Ob ich das nicht ihr verkaufen könnte. Na ja, habe ich gesagt, das ist schon zehn Jahre her, das gibt es nicht mehr.
Und leider hat dieser Autor genau das Gegenteil gemacht von dem, was er angepriesen hat. Er hat sich scheiden lassen, hat sich den Schwulen angeboten. Sie um Entschuldigung gebeten, dass er jahrelang mit seinen Vorträgen und Büchern sie beleidigt hat usw. usw. Er hat sich öffentlich entschuldigt und dann auch von Gott losgesagt.
Wie ist so etwas möglich? Es fehlt die Augensalbe, die Ehrlichkeit, vielleicht auch die Ehrlichkeit unserer Brüder und Schwestern um uns herum, die den Mut haben, uns zu sagen: Hör mal, bei dir stimmt was nicht.
Ravi Zacharias, jahrelang Experte, weltweit bekannt, an allen Universitäten unterwegs gewesen als Apologet, Verteidiger des Glaubens, bis herauskam, was er in den vielen Universitätsstädten an Massagesalons usw. hatte und wie er sich jahrelang in dieser Sünde gesuhlt hat. Es war ein Schock.
Philipp Jantzi, vor 14 Tagen, glaube ich, oder vor drei Wochen, auch in die DEA zu lesen. Auch einer, der viele Bücher geschrieben hat, um das Evangelium zu verteidigen, die Gottessohnschaft zu verteidigen usw. usw. Es wurde bekannt, dass er schon jahrzehntelang neben seiner Ehe eine Beziehung hat zu einer Frau, die, glaube ich, 40 Jahre jünger ist als er selbst. Und natürlich konnte er nicht mehr weitermachen, als das offenbar wurde.
Wie ist das möglich, dass ausgerechnet Apologeten, die den Glauben verteidigen, die ihr Leben eingesetzt haben, um eben die Autorität der Bibel zu bekennen und bekannt zu machen, und dass genau die Leute in einem Sündefall oft jahrelang darin leben und weiter verkündigen? Es fehlt die Augensalbe.
Man kann so vieles vormachen, anderen. Und wenn ich das sage, dann frage ich mich selbst: Bin ich der Nächste, der dran ist? Und ich bete jeden Tag, das weiß der Herr, das kann ich auch ganz offen sagen. Nicht weil ich so fromm bin.
Psalm 69, ich glaube Vers 6 oder Vers 7, je nach Übersetzung: Lass durch mich nicht beschämt werden, die auf dich vertrauen. Lass durch mein Leben nicht beschämt werden, die auf dich vertrauen, dass ich ein Vorbild bin und dass mein Leben und meine Arbeit für den Herrn nicht im Widerspruch stehen.
Die Gefahr ist so groß. Das war auch ein Schock. Vor einigen Monaten, im letzten Jahr, ist dieses Buch neu herausgekommen bei EBTC von einem sehr bekannten Verkündiger, auch weltweit bekannt, der sich besonders für die Heiligkeit Gottes und auch für die Autorität der Bibel mit sehr starken Worten eingesetzt hat. Sehr schön aufgemacht: Der Prediger. Berufung erkennen, Auftrag erfüllen, Predigten erarbeiten usw. Und dann auch das letzte Kapitel: Das Streben nach Heiligkeit, sich in Selbstdisziplin üben, eine letzte Aufforderung an den Prediger, das Wort hochhalten.
Hier hat er eine Affäre, schon jahrelang, mit einer ganz jungen Frau. Er selbst ist über siebzig Jahre alt, und der Vater dieser Frau hat ihm gesagt: Wenn du jetzt nicht ehrlich wirst und das auch offen bekennst und von deinem Amt zurücktrittst, dann werde ich dich anzeigen. Dem ist er zuvor gekommen und hat ein Bekenntnis abgelegt in der Öffentlichkeit, natürlich von seinen Ämtern zurückgetreten.
Aber ist das nicht so tragisch, dass man bei bester Bibelkenntnis, ein exzellenter Bibelkenner, zu jeder Sünde in der Lage ist, wenn man nicht nah beim Herrn bleibt? Und wenn man nicht Geschwister um sich hat, die ihn in Liebe und Deutlichkeit spiegeln.
Umkehr, Zurechtweisung und die offene Tür des Herrn
Sei nun eifrig und tu Buße, mit anderen Worten: Werde wach, um dann auch warm zu werden und dann wieder heiß zu werden für den Herrn. Tu Buße, also Sinnesänderung nach Selbsterkenntnis. Über sich so denken, wie Gott über mich denkt: elend, jämmerlich, arm, blind und bloß. Das ist mein Zustand.
Und dann sehen wir, wie der Herr draußen steht. Ich überführe und züchtige so viel ich liebe. Das sollte übrigens auch unsere Aufgabe sein, wenn wir jemanden lieb haben, dass wir in der Lage sind und bereit sind, ihn zu überführen.
Ich stehe an der Tür und klopfe an. Und jetzt geht es auch wieder um das Du, aber nicht auf andere sehen, sondern hier steht der Herr vor dir, vor deiner Herzenstür. Und wenn jemand, das werden nicht mehr viele sein in unserer Zeit, meine Stimme hört und die Tür auftut, zu dem will ich eingehen und das Abendbrot mit ihm essen und er mit mir.
Auch eigenartig: Der Herr steht draußen und klopft an. Ist der Herr in unserer Mitte? Hier steht der Herr draußen, und drinnen wird Gemeinde gespielt. Aber er steht vor der Tür und wirbt um den Einzelnen, um deine Seele, um dein Leben. Und wenn jemand meine Stimme hört, es wird angespielt auf die Ohrensalbe, hören und die Tür auftut, Augensalbe, zu dem wird er eingehen, und alles andere tut der Herr. Das ist das Einzige, was der Herr von uns erwartet: seine Stimme hören, ernst nehmen und dann sich ergeben, die Tür auftun, sich so sehen, wie Gott uns sieht. Und dann wird der Herr handeln und das Abendbrot mit ihm essen und er mit mir.
Das ist so eine schöne Bildersprache, die wir ja auf den ersten Blick überhaupt nicht deuten oder uns gar nicht bewusst ist, was das bedeutet. Abendessen, gemeinsames Essen in der Bibel, ist immer ein Zeichen von Gemeinschaft, Vertrauen und enger Gemeinschaft, Freundschaft. Und genau das war den Laodizeern völlig unbekannt, trotz aller schönen Lieder und Gebete und Vorträge. Sie lieben den Herrn gar nicht richtig.
Die Frage nach der Liebe zum Herrn und das Zeugnis echter Hingabe
Vor vielen Jahren war ich 15 oder 16 Jahre alt. Ich war auf einer Freizeit in der Schweiz, und einer der Freizeitleiter war Paul Kiene. Roger hat gestern erzählt: Heiligtum Gottes in der Wüste. Ich war dann später auch bei uns, und ich war bei ihm, hatte unter seiner Stiftshütte gelagert und die Nacht verbracht. Er hatte nicht so eine grosse Wohnung.
Daran habe ich viele hochinteressante Erinnerungen. In jüngeren Jahren, damals, als ich 15 oder 16 war, war er äusserst streng, wenn wir ihm aus dem Weg gelaufen sind. Er hatte auch immer eine Brille mit ganz starken Dioptrien auf. Wenn er einen anschaute, da wurde einem schon Angst und Bange, so ungefähr. Dann war er so eine bullige Gestalt und sehr ernst, und seine Frau nicht weniger. Auf jeden Fall: Wir haben immer einen Bogen um ihn gemacht.
Dann erzählte er uns in einer Bildstunde, dass er sich im Alter total positiv verändert habe, also damit ihr kein falsches Bild von diesem Mann habt. Dann erzählte er, dass er als, wie man so sagt, dienender Bruder oder vollzeitiger Bruder auf einer Konferenz von vollzeitigen Brüdern alle der Reihe nach einzeln in der Öffentlichkeit gefragt habe: Liebst du denn den Herrn Jesus mehr als deine Frau? Und was haben die geantwortet? Haben alle brav Ja gesagt?
Ich habe mich empört, sage ich euch. Was Liebe ist, wusste ich mit 15 oder 16 Jahren nicht. Ich habe mir aber eingebildet, ich hätte mich so oft in irgendein Mädchen verliebt, und welche Gefühle da sind, das habe ich dann auch für Liebe gehalten. Dass man so eine Beziehung zum Herrn haben kann, das ist doch gelogen, das gibt es doch überhaupt nicht. Wie kann man denn den Herrn Jesus so lieben, dass man sagen kann: Ich liebe den Herrn mehr als das Mädchen oder meine Frau?
Wenn ihr wollt, schlagt mal das letzte Kapitel von Esther Grünthe auf. Ein sehr ärgerlicher Vers. Ja, da ist nichts zum Lachen. Mir ist das Lachen vergangen, als ich da zum ersten Mal bewusst ein bisschen drüber nachgedacht habe. Vers 21 vorher noch: Es grüssen euch die Brüder alle, grüssen einander mit heiligem Kuss. Da bin ich nicht so ein Experte drin.
Und dann Vers 21: Der Gruss mit meiner des Paulus Hand. Wenn jemand den Herrn Jesus Christus nicht lieb hat, der sei verflucht. Maranatha, der Herr kommt bald. Zum Glück folgt dann: Die Gnade des Herrn Jesus Christus sei mit euch, und meine Liebe sei mit euch allen in Christus Jesus.
Aber ist das nicht ein Schock, wenn jemand den Herrn Jesus Christus nicht lieb hat? Der sei verflucht, für den gibt es keine Hoffnung. Bei aller Bibelkenntnis kann es sein, dass wir die Liebe zum Herrn überhaupt nicht kennen. Und unter uns werden sicherlich manche sein, die, wenn sie ehrlich wären, auch sagen würden: Im Grunde weiss ich überhaupt nicht, was es ist, den Herrn zu lieben. Aber wenn die nicht da ist, gibt es keine Hoffnung. Die Gnade des Herrn Jesus Christus sei mit euch.
Schlussruf zur Überwindung und ein erschütterndes Beispiel von Umkehr
Ein letztes Gebet von Jim Elliot:
„Herr, zünde an die toten Reisekohlen meines Lebens, gib, dass ich aufflamme und für dich verbrenne. Ich trachte nicht nach einem langen Leben, sondern nach einem erfüllten, gleich dir, Herr Jesus.“
Ja, das hat der Herr gehört. Mit 29 Jahren wurde er von den Aucas ermordet.
Schlusswort des Herrn hier in Offenbarung 3: Wer überwindet? Das ist das große Problem der Lauheit und der Selbstgerechten. Die Pharisäer fragten auch einmal den Herrn: Sind wir etwa auch blind? Sie konnten sich das gar nicht vorstellen. Sich der Wahrheit der Diagnose Gottes zu stellen, ist eine große Demütigung und Überwindung. Da braucht man wirklich Überwinderkraft.
Was würden die Geschwister sagen, wenn ich einmal offen bekennen würde: Ich kenne das überhaupt nicht, die Liebe zum Herrn?
Ich war vor Jahren in Honduras. Das war eines der ersten Jahre, in denen ich hier regelmäßig Besuche gemacht habe, Konferenzen. Wir hatten Ältestenkonferenzen, abends hatten wir in der Versammlung Vorträge. Da hatte ich über Gehasi gesprochen, über den Sohn des Propheten, diesen Heuchler. Ich kenne die Geschichte.
Dann stand am Ende der Stunde ein Bruder auf, der dann auch etwas sagte. Auf der Empore war einer von den Diakonen oder Ältesten, ich weiß nicht ganz genau. Er war noch nicht so sehr alt, aber sehr beliebt und sehr begabt. Der stand dann auf und sagte: Ich bin ein Heuchler, ich bin überhaupt nicht bekehrt.
Es war ein Schock für die Gemeinde. Das gibt es doch überhaupt nicht. Der Roberto, den kennen wir doch von klein auf: Sonntagsschule, Jugendstunde, Predigten, Aktionen usw. usw. Er war weinend und sagte: „Ich bin ein Heuchler“, und dann hat er sich bekehrt.
Möge der Herr sein Wort segnen.
