Willkommen beim Bibelfit-Projekt, wo wir versuchen, leicht verständlich tiefer in die Bibel einzutauchen, Jesus im modernen Alltag nachzufolgen und schwierige Fragen von Nichtchristen zu beantworten. Zu jedem Beitrag verschenke ich Übersichten, biblische Entscheidungshilfen, komplette Hörbücher und sogar Onlinekurse. All das gibt es kostenlos auf der Website, dank freiwilliger monatlicher Spenden von Menschen wie dir und mir.
Viele hier kennen das: Du bist im Dialog mit ehrenwerten muslimischen Gesprächspartnern. Das sage ich nicht, um negative Kommentare abzuwehren, sondern genauso, wie ich es meine. Denn vieles, was du in Gesprächen mit Muslimen über Weltanschauungen hören wirst, ist oft um Längen durchdachter und belesener als das, was dir in Gesprächen mit anderen begegnet. Das kann – und so war es bei mir auch – den sehr positiven Nebeneffekt haben, dass wir Christen uns mehr Gedanken über unseren eigenen Glauben machen.
All das führt dazu, dass es meines Erachtens deutlich angenehmer, einfacher und häufig auch zielführender sein kann, mit Muslimen über das Christentum zu sprechen. Mit dem heutigen Beitrag will ich dir Mut machen, selbstbewusster in Gespräche mit Muslimen zu gehen.
Dafür wollen wir auf einige kritische Punkte eingehen, die du manchmal von muslimischer Seite als Totschlagargumente gegen das Christentum hören kannst. Diese wollen wir Schritt für Schritt beantworten.
Bitte beachte aber erstens: Nur weil du eine Kritik gegen das Christentum entkräften kannst, heißt das nicht automatisch, dass das Christentum wahr ist. Das sind erst einmal zwei verschiedene Paar Schuhe.
Und zweitens: Dieser Beitrag kann oberflächlich wirken, weil wir jetzt mehr in die Breite gehen. Falls du zu den einzelnen Punkten mehr in die Tiefe gehen möchtest, dann drücke gern die Glocke unter diesem Video. Auf diesem Kanal habe ich bereits mehrere eigene Beiträge dazu bereitgestellt, die dir dann auch angezeigt werden.
Also, lass uns die Glocke drücken – und los geht’s!
Zweifel an der Unverfälschtheit der Bibel
Kritik Nummer acht: Die Bibel wurde verfälscht.
Meine instinktive Rückfrage wäre: Wo genau wurde die Bibel verfälscht? Welcher Vers, welches Kapitel, welcher Satz oder welches Wort wurde genau verändert?
Fangen wir von vorne an. Was bedeutet eigentlich eine Verfälschung? Eine Verfälschung liegt vor, wenn man mit einem Original beginnt, das dann entstellt wird – und zwar nicht zufällig, sondern absichtlich, mit einer klaren Absicht. Das ist eine Verfälschung.
Wenn also jemand behauptet, dass das Original der Bibel verfälscht wurde, müsste er eigentlich zwei Dinge wissen. Erstens müsste er genau wissen, wie dieses Original ausgesehen hat, von dem die angebliche Fälschung abweicht. Zweitens müsste er wissen, dass diese Abweichung absichtlich herbeigeführt wurde.
Werfen wir einen Blick auf den ersten und schwierigeren Punkt: Unsere Gesprächspartner müssten genau wissen, wie dieses Original aussieht, um es mit der angeblichen Fälschung vergleichen zu können. Die Frage ist also: Woher will dein Gesprächspartner ein noch deutlich älteres Original eines Bibelmanuskripts nehmen als das, was den meisten Bibelübersetzungen zugrunde liegt?
Und jetzt mal abgesehen von irgendwelchen Foreneinträgen oder polemischen Instagram-Posts: Wer sind im echten Leben, in Farbe und 3D, die richtigen Ansprechpartner dafür, das Alter eines antiken Bibelmanuskripts einzuschätzen?
Ganz einfach: Das sind spezialisierte Museen und Archäologie-Lehrstühle an staatlichen Universitäten. Diese unterliegen einem ständigen Peer-Review, also der Überprüfung durch andere Wissenschaftler und Forscher der wissenschaftlichen Gemeinschaft.
Machen wir uns nichts vor: Es gibt millionenschwere, internationale Projekte mit hoch ausgebildeten Spezialisten, die genau das hauptberuflich machen. Sie arbeiten vierzig, fünfundvierzig, fünfzig oder sechzig Stunden pro Woche daran – und das seit Jahren. Solche hochdetaillierten Fachfragen werden von diesen Profis beurteilt, nicht in TikTok-Videos.
Falls dein Gesprächspartner Funde hat, die noch bedeutend älter sind als alles, was bisher von der internationalen historischen Forschung erfasst wurde – nur zu! Ich habe gehört, die Deutsche Bibelgesellschaft hat noch ein paar Stellen frei. Spaß beiseite.
Hör mal, was der europaweit renommierte Bibelwissenschaftler Dr. Christoph Rösel dazu sagt. Er ist derzeit Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft:
„Ja, Polemik wird manchmal vorgebracht, nach dem Motto: Man kann ja gar nicht wissen, was in der Bibel steht, es ist sowieso alles verfälscht und alles ist tausende Jahre her. Das ist natürlich leicht ironisch, wenn man bedenkt, welche jahrhundertelange Mühe in Stuttgart und anderen Institutionen betrieben wurde. Dort schlägt man sich wirklich die Nächte um die Ohren, arbeitet Monate, Jahre und Jahrzehnte mit internationalen Forscherteams daran, bis auf das kleinste Komma, bis auf das kleinste Jota den Urtext zu rekonstruieren. Das ist natürlich aus Ihrer Sicht ein bisschen ironisch.“
Er fährt fort: „Man kann sagen, dass die biblischen Texte für Texte dieses Alters wirklich außergewöhnlich gut überliefert sind. Das wird kein Wissenschaftler bestreiten. Natürlich kann man das in der Polemik bestreiten, aber wer sich wissenschaftlich mit vergleichbaren Prozessen auseinandersetzt, wird immer feststellen, dass die Bibeltexte gut überliefert sind. Die Kernaussagen sind grundsätzlich so eindeutig und zuverlässig überliefert, da gibt es nichts daran zu rütteln.“
Das sagt der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft. Ich möchte das hier als zitierwürdig festhalten.
Du solltest einfach wissen: Die Behauptung einer angeblichen Bibelverfälschung wurde von internationalen Forschern untersucht wie kaum ein anderes Thema. Die wichtigsten Eckdaten dazu solltest du kennen. Ich habe sie dir im Faktencheck zum Neuen Testament zusammengefasst.
Dort findest du anschaulich mit Bild und Audio erklärt, warum du heute zuverlässig wissen kannst, dass die Bibel in deiner Hand als eines der wenigen Bücher der Weltgeschichte tatsächlich genau die Schriften enthält, die vor zweitausend Jahren niedergeschrieben wurden – und vor allem, warum das so ist.
Das solltest du dir anschauen. Klicke dafür einfach auf den Link in der Videobeschreibung. Wie immer ist das kostenfrei.
Die Frage nach der Autorenschaft der Evangelien
Kritik Nummer sieben: Die Evangelien sind anonym.
Was bedeutet das? Das Wort „anonym“ stammt vom Altgriechischen „an onymos“ und bedeutet „etwas ohne Namen“. In der Geschichtswissenschaft meint man damit einen Text oder eine Quelle, bei der nicht bekannt ist, wer sie verfasst hat.
Überlegen wir zunächst: Welche Bedeutung soll diese Kritik haben? Sie will aussagen, dass die Evangelien deshalb nicht glaubhaft seien. Diese Kritik geht davon aus, dass etwas nur dann glaubhaft ist, wenn der Verfasser bekannt ist. Das ist jedoch ein logisches Problem, denn nicht der Sprecher ist entscheidend, sondern das Gesagte.
Tatsächlich sind sehr viele Quellen, die Historiker zur Rekonstruktion der Menschheitsgeschichte nutzen, anonym. Ein paar einfache Beispiele: Höhlenmalereien im südlichen Europa, mit denen frühe Menschheitsgeschichte rekonstruiert wurde; Keilschriften der Assyrer und Babylonier aus Mesopotamien; Papyrussammlungen aus Südägypten, die Aufschluss über Mumifizierungen geben; im Frühmittelalter das Buch der Rebus Bellicis; und in der neueren Geschichte die sogenannten Federalist Papers, die nach der Gründung der Vereinigten Staaten maßgeblichen Einfluss auf die Demokratie hatten und anfangs ohne Nennung der Verfasser veröffentlicht wurden.
Denken wir auch an zahlreiche Whistleblower-Berichte der letzten Jahre und viele weitere Beispiele. Das bedeutet: Das Argument, dass etwas anonym und deshalb unglaubwürdig sei, wird von heutigen Historikern kaum noch ernst genommen.
Im Gegenteil erleben wir heute oft, dass Personen mit klarem Namen auftreten, und die Diskussion sich schnell mehr um sie als um ihre Aussagen dreht. Es kann also sogar die Glaubwürdigkeit eines Textes steigern, dass er anonym ist.
Ein modernes Beispiel dafür ist das Bitcoin White Paper von Satoshi Nakamoto. Weil bis heute nicht endgültig geklärt ist, wer es verfasst hat, konnte sich die Diskussion von Anfang an hauptsächlich auf die technischen Inhalte konzentrieren. Das war aus Sicht vieler Ingenieure und Informatiker dem Erkenntnisfortschritt sehr zuträglich.
Gehen wir noch einen Schritt weiter: Selbst wenn die Evangelien anonym verfasst worden wären, ist das nicht entscheidend für das Christentum. Es ist großartig, dass wir die Evangelien haben, aber sie sind nicht die Grundlage des Glaubens.
Zehntausende Christen haben gelebt, ohne jemals eine einzige Zeile eines Evangeliums gelesen zu haben. Daraus erkennt man, dass die Wahrheit des Christentums nicht an den Evangelien hängt, also nicht an den frühen Biografien über das Leben Jesu.
Dagegen sind zum Beispiel die Paulusbriefe, insbesondere der Römerbrief und die Korintherbriefe, zentrale Dokumente des biblischen Christentums. Selbst die größten Skeptiker stimmen zu, dass diese Briefe von Paulus persönlich stammen und somit keineswegs anonym sind.
Das heißt: Selbst wenn die Evangelien anonym wären, gibt es zahlreiche andere Kerntexte des Christentums, deren Autoren namentlich bekannt sind.
Hinzu kommt, dass die Evangelien aus Sicht führender Historiker keineswegs anonym sind. Im Gegenteil: Die Autoren werden namentlich genannt von nichtbiblischen Quellen wie Eusebius, Eurigenes, Papyrus, Irenäus, Polykarp, Clemens von Alexandrien und vielen anderen.
Wir wissen überraschend viel über die Personen und das Leben der Evangelienautoren. Und nur am Rande: Für das Leben Jesu selbst haben wir inzwischen in der Archäologie mehr nichtchristliche als christliche Quellen gefunden.
Zusammengefasst: Selbst wenn die Evangelien anonym wären, würde das sie historisch nicht disqualifizieren. Umgekehrt wissen wir über einige der wichtigsten Dokumente der frühen Christentumsgeschichte sehr genau, wer sie geschrieben hat. Über das Leben der Autoren wissen wir teilweise sogar mehr als über viele andere historische Persönlichkeiten.
Auf diesem Kanal habe ich dir mehrere Videos mit spannenden, wenig bekannten Fakten über das Neue Testament hochgeladen. Wenn du möchtest, kannst du die Glocke unter diesem Video drücken, dann werden dir diese Beiträge angezeigt.
Die Frage nach Mohammed in biblischen Prophezeiungen
Kritik Nummer sechs: Mohammed wäre in der Bibel prophezeit.
Mal ganz oberflächlich betrachtet: Wenn es wirklich so wäre, dass Mohammed, der Stifter des Islam, in der Bibel prophezeit und vorausgesagt wäre, dann würde diese Behauptung der Bibel eine zusätzliche und größere Autorität verleihen. Oder?
Dann könnte man ja zurückfragen: Wenn das so wäre, würdest du dann auch andere Prophezeiungen und Inhalte der Bibel genauso für bare Münze nehmen? So kannst du beobachten, wie deine Gesprächspartner darauf reagieren.
Der zweite Punkt ist die Frage, ob es wirklich stimmt, dass Mohammed in der Bibel prophezeit wird. Das ist fraglich, denn damit eine Bibelauslegung wissenschaftlich korrekt ist, muss sie drei Bedingungen erfüllen: Erstens muss der biblische Text genau das meinen. Zweitens darf er nur das meinen. Und drittens darf die Auslegung auf nichts anderes anwendbar sein, also muss nur dieses eine Ergebnis in Frage kommen.
So, das gesagt, schauen wir uns den Inhalt genauer an. Die Behauptung, dass Mohammed angeblich in der Bibel prophezeit wird, beruht auf zwei Säulen. Gehen wir sie Schritt für Schritt durch.
Die erste Säule: Es gibt mehrere Bibelstellen, in denen Jesus sagt, dass er nach sich selbst den sogenannten Parakletos schicken wird, der nach ihm kommt. Parakletos ist ein altgriechisches Wort, das auf Deutsch schwer zu fassen ist. Es wird häufig umschrieben mit Begriffen wie Ratgeber, Tröster oder Anwalt.
Einige Muslime behaupten nun, dass damit Mohammed, der Stifter des Islam, gemeint sei. Schauen wir uns dazu die Originalstelle an. Jesus sagt dort: „Simphere-hümin hina ego ab-eltho“, das heißt: „Es ist besser für euch, dass ich weggehe.“ Dann sagt er weiter: „Ean ga me abelzo“ – „wenn ich nämlich nicht gehen würde“, „ho Paracletos uc eloysetai pros hymas“ – „dann würde der Parakletos nicht später zu euch kommen.“ Weiter heißt es: „Ean de poroitho pemso auton pros hymas“ – „aber wenn ich gehe oder gehen werde, dann werde ich ihn zu euch schicken.“
Manche behaupten, dass damit Mohammed gemeint sei. Wenn das so wäre, müsste alles, was Jesus über den Parakletos sagt, eins zu eins auf Mohammed zutreffen, richtig?
Das ist jedoch nicht der Fall. Zum einen sagt Jesus selbst in Johannes 14 über den Parakletos: „Mene methümon eston aiona“, das heißt, dieser Parakletos wird in Ewigkeit bei euch bleiben.
Ist Mohammed der Parakletos, dann wäre Mohammed ewig bei uns geblieben. Ist das so? Das wird schwierig, denn Mohammed, der über sechzig Jahre alt war, ist am Montag, dem 8. Juni 632, plötzlich verstorben – im Haus seiner damals etwa vierzig Jahre jüngeren Frau Aisha.
Mohammed blieb also nicht ewig. Damit kann nicht vom selben die Rede sein, Mohammed kann nicht der Parakletos sein, der ewig bleibt.
Mehr noch: In Johannes 15 sagt Jesus selbst, wer der Parakletos ist. Er sagt: „Topnolma tes aletheias hopara tu patros ekprojetai“ – „Der Geist, der vom Vater ausgeht“, nämlich der Heilige Geist.
Die zweite Säule, auf der diese Behauptung beruht, ist eine Stelle aus dem Alten Testament, im Hohelied Kapitel 5. Das müssen wir uns genauer anschauen, denn das Hohelied ist eine alt- oder mittelhebräische Dichtung. Solche Dichtungen funktionieren teilweise mit einer etwas anderen Grammatik. Deshalb muss man sich bei hebräischen Dichtungen sprachlich mehr Mühe bei der Übersetzung geben.
Schauen wir also in den Grundtext. Ich übersetze ihn jetzt, und danach betrachten wir gemeinsam den Zusammenhang.
Im Deutschen würde man die Anrede zuerst übersetzen, die im hebräischen Text am Schluss steht. Dort heißt es nämlich „benoth Jerusalem“ – an die Töchter Jerusalems, gemeint sind damit die jungen weiblichen Bewohner der Stadt Jerusalem und des näheren Umlands.
Was wird ihnen gesagt? Es heißt: „Chico, sein Mund“ – okay, was ist mit seinem Mund? „Sein Mund ist äußerst süß.“ „Uchullo“ – und er insgesamt? „Er ist insgesamt machamadim“, das heißt, er ist lieblich, liebenswert.
Dann heißt es weiter: „Zeh zodhi“ – das ist mein Geliebter, „uzeh rei“ – und das ist mein Freund. Am Schluss noch einmal die Anrede „benoth Jerushalayim“ – ihr Töchter Jerusalems.
Du hast es vielleicht schon geahnt: Jetzt geht es um das Wort „machamadim“. Da könnte man theoretisch vom Klang her meinen, es klingt ganz entfernt ähnlich wie Mohammed. Vor allem wenn man bedenkt, dass im Hebräischen und in semitischen Sprachen wie dem Arabischen vor allem die Konsonanten zählen. Aber es gibt drei Probleme, die das ausschließen.
Das erste Problem ist grammatikalisch: „Machamadim“ steht im Plural im hebräischen Text. Wenn jemand sagen würde, man müsse die Prä- und Suffixe entfernen, stünde dort nur „Hamad“ und nicht „Mohammed“ oder etwas Ähnliches.
Zweitens: Dasselbe hebräische Wort „machamadim“ wird nicht für Mohammed verwendet. Wenn man sich andere hebräische Texte anschaut, in denen dieses Wort vorkommt, wird es für ganz andere Dinge benutzt. Zum Beispiel im ersten Buch der Könige wird dieses Wort für Kriegsbeute verwendet. Ähnlich wird es auch in Jesaja 64, im Klagelieder 2 und vielen anderen Stellen gebraucht.
Wenn man die Referenzstellen durchgeht, muss man sich fragen: Passt das zu einem Menschen, passt das tatsächlich zu einem vorausgesagten Propheten und nichts anderem? Die Antwort ist eindeutig: Nein.
Drittens – und das ist noch viel einfacher: Wir müssen gar nicht rätseln, um wen es hier geht. Denn im Text des Hohelieds 5 wird uns genau gesagt, um wen es in den Versen geht. Nämlich um ein Zweierpaar aus Salomo und seiner ersten Frau.
Der spannendste Punkt ist folgender: Das Hohelied ist ein altisraelisches Gedicht, das nach vielen Schätzungen um das zehnte Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung in Jerusalem geschrieben wurde.
Falls jemand darauf bestehen möchte, dass dieser Text ausgerechnet jemanden meint, der über 1200 Kilometer entfernt lebte und über 1500 Jahre später geboren wurde, ist das noch nicht einmal das größte Problem.
Das größte Problem für Muslime, die behaupten wollen, im Hohelied sei „machamadim“ gemeint, also der Religionsstifter Mohammed, liegt wenige Verse vorher. Dort spricht der „machamadim“ im Gedicht über sich selbst und sagt in einem Nebensatz: „Schathithi genini“ – auf Deutsch übersetzt: „Ich habe meinen Wein bis zu Ende ausgetrunken.“
Du denkst vielleicht: Okay, und?
Nun, abgesehen von einer vergleichsweise kleinen alevitischen Minderheit betrachten die meisten Muslime weltweit Alkohol bis heute als Sünde, teilweise als schwere Sünde.
Dazu kannst du selbst nachschauen, was im Koran dazu steht, nämlich in Sure 5. Dort heißt es – bitte hab etwas Nachsicht mit meinem dicken Akzent –: „Ya ayu ala dina amanu“ – „Ihr, die ihr angefangen habt zu glauben“, werden angesprochen.
Was gilt für sie? Es heißt: „Inam al-chomru, wal-messiru, wal-onsobu, wal-aslamu“ – es geht um Alkohol, Glücksspiel, Steinaltäre (wie im biblischen Kontext Götzendenkmäler) und Wahrsagerpfeile, also im weiteren Sinne um Wahrsagerei.
Was ist damit? „Rijisun min al-mal al-schitani“ – das sind alles Verunreinigungen, ein Werk des Satans. Deshalb: „Fajitani buhu“ – vermeidet sie.
Klarer geht es nicht. Auch in Sure 2 wird Alkohol und Glücksspiel als „Ithmun kabirun“ bezeichnet, also als große Sünden.
Zusammengefasst: Wenn jemand durchsetzen will, dass im Alten Testament, im Hohelied, angeblich Mohammed gemeint ist, dann hätte er damit erstens schwere Probleme in seiner hebräischen Abschlussprüfung – rein sprachlich und grammatikalisch.
Zweitens müsste er gleichzeitig behaupten, dass der Religionsstifter des Islam Alkohol getrunken hat, was im Koran wiederholt als schwere Sünde bezeichnet wird.
Wenn ich Muslim wäre, würde ich mir das zweimal überlegen.
Falls du mehr solche Inhalte möchtest, drücke die Glocke unter diesem Video.
Die Frage nach der Gottheit Jesu
Kritik Nummer fünf: Jesus ist nicht Gott.
Meine kurze Antwort darauf wäre: Sondern. Der Hintergrund dazu ist, dass ich eine konkrete Vorstellung haben muss, um das miteinander abgleichen zu können. Weißt du, wenn ich sage, dass draußen nicht die Sonne scheint, dann kann ich das nur sagen, wenn ich eine begründete andere Vermutung habe, was es stattdessen ist – zum Beispiel, wenn ich stark vermute, dass es Regen ist.
Das heißt, wenn ich sage, Jesus ist nicht Gott, dann muss ich eine starke Begründung haben, wer oder was Jesus stattdessen ist. Meine mittlere Antwort wäre: Welche Alternative vermutest du denn? Was soll Jesus stattdessen sein? Soll er – und das klingt jetzt sehr harsch, ich meine das auf einer rein sachlichen Ebene – ein Geistesgestörter sein? Soll er ein Schwindler sein? Soll er nur ein Mensch sein wie du und ich? Soll er ein Prophet sein? Soll er der Messias sein? Soll er ein Halbgott sein? Also, was denn sonst? Welche andere Alternative vermutest du?
Meine lange Antwort wäre: Weißt du, du musst einfach mal schauen, welche Vermutung du hast und welche Vermutung am besten zu den Fakten passt, die wir gesichert haben. Also: Auf welcher Grundlage hast du deine Fakten? Die historisch gesicherten Fakten über Jesus von Nazareth sind die folgenden.
Was ich mal gemacht habe – und das kann ich dir nur empfehlen, nimm dir wirklich die Zeit dafür, es ist hoch spannend – ist, dass ich mal für euch reingeschaut habe, was in nichtchristlichen Quellen über Jesus steht. Was steht denn im Brockhaus? Was steht in der Encyclopedia Britannica? Was schreiben säkulare, nichtchristliche Historiker über Jesus? Und alle sind sich einig, dass der Jesus von Nazareth damals aufgetreten ist mit einem unbeschreiblichen, nie dagewesenen Bewusstsein, dass er Gottes ist und an Gottes Stelle reden, wirken und tun kann.
Dann gibt es ein paar Fakten, bei denen sich alle säkularen Historiker einig sind, dass diese in den 30er Jahren passiert sind. Diese sind folgende:
Das erste ist: Alle sind sich einig, dass dieser Jesus damals an einem römischen Holzkreuz zu Tode gefoltert wurde. Daran gedenken wir Christen an Karfreitag.
Das zweite, worüber sich alle einig sind, ist, dass das Grab, in das Jesus gelegt wurde – Jesus hat ein ehrenvolles Begräbnis erhalten von Joseph von Arimathäa, einem Mitglied des Hohen Rates der Juden damals – am dritten Tag danach, am Ostermorgen, am Sonntagmorgen leer war. Niemand, wirklich niemand wusste, wo der Leichnam war.
Das dritte ist, dass danach Individuen und Gruppen von Menschen in ganz verschiedenen Konstellationen und unter ganz verschiedenen Umständen davon berichteten, dass Jesus ihnen erschienen sei, dass sie Umgang mit Jesus hatten, mit ihm gegessen, gesprochen und Ähnliches. Sie waren zutiefst überzeugt davon, dass Gott Jesus von den Toten auferweckt hat. Und nicht nur seine eigenen Jünger und Freunde berichteten das, sondern noch weit, weit mehr.
Ein Beispiel ist der Skeptiker Jakobus, Jesus’ Halbbruder. Jesus’ Halbbruder war zu Lebzeiten sehr skeptisch darüber, dass Jesus wirklich Gott sein soll. Das kann ich verstehen. Mein kleiner Bruder hielt sich auch immer für das Zentrum des Universums, da war ich auch skeptisch. Nachdem Jesus aber auferstanden ist, ist es tatsächlich so, dass selbst Jakobus gesagt hat: Ja, er ist wirklich auferstanden, ich glaube daran, und ich bin bereit, mein Leben dafür zu geben.
Und damit nicht genug: Letzter Punkt – Jesus ist sogar seinen Feinden erschienen. Berühmtestes Beispiel ist der jüdische Kommissar Saulus von Tarsus, der die Christen bis aufs Blut verfolgt hat, der sich nichts mehr gewünscht hätte, als das Christentum von der Erde auszulöschen. Selbst er berichtet davon, dass der auferstandene Jesus ihm wirklich erschienen ist.
All diese Punkte sind nicht kontrovers. Über nichts davon wird noch diskutiert. Diskutiert wird nur, was am meisten Sinn ergibt. Und wenn du mich fragst: Wenn Jesus auferstanden ist, würde es genauso aussehen, wie es aussieht.
Wir haben noch weit mehr Fakten über Jesus, und du musst dein Urteil treffen: Was macht am meisten Sinn mit den Fakten, die wir haben?
Die Trinitätslehre und ihre Missverständnisse
Kritik Nummer vier: Gott ist nicht drei. Das hat das Konzil von Nizäa irgendwann erst erfunden. Gut, zunächst eine Rückfrage: Wenn Gott nicht drei wäre, was denn sonst? Eines. Aber da sind wir doch als Monotheisten, wir sind uns doch alle einig. Und das ist ja der Punkt: Weißt du, als Muslime, als Juden, als Christen – wir alle sind Monotheisten. Das heißt, wir glauben an einen einzigen Gott. Keiner von uns glaubt an drei Götter.
Und das ist übrigens auch gar nicht, was der Begriff Trinität meint. Der Begriff Trinität kommt vom christlichen Juristen Tertullian, dem Bischof von Karthago. Er schrieb übrigens über hundert Jahre, bevor das Konzil von Nizäa überhaupt jemals in Sichtweite war. Der Grund, warum er Trinität sagt, ist genau der, dass er das von der Trias abgrenzen will. Die Trias wäre nämlich die Dreiheit. Aber Trinitas soll ja heißen: Tri und Unitas, also drei Einheit.
Dieser Begriff der Trinität entsteht also, während Christen in bester Absicht versuchen, eine Antwort zu finden, wie genau das aussieht, dass die Bibel ganz klar macht, dass es nur einen Gott gibt, aber drei verschiedene Persönlichkeiten.
Kritik Nummer drei: Die Bibel lehrt nicht Dreieinigkeit. Und das kann ich nachvollziehen, weil – Hand aufs Herz – ein Stück weit ist das auch so. Es ist ja nicht so, dass du die Bibel aufschlägst und da gleich auf Seite 1 steht: Ja, wir lehren, dass Gott trinitarisch ist, und das und das ist die Definition für Trinität. Also ich finde, da fällt es mir leicht, Nachsicht zu haben.
Am Ende des Tages reden wir aber nicht um die Begriffe, welche Begrifflichkeiten jetzt benutzt werden, sondern wir reden um die Sache selbst. Dabei sind drei Dinge besonders wichtig:
Erstens: Sowohl im Neuen Testament als auch im Alten Testament wird eindeutig klargemacht, dass es nur einen einzigen Gott gibt und nichts anderes. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Das ist der Rahmen, in dem sich alles andere abspielt. Punkt.
Zweitens: In diesem Rahmen, also der Rahmen ist schon gesetzt – nur ein einziger Gott, das ist glasklar – ist jetzt die Frage, wie genau Gott ist. Manchmal redet die Bibel in diesem Rahmen vom Schöpfer, Vater. Manchmal redet sie von Jesus, dem Sohn, und manchmal vom Heiligen Geist. Sind die drei jetzt göttlich? Wenn nein, dann braucht man keine Trinität. Und wenn ja, dann ist nur eine Dreieinigkeit möglich, weil wir ja schon vom Rahmen her wissen, dass Gott nur einer ist.
Es gibt zahlreiche Bibelstellen, in denen alle drei – Vater, Sohn und Heiliger Geist – als allwissend bezeichnet werden, als überall gegenwärtig, und als Gott selbst bezeichnet werden. Darüber kannst du als kritischer Bibelleser einfach nicht hinweggehen.
Drittens: Wie genau diese Trinität jetzt funktioniert, das weiß ich nicht. Die Bibel erklärt das ehrlich gesagt auch nicht gut. Ich vermute, dass das kein Kernthema zu sein scheint, das wir als Menschen in diesem Leben unbedingt wissen und erfassen müssen.
Das Fazit dazu wäre: Dieses Dreieinigkeitsverständnis, diese Trinitätsvorstellung, ist nicht unbedingt dafür da, um eigene Probleme in ein eigenes Fass aufzumachen. Es ist mehr gedacht als eine Lösung für ein biblisches Problem, nämlich für die Frage, wie Gott in diesem Rahmen ist.
Ich habe dazu ein eigenes Video aufgenommen, in dem wir ausführlicher darauf eingehen. Es hat schon Tausenden geholfen. Falls du es sehen möchtest, drücke gerne die Glocke unter diesem Video, dann wird es dir danach auch angezeigt.
Die Rolle des Paulus im frühen Christentum
Kritik Nummer zwei: Paulus hat das Christentum verändert. Meine einfache Rückfrage lautet daher: Wann genau soll das passiert sein?
Wenn jemand im 18. Jahrhundert so etwas behauptet hätte, könnte ich das nachvollziehen. Aber wenn das heute jemand behauptet, muss er erst einmal seine Hausaufgaben machen. Denn inzwischen wissen wir tatsächlich mehr über die ersten Jahre des jungen Christentums als jede andere Generation vor uns.
Hier nur ein paar Eckdaten: Wir wissen zum Beispiel, dass der jüdische Kommissar Saulus von Tarsus um das Jahr 33 selbst zum Christen wird. Wir wissen auch, dass Paulus im Jahr 32, möglicherweise noch früher, begann, Christen gefangen zu nehmen, sie zu verhören, zu verfolgen und regelrecht zu jagen.
Spätestens aus dem Jahr 31 stammen die ersten christlichen Texte, die später von Paulus und anderen zitiert werden. Diese Texte waren also schon vor Paulus vorhanden, sonst hätte er sie nicht zitieren können.
Da wir nun wissen, dass Jesus am 7. April des Jahres 30 durch Kreuzigung zu Tode gefoltert wurde, sprechen wir hier von einem Abstand von wenigen Wochen bis Monaten.
Ich habe das letztes Jahr in einem eigenen Beitrag mit Dutzenden von Quellenangaben dargelegt. Du kannst gerne die Glocke drücken, dann wird dir das auch angezeigt.
Die Kurzfassung ist folgende: Inzwischen haben wir durch moderne wissenschaftliche Rekonstruktionen Rückgriffe auf das früheste vorpaulinische Christentum. Von säkularen Historikern wird durchweg anerkannt, dass Paulus, der später kam, dieses frühe Christentum nur übernommen und sogar wörtlich zitiert hat.
Das heißt, dass wir durch den wissenschaftlichen Fortschritt jetzt in der phantastischen Situation sind, dieses früheste Christentum mit dem zu vergleichen, was spätere Christen und auch Paulus selbst gesagt haben. Durch diesen Vergleich sehen wir, dass sie das nicht entfremdet oder verfälscht haben, sondern im Gegenteil, dass es sogar übereinstimmt.
Wer heute also noch behauptet, Paulus habe das Christentum angeblich verfälscht, hat hier leider die absolute Mehrheit sowohl der konservativen als auch der liberalen Historiker gegen sich. Damit stellt er sich weit abseits von jedem wissenschaftlichen Konsens. Und...
Die Bedeutung von Johannes 17 für die Gottheit Jesu
Kritik Nummer eins
In Johannes 17 heißt es, dass nur der Vater Gott ist, also sei Jesus nicht Gott. Das Problem aus der Vogelperspektive ist zunächst, dass manche Muslime dem Neuen Testament nur so weit trauen, wie sie es „werfen“ können. Einmal wird angeführt, man wisse angeblich nicht, wer es geschrieben habe, ein anderes Mal wird behauptet, es sei verfälscht.
Trotzdem werden ausgerechnet diese Evangelien herangezogen, um etwas zu belegen. Nun, um Klartext zu reden: Dieser Vers aus Johannes 17 wäre nur dann problematisch, wenn das Neue Testament – und insbesondere die Evangelien – irgendeine Glaubwürdigkeit hätten. Denn wenn diese von vornherein unglaubwürdig wären, müsste man sich darum ja keine Gedanken machen.
Damit befinde ich mich als Muslim in einer kompletten Pattsituation. Entweder will ich diesen Vers gegen das Christentum verwenden. Dann muss ich aber dem Neuen Testament seine historische Glaubwürdigkeit zugestehen. Das bedeutet, dass das, was dort steht – was Jesus gesagt und getan hat – auch wirklich von ihm gesagt und getan wurde.
Oder ich will die historische Glaubwürdigkeit des Neuen Testaments leugnen. Dann kann ich aber diesen Vers und auch keinen anderen Vers nutzen, um irgendetwas zu begründen.
Bei der Stelle aus Johannes 17 ist das besonders ironisch, denn in den Versen davor und danach nennt Jesus Gott mehrfach seinen Vater und sich selbst den Sohn. Das heißt also: Wenn mein muslimischer Gesprächspartner ausgerechnet dieses siebzehnte Kapitel des Johannesevangeliums hervorhebt, dann hat er damit automatisch die Trinität und die Gottheit Jesu mit akzeptiert.
Und damit kann ich als Christ sehr gut leben.
