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PROPHETIE IN DER BIBEL

MIT DR. ROGER LIEBI
11.07.2025

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Einführung und Vorstellung des Gastes

Auf vielfache Nachfrage begrüße ich heute einen der meistgefragten Gäste beim Bibelfit-Dienst: Roger Liby.

Dr. Roger Liby ist einer der europaweit führenden Bibelwissenschaftler unserer Zeit. Er ist ein international gefragter Vortragsredner und Autor von über einem Dutzend Fachbüchern, darunter mehrere Standardwerke und Bestseller.

Zusätzlich zu den biblischen Kernsprachen hat Roger außerdem Aramäisch und Arkadisch studiert. Er spricht fließend Hebräisch und hat viele Jahre als Dozent in Basel zur Archäologie des Nahen Ostens gelehrt. Zudem war er an der Übersetzung der Schlachter 2000 Bibel beteiligt. Der Mann weiß also, wovon er spricht.

Eines seiner absoluten Spezialthemen ist die biblische Prophetie, über die wir auch gleich sprechen werden. Ich habe Roger einen bunten Blumenstrauß deiner und eurer Fragen mitgebracht.

Wir treffen uns jetzt zum Gebet, und gleich danach schalte ich dich wieder zu.

Eines vorweg: Kurz vorher haben wir von Rogers Team die Nachricht bekommen, dass ihm für heute leider nicht die hochwertige Kamera von Sons zur Verfügung steht. Ich habe jedoch gesagt: Nein, lass uns das Gespräch trotzdem aufzeichnen. Der Inhalt ist viel wichtiger als die Optik, die Beleuchtung oder sonstige technische Details. Ich hoffe, du siehst das genauso.

Also leg dir schon mal deine Notizsachen bereit, denn jetzt geht es zur Sache.

Die Frage nach dem verheissenen Erlöser im Alten Testament

Lieber Bruder Roger, ich begrüße dich ganz herzlich. Vielen Dank, dass du dich hier beim Bibelfelddienst zugeschaltet hast. Ich begrüße dich mit einer Frage, die vielen Menschen sehr am Herzen liegt. Deshalb haben sie vielfach darum gebeten, dass wir dich hier einladen können.

Die Frage lautet wie folgt: Wir lesen in der hebräischen Bibel, im Alten Testament, immer wieder von einem verheißenden Erlöser, der kommen wird. Er ist verheißen und versprochen, um das Schicksal der Welt zu wenden. Nun stellt sich die Frage: Woher genau sollen wir wissen, dass dieser verheißene Erlöser wirklich der Jesus von Nazareth des Neuen Testaments ist?

Das Alte Testament wurde nicht an einem einzigen Zeitpunkt verfasst. Vielmehr ist es eine Sammlung vieler Bücher, die von Mose bis Maleachi reichen. Diese Sammlung entstand über eine Epoche von etwa 1200 Jahren, allerdings nicht in strikter Chronologie.

Schon im ersten Buch Mose wird der Erlöser an mehreren Stellen angekündigt. Diese Ankündigungen ziehen sich durch das gesamte Alte Testament hindurch. Dabei kommen immer mehr Details hinzu. Das bedeutet, wenn man das Alte Testament wirklich auf den verheißenen Erlöser hin liest und studiert, erhält man eine Fülle von einzelnen Details. Diese verdichten sich zu einem Gesamtbild, das...

Die zwei Darstellungen des Messias im Alten Testament

Dabei ist Folgendes zu beachten: Du fragst, wie man erkennen kann, dass Jesus Christus die Erfüllung dieses verheißenden Erlösers ist. Im Alten Testament gibt es zwei ganz unterschiedliche Darstellungen des Messias.

Einerseits wird er als leidender Messias dargestellt, der kommt, um für unsere Sünden zu sterben – als stellvertretendes Opfer, um uns zu Gott zu führen. Er ist der Gerechte, der für die Ungerechten sterben soll.

Andererseits wird der Messias an vielen Stellen als König und Herr der Welt beschrieben, der Gerechtigkeit und Frieden in diese Welt bringen wird. Natürlich stellt sich dabei die Frage, wie man diese beiden gegensätzlichen Darstellungen zusammenbringen kann.

Im rabbinischen Judentum führte dies sogar zu der Theorie, dass es zwei verschiedene Messiasse gebe: den Maschiach ben Joseph, den Messias, Sohn Josephs, der leiden sollte, und den Maschiach ben David, den Messias, Sohn Davids, der herrschen würde. Man dachte dabei an Joseph, der von seinen Brüdern abgelehnt und verworfen wurde und viel Leid erlitt. So bezeichnete man den leidenden Messias als Maschiach ben Joseph. Den herrschenden Messias nannte man Maschiach ben David, der wie David regieren sollte.

Dabei muss man bedenken: Joseph hat zwar viel gelitten, wurde aber später zum Herrscher über seine Familie und auch über Nationen. Wie war es bei David? Auch er war nicht sofort König, sondern zunächst verworfen und abgelehnt, bevor er später König wurde.

So gehören diese beiden Darstellungen des Messias zusammen. Aus dem Text des Alten Testaments lässt sich beweisen, dass der leidende Messias dieselbe Person ist wie der herrschende Messias. Ebenso lässt sich klar belegen, dass der Messias zuerst als leidender kommen sollte und später, und zwar viel später, als herrschender Messias.

Erfüllung der Prophezeiungen in Jesus von Nazaret

Und nun, wenn du fragst: Wie kann man zeigen, dass sich das in Jesus von Nazaret erfüllt hat? Dann muss man sagen, dass dies anhand all der Prophezeiungen im Zusammenhang mit dem leidenden Messias deutlich wird. Diese Prophezeiungen wurden durch das Kommen von Jesus Christus vor rund zweitausend Jahren erfüllt.

Die Prophezeiungen über das Kommen des Messias in Macht und Herrlichkeit stehen jedoch noch aus. Dieses Ereignis ist noch zukünftiger Natur. Die Propheten machen klar, dass dieses Kommen des Messias in Macht und Herrlichkeit in der Epoche stattfinden wird, in der das jüdische Volk aus einer weltweiten Zerstreuung wieder heimkehrt ins Land der Vorfahren.

Wir sind Augenzeugen, dass wir genau in dieser Epoche leben. Das macht dieses Thema für uns natürlich besonders interessant, aktuell und extrem relevant. Wenn das stimmt, und wenn diese Prophezeiungen bis jetzt eingetroffen sind, was sagt uns das über die künftigen Prophezeiungen?

Doch wir springen etwas zu schnell von Thema zu Thema. Lieber Roger, du hast jetzt eine Reihe von sehr wichtigen Aussagen gemacht. Du sagst, dass man das aus dem Text zweifelsfrei belegen und beweisen kann. Du bist unser Gast und hast die Bühne hier. Wie kann man das tun?

Belege aus Jesaja 53 für den leidenden und herrschenden Messias

Nehmen wir als Beispiel Jesaja 53. Dieses Kapitel ist bekannt als die Beschreibung des leidenden Messias. Dort wird ausdrücklich gesagt, dass er für unsere Sünden leiden und sterben soll.

Ein zentraler Vers ist Jesaja 53,5: „Doch um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Ungerechtigkeiten willen zerschlagen. Die Strafe lag auf ihm zu unserem Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden.“

In Vers 12 heißt es weiter, dass Gott über den Messias spricht: „Darum werde ich ihm Anteil geben an den Vielen, und mit Gewaltigen wird er die Beute teilen, dafür, dass er seine Seele ausgeschüttet hat in den Tod und den Übertretern beigezählt worden ist. Aber er hat die Sünde vieler getragen und für die Übertreter Fürbitte getan.“

Hier wird also deutlich, dass es eine Belohnung für den leidenden Messias geben wird. Er wird mit den Mächtigen die Beute dieser Welt teilen. Das bedeutet, er wird sterben, aber später herrschen – und zwar als Anerkennung für sein Leiden und Sterben.

Damit werden die Themen Maschia ben Joseph und Maschia ben David in einer Person zusammengeführt. Dies ist nachvollziehbar und stimmig.

Weitere Belege aus Psalm 22 und Daniel 9

Dann stellt sich natürlich die Frage: Man könnte jetzt die Gegenposition einnehmen – ich weiß, du kannst so etwas gut ab. Man könnte sagen, das sind ja nur zwei, meinetwegen drei Verse aus dem gesamten Tanach, aus der gesamten hebräischen Bibel, also aus dem Alten Testament. Was ist mit all den anderen Versen? Gibt es vielleicht noch weitere Stellen, die in eine ähnliche Richtung deuten? Oder könnte man sogar sagen, es gibt mehr Belege als diese zwei, drei Verse?

Ja, natürlich. Ich habe das nur als Beispiel genommen, um das Thema daran aufzuhängen. Konkret ist es mir fern, einfach irgendetwas in den Raum zu stellen und zu behaupten, ohne es konkret am Text festzumachen.

 Psalm 22 ist ein weiterer Psalm, der von den Leiden des Messias spricht. Dieser Psalm beginnt in Vers 2 mit den Worten: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Das ist der Schrei des Schmerzes, den Jesus am Kreuz in der Stunde der Finsternis ausgerufen hat. In Vers 17b heißt es weiter: „Sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben.“ Das zeigt deutlich, dass es um die Kreuzigung geht.

Schließlich ruft der Psalm in Vers 22: „Rette mich aus dem Rachen des Löwen.“ Ab Vers 22b ändert sich dann alles. Der Messias sagt: „Ja, du hast mich erhört von den Hörnern der Büffel.“ Er fügt hinzu: „Verkündigen will ich deinen Namen meinen Brüdern, inmitten der Gemeinde will ich dich loben.“

Zuvor wird beschrieben, wie er leidet und schließlich in den Staub des Todes gelegt wird. Dann aber sagt er, dass Gott ihn erhört hat. Das ist die Auferstehung. Er verkündet seinen Brüdern den Namen Gottes. Das entspricht dem Aufstehungstag in Johannes 20, als der Herr Maria Magdalena erscheint und ihr sagt: „Gehe zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich fahre auf zu meinem Gott und zu eurem Gott, zu meinem Vater und zu eurem Vater.“ Genau das hat er getan: „Verkündigen will ich deinen Namen meinen Brüdern.“

In den weiteren Versen geht es um das Reich Gottes über die ganze Welt, wie in Vers 28: „Alle Enden der Erde werden sich erinnern und zu dem Herrn umkehren, und vor dir werden niederfallen alle Geschlechter der Nationen, denn des Herrn ist das Reich, und unter den Nationen herrscht er.“

Hier wird also deutlich: Zuerst kommen die Leiden des Messias, und erst danach das Reich, über das der herrschende Messias regieren soll. Damit wird auch hier die Reihenfolge bestätigt: Zuerst die Leiden, dann die Herrschaft. Das ist nachvollziehbar.

Einheit des Messias und weitere prophetische Hinweise

Das heißt, du sagst, es gibt nicht zwei Messiasse. Entschuldige bitte, dass ich jetzt nicht den genau richtigen Begriff verwende, aber es gibt nur den einen Messias. Mehrere Bibelstellen setzen das sehr klar auf eine Person. Deshalb ist es eigentlich eine Fehlinterpretation des Textes, von zwei verschiedenen Personen auszugehen.

Genau, nirgends wird in der Bibel dargestellt, dass es zwei verschiedene Personen sind. Wir können das bereits an diesen Stellen erkennen, aber es gäbe natürlich noch weitere. Man könnte zum Beispiel mit Daniel 9 weitermachen und so weiter.

Auch dort wird das Leiden des Messias nach neunundsechzig Jahrwochen beschrieben, und die Herrschaft beginnt erst nach den siebzig Jahrwochen. Ohne jetzt zu erklären, was Jahrwochen sind und wie sie berechnet werden müssen, wird schon klar: Zuerst wird der Messias ausgerottet, und danach kommt das verheißene Reich, in dem Gott eine ewige Gerechtigkeit auf dieser Erde einführen wird (Daniel 9).

Verstanden. An dieser Stelle bleibt natürlich die Frage – bevor wir später vielleicht genauer auf die Jahrwochen eingehen – die ganz wichtige Frage: Wir sehen also, es gibt den einen Messias, den einen verheißenden Erlöser in der hebräischen Bibel, im Alten Testament. Er muss zuerst leiden, und danach wird er erhöht werden und als König herrschen. So weit, so gut.

Die Identifikation Jesu als der verheissene Messias

Jetzt stellt sich die Frage: Woher soll man genau wissen, dass es Jesus von Nazareth war? Der Herr sagt ja selbst an anderer Stelle, dass viele kommen werden und behaupten, „Ich bin es“. Viele werden als falsche Christus auftreten. Woher soll man also den einen wahren Christus genau erkennen können?

Ich habe für mich eine Liste erstellt mit über dreihundert Prophezeiungen über den leidenden Messias, über all die Begleitumstände seines Kommens und die Folgen. Über 300 Punkte haben sich alle in Jesus von Nazareth erfüllt. Diese Verdichtung der Argumente wirkt als klare Identifizierung: Jesus von Nazareth ist dieser Messias.

Nur ein paar Beispiele: Er sollte in Bethlehem geboren werden (Matthäus 5,1). Interessant ist der Zusammenhang im Judentum. Nach Jesus Christus sind viele falsche Messiasse gekommen, schon im ersten Jahrhundert und durch all die Jahrhunderte hindurch bis in unsere Zeit. Der letzte große falsche Messias war Rabbi Menachem Mendel Schneerson aus New York. Er ist 1992 verstorben. Keiner von diesen über fünfzig falschen Messiasen wurde in Bethlehem geboren. Schon allein an diesem Punkt kann man klar machen: Sie sind es nicht.

Wir haben aber die Zeugnisse der Evangelisten, die Zeugen aus dem ersten Jahrhundert waren, dass Jesus Christus tatsächlich in Bethlehem geboren wurde. So können wir mit all diesen Details über den Messias weitermachen.

Ich möchte vielleicht noch erwähnen, weil wir schon Psalm 22 zitiert haben: Der Messias sollte gekreuzigt werden. „Sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben.“ Die Kreuzigung ist ein ganz wichtiges Identifikationsmerkmal. Jesus Christus wurde gekreuzigt, und das ist nicht nur biblisch, sondern auch außerbiblisch bezeugt, zum Beispiel bei Tacitus, dem römischen Schriftsteller. Auch das schließt viele andere aus, die nicht gekreuzigt wurden.

Weiter können wir sagen: Gerade die Jahrwochenprophetie von Daniel bringt uns ins erste Jahrhundert nach Christus. Der Messias musste im ersten Jahrhundert nach Christus auftreten und das noch vor der Zerstörung des Tempels. In Daniel 9 wird gesagt, der Messias werde ausgerottet werden und nichts haben. Danach werde der Erfolg kommen, und die Stadt und der Tempel werden zerstört.

Wir werden gleich noch auf diese Stelle direkt eingehen, aber schon andeutungsweise: Der größte Bibelkommentator im Judentum, Raschi, dessen Kommentare man in allen Rabbinerbibeln findet, erklärt zu Daniel 9, dass das Volk, das die Stadt und den Tempel zerstört hat, Titus und seine Volksmenge sind. Es wird ganz deutlich auf das Jahr 70 bezogen, als die Römer Jerusalem und den Tempel in Schutt und Asche legten.

Der Messias sollte gerade davor kommen und ausgerottet werden, sagt Daniel 9. Jesus Christus hat genau das erfüllt, auch zeitlich. Wie gesagt, das sind nur einige wenige Punkte. Wenn wir alle zusammennehmen, ergibt sich eine klare, erdrückende Beweislast: Er ist der Messias. Das ist nachvollziehbar.

Kriterien zur Identifikation des wahren Messias

Das heißt, der Messias müsste jemand sein, der in Bethlehem geboren wurde. Außerdem müsste er gekreuzigt worden sein. Und all das müsste noch vor dem Sommer oder Herbst des Jahres 70 im ersten Jahrhundert geschehen sein. Denn sonst würden die Kriterien nicht erfüllt.

Genau so ist es. Wenn man also andere Messiaskandidaten ins Feld führen möchte, müssten sie zunächst diese drei Kriterien erfüllen. Ansonsten kommen sie gar nicht erst in die engere Auswahl, so kann man das nennen.

Damit können wir bereits die 50 falschen Messiasse der letzten zweitausend Jahre eindeutig ausschließen. Das ist sehr nachvollziehbar.

Kritik an liberaler Theologie und Verteidigung der Evangelien

Dann würde ich dich gleich noch bitten, nochmal auf die Sache mit den Jahrwochen einzugehen. Bevor wir das aber tun: Ich war ja damals liberaler Theologe, ich hatte liberale Theologie studiert und mich an diesem Treiben auch ein paar Jahre mit beteiligt.

Eine der Sachen, die bei uns in der liberalen Theologie damals sehr weit verbreitet war, war die Behauptung, dass die Evangelisten, also die Schreiber der vier Evangelien, die alttestamentlichen Prophezeiungen erst nachträglich genommen hätten. Diese Prophezeiungen hätten sie dann zugunsten von Jesus Leben umgedeutet.

Das heißt, eine Behauptung, die damals zum Beispiel sehr, sehr weit verbreitet war und auch in einigen der Lehrbücher steht, die hier hinter mir stehen, ist die Behauptung, dass Jesus in Wahrheit angeblich gar nicht in Bethlehem geboren wäre, sondern angeblich woanders, beispielsweise in Nazaret. Die Evangelisten hätten das einfach in ihre Berichte eingeschmuggelt, um Jesus nachträglich zum Messias zu machen.

Wie würdest du liberalen Theologen darauf antworten, die so etwas behaupten? Also, ich würde das in letzten Stufen beantworten.

Wenn man als Krimineller oder als Krimineller angeschuldigt ist und verhört wird, dann hat man ihm gegenüber einen Vorteil. Man kann nämlich sagen: Ich war dort. Die Polizisten, die das Verhör führen müssen, waren nicht dort. Aber sie müssen herausfinden, was Wahrheit ist. Und der Angeklagte kann sagen – als Vorteil: Ich war dort, ich habe gesehen, es war wirklich so.

Und nun ist es auch hier ganz ähnlich: Liberale Theologen sind Menschen aus dem 19., 20. oder 21. Jahrhundert. Sie waren also sehr, sehr weit weg von den Ereignissen. Aber ein Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – das waren Leute aus dem 1. Jahrhundert. Sie waren den Ereignissen sehr, sehr nahe und hatten auch Zugang zu Augenzeugen.

Also müssten sie schon mal sagen, wenn sie jetzt zusammen sprechen könnten: Wir waren da in dieser Zeit, Zeugen und hatten Zugang zu Informationen, die ihr gar nicht habt. Woher habt ihr das Wissen, dass er in Nazareth geboren worden ist? Das ist eine reine Behauptung. Ihr habt keinen einzigen Beleg. Das ist nur ein Produkt eures Gehirns.

Und sie könnten sagen: Ja, wir haben mit dem und dem gesprochen, wir hatten Kontakt mit Maria, wir hatten Kontakt mit Leuten, mit Hirten, die dort in Bethlehem waren. Diese konnten die Sache ganz klar als Augenzeugen bezeugen.

Und jetzt kommt noch etwas dazu: Es ist ja eine Tatsache, dass die Evangelien im 1. Jahrhundert verfasst worden sind, also in der Zeit der Augenzeugen. Wenn man eine Sekte gründen will, ist es sehr gefährlich, ein Buch zu verfassen, dem Augenzeugen widersprechen könnten.

Es ist ja so: Die ersten Christen, das waren Judenchristen, sie wurden massiv verfolgt. Die Verfolgung war hauptsächlich eine physische Verfolgung. Aber hätte man sie mit Argumenten verfolgen können, dann wäre das viel eindrücklicher gewesen.

Gerade das ist aber nicht geschehen. Wir haben keine Schriften aus dem Judentum des 1. Jahrhunderts oder aus dem römischen Heidentum des 1. Jahrhunderts, die den Evangelien widersprechen würden. So etwas wie: „Wir sind Augenzeugen und wissen, es war nicht in Bethlehem, sondern in Nazareth“, oder „Wir sind Augenzeugen, er ist nicht gekreuzigt worden“, oder „Wir sind Augenzeugen, er hat nie Wunder getan.“

Aber diese Argumente sind gar nicht da. Und das erklärt auch, warum es hauptsächlich eine physische Verfolgung war und nicht eine argumentative Verfolgung.

Das gibt den Evangelien enormes Gewicht, denn sie wurden in der Zeit der Augenzeugen geschrieben – und zwar nicht nur von denen, die positiv eingestellt waren, sondern auch von denen, die negativ eingestellt waren.

Sektengründer müssten diesen Konflikt vermeiden, und die Bücher müssten lange nach der Zeit der Augenzeugen verfasst werden. Am besten an Orten, die fernab von den eigentlichen Orten der Geschehnisse liegen.

Historische Genauigkeit der Evangelien

Ja, genau. Und das ist gerade grandios. Die Evangelien sind, was die Geographie betrifft, sehr detailliert. Es werden viele Ortschaftsnamen konkret genannt. Auch Namen von Regionen oder Gewässern werden ausdrücklich erwähnt. Die Berichte sind wirklich geografisch im Raum verankert.

Zudem werden sehr genaue historische Jahreszahlen angegeben. Zum Beispiel das Auftreten von Johannes dem Täufer im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius. Es werden auch weitere wichtige Herrscher erwähnt, um die historischen Ereignisse klar zu verankern.

Das ist ganz anders als bei Märchen, die typischerweise mit „Es war einmal“ beginnen. Dort wird weder wann noch wo konkret gesagt. Es kommt nicht auf Zeit oder Ort an, das ist typisch für Mythen. Die Evangelien hingegen sind wirklich in Raum und Zeit verankert.

Ich höre heraus, dass du sagst, die vier neutestamentlichen Evangelien stehen in der Frage der Historizität – also ob diese Geschehnisse wirklich stattgefunden haben – christlicher oder säkularer Geschichtsschreibung, zum Beispiel römischer oder griechischer, in nichts nach. Überhaupt nicht.

Im Gegenteil, gerade Lukas konnte diesbezüglich sehr gut bestätigt werden. Er hat nicht nur das Lukas-Evangelium geschrieben, sondern auch die Apostelgeschichte. Diese handelt vom Mittelmeerraum, und zwar sehr ausgedehnt und wiederum sehr detailliert.

Die Beschreibungen sind so akkurat und präzise in allen möglichen historischen, kulturellen und geografischen Details, dass wir hier starke Argumente haben. Es waren nicht nur Geschichtsschreiber, sondern eben Zeugen, denen es um Genauigkeit und Präzision der beschriebenen Ereignisse ging.

Das wiederum würde keinen Sinn machen, wenn man nur einen Mythos verbreiten wollte. Zumal sich dann die Frage stellt: Wo sind die zeitgenössischen Gegendarstellungen?

Das ist ein sehr starkes Argument, dass eben dieses Widersprechen fehlt. Und das wäre doch das Beste gewesen, um das Christentum zu widerlegen. Augenzeugen hätten sagen können, dass dies und jenes nicht so geschehen ist. Aber genau das fehlt.

So ist es.

Ursachen für die liberaltheologische Kritik

Das heißt also, der Punkt ist nun: Wie kommen denn beispielsweise die liberalen Theologen des 19. und 20. Jahrhunderts dazu, solche Behauptungen aufzustellen, obwohl die Beweislast erdrückend dagegen spricht?

Ich meine, das waren ja auch Männer, die einen gewissen wissenschaftlichen Ruf zu verlieren hatten. Man kann sich ja nicht einfach so auf internationalen Bühnen oder in Monographien verewigen und dort irgendwelchen Unsinn erzählen.

Aber das Ganze hat eben Tradition. Die liberale Theologie begann sich im 19. Jahrhundert so richtig zu entfalten. Besonders begann sie mit der Kritik an den fünf Büchern Mose. Im Laufe der Zeit weitete sich diese Kritik auf Josua, Richter und so weiter aus – über das ganze Alte Testament hinweg und schließlich auch auf das Neue Testament.

Im 19. Jahrhundert steckte die biblische Archäologie noch in den Kinderschuhen. Man hatte also effektiv die Freiheit, Theorien am Schreibtisch zu entwickeln. Die Frage war: Wie sind antike Texte wie die Bücher Mose entstanden?

Dabei kam die Idee auf, dass aufgrund unterschiedlicher Gottesnamen verschiedene Quellen vorliegen müssen, die ein Redaktor oder mehrere Redaktoren zusammengefügt haben. Es wurde also viel spekuliert – und zwar am Schreibtisch, ohne archäologisch greifbare Argumente.

Diese Art des Vorgehens, der Umgang mit der Bibel, hat Schule gemacht. Auf dieser sehr spekulativen Ebene, bei der man am Schreibtisch sitzt – man könnte übertrieben sagen im Elfenbeinturm – hat sich das wirklich fortgesetzt.

Darum wurde der enge Kontakt zum Judentum und zur jüdischen Kultur im Allgemeinen – ich sage nicht bei allen, aber im Allgemeinen – vernachlässigt.

Wenn man heute mit liberalen Theologen spricht, merkt man immer wieder, wie wenig sie im Allgemeinen wirklich in der Kultur der Bibel zuhause sind.

Woran merkt man das zum Beispiel? Zum Beispiel am Tempel. Der Tempel spielt eine riesige Rolle im Neuen Testament. Das ganze Neue Testament ist sehr stark mit dem Tempel verwoben, mit Details darin, mit dem Opferdienst und mit dem Leben als Jude in der damaligen Zeit.

Diese Themen wurden in der liberalen Theologie in der Vergangenheit wirklich stiefmütterlich behandelt. Hätte man das mehr beachtet, hätte man einen viel direkteren Zugang zu den Evangelientexten bekommen.

Man hätte auch gesehen, dass die Schreiber der Evangelien wirklich in dieser Welt zuhause waren. Wenn man dann beachtet, wie detailliert und präzise sie darüber sprechen – und wir heute mit der modernen Archäologie vieles nachvollziehen können –, dann hätte man erkannt: Wenn diese Schreiber schon in Dingen, die man vielleicht als sekundär betrachten könnte, so genau waren, wie viel mehr können wir ihnen vertrauen, wenn sie über die ganz zentralen Themen der Botschaft Jesu sprechen.

Liberale Theologie als Kind ihrer Zeit

Das ist nachvollziehbar. Ich interpretiere es mal wohlwollend. Man könnte sagen, ein Stück weit waren die liberalen Theologen des 19. und 20. Jahrhunderts Kinder ihrer Zeit. Sie arbeiteten mit Forschungsständen, die bereits ein Haltbarkeitsdatum hatten und wenige Jahrzehnte später völlig überholt sein würden.

Anders gesagt, wohlwollend interpretiert: Wenn sie unseren heutigen Forschungsstand in der Geschichtsschreibung und in der Archäologie gehabt hätten, wären sie niemals zu solchen Vermutungen gekommen. Ja, das will ich so sagen.

Ich würde jedoch nicht behaupten, dass sie deswegen nicht liberal geworden wären, denn das ist letztlich eine Entscheidung. Gerade in der liberalen Theologie des 19. Jahrhunderts war es, wie du gesagt hast, so, dass sie Kinder ihrer Zeit waren. Die Aufklärungszeit des 18. Jahrhunderts hatte eine so starke Prägung verursacht, dass viele Theologen dachten, sie seien modern, wenn sie dieses Denken übernahmen.

Mit diesem Denken meine ich ein Denken, bei dem Gott als Handelnder in der Geschichte ausgeschlossen wird. So gingen sie eigentlich mit einem praktischen Atheismus an die Bibel heran. Das heißt nicht, dass sie sagten, Gott gebe es nicht. Aber Gott spielte für sie zunächst keine Rolle als ein Gott, der in der Geschichte handelt. Darum waren für sie schon alle übernatürlichen Ereignisse suspekt.

Aus dieser Entscheidung, Gott nicht in der Geschichte sehen zu wollen, kamen sie eben zu einem liberalen Standpunkt.

Mose als Verfasser der fünf Bücher Mose

Dann springen wir doch einmal ganz weit in die Vergangenheit, in die ferne Vergangenheit, bevor wir den Blick auf die Zukunft richten.

Bruder Roger, wer hat die Mosebücher geschrieben und warum? Die Mosebücher selbst bezeugen, dass Mose der Verfasser war. Auch Jesus Christus bestätigt im Neuen Testament an mehreren Stellen, dass Mose der Autor ist.

Warum hat Mose diese Bücher geschrieben? Er wurde als erster inspirierter Bibelschreiber beauftragt, Bücher zu verfassen. Die Tora, das sind die fünf Bücher Mose, bildet die Grundlage für die gesamte weitere Bibel.

Mose war in besonderer Weise als Prophet bestätigt. Das zeigte sich durch all die Zeichen und Wunder, die in Ägypten geschahen und schließlich zum Zusammenbruch des ägyptischen Reiches führten. Für Israel war es klar, dass dieser Mann von Gott bestätigt war. Deshalb konnte Israel die fünf Bücher Mose als Gottes Wort annehmen.

Nach Mose kam Josua, der durch Handauflegung von Mose bestätigt wurde. Darum hatte Israel auch keine Mühe, das Buch Josua zu akzeptieren.

Es ist jedoch wichtig zu sagen, dass die weiteren Propheten immer anhand der fünf Bücher Mose geprüft werden mussten. Wenn ein Prophet Lehren gebracht hätte, die den fünf Büchern Mose widersprochen hätten, hätte man ihn nicht als Propheten akzeptieren dürfen – selbst wenn er etwas vorausgesagt hätte, das sich erfüllt hat (5. Mose 13).

Ein weiterer Test musste ebenfalls bestanden werden: Nach 5. Mose 18 durfte sich ein Prophet in all seinen Nahzeitprophezeiungen nicht einmal irren. Ein Irrtum war der Beweis, dass er kein Prophet des Herrn war.

Damit möchte ich sagen: Du fragst, warum Mose diese Bücher geschrieben hat. Er hat sie als Grundlage und Maßstab verfasst, während er selbst in einer ganz außergewöhnlichen Weise als Prophet bestätigt war.

Ich habe bereits die Zeichen und Wunder in Ägypten erwähnt, aber man muss auch die Zeichen und Wunder während der vierzigjährigen Wüstenwanderung hinzunehmen.

Das Ende des Mosebuches und der Tod Moses

Dann bleibt natürlich noch die Frage: Das Buch Deuteronomium, das fünfte Buch Mose, endet mit dem Tod von Mose. Das heißt, das klassische Argument an dieser Stelle ist natürlich, wie Mose zu Lebzeiten als Schreiber dieser Bücher über seinen eigenen Tod hätte schreiben können.

Was wäre deine Antwort darauf?

Es ist so: Natürlich hätte Mose als Prophet seinen Tod beschreiben können, aber es wird nicht gesagt, dass er das letzte Kapitel von Deuteronomium, Kapitel 34, selbst geschrieben hat. Im Judentum wird deshalb von alters her selbstverständlich festgehalten, dass Josua der Verfasser von Deuteronomium 34 war.

Ich habe ja gesagt, dass die fünf Bücher Mose an vielen Stellen bezeugen, dass Mose dieses umfangreiche Werk geschrieben hat. Jesus Christus nimmt Bezug auf Mose, sagt, Mose habe geboten, und verweist auf verschiedene Kapitel von 1. Mose bis 5. Mose. Aber er nimmt nirgends Bezug auf 5. Mose 34, die Beschreibung des Todes, und sagt, Mose habe das geschrieben.

Stimmt.

Ja, vielen Dank, lieber Bruder Roger, für deine Einsicht bis hierhin.

Die Prophetie der Jahrwochen in Daniel 9

Dann wenden wir unseren Blick auf etwas, das viele Leute sehr interessiert. Du hast bereits von der Zeitspanne gesprochen und erwähnt, dass es eindeutige Prophezeiungen gibt, mit denen wir genau bestimmen können, dass der Messias im ersten Jahrhundert kommen sollte. Du sagst sogar, wir können diese Zeitspanne noch weiter eingrenzen. Warum ist das möglich?

Wir haben eine Prophetie in Daniel 9, die den Zeitpunkt beschreibt, wann der Messias kommen sollte. Daniel befindet sich in der babylonischen Gefangenschaft, und gegen Ende dieser Zeit, im Jahr 539 v. Chr., erhielt er folgende Prophetie. Ich lese aus Daniel 9, Vers 25 vor:

"So wisse denn und verstehe!" – das sind zwei Imperative. Er sollte Kenntnis davon haben und es auch begreifen. Beides wird befohlen, und so sollen auch wir es wissen und verstehen.

Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis zum Messias, dem Fürsten, sind sieben und zweiundsechzig Wochen.

Hier haben wir zwei Zeitpunkte: Der Ausgangspunkt ist ein Erlass, Jerusalem wieder aufzubauen. Zur Zeit Daniels war Jerusalem eine Ruine, deshalb war dies für ihn ein Hoffnungswort. Wenn ein Erlass ausgeht, Jerusalem wieder aufzubauen, dann kann man rechnen. Der Endpunkt ist das Kommen des Messias als Fürst.

Dazwischen liegen sieben und zweiundsechzig Wochen, also zusammen neunundsechzig Wochen.

Was ist mit Wochen gemeint? Das hebräische Wort "Shavua" bedeutet eine Einheit von sieben, normalerweise von Tagen. Dann ist es das, was wir unter einer Woche verstehen. Aber in jeder Rabbinerbibel kann man im Kommentar von Rashi nachlesen, dass er das Wort hier als "Shavua Shanim" interpretiert, also als Woche von Jahren. Jede Woche ist eine Jahrwoche, also eine Einheit von sieben Jahren.

So haben wir also neunundsechzig mal sieben Jahre.

Dabei ist zu beachten: In der Prophetie wird immer mit dem lunisolaren Jahr gerechnet. Der jüdische Kalender ist eine Mischung aus Mond- und Sonnenjahr und muss deshalb mit Schaltmonaten korrigiert werden. Der Schlüssel dazu hat sich im Laufe der Geschichte geändert, aber es wurde stets durchgeführt.

In der Prophetie wird deshalb ein Mittelwert von 360 Tagen pro Jahr genommen. Zum Beispiel werden in Offenbarung 11, im Neuen Testament, 42 Monate mit 1260 Tagen gleichgesetzt. Dort sieht man, dass jeder Monat mit 30 Tagen gerechnet wird; zwölf mal 30 ergibt 360 Tage – das ist das lunisolare Jahr.

Auch im Alten Testament haben die Propheten so gerechnet. Die siebzig Jahre, die Jeremia für die babylonische Weltherrschaft angab, funktionieren mit 360 Tagen pro Jahr, nicht mit 365 Tagen.

Babylon besiegte das assyrische Weltreich endgültig, die letzten Kriege fanden 608 v. Chr. statt, und die Perser und Meder eroberten Babylon im Herbst 539 v. Chr. Diese 70 Jahre passen gut in diesen Zeitraum, gerechnet mit 70 mal 360 Tagen.

Der langen Rede kurzer Sinn: Diese 69 Jahrwochen können wir so umrechnen: 69 mal 7 mal 360 Tage, das ergibt 173.880 Tage.

Das Erstaunliche ist: Vom Erlass, Jerusalem wieder aufzubauen, damals im zwanzigsten Regierungsjahr des Perserkönigs Artaxerxes, als Esra die Erlaubnis bekam, Jerusalem zu bauen – das war im Jahr 445 v. Chr. – bis zum Kommen des Messias als Fürst, das war nicht bei der Geburt in Bethlehem, als das Kind in eine Krippe gelegt wurde.

Das ist nicht furchtbar, eine Krippe. Aber am Palmsonntag ritt Jesus Christus als König, als Fürst, in Jerusalem ein.

Zwischen diesen beiden Daten – dem Erlass 445 v. Chr. und dem Palmsonntag – liegen, berechnet bis 32 n. Chr., genau die 173.880 Tage. Diese Zeitspanne passt wunderbar hinein.

Damit können wir beweisen, dass sich diese Prophetie genau in Jesus von Nazaret erfüllt hat.

Doch es geht weiter: Es sind ja diese sieben und dann 62 Jahrwochen, an deren Ende der Messias kommen sollte. Dann, in Vers 26, fügt Daniel hinzu: Nach den 62 Wochen, also genau am Ende der 62 Jahrwochen, die auf die ersten sieben folgten, kam der Messias als Fürst.

Hier wird gesagt: Nach den 62 Jahrwochen wird der Messias weggetan werden und nichts haben, das heißt, er wird getötet oder ausgerottet und hat nichts mehr.

Der Messias sollte sterben. Rückblickend können wir sagen: Ja, das war tatsächlich nach den 62 Jahrwochen. Fünf Tage später war Karfreitag.

Dann fügt die Prophetie hinzu, dass das Volk des kommenden Fürsten die Stadt und das Heiligtum zerstören wird. Es wird nicht gesagt, wie viel später, aber im Jahr 70 n. Chr. kam die römische Armee und zerstörte Jerusalem sowie den zweiten Tempel.

Wir haben hier also eine Verkettung von einzelnen Punkten, die sich nachweislich so exakt und wortwörtlich erfüllt haben.

Ausschluss anderer Messiasprätendenten anhand der Zeitkriterien

Du hast es selbst gehört – ein tiefer und wichtiger Punkt. Es wäre hilfreich, wenn mehr Menschen diesen Beitrag jetzt sehen könnten. Wir haben bereits alles vorbereitet, damit du gern die Glocke unten rechts unter diesem Video drücken kannst. Der Algorithmus übernimmt dann den Rest. Vielen Dank an alle, die das tun. Das ist auch eine schöne Wertschätzung für den Dienst von Roger. Danke dafür.

Das lässt sich sehr gut auf den Punkt bringen. Wenn jetzt jemand einen anderen Messias ins Feld führen wollte, müsste er jemanden benennen, der zur exakten Zeit von Jesus von Nazaret geboren wurde, gelebt hat und gestorben ist – also in den dreißiger Jahren.

Wir haben von den über fünfzig falschen Messias gesprochen. Der nächste kam in den vierziger Jahren – also zu spät. Er war deutlich zu spät. Noch deutlicher zu spät war Shabbetai Zwi, der um 1666 kam. Er brachte das Judentum in Bewegung, von England bis nach Persien. Wenn er Reden hielt, gerieten die Leute in Ekstase, sie prophezeiten und sprachen in Zungen. Das war unglaublich.

Schließlich wurde er von den Muslimen verhaftet und gezwungen, zum Islam überzutreten. Doch schon vorher hätte man merken können, dass er über tausendsechshundert Jahre zu spät kam.

Was sollen wir von Menachem Mendelssohn sagen, der 1992 starb – als alter Mann, schwach und todkrank? Ich habe einmal mit einem Anhänger gesprochen, vor nicht allzu langer Zeit. Ich sagte ihm: Ihr behauptet, Jesaja 53 habe sich bei Menachem Mendelssohn erfüllt. Aber dort steht, dass er verwundet wird. Es ist ein gewaltsamer Tod, nicht der Tod eines alten Mannes.

Er antwortete, das sei schwierig, man müsse einfach auf die richtige Interpretation der Rabbis hören. Man müsse das auch glauben, selbst wenn es gegen den Verstand geht. Aber das geht nun wirklich nicht. Es darf nicht gegen das Bibelwort gehen. Man muss das Bibelwort nehmen und damit prüfen. Amen, Amen.

Die Bedeutung des Herzens für den Glauben

Tja, das heißt, wir haben ja vorhin schon ein bisschen gesprochen, bevor wir mit der Aufnahme angefangen haben. Häufig liegt es gar nicht so sehr an den Argumenten, an der Sachlage oder der Faktenlage. Natürlich muss man sich da reinarbeiten, das braucht einen gewissen Fleiß – wie alles im Leben. Aber die Fakten sind klar, eindeutig und nicht kompliziert.

Du hast vorhin gesagt, es liegt häufig nicht an meinen Worten hier oben, sondern es liegt auf einer anderen Ebene. Genau, auf der Ebene des Herzens. Das Herz ist ganz entscheidend. Von dort gehen die Ausgänge des Lebens aus. Wie wahr.

Vielleicht ein kurzer Exkurs: Was betest du denn für Leute in deinem Umfeld? Für Menschen, die du privat kennst und die dir am Herzen liegen – gute Freunde, nahe Wegbegleiter –, die dem Herrn nicht nachfolgen? Wie bist du für sie ins Gebet gegangen?

Ich bete ganz schlicht, dass der Herr sich durch sein Wort ihnen offenbart, ihr Herz öffnet und ihr Verständnis weckt, ihn zu erkennen. Und so geschieht es immer wieder. Menschen, die vorher gar nichts von der Bibel glauben oder akzeptieren konnten, werden überzeugt. Das ist die Wahrheit.

Was würdest du sagen, ist aus deiner Sicht das schlagendste, eindeutigste Argument? Sozusagen der Trumpf beim Kartenspiel, der alles sticht – das Argument, das dich am meisten berührt und überzeugt von der Wahrheit der Bibel und des Christentums?

Das sind ganz viele Punkte. Gerade diese Fülle von Argumenten und ihr Zusammenspiel finde ich so gewaltig beeindruckend. Wenn es nur zwei oder drei Punkte sind, ist das zwar beeindruckend, aber noch nicht das, was die Bibel wirklich kann.

Ich habe übrigens gerade vor kurzem jemanden getauft – in Jordanien, in Israel –, der zum Glauben gekommen ist, gerade durch Daniel 9. Er ist Jurist und hat sich mit meinen Ausführungen zu Daniel 9 beschäftigt. Das hat so eingeschlagen, dass er gesagt hat: „Wenn das stimmt, dann kann ich eben auch das andere glauben.“ Das war wirklich ein Herzensöffner.

Darum sollte niemand denken, das seien nur intellektuelle Argumente und man müsse die Menschen auf eine andere Weise erreichen. Nein, es ist wichtig, dass wir sie auf andere Weise erreichen, indem wir zeigen, was die Liebe Gottes ist und was das für unser Leben und unser Herz bedeutet.

Aber es ist ebenso wichtig, dass der Glaube auf vernünftigen Argumenten beruht, die die Bibel uns gibt. Gerade in Zeiten des Zweifels ist es gefährlich, wenn der Glaube stark auf Gefühlsindrücken basiert – auch wenn diese aufrichtig sind. Dann kommt alles durcheinander.

Gefühlsindrücke können sehr subjektiv sein und sind kein absoluter Maßstab. Darum muss das, was man im Herzen fühlt in der Beziehung zu Gott, von klaren biblischen Aussagen und Fakten untermauert sein, die man auch mit dem Verstand nachvollziehen kann.

Du hast es selbst gehört: Für alle, die das vertiefen wollen, haben wir hier in diesem Kurzbuch – das du an zwei Abenden durchlesen kannst – vom Bibelverdienst ein paar atemberaubende Fakten zu biblischen Prophezeiungen und biblischer Prophetie zusammengestellt.

Die Inhalte daraus haben schon Zehntausenden Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz geholfen. Du kannst direkt von diesem Video aus an das Kurzbuch anknüpfen. Nimm dir dieses beliebte Kurzbuch gern gratis mit. Klicke dafür einfach auf den ersten Link hier unter dem Video.

Freude durch Erkenntnis der Prophetie

Und weiter mit Roger Liby. Das ist gerade in Krisenzeiten sehr, sehr wichtig. Absolut.

Er erzählte von einem jungen Christen – damals war er noch jung. Er hatte immer Zweifel im Glauben, ging aber regelmäßig in eine Gemeinde und engagierte sich dort. Dennoch kämpfte er immer wieder mit Zweifeln.

Dann sagte er mir: „Ich habe einmal dein Buch gelesen, das Buch Der verheißene Erlöser. Als ich das mit den Jahrwochen las, hatte ich von da an keine Zweifel mehr. Halleluja!“

Das macht Freude. Wirklich Freude.

Liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, wir haben dieses Buch auch hier unter diesem Video verlinkt. Du hast also Zugang zu genau dem Wissen, das dieser junge Christ hatte. Nimm es dir gern mit – der Link ist direkt unter diesem Video zu finden.

Blick in die Zukunft und Endzeitprophetie

Ja, lieber Bruder Roger, wir machen weiter beim Propheten Daniel, Kapitel neun. Ich hoffe, dass wir noch heute zum Propheten Maleachi kommen. Nein, das war ein Scherz – wir machen jetzt keine Auslegungspredigt. Der Rest wird danach behandelt.

Die Frage wäre: Im Propheten Daniel, Vers 26, wird ja von weiteren Wochen gesprochen. Jetzt blicken wir also ein bisschen in die Zukunft, ein wenig in Richtung Endzeit. Ich weiß, du hast dich intensiv mit dem Tempel beschäftigt. Du hast uns auch sehr deutlich gemacht, dass wir in einer sehr wichtigen und besonderen Zeit der Menschheitsgeschichte leben.

Viele biblische Verheißungen erfüllen sich direkt vor unseren Augen und vor denen unserer Eltern und Großeltern. Wir leben tatsächlich in einer Zeit, wie sie wahrscheinlich niemand anders zuvor erlebt hat. Das bedeutet, viele Vorhersagen, die noch nicht eingetroffen sind, haben für uns eine ganz andere Relevanz als beispielsweise vor hundert Jahren.

Kannst du uns ein bisschen mitnehmen in die Prophezeiungen, die im Propheten Daniel weiter beschrieben sind? Und kannst du uns auch etwas zur Frage sagen, was es mit dem dritten und vierten Tempel auf sich haben könnte?

Die Rückkehr des jüdischen Volkes als Zeichen der Endzeit

Alle Propheten – Jesaja, Jeremia, Hesekiel, Daniel, die zwölf kleinen Propheten sowie alle weiteren prophetischen Stellen in den übrigen alttestamentlichen Büchern – und natürlich auch das Neue Testament sprechen von der Zeit, wenn der Messias als König kommt.

Eindrücklich ist, wie ich zu Beginn schon angedeutet habe, dass die Prophezeiungen so klar sind: Diese Zeitepoche, in der der König kommt, ist die Epoche, in der das jüdische Volk aus aller Welt heimkehrt.

Ab 1882 begann die erste massive Rückwanderungswelle von Juden ins Land der Väter. Es folgten eine zweite, eine dritte und weitere Wellen bis heute. Über drei Millionen Menschen sind aus allen fünf Kontinenten ins verheißene Land heimgekehrt und haben dort einen Staat neu gegründet.

Wie konkret das vorausgesagt ist, möchte ich kurz anhand von Hesekiel 36 zeigen. In Vers 24 sagt Gott zu Israel: „Und ich werde euch aus den Nationen holen und euch sammeln aus allen Ländern und euch in euer Land bringen.“ Das ist Klartext, man muss nicht interpretieren, was das bedeuten soll. Genau das sehen wir vor unseren Augen.

 Hesekiel 38,8 spricht vom „Ende der Jahre“ und Vers 16 vom „Ende der Tage“. Das macht deutlich, dass diese Kapitel von Hesekiel über die Endzeit sprechen. Und in dieser Zeit sollte nach Hesekiel 36,24 das jüdische Volk in ihr eigenes Land heimkehren.

Wir erleben das gerade vor unseren Augen.

Der dritte Tempel in der Endzeit

Jetzt habe ich aber noch nicht auf deine Frage bezüglich des dritten Tempels geantwortet. Das war bisher nur eine Teilantwort. Hier kannst du gerne noch etwas nachhaken.

Du sagst also, der Text lässt keinen großen Interpretationsspielraum zu: Wir leben in der Endzeit. Diese kann man weit oder eng fassen, aber am Ende des Tages ändert das nichts an der Tatsache.

Ich habe jetzt Hesekiel 36,24 erwähnt, wo von einer Rückkehr aus aller Welt ins Land der Väter die Rede ist. Das ist ein Phänomen, das, wie gesagt, seit 1883 bis heute anhält – mit über drei Millionen Menschen aus allen fünf Kontinenten. Das ist natürlich nur ein Argument, aber ein sehr eindrückliches, denn es gibt in der Weltgeschichte keine Parallele bei einem Volk, das nach zweitausend Jahren Zerstreuung in dieser Weise zurückgekehrt wäre.

Aber wie gesagt, das ist nicht nur ein Argument. Wir haben rund 180 Einzelaussagen über die Endzeit, von denen diese Rückkehr nur eine ist. Zusammen ergeben sie eine erdrückende Beweislast: Wir leben in der Endzeit.

Natürlich gibt es Leute, die sagen: „Ach, Endzeit, das hat man doch schon immer gesagt.“ Man meinte auch im Jahr 1000 sei Endzeit, jetzt komme der Weltuntergang und so weiter. Aber dann muss man zurückfragen: Was war denn im Jahr 1000 ein Hinweis auf die Endzeit? Gab es ein jüdisches Volk, das heimkehrte? Nein.

Was war denn vor tausend Jahren? Und was sagt das aus? In der Offenbarung wird von einem tausendjährigen Friedensreich gesprochen. Da muss man sagen: Ja, aber hatten wir denn bis zum Jahr 1000 tausend Jahre Frieden? Nein. Also hat das nichts damit zu tun.

Sonst gab es keine Argumente. Aber dass man mit 180 Prophezeiungen belegen kann, dass die Epoche, in der wir leben, die Endzeit ist – das hat es tatsächlich noch nie gegeben.

Das bringt uns direkt zur Frage: Was hat es damit auf sich, wenn kluge, bibeltreue Gelehrte von einem dritten Tempel sprechen?

Der Tempelberg und die Vorbereitungen für den dritten Tempel

In den Endzeitprophezeiungen gibt es tatsächlich eine ganze Reihe von Stellen, die von einem Tempel sprechen. Zum Beispiel wird auf dem Berg Zion in Jerusalem ein Tempel erwähnt. Joel Kapitel 1 und 2 beschreibt dies im Detail. Dort ist von Priestern, Opfern, dem Altar und der Halle des Tempelhauses die Rede. Diese Passagen machen deutlich, dass es einen Tempel auf dem Berg Zion geben wird.

Wir müssen uns jedoch vor Augen halten, dass im Jahr 70 n. Chr. der zweite Tempel durch die Römer zerstört wurde. Die Römer ließen nicht zu, dass die Juden den Tempel wieder aufbauen konnten. Später, als die Muslime die Herrschaft über Jerusalem übernahmen, wurde den Juden ebenfalls nie erlaubt, den Tempel erneut zu errichten. Diese Situation besteht bis heute fort.

Der Tempelplatz ist durch die islamische Al-Aqsa-Moschee und den Felsendom als islamischer Schrein besetzt. Dennoch spricht die Bibel von einem dritten Tempel. Das ist ein sehr dramatisches Thema, denn im Judentum wurde der Wunsch nach der Wiedererrichtung des Tempels täglich durch Gebete ausgedrückt. Rund zweitausend Jahre lang war dies jedoch nicht möglich.

Seit dem Sechstagekrieg ist der Tempelberg wieder in jüdischer Hand. Dieser Krieg war ein Ereignis, bei dem die umliegenden Nationen Israel auslöschen wollten. Doch es kam anders: Bereits am dritten Tag war der Tempelberg wieder in jüdischer Hand. Seitdem wurden große Anstrengungen unternommen, die Tempelgeräte für einen künftigen Tempel bereitzustellen.

Diese Geräte sind vorhanden und zeigen, wie konkret das Thema ist. Das bedeutet, wir sollten nicht entsetzt oder erschrocken sein, wenn der dritte Tempel zu unseren Lebzeiten oder in der Zeit unserer Kinder wieder aufgebaut werden würde.

Ich denke oft an Bibelausleger des 19. Jahrhunderts, die sich intensiv mit der Prophetie beschäftigten. Sie hatten noch nicht gesehen, was wir heute sehen: Es gab damals keine jüdische Rückkehr ins Land, keinen jüdischen Staat und ähnliches. Dennoch erkannten sie aus der Bibel, dass das jüdische Volk zurückkehren, einen Staat gründen und den Tempel wieder aufbauen würde. Für sie war das jedoch noch nicht in greifbarer Nähe.

Was wir heute erleben, wäre für sie unglaublich gewesen. Für uns ist es fast selbstverständlich geworden. Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, eine Gruppe durch das Tempelinstitut zu führen und die Tempelgeräte zu zeigen. Dabei handelte es sich nicht um Modelle, sondern um fertige Geräte wie den Brandopferaltar, den goldenen Räucheraltar, den Schaubrotisch, die sieben Posaunen und so weiter.

Auch die Kleider des Hohenpriesters wurden gezeigt. Diese waren sehr teuer: Abgesehen von den Edelsteinen kosteten sie etwa eine halbe Million Dollar. Alles ist bereit und vorhanden.

Dies wirft automatisch die Frage auf: Worauf wartet man noch? Was kommt als Nächstes? Was fehlt noch?

Erwartung des Kommens des Herrn und der Endzeit

Die Bibel spricht über das Kommen des Herrn für die Gläubigen. Dabei muss man zwischen dem Kommen des Herrn für die Gläubigen und dem Kommen des Herrn mit den Gläubigen als König der Welt unterscheiden.

Dieses Kommen des Herrn haben die Gläubigen auch in früheren Zeiten erwartet. Denn es wurde nie ausdrücklich in der Bibel gesagt, dass zuerst bestimmte Ereignisse geschehen müssen, bevor der Herr die Gläubigen zu sich nehmen kann.

Heute jedoch sehen wir die Schachfiguren für das, was erst nach der Entrückung der Gemeinde geschehen kann, bereits so deutlich aufgestellt. Das macht es umso dringlicher, den Herrn täglich zu erwarten und in dieser Haltung, in dieser Gesinnung zu leben.