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Hoch und niedrig – Teil 3

Jesu Leben und Lehre, Teil 560/665
07.04.2025Lukas 14,12-14
SERIE - Teil 560 / 665Jesu Leben und Lehre

Einführung in ein neues Lebensprinzip

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 559: Hoch und niedrig, Teil 3.

Der Herr Jesus möchte seinen Gastgeber für ein neues Lebenskonzept gewinnen. Dieses Konzept funktioniert nach dem Prinzip: Wer sich selbst erniedrigt, wird von Gott erhöht. Aus jemandem, der gesehen, anerkannt und begrüßt werden will, soll ein Mensch werden, der für die Schwachen lebt.

Merken wir uns das Gut: Das Gegenmittel zu Hochmut und Ehrsucht ist gelebte Demut – in Form von Barmherzigkeit.

Demut ist, genau wie Hochmut, kein nur gedachtes Prinzip, sondern immer ein Verhalten. So wie der Hochmütige sich um die besten Plätze bemüht, so wird der Demütige „was tun?“

Jesu Aufforderung zur gelebten Demut

 Lukas 14,12-14

Er sprach aber auch zu dem, der ihn eingeladen hatte: Wenn du ein Mittag- oder Abendessen machst, so lade nicht deine Freunde ein, noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche Nachbarn, damit nicht etwa auch sie dich wieder einladen und dir Vergeltung zuteilwird.

Sondern wenn du ein Mahl machst, so lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Glückselig wirst du sein, weil sie nichts haben, um dir zu vergelten. Denn es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

Das war Jesu Beispiel für gelebte Demut. Dabei merken wir: Es geht ganz stark um das Warum. Warum lade ich wen ein?

Interessant ist die grammatische Form. Wenn Jesus sagt: „Lade nicht den und den ein“, dann appelliert er an den verneinten Präsens-Imperativ. Das richtet sich an eine Praxis oder Gewohnheit, die unterlassen oder geändert werden soll.

Es geht dabei nicht um ein absolutes Verbot, sondern um die Korrektur einer üblichen Praxis. Ich darf also weiterhin meine Freunde, Brüder, Verwandten und auch mal meine reichen Nachbarn einladen.

Gleichzeitig muss ich verstehen, dass der Fokus auf Gäste, die mich wieder einladen können, ein falscher Fokus ist. Ich darf das tun, aber mir muss klar sein, dass Jesus aus einer ganz anderen Motivation heraus ans Kreuz gegangen ist.

Seine Barmherzigkeit ist praktizierte Demut, sie hat mit Liebe zu tun. Er möchte, dass ich mit seinem Fokus durchs Leben gehe.

Die Herausforderung, sich für Schwache einzusetzen

Und natürlich bedeutet das, dass ich mich umschauen und Not wahrnehmen muss, um mich für Menschen einzusetzen, denen es schlechter geht als mir. Die Sorge um Arme, Krüppel, Lahme und Blinde – bleiben wir bei dem, was Jesus sagt – ist nur möglich, wenn ich aus meiner Komfortzone heraus den Blick über den Tellerrand wage.

Wer Lasten tragen will, muss sich nach Leuten umschauen, die Lasten haben. Bitte versteht mich nicht falsch: Ich möchte nicht sagen, dass ich für alles Leid verantwortlich bin, das mir begegnet.

 Sprüche 3,27 sagt: „Enthalte Gutes dem nicht vor, dem es gebührt, wenn es in der Macht deiner Hand steht, es zu tun.“ Ich kann nur das Gute geben, das ich auch habe. Und natürlich soll mein Fokus beim Helfen stark auf den Geschwistern liegen.

 Galater 6,10 fordert uns: „Lasst uns also nun, wie wir Gelegenheit haben, allen gegenüber das Gute wirken, am meisten aber gegenüber den Hausgenossen des Glaubens.“ Hier haben wir beides: erstens, wie wir Gelegenheit haben, und zweitens, am meisten gegenüber den Hausgenossen des Glaubens.

Der Fokus liegt auf den Glaubensgeschwistern. Und die Einschränkung auf die eigenen Möglichkeiten streicht jedoch nicht durch, was Jesus fordert: nämlich einen Lebensstil, bei dem es normal ist, sich um Menschen zu kümmern, denen es viel schlechter geht als mir – eben Arme, Krüppel, Lahme und Blinde.

Persönliche Umsetzung und Motivation zur Barmherzigkeit

Was heißt das für uns? Keine Ahnung, was es für dich bedeutet. Für meine Frau und mich bedeutet es, dass wir für zwanzig Schüler in Uganda Unterricht und Schulspeisung bezahlen. Das sind unsere Armen.

Dann formuliert der Herr Jesus in Lukas 14,14: "Und glückselig wirst du sein, weil sie nichts haben, um dir zu vergelten, denn es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten."

Das ist der Ansporn hinter so einem Verhalten. Wer Armen hilft, von denen er nichts erwarten kann, wird gerade deshalb reich von Gott beschenkt werden. Jesus spricht ausdrücklich von Vergeltung als Motivation. Dabei ist Vergeltung hier verheißend, nicht warnend. Jesus spricht ja nicht von einer Bestrafung, sondern von einer Belohnung.

In den Sprüchen heißt es übrigens ganz ähnlich, Sprüche 19,17: "Wer über den Geringen sich erbarmt, leiht dem Herrn, und seine Wohltat wird er ihm vergelten."

Wir müssen verstehen, was hier passiert. Gott selbst identifiziert sich mit dem Geringen. Wer sich über den Geringen erbarmt, der leiht dem Herrn. Gott nimmt also die Rolle des Schuldners ein. Wenn man so will: Wenn ich mich um den Armen kümmere, hat Gott Schulden bei mir?

Okay, das ist erst einmal ein Bild, aber es macht deutlich, worum es Gott geht. Meine Fürsorge um Arme ist für Gott so wichtig, dass er mir jede Wohltat vergelten wird. Das ist also schon im Alten Testament völlig klar, und Jesus greift diesen Gedanken in Lukas 14,14 auf: "Und glückselig wirst du sein, weil sie nichts haben, um dir zu vergelten, denn es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten."

Die Motivation durch göttliche Belohnung und echte Liebe

Darf Gott Belohnung als Antrieb für ein barmherziges Verhalten einsetzen? Natürlich darf er das. Warum sollte er das nicht dürfen? Dieses Argument haben wir bereits in der Bergpredigt kennengelernt. Echte Barmherzigkeit ist nicht weniger echt, nur weil ich weiß, dass Gott mich dafür einmal belohnen wird.

Aber was ist, wenn jemand aus einer falschen Motivation heraus Gutes tut? Sagen wir mal aus Berechnung. Ich tue Gutes, weil ich will, dass Gott mich dafür belohnt. Was, wenn es mir kein bisschen um die Menschen geht, sondern nur darum, Gottes Wohltaten abzugreifen?

Dann müssen wir uns wohl kurz anschauen, wer da belohnt wird. In Lukas 14 sind es die Gerechten, nicht die Heuchler. Gott vergilt bei der Auferstehung der Gerechten. Wenn da keine Liebe ist, sondern nur Kalkül, dann dürfen wir mit Paulus formulieren: „Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung der Armen austeile, aber keine Liebe habe, so nützt es mir nichts“ (1. Korinther 13,3).

Vergessen wir bitte nicht, dass rettender Glaube immer ein durch Liebe wirksamer Glaube ist (Galater 5,6). Es braucht immer beides: Glaube und Liebe. Und wo man selbstlos liebt, da wird man zwei Dinge bekommen: Glückseligkeit und Belohnung.

Es macht Spaß und gibt eine tiefe Freude, solche Menschen zu beschenken, bei denen völlig klar ist, dass sie nichts haben, um sich zu revanchieren. So hat es der Herr Jesus ausgedrückt: „Geben ist seliger als Nehmen.“ Das ist die eine Glückseligkeit.

Aber Gott selbst wird uns darüber hinaus auch noch dafür belohnen, dass wir mit den uns anvertrauten Ressourcen in seinem Sinn umgegangen sind. Ich persönlich denke über diesen zweiten Aspekt nur selten nach. Allerdings merke ich, wie mich der Gedanke einer Belohnung motiviert – motiviert, mehr zu geben, nicht aus Zwang, sondern aus Vorfreude auf Gottes Anerkennung.

Abschluss und praktische Anregung

Was könntest du jetzt tun? Lerne Sprüche 19,17 auswendig und denke über deinen Umgang mit armen Menschen nach.

Das war's für heute. Nimm dir in den nächsten Tagen Zeit, um deine Gebetsliste zu überarbeiten. Wer fehlt dir dort vielleicht noch?

Der Herr segne dich, lass seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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