Serie•Teil 4 / 9Ilvesheim 2015 - 1. Korintherbrief Kapitel 12-14
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Die Bedeutung der Gnadengaben im Zusammenhang mit dem Geist
Das griechische Wort heißt Charismen oder Charismata und besteht aus zwei Wörtern. Das eine heißt Charis, das bedeutet Gnade, und das andere heißt Ma. Das ist nur eine Nachsilbe, die so viel bedeutet, dass man das Wort zu einem wie ein hauptwörtlich gebrauchtes Tätigkeitswort macht.
Eine Begnadung kann man fast nicht sagen, Begnadigung wäre falsch, und Gnadung sagt man nicht. Also: ein Beschenktwerden. Gnadengaben sind also Dinge, mit denen man beschenkt wird. Das ist genau das, was das Wort aussagt.
Und Gott beschenkt uns, der Herr Jesus Christus beschenkt uns mit vielem von den Gnadengaben. Da geht es hier in 1. Korinther 12 bis 14 aber um ein Unterthema. Es geht nicht um die Gnadengaben allgemein, es geht um die Gnadengaben in Bezug auf die Wirkungen des Geistes, also diejenigen Gnadengaben, wo der Heilige Geist sich offenbart, sich zeigt.
Wir haben gestern schon gesagt, der Heilige Geist zeigt sich auf vielerlei Weise. Wir haben gestern 1. Korinther 12 gelesen, und der Heilige Geist befähigt die Christen, dass sie etwas besonders gut können. Und mit diesem Können können sie dann dienen. Und wenn sie dienen, dann bekommt die Gemeinde Gnade, das heißt, Gott beschenkt die Gemeinde. Und wenn wir nicht dienen, dann bekommt die Gemeinde weniger Gnade. Und wenn wir dienen, dort, wo der Herr uns begabt hat, dann haben wir viel Gnade, das heißt, dann werden wir reich beschenkt von Gott.
Es liegt also sehr viel auch an uns. Wir sind Verwalter der mannigfaltigen Gnade Gottes, sagt Petrus in 1. Petrus 4,9. Wir sollen gute Verwalter sein von der Gnade, die Gott uns anvertraut. Und die Gnade vertraut uns an, indem er uns das Wort Gottes gegeben hat und indem er uns Befähigungen, Fähigkeiten gegeben hat. Und solche Fähigkeiten sind hier also Gnadengaben.
Paulus hat eine ganze Reihe aufgezählt. Und er hat eine Reihenfolge. Wir hatten gestern noch am Ende von Kapitel 12, Vers 28 gelesen: Gott setzte in der Gemeinde im Einzelnen erstens Aposteln, zweitens Propheten, drittens Lehrer, danach Kraftwirkungen, danach Gnadengaben des Heilens, Hilfeleistungen, Lenkungen, Arten von Sprachen. Also eine ganze Reihe wird hier aufgezählt. Aber es gibt sogar eine Rangordnung, und die Rangordnung ist hier wahrscheinlich die zeitliche Reihenfolge und auch die Wichtigkeit.
Das Wichtigste sind sicher die Apostel, das sind die Missionare, denn die beginnen die Arbeit. Wenn irgendwo ein Missionar hinkommt, das Evangelium verkündigt, dann beginnt es. Also er ist der Erste, der da ist. Und dann Propheten, das habe ich gesagt, das erkläre ich dann noch in Kapitel 14 genauer, was eigentlich Propheten sind. Und dann Lehrer, das heißt einfach solche, die das Wort Gottes weitergeben und vermitteln. Kraftwirkende, das sind solche, die Wunder wirken. Heute haben wir weniger Wunder als damals. Gnadengaben des Heilens, das gehört auch zu den Wundern, wird hier besonders herausgehoben. Da waren die Korinther sehr darauf aus. Reden alle und dann sprachen oder Hilfeleistungen, Lenkungen, also das sind verschiedene Dienste, die mit Hilfe zu tun haben. Das ist mannigfaltig, Hilfe in jeder Hinsicht. Und dann Lenkungen oder Leitungen, solche, die etwas leiten oder lenken. Es gibt solche, die hier befähigt sind. Das können übrigens auch Frauen sein, zwar nicht als Älteste, aber zum Beispiel in der Kinderarbeit oder in der Frauenarbeit oder in der Heranbildung von Frauen können hier Frauen auch ihre Gaben einsetzen. Hilfeleistungen, Lenkungen, Arten von Sprachen, Zungenreden, das wird ja dann das Thema noch in Kapitel 14 sein, da sprechen wir dann später darüber.
Aber nicht alle haben dieselben Gaben. Es sind nicht alle Apostel oder Missionare, es sind nicht alle Propheten und so weiter, sondern das ist verschieden verteilt. Und dann heißt es in Vers 31: Seid aber eifrig bemüht um die besseren Gnadengaben, und einen noch weit vortrefflicheren Weg zeige ich euch.
Also, die Christen in Korinth sollten bemüht sein, dass viele Gnadengaben vorhanden sind, dass es viele Fähigkeiten gibt. Sie sollen auch dafür beten, dass sie möglichst viel können. Das darf man. Man darf dafür beten: Herr, ich brauche eine Fähigkeit. Zum Beispiel sieht sich jemand in die Kinderarbeit gestellt, der wollte gar nicht, aber jetzt muss er. Und was macht er jetzt? Herr, jetzt muss ich beten, bitte gib mir die Fähigkeit dazu.
Also manchmal ist es umgekehrt: Zuerst kommt der Dienst und dann die Gnadengabe dazu. Das gibt es. Normalerweise ist es so, dass zuerst die Fähigkeit da ist und dann stellt der Herr einen in den Dienst mit dieser Fähigkeit. Aber wir dürfen bitten, wir dürfen eifrig bemüht sein nach besseren Gnadengaben.
Und er hat schon gesagt: Das Bessere ist hier erstens Apostel, zweitens Prophet und drittens Lehrer. Die Korinther waren bemüht nach Zungenreden. Das war ihnen offensichtlich ein wichtiges Anliegen. Er sagt: Es gibt noch etwas Besseres, es gibt Prophetie und es gibt Lehrer und es gibt Missionar. Aber es gibt noch etwas Besseres, sagt er, und einen noch weit vortrefflicheren Weg zeige ich euch.
Warum die Liebe über allen Gaben steht
Vers 1, Kapitel 13: Wenn ich in Sprachen der Menschen und der Engel spreche, aber keine Liebe habe, bin ich ein tönendes Erz geworden und eine gellende Schelle. Und wenn ich Weissagung habe und alle Geheimnisse weiß und alle Erkenntnis habe und wenn ich allen Glauben habe, sodass ich Berge versetzen könnte, aber keine Liebe habe, bin ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe in Form von Speise austeile und wenn ich meinen Leib hergebe, damit ich verbrannt werde, aber keine Liebe habe, nützt es mir nichts.
Wir haben hier, ich habe hier die Gliederung vor mir auf der Folie, diese ersten drei Verse, die ich jetzt gelesen habe. Das schreibt er über die Wichtigkeit der Liebe. Das zweite wird dann sein in Vers 4 bis 7 über die Beschaffenheit der Liebe, und dann in den Versen 8 bis 13 die Überlegenheit der Liebe, was die Dauer und was die Größe betrifft. Also es geht hier um die Gewichtigkeit, die Beschaffenheit und die Überlegenheit der Liebe. Das ist das Wichtigste von allen Gaben.
Interessant ist: In der Bibel, überall dort, wo von Gnadengaben die Rede ist, dort ist auch von Liebe die Rede. Zum Beispiel in Römer Kapitel 12 ist eine Liste von Gnadengaben am Anfang, und sobald er fertig ist damit, Kapitel 12, Vers 1 bis 8 über Gnadengaben, spricht er in Vers 9 über die Liebe, über die Bruderliebe. Oder das Gleiche ist in Epheser 4: Da spricht er von Gnadengaben in Vers 11, Epheser 4, Vers 11, und im Zusammenhang vorher und nachher spricht er von der Liebe, Epheser 4, Vers 3 und Epheser 4, Vers 16. Also er bettet immer das Thema Gnadengabe mit dem Thema Liebe zusammen. Und in 1. Petrus 4 gibt es auch eine Liste von Gnadengaben beziehungsweise einen kurzen Abschnitt über Gnadengaben, 1. Petrus 4, Vers 7-11. Und da redet er auch von der Liebe, Kapitel 4, Vers 8.
Also immer, wenn er von Gnadengaben redet, wenn ein Apostel davon spricht, spricht er auch von der Liebe. Er weiß: Gabe allein hilft nichts, und das sagt Paulus hier. Die Liebe ist wichtig, weil die Gnadengabe allein gar nichts hilft. Ich habe mir hier notiert: Alles, was ich bin, tue und habe, ist nutzlos ohne die Liebe.
Es gibt drei Arten von Christen, die in der Gemeinde nichts nützen. Das sind erstens die Redechristen, zweitens die Kopfchristen und drittens die Scheinkristen. Die Redechristen, das ist in Vers 1: Wenn ich Sprachen der Menschen und der Engel spreche, aber keine Liebe habe, nützt es nichts. Wenn ich noch so gut reden kann in allen möglichen Sprachen, das nützt mir nichts ohne die Liebe.
Und die Zweiten sind die Kopfchristen, Vers 2: Wenn ich Weissagung habe und alle Geheimnisse wüsste, aber ohne Liebe hilft es mir nichts. Und die Scheinchristen, unter Anführungszeichen Schein, die geben ihren Leib in dem Feuer, in dem Feuerschein, und es hilft nichts ohne die Liebe. Also selbst wenn ich mich hingeben würde bis zum Tod, sagt Paulus hier. Selbst wenn ich meinen Leib hingeben würde und verbrannt würde, aber die Liebe nicht habe, nützt es mir nichts.
Jemand hat gesagt, das darf ich vorlesen: Den Kopf heiß und schwer, das Herz kalt und leer, solche Christen kreuzigen die Bruderliebe um ihrer biblischen Erkenntnis willen. Wer viel weiß, steht in großer Gefahr, ein Pharisäer zu werden. Das Entscheidende ist, wie viel von deinem Wissen du ausgelebt hast. Erst dasjenige Wissen, das ausgelebt ist, wird Nutzen. Erkenntnis ohne Liebe ist der Gefrierpunkt des Glaubens. Herr, bewahre uns vor solchen Eisheiligen! Kennen Sie die Pankrats, Bonifaz und die kalte Sophie, 20. Mai oder irgendwann herum. Herr, bewahre uns vor solchen Eisheiligen!
Paulus sagt: Es nützt nichts. Wir sind nicht gerufen, einfach etwas zu wissen, sondern wir sollten eigentlich nützlich sein, und nützlich werden wir nur, wenn wir für die anderen da sind und in der richtigen Herzenshaltung stehen. Die Liebe ist das Wichtigste. Das heißt nicht ich, sondern Christus. Also dem Ego sterben und Christus nach vorne schicken. Darum geht es.
Die Art, die hier beschrieben wird, ist eigentlich die Art von Jesus Christus, die Art der Liebe. Und das wollen wir jetzt ein bisschen hier betrachten, diese Beschaffenheit der Liebe in den Versen 4 bis 7. Schauen wir uns das an.
Wie sich echte Liebe im Alltag zeigt
Das Erste, wie es ist, Vers 4: Die Liebe ist geduldig, und die Liebe ist freundlich, sagt Paulus.
Geduldig, das heißt: Die Liebe kann warten. Echte Liebe kann warten. Sie wartet, sie rächt sich nicht selbst, sie verzichtet auf Rache, sie zahlt nicht heim, was der andere mir getan hat. Sie wartet auf Gott.
Jemand hat einmal gesagt: „Fürbitte ist das Geheimnis der wartenden Liebe.“ Das stimmt. Sie geht ins Gebet und wartet. Wartende, geduldige Liebe.
Und das Nächste: Sie ist freundlich. Das griechische Wort hier heißt, sie ist nützlich. Chrestos heißt im Griechischen nützlich, wie ein Freund Nutzen bringt: freundlich, nützlich, gütig. Das heißt, man schaut nach den Bedürfnissen der anderen, danach, was der andere braucht. Dazu gehört auch die Freundlichkeit im Ton, wie man spricht. Das macht sehr viel aus, der Ton macht die Musik. Da soll man nicht karg sein, nicht so knapp, kurz und eintönig, und dem anderen einfach ein Wort hinwerfen. Es kommt sehr viel darauf an, wie man spricht.
Die Schweizer übrigens, die Berner ... es gibt ja zwei Arten von Schweizern, man sagt die Berner und die Schweizer. Also die Berner, die singen, wenn sie sprechen. Die singen, wenn sie sprechen. Und wenn das noch Christen sind ... ich habe den ersten Christen, den ich kennengelernt habe, oder den ich näher kennengelernt habe, war ein Berner. Ich war aber in Österreich, ja, und der hat mit seiner Frau so liebevoll geredet. Ich habe zwar nichts verstanden, es war ja Schweizerdeutsch und ich war in Österreich, ich war Österreicher. Aber mit der Zeit habe ich dann mehr und mehr verstanden. Aber die Liebe habe ich verstanden, die in den Worten klang. Und beim Schweizer klingt das noch extra schön, wenn ein Christ mit freundlichen Worten spricht. Also das hat mir immer gefallen. Dann habe ich gedacht, alle Schweizer sind so. Dann kam ich in die Schweiz und merkte: Nein, es sind nicht alle Schweizer so.
Nützlich und freundlicher Ton: Der Umgang miteinander ist ein Spiegelbild dessen, wie unser Verhältnis zum Herrn Jesus ist. Das stimmt. Wie wir miteinander umgehen, das spiegelt wider, wie ich mit dem Herrn umgehe. Wenn ich viel mit dem Herrn zusammen bin, dann werden die anderen das irgendwie merken. Wenn ich aus der Gegenwart Gottes komme, dann werden die anderen das irgendwie merken. Wenn ich mich mit den anderen dann treffe oder zusammenkomme oder zusammen bin, dann merken die das. Das ist etwas von der Art Jesu Christi: der Blick, die Art, wie man handelt und spricht.
Liebe wird nicht am Gefühl gemessen, sondern an Gedanken und am Tun. Die Liebe fängt immer mit dem Denken an. Man entscheidet sich in Gedanken für Liebe, und dann tut man es. Das hat nichts mit Gefühlen zu tun. Die Amerikaner, die sind falsch, ich meine jetzt in ihrem Wort. Sie sagen nämlich, man fällt in die Liebe, you fall in love. In die Liebe fällt man nicht hinein, das geht nicht. In die Liebe kann man nicht fallen. Für die Liebe muss man sich entscheiden. Da stürzt man nicht einfach hinein, ja. Also auch das deutsche Wort sich verlieben ist eigentlich auch komisch. Was heißt verlieben? Man kann sich verlieren, aber verlieben? Nein. Man entscheidet sich für Liebe. Das hat nichts mit Gefühl zu tun, sondern mit Gedanken und mit Tat.
Das Nächste hier: Die Liebe, wie sie nicht ist. Jetzt gibt es eine ganze Reihe von Ausdrücken hier, wie die Liebe nicht ist oder was sie nicht tut. Ich habe sie notiert: Sie neidet nicht, sie prahlt nicht, sie ist nicht aufgebläht, sie benimmt sich nicht in unanständiger Weise, sie sucht nicht das Ihre, sie ist nicht schnell gereizt, sie rechnet das Üble nicht an, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit. Vielleicht steht bei Ihnen das Vorverletzende, vielleicht lässt sie sich nicht erbittern. Man kann es auch so übersetzen: Sie ist nicht gereizt. Also sie lässt sich nicht schnell reizen, zum Zorn oder zur Bitterkeit reizen.
Schauen wir uns das Einzelne an. Sie neidet nicht. Neid ist dann, wenn ich den anderen nicht teilhaben lassen will an dem, was ich habe, oder wenn ich das, was der andere hat, ihm nicht gönnen will. Noch einmal: Neid ist, wenn ich den anderen nicht teilhaben lassen will an dem, was ich habe, oder wenn ich das, was der andere hat, ihm nicht gönnen will.
Wir sprechen von Geiz und Neid. In der Bibel ist Neid auch für beides verwendet, wenn ich dem anderen nicht etwas gönnen will und wenn ich den anderen nicht teilhaben lassen will an dem, was ich habe. Das heißt, die Liebe nimmt dem anderen nichts weg, und die Liebe gönnt dem anderen, dass es dem anderen gut geht.
Die Liebe prahlt nicht. Das heißt, sie schreit nicht ängstlich nach Aufmerksamkeit: Ich, ich, ich bin in der Mitte, nach Applaus. Das ist ihr nicht so wichtig. Die Liebe handelt oft im Stillen, aber sie handelt. Sie ist demütig. Wer liebt, kann sich selbst richtig einschätzen. Demut hat zu tun mit richtiger Selbsteinschätzung, und Demut und Liebe gehen Hand in Hand. Liebe ist an sich demütig. Liebe spricht nicht groß von sich, sie kümmert sich um den anderen. Also: prahlt nicht, tut nicht groß.
Sie ist nicht aufgebläht, ist das Nächste. Aufblähen heißt, dass ich mich größer mache, als ich bin. Also ich blase mich auf, so wie im Frühling die Tiere manchmal. Sie blasen sich auf, die Schwäne zum Beispiel. Haben Sie Schwäne beobachtet im Frühling? Die blasen sich auf, blustern sich auf. Die wollen größer und schöner dastehen, als sie sind. Sie sind verliebt, die sind wirklich verliebt. Die können nicht lieben. Aber Aufblähen hat zu tun mit einem Luftballon, im Griechischen wie ein Luftballon, der keinen Inhalt hat, keine Substanz.
Liebe hält nicht viel von dem, wie sie selber ist, sondern vielmehr ist sie interessiert an dem anderen. Also sie ist nicht aufgebläht, sie ist an dem anderen interessiert. „Erkenntnis bläht auf“, sagt Paulus in 1. Korinther 8. Erkenntnis, viel Wissen, bläht auf. Ja, ich weiß mehr als die anderen. Das ist die Gefahr, dass man meint, man sei wichtiger oder man sei jemand. Wir sind nicht jemand, wir sind Kinder Gottes. Und in Christus sind wir jemand, aber in uns selber sind wir Sünder und haben eigentlich die Hölle verdient. Wir brauchen uns gar nicht so groß und besonders zu geben.
Das Nächste hier: Sie benimmt sich nicht in unanständiger Weise. Das heißt, sie ist empfindsam für die Empfindsamkeit des Anderen. Sie ist feinfühlig, nicht unanständig. Sie weiß, was sich geziemt und was sich nicht geziemt. Es gibt Kreise, da ist viel Unanständigkeit, auch christliche Kreise, da ist viel unanständiges Benehmen. Und manche Leute meinen noch, das sei vom Heiligen Geist, wenn sie unanständig sind. Dann verlieren sie das Unterscheidungsvermögen, wissen nicht, was eigentlich wirklich sich gehört und was sich nicht gehört.
Ein Bruder hat mal gesagt, es war Herbert Jansen, hat er gesagt: In einer Gesellschaft, die alle Normen abwirft, tendieren wir Christen dazu, das Empfinden für das, was sich geziemt, zu verlieren. Wenn wir in einer Gesellschaft leben, wo wir sowieso keine Normen mehr haben, alles ist erlaubt, alles ist gleichgültig. Wenn alles gleichgültig ist, dann ist mit der Zeit alles gleichgültig. Das ist Sozialismus, moralischer Sozialismus des zerstörten Menschen.
In einer Gesellschaft, wo es keine Normen mehr gibt, wo man sich an Normen nicht mehr hält, sind wir Christen in Gefahr, dazu zu tendieren, das Empfinden für das, was sich geziemt, zu verlieren. Was geziemt sich eigentlich? Manche haben keine Ahnung. Was geziemt sich eigentlich? Wie geziemt es sich, dass man sich kleidet, wenn man sich am Sonntag versammelt mit den Gläubigen? Was geziemt sich und was geziemt sich nicht? Viele Christen haben keine Ahnung. Das ist alles gleich. Wenn alles gleich ist, dann bist du vom Sozialismus infiziert.
Da kommen bei uns die Christen in der Bluejeans oder in der zerrissenen Hose oder in irgendwas, kommen sie in die Versammlung. Der andere kommt in einer Kleidung, manchmal ist es ein Pyjama, jedenfalls eigenartig. Ja, das ist doch nicht wichtig, das Herz ist wichtig, das Herz ist wichtig. Aber was drumherum ist, ist eigentlich auch wichtig, oder? Klar ist das Herz das Wichtigste, aber wenn das Herz richtig ist, dann will sich das doch irgendwie auch äußern. Ich kann nicht einfach sagen: Ich rede, wie es mir passt, es ist ja nur das Herz wichtig. Nein, das Herz äußert sich irgendwie in der Sprache. Die Sprache ist doch auch wichtig, und die Kleidung ist auch wichtig. Sie ist noch nicht unwichtig.
Die Liebe benimmt sich nicht unanständig. Auch in der Beziehung von Jugendlichen untereinander, ich habe das gemerkt. Ich habe ja auch viel mit jungen Leuten zu tun. Da habe ich gemerkt, manchmal benehmen sich die christlichen jungen Leute genauso wie die weltlichen jungen Leute untereinander. Die haben kein Empfinden mehr für das andere Geschlecht, dass da ein bisschen ein Abstand gehört. Die merken das gar nicht mehr. Das ist unanständig, aber sie merken es nicht. Man muss es ihnen heute sagen, früher hat man es gewusst. Wie bückt sich ein Mädchen? Das muss man heute sagen. Ein Mädchen bückt sich anders, wenn sie etwas vom Boden aufhebt. Das muss man den Leuten heute wieder sagen, die kennen die Sitten nicht mehr.
Aber woher kommen denn die Sitten, christliche Sitten? Man bekommt ein Feingefühl, wenn man die Bibel liest. Dann merkt man: Das gehört sich nicht. Manchmal gibt es junge Christen, ganz junge Christen, die bekehren sich aus der Welt, und die wissen plötzlich, wie man sich benimmt. Wie wenn die merken: Nein, das gehört sich nicht, so wie ich mich früher benommen habe, das habe ich abgelegt. Das ist schön, wenn man das sieht.
Ja, weiter sagt ein Christ: Wo das Organische aufhört, wird das Leben getötet. Die Familie, die Nation, wir, die Gesellschaft segeln langsam, aber sicher ins Verderben, wo das Organische, das heißt, das natürliche Gefühl, das man einfach mitbekommen hat, wo das aufhört, wird echtes Leben getötet. Dann ist alles technisch.
Wir leben heute im elektronischen Zeitalter. Eine neue Revolution ist hiergekommen, und die Menschen wissen nicht mehr, wie man spricht. Man spricht nur noch in SMS-Sprache. Die jungen Leute verstehen das nicht, weil sie es nicht mehr gelernt haben. Da haben wir viel Arbeit noch zu tun. Aber ich muss aufhören zu predigen. Gehen wir weiter.
Was Liebe meidet und was sie schützt
Sie sucht nicht das Ihre. Das heißt, sie ist also nicht auf das eigene Recht bedacht. Sie ist nicht darauf bedacht, immer Recht zu haben.
Wir sollen bereit sein, lieber eine Diskussion zu verlieren und einen Menschen zu gewinnen, als eine Diskussion zu gewinnen und einen Menschen zu verlieren. Man kann es sich leisten, eine Diskussion zu verlieren, das ist noch nicht aller Tage Abend, aber ich habe den Menschen gewonnen. Ich muss nicht einfach immer als der dastehen, der das letzte Wort hat, der Recht hat, das ist nicht so wichtig.
Wenn Gott uns das gibt, was uns von Rechts wegen zusteht, wo wären wir dann alle? Dann wären wir alle in der Hölle. Wenn wir nach dem Recht behandelt werden wollen, oder? Also lieber nicht nach Recht, lieber nach Güte und Gnade.
Liebe ist selbstlos, das gehört hier dazu. Sie sucht nicht das Ihre, heißt selbstlos. Letztlich gibt es nur einen, der wirklich selbstlos ist, bis zum Letzten, das ist Jesus Christus. Letztlich ist nur Jesus Christus wirklich selbstlos, der hat nur für andere gelebt.
Einer hat mal gesagt, vor vielen Jahren habe ich das gehört und habe es mir für immer gemerkt: Das Leben Jesu kann mit einem Wort überschrieben werden: Er lebte für andere. Er war da für die anderen, bis zum Sterben am Kreuz. Er denkt an die anderen, nicht an sich, knapp vor dem eigenen Tod denkt er an die anderen.
Setzen Sie mal Jesus ein: Jesus neidet nicht, Jesus prahlt nicht, Jesus ist nicht aufgebläht, Jesus benimmt sich nicht unanständig, Jesus sucht nicht das Seine, er ist nicht gereizt, er rechnet das Üble nicht an, er freut sich nicht über die Ungerechtigkeit. Das ist eine Beschreibung von dem Herrn Jesus.
Noch ein Zitat: „Jedem das Seine“, heißt es in der Welt, alles tanzt um das goldene Kalb des Egos. Liebe aber sucht das Wohl des Anderen. Ach, wie schnell poltert und stampft der Adam mit den Füßen, wenn er übergangen wird und ihm Unrecht geschieht! Ja, wie schnell poltert und stampft Adam mit den Füßen.
Das Nächste: Sie ist nicht schnell gereizt oder sie lässt sich nicht erbittern. Sie gerät nicht schnell außer Kontrolle. Es braucht lange, bis sie aus der Kontrolle kommt. Wer schnell reizbar ist, ist entweder selbstsüchtig oder er ruht nicht in Gott. Ein gutes Wort, habe ich irgendwo gelesen: Wer schnell reizbar ist, ist entweder selbstsüchtig oder er ruht zu wenig in Gott, oder beides trifft zu.
Gegen Bitterkeit gibt es nur ein einziges Hilfsmittel: Buße tun und vergeben. Wenn man bitter ist gegen jemanden, gegen Gott ist die schlimmste Bitterkeit, wenn man gegen Gott bitter ist, dann gibt es auch nur eins: Buße tun und fertig, da gibt es nichts zu vergeben. Und wenn man bitter ist gegen andere Menschen, dann Buße tun und vergeben.
Das Nächste: Sie rechnet das Üble nicht an. Sie rechnet nicht, das heißt, Liebe rechnet nicht. Liebe denkt nicht: Zahlt sich das aus? Und wenn jemand das Böse getan hat, dann rechnet man nicht nach und zählt. Man macht nicht eine Liste über das Böse des Anderen, das macht die Liebe nicht. Die Liebe führt nicht Buch über die Fehler des Anderen. Falls du ein Buch hast, dann vernichte es so schnell wie möglich über die Fehler der Anderen.
Liebe rechnet auch nicht, ob sich das auszahlt. Zahlt es sich aus, alte Leute zu pflegen, die schon dement sind? Zahlt sich das überhaupt aus? Die Liebe rechnet nicht, was sich auszahlt. Zahlt es sich aus, für behinderte Leute da zu sein? Liebe hat ein kurzes Gedächtnis, wenn es um das Böse der anderen geht.
Wer liebt, spricht nicht über die Sünden des anderen, unter dem Deckmantel von Gebetsanliegen. Kennen Sie das? Ja, man hat ein Gebetsanliegen. Und dann geht’s los.
Vergeben heißt verzichten. Ich vergebe heißt: Ich verzichte darauf, dir etwas anzulasten, was du mir getan hast. Ich zahle die Schuld selber, das heißt vergeben. Ich zahle selber, ich zahle die Schuld, und du bist entlastet.
„Sorge du für das Sterben deines Egos, Gott wird schon für das Auferstehen sorgen.“ Sorge du dafür, dass du selber stirbst, Gott wird für das Auferstehen sorgen. Gott gibt uns zu seiner Zeit schon zurück, was wir brauchen und was uns gehört und was uns zusteht, zu seiner Zeit.
Also: Sie rechnet das Üble nicht an. Sie freut sich, aber sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, also sie freut sich nicht über die Sünden der Anderen, über die Fehler der Anderen, über den Nachteil und Schaden der Anderen, über Ungerechtigkeit. Das Wort Ungerechtigkeit ist übrigens ein Wort, das sehr allgemein ist in der Bibel. Ungerechtigkeit heißt, sie ist fast wie ein Synonym für Sünde, also sie freut sich nicht über die Sünde der Anderen, nämlich der Eigene sowieso nicht.
Liebe, Wahrheit und das Tragen des Anderen
Weiter, was sie tut: Vers sechs in der Mitte bis Vers sieben. Was die Liebe tut, Paulus geht weiter. Er sagt: „Liebe freut sich aber mit der Wahrheit.“ Sie freut sich also nicht über Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit. Sie freut sich, wenn die Wahrheit auf den Leuchter gestellt wird.
Paulus sagt: Wenn nur die Wahrheit verkündigt wird, dann bin ich glücklich. Und wenn sie es mit falschen Motiven tun, egal, Hauptsache, die Wahrheit wird verkündigt. Und wenn sie mir etwas zuliebe tun wollen oder zu Leide tun wollen, wenn nur die Wahrheit verkündigt wird. Philipper 1.
Liebe, die mit Unwahrheit gepaart ist, ist keine Liebe. Also: Liebe und Unwahrheit gehen gar nicht zusammen. Das gibt es gar nicht, Liebe mit Unwahrheit zusammen. Liebe ist auch nicht unheilig, das gibt es nicht. Liebe ist heilig, sonst ist es nicht Liebe. Liebe ist nicht eine falsche Toleranz. Liebe ohne Wahrheit ist Heuchelei, und Wahrheit ohne Liebe ist Vorwurf und Kritik.
Falsche Lehre ist falsche Lehre. Ich bin früher katholisch gewesen. Es hat lange gedauert, bis ich darauf gekommen bin: Die Lehre, die katholische Lehre, ist eine böse Lehre. Aber die Katholiken sind liebe Menschen. Der Unterschied: Die Katholiken sind verführte Menschen. Ich selber war Verführter, und es gibt gute Katholiken. Aber es gibt Menschen, doch die Lehre, die gelehrt wird, das ist das Schreckliche.
Die Moslems, die sind nicht böse Menschen. Sie sind Menschen, die heilsbedürftig sind, wie jeder von uns. Aber die Lehre des Islam ist satanisch, ist teuflisch. So könnte man fortfahren mit all diesen Gruppen und Lehren. Homosexualität: Die homosexuellen Menschen sind heilsbedürftige Menschen, die brauchen Hilfe. Aber das, was sie tun, ist verabscheuenswürdig. Es ist Sünde zum Quadrat.
Sie freut sich mit der Wahrheit. Sie, sie, also Liebe und Wahrheit gehören zusammen.
Vers sieben: Sie deckt alles. Also sie deckt die Fehler der anderen zu, heißt es. Sie trägt. Sie hält aus. Sie deckt zu. Sie deckt alles. 1. Petrus 4,8: Die Liebe deckt die Menge der Sünden. Nämlich: Sie reißt es nicht auf, schau, das macht er und das macht er, sondern sie deckt zu.
Natürlich gibt es Fälle, wo man Sünde aufdecken muss, weil nämlich die Gemeinde in Gefahr steht, wo Sünde versteckt wird, wo jemand im Verborgenen wie Sauerteig Sünde einführt und im Geheimen Sünde brodelt und das zerstört. Das muss unbedingt aufgedeckt werden. Das ist nicht das Thema hier. Es geht hier um das Kritisieren, das Vorwürfe-Machen, das negative Aufdecken immer wieder.
In der Ehe zum Beispiel, oder? Schau nicht auf die zwanzig Prozent, die dir nicht gefallen. Schau auf die achtzig Prozent, die dir gefallen am Ehepartner, und freu dich daran. Und bevor man heiratet, bitte schau unbedingt auf die zwanzig Prozent, die dir nicht gefallen, und überleg dir, was du machst. Überleg dir es gut.
Sie deckt zu. Durch die Liebe entsteht kein Tratsch. Das heißt auch, dass sie die Lasten anderer tragen kann. Sie trägt, sie deckt, sie trägt, sie kann andere ermutigen.
Weiter: Sie glaubt alles. Sie glaubt alles, was heißt das? Das Wort alles hat immer einen Zusammenhang. Bitte seien Sie vorsichtig, wenn Sie in der Bibel das Wort „alles“ lesen. Das hat immer einen Zusammenhang. Wir verwenden das auch so. Wir können sagen: Ganz Mannheim war auf den Beinen. Dann meinen wir aber nicht damit, dass keiner im Bett gelegen ist oder am Tisch gesessen ist. Die Leute waren auf der Straße, was man gesehen hat, die waren alle unterwegs, waren alle auf den Beinen.
Also: Alle hatte den Kontext, alle, die man gesehen hat, alle, die man so im Großen und Ganzen, wenn man so durch die Straßen gegangen ist. Ja, hat man gemerkt, sind alle auf den Beinen. Ja, die Lehrerin sagt: Sind alle gekommen? Sind alle da? Ja, wer alle? Das hat einen Zusammenhang. Die, die sonst da sein sollten, alle hier.
Was heißt hier: Sie glaubt alles? Nun, nachdem wir uns über die Wahrheit gefreut haben, glaubt sie alles, was aus der Wahrheit ist. Wenn er gerade vorher gesagt hat, die Liebe freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich mit der Wahrheit, dann heißt das: Sie glaubt alles, was mit Wahrheit zu tun hat. Alles in diesem Rahmen.
Liebe glaubt also nicht Ungerechtigkeit oder Unwahrheit. Liebe vertraut sich nicht dem Lügner an, das hat nichts damit zu tun. Aber Liebe gibt einen Vertrauensvorschuss. Die Liebe gibt den Vorschuss. Auch wenn ich den anderen noch nicht kenne, ich gebe einen Vertrauensvorschuss. Das ist ganz natürlich im Leben. Normale Menschen geben anderen Menschen, die sie begegnen und die sie noch nicht kennen, einen Vertrauensvorschuss.
Es gibt Leute, die sind so zerstört vom Leben, die begegnen allen anderen Menschen schon mit Abstand. Weiß nicht, was hinter dem steckt und hinter dem. Die sind schon innerlich zerstört. Aber wenn man ein normaler Mensch ist und man begegnet jemandem, den man noch nicht kennt, dann nimmt man zuerst einmal an, dass er wahr ist, und man vertraut ihm. Vertrauensvorschuss, nicht argwöhnisch.
In Österreich haben wir einen Politiker gehabt, der hieß Kreisky. Das war ein Sozialist, und der hat gesagt, hat lange regiert dort. Der hat gesagt: Es ging da um die Steuererhöhung, und da hat er gesagt: Die Österreicher hinterziehen ohnehin an so vielen Orten einen Teil ihrer Steuern, so dass man die Steuern ruhig erheben kann. Ich habe gedacht: Was? Der suggeriert den Leuten, sie sind sowieso unehrlich, diese Österreicher, die hinterziehen sowieso Steuern, also heben wir die Steuern an. So kann man doch nicht, das ist furchtbar. Dann hat er das ja noch gefördert. Das war alles andere als Liebe.
„Liebe hofft alles“ heißt hier: Was heißt das wieder, alles? Achtung, das Wort alles, das ist wieder relativ gemeint. Liebe sagt zu niemandem: Das ist ein hoffnungsloser Fall. Liebe ist grundsätzlich dafür, dass sie sagt: Vielleicht gibt es doch noch eine Änderung. Vielleicht kommen wir, wir probieren es noch einmal. Es ist vielleicht doch nicht ein hoffnungsloser Fall.
Wenn einmal das Vertrauen gebrochen ist, ist die Hoffnung von größter Wichtigkeit. Wenn Liebe enttäuscht wird, hofft sie dennoch weiter, aus zwei Gründen. Erstens wegen der Macht Gottes und zweitens wegen der Gnade Gottes. Man hofft weiter. Sie lässt sich daher durch die Umstände nicht entmutigen, sie liebt weiter.
Liebe hofft alles, also in Bezug auf den anderen Menschen. Liebe hofft nicht dort, wo es nichts zu hoffen gibt. Liebe hofft nicht, dass etwas, was unmöglich ist, schon geschieht. Darum geht es nicht, das ist nicht das Thema. Ich kann nicht sagen, wenn mein Auto kaputt ist, ich hoffe, das geht morgen einfach, wenn ich den Schlüssel umdrehe, dann geht es wieder. Das geht nicht. Wenn das Auto kaputt ist, ist es kaputt, dann muss man es reparieren.
Ich habe keinen Grund zu hoffen. Gut, ich kann auf ein Wunder hoffen, aber es steht ja nirgends in der Bibel, dass mein Auto repariert wird, ohne dass ich etwas tue. Es gibt Wunder, aber nicht so häufig. Also normalerweise wird das Auto dann auch nicht gehen. Also ich hoffe dort, wo ich etwas zu hoffen habe. Und es geht hier um Beziehungen, um Menschen. Und da gibt es immer Hoffnung, weil Gott mächtig ist, weil Gott wirken kann und wirken wird in Menschen. Geben wir die Menschen nicht auf, auch die uns enttäuscht haben, geben wir sie nicht auf. Liebe hofft alles in dieser Hinsicht.
Weiter: Sie erduldet alles. Das heißt, sie bleibt darunter. Im Griechischen: Sie bleibt unter Beschuss. Sie trägt, sie hält aus. In den schwierigsten Umständen bleibt sie am Platz. Sie geht diesen eingeschlagenen Weg weiter. Sie sucht nicht den leichteren Weg.
Wie hat uns der Herr gewonnen? Was hat der Herr gemacht, dass er uns gewonnen hat? Wie hat er unser Herz gewonnen? Was hat er getan? Er hat die Dornenkrone getragen und hat die Nägel in seine Glieder schlagen lassen und hat geduldig alles ertragen bis zum Schluss. Er duldet alles.
Liebe ist unbesiegbar, auch dann, wenn sie gekreuzigt wird. Liebe ist unbesiegbar, sie duldet weiter.
Die Quelle, die Art und das Opfer der Liebe
Ich habe hier einmal, wenn ich das noch kurz bringen darf, ein Studium über die Liebe gemacht. Es gibt vier Wörter im Griechischen für Liebe. Im Deutschen haben wir eigentlich nur ein Wort für Liebe, aber die Griechen haben vier Wörter für Liebe.
Das eine Wort ist Eros. Das kommt im Neuen Testament interessanterweise nicht vor. Das ist die erotische Liebe, die sexuelle Liebe. Das heißt nicht, dass die Bibel gegen diese Liebe ist, aber es wird hier in diesem Sinne nicht verwendet, weil es nämlich um mehr geht. Also Eros.
Das zweite ist Storge. Storge ist Liebe, die auf natürlicher Verwandtschaft basiert, also eine instinktive Liebe zwischen Mutter und Kind oder zwischen Verwandten. Eine instinktive Liebe. Die gibt es überall in der Welt, da muss man gar nicht Christ sein. Diese instinktive Liebe haben sogar Tiere, die pflegen auch, nicht alle, aber manche Tiere pflegen ihre Jungen.
Drittens Philia. Das ist Liebe, die auf Zuneigung, auf Gefühl und Attraktion basiert, also eine zuneigende Freundschaftsliebe. Philia, Philadelphia kommt auch davon. Viel, viel, viel Philosophie, Liebe zur Weisheit, Philosophia und so weiter. Philipp, Liebe zu den Pferden, Philippus und so weiter. Philia also, eine Zuneigung.
Und das vierte Wort ist Agape. Also Eros, ich sage es nochmal: Eros, Storge, Philia und Agape. Agape ist die Liebe, die sich schenkt, die sich hingibt.
Und interessant: Ich habe gelesen, im Hohen Lied der Liebe, im Alten Testament gibt es ein Buch, das Hohe Lied der Liebe, und dort kommt das Wort Liebe oft vor. Da habe ich im Griechischen nachgeschaut. Wissen Sie, welches Wort da steht? Nicht Eros, sondern Agape. Das Hohe Lied der Liebe. Da denkt man sich, das ist doch etwas für den Körper, so körperliche Liebe. Nein, das hängt zusammen, das ist Agape-Liebe. Die ist nötig für eine gute Ehebeziehung und auch für eine gute körperliche Ehebeziehung braucht es Agape-Liebe. Interessant!
Also, das waren diese vier Arten von Liebe. Das Wort, das hier verwendet wird und in 1. Korinther 13 steht, ist Agape: Liebe, die nur auf Gott basiert, aufbaut. Liebe, die völlig selbstlos ist, die sich verzehrt, man kann sagen, eine Liebe, die blutet.
Noch ein paar Gedanken dazu, was so wichtig ist: Die Liebe hat ihre Quelle nicht im Wesen des Geliebten, sondern in der Natur des Liebenden. Also noch einmal: Die Quelle der Liebe liegt nicht in dem anderen, den man liebt, sondern sie liegt in der Natur der Liebe. Sie liebt, weil man liebt. Sie liebt nicht, weil der andere liebenswürdig ist.
Das ist eigentlich ein Wort, das ein Widerspruch in sich selbst ist: liebenswürdig. Warum? Wir meinen, der ist würdig zu lieben und der ist nicht würdig zu lieben. Dann meinen wir ja gerade das, der Gegenstand, das Objekt, das ist es, was die Quelle für meine Liebe ist. Falsch! Es ist nicht das Objekt die Quelle meiner Liebe, sondern diese Liebe kommt aus dem Inneren. Letztlich kommt sie aus Gott heraus.
Gott hat diese Liebe ausgegossen in den Gläubigen, Römer 5,5. Durch den Heiligen Geist ist die Liebe Gottes ausgegossen worden in den Gläubigen. Und jetzt ist diese Liebe, das heißt Christus selber, in mir, durch den Heiligen Geist, den Geist Jesu Christi. Und diese Liebe kann nur von daher kommen. Die Quelle dieser Liebe ist eigentlich in Christus, in Gott, also nicht liebenswürdig. Liebe liebt auch den, der nicht liebenswürdig ist.
Dann, was habe ich hier noch? Die Qualität der Liebe: Sie ist bedingungslos, hingebungsvoll und sich selbst aufopfernd. Bedingungslose Liebe, das ist es, das ist Agape. Wenn also es irgendjemanden gibt, der deiner Liebe nicht würdig ist, liebe ihn. Das ist Liebe. Der ist meiner Liebe nicht würdig. Ja genau, dann liebe ihn. Dann zeigst du echte Liebe.
Was es auch kosten mag, Liebe ist bereit, den Preis zu bezahlen. Das zeigt der Herr Jesus. Der Beweis der Liebe ist die Tat. Der Beweis der Liebe, also noch einmal: Die Quelle der Liebe ist Gott, Christus. Die Qualität der Liebe, sie ist bedingungslos. Das Ziel der Liebe: Sie will das Beste für den anderen, sie ist bereit, den Preis zu bezahlen. Der Beweis der Liebe ist die Tat.
Der Herr Jesus, wie oft denkt ihr, dass der Herr Jesus von seiner Liebe zu Gott gesprochen hat? Der Herr Jesus liebte den Vater, als er auf Erden war, und er liebte ihn immer. Wie oft hat er davon gesprochen? Was denken Sie? Einmal. Einmal in Johannes 14,31. Ein einziges Mal sagt der Herr Jesus: Damit die Welt erkenne, dass ich den Vater liebe, kommt, jetzt gehen wir.
Als er von der Liebe sprach, das einzige Mal, dass er sagte, dass er den Vater liebt, da sagte er: Komm, jetzt gehen wir. Wohin ist er gegangen? Johannes 14,31, wohin? In die Nacht, in der er verraten wurde. Und dann wurde er gekreuzigt. Die Tat: Er hat mit der Tat bewiesen, dass er den Vater liebt.
Und die größte der Liebe liegt in der Selbstaufopferung. Ohne Opfer keine Liebe. Liebe kostet immer etwas, und zwar alles. Man kann zwar opfern ohne Liebe, aber man kann nie lieben ohne Opfer.

