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Was man unbedingt von Gott wissen muß

01.01.1960Psalm 113,5-6

Einleitung: Die Suche nach Gott in einer hektischen Welt

Sankt Mutter 13, Vers 5: Wer ist wie der Herr, unser Gott, der sich so hoch gesetzt hat und doch auf das Niedrige sieht, im Himmel und auf Erden? Herr, Heiligung sind deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

In diesen Tagen erhielt ich einen netten Brief von einer ausländischen Jugendgruppe. Ich schrieb ihnen, dass ich ihnen gern helfen möchte. Sie wären auf einer Reise mit dem Omnibus, kämen am Sonntagabend hier an und wollten am Montagmorgen das Ruhrgebiet kennenlernen und besichtigen. Mittags wollten sie dann weiter nach Rotterdam fahren.

Da dachte ich mir: Das ist Tempo, nicht wahr? Sie lernen das Ruhrgebiet in wenigen Stunden kennen, während ich seit über dreißig Jahren dort lebe und es noch nicht richtig kenne. Ich dachte, das ist so typisch für die Völker der modernen Menschen: das Hetzen durch die Länder. In fünf Tagen lernt man sieben Länder kennen, rast von einem Ort zum anderen. Und wenn man sich beeilt, kommt man gerade noch rechtzeitig zur eigenen Beerdigung – und das ist noch nicht einmal ganz sicher.

Hinter diesem ganzen Gehetz steckt ein Wahnsinn, bitte ich Sie. Und das geschieht millionenfach in diesen Tagen. Hinter diesem ganzen Jagen steht die Friedlosigkeit unserer Zeit, die Friedlosigkeit der Herzen. Ob sie nun der Konferenz in Genf folgen oder durch das Land jagen – diese Menschen haben friedelose Herzen, die etwas suchen, das sie nicht finden.

Wenn ich mir das so anschaue, geht mir immer eine Melodie durch den Kopf, aus einem schönen Lied von Schubert. Dort heißt es: „Dort, wo du nicht bist.“ Doch dies ist das Glück, so spricht es zu mir. Musikalisch Begabte hören jetzt die Melodie.

Die Sehnsucht nach Frieden und die Erkenntnis Gottes

Und sehen Sie, demgegenüber möchte ich Ihnen jetzt einfach einmal einen anderen Liedvers zitieren. Sie werden sofort merken, wie dieser Liedvers Frieden und Ruhe vermittelt. In diesem Liedvers begegnet uns eine andere Welt.

Er heißt so: Gott, Leben. Sein Name gibt Leben und Schmerz. Er heiße doch seinigen Sonne und Schiffen. Wir spüren, dass aus diesen zwei Zeilen uns das entgegenklingt, was wir uns erzählt hätten.

Sehen Sie, demselben Lied stammt von dem großen württembergischen Gottesmann Albrecht Bengel, einem großen Theologen, der Urgroßvater des württembergischen Pietismus.

In demselben Lied heißt es dann: „Versucht, erkennt und lobt den Herrn, versucht doch ihn zu erkennen, erkennt und lobt den Herrn.“ Und das wollen wir heute Morgen tun, weil es wirklich nichts Gescheiteres gibt in dieser friedlosen Zeit. Wir wollen versuchen, Gott zu erkennen.

Und da muss man sich von Gottes Worten leiten lassen, sonst geht es nicht. Nun sagt uns unser heutiger Text, ja, ich möchte einfach so ausdrücken, was man unbedingt von Gott wissen muss.

Es gibt ja so tausend Broschüren, nicht wahr, was man unbedingt von der Ersten Hilfe wissen muss, von der Textilindustrie, was man unbedingt von Stoffen wissen muss und Friseuren, was man unbedingt von der Haferlege wissen muss.

Nun, nun möchte ich auch sagen, was man unbedingt von Gott wissen muss. Darf ich den Text noch einmal lesen: Wer ist wieder Herr unser Gott, der sich so hoch gesetzt hat und auch das Niedrige sieht im Himmel und auf Erden? Das ist, was man von Gott unbedingt wissen muss.

Ich möchte drei Dinge sagen. Nächsten Sonntag geht es dann weiter.

Gottes Unerreichbarkeit in seiner Majestät

Erstens: Dieses Wort sagt, dass Gott für uns unerreichbar ist.

„Gott ist für uns unerreichbar. O ist ein Herr wie unser Gott, der sich so hoch gesetzt hat.“ Der Psalmist möchte damit ausdrücken, dass Gott für uns unerreichbar ist. Dabei muss ich gleich erklären: Mit „hoch“ ist nicht der Raum gemeint. Es ist nicht räumlich zu verstehen, als ob Gott 780 Kilometer über unseren Köpfen wäre. Das denken ja manche, wie zum Beispiel die Russen, die meinen, sie könnten Gott „wegschießen“, indem sie oben im Himmel ihre Spuren hinterlassen. Davon ist jedoch keine Rede.

Die Bibel sagt ja, Gott ist nicht fern von einem jeglichen unter uns. Ich muss einmal so sagen: Die Bibel denkt nicht wie die moderne Naturwissenschaft in Dimensionen. Wir leben in einer dreidimensionalen Welt, und es gibt mehr Dimensionen, das weiß heute die Naturwissenschaft. Hat die Bibel das vor dreitausend Jahren gewusst? Das ist gerade so erstaunlich. Wie das, was uns die moderne Naturwissenschaft heute sagt, begegnet uns in der Bibel – das Denken in Dimensionen ist heute ganz nah bei einer anderen Dimension.

Meine Freunde, wenn hier steht, dass Gott sich hochgesetzt hat, ist das nicht räumlich gemeint, sondern rangmäßig. Ich möchte ein Beispiel geben: Stellen Sie sich vor, da ist ein kleiner Mann von der Straße, ein einfacher Mann, der großen Ärger hat. Er sagt: „Jetzt beschwere ich mich beim Minister.“ Das wäre gelacht! Er reist nach Bonn. Glauben Sie, dass er den Minister trifft? Keine Rede. Im allerbesten Fall trifft er einen Staatssekretär. Im allerbesten Fall kommt er nach Hause, und sein Freund sagt zu ihm: „Ja, heißt der Minister, der steht für dich zu hoch.“ So ist es gemeint. Der lebendige Gott steht für uns so hoch, dass wir ihn nicht erreichen können.

Der Herr, unser Gott, hat sich so hoch gesetzt. Das ist also nicht räumlich gemeint, sondern rangmäßig. Hier ist die Rede von Gottes Majestät, Pracht, Herrlichkeit und Macht. Das muss ich ein bisschen ausführen: Gott steht für uns zu hoch, er steht zum Beispiel über unserer Kritik.

Millionen Menschen haben in den letzten Kriegstagen und in der Nachkriegszeit gemutmaßt, wie Gott all den Jammer zulassen kann. Erinnern Sie sich? Diese Frage hat die Menschen höchstens in Verlegenheit gebracht, aber nicht Gott. Er steht da drüben. Wenn ich das begriffen habe, habe ich gelacht, wenn Sie mich gefragt hätten. Gott steht über unserer Kritik und wird die ganze Mischpoke brüllen lassen, was ein Sieg außer Steigen nicht braucht.

Aber manchmal muss ich denken, wenn ich die Zeitung lese: Die menschlich üble Mischpoke, die die ganze Welt rebellieren lässt, wie kann Gott das zulassen? Es rührt mich an die Stufen seines Trauers. Er steht über unserer Kritik, hoch gesetzt wie eine Brust und ein Herold.

Er steht auch, meine Freunde, über allen weltanschaulichen Revolutionen. Ob man eine Weltanschauung hat, in der Gott also geleugnet wird, wie im Osten, oder ob man eine Weltanschauung hat, in der Gott zum Popanz gemacht wird, wie im Westen – das berührt Gott nicht. Der Osten und der Westen können tun, als ob es Gott gar nicht mehr gäbe. Der Mensch macht ihn nur lächerlich. Wie heißt es in der Bibel? „Der im Himmel sitzt, lacht.“ Sehen Sie, Gott steht über diesem ganzen weltanschaulichen Getöse. Er steht darüber.

Gott steht auch – er hat sich so hoch gesetzt – über jeder Spekulation. Oh, was haben sich die Menschen den Kopf zerbrochen über Gott! Ganze theologische Fakultäten sind beinahe daran zerbrochen, sie haben den Kopf zerbrochen. Gott steht über unseren Spekulationen. Wir können uns über Gott ausdenken, was wir wollen, es erreicht ihn nicht.

Wie sagt er? Wir haben es eben gehört: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege. So hoch der Himmel über der Erde ist, so sind meine Gedanken über eure Gedanken und meine Wege über eure Wege.“ Unsere ganze Spekulation erreicht ihn nicht. Gott steht über der Natur.

Sehen Sie, mein großer Landsmann Goethe würde sein Leben lang darauf stolz sein. Na ja, man will es nicht in der Kapperei, wie kein Mensch aus Frankfurt sei. Er hat gesagt, mein großer Landsmann Goethe hat mit wunderschönen Worten im Faust dargelegt, wie Gott das All durchdringt und wie das All Gott ist. Das ist nicht ganz eindeutig, nicht wahr, aber jedenfalls ist Gott das All und das All ist Gott.

Und der deutsche Bürger hat geglaubt und gesagt: „Ich gehe in den grünen Wald und finde Gott im All.“ Er ahnt nicht, dass er nichts findet als grüne Bäume und sich selbst. Aber er meint, das wäre dann Gott gewesen, wie man sich ja immer einbildet, man wäre der liebe Gott selbst. Nein, Gott steht über der Natur.

Wo steht es hier? „Wer ist der Herr, unser Gott, der sich so hoch gesetzt hat?“ Er steht über all dem. Er ist für uns unerreichbar.

Und nun möchte ich doch mal aussprechen: Ich bin so froh, dass es so ist. Ich möchte nicht, wenn ich schon Gott diene, einem Kirchenführer dienen. Ich habe auch an das Dritte Reich gedacht, wenn die Leute ihr Leben geben mussten und dem Führer gehörten. Es muss bitter sein, so einem kleinen Ansprecher zu gehören.

Es muss bitter sein. Ich bin froh, dass ich einen großen Gott habe, dem ich gehören kann, der über all dem steht, was Menschen reden – weit darüber. Ich bin froh, dass ich einen Gott habe, der so majestätisch, so gewollt, so groß, so herrlich ist. Ihn umgibt das Lob der himmlischen Heerscharen, und in dieses Lob mischt sich das Singen der Kinder Gottes: „Heilig, heilig“ – zur Ehre aller Engel volle Chöre. Herr, vernehme unsere Stimme, da auch wir Geringen unsere Opfer bringen.

Das ist das Erste, was ich Ihnen zeigen musste. Wir sprachen über das Thema, was man unbedingt von Gott wissen muss, und ich sage: Das Erste ist dies – Gott ist für uns unerreichbar. Er steht über unserer Kritik, über unserer Weltanschauung, über unserer Spekulation, über der Natur. Jetzt ist er für uns unerreichbar groß, herrlich, majestätisch und unendlich mächtig.

Gottes Erreichbarkeit für den Menschen

Jetzt kommt das Zweite, was man von Gott unbedingt wissen muss: Gott ist für uns unerreichbar, sagte ich, aber wir sind für ihn erreichbar. Das ist das Zweite, was man wissen muss. Wir sind für Gott immer und jederzeit erreichbar.

Das will der Psalm uns sagen. Er schaut auf das Niedrige im Himmel und auf Ehren. Sehen Sie, meine Hand kann Gott nicht ergreifen, mein Auge kann mich sehen, aber sein Auge sieht mich, und seine Hand ist über mir. Wir sind für Gott jederzeit und überall erreichbar. Ich möchte, dass das klar ist.

Sehen Sie, wenn heute ein Raumschiff zum Mond käme – und uns wird ja jedes Jahr gesagt, dass es bald so weit ist, seit etwa fünf Jahren – nehmen wir an, es käme tatsächlich. Dann würde es uns genau erzählen, wie es auf dem Mond aussieht, wie der Mondbewohner herumläuft und wie er aussieht. Das wäre natürlich eine große und aufregende Entdeckung.

Aber ich will nur sagen: Es ist eine viel, viel aufregendere Entdeckung, wenn unser Herz begreift, dass ich immer und überall für Gott erreichbar bin. Das Merkwürdige ist, dass ich das hören und intellektuell aufnehmen kann, es aber doch nicht wirklich entdecke. Das ist das Merkwürdige.

Wenn ich es richtig entdecke, bin ich überall und immer für Gott erreichbar. Das ist eine das Leben umwälzende Entdeckung. Es gibt einen Mann in der Bibel, der diese Entdeckung gemacht hat, die ihn erschütterte, und der dazu einen Psalm gedichtet hat. Er heißt so:

„Wo soll ich hingehen vor deinem Geist, und wo soll ich hinfliegen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, dann bist du da. Mache ich mir ein Bett in der Hölle, siehe, dann bist du auch da. Nehme ich Flügel der Morgenröte, bliebe am äußersten Meer, dann wird deine Hand nach mir greifen. Spräche ich, Finsternis möge mich einhüllen, dann ist vor deinen Augen die dickste Finsternis ganzlich heller Tag.“

Nicht nur aus den Worten spüren wir die Erschütterung dieser Entdeckung. Der Mann hat mit dem Herzen entdeckt: Ich bin überall und jederzeit für Gott erreichbar. Sein Auge sieht mich, seine Hand schwebt über mir. Eine tolle Situation!

Und das muss man wissen: Die ganze Welt läuft verkehrt, weil sie das nicht weiß. Weil sie nicht weiß, dass wir Gott nicht „backen“ können, sondern dass er uns „backen“ kann.

Sehen Sie, die Bibel ist voll mit Geschichten von Leuten, die das erlebt haben. In unserem Jugendkreis erzähle ich sonntagnachmittags die ganze Bibel durch. Gerade sind wir bei den Geschichten von Josef. Da hat uns besonders die Geschichte von Josefs Brüdern beeindruckt.

Ich nehme zwar an, dass 50 von Ihnen die Geschichte nicht kennen, aber ich will sie kurz erzählen. Die Brüder Josefs waren überzeugt, dass sie nach ihres Herzens Willen leben konnten. Es sind ja Dinge passiert, die man vor Gott nicht verantworten kann – der Bruder wurde ja eigentlich umgebracht und so weiter.

Aber warum auch nicht? Im Übrigen ist Gras darüber gewachsen. Das waren Jugendstreiche, sie sind jetzt gestandene Männer. Ach, ihr lieben Männer, wer erinnert sich denn nicht an die Sünden der Jugend?

Dann kommt ein Augenblick, wo auf einmal ihr Weg zu Ende ist, wohin alle Wege verzäunt sind. Es ist, als wenn der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Und da ist eine atemberaubende Stille in der Bibel. Dann sagt einer für alle:

„Gott hat unsere Missetat gefunden.“

Unerhörte Furcht! Die ganze Zeit hatte er zugesehen, gewacht, achtgegeben, ob wir nicht Buße tun wollen, die Hand einen Zentimeter über uns gab, und wir haben weitergemacht. Und jetzt greift die Hand zu. Und das war nicht vor dreitausend Jahren, sondern heute genau so.

Spüren Sie die Hand Gottes einen Zentimeter über sich und seine Augen auf sich gerichtet? Gott ist für uns erreichbar. Diese närrische Welt, die tut so, als wäre es anders. Sie wird es schon noch einsehen.

Sehen Sie, da gibt es eine andere Geschichte, in der die tröstliche Seite dieser Wahrheit offenbar wird: die Geschichte von Hagar, dieser armen Frau, die mit ihrem Kind durch die Wüste läuft und sich verirrt hat. Der Wasserschlauch ist leer, sie weiß keinen Weg, ringsum diese flimmernde Wüste.

Da bricht das Kind zusammen, und sie legt es – das heißt, sie wirft es – unter einen Strauch, wo ein wenig Schatten ist. Dann geht sie weg und sagt: „Ich kann nicht zusehen, wie das Kind stirbt.“

Die Bibel erzählt erschütternd: Sie geht weg, doch die Mutter kann nicht weg vom Sterben ihres Kindes. So setzt sie sich einen Steinwurf weit davon, bleibt aber da, geht doch weg und sitzt da und erwartet das Sterben des Kindes und ihr eigenes Sterben – eine verlassene Frau, ein verlassenes Menschenkind.

Da ruft eine Stimme: „Hagar!“ Sie schaut sich um. Wer ist denn da? Niemals – stille Wüste – „Hagar!“ Und da begreift sie: Er ist da, der auf das Niedrige sieht, im Himmel und auf Erden. Ich bin für ihn erreichbar in der Einsamkeit der Wüste. Ich laufe seiner Fürsorge nicht weg, kann ich gar nicht.

Es gibt kein Land, in das ich vor Gott emigrieren könnte. Wir sind für Gott erreichbar, und seine Hand schwebt über uns, und sein Auge sieht uns.

Und wenn wir es nicht glauben, dann sagt die Bibel: Du wirst es einmal einsehen, nämlich dann, wenn du von den Toten auferstehst am Jüngsten Tag und auf seinem Thron stehst. Da wird jeder merken, dass es kein Land gab, in das ich vor Gott emigrieren konnte. Wir landen alle vor seinem Angesicht. Wir sind für Gott erreichbar.

Zierstigen hat Recht: „Du durchdringst alles, du durchdringst alles.“

Gottes Erreichbarkeit durch Jesus Christus

Und meine Freunde, noch ein drittes: Haben Sie die zwei Sätze mitgenommen? Gott ist für uns nicht erreichbar. Wir sind für Gott erreichbar.

Wenn wir den Text jetzt ganz genau lesen, entdecken wir merkwürdigerweise, dass er uns etwas Drittes sagen will. Und das Dritte ist jetzt das Wichtigste: Und doch will dieser ferne Gott für uns erreichbar werden! Und doch will dieser ferne Gott für uns erreichbar werden!

Sehen Sie, wie es hier steht: Wer ist wieder Herr, der sich so hochgesetzt hat? Und dann kommt auf einmal etwas, was logisch gar nicht passt: Wer ist wieder Herr? Unser Gott.

In dem Wörtchen „unser“ steckt, meine lieben Freunde, dass mir etwas gehört – und das ist für mich erreichbar. Unser Auto ist nicht irgendwo in Madagaskar, sondern ein Ding, das ich anfassen kann und mit dem ich losfahren kann. Unsere Wohnung ist nicht eine Wohnung in Honolulu, sondern die Wohnung, in die wir aufschließen und hineingehen können. Und wenn jemand reinkommt, will man ihn rausschmeißen. Unser – das ist, was wir in Händen halten.

Verstehen Sie, was hier Unerhörtes gesagt wird? Wäre Gott so hoch und unerreichbar wie der Herr, dann wäre er nicht „unser Gott“ geworden. Aber gegen alle Vernunft ist er für uns erreichbar geworden. Ist Gott doch erreichbar? Ja, wie?

Meine Freunde, das ganze Zeugnis der Bibel spricht davon: in Jesus, in Jesus. Wenn mich jemand fragt, wie der 113. Psalm davon schon reden kann, sage ich: Hier reden Propheten, voll heiligen Geistes, das ganze Alte Testament ist voll Zeugnis von Jesus. In Jesus ist Gott für uns erreichbar, in Jesus!

Es ist kein Blödsinn, wenn wir hier immer von Jesus sprechen. Nur in Jesus wird Gott für uns erreichbar. Wenn ich Jesus anrufe, greife ich nach dem Herzen Gottes. Wenn ich zu Jesus gehöre, dann bin ich eingehüllt in den Frieden Gottes, der vorher so fern war.

Als der Herr Jesus am Kreuz starb – ich kann nicht anders, als in jeder Predigt dieses Bild vor euch zu stellen: Der Sohn Gottes stirbt mit der Dornenkrone auf dem Haupt. Als er dort stirbt, schafft er eine Versöhnung zwischen uns Sündern und dem lebendigen Gott.

Bei Jesus gibt es Vergebung der Sünden, die unsere Vergangenheit auslöscht. Und wir dürfen im Glauben in diese Versöhnung hineingehen. Wenn wir im Glauben an diese Versöhnung stehen, dann ist der große, ferne und majestätische Gott ganz nah – so nah wie…

Lassen Sie mich ein Beispiel bringen. Jetzt lachen mich die Jungs aus, aber es ist so: Seit einiger Zeit bin ich Großvater, ein komisches Gefühl. Und er besucht mich, der Großvater. Der Jugendpfarrer ist es mir ja der Zeit, dass ich abdanke. Vor ein paar Tagen besuchte mich eine Tochter mit ihrem Baby, so ein ganz kleines Baby.

Na, wie das so geht, nicht wahr? Die anderen Töchter nehmen das Baby in den Arm und lesen ihm vor. Für so ein Kind offenbar schrecklich aufregend. Jedenfalls fängt das Baby plötzlich an zu brüllen, man sieht nichts mehr als einen aufgerissenen Mund – voller Schreien.

Dann kam die Mutter, legte das Baby in ihren Arm – weiter nichts. Eine kleine Geste. Und ich muss sagen, sie hat mich in dem Moment erschüttert.

Verzeihen Sie, es klingt vielleicht sentimental: Mutterarme, Mutterarme. Völlig anders als alles andere für dieses Kind. Die Mutter umschlingt es mit ihren Armen.

Und die Bibel braucht genau dieses Bild als Beispiel, um deutlich zu machen, was es heißt, durch Jesus mit Gott versöhnt zu sein: eingeschlossen in die Arme Gottes, geborgen in Gott, der ferne Gott, unerreichbar für die ganze Welt – und ich bin in seinen Armen geborgen.

Liebe Leute, Kind Gottes zu sein ist eine ganz große Sache, von der die Welt nichts ahnt. Für sie ist Gott so fern wie möglich. Aber eingeschlossen sein in seine Arme – darum darf ich es wagen zu sagen: In Jesus breitet Gott seine Arme nach uns aus, durch die durchbohrten Hände nach uns allen.

Ich wünsche uns, dass wir davon nicht nur hören und doch verloren sind, sondern dass wir darin geborgen sind – als Kinder Gottes in Zeit und Ewigkeit.

Schlussgebet

Wir wollen beten:

Herr, unser Heiland, wir danken dir, dass du dein Volk das Geheimnis deines Bundes wissen lässt.

Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden.

Gib uns heute unser tägliches Brot und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.