
Erwählt und vorherbestimmt
Auserwählt, verwandelt, sicher: Wie macht Gott dich Jesus ähnlich?
Römer 8,28-2915.03.2026
Serie•Teil 39 / 48Wir betrachten den Römerbrief
Generierte Mitschrift
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Einleitung und Hinführung zum Predigttext
Schönen guten Morgen, liebe Gemeinde!
Heute haben wir schon sehr viele Familienangelegenheiten erwähnt. Es ist schön, dass wir als Arche auch solche Feierlichkeiten haben: Geburten, Verlobungen, Hochzeiten und Segnungen von Silberpaaren. Aber im Mittelpunkt unseres Gemeindelebens steht das Wort Gottes, Jesus Christus selbst.
Wir wollen heute im Römerbrief weitermachen, und wir haben einen Vers vor uns, nämlich Römer 8,29. Wenn wir noch einmal aufstehen zur Textlese, dann drücken wir damit unseren Respekt vor dem Wort Gottes aus.
Römer 8,29:
Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Amen.
Nehmt gerne Platz.
Wir haben am letzten Sonntag den 28. Vers aus Kapitel 8 angesehen. Dieser Vers lehrt uns, dass einem Christen alle Dinge zum Besten dienen. Wir erinnern uns: Auch wenn wir das Durcheinander in unserem Leben nicht immer verstehen und nachvollziehen können, wissen wir doch, die wir zu Gott gehören, dass der Herr keine Fehler macht. Gott weiß, was er tut. Alles wirkt zum Guten im Leben des Gläubigen. Denn in Vers 28 heißt es: Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind.
Paulus schreibt: Wir wissen aber. Die Frage ist: Wie kann der Apostel sich dessen so gewiss sein, dass in deinem Leben alles dir zum Besten dient? Ist das nicht eine kühne Behauptung, aus der Ferne aufgestellt? Woher weiß der Apostel, dass das so ist?
Die Antwort darauf gibt uns unser Predigttext, Vers 29. Denn hier kommt die Begründung: Die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
Alles muss dir zum Besten dienen, weil Gott vor Ewigkeiten in seiner großen Liebe beschlossen hat, dich zu erlösen und zum Ziel gesetzt hat, dich Jesus Christus ähnlicher zu machen. Die nach Gottes Vorsatz Berufenen in Vers 28 sind dazu bestimmt, dem Bild Christi gleich zu sein, Vers 29.
Die erste Hälfte der Heilsordnung: Erwählung und Vorherbestimmung
Hier in diesem Vers haben wir die ersten zwei Glieder der sogenannten Kette der Erlösung, die auch manchmal die goldene Kette des Heils genannt wird. Zusammen mit Vers 30, dem nachfolgenden Vers, ergeben sich fünf Glieder in dieser Kette. Noch einmal Vers 29 und 30: Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch, Glied Nummer zwei, vorherbestimmt; die er aber, Vers 30, vorherbestimmt hat, die hat er auch berufen; die er berufen hat, die hat er auch viertens gerechtfertigt; die er aber gerechtfertigt hat, die hat er fünftens auch verherrlicht. Siehst du, eine Kette, fünf Glieder.
Gott hat erwählt, vorherbestimmt, berufen, gerechtfertigt und verherrlicht. Diese Kette deiner Erlösung nimmt ihren Anfang vor Ewigkeiten und sie reicht bis in alle Ewigkeit. Das heißt: Deine Erlösung, deine Rettung, dein Heil als Kind Gottes ist nicht eine Sache von einer Zeitspanne, die nur dein Leben währt, sondern deine Erlösung hat ihren Ursprung in der ewigen Vergangenheit und sie reicht bis in die ewige Zukunft.
Heute wollen wir uns die ersten beiden Glieder dieser Kette des Heils anschauen, Vers 28 und 29. Erstens sehen wir hier, dass wir als Kinder Gottes von Gott ersehen sind. So beginnt der Apostel diesen Vers: Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt. Die Luther-Übersetzung drückt es so aus: Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt.
Nun, was heißt es, von Gott ersehen oder ausersehen zu sein? Vom norwegischen Schachspieler Magnus Karlsson heißt es, der ja auch Weltmeister ist. Ist er noch oder war er es? Er ist nicht mehr, er war mal. Ja, er ist ein schlauer Schachspieler, danke, ein sehr schlauer Schachspieler. Von ihm heißt es, das musst du dir mal vorstellen, dass er in einer Partie, die er spielt, 15 bis 20 Züge im Voraus sehen kann. Ich weiß nicht, wer von euch Schach spielt. Ich kann meistens nicht einmal einen Zug im Voraus sehen und habe keine Ahnung, was dann passiert. Er kann bis zu zwanzig Züge im Voraus sehen. Das bedeutet, dass er mehrere Figuren auf dem Schachbrett im Blick hat und antizipiert, was passiert, wenn er diesen einen Zug macht, was dann der Gegner macht, was er dann machen könnte, was der Gegner macht und wie es hier zwanzigmal verästelt. Und das beziehen wir auf alle Figuren auf dem Feld. Da ist die KI gar nichts gegen.
Gottes Erkennen ist mehr als bloßes Vorauswissen
Manchmal stellen wir uns Gott wie einen Schachspieler vor, der alle möglichen Züge auf dem Brett des Lebens kennt und das Brett des Weltgeschehens im Voraus überblicken kann. Und auch wenn es um dein persönliches Leben geht, denkst du vielleicht: Na ja, Gott sieht das in dieser Weise wie Magnus Carlsen voraus.
Natürlich, damit ich nicht falsch verstanden werde: Wir haben es am letzten Sonntag wunderbar gehört. Gott weiß alle Dinge, Amen! Er hat sogar deine Haare auf dem Kopf gezählt, Amen! Halleluja! Nicht eines fällt herunter, ohne dass Gott es nicht wüsste und auch bestimmt hätte.
Doch bedeutet das, dass wir von Gott ausersehen sind bezüglich unserer Errettung, dass Gott lediglich den Tag voraussah, wie manche meinen, an dem du auf das Evangelium mit Glauben reagierst? Manche sagen, Gott habe wie der Schachspieler vorausgesehen, dass der Tag kommt, an dem du dich für ihn entscheidest. Und als er das sah, hat er dich erwählt. Hier heißt es doch schließlich so: Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt.
Sah Gott also vor Grundlegung der Welt im Voraus deinen Glauben? Und weil er deinen Glauben sah, hat er dich deswegen vorherbestimmt? Einige schütteln den Kopf, andere sagen: Ja, weiß nicht so genau. Eine solche Deutung, und das möchte ich heute Morgen versuchen, uns klarzumachen, ist aus verschiedenen Gründen vollkommen ausgeschlossen.
Erstens, weil selbst der Glaube ein Geschenk Gottes ist. Wenn Gott uns erwählt hätte, weil er voraussah, dass wir uns eines Tages für ihn entscheiden würden, dann läge der Grund deiner Errettung in dir selbst. Denn der bestimmende Faktor für die Erwählung Gottes läge dann bei dir. Du hast dich ja schließlich entschieden, und das hat Gott vorausgesehen. Wir würden dann Gott etwas liefern, das für ihn einen solchen Wert hätte, dass er sagt: Den will ich haben, die will ich haben.
Der Glaube wäre dann ein Werk, wogegen sich der Apostel Paulus, wenn wir aufmerksam die letzten Monate zugehört haben, vehement wendet. Der Glaube ist kein Werk, denn die Bibel lehrt, dass selbst unser Glaube ohne Gottes Wirken nicht möglich ist. Wir können nicht glauben, niemand kann glauben, es sei denn, es ist ihm von Gott geschenkt. Unser Glaube ist nur möglich, weil Gott ihn in unser Herz gegeben hat.
Paulus schreibt den Philippern in Kapitel 1, Vers 29: Denn euch wurde, was Christus betrifft, die Gnade verliehen, nicht nur zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden. Anders ausgedrückt: Euch wurde, was Christus betrifft, die Gnade verliehen, an ihn zu glauben.
Hören wir diesen Sound? Es ist Gnade, dass du glaubst. Es ist nur Gnade, dass du glaubst. Jesus sagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn der Vater zieht, der mich gesandt hat.
Warum das Ersehen Gottes Liebe und Zuwendung meint
Wenn also der Glaube Voraussetzung unserer Erwählung wäre, den Gott schon vor Grundlegung der Zeit gesehen hat, dann ginge die Erwählung ja doch von Gott aus. Verstehst du das? Weil der Glaube, den er sieht, ja von ihm kam. Verstehst du?
Es ist daher nicht richtig zu meinen, der Herr habe unseren Glauben im Voraus entdeckt und als Reaktion darauf uns zur Rettung bestimmt. Denn unser Glaube, den er entdeckt hätte, wäre nur möglich, weil er ihn uns zuvor geschenkt hat. Ich glaube, deswegen ist es auch, lass mich es so ausdrücken, überheblich zu sagen: Gott hat mich vorherbestimmt, weil er bereits vor langem sah, dass ich mich für ihn entscheiden würde.
Wenn wir so denken, dann stellt uns die Bibel folgende Frage: Wer gibt dir den Vorzug, und was besitzt du, dass du nicht empfangen hast? Verstehen wir das? Der Glaube ist empfangen. Deine Erlösung steht und fällt nicht mit deiner Entscheidung, die du irgendwann einmal getroffen hast. Natürlich entscheiden wir uns, Christus zu folgen, aber ich kann mich nur dann entscheiden, wenn Gott zuvor mich mit Gnade überschüttet hat, weil er mich vor Grundlegung der Welt bestimmt hat zum ewigen Heil.
Der Glaube ist ein Geschenk, Epheser 2: Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch; Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Deswegen kann unsere Erwählung nicht auf dem Glauben basieren, den Gott vor langer Zeit in uns gesehen hat. Das ist der erste Grund, warum das ausgeschlossen ist.
Ein zweiter Grund liegt im Wesen der Ausersehung, im Ersehen Gottes, wie es hier in unserem Vers ja heißt. Wir schauen noch einmal hinein: Vers 29, denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt. Das Ersehen Gottes beinhaltet sein aktives Wohlgefallen.
Das Bild des Schachspielers, der viele Züge im Voraus sehen kann, ist im Hinblick auf unsere Errettung fehl am Platz. Denn es vermittelt den Eindruck, als wäre Gott hinsichtlich unserer Erlösung ein kühler Stratege. Doch wenn es um die Erwählung zum ewigen Leben geht, wenn es um dein und mein Heil geht, wenn es um die Frage geht, wo werde ich die Ewigkeit verbringen, haben wir es nicht mit einem kalten, kalkulierenden Strategen namens Gott zu tun. Die Rolle, die er spielt, ist von großer Liebe getrieben.
Biblisches Erkennen als Ausdruck von Liebe in der Heilsgeschichte
Das heißt in Vers 29: Denn die er zuvor ersehen hat. Die Elberfelder übersetzt es etwas genauer: Denn die er vorher erkannt hat, die hat er auch vorherbestimmt.
Wenn die Bibel davon spricht, dass Gott einen Menschen kennt oder erkennt, dann bedeutet das mehr als nur ein Vorhersehen eines Tages, an dem der Mensch irgendetwas getan hat. Es bedeutet, dass Gott eine besondere Liebe auf eine Person richtet und sie zur Rettung erwählt.
Das ist eine typische Verwendung dieses Wortes auch im Alten Testament. Schon Israel hat er aus allen Völkern ersehen, dasselbe Wort. Amos 3,2: Nur euch habe ich erkannt von allen Geschlechtern der Erde. Auch hier übersetzt Luther: Aus allen Geschlechtern auf Erden habe allein ich euch erkannt.
Erschauen, erkennen wie ein Schachspieler, der sieht, wie sich Israel verhalten wird, und aufgrund des Verhaltens Israels hat er sie ersehen und erkannt? Was hat er gesehen? Was hätte er gesehen, wenn er danach gehandelt hätte? Abkehr von Gott, Götzendienst, goldenes Kalb, Ablehnung Gottes. Das war nicht der Grund der Erwählung Gottes Israel gegenüber, sondern 5. Mose 7: Dich hat der Herr, dein Gott, aus allen Völkern erwählt, die auf Erden sind, damit du ein Volk des Eigentums für ihn seist. Nicht deshalb, weil ihr zahlreicher wärt als alle Völker, hat der Herr sein Herz euch zugewandt und euch erwählt, denn ihr seid das Geringste unter allen Völkern, sondern weil der Herr euch liebte.
Weil der Herr euch liebte. Deswegen hat er euch ersehen, deswegen hat er euch erkannt.
Die Voraussicht Gottes, das Ersehen in Amos 3, ist also sein aktives Wohlgefallen, motiviert aus seiner Liebe zu Menschen, die noch geboren werden, die noch geformt werden. Und so ist es auch mit dir. Seine Erwählung vor Grundlegung der Welt basiert nicht auf irgendeiner Glaubensleistung, die du später irgendwann erfüllen würdest, sondern darauf, dass er dich liebt. Ich habe dich je und je geliebt und habe dich zu mir gerufen, gezogen aus lauter Güte.
So war es auch bei Abraham. Über ihn sagt Gott: Denn ich habe ihn ersehen, dass er seinen Kindern und seinem Haus nach ihm gebiete, den Weg des Herrn zu bewahren. War Abraham so wunderbar in sich selbst? Nein, Gott hat ihn aktiv erwählt und mit seiner Liebe überschüttet.
Wie es in Nehemia 9,7 heißt, wird das Ersehen aus 1. Mose 18 zur Erwählung in Nehemia 9: Du, Herr, bist der Gott, der Abraham erwählt und aus Ur in Chaldäa herausgeführt und mit dem Namen Abraham benannt hat.
Auch Jeremias Berufung war nicht das Ergebnis eines strategischen Kalküls, eines Schachspielers, sondern eine liebevolle Zuneigung Gottes. Hör mal, wie sich das anhört, Jeremia 1,5: Ehe ich dich im Mutterleib bildete, habe ich dich erkannt, und bevor du aus dem Mutterschoß hervorkommst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt.
Das ist keine kühle Strategie. Jeremia, ich liebte dich schon im Leib deiner Mutter.
Und so ist es, wenn Jesus über seine Kinder sagt, dass er sie kennt: Ich bin der gute Hirte, und ich kenne die Meinen, und ich bin den Meinen bekannt, gleich wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne; und ich lasse mein Leben für die Schafe.
Hier haben wir dieses persönliche Kennen, die er zuvor ersehen hat, die er zuvor erkannt hat. Das sind die, auf die er seine Liebe gesetzt hat. Das heißt, er hat uns, oh Wunder über Wunder, im Voraus geliebt, bevor überhaupt ein Tag in deinem Leben von dir gelebt wurde. Sehen wir?
Die Kette deiner Erlösung fängt nicht an dem Tag an, an dem du mit Glauben auf die Nachricht des Evangeliums reagiert hast, sehen wir das, sondern sie fängt schon vor Ewigkeiten an. Gott hat dich ersehen, Gott hat dich erkannt, Gott hat dich geliebt, Gott hat dich erwählt, Gott hat dich bestimmt, dass du sein Kind wirst. Halleluja!
Das Ziel der Vorherbestimmung: Christusähnlichkeit und Wiederherstellung
Dritter Grund, warum es nicht sein kann, dass Gott etwas voraussah, was wir eines Tages durch Glauben leisten würden, liegt in der Grammatik des Verses verankert, und zwar im Gegenstand seiner Zuneigung. Darauf lasst uns noch kurz achten.
Was ist denn hier der Gegenstand seines Ersehens, seines Vorherwissens oder seines Erkennens? Was ist das Objekt, auf das sich dieser Vers oder sein Wissen bezieht? Sind es meine zukünftigen Entscheidungen? Nein, kein Wort steht da von deinen zukünftigen Entscheidungen.
Was sagt der Text? Nicht, dass Gott lediglich im Voraus die zukünftigen Handlungen oder Entscheidungen kannte, die ich zu gegebener Zeit frei treffen würde. Der Text sagt, dass Gott mich im Voraus kannte, mich ersehen hat. Er kannte dich im Voraus. Nicht deine Handlungen, nicht das, was du tun oder wählen oder denken oder sagen würdest, sondern er sah dich selbst.
So steht es da im Text: Denn die, das bist du, der du an Christus glaubst, denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt. Es ist kein vorausgesehenes Verhalten. Das steht nicht im Text, sondern eine vorher geliebte Person ist hier gemeint. Und das ist ja auch, was Paulus im gesamten Kontext hier beschreibt.
Wenige Verse vorher erklärt er, wir sind Söhne Gottes. Könnt ihr euch erinnern? In Vers 15 heißt es: Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch wiederum fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, indem wir rufen: Aber Vater.
Hier haben wir den Vater, der uns vor Grundlegung der Welt geliebt hat und seine Liebe auf uns gesetzt hat. Er hat gesagt: Ich ersehe dich, ich erkenne dich, ich erwähle dich, dass du mein Kind sein sollst. Gelobt sei der Name des Herrn. Und deswegen lieben wir ihn nicht, weil wir ihn zuerst geliebt haben, sondern weil er uns zuerst geliebt hat. Amen.
Das ist das erste Glied der Kette der Erlösung. Und nun kommt das zweite Glied der Kette des Heils, und das ist: von Gott vorherbestimmt. Noch einmal Vers 29: Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden.
Was wir hier lernen, ist, dass Gott ein Ziel mit uns hat, eine Bestimmung. Und was ist das Ziel? Wir sollen werden wie Jesus. Damit ist nicht gemeint, dass wir göttlich werden, wie er es ist, sondern dass wir ihm in seinen wesentlichen Eigenschaften ähnlich werden. Dass wir in den Eigenschaften, die er besitzt, zunehmen: in der Liebe, in der Freude, im Frieden, in der Heiligkeit, in der Weisheit, in der Geduld, in der Gnade, in der Freundlichkeit, in der Güte, im Mitgefühl, in der Treue, in der Barmherzigkeit und, und, und.
Das ist Gottes Ziel mit uns. Wir sollen dem Bild des Sohnes gleichgestaltet werden.
Unterwegs mit einem festen Ziel: Gottes Führung auf dem Weg
Nun geht es dir vermutlich so wie mir, wenn ich eine Reise mache an einen Ort, an dem ich persönlich noch nicht war, von dem ich aber die Adresse kenne. Was mache ich dann? Ich tippe sie bei Google Maps ein, oder bei Apple Karten, oder bei TomTom, oder wie auch immer. Du tippst die Adresse ein, stimmt’s? Wer von euch benutzt noch ausgedruckte Landkarten? Ja, guck mal, Ira, das ist stark, Ira, an dieser Stelle.
Gewöhnlich tippen wir inzwischen das Ziel in unser Navigationsgerät oder in unser Handy ein. Wenn du also eine Reise antrittst und die Strecke planst, dann beginnst du mit dem Ziel im Sinn. Du kennst die Adresse und weißt, wohin du steuern willst. Du fragst dich nur, wie du dorthin kommst.
Wir haben gesehen, dass das erste Glied in der Kette der Erlösung Gottes Haltung zu uns ausdrückt. Wir sind nicht irgendwelche Figuren, deren Bewegung er auf dem Schachbrett vorausahnt oder voraussieht. Nein, er liebt uns, er kennt uns, und er hat uns aus Gründen, die für uns unergründlich sind, aus Gnade und Liebe erwählt.
Das zweite Wort der Kette, vorherbestimmt, drückt aus, was Gott nun mit uns vorhat. Es beschreibt das Ziel, die Adresse, wohin es auf deiner Reise geht. Und das Ziel ist, wie Jesus zu werden. Das ist das Ziel.
Und hier, lieber Bruder und liebe Schwester, liegt der unermessliche Trost. Nämlich zu wissen, dass Gott selbst den Weg zu diesem Ziel bestens kennt. Er weiß um jede Weggabelung, die in deinem Leben notwendig ist, um das Ziel zu erreichen. Er kennt jeden Abzweig, der dir begegnet, vor dem du stehst und nicht weißt, in welche Richtung du gehen sollst.
Er kennt die Hügel, die Zeiten, in denen die Sonne über dir scheint und du jubelnd nach vorne läufst. Aber er weiß auch um die Täler. Er weiß das Ziel, und er weiß den Weg, den er dich führen muss und den er bestimmt hat, damit du das Ziel erreichst. Er weiß um die Unwetter auf deinem Weg. Er weiß um die Feldwege mit ihren Schlaglöchern. Und ihm sind auch die asphaltierten Autobahnen bekannt. Er weiß, wie er dich an das Ziel führt: zu sein wie Jesus. Das ist das Ziel.
Wir haben gesehen: Sein Antrieb ist Liebe. Er kennt dich, er liebt dich, obwohl er dich kennt. Und das Ziel steht seit Ewigkeiten fest. Das Ziel bestimmt die Route, auf die er uns führt. Das Ziel ist, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden.
Das wiederhergestellte Bild und die Ehre Christi als letzter Zweck
Das ist das Ziel: Ziel ist, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden. Wenn wir das Wort Ebenbild lesen, dann werden wir an die Schöpfung erinnert. Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie. So waren wir im Paradies angelegt. So, wie wir waren, ohne Sünde, vollkommen, spiegelten wir Gott in seinem Bild wider.
Aber dann kam die Sünde, und die Ebenbildlichkeit ist verloren gegangen. Wir sind entstellt, die Ebenbildlichkeit ist zerstört. Doch weil Gott seine Liebe auf uns gerichtet hat, uns erwählt, ausersehen und erkannt hat, hat er sich vorgenommen, sein Ebenbild in dir wiederherzustellen. Er will dieses Bild wieder erneuern. Das ist das Ziel, das er verfolgt. Er will das Durcheinander, das wir aus seinem Ebenbild gemacht haben, beseitigen. Er will den Dreck, er will den Schutt, er will die Trümmer eliminieren. Er will dich wiederherstellen, er will dich heil machen. Er will dich gesunden lassen, er will uns vorbereiten, schön machen.
Und dazu sandte er seinen Sohn, Jesus Christus, das vollkommene Ebenbild Gottes. Und dieser Sohn wurde Mensch, und er lebte auf dieser Erde ohne Sünde. Er kam auf diese Welt, die von Schuld und Dunkelheit gebrandmarkt war. Aber Christus sündigte nicht, er gehorchte seinem Vater vollkommen. Er ging als ein unschuldiges Opfer an das Kreuz, dort blutete er, dort starb er. Er wurde begraben, er stand am dritten Tag von den Toten auf. Und alle, die an ihn glauben werden, werden nicht verloren gehen. Er beseitigte den Fluch der Sünde, die unsere Ebenbildlichkeit mit Gott zerstört hatte.
Und nun sieht er den Herrn Jesus Christus vor sich, der das Werk der Erlösung vollbracht hat, der nun zur Rechten Gottes des Vaters sitzt, der in Herrlichkeit und Majestät und Schönheit regiert. Er sieht den König, den Herrn aller Herren. Und diesen hat Gott im Sinn als das große Vorbild, nach dem er dein und mein Leben gestalten will.
Deswegen, auf der Reise: Vergiss nicht, wohin du fährst. In deinem Alltag, in deinen Nöten, in deinen Herausforderungen, in deinen Krankheiten, in deiner Trauer, in deiner Schande, in deinem Elend, in deiner Freude, in deinen Erfolgen, in deinem Karrieresprung vergiss nicht, was das Ziel ist. Werden wie Jesus. Das zerstörte Ebenbild wird wiederhergestellt, durch Christus, der uns verwandelt und uns werden lässt wie er. Jesus ist das Ziel. Er steht im Navi drin, Amen. Er steht im Navi drin, da soll es hingehen, da soll es hingehen. Und das, egal wo der Weg uns langführt, ob es drückt oder ob es gut ist, ob wir spüren, es könnte besser sein, ob wir Freude oder Leid fühlen. Das Ziel ist im Auge: Jesus steht im Navi. Dazu hat er uns vorherbestimmt, das ist das Ziel.
Und nun bestimmt Gott auch den Weg für dich, für jeden individuell. Er bestimmt auch den Weg, den er dich führt, damit du zu diesem Ziel kommst. Deswegen ist Paulus so sicher. Wir wissen aber, sagt er in Vers 28, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen. Wir können auch sagen: alle Wegstrecken, alle Wege dienen zum Besten, die nach dem Vorsatz berufen sind. Alle Dinge, alle Stationen auf der Reise zum Ziel Jesus sind von der liebenden Hand Gottes angeordnet und bestimmt.
Wir mögen auf dem Weg stolpern, ja, wir geraten an Wendungen und an Sackgassen. Es gibt Rückschläge auf dem Weg, du kannst ein Lied davon singen. Es gibt Stau, es gibt Verzögerung, es gibt auch Unfälle. Aber all dies webt Gott in seine gute Vorsehung ein, und all dies wird deine sichere Ankunft an Gottes vorherbestimmtem Ziel nicht gefährden, sondern all dies sichert sogar deine Ankunft. Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden.
Gottes Erwählungsplan wird von der Liebe geleitet und zielt auf deine und meine Verwandlung ab. Wir sind vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden. Gott will uns Jesus anpassen und umgestalten, bis unser Herz wie seins ist. Das ist das zweite Glied in der goldenen Kette des Heils. Was für eine wunderbare Erklärung für Vers 28! Ich habe ein Ziel, Gott führt mich, und er bringt mich hin, Halleluja. Und er benutzt alle Umstände und lässt es zum Guten zusammenwirken.
Der höchste Zweck: Christus als Erstgeborener unter vielen Brüdern
Aber der Vers ist noch nicht zu Ende. Schauen wir noch einmal hinein, denn die, die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
Es gibt hier also ein Ziel, das noch größer und wesentlicher ist als unsere Erlösung. Es gibt noch mehr als unsere Verherrlichung, und es gibt sogar noch Höheres, als dem Sohn Gottes gleichgestaltet zu werden. Ich meine, das ist in sich schon kaum fassbar, was in dieser Heilsgeschichte inkludiert ist. Unsere Rebellion gegen Gott, die uns als Menschen in der Ebenbildlichkeit Gottes so entstellt hat, wie wir es in unserem Leben, aber auch im Leben der Welt und der Weltgeschichte sehen, und dass Gott in seiner Gnade seinen Sohn sendet, damit er uns von dem Fluch der Sünde befreit und uns durch den Glauben an Christus verwandelt in das Ebenbild des Sohnes, das an sich ist schon fast nicht fassbar.
Aber hier sagt uns die Bibel: Darüber gibt es ein noch höheres Ziel. Nicht nur, dass du und ich so werden sollen wie Jesus in all seinen Eigenschaften und die Ebenbildlichkeit zu Gott wiederhergestellt wird, sondern damit, wozu das alles dient: Christus, der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
Sehen wir: Jesus bekommt hier eine Vorrangstellung wie kein anderer auf diesem Planeten oder im Universum. All das, was Gott initiiert hat, schon in der Erwählung deines Lebens vor Grundlegung der Welt, in dem Vorherbestimmen, dass du verwandelt wirst in das Bild Jesu Christi, all das dient dazu, dass Christus der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern. Das bedeutet, dass Jesus die allerhöchste Ehre bekommt. Dass er das allerhöchste Lob bekommt, dass wir ihn anerkennen als den König der Könige, dass wir ihn sehen als den Herrn aller Herren.
Und ja, wir kennen es aus unserem praktischen Alltag: Nachahmung heißt es manchmal, ist die höchste Form des Lobes. Ein Sohn, der seinen gottesfürchtigen Vater liebt und nachahmt, ist am Ende des Tages auch ein gutes Zeugnis für den Vater. Es zeigt, dass er sich in das Leben des Sohnes investiert hat und dass er ein Vorbild im Glauben war.
Ähnlich ist es mit dem Ziel der Vorherbestimmung. Es besteht nicht allein darin, dass wir wie Jesus werden, sondern dass unsere Ähnlichkeit, unser Nachahmen, am Ende ihm als unserem Erstgeborenen alle Ehre gibt. Wenn Menschen sehen, dass du verwandelt wirst, mehr und mehr in das Bild Jesu Christi, dann geht es ja nicht um deine Ehre, sondern um die Ehre dessen, dem du nachahmst. Wie ein Sohn seinem Vater Ehre gibt, wenn er denn ein gottesfürchtiger Vater ist, indem er ihm folgt in der Gottesfurcht, und die Menschen sagen: Ah, der Mann hat sich um seinen Sohn gekümmert, was für eine Gnade! Das ist ein schwaches Bild dafür, dass wir durch unser Verwandeln in das Bild Jesu Christi Christus alle Ehre geben, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.
Erstgeboren ist nicht in Hinsicht einer zeitlichen Linie zu verstehen, sondern in der Rangfolge. Der Erstgeborene bedeutet, der Höchste zu sein. Es drückt den Vorrang, die Überlegenheit und die Stellung Jesu in höchster Würde aus.
Und hier finden wir letztlich das ultimative Ziel unserer Erlösung. Unser Heil hat nichts mit unserem eigenen Verdienst oder unseren vorhergesehenen guten Werken zu tun. Es hat seinen Anfang in der liebenden Zuneigung Gottes genommen, und es ist allein aus Gnade geschehen. Aber warum? Der letztendliche Grund, warum Gott uns errettet, ist um Christi willen. Der finale Grund der Prädestination ist die Ehre und Herrlichkeit Jesu. Und die Ehre und Herrlichkeit Jesu wird geraubt, wenn wir unsere Werke in die Erlösungsgleichung mit einbringen. Dann ist er nicht mehr der Erstgeborene.
Doch das Ziel aller Schöpfung ist doch, dass Christus die höchste Stellung einnimmt. Er hat den Vorrang. Er hat die Vorherrschaft. Er ist unser Ein und Alles, er ist unser Erlöser, er ist der Erstgeborene, er erhält alle Würde, er ist das Lamm auf dem Thron, er ist würdig, das Siegel zu öffnen, er steht über allen anderen, er ist König, er ist Majestät, er ist herrlich. Möge unser Leben dies schon im Hier und Jetzt reflektieren, ihm zur Ehre und uns zum Guten. Amen!
Schlussgebet und Anwendung auf Gemeinde und Glauben
Ja, danke, Herr, dass wir so verankert sein dürfen und dass wir spüren, was für ein Segen sich in unserem Herzen durch die Gewissheit ausbreitet.
Wenn diese Kette des Heils ihren Ursprung bei dir hat, dann weiß ich auch, dass ich sicher bin in deinen Armen. Denn wenn es von mir und meinem Glauben abhinge, wüsste ich nicht, was morgen geschieht. Aber du nimmst mich bei der Hand. Und du hast mich vorherbestimmt, deinem Sohn gleichgestaltet zu werden, und das wird in der Verherrlichung seine Vollendung haben.
Ich danke dir, dass du deine Kinder mit dieser Gewissheit segnest. Ich danke dir auch, dass diese Gewissheit nicht bedeutet, dass wir leben können, wie wir wollen, nach dem Motto: Saus und Braus, und meine Sünden interessieren uns nicht. Nein, wer so denkt, der muss gefragt werden, ob er überhaupt den Glauben erfasst hat.
Aber danke, dass dieses Wort an deine Kinder gerichtet ist, Herr, auch an deine Söhne und Töchter heute Morgen, die jetzt hier versammelt sind und diese Predigt hören und sich fragen: Wo ist Gott? Dienen die Dinge, die in meinem Leben geschehen, wirklich zum Besten?
Danke für deine Antwort, Herr. Das Ziel steht fest vor Augen: Wir sind in Jesus geliebt von dir, ausersehen von dir, vorherbestimmt, und dann verwandelt in das Bild Christi.
Hilf uns, Herr, als Gemeinde. Hilf mir persönlich. Hilf uns allen, dass wir uns verwandeln lassen in dein Bild.
Ich bete auch für Menschen, die das Evangelium heute Morgen zum ersten Mal gehört haben oder es schon oft gehört haben, aber es langsam verstehen. Ich bitte dich um eine Antwort in ihrem Herzen. Schenke du den Glauben, schenke du die Gnade des Glaubens, Herr, gerade jetzt. Öffne die Augen des Herzens, dass Jesus gesehen wird, der am Kreuz bezahlt hat.
Und wenn jetzt Menschen wiedergeboren werden, dann wissen wir: Das hat nichts mit einer klugen Entscheidung hier und jetzt zu tun, sondern gründet sich in deiner erwählenden Liebe vor Grundlegung der Welt, damit am Ende du, Jesus Christus, alle Ehre bekommst.
Ich danke dir, dass diese Lehre uns verändert, auch in unserem Denken. Nicht nur über unsere Sicherheit, sondern auch in unserer Liebe zu dir.
O Herr, wir nehmen uns oft so wichtig. Bitte nimm uns das weg und vergib uns. Und lass uns wirklich in allem, was wir tun und denken, dir alle Ehre geben.
Soli Deo gloria. Amen.
