
Guten Morgen, liebe Gemeinde. Ich freue mich, dass ihr da seid. Ihr habt es geschafft, alle Sperrungen und Barrieren in der Stadt und um die Stadt herum zu überwinden.
Wir beten für unsere Obrigkeit in der Stadt, dass ihnen viel Weisheit gegeben wird. Am besten wäre es, wenn sie nach Möglichkeit nicht immer sonntagmorgens Hamburg sperren würden, nicht wahr? Besser wäre es vielleicht am Montag oder so.
Nun wollen wir uns über Gottes Wort freuen. Wir stehen auf und lesen weiter in unserem geliebten Römerbrief, Römer 7,14-25.
Denn das Gesetz ist geistlich, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn was ich vollbringe, das billige ich nicht. Ich tue nicht, was ich will, sondern das, was ich hasse, das übe ich aus.
Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so stimme ich dem Gesetz zu, dass es gut ist. Nun aber vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die Sünde, die in mir wohnt.
Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Das Wollen ist zwar bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten gelingt mir nicht. Denn ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das verübe ich.
Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so vollbringe nicht mehr ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt.
Ich finde also das Gesetz vor, wonach mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. Denn ich habe Lust am Gesetz Gottes nach dem inwendigen Menschen.
Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das dem Gesetz meiner Gesinnung widerstreitet und mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Todesleib?
Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn. So diene nun ich selbst mit der Gesinnung dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde.
Amen!
Einführung in den Kampf mit der Sünde
Nehmen wir Platz, liebe Geschwister! In diesem Abschnitt geht es weiter um die Frage: Wie werden wir unsere Sünde los? Wie erlangen wir Sieg über unsere Leidenschaften und Begierden, die uns immer wieder festhalten?
Eine wichtige Frage lautet: Wie kann ich vor Gott gerecht werden? Eine andere ist: Wie kann ich praktisch mit der Sünde aufhören?
Deshalb stelle ich einfach mal die Frage: Wer von euch möchte seine Sünde loswerden? Schaut mal, wie viele Sünder hier sind. Ich auch, ich auch! Mit beiden Händen melde ich mich.
Das ist das größte Übel in meinem Leben. Es ist das Böse in meinem Herzen, die Sünde in meinem Leben. Und danach sehnt sich unser Herz – dass dieses schreckliche Sündigen endlich aufhört.
Wie kommen wir dahin, dass unsere Leidenschaften in uns nicht mehr regieren? Wie erlangen wir Sieg über die Sünde?
Die Unzulänglichkeit des Gesetzes
Die Juden hatten, ich wiederhole ganz kurz, eine einfache Lösung oder meinten, eine einfache Lösung zu haben. Sie dachten, dass man einfach auf das Gesetz achten und es halten müsse. Man müsse es wollen, das Gesetz immer wieder lesen und sich danach ausrichten. Dann werde man das Gebot halten, es nicht mehr übertreten und nicht mehr sündigen. So einfach sei das.
Aber wir wissen ja schon aus dem Textzusammenhang, dass es eben nicht so einfach ist. Paulus hatte einen tieferen Einblick. Er erklärt uns in Vers 14, dass das nicht funktioniert. Wir schaffen es nicht, den Forderungen des Gesetzes gerecht zu werden. Er sagt in Vers 14, dass das Gesetz geistlich ist: „Ich aber bin fleischlich unter die Sünde verkauft.“
Das Gesetz ist geistlich, es stammt vom Heiligen Geist, wie die ganze Heilige Schrift. Das Gesetz Gottes ist vom Heiligen Geist inspiriert, es ist geistlich, göttlich, gut und vollkommen, tadellos. Wenn du wissen möchtest, wie Gott ist, wie sein Charakter ist, dann musst du einfach die Gebote lesen. Dann siehst du in den Geboten den Spiegel des Charakters Gottes und lernst, wie Gott ist.
Jetzt möchten wir so sein, so heilig wie er. „Ich bin heilig, und ihr sollt auch heilig sein.“ Aber wir erreichen diese Höhe des heiligen Gesetzes nicht. Wir kommen da nicht heran, weil wir in unserer Sünde gefangen sind. Die Sünde ist unsere Natur. Paulus sagt, wir sind unter die Sünde verkauft seit Adams Fall, wir sind ihr Sklave.
Selbst wenn wir dem geistlichen Gesetz gehorchen wollten, können wir es nicht. Deshalb sagt Paulus in Vers 14: „Denn in mir“, und in Vers 18: „Denn in mir, das heißt in meinem Fleisch, wohnt nichts Gutes.“ Er hat keine Kraft. Nein, auch wenn das Gesetz geistlich, heilig, gut und vollkommen ist, erlöst es uns nicht von unserer Sünde.
Die Doppelnatur des Menschen und das Scheitern am Gesetz
Und nun sagt der Apostel: Wir haben zwei Naturen, daher kommt das.
Einige wenden jetzt ein und sagen: Wenn ein Mensch von neuem geboren ist, dann gibt es dieses Problem doch nicht mehr, dass er dem Gesetz nicht genügen kann. Dann ist ja der Heilige Geist in uns, dann wohnt Jesus in uns. Dann können wir das Gesetz halten, dann hat er die Fähigkeit zu gehorchen und kann sich dadurch vor Gott immer gerechter machen.
Ehe wir uns versehen, sind wir bei der katholischen Lehre. Gott gibt dir zwar Gnade, aber es kommt dennoch auf dich an. In deiner Bekehrung macht er dir den Tank mit Benzin kostenlos voll – das ist die Gnade. Aber die Strecke zurücklegen ohne Unfall, das musst du.
Während Luther sagt: allein aus Glauben, sagt das Papsttum: Glaube ja, aber nicht allein, sondern es müssen noch gute Werke dazukommen, um gerettet zu werden.
Und so gibt es auch viele Christen, die der Meinung sind, dass wenn der Heilige Geist in uns eingezogen ist, in unserer Wiedergeburt, dann eine Fähigkeit entstanden ist, die Sünde komplett zu überwinden.
Aber Paulus zeigt uns in unserem Text, dass auf dieser Basis keiner selig werden kann. Denn nicht nur den Weltmenschen fehlt die Kraft, gesetzeskonform zu leben, sondern den Gläubigen fehlt auch immer noch die Kraft.
Ich nehme mich selbst als Beispiel. Ich bin durch Gottes Gnade ein wiedergeborener Mensch und schaffe es dennoch nicht, das Gesetz Gottes zu erfüllen. Ich stehe hier und sage es euch: Ich habe es mein ganzes Leben versucht. Es hat nicht geklappt, auch als Christ nicht. Und ich werde es auch bis ans Ende meines Lebens nicht schaffen.
Mit meinen früheren Sünden ist es gewiss besser geworden. Es ist weniger Jähzorn da, hoffe ich, weniger Lüge, weniger Heuchelei. Ja, ja, es ist schon etwas geschehen. Aber dass ich sagen kann, ich sündige nicht mehr, das habe ich nicht geschafft, auch als Christ nicht.
Das ganze Gesetz habe ich nicht gehalten. Alle Forderungen Gottes habe ich nicht erfüllt. Wenn ich das sagen würde, wäre das eine große Lüge.
Johannes schreibt: Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.
Wenn wir als Christen glauben, wir könnten durch das Gesetz die heilsnotwendige Vollkommenheit erreichen, dann sind wir auch auf dem Irrweg. Nicht nur Weltmenschen, sondern auch wir Christen scheitern am Gesetz.
Der innere Kampf zwischen Geist und Fleisch
Und deshalb sagt Paulus: Darum geht es jetzt eigentlich in diesem ganzen Abschnitt. Ich habe Lust am Gesetz Gottes, nach dem inneren Menschen. Ja, das habe ich als Christ, das darf ich euch sagen. Ich habe auch Lust am Gesetz des Herrn. Es ist meine tiefe Sehnsucht, Gott wohlzufallen, das Gesetz zu befolgen und gehorsam zu sein. Denn Jesus sagt: Wer mich liebt, der hält meine Gebote.
Ich habe eine große Sehnsucht, und du hast sie auch als Christ. Ich habe Lust am Gesetz, sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das gegen das Gesetz meiner neuen Gesinnung streitet und mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist.
Der Ausdruck „innerer Mensch“ ist ein Hinweis auf die Doppelnatur eines wiedergeborenen Christen. Er besteht aus dem äußeren und dem inneren Menschen, wie wir in der Schrift lernen. Die Bibel nennt diese beiden auch den fleischlichen und den geistlichen Menschen oder spricht von der alten und der neuen Natur, die beide in uns sind.
Zunächst hat jeder Mensch nur eine Natur, die gefallene, fleischliche und sündhafte Natur Adams. Dieser Natur ist jeder von Geburt an unterworfen und wird durch ihre Triebe gesteuert. Das ist der unwiedergeborene, natürliche Mensch.
Aber was passiert, wenn Jesus in der Wiedergeburt ins Herz eines Menschen einzieht? Dann bringt Jesus eine neue Natur mit, eine göttliche Natur. Ich nenne sie mal die Jesusnatur. So hast du als Christ zwei Naturen in dir: deine alte Adamsnatur und deine neue Christusnatur. Diese beiden Pole befinden sich in einem Christen.
Ein Weltmensch wird nur von einer Natur gesteuert, der sündhaften, alten, fleischlichen Begierde Adams. Aber der Christ hat zwei Naturen. Die alte ist da, und dazu ist die neue gekommen, die nach Gott geschaffen ist.
Bis dahin war der Mensch mit seiner alten Natur allein, der Unwiedergeborene. Er kannte nichts anderes als Abneigung gegen alles Göttliche. Er war ein Mensch unter der Herrschaft des Fleisches und hatte in diesem Zustand einen gewissen Frieden.
Der Gottlose liebt die Welt und hat Lust an der Sünde. Von der Lust am Gesetz des Herrn kann er nicht reden. Aber er hat Lust an der Sünde, und das Leben ohne Gott macht ihm Spaß. Er hatte keine innere Unruhe, kein schlechtes Gewissen. Der Teufel lässt ihn schlafen im Frieden, im Todesschlaf.
Aber auf einmal kommt Jesus in dein Inneres und schafft durch den Heiligen Geist eine neue Anlage in dir, eine neue Gesinnung, einen neuen Menschen, dessen Verlangen nicht mehr nach der Sünde, sondern nach Gottes Gerechtigkeit, Liebe und Wahrheit ist.
Stell dir dein Herz mal wie ein Wohnzimmer vor, in dem die Gesinnung des Fleisches wohnt. Die Sünde schaltet und waltet in dir, wie sie will. Entsprechend wüst und verwahrlost sieht deine innere Wohnung aus und dein ganzes Leben.
Jetzt aber kommt ein neuer Einwohner: „Ich will jetzt hier auch wohnen.“ Eine neue Gesinnung, der Heilige Geist, kommt rein. Was passiert? Es gibt Krieg, Krieg in deiner Brust. Das ist der Punkt.
Der neue Mensch will aufräumen, klar Schiff machen, ausmisten. Aber der Alte will alles so lassen, wie es ist. Ihm gefällt der Wust, deine alte Art ist glücklich mit der Sünde. Aber die vom Heiligen Geist in dir geschaffene neue Art steht auf gegen sie und ersehnt Veränderung.
Das ist der Kampf, von dem die Bibel im Herzen eines Christen spricht – und hier besonders. Das heißt, wenn der Heilige Geist in unser Herz kommt, erschafft er eine völlig neue Denkweise in dir. Und die ruft einen tiefen inneren Streit in uns hervor.
Das alte Denken steht gegen das Neue, die alte Gesinnung gegen die neue Gesinnung, die alte Art gegen die neue Art, die alte Natur gegen die neue, das Fleisch gegen den Geist.
Paulus bringt es im Galaterbrief auf den Punkt, wenn er schreibt: „Denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt.“
Wenn Christus durch den Heiligen Geist in unser Herz kommt, dann sagen wir – und es ist wahr – gibt es Frieden mit Gott, aber Krieg mit unserer alten sündigen Natur. Und es entbrennt eine lebenslange Schlacht zwischen Geist und Fleisch in uns.
Der Heilige Geist in uns will Gott gehorchen, das Fleisch will es nicht.
Unterschied zwischen Christen und Nichtchristen im Umgang mit Sünde
Und wenn du fragst, was der Unterschied zwischen einem Nichtchristen und einem Christen ist, wie lautet dieser?
Der Nichtchrist hat Frühen, aber der Christ hat Kriech. Das bedeutet: Der Nichtchrist besitzt nur eine Natur, nämlich die alte, während der Christ zwei Naturen in sich trägt.
Wie wirkt sich das im praktischen Leben aus? Da ist beispielsweise ein nichtgläubiger Mensch, wie wir das immer wieder auch in der Seelsorge erlebt haben. Er konsumiert Pornografie. Das Ergebnis: Es gefällt dem Gottlosen. Ein schlechtes Gewissen? Fehlanzeige. Er wiederholt es – und zwar am besten noch schmutziger.
Und was geht im Herzen eines wiedergeborenen Christen vor, wenn er da hineingefallen ist? Während er zuschaut, muss er zittern. Der kalte Schweiß steht ihm auf der Stirn, er schämt sich, fühlt sich schmutzig und kann die ganze Nacht nicht schlafen. Er wird den Schmutz nicht los, sein Gewissen plagt ihn, und sein Inneres schreit: „Wie konnte ich nur ein so großes Übel tun? Mein Gott, vergib mir, ich will das nicht, ich will das nicht!“ Aber er hat es wieder getan.
Der Unterschied zwischen einem Weltmenschen und einem Christen besteht nicht darin, liebe Freunde, dass der eine sündigt und der andere nicht mehr sündigt. Christen sind keine besseren Menschen als die Weltmenschen. Ein Christ unterscheidet sich nicht dadurch, dass er nicht mehr sündigt, während der Nichtchrist immer noch sündigt.
Der Unterschied besteht auch nicht darin, dass der eine sündigt und der andere nicht mehr so stark sündigt, sondern darin, dass der eine seine Lust an der Sünde hat und der andere eine unerträgliche Last mit ihr trägt. Der eine hat Wohlgefallen, wie Paulus im Römerbrief schreibt, an der Übertretung, und der andere fühlt sich hundeelend.
Ja, er ruft und schreit: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von diesem Todesleib?“ Ein Weltmensch wird nicht schreien, nachdem er Lust an der Sünde gehabt hat: „Ich elender Mensch!“ Aber das Gotteskind findet keine Ruhe.
Ein solcher Schrei zeichnet echte Christen aus: „Ich elender Mensch!“ Das ist das Kennzeichen von Christen. Nicht die Sündlosigkeit zeichnet ihn aus, nicht eine geringere Portion Sünde als beim Weltmenschen, sondern das Leiden an seiner Sünde identifiziert ihn.
Das Leiden an unserer Sünde identifiziert Christen.
Irrwege und wahre Heiligung
Einige evangelikale Strömungen lehren fälschlicherweise, dass wir als Christen hier auf der Erde einen Vollkommenheitsstand erreichen können und sollen. Sie behaupten, dass wir den elenden Menschen überwinden und dringend von Römer 7 zu Römer 8 kommen müssten. Dort sei von einem qualitativ höheren Leben im Geist die Rede. Nächsten Sonntag kommen wir darauf zurück.
Manche Prediger haben sogar öffentlich behauptet, sie seien bereits drei Monate ohne Sünde gewesen. Darf man fragen, wer von euch schon drei Monate ohne Sünde war? Manche geben sogar an, ein halbes Jahr geschafft zu haben.
Ja, liebe Gemeinde, hier erkennen wir, was Paulus uns lehrt: Wir sollen uns nicht missverstehen, vor allem Paulus nicht. Es ist nicht so, als würde sich gar nichts verändern, wenn der Heilige Geist in uns einzieht. Die Gnade der Heiligung lässt uns konkret Sünde ablegen – das ist wahr. Die Ketten von Sucht und Leidenschaft werden tatsächlich gebrochen. Wenn du dich zu Jesus bekehrt hast, bist du konkret ein anderer Mensch geworden.
Dein täglicher Umgang mit Jesus macht dich ihm buchstäblich ähnlicher. Wenn du Christ wirst, bleibst du nicht, wie du bist, sondern erlebst konkret Sieg über deine alten, sündhaften Gewohnheiten.
Die Bibel lehrt neben der Unfähigkeit des Sünders, das Gesetz zu halten, auch seine Verantwortlichkeit. Deshalb werden wir ermahnt, mit aller Hingabe der Heiligung nachzujagen. Mit den Worten Jesu werden wir aufgefordert: „Sündige hinfort nicht mehr!“ Das darf Wirklichkeit in unserem Leben werden.
Aber nicht in der Weise, dass wir aufhören, elende Menschen zu sein. Wir wachsen in der Gnade, wir wachsen in der Heiligung. Wir legen Sünde ab und durchbrechen zu einem göttlichen Lebensstil. Trotzdem, liebe Gemeinde, bleiben wir elende Menschen.
Auch wenn wir in der Lebensveränderung schon kräftig gewachsen und reife Christen geworden sind, bleibt der Seufzer: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen vom Leibe dieses Todes?“ Im Leben eines echten Christen bleibt dieser Schrei bis an sein Lebensende. Wiedergeborene Menschen bleiben bis zum Schluss zerbrochen und bußfertig.
Heilige Gottes leben in Beugung und Buße. Sie sagen niemals: „Ich habe schon ein halbes Jahr nicht mehr gesündigt.“ Sie reden nicht von einem höheren geistlichen Leben, sondern flehen noch auf dem Sterbebett: „Gott, sei mir Sünder gnädig!“
Wenn ich dem Tode näherkomme – und wir kommen ihm ja alle näher, ich selbst bin ihm schon näher als viele hier – dann frage ich mich: Was soll mein Gebet am Ende meines Lebens sein? Ich freue mich darauf, beten zu dürfen: „Mein Gott, vergib mir alle meine Schuld!“
Durch dein Blut darf ich Eingang zu dir finden. Halleluja!
Die Erkenntnis der eigenen Sündhaftigkeit im Licht Gottes
Ich werde nicht sagen: Herr, hast du gesehen, wie viele Jahre ich dir treu gedient habe, wenn ihr wüsstet, wie meine Jahre ausgesehen haben.
Je näher ein Mensch mit Gott lebt, liebe Gemeinde, desto mehr erkennt er auch seine verborgenen Sünden. Verstehen wir das? In einem dunklen Raum wirkt alles sauber, obwohl er möglicherweise sehr schmutzig ist. Bei Kerzenlicht kann es sogar gemütlich sein. Man kann richtig stolz auf das anmutende Ambiente sein.
Wenn aber plötzlich die Notbeleuchtung eingeschaltet wird, sehen die Gäste die Kakerlaken, schreien und verlassen die vermeintliche Heiligkeit dieses Raumes so schnell sie können. Die Gemütlichkeit verwandelt sich in Abscheu.
So geht es uns mit Christen, die sehr stolz auf ihr fortgeschrittenes heiliges Leben sind. Bei Licht betrachtet zeigt sich jedoch, dass auch sie noch große Sünder sind. Wirklich heilige und Gott hingegebene Männer und Frauen leben zunehmend im Licht Gottes – näher, noch näher, mein Gott, zu dir.
Je näher du zu Gott kommst, desto heller wird es, denn Jesus und unser Vater sind Licht. In diesem Licht kommt immer mehr zum Vorschein, was du bis dahin in deinem Leben noch nicht gesehen hast. Und je näher du Gott kommst, desto erschrockener bist du und desto trauriger. Du rufst aus: Mein Gott, sei mir gnädig, was bin ich noch für ein großer, großer Sünder!
Wirklich heilige und Gott hingegebene Männer und Frauen leben zunehmend im Licht Gottes. Deshalb hören sie ihr Leben lang nie auf, Sünden in ihrem Leben zu entdecken. Sie sind erschrocken und entsetzt darüber, dass ihnen diese Sünden in Gedanken, Worten oder gar Taten noch passieren konnten.
Was andere gar nicht für Sünde halten, ist für solche demütigen Menschen ein großer Skandal. Sie schämen sich vor ihrem Vater im Himmel und seufzen: Ich elender Mensch!
Deshalb bleiben wirklich heilige Menschen ihr Leben lang bei Römer 7, bei unserem Text stehen. Wir wachsen darüber nicht hinaus.
Paulus war, wie wir wissen, ein reifer Christ. Er war ein heiliger und vorbildlicher Mann Gottes wie kaum ein anderer. Und ausgerechnet er nennt sich vor Gott und der ganzen Welt einen elenden Menschen.
Kann man das verstehen? Wenn er sich als immer wieder versagender Mensch vor Gott bezeichnen muss, wie viel mehr gilt das für mich?
Er hat einmal dem Timotheus geschrieben und zugegeben, dass er der größte Sünder unter allen ist. Und ihr erinnert euch, als er über seinen Pfahl im Fleisch berichtet. Dann gibt er die Erklärung und sagt, warum dieser Pfahl in seinem Leben sein muss. Er sagt: Damit ich mich der hohen Offenbarungen nicht überhebe.
Paulus bekennt hier öffentlich vor einem Millionenpublikum, vor Generationen, in aller Öffentlichkeit, dass er einen Hang zur Überheblichkeit hat. Damit er sich nicht überhebt wegen der hohen Offenbarungen, musste Gott in seinem Leben gegensteuern.
Paulus sieht seine Elendigkeit: Er ist ein Heiliger und ein Sünder zugleich.
Paulus’ ehrliches Bekenntnis und die Bedeutung der Demut
Hört noch einmal, was der Apostel den Römern offen und ehrlich selbst schreibt, hier in unserem Text zusammengefasst. Nehmt den Text noch einmal zur Hand.
Jetzt aber schreibt er: „Vollbringe nicht mehr ich dasselbe, sondern die Sünde, die in mir wohnt.“ Er bezeichnet sich als jemanden, in dem die Sünde wohnt. Denn er sagt: „Ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt.“ Er bekennt es offen.
Er sagt weiter: „Ich tue nicht das Gute, das ich will.“ Hat er das Gute nicht getan? Paulus sagt: „Nein, ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will, das verübe ich.“ Er findet also, das Böse verübe er. Er stellt fest, dass das Gesetz so wirkt, dass ihm, der das Gute tun will, das Böse anhängt.
Er bekennt, dass ihm das Böse anhängt, und sagt: „Ich elender Mensch!“ Was für ein Sündenbekenntnis von einem so großen Mann Gottes vor aller Welt! Demütige, ehrliche und zerbrochene Gotteskinder.
Gott gefallen wohl die Opfer, die ein zerbrochener Geist sind, ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, oh Gott, nicht verachten. Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und er hilft denen, die zerschlagenen Geistes sind.
Es ist viele Jahre her, da kam ein gestandener Bruder nach der Predigt zu mir nach vorn und sagte: „Bruder Wolfgang, sprich nicht so viel Negatives von dir auf der Kanzel, das untergräbt deine Autorität als Pastor.“ Er meinte es gut, und ich habe irgendwie gedacht, vielleicht hast du recht. Du schadest dir selbst, wenn du so ehrlich auch von deinem Versagen sprichst, der Gemeinde gegenüber.
Heute weiß ich, dass es andersherum richtig ist. Wenn ich mich nicht als Held ausgebe, sondern als Sünder, dann hilft das meiner Autorität und vor allem der Wahrheit mehr, als wenn ich nichts Negatives von mir sage.
Deshalb möchte ich auch euch heute Morgen bekennen: Ich bin noch nicht über Römer 7 hinausgekommen, ich stecke da mittendrin – in dieser Elendigkeit, in diesem Seufzen, in diesem Trauern, in der ständigen Auseinandersetzung mit meiner Sündhaftigkeit. Und ich bekenne: Ich brauche dringend, dringend Hilfe.
Und wie ist es mit euch? Darf ich mal fragen, wer Hilfe braucht in seiner Auseinandersetzung mit seiner alten Natur, mit seiner Sünde, mit seinen Versuchungen und Anfechtungen?
Oh, ihr Lieben, wenn der Herr uns heute Morgen runterbringt, so auf diesem Level, dass wir wirklich sagen: „Mein Gott, sei mir gnädig, ich habe nichts zu bringen, Herr, mein Leben ist alles nur Gnade, nur große, große, endlose Gnade.“ In meinem Leben ist kein Verdienst, sondern alles habe ich nur von dir.
Die Erlösung durch Jesus Christus
Und dann kommt die Antwort auf diese brennende Frage: Wer wird mich erlösen von diesem Todesleib, von diesem Leib, der der Sünde verfallen ist?
Die Antwort lautet nicht: Versucht es besser, ihr lieben Römer! Strengt euch noch mehr an, auch wenn ihr immer wieder scheitert. Gebt nicht auf, sondern macht immer weiter. Kämpft, kämpft, kämpft und bemüht euch, strengt euch an und werdet besser. Beachtet das Gesetz und werdet heiliger.
Nein, wer wird mich erlösen? Die Antwort lautet: Dank! Sag das laut: Die Antwort lautet nochmal – die Antwort lautet Dank! Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.
So diene ich selbst nur mit der Gesinnung dem Gesetz Gottes, mit dem Fleisch aber dem Gesetz der Sünde. Sage Jesus Dank! Denn er hat für Vergebung gesorgt, für den ganzen Schlamassel deines Lebens. Am Kreuz von Golgatha hat er alle Strafe bezahlt, die du hättest zahlen müssen. Er hat alle Gerechtigkeit für dich erbracht, die du nicht erwirken kannst.
Aber sagst du: Wenn mir das mit meinem Sündigen nicht aufhört, wird Jesus bald die Nase von mir voll haben? Denkst du das manchmal? Vielleicht sagt Gott zu mir: Jetzt reicht es! Ich vergebe dir nur noch bis Ende des Monats, und dann ist Schluss. Das wird mir jetzt zu viel. Alle Sünde, die du danach tust, dafür musst du selbst bezahlen.
Ist das das Evangelium? Nein! Er erzählt uns vielmehr die Geschichte, in der Petrus zu ihm in den Tempel trat und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, der gegen mich sündigt? Siebenmal?
Guck mal, Petrus war großzügig: bis siebenmal. Jesus antwortete ihm: Ich sage dir nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmal siebenmal. Das heißt, liebe Gemeinde, endlos, immer, immer und immer wieder. Bis an dein Lebensende vergibt Jesus dir deine Sünde. Sag doch mal Amen!
Oh, jetzt kann ich so richtig schön! Jetzt bin ich glücklich, ihr Lieben. Jetzt bin ich so froh, dass das in der Bibel steht: Jesus hört nicht auf, mir zu vergeben. Er weiß, in welchem Schlamassel ich stecke. Er hört nicht auf.
Ich danke Gott durch Jesus Christus! Das heißt: Komm immer wieder zu ihm mit deiner Last, auch wenn es schon das tausendste Mal ist. Wie oft bist du in deine Sache wieder reingefallen und sagst, es macht keinen Sinn mehr? Doch, komm heute Morgen zu deinem Heiland! Du darfst wiederkommen.
Immer, immer darfst du kommen. Gottes Barmherzigkeit hat kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und seine Treue ist groß. Halleluja, Amen!
Sagt es zusammen: Gottes Barmherzigkeit hat kein Ende! Gottes Barmherzigkeit hat kein Ende, sondern sie ist jeden Morgen neu, und seine Treue ist groß. Halleluja, Halleluja, Halleluja!
Das ist unsere Hoffnung, das ist unser Leben, ihr Lieben. Wir sind im Schlamassel, wir stecken im Dreck mit unserer alten Natur. Wir führen einen Kampf, den man nicht gewinnen kann, sondern der durchzufechten ist bis ans Ende unseres Lebens.
Aber wir sind sicher, denn wir sagen Danke, Jesus Christus! Darum stelle das Kreuz in die Mitte deines Lebens, lebe von Golgatha her und bete jeden Tag: Vergib mir meine Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und dann, am Ende, wird uns der Todesleib abgenommen, mit dem wir unser Leben lang bis zur Ermattung gekämpft haben – das ist unser natürlicher Leib.
Die Hoffnung auf die Verwandlung am Ende des Lebens
Paulus schreibt den Philippern: Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter. Jetzt aber wartet unser Leib der Niedrigkeit darauf, umgestaltet zu werden, damit er gleichförmig wird dem Leibe der Herrlichkeit.
Solange wir leben, haben wir mit diesem Leib der Nichtigkeit zu kämpfen. Doch wenn wir am Ende unseres Lebens die Augen schließen, wird der Tag der Sündlosigkeit für uns anbrechen. Dann sind wir keine elenden Menschen mehr, sondern Menschen der Vollkommenheit.
Darum bezeichnet Paulus unseren Tod nicht als Verlust oder Unglück, sondern sagt: Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn. Dann werden wir die Sünde für immer hinter uns lassen. Wie herrlich wird das sein! Du wirst niemals mehr sündigen, keine Unreinheit, kein Böses, kein Unrecht und kein böser Gedanke wird dich mehr quälen. Alles ist rein und heilig.
Niemand wird in die himmlische Stadt Jerusalem hineingehen, der verunreinigt ist, noch jemand, der Gräuel und Lüge verübt. Nur jene, die im Buch des Lebens geschrieben stehen. Willst auch du einmal in diese ewige Stadt eingehen, dann musst du hier auf Erden zu jenen Elenden und Trauernden gehören, zu jenen Zerbrochenen und Bußfertigen, die ihre Sünde bereuen und Jesus um Verzeihung bitten.
Wenn dir das Leben in der Sünde jedoch gefällt, mein Freund, und du sogar noch stolz darauf bist, dann bist du verloren und es gibt keine Hoffnung für dich. Aber wenn du deine Sünde einsiehst, dein Geist darüber zerschlagen ist und du in tiefer Trauer bist und aus der Tiefe deines Herzens rufen kannst: „Gott, sei mir Sünder gnädig“, dann habe ich eine gute Nachricht.
Dann wird eines Tages sogar auch dein Leib auferweckt und verwandelt werden, sodass deine Seele und dein Leib auf immer mit Jesus vereint sein werden. Welch ein Jubel und welch ein Sieg wird das sein! Halleluja!
Also, ihr Lieben, wir befinden uns in diesem Kampf, und diesen kämpfen wir bis ans Ende unseres Lebens durch den Heiligen Geist, der in unserem Herzen wohnt. Aber wir bleiben immer Elende, Menschen mit zerschlagenem Geist und bußfertigem Herzen, bis wir Jesus sehen. Dann ist Schluss mit der Sünde. Halleluja, in Jesu Namen, Amen!
Schlussgebet und Fürbitte
Halleluja, stehen wir gemeinsam auf! Herr Jesus, ich danke Dir, dass Du uns durch Dein heiliges Wort unterweist. Du erklärst uns unsere Kämpfe und unsere Nöte.
Heute Morgen möchte ich besonders für Menschen bitten, die sich unter dieser Botschaft elend fühlen. Herr, Du siehst ihre Trauer über ihr Versagen. Du siehst, wie sie immer wieder scheitern im Versuch, ein heiliges Leben zu führen.
Herr, ich bitte Dich: Schenke diesen lieben Schwestern, Brüdern und Freunden heute Morgen die Antwort, dass sie jeden Tag neu zu Jesus kommen und um Verzeihung bitten dürfen. Denn Deine Barmherzigkeit hat für ihr Leben kein Ende. Du bringst sie durch.
Hilf uns als ganze Gemeinde, dass wir uns nicht gegenseitig überheben und uns als perfekte Heilige sehen. Lass uns begreifen, dass wir Menschen in Not sind, Menschen, die Hilfe brauchen.
Danke, Herr Jesus, dass Du uns diese Hilfe gibst. In Jesu Namen. Amen.