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Die herrliche Anstößigkeit der Weihnachtsgeschichte

26.12.1965Lukas 2,1-21

Eröffnung und Gebet

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Amen!

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Wir, die Apostelzeugen, sind nicht klugen Worten gefolgt, als wir euch die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesu Christi verkündigt haben. Vielmehr haben wir seine Herrlichkeit selbst gesehen.

Wir wollen beten:
Das Leben ist in dir und alles Licht des Lebens. Ach, lass doch deinen Glanz an mir nicht vergebens sein, denn du bist das Licht der Welt. So sei du mein Leben. O Jesus, du hast mir dein ewiges Licht geschenkt.

Wir beten weiter:
Du wesentliches Wort, von Anfang an vorhanden, du Gott von Gott gezeugt, ewig erlesen zum Heil der ganzen Welt. O mein Herr Jesus Christus, du willst kommen, der in mir zum Heil geboren ist! Amen!

Schriftlesung und Lobpreis

Wir hören ein Wort der Heiligen Schrift. Es steht im zweiten Kapitel des Titusbriefes:

Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes für alle Menschen. Sie züchtigt uns, damit wir das ungöttliche Wesen verleugnen und die weltlichen Lüste in Zucht halten. So sollen wir gerecht und gottselig leben in dieser Welt und auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilandes Jesu Christi warten.

Dieser hat sich selbst für uns gegeben. Er hat uns erlöst von Armut und Gesetzlosigkeit und sich selbst ein Volk zum Eigentum erworben, das eifrig sei zu guten Werken.

Herr, dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost. Amen.

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen.

Wir hören ein Wort aus der Weihnachtsgeschichte. Am Schluss, Lukas 2,14:

Und die Hirten kehrten wieder um, priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, wie es ihnen gesagt worden war.

Herr, heilige uns in deiner Wahrheit. Dein Wort ist die Wahrheit. Amen.

Lied und persönliche Reflexion

So haben wir eben gesungen: Siehe, siehe meine Seele. Nein, wir wollten singen, doch wir kamen nicht dazu. Aber so wollten wir singen: Siehe, siehe meine Seele, wieder ein Heiland kommt zu dir.

Es hat sich herausgestellt, dass ich zu Beginn genau dasselbe Lied ausgesucht hatte wie Pastor Demmer. Ich dachte: Wie stimmen wir überein, nicht? Dann haben wir es also jetzt geändert.

Siehe, siehe meine Seele, wieder ein Heiland kommt zu dir.

Freude!
„Freude über Freude, Christus währet allem Leide, Wonne, Wonne, überwonne, Christus ist die Gnadensonne.“

Meine Freunde, so habe ich Sie in meinem Herzen in den letzten Wochen immer singen müssen. Ich vermute, dass viele von Ihnen ebenfalls die Saiten des Herzens auf diesen Klang gestimmt hatten – trotz aller Unruhe der vorweihnachtlichen Zeit.

Freude, Freude über Freude, Christus währet allem Leide!

Zweifel und Zorn über die moderne Sicht der Weihnachtsgeschichte

Aber wenn ich nun ganz ehrlich sein soll – und das will ich jetzt einmal sein –, dann empfinde ich in dieser vorweihnachtlichen Zeit nicht nur leise, gesunde Freude. Freude über Freude, siehe, siehe meine Seele, mein Heiland kommt zu dir.

Doch ich habe mich in dieser vorweihnachtlichen Zeit auch oft wirklich betrübt gefühlt und bin zornig geworden, richtig zornig. Denn ich habe gesehen, gehört und gelesen, wie man die schöne Weihnachtsgeschichte, wie Lukas sie uns erzählt, überall in die große Mottenkiste wirft – in die Kiste der Mythen, Legenden, Sagen und Märchen.

Der moderne Mensch sagt: In einer Welt, in der die Astronauten so im Weltraum herumschwirren, haben die Engel keinen Platz mehr. Und die große Masse unserer Gesellschaft blickt schon lange nicht mehr durch das ganze Gewirr von Nikolaus, Knecht Ruprecht, heiligem Martin, den heiligen drei Königen, Karnevalsvorbereitungen, Christkindchen und Engelchen. Das ist für sie ein Hexenbrei aus Märchen, nicht mehr.

Ja, und die Theologen und die Kirche haben bald auch keine andere Predigt mehr, als die: Glaubt uns doch endlich, dass wir selbst nicht glauben, was geschrieben steht.

Zeugnis für die Wahrheit der Weihnachtsgeschichte

Meine Freunde, ich habe mir vorgenommen, diese Gelegenheit zu nutzen, um noch einmal auf meiner alten Kanzel zu stehen und heute Morgen Zeugnis abzulegen für die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2.

Sie handelt von Maria und Joseph, die keinen Raum in der Herberge finden, von dem Kind, das in dieser Nacht geboren wird, von den Boten Gottes – nicht von kleinen Engelchen, sondern von den leuchtenden Cherubim und Seraphim, die den Hirten verkünden: „Euch ist der Heiland geboren.“ Danach kehrten die Hirten wieder um.

Ich möchte Zeugnis ablegen für diese Geschichte, die nicht in die Kiste von Sagen, Märchen, Legenden und anderem gehört. Ich meine, diese Geschichte trägt das Siegel der göttlichen Wahrheit auf der Stirn. Davon möchte ich Zeugnis ablegen.

Ich möchte euch sagen, dass gerade die Teile der Weihnachtsgeschichte, die der unerleuchteten Vernunft – also der Vernunft, die vom Geist Gottes nie erleuchtet wurde – am ärgerlichsten sind, für einen erleuchteten Sinn, für einen Sinn, der vom Geist Gottes erleuchtet worden ist, die allerwichtigsten und allerschönsten sind. Das möchte ich euch gern zeigen.

Die anstößige Herrlichkeit der Weihnachtsgeschichte: Einführung

Die anstößige Herrlichkeit der Weihnachtsgeschichte

Ich könnte auch sagen: die herrliche Anstößigkeit oder die herrliche Anstößigkeit der Weihnachtsgeschichte. Aber wir bleiben bei der Formulierung „die anstößige Herrlichkeit der Weihnachtsgeschichte“.

Wir gliedern die Predigt in drei Teile. Natürlich könnte man diesen Punkt auch in acht oder neun Teile unterteilen, aber ich möchte es bei drei Teilen belassen.

Erster Teil: Die Realität des Stalls und die Erfüllung der Verheißungen

Die herrliche Anstößigkeit der Weihnachtsgeschichte

Erstens: Die Sache mit dem romantischen Stall

Ja, der Stall – da ist noch Romantik drin. Man kann alles Mögliche daraus machen. Mutter und Kind haben die Nazis rausgeholt. Und neulich las ich, das sei ja ein uraltes Märchenmotiv, ein uraltes Märchenmotiv vom Königssohn, der in großer Borgenheit und Niedrigkeit geboren wird und dann eines Tages mit Pomp und Pracht hervortritt. So las ich, und das ist nicht meine Meinung, dass es keine Verachtung gibt, sondern dass es ein uraltes Märchenmotiv ist, das bei allen Völkern vorkommt. Das macht mich zornig. Einfach zornig. Zorn ist ungeistig, aber ich mache mich zornig.

Wie steht hier: Die Hirten priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten. Die hatten etwas ganz anderes gesehen als ein uraltes Märchenmotiv. Was hatten die denn gesehen? Das möchte ich Ihnen jetzt mal zeigen. Aber da müssen Sie also Ihren Geist auf den vierten Gang schalten, um da mitzukommen.

Was hatten denn die gesehen? Ich möchte ein bisschen weiter ausholen, um das deutlich zu machen. Es gibt ein ganz altes Buch, das jede Zeile notorisch geschrieben wurde, lange vor Jesu Geburt. Dieses Buch heißt das Alte Testament, der größere und ältere Teil der Bibel. In diesem alten Buch, das aus der Zeit lange vor der Geburt dieses Heilandes entstanden ist, stehen auf jeder Seite Hinweise, Andeutungen und Verheißungen Gottes auf den einen, der kommen soll: auf einen Heiland, einen Retter.

Meine Freunde, die Hirten von Bethlehem – sie waren Männer aus Israel und im Alten Testament völlig zu Hause, auch wenn sie es selbst nicht lesen konnten. Das erzählte man sich, das hörte man in der Synagoge. Sie kannten diese Hinweise auf den Heiland.

Wenn mich einer fragte, wer weiß das eigentlich, dass diese Hirten im Alten Testament zu Hause waren, dann sage ich: Pass mal auf! Der Engel, der ihnen verkündigt hat, hat eigentlich nur in Worten des Alten Testaments gesprochen. Die Engelbotschaft ist voll mit Andeutungen auf das Alte Testament: Davidstadt, Retter, Christus oder Messias – dasselbe Wort. Der Engel, der bestimmt kein Dunkelkopf war, hat vorausgesetzt, dass die Hirten das Alte Testament kennen. In dieser Sprache konnte er reden, die schreien nicht gleich "Russ", lassen die Sprache Kanaans weg, sondern sie kapieren das, sie sind darin zu Hause. Sie wussten um diese großen Verheißungen Gottes.

Und nun kommen diese Hirten nach Bethlehem, an den Stall, mit all dem Wissen und den Verheißungen aus dem Alten Testament. Was hörten und sahen sie da? Sie sahen zuerst die ganze Armseligkeit eines Kindes, das keinen Raum hat und in der Krippe liegt. Und da schauten sie sich an und sagten: Stimmt, genau so ist im Alten Testament der kommende Heiland verheißen, genau so!

Dann fallen ihnen Worte ein wie: "Er schoss aus dürrem Erdreich auf wie ein armseliges Reis" oder "Wer ist der, der geringen Tage verachtet?" oder "Er war der aller Verachtetste und Unwerteste." Das sind alte Worte aus dem Alten Testament. Da sagen sie: Mensch, stimmt! Und ich bin überzeugt, dann haben sie sich von Joseph und Maria erzählen lassen, dass sie beide, wenn auch arme Leute, vom großen König David abstammen, von dem in der Engelbotschaft die Rede war.

Da sehen sich die Hirten wieder an und sagen: Kinder, es stimmt! So ist doch verheißen, dass aus dem Geschlecht Davids der Heiland kommen soll. Und als sie jetzt gern auch hören, auf welche wunderliche Weise Joseph und Maria nach Bethlehem kamen – durch den dummen Befehl des Augustus mit seiner Volkszählerei – da schauen sie sich wieder an und sagen: Es stimmt, denn so ist im Alten Testament gesagt: "Und du, Bethlehem, aus dir soll mir der Herr kommen."

Da sagen die Hirten: Und das, was wir hier sehen und hören, das Kind, das hier in der Krippe liegt, das ist ja die Erfüllung aller Verheißungen Gottes aus dem Alten Testament. Und wenn Gott an diesem Kind schon all die kleinen Verheißungen erfüllt – dass es in Bethlehem geboren wird, dass es armselig geboren wird, dass es David Sohn ist –, wenn all das Äußere schon erfüllt wird, dann werden durch dieses Kind Jesus alle Versprechungen des Alten Testaments erfüllt.

Und da stehen wunderbare Dinge über Jesus. Der Apostel Paulus, der ein großer Theologe war und kein Hirte, hat das mal so ausgedrückt: Alle Verheißungen Gottes sind in Jesus Ja und Amen.

Was steht da im Alten Testament im dicken Buch über Jesus? Etwa so: Gott warf unsere aller Sünde – oh, was bringen wir schon an Sünde mit hier – unsere aller Sünde auf ihn. Unsere Strafe liegt auf ihm, auf dem Kind, auf das wir Frieden hätten, steht im Alten Testament.

Ach, wenn ich doch jetzt Zeit und Raum hätte, bis heute Abend zu predigen, um euch all die Verheißungen des alten Bundes zu zeigen, die in Jesus erfüllt werden! Da wird zum Beispiel gesagt, dass er ein Fürsprecher ist, der die Leute aus einer belagerten Stadt herausführt, die Freiheit schenkt, dass er aus einem schrecklichen Gefängnis die Gefangenen Satans herausführt.

Vielleicht auch im Alten Testament wird gesagt, dass er die gute Botschaft ist für alle Bekümmerten, selber fleischgewordene gute Botschaft für alle Bekümmerten, Leute mit ungelösten Fragen, Kranke und Elende, Sünder und Verlorene. Da wird gesagt, dass er die Quelle ist, in der sich schmutzige Leute – oh Gott, wie sehen wir das nicht – reinigen können, dass er alle Unreinigkeit wegwäscht.

Da wird gesagt, dass dieser Jesus der herrliche Prophet und Offenbarer Gottes ist. Lasst die Leute phantasieren über Gott, wir kennen ihn, seit wir Jesus kennen, und schauen bis in sein Herz hinein. Da wird gesagt im Alten Testament, dass dieser Jesus der Hohepriester ist, der Mitleid hat mit unserer Schwachheit. Die heilige Welt hat so viele Priester gehabt, die waren hart wie Stein. Schluss mit einer Priesterschaft! Hier ist der Priester, sagt die Bibel, dieses Kind, der Mitleid hat mit unserer Schwachheit.

Er ist das Opfer, das Opfer, das uns mit Gott versöhnt, auf Golgatha dargebracht. Er ist König, dem zu dienen wahre Freiheit ist.

Seht, das haben die Hirten gesehen und gehört, wie es zu ihnen gesagt war – nicht in Romantik-Stall, sondern sie haben gesehen. Ja, den Vers hätten sie gesungen, wenn sie gekannt hätten, was der alten Väter scharfer, höchster Wunsch und Sehnen war und was sie geprophezeit haben, erfüllt in Herrlichkeit.

Wenn die Welt wüsste, was man an Jesus hat, dann würde in Augenblick die ganze Welt zu Jesus bekehren. Die Welt fährt ins Verderben um ihrer Unwissenheit, Verbohrtheit und Blindheit willen. Aber schenke Gott uns offene Augen, was wir an Jesus haben können. Das haben die Hirten gesehen, wie es zu ihnen gesagt war.

Zweitens: Die Engel

Wir wollten von den herrlichen Anstößigkeiten der Weihnachtsgeschichte reden. Und da sind zweitens die Engel. Also zweitens: die Engel.

Die Engel sind ja wahrscheinlich hauptsächlich schuld, dass man diese Geschichte für ein Märchen erklärt hat. Die Engel sind schuld. Bitte, Engel – die Engel sind so schrecklich wichtig. Das möchte ich Ihnen gern deutlich machen, dass sie gerade so wahnsinnig wichtig sind. Sie müssen mir alle zuhören, sonst kann ich nicht reden.

Stellen Sie sich mal Folgendes vor: Die Hirten sitzen nachts auf dem Felde, und da kommt ein Pastor zu ihnen – ein Pastor meiner Preislage – und sagt: "Hört ihr Hirten, euch ist ein Heiland geboren, macht euch auf nach Bethlehem." Was meint ihr, was die Hirten Ihnen gesagt hätten? Ich weiß, was sie Ihnen gesagt hätten. Ich bin vierzig Jahre Pastor in Essen, und ich weiß, was die Leute sagen, wenn ein Pastor sagt: "Euch ist ein Heiland geboren." Ich bin ganz überzeugt, die Hirten wären sitzen geblieben bei ihren Herden und hätten was gemurmelt von "keine Zeit", "religiöser Quatsch" und so. Oder ich bin auch Christlicher, wollte ich gleich da nach Bethlehem rennen oder irgend so was. Jedenfalls wären sie im Leben nie zu Jesus gekommen.

Nein, meine Freunde, wenn Gott Menschen zu seinem Sohn ziehen will, da muss er selber anstoßen. Da müssen Engel her! Wie heißt es: "Wie es zu ihnen gesagt war" – durch Engel, nicht durch irgendeinen Menschen.

Und nun will ich Ihnen offen sagen: Ich finde die Engel noch ziemlich minimal. Als ich zu Jesus kam, da hat Gott noch mehr aufgeboten als bloß Engel. Ich wundere mich, dass die Hirten auf die Engel hin schon reagiert haben. Bei mir war mehr nötig.

Lassen Sie mich persönlich sagen: Da ist der lebendige Gott selber auf den Plan getreten. Der lebendige Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, hat durch seinen Heiligen Geist zu mir gesprochen, als ich in Sünden tot war und verwirrt war und nie gedacht hätte, dass ich nur würde – der ist ein Heiland geboren. Los, geh nach Bethlehem, dass ich mal so sage. Die erste Person der Dreieinigkeit, der Vater, und die dritte Person der Dreieinigkeit, der Heilige Geist, traten auf den Plan, um mich zur zweiten Person der Dreieinigkeit, zum Sohn, zu ziehen.

Aber, meine Freunde, Jesus hat selbst gesagt: "Niemand kann zu mir kommen, es ziehe ihn denn der Vater." Ich bin überzeugt, dass kein Mensch, kein Nachkomme Adams, der in seinen schmutzigen Sünden tot ist oder in seiner Selbstgerechtigkeit erstorben ist, auf Menschenreden hin sich aufmachen wird, seinen Heiland zu suchen – im Leben nicht!

Und nun bitte ich euch: Wundert euch nicht über die Engel und sagt, es sei ein Märchen, sondern schaut mal darauf, dass bei euch der heilige Gott selber durch seinen Geist ruft und lockt. Und seht: "Euch ist ein Heiland geboren. Geht hin gen Bethlehem, ihr werdet ihn finden." Wundert euch nicht über die Engel, meine Freunde.

Es ist mir völlig klar, dass bei uns zynischen, ungläubigen, hartgesottenen Leuten aus dem Jahr 1965 nicht einmal Engel genügt hätten, um uns zu Jesus zu bringen. Manche kennen vielleicht das Buch vom Wunder des Malachi, nicht wahr? Auch sagt Verpilpt worden, man kennt es jeder, wo deutlich wird, dass doch Engel vom Himmel heute Menschen vom Jahr 65 nicht in Bewegung bringen.

Bei uns Menschen vom Jahr 65 muss der heilige, lebendige Gott durch seinen Heiligen Geist selber uns anstoßen, dass wir hingehen, um dieses Kind zu suchen und zu finden. "Ach, wenn ihr eine Ahnung davon habt, dann betet doch: Zieh mich, o Vater, zu dem Sohne, damit dein Sohn mich wieder ziehe zu dir."

Als die Hirten von den Engeln angestoßen wurden: "Geht nach Bethlehem", da sind sie sofort aufgebrochen und fanden das Kindlein. Sie sind so oft durchs Evangelium gegangen, bändigten Gott selber durch den Heiligen Geist gerufen worden zu Jesus.

Und wie viele sitzen hier, die dem Zuge nicht gefolgt sind und diesem Rufen nicht? Und sie fanden das Kindlein. Haben sie Jesus gefunden? Es hängt Leben und ewiges Leben daran. Es kann kein Mensch selig und errettet werden, in Ewigkeit nicht, wenn er dieses Kind nicht gefunden hat.

Die Hirten beteten es an, das heißt, sie legten ihr Herz ihm hin. Haben sie ihr Leben schon Jesus gegeben? Die Hirten gingen auf den ersten Engelruf hin, und uns hat der lebendige Gott so oft gezogen und gerufen. Und was ist herausgekommen? Ein bisschen Christlichkeit, dass Gott erbarmt.

Ich sah mal einen Bauern, der ein Kalb auf die Wiese führen wollte. Das Kalb war so störrisch, blieb stehen und stemmte alle vier Beine ein, dann sprang es auf die Seite, alles Mögliche. Da habe ich gedacht: So sind wir, wenn Gottes Geist uns zu Jesus zieht, auf die Weide des Heils. Da sperren wir uns wie ein störrisches Kalb.

Bei den Hirten haben Engel gelüstet, bei uns kriegt Gott und sein Geist nicht fertig. Nun, wir werden nicht gezwungen. Aber das ist nicht die ernste Seite der Weihnachtsgeschichte. Statt Fragezeichen an die Engel zu machen, sollten wir lieber dem noch viel größeren Rufen Gottes an uns folgen.

Folgen wir, meine Freunde! Ich habe vor Weihnachten meine Weihnachtsgeschichte schon erlebt, wie Gott auch einem sagte: "Gehen wir nach Bethlehem." Mal so drei Tage vor Weihnachten. Da kommt ein junger Mann zu mir, ein Fremdarbeiter, Jugoslawe, da hinten irgendwo hinter Graz – ach, ich muss über Graz fahren, wenn ich heim will.

Ich wusste erst gar nicht, was der junge Mann bei mir wollte. Ich bin ja schließlich ein pensionierter Pastor, nicht? Autofriedhof. Ich kam erst gar nicht darauf, was er wollte, bis ich auf einmal fast erschrocken merkte: Der hat eine Frage. "Was soll ich tun, dass ich selig werde?"

Und es war erschütternd zu hören, wie er schilderte, wie unruhig es ihm war. Er sagte: "Ich bin katholisch, ich kann nur Maria anrufen." Wie er suchend und rufend und unruhig fragte: "Was soll ich tun, dass ich selig werde?" Und dann habe ich ihn an der Hand genommen und zu Jesus geführt.

Und dann sind wir beide niedergekniet neben den Hirten und haben das Kind in der Krippe angebetet. Und er zog seine Straße fröhlich – das heißt im Fiatwagen, wie das heute so ist – so fröhlich davon. Da habe ich gedacht: Sieh, was mit den Engeln geschah, das geschieht heute noch, dass Gottes Geist Menschen ruft und sie sich rufen lassen und schließlich stehen.

"Ich lag in tiefer Todesnacht, du wurdest meine Sonne,
die Sonne, die mir brachte Licht, Leben, Freude und Wonne."

Drittens: Die anstößige Herrlichkeit

Die herrliche Anstößigkeit der Weihnachtsgeschichte – das dritte Anstößige, das ich Ihnen zeigen möchte, das also dritte Teil jetzt.

Ja, alle wieder bei die dritte anstößige Herrlichkeit oder herrliche Anstößigkeit der Weihnachtsgeschichte: Sie sind die lobenden Hirten. Sie kehrten wieder um, priesen und lobten Gott.

Meine Freunde, nach der Ansicht des modernen Menschen hätte der Engel mit diesen Hirten reden müssen, na sagen wir, über Mitbestimmung im Betrieb, über 35-Stunden-Woche und Arbeitszeitverkürzung, über die harten Lohnverhältnisse im Hirtenberuf.

Das kann Ihnen doch heute jede Akademie und jeder Pastor sagen, dass man über solche Sachen reden muss mit Leuten. Und da kommt dieser völlig überholte Engel und redet mit denen von einem Heiland, der errettet von Sünde und Tod und Welt und Schuld.

Und dann sollen die Hirten noch glücklich gewesen sein darüber? Sie priesen und lobten Gott dabei.

Ich frage euch: Was hat das mit dem Alltag der Hirten zu tun, in den sie zurückgingen? Ja, was hat das mit dem Alltag der Hirten zu tun? Nicht, was hat das damit zu tun? Da sollen sie gesungen haben und gepriesen und gelobt, wo sie zurückgingen in sehr harten und bitteren Verhältnissen.

Das haben wir gestern gehört hier, was der Hirtenberuf für eine bittere Angelegenheit war. Nein, sagt der moderne Mensch, höchst unwahrscheinlich. Jedenfalls kann man modernen Menschen so nicht kommen, mitten in seine ungelösten Probleme hinein zu reden von Heiland und Erlösung und Rettung und so. Das geht doch nicht.

Verstehen Sie? Und das ist gerade die Pointe der Geschichte. Hier ist eine der schönsten und wichtigsten Stellen der Geschichte. Hier kommt es ans Evangelium.

Seht, die Hirten gingen in ihren grauen Alltag zurück. Wir leben alle im grauen Alltag. Oh, ich kenne Sie zu wenig, aber ich weiß: Trotz Wohlstand ist der Alltag grau in grau, ja? Grau in grau.

Ich traf diese Tage am Nachmittag vom Heiligen Abend jemanden, der gern seinen Beruf schätzt, und der sagte: "Ach, zweieinhalb Tage ganz frei." Und ich dachte an diesen Menschen heute und dachte: "Bloß noch ein Tag, nicht?" Ist doch ein grauer Alltag.

Und dann traf ich an demselben Nachmittag vom Heiligen Abend einen Geschäftsmann. Er sagt: "Jetzt ist alles vorbei. Wissen Sie, Pastor Busch, glauben Sie niemandem, dass Weihnachten eine feste Liebe ist. Eine feste Habgier ist das." Er hat Recht. Er wird nicht alleine stehen, so zu denken.

Ach, wir leben alle irgendwie im grauen Alltag. Das Leben spielt gleichsam überall eine dumpfe Bassmelodie, und nun singen die Hirten da eine helle Oberstimme dazu. Sie priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten.

Nun sangen sie von Vergebung der Schuld und vom Frieden mit Gott und von einem neuen Leben im Glauben und von der Liebe Gottes, die ganz real greifbar unter uns erschienen ist, und von dem offenen Himmel über ihnen und von der hellen Hoffnung.

Die sangen das Lied in der hellen Oberstimme. Und meinen Sie nicht, dass unsere Zeit diese Oberstimme nötig hätte und dass ihr Leben diese Oberstimme nötig hätte?

Ich will mich nicht damit aufhalten, die Basstöne des Daseins noch ein bisschen mehr in Ordnung zu bringen oder vielleicht ein bisschen in Ordnung. Ich möchte Ihnen lieber sagen: Sie dürfen auch diese helle Oberstimme im Alltag mitsingen!

Sie kehrten wiederum, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten. Sie dürfen diese helle Oberstimme mitsingen, weil das wahr ist, was wir eben gesungen haben.

Oder haben wir es noch nicht gesungen? Ich weiß nicht. Ihr habt mit euch den wahren Gott, lasst Zürnen, Teufel, Welt und Höllen, Gottes Sohn ist worden euer Gesell. Das ist weihnachtlich, nicht?

"Lasst Zürnen, Teufel, Welt und Höll,
Gottes Sohn, Gottes Sohn ist worden euer Gesell!"

Ha! Wer das begriffen hat, der singt mitten in die dumpfen Klänge des Alltags die helle Oberstimme der Hirten mit.

Wir dürfen es. Wir wollen beten.

Herr Jesus, wir danken dir, dass dein Wort in Wort der Wahrheit ist und dass mit dir wirklich eine herrlichere, bessere und größere Welt hereingebrochen ist, als uns Vernunft nur von fern ahnt.

Und umgib uns mit erleuchteten Augen des Verständnisses. Amen!

Wir wollen stehenbleiben und aus dem Lied vierzehn den zweiten Vers singen. Jetzt kümmern Sie sich nie um die Tafeln, das ist alles durcheinander.

Lied vierzehn Vers zwei.

Nach dem Segen wollen wir aus dem Lied Anhang achtundvierzig den dritten Vers singen:

"König der Ehren, dich wollen wir ehren,
dich wollen wir hören."

Und nun wollen wir still werden:

Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!

Herr, segne uns und behüte uns. Herr, lass dein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden! Amen.

Dritter Teil: Die Reaktion der Hirten und die Bedeutung für den Alltag

Lassen wir noch ein drittes sagen: die anstößige Herrlichkeit, die herrliche Anstößigkeit der Weihnachtsgeschichte. Das dritte Anstößige, das ich Ihnen zeigen möchte, ist also das dritte Teil jetzt. Ja, alle wieder bei der dritten anstößigen Herrlichkeit oder herrlichen Anstößigkeit der Weihnachtsgeschichte.

Sie sind die lobenden Hirten. Sie kehrten wieder um, priesen und lobten Gott. Meine Freunde, nach der Ansicht des modernen Menschen hätte der Engel mit diesen Hirten über Mitbestimmung im Betrieb, über die 35-Stunden-Woche und Arbeitszeitverkürzung sprechen müssen, über die harten Lohnverhältnisse im Hirtenberuf.

Das kann Ihnen doch heute jede Akademie und jeder Pastor sagen, dass man über solche Sachen reden muss mit Leuten. Und da kommt dieser völlig überholte Engel und redet mit ihnen von einem Heiland, der errettet von Sünde und Tod und Welt und Schuld.

Und dann sollen die Hirten noch glücklich gewesen sein darüber. Sie priesen und lobten Gott. Dabei frage ich euch: Was hat das mit dem Heiland zu tun, mit dem Alltag der Hirten, in den sie zurückgingen? Was hat das zu tun mit dem Alltag der Hirten? Nicht, was hat das damit zu tun? Da sollen sie gesungen haben und gepriesen und gelobt, während sie zurückgingen in sehr harten und bitteren Verhältnissen.

Das haben wir gestern hier gehört, was der Hirtenberuf für eine bittere Angelegenheit war. Nein, sagt der moderne Mensch, höchst unwahrscheinlich. Jedenfalls kann man modernen Menschen so nicht kommen, mitten in ihre ungelösten Probleme hinein, zu reden von Heiland und Erlösung und Rettung und so. Das geht doch nicht.

Verstehen Sie, und das ist gerade die Pointe der Geschichte. Hier ist einer der schönsten und wichtigsten Stellen der Geschichte. Hier kommt es ans Evangelium. Seht, die Hirten gingen zurück in ihren grauen Alltag. Wir leben alle im grauen Alltag.

Oh, ich kenne Sie zu wenig, aber ich weiß: Trotz Wohlstand ist der Alltag grau in grau, ja? Grau in grau. Ich traf diese Tage am Nachmittag vom Heiligen Abend jemanden, der gern seinen Beruf steht, und der sagte: „Ach, zweieinhalb Tage ganz frei.“ Und ich dachte an diesen Menschen heute und dachte: „Bloß noch ein Tag, nicht?“ Ist doch ein grauer Alltag.

Und dann traf ich am selben Nachmittag vom Heiligen Abend einen Geschäftsmann. Er sagt: „Jetzt ist alles vorbei. Wissen Sie, Pastor Busch, glauben Sie niemandem, dass Weihnachten eine feste Liebe ist. Eine feste Habgier ist das.“ Eine feste Habgier hat Recht. Er wird nicht alleine stehen, so zu denken.

Ach, wir leben alle irgendwie im grauen Alltag. Das Leben spielt gleichsam überall eine dumpfe Bassmelodie. Und nun singen die Hirten da eine helle Oberstimme dazu. Sie priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten.

Nun sangen sie von Vergebung der Schuld und vom Frieden mit Gott und von einem neuen Leben im Glauben und von der Liebe Gottes, die ganz real greifbar unter uns erschienen ist, und von dem offenen Himmel über ihnen und von der hellen Hoffnung. Sie sangen das Lied in der hellen Oberstimme.

Und meinen Sie nicht, dass unsere Zeit diese Oberstimme nötig hätte und dass Ihr Leben diese Oberstimme nötig hätte? Ich will mich nicht damit aufhalten, die Basstöne des Daseins noch ein bisschen mehr in Ordnung zu bringen oder vielleicht ein bisschen in Ordnung.

Ich möchte Ihnen lieber sagen: Sie dürfen auch diese helle Oberstimme im Alltag mitsingen! Sie kehrten wiederum, priesen und lobten Gott um alles, was sie gehört und gesehen hatten. Sie dürfen diese helle Oberstimme mitsingen, weil das wahr ist, was wir eben gesungen haben.

Oder haben wir es noch nicht gesungen? Ich weiß nicht. Ihr habt mit euch den wahren Gott: „Lasst Zürnen, Teufel, Welt und Höll, Gottes Sohn ist worden euer Gesell!“ Das ist weihnachtlich, nicht?

„Lasst Zürnen, Teufel, Welt und Höll, Gottes Sohn, Gottes Sohn ist worden euer Gesell!“ Ha, wer das begriffen hat, der singt mitten in die dumpfen Klänge des Altars die helle Oberstimme der Hirten mit. Wir dürfen es.

Schlussgebet und Ausklang

Wir wollen beten.

Herr Jesus, wir danken dir, dass dein Wort ein Wort der Wahrheit ist. Mit dir ist eine herrlichere, bessere und größere Welt hereingebrochen, als unsere Vernunft nur aus der Ferne ahnt. Umschließe uns und erleuchte unsere Augen des Verständnisses. Amen!

Wir wollen stehenbleiben und aus dem Lied 14 den zweiten Vers singen. Jetzt kümmern Sie sich nicht um die Tafeln, das ist alles durcheinander.

Lied 14, Vers 2.

Nach dem Segen wollen wir aus dem Liedanhang 48 den dritten Vers singen:

König der Ehren, dich wollen wir ehren, dich wollen wir hören.

Nun wollen wir still werden.

Unser Vater im Himmel, dein Name werde geheiligt, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden. Gib uns heute unser tägliches Brot.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!

Herr, segne uns und behüte uns. Herr, lass dein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. Erhebe dein Angesicht auf uns und gib uns Frieden! Amen.