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Christus liebhaben ist besser als alles Wissen

08.05.2016Epheser 3,14-21

Der heutige Sonntag liegt sozusagen zwischen Himmelfahrt, der Machtergreifung von Jesus und seiner Herrschaft über die ganze Welt, sowie dem Pfingstfest, der Ausgießung des Heiligen Geistes über die Gemeinde.

Ich lese den Abschnitt, der heute in unserer Landeskirche für diesen Sonntag vorgesehen ist, aus dem Epheserbrief. Der Epheserbrief ist ähnlich großartig wie der Kolosserbrief, weil er uns die Größe von Jesus aufzeigt – universell – und welche Bedeutung das hat.

Ich lese aus Kapitel 3, Verse 14 bis 21.

Die Kraft des Gebets und die Größe Jesu

Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater, das müssen Sie wissen. Das Große am Apostel Paulus war nicht seine Redegabe, sondern dass er ein Beter war. Wer betet, kann viel bewegen.

Wir wollen unseren Rücken nie vor Menschen und den Mächtigen dieser Welt beugen. Dort wollen wir einen steifen Rücken haben. Aber vor Gott wollen wir unseren Rücken beugen, kniend vor dem rechten Vater, der der Richtige ist – über alles, was Kinder heißt im Himmel und auf Erden.

Er gebe euch Kraft, nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit stark zu werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen. Ganz wichtig ist, dass wir starke Menschen werden am inneren Menschen. Äußerlich kann viel zerfallen und schwach werden, aber innerlich wollen wir stark sein.

So soll Christus durch den Glauben in euren Herzen wohnen, und ihr sollt in der Liebe eingewurzelt und gegründet sein. Dann könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welche Breite, Länge, Höhe und Tiefe die Liebe Christi hat, die alles Erkenntnis übertrifft.

Im Altnotatext steht: Christus zu lieben ist besser als alles Wissen. Glaube ist keine Kopfsache, sondern eine Liebe zu Jesus. Damit soll er erfüllt werden mit der ganzen Gottesfülle, dem, der überschwänglich tun kann, über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen.

Nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Erinnerungen an die Nachkriegszeit und die Bedeutung des Glaubens

Ich muss auch noch einmal von vor 70 Jahren erzählen, wie das damals war. Ich war damals ein Pimpf mit acht Jahren, doch ich erinnere mich noch genau, wie ausgehungert wir waren. In der Schulklasse waren 70 Kinder, und es war im Winter ungeheizt.

Ich hatte schreckliche Hautausschläge. Es gab keine Nivea-Creme, es gab überhaupt nichts. An meinem Geburtstag – wir waren ja sechs Geschwister – gab es in all den Jahren nach dem Krieg ein großes Geschenk: ein Ei. Ich weiß noch, wie wir alle um den Tisch saßen, als das Geburtstagskind das eingeschlagene Ei aß. Wir schauten zu und freuten uns mit. So dankbar waren wir.

Wir hatten nichts zum Anziehen, keine Schuhe. Wenige Jahre später wurde bei uns in Stuttgart die Hofacker-Kirche eingeweiht. Die Gemeindeglieder hatten von den zerstörten Häusern die Trümmer und Backsteine abgekratzt und sie dann selbst wieder aufgemauert.

Bei der Einweihung sprach der Kultusminister ein Wort, und das war ein tolles Wort. Er sagte: Wir haben erlebt, wohin unsere Welt kommt, wenn der Mensch alles nach seinem Willen will, im Größenwahn, wenn er herrschen will und die Technik im Dienst des Menschen steht. Wenn der Mensch sich selbst an die Stelle Gottes setzt und dann den Wunsch ausspricht – so war das nach dem Krieg –, möge Gottes Wort als ein Licht in diese dunkle Zeit hineinstrahlen.

Das würde heute unser Kultusminister nicht mehr sagen. Wir merken, wie arm wir geworden sind. Er sagte außerdem, es sei eine der wichtigsten Aufgaben, darüber zu wachen, dass sich der Geist des Evangeliums auch in den Schulen immer mehr durchsetzt. Dann fügte er den Wunsch hinzu, möge die Jugend hingeführt werden zur einzigen Hilfe in dieser schweren Zeit: zu Jesus Christus.

Die heutige Situation und die Notwendigkeit von Jesus Christus

Und heute ist es wunderbar, wenn man nach Skøy hineinfährt. Diese liebliche Landschaft – wo gibt es das sonst noch auf der Welt? Man sieht die großen Firmen, die Wirtschaftsrundläufe, die Autos, die dort fahren, und die Menschen.

Es gibt nirgendwo auf der Welt eine so gute medizinische Versorgung und Sozialgerechtigkeit wie bei uns. Dennoch sind die Menschen weiter von Gott entfernt als je zuvor. Das ist eine große Not. Wir haben das vergessen: Die einzige Hilfe in unserem Leben ist Jesus Christus, unser Heil.

Das hat den Apostel Paulus bewegt, als er als Missionar in die Weltstadt Ephesus kam. Er hatte in seinem Leben auch lange Zeit ohne Gott gelebt. Man darf wissen: Er war ein eifriger Mann. Er sagte, er habe nach dem Gesetz unsträflich gelebt – wer könnte das von sich sagen? Er war moralisch ganz groß.

Aber er sagte auch, dass er der schlimmste von allen war. Er hatte die ausgestreckte Hand Jesu weggestoßen, weil er sich so sicher und stolz fühlte. Er meinte, er könne das allein schaffen. Dabei ist Jesus, wie Paulus im Epheserbrief so grandios beschreibt, der einzige Erlöser, den Gott seit Urzeiten bestimmt hat. Er hat die Welt geschaffen, ist der Weltenrichter.

Paulus beschreibt und sagt: Hoffentlich habt ihr Augen, um das richtig zu erkennen. Er zeigt, wie Jesus über alle Reiche der Welt gesetzt ist, wie er größer ist als alle satanischen Mächte. Paulus durfte diesen Herrn anrufen, als er in der Weltstadt Ephesus zu predigen begann.

Manche von ihnen waren ja schon auf einer Art Schnäpschenreise dort und hatten die Stadt besucht. Es war damals eine grandiose Weltstadt, und dort stand einst das Siebenweltwunder.

Die Herausforderung des Glaubens in einer heidnischen Welt

Dieser Tempel der Diana, der Artemis geweiht war, lässt sich kaum in Worte fassen. Die schreckliche Darstellung mit den unheimlichen Sechssymbolen war kaum zu ertragen. Die ganze Stadt lag zu Füßen dieser Religion. Der reichste Mann der Stadt hatte ihn einst errichtet.

Was hat Paulus gepredigt? Er erzählte von Jesus. So wie Sie es tun können, wenn Sie mit Freunden oder Kollegen darüber sprechen, mit Ihren Kindern oder in der Gemeinde. Es ist ein ganz schlichtes Zeugnis. Mehr kann man kaum sagen.

Dabei ist etwas ganz Tolles geschehen: Unzählige Geisterbeschwörer, Zauberer, Gaukler und Dämonenaustreiber – all diese Menschen – sind zum Glauben an Jesus gekommen. Es gab eine Bekehrung, eine Lebensumwandlung.

Sie sammelten ihre Zauberbücher und okkulten Schriften, machten ein großes Feuer und verbrannten sie. Sie wollten nichts mehr von Lug und Trug wissen. Ihr Leben sollte von nun an allein Jesus gehören.

Die Kraft des Gebets und die Demut vor Gott

Es interessiert uns: Wie kann man das denn machen? Machen kann man gar nichts. Wir können auch keine Gemeinde gründen. Wir können keine Kinder zum Glauben führen. Du kannst niemanden überzeugen, egal wie gut du redest – es prallt einfach ab.

Wie hat Paulus das gemacht? Ohne Tricks. Er hat immer gesagt: Wir fälschen nicht Gottes Wort und machen nicht noch irgendetwas drum herum. Wir beweisen uns mit der Offenbarung der Wahrheit – aber mit dem Gebet.

Wissen Sie eigentlich, dass das Gebet die Welt bewegt? Wissen Sie, dass Sie durch das Gebet Gott bewegen können? Ich darf es jedem von Ihnen auf den Kopf zusagen: Dass Sie zum Glauben gekommen sind, liegt nur daran. Nicht weil Sie so clever waren, sondern weil irgendjemand für Sie gebetet hat. Vielleicht die Oma, vielleicht die Mutter, die Helferin in der Kinderkirche, meine Nachbarin.

Gott kann sich nur offenbaren, wo er in Ihrem Leben wirkt. Sonst ist da Finsternis, Dunkelheit. Und das Größte in einer Gemeinde – auch in den Zweigen – ist, wenn da Beter sind, die sagen: Herr, bewege doch noch einmal unseren Ort! Dass Menschen nicht allein auf das Geld vertrauen, denn das macht die EZB eh kaputt.

Was wollen die auf die Ehre von Menschen geben? Wem traut ihr denn in der Zukunft, wenn nicht dem lebendigen Herrn Jesus, dem Einzigen, der euer Leben tragen kann? Und er sagt: Ich beuge meine Knie.

Es ist etwas Tolles, wenn aufrechte, stolze Leute knien – seine Demutshaltung. Vor Gott zu knien ist keine Schande. Die äußeren Formen sind nicht wichtig, aber ich bete auch gern kniend. Schön, vor Gott will ich nicht groß dastehen. Er kennt mich ja durch und durch – mit allen Versäumnissen, mit allen Fehlern, mit allen Schwächen.

Und er betet, dass dort die Christen in Ephesus stark werden am inneren Menschen.

Die Bedeutung eines starken inneren Menschen im Alter

Nun ist es ganz besonders schön an diesem Tag der siebzigjährigen Konfirmation. Wir Alten spüren sehr schnell, wie unser Leib zerfällt. Ihr Jungen, das ist schon eine Demütigung, wenn die Zähne nicht mehr richtig funktionieren, wenn einem die Dinge nicht mehr so einfallen wie früher und wenn man nicht mehr so den Berg hinauflaufen kann wie früher. Wenn man sich zurücknehmen muss, weil die Jungen sagen: „Wir brauchen dich nicht mehr, Vater“, dann tut das manchmal auch weh.

Das Äußere, das Zerfallen des äußeren Leibes, ist jedoch nicht das Schlimmste. Das beschreibt Paulus ja in seinem zweiten Korintherbrief: Wenn der äußere Mensch zerfällt – in Krankheit, in Schwäche – so wird der innere Mensch von Tag zu Tag erneuert und wächst. Der innere Mensch wird immer stärker.

Das ist ganz wichtig, dass Sie immer mutiger werden. Ich darf Ihnen erklären, wie Paulus zum Glauben an Jesus kam und wie Jesus ihm begegnet ist. Paulus meinte: Jesus lebt wirklich, den gibt es wirklich. Es war für ihn nie so, dass Jesus nur ein Gewäsch und Geschwätz von den Leuten sei. Er lebt wirklich.

Und wie er ihm nachgefolgt ist, hat er sich umbenannt. Ursprünglich hieß er Saulus, nach dem ersten König Israels. Das war so ein großer Hühnerhaufen, so ein Korbballspieler, der so oben runterlangt, stark und mächtig – Saulus.

Dann hat er sich einen Spitznamen gegeben, der sein neuer Name wurde: Paulus, der Kleine. Er wollte der Kleine sein. Wisst ihr, im Glauben ist es nie schlimm, wenn wir klein sind vor Gott. Ach, das wollen wir sein: „Herr Jesus, du kennst doch alles, was ich versäumt habe, was ich falsch gemacht habe, wo ich schuldig bin. Aber ich suche dich, damit du mein Herz fest machst.“

Das ist etwas Wunderbares, wenn ihr, liebe Gnadenkonfirmanten, fest werdet am Herzen.

Die Kraft des neuen Herzens und des Heiligen Geistes

Wer alte Menschen pflegt, weiß, dass das oft eine Not sein kann. Alte Menschen werden manchmal quengelig, zornig, böse.

Herr, gib mir das neue Herz, das innere Herz der Geduld, der Freundlichkeit, der Liebe, der Barmherzigkeit und der Sanftmut. Ach, wie schön ist das!

Ich habe in meinem Leben so viele alte Menschen erlebt. Ihr Jungen, da könnt ihr euch nur daran messen, nicht an der Körperkraft. Aber sie hatten eine Ewigkeitshoffnung, sie hatten eine Liebe. Wenn ich an meine Oma denke: Sie war über dreißig Jahre Witwe. Doch was sie uns gegeben hat und wie sie uns Jesus groß gemacht hat, das war beeindruckend. Sie hatte keine Angst vor dem Sterben, sondern einen so festen Glauben. Den kann man nur geschenkt bekommen durch den Geist Gottes.

Darum betet Paulus hier, dass er euch Kraft gebe, nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit stark zu werden durch seinen Geist an dem inneren Menschen (Epheser 3,16). Ich brauche diesen starken Geist, den mutigen Geist, um nicht verzagt zu sein. Den Geist der Freude, der Liebe, der Hoffnung und der Zuversicht. Den brauchen wir Christen, und er fehlt uns ganz stark. Den haben wir von Natur aus nicht.

Da darf ich bitten, den Vater im Himmel. Ich weiß nicht, was Sie für einen Vater gehabt haben, aber der himmlische Vater ist ganz anders. Er will schenken, er will nur schenken, er will Sie überschütten.

Darum ist es so gut, dass wir heute im Gottesdienst auch sagen: Ich brauche diesen Geist, den Heiligen Geist, ganz dringend. Den neuen Geist, der mein Herz festmacht, gewiss macht, wahrhaftig und aufrecht. Denn wir sind ja alle so labil. Der Teufel kann uns so leicht versuchen. Und wir sind manchmal so zornig, so quengelig, so ungeduldig und so zweifelnd.

Diese Konfirmanden haben vor siebzig Jahren ein Lied gesungen. Schade, unsere Kirchenmusiker haben manche schönen Lieder aus unserem Gesangbuch gestrichen. Dieses eine Lied aber war früher den Konfirmanden so wichtig. Ich darf es hier nur zitieren, und manche werden es noch kennen:

„Stärk uns, Mittler, Dein sind wir.
Wacht über unsere Seelen.
Wie viele haben dir die Treue geschworen,
aber sind treulos geworden
und haben die Liebe kalt werden lassen.
Sei mächtig bei den bösen Versuchungen, die uns treffen,
und erst recht in der Todesstunde.
Lass uns hoffnungsvoll auf dich bauen.“

Toll! Die Konfirmanden haben nicht sich selbst getraut. Dir selbst kann man nie trauen, aber dem barmherzigen Vater im Himmel darfst du immer trauen. Er will sich mit einer erbarmenden Güte dir zuwenden und dir seinen Geist geben.

Darum ist es so wichtig für uns, dass wir fest werden, fest werden im Glauben. Und ihm trauen, unserem Herrn, in seiner großen Liebe. Ihm gehorchen und ihm dienen.

Die Auswirkungen des Glaubens auf das Leben und die Stadt

Wie damals in Ephesus so viele zum Glauben kamen, hatte das Auswirkungen. Sogar das Wirtschaftsleben der Stadt veränderte sich. Damals verdienten viele Menschen ihren Lebensunterhalt durch die Herstellung von Figuren, die die Göttin Artemis darstellten. Ich weiß nicht genau, aber diese Figuren hatten etwa vierzig Brüste. Für die Leute waren diese Figuren lebensnotwendig.

Als Paulus jedoch von Jesus erzählte, funktionierte der Kult plötzlich nicht mehr. Ich wünsche mir, dass Jesus in ihrem Leben so stark wird, dass andere Dinge keinen Einfluss mehr haben. Stattdessen soll Jesus sie von innen heraus regieren.

Am Ende seines Briefes schrieb Paulus: "Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke." Wir sind alle sehr labile Menschen. Immer wieder erleben wir, dass wir einbrechen und versagen. Doch Herr, in dir wollen wir stark sein, auch wenn die Versuchungen des Teufels kommen. Wir wollen fest und unerschütterlich sein. Unser Herz muss fest werden. Das war die Bitte, die Paulus für die Gemeinde in Ephesus ausspricht.

Diese Bitte kam nach einer ganz schrecklichen Verfolgung. Wenn man heute durch Ephesus reist, sieht man dort den Diokletianstempel. Diokletian war einer der schlimmsten Christenverfolger. Ein Dichter namens Plinius sagte, Diokletian sei eine Höllenbestie gewesen. Johannes, der Apostel, wurde von ihm nicht getötet, sondern nach Patmos verbannt, in ein Gefängnis. Dort sah Johannes die herrliche Offenbarung, wie die Weltgeschichte enden wird.

Darum ist es so wichtig, dass wir an Jesus ein festes Herz haben, auch in diesen bewegten Zeiten. Wir wissen, dass er uns durchträgt und führt. Das war die erste Bitte: Ich brauche ein starkes inneres Herz, eine starke Gewissheit. Das braucht man im Leben.

Diese Stärke kann uns nur der himmlische Vater schenken, durch seinen Heiligen Geist. Er gibt uns ein neues Herz und einen neuen Sinn, damit wir mit Freude seinen Willen tun und seine Gebote halten. Das ist die Erneuerung von Pfingsten.

Christus als Wohnstätte im Herzen

Die zweite Bitte, die er ausspricht, ist, dass Christus in unseren Herzen wohne. Es geht also nicht nur um ein reines Kopfwissen, dass ich weiß, es gibt Christus und Christus ist der Weltenherrscher. Viele haben auch vergessen, dass es ein Weltgericht gibt, bei dem ich Rechenschaft über mein Leben ablegen muss. Aber ganz wichtig ist, dass Christus heute in meinem Leben Wohnung machen will.

Das ist entscheidend. Bei vielen Christen ist das völlig in Vergessenheit geraten. Dabei ist es die zentralste Botschaft, die mittendrin im Epheserbrief steht.

Wir waren einmal mit einer Reisegruppe in Jerusalem und sind dort durch die Abwasserkanäle unterhalb der Klagemauer gegangen. Das war während langer, großer politischer Auseinandersetzungen möglich. Man kann dort unterhalb des Tempelplatzes durch diese unteren Kanäle gehen. Das ist sehr ergreifend, denn es überwindet 2000 Jahre Geschichte.

An einer Stelle, etwa 125 Meter unterirdisch, ist man nahe an dem Ort, wo das Allerheiligste war. Dort saßen einige jüdische Frauen, die fast in Ekstase schrien, weil sie so nah an der Stelle waren, an der Gott in seiner Heiligkeit Wohnung auf unserer Erde gemacht hat – im Tempel.

Ich hätte diese Frauen gern geschüttelt. Ich kenne kein Hebräisch, aber ich denke mir: Ihr braucht doch nicht dem alten Heiligtum nachzulaufen! Gott kommt dir doch noch viel, viel näher. Er will in deinem Innersten Wohnung machen, damit Christus durch Glauben und Liebe in euren Herzen wohnt.

In Christus ist die ganze Fülle Gottes leibhaftig da. Dein Leib wird zu einem Tempel des heiligen Gottes. Das gibt es doch nicht! Doch, das ist die allergrößte Botschaft, das Evangelium: Wir sündigen Menschen werden zum Tempel des Heiligen Geistes und der Gegenwart Gottes in Christus, der in uns wohnen will.

Christus will in deinem Leben wirken. Er will deine Worte erfüllen, deine Gedanken lenken. Er will dein Leben benutzen und durch deine Taten wirken. Das ist die größte Sache.

Die persönliche Entscheidung für Jesus

Nimmst du Jesus in dein Leben auf? Ja, natürlich!

Als sie noch Kinder waren – auch unsere siebzigjährigen Konfirmanden vor siebzig Jahren –, wissen Sie, wie sie einst in den Kindertagen liebe Menschen mit euch gesungen haben: „Ich bin klein, mein Herz mach rein, nichts ist rein, mach rein. Soll niemand drin wohnen als Jesus allein.“

Schade, dass unser Glaube so kompliziert wurde. Er war doch erst so einfach: Wohnt Jesus in deinem Leben!

Da kam ein neuer Pfarrer in die Gemeinde. Die Frau konnte nicht mit, sie war krank, und der Mann kam vom Gottesdienst zurück. Die Frau fragte: „Wie war es denn? Was hat er denn gepredigt?“

Der Mann antwortete: „Ja, ich habe auch noch mit ihm gesprochen. Und er hat mich etwas gefragt. Er hat mich gefragt, ob Jesus bei uns wohnt.“

Die Frau sagte: „Ich habe ihm dann gesagt, doch, wir gehen in die Kirche.“

Der Mann erwiderte: „Nein, er hat immer gesagt: ‚Aber wohnt Jesus bei euch?‘“

„Ja, wir beten auch.“

„Wohnt Jesus bei dir? Darf ich das noch mal fragen?“

Es war ja die schöne Bekenntnisfrage an eure Konfirmanden: „Herr Jesus, dir lebe ich, dir leide ich, dir sterbe ich. Dann bin ich tot und lebendig.“

Und wenn Christus in dir Wohnung macht, ach, was ist das herrlich! Auch im Alter, auch in der Krankheit, in den Beschwerden deines Lebens, ist es wunderbar, dass Jesus immer stärker und immer größer wird und immer mehr in meinem Leben wirken will.

Wie wohnt er denn in meinem Leben? Was muss ich da machen? Durch Glauben und Liebe.

Glauben heißt: Jesus, ich vertraue dir. Er sagt ja: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an, mach doch die Tür auf.“

Hast du es in deinem Leben schon mal gesagt: „Jesus, ich will dir gehören. Komm du in mein Leben!“?

Und durch Liebe – wissen Sie, was Liebe ist? Wenn Sie einen Schatz haben, wenn Jesus für Sie der kostbarste Schatz Ihres Lebens wird.

Es ist über 50 Jahre her, dass wir geheiratet haben. Aber als ich dieses Mädchen zum ersten Mal traf und ihr dann schrieb, ob sie mich heiraten wollte, habe ich gesagt: „Aber ich bin schon verheiratet. Ich habe schon mit Jesus eine Bindung, und der sitzt in meinem Herzen drin.“

Dann schrieb sie zurück: „So ist es bei mir auch.“

Und das passt dann. Wenn er in meinem Leben drin ist als der Wichtigste, mehr brauchst du gar nicht mehr begreifen.

Dass er durch Glaube und Liebe wohnt, und dann singen wir sogar: „Nichts soll mehr werden lieber auf Erden als du, der liebste Jesus mein.“

Da ist es nicht mehr schlimm, ob dann die Kraft nachlässt, wenn ich nur das eine weiß: Ich lebe für dich, und du lässt mich nicht los. Niemand kann mich aus deiner Hand reißen.

Das ist die große Freude, und ich darf ihm gehören mit allem, was ich bin.

Die Notwendigkeit einer lebendigen Gemeinde und eines starken Glaubens

Darum betet Paulus dafür. Der wichtigste Schritt zu einer Erneuerung, die wir in der württembergischen Landeskirche ganz besonders nötig haben, ist, dass Christus in den Herzen der Gläubigen wohnt.

Es geht nicht um Kirchensteuerzahlungen oder um Taufscheine, sondern darum, dass Christus in einem Herzen wohnt und sein Geist uns stärkt – am inneren Menschen. So sind wir gläubige Menschen, voller Überzeugung und Gewissheit, ohne Anfechtungen, die uns wankend machen, sondern wir können fröhlich glauben.

Für uns Ältere ist es ebenfalls wichtig, dass sie fröhlich hinüberziehen, wie man nach der Heimat reist. Dass ihnen diese Freude erhalten bleibt, auch in der letzten Stunde ihres Lebens.

Nun sagt Paulus noch etwas, das dritte Anliegen: Dass ihr es begreifen könnt, erkennen könnt, was denn die Breite, Höhe, Länge und Tiefe bedeutet. Was soll da verstanden werden?

Die weltweite Wirkung Christi heute

Die ganze Wirkungsweise unseres Herrn – ich darf das kurz erzählen – erlebten wir am Donnerstag in der Liederhalle. Dort fand der große Missionstag der christlichen Fachkräfte von Hilfe Brüder statt. Es war sehr interessant zu hören, wie Christus wirkt. Man muss das immer wieder hören, denn in der Zeitung steht kein Wort davon. Stattdessen liest man oft nur Schreckensnachrichten.

Doch es ist wichtig, immer wieder zu hören, wie Jesus heute wirkt. Noch nie sind so viele Muslime zu Jesus gekommen wie heute. Ausgerechnet im Iran, in Kommenisch und in Algerien sind es Zehntausende, die sagen: „Ich will Jesus haben, nicht Religion, ich brauche Jesus.“ Diese Menschen brauchen ihn wirklich. Man muss die Länge, Breite, Höhe und Tiefe erkennen, wie Christus heute in der Welt wirkt.

Dort war auch ein Mann aus Nepal. Bis zum Jahr 1952 gab es in Nepal keinen einzigen Christen. Christen wurden vertrieben, weil der Hinduismus das Evangelium gnadenlos verfolgt. Dann sind mutige Christen aus dem Ausland nach Nepal gekommen und haben von Jesus erzählt. Daraufhin brach ein großer Hass in der Welt los. Der Name Jesus ist verhasst von all denen, die ihn ablehnen. Es gibt nur Hass oder Annahme – anders geht es nicht.

Heute gibt es weit über eine Million Jesusanhänger in Nepal. Der indische Premierminister, der den Hinduismus wieder stärken will, verfolgt Christen gnadenlos. Er hat gesagt, dass innerhalb eines Jahres jeder verfolgt wird, der seine Religion wechselt und Christ wird. Ein führender Christ aus Nepal hat uns erzählt, wie gefährlich das ist. Trotzdem vertrauen sie Jesus. Was für eine spannende Zeit in unserer Welt!

Auch in Laos, Kambodscha, Nordkorea, China, Kuba und überall auf der Welt, wo der Kampf um Jesus entbrannt ist, geht auch in deinem Herzen der Kampf los. Willst du dem Wort von Jesus gehorsam sein oder deinen eigenen Weg gehen – den Weg der Sünde und des faulen Kompromisses?

Darum ist es so herrlich, wenn Paulus sagt, dass man über die Breite, Höhe und Tiefe der Christuserkenntnis nachdenken muss – wie Christus heute mächtig wirkt. Ich kann Ihnen nur sagen: Das ist bewegend und erhebend. Wenn man das plötzlich erlebt, wie Menschen verändert werden!

Zum Beispiel war Heinz Spindler da. Er ist nach Belgrad gegangen und kümmert sich um Roma. Oft sagen wir abschätzig „Zigeuner“, aber er baute ihnen Häuser, verkündigte ihnen das Evangelium und erzählte, wie Roma zum Glauben an Jesus kommen. Ein junger Mann, der keine Schule fertig machen konnte, kam zum Glauben an Jesus. Dann machte er plötzlich noch ein Studium. Sein Leben wurde erneuert.

Mensch, was Jesus wirkt! Er heilt sogar zerbrechende Ehen. Es gibt junge Leute, die in Drogen hängen, und plötzlich finden sie neue Hoffnung und eine Zukunft. Sie werden befreit aus der Macht der Sünde.

Hoffnung und Trost in schwerer Krankheit

Lassen Sie mich schließen mit einem Beispiel, das mir dieser Tage ein schwer kranker Mann erzählt hat. Es passt gut zu unseren lieben Jubelkonfirmanten, die vor 70 Jahren ihre Konfirmation gefeiert haben. Dieser Mann durchlebt eine sehr schwere medizinische Behandlung und leidet an einer schweren Krankheit.

Sie wissen, wie es dabei oft zugeht. Es sind Medikamente, bei denen man sich fragt, ob man sie einem Menschen überhaupt zumuten darf. Er hat selten gesagt: „Ich hatte keine Seelenkraft mehr, ich war am Abgrund, ich wollte nicht mehr weiterleben in dieser medizinischen Behandlung, die so grausam war.“

Und dann sagt er auf einmal: „Aber den Christus in mir, der ist nicht gestorben.“ Das stand ihm in der tiefsten Schwachheit so deutlich vor Augen.

„Jesus, der gute Hirte, der mich lieb hat“, und dann kommen die Worte und die Liedverse. Unsere Jugend ist arm, wenn sie diese herrlichen Liedverse nicht mehr singen kann und nicht mehr lernt.

„Ich stehe in meines Herren Hand und will drin stehen bleiben. Stark ist meines Jesu Hand.“ Das sind doch Worte, die auch heute im Losungsbüchlein stehen: „Stark ist meines Jesu Hand, der wird mich ewig fassen.“

Dass die Länge, Breite, Höhe und Tiefe – und ich wünsche dir, dass du Christus immer besser erkennst in deinem Leben, so ganz praktisch: den Heiland, den Herrn und Erlöser, der dich trägt.