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Glauben. Vertrauen, das heilt?

Der Sohn eines Beamten wird gesund (Johannes 4,46–54)
Johannes 4,43-5416.07.2018
SerieTeil 2 / 6Wunder mitten im Leben
Haben Sie je eine so deutliche Antwort auf Ihr Gebet erhalten, dass es ein Wunder sein muss? Was müsste geschehen, damit Sie glauben?

Ein ungewöhnlicher Fall und die Frage nach erhörtem Gebet

Einige Christen in den USA legten sich mit dem Eigentümer einer Bar an. Sie sagten ihm, sie würden dafür beten, dass seine Bar vom Blitz getroffen würde. Also nicht gerade die feine Art. Nicht alles, was sich christlich nennt, verhält sich immer christlich.
Tatsächlich war es dann so, dass einige Wochen später ein Gewitter aufzog, die Bar vom Blitz getroffen wurde und niederbrannte. Der Barbesitzer strengte daraufhin ein Verfahren gegen die Mitglieder dieser Gemeinde an und argumentierte natürlich, dass sie für seinen Verlust verantwortlich seien.
Auf der anderen Seite engagierten die Christen einen Anwalt, der die Auffassung vertrat, dass sie damit natürlich überhaupt nichts zu tun hätten. Der Richter schreibt am Ende, dass der ganze Fall etwas kompliziert sei, dass er allerdings von einem überzeugt sei: Der Barbesitzer glaube an das Gebet, die Christen dagegen nicht.
Vielleicht haben Sie durchaus Antworten auf Gebete erhalten. Ich weiß nicht, ob Sie manchmal Ihre Gedanken und das, was Sie beschäftigt, was Ihnen Sorgen bereitet, in einem Gebet artikulieren, so einen Hilfeschrei zum Himmel. Ich glaube, dass wir häufig Antworten auf unsere Gebete bekommen. Aber dann sind wir ganz schnell versucht, das Ganze doch irgendwie zu rationalisieren, und wir schreiben vieles dem Zufall oder auch dem Glück zu.
Was müsste geschehen, dass Sie glauben?

Der Weg von Kana nach Kapernaum

Johannes war ein enger Vertrauter von Jesus, und er berichtet von einer Heilung, die so außergewöhnlich war, dass es sich hier um ein Wunder handeln muss.
Und ich möchte uns das vorlesen aus der Bibel, aus dem Johannes-Evangelium, Kapitel 4. Da heißt es:
Jesus kam nun wieder nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Einige sind gestern Vormittag schon hier gewesen zu einem Gottesdienst, da habe ich über diesen Text in Kapitel 2 gesprochen. Jesus hat aus Wasser Wein gemacht. Er kommt also wieder an diesen Ort nach Kana.
Es war dort in Kapernaum ein königlicher Beamter, dessen Sohn krank war. Als dieser gehört hatte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa gekommen sei, ging er zu ihm hin und bat, dass er herabkomme und seinen Sohn heile, denn er lag im Sterben.
Jesus sprach nun zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so werdet ihr nicht glauben.
Nun, der königliche Beamte spricht zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt.
Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt.
Der Mann glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Aber schon während er hinabging, kamen ihm seine Knechte entgegen und berichteten, dass sein Junge lebe. Er erforschte nun von ihnen die Stunde, in der es besser mit ihm geworden sei, und sie sagten zu ihm: Gestern zur siebten Stunde verließ ihn das Fieber.
Da erkannte der Vater, dass es in jener Stunde war, in der Jesus zu ihm sagte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte, er und sein ganzes Haus.
Dies tat Jesus wieder als zweites Zeichen, als er aus Judäa nach Galiläa gekommen war.

Die Not eines Vaters und die Erfahrung von Verlust

Stadt Kapernaum befindet sich am Nordufer des Sees Genezareth, der auch das Galiläische Meer genannt wird. In dieser Stadt lebt ein gewisser königlicher Beamter. Das ist so eine Art Minister gewesen am Hof des Königs Herodes Antipas, also eine verantwortungsvolle Position, die er hier in Galiläa innehatte.
Dessen Sohn war krank. Und der hatte nicht einfach so eine Bronchitis, wo man sagt: zwei Aspirin, drei Multivit, schon ist der Kranke wieder fit. Nein, hier wird in diesem Text vom Ernst dieser Krankheit gesprochen, wenn es heisst, er lag im Sterben. Da ist man als Vater natürlich höchst besorgt. Vielleicht ist es das Malariafieber gewesen; das ist in diesem feuchten Klima am See Genezareth keine Seltenheit gewesen. Auch die Schwiegermutter von Petrus litt an einem Fieber. Sie wohnte auch in Kapernaum, und das hat dieser Mann oft mitgekriegt, dass Menschen, die von diesem Fieber befallen waren, das nicht überlebt haben.
Jetzt ging es hier um seinen Sohn. Und jetzt war er natürlich ein einflussreicher Mann, und er wird alles getan haben, was ihm zur Verfügung stand, um seinem Sohn zu helfen. Er hat alle Ärzte, die er kannte, zu denen er irgendwelche Beziehungen hatte, konsultiert, und alles war vergeblich. Das Fieber stieg, die Hoffnung sank. Dieser Mann war schier verzweifelt.
Wenn man sich ein wenig hineinversetzt in einen Vater, der um sein Kind bangt, wird man ein wenig nachvollziehen können, wie die Sorge an ihm nagte. Wenn jemand am Sterbebett eines seiner Elternteile sitzen muss, ist das schon schwer. Ich habe das vorhin erwähnt, ich musste das erleben. Anfang des Jahres habe ich auf der Beerdigung meines Onkels, das war der Bruder meines Vaters, predigen müssen, und das fiel mir schwer. Mein Onkel ist 79 Jahre alt geworden. Und man sagt, das ist nun mal der Lauf der Dinge, dass eine Generation die andere ablöst und dass man sich irgendwann auch von den Eltern verabschieden muss. Aber im umgekehrten Fall, wenn also ein Elternteil, Vater oder Mutter, am Sterbebett eines der Kinder sitzt, das ist wirklich hart.
Ich habe Menschen kennengelernt, die das so erlebt haben, einen italienischen Bekannten, der mitansehen musste, wie sein Junge auf der Strasse vor ein Auto lief und den leblosen Körper in die Wohnung gebracht hat. Und er sagt, es war zwanzig Jahre her, dieses Ereignis, es ist so, als wäre es gestern gewesen. Das ist sicher das Schrecklichste, das ein Mensch erleben kann. Dabei ist jeder Verlust, den wir beklagen müssen, wie so ein Stich in unser Herz. Das muss gar nicht unbedingt der Verlust eines Menschen sein.
Ich weiss nicht, was bei Ihnen gerade so im Sterben liegt. Vielleicht ist es Ihre Ehe, das, was mal harmonisch angefangen hat, was so tief ging, das ist auf einmal so oberflächlich geworden. Vielleicht ist es irgendwie Ihr Selbstbewusstsein, das im Sterben liegt. Vielleicht ist es aber auch so Ihr Gottesbild, also das ist ja das, was uns der Burkhard Rottmann eben so erzählt hat, dass da plötzlich etwas anfängt zu bröckeln und man erkennt, dass man eigentlich verloren ist. Ich weiss nicht, was bei Ihnen so ins Wanken gerät in Ihrem Leben.
Vergangenen Samstag, also vorgestern, war für uns so ein Tag der schlechten Nachrichten. Mein Jungscharleiter, der mich anrief, und ich bin sofort hingefahren. Wir haben zusammen gebetet. Da ist so eine Krebsdiagnose, da merken plötzlich zwei nun ins Rentenalter gekommene, dass sie vielleicht nicht mehr sehr viel Zeit miteinander verbringen werden. Dann haben wir mitbekommen, dass von zwei Leuten, die uns wirklich sehr wichtig sind, die Ehe plötzlich gefährdet ist. Eine dritte Nachricht war, dass in der Gemeinde, wo mein Bruder eben in dieser christlichen Gemeinde zu Hause ist, grössere Schwierigkeiten mit einem Mitglied aufgetreten sind. Und so merkst du: Du bist ja nirgendwo sicher.
Selbst uns Christen geht es ja so, dass manchmal an unserem Fundament gerüttelt wird, unserem irdischen Fundament, und dass wir da irgendwie ins Stolpern geraten. Haben Sie gewusst, dass sich in Deutschland jedes Jahr etwa zehntausend Menschen das Leben nehmen? Die meisten von ihnen, weil sie keine Hoffnung mehr in diesem Leben sehen. Sterben damit hierzulande mehr Menschen durch Suizid, den Freitod, als durch Verkehrsunfälle, Drogen und Gewaltverbrechen zusammengerechnet. Das ist etwas, was man normalerweise so an Zahlen gar nicht vor Augen hat, aber es ist tief erschreckend. Viele junge Menschen, die keinen Sinn mehr in ihrem Leben sehen.
Das Leben ist verdammt ernst. So hiess es einmal in einem Werbeslogan einer Versicherungsgesellschaft, und es ist ein scheussliches Gefühl, wenn man plötzlich keine Lösung sieht für die Probleme, die sich auftürmen, wenn man sich im freien Fall befindet und kein Netz in Sicht ist. Ja, das Leben ist manchmal verdammt ernst. Und auch seine Kinder, die lässt Gott in aller Regel nicht auf Kugellagern in die Ewigkeit in den Himmel gleiten. Ihr wisst ja, wovon ich rede: Es läuft nicht alles so glatt und wie geschmiert.

Hoffnung, Demut und der lange Weg zum Glauben

Nun, nach dieser Wasser-zu-Wein-Verwandlung auf der Hochzeit hat Jesus inzwischen weitere Wunder vollbracht. Das kann man so im zweiten Kapitel ein bisschen nachverfolgen. Als er in Judäa war, hat er auch Wunder getan, und diese Wunder haben ihm den Ruf eingebracht, dass er auch Krankheiten im Griff hatte.
Jetzt hatte er sich eben für längere Zeit im südlichen Teil Israels in Judäa aufgehalten, weit weg also, aber jetzt ist er wieder zurück. Jetzt ist er wieder nach Galiläa gekommen, und dieser königliche Beamte hört das per Mundfunk, dass Jesus sozusagen wieder da ist, wieder erreichbar ist.
Und das ist die gute Nachricht in diesem Text, das ist die gute Nachricht, die uns die Bibel mitteilen hat: Gott ist für uns in Christus erreichbar geworden. Spätestens seit Weihnachten können wir sagen: Gott ist erreichbar. Es ist nicht ein Gott, es ist nicht irgendwie so ein nebulöser Begriff, den wir da irgendwie im Mund führen, wenn wir da von etwas sprechen, was wir nicht erklären können. Gott ist in Jesus Mensch geworden, einer von uns. Er hat sich auf Augenhöhe mit uns begeben, und er ist erreichbar für uns, er ist ansprechbar. Und wer sich darauf einlässt, so wie wir das von Burkhard gehört haben, der macht diese Erfahrung, dass er erneuert wird, dass er aufrichtet wird, dass er uns eine begründete Hoffnung ins Herz pflanzt.
Der Vater hier schöpft Hoffnung, als er von Jesus hört. Er schöpft auch einen Schluck Wasser, den er seinem Sohn einflösst, mit der Bitte, noch ein bisschen auszuhalten. Dann trifft er eilig so ein paar Reisevorbereitungen, bricht auf Richtung Kana, um Jesus zu treffen. Und trotz seines Standes und sicherlich auch Wohlstandes ist dieser Mann imstande, eine Bitte auszusprechen, also als Bittsteller vor Jesus zu treten. Er, der sonst normalerweise Befehle ausgibt, spricht jetzt eine Bitte aus.
Ich glaube nicht, dass Ihnen das sehr leicht gefallen ist. Sie sind ja wahrscheinlich in einer Lebensphase, wo Sie relativ unabhängig sind. Da können Sie selbständig denken, selbständig arbeiten und so, Sie sind finanziell selbständig und so. Und wenn man sich mal so für jeden Cent krum gemacht hat, es fällt einem ja nichts in den Schoß, wenn man so eine gewisse Karriere vielleicht gemacht hat, so etwa das erreicht hat, was man sich vorgenommen hat, dann schleicht sich manchmal bei uns so ein gewisser Stolz ein. Man hat ja im Leben soweit alles selber geregelt, und man lässt sich auch ungern etwas schenken, weil dann ist man dem anderen ja immer irgendwie was schuldig oder zumindest man ist zu Dank verpflichtet und so. Und deswegen regeln wir die Dinge, wenn es irgendwie geht, gerne selbst.
Stolz allerdings ist das größte Hindernis dafür, zu Gott zu kommen. Stolz ist eigentlich eine schlimme Eigenschaft, wenn wir meinen, wir haben es so weit im Griff. Sehen Sie, genauso wie dieselbe Sonne, die Wachs schmilzt, Ton härtet, macht diese Botschaft von Jesus Christus, von der wir hier reden, das Herz des Demütigen weich, das des Hochmütigen aber hart. Das sind Leute, die sagen: Das brauche ich nicht, geh mir damit vom Hof, ich komme schon klar. Das ist so dieser tiefe Wunsch im Inneren eines Menschen, dass er gerne autonom sein will und die Dinge selber regelt.
Ich glaube, dass dieser Beamte, von dem wir hier reden, ein demütiger Mann ist. Stolze Menschen versuchen, ihre Krisen zu managen. Vielleicht meint Gott es ja gut, wenn er manchmal zulässt, dass etwas in unserem Leben passiert, wo wir aufmerksam werden: Wir haben die Dinge nicht im Griff. Vielleicht meint er es gut, wenn er uns manchmal unsere Grenzen aufzeigt.
Kapernaum, um diese Stadt liegt 212 Meter unter dem Meeresspiegel. Das Tote Meer, das ist ja der tiefste Punkt an der Erdoberfläche. Und jetzt, wenn wir den Jordan Richtung Norden verfolgen, da kommt dieser See in Nazareth 212 Meter unter dem Meeresspiegel. Das heißt, egal in welche Richtung man von dieser Stadt aus geht, es geht immer bergauf. Falls dieser Vater des kranken Jungen jetzt zu Fuß ging, musste der sich erst einmal ziemlich anstrengen, um zu Jesus zu kommen.
Es gibt ja bemerkenswerte Texte in der Bibel. Es ist also die Rede von einem Beamten, der Anstrengung auf sich nahm. Dreißig Kilometer liegt die Stadt Kana entfernt von Kapernaum. Wie gesagt, am Nordufer Kapernaum, Kana, wo Jesus jetzt war, das ist ungefähr so die Entfernung nach Hammelburg. Jetzt stellen wir uns mal vor, wir sollten heute Abend zu Fuß von hier Schweinfurt nach Hammelburg gehen.
Zwei Dinge sind hier festzustellen: Erstens ist es ein bisschen anstrengend, aber zweitens ist es möglich. Also wenn man einigermaßen gut zu Fuß ist, nicht gehbehindert ist, dann ist es müh. Es ist ein bisschen anstrengend, ich gebe es zu, dann bei den Temperaturen, aber es ist möglich. Und ich glaube, dass beides grundsätzlich auch gilt, wenn man Jesus begegnen will, denn zu ihm zu kommen ist a) anstrengend, b) es ist möglich.
Das Anstrengende ist eben das, was ich erwähnt habe: einsehen zu müssen, dass ich mir manchmal selber nicht helfen kann. Es gibt Situationen, da kann ich nichts machen, da reicht mein Intellekt nicht aus, da reichen meine Finanzen nicht aus, meine Beziehungen nützen da nichts mehr. Der Mann hat ja alles zur Verfügung gehabt, aber die Situation hat sich nicht geändert, wurde immer schlimmer.
Wem kommt so ein Eingeständnis schon leicht über die Lippen, wer ist gerne ein Bittsteller? Eine Bitte bedeutet immer Überwindung, besonders eben für einen autonomen, einflussreichen Menschen wie dieser hoheitsvolle Beamte. Und außerdem birgt ja eine Bitte immer das Risiko in sich, dass man eine negative Antwort bekommt. Du weißt ja nie, wenn du eine Bitte aussprichst, ob der andere darauf positiv reagiert.
Wenn ich gefragt worden bin, würdest du so eine Vortragsreihe bei uns in Schweinfurt halten, hätte ich auch sagen können: Nö, du musst auf Mathilde aufpassen, sonst macht die alles witzig oder so irgendwie. Also, ja, und dann hätten ja die anderen, die mich da gefragt haben, hätten sie ja nicht dann in der Gemeindeleitung sagen, er hat keine Antwort gegeben. Die Antwort wäre klar gewesen, ich hätte in dem Falle nein gesagt.
Viele argumentieren ja so, wenn sie beten und nicht gleich was passiert: Gott hat mein Gebet nicht erhört, im Sinne von: Er hat mir nicht geantwortet. Manchmal sagt Gott durchaus nein. Zumindest in diesem Moment oder vielleicht sogar endgültig nein, weil Gott ja alle Fakten kennt, und er weiß genau, wann es gut und richtig ist, auf eine Sache einzugehen und es so zu machen, wie wir es vorstellen. Oder manchmal führt er es eben ganz anders. Gott wäre ja nicht Gott, wenn er nicht eine viel tiefere Erkenntnis hätte als wir.
So, und jetzt geht dieser Mann eben dieses Risiko ein. Er kommt mit dieser Bitte, weiß aber nicht so genau, so gut kennt er diesen Jesus auch nicht, wie wird er jetzt auf sein Anliegen eingehen. Jetzt geht es hier nicht allein um irgendwelche Stoßgebete, sondern es geht darum, Gott zu begegnen. Das ist ja der Wunsch, der im Vorprogramm schon zum Ausdruck gekommen ist. Wir wünschten, dass wir Menschen mit Gott in Verbindung bringen können, dass sie diesen Gott kennenlernen, diesen Gott, von dem die Bibel redet, diesen Gott, der uns persönlich begegnet ist, der unser Leben reich macht, der uns diese Hoffnung vermittelt, von der wir hier sprechen.
Und wenn es zu dieser Begegnung mit Gott kommen soll, dann muss man hinaufgehen. Es gibt eine interessante Stelle in der Offenbarung, wo eine Stimme vom Himmel kommt, die sagt: „Komm herauf.“ Die sagt nicht: „Ich komme runter“ oder „Ich hole dich herauf“, sondern: „Komm hier herauf.“ Da muss man hinaufgehen.
Manche wagen ja, wenn sie sich so auf Jesus einlassen, also da ist man Messdiener oder so, man hat irgendwie so eine christlich-religiöse Geschichte hinter sich, und dann meinen sie, so ein paar Schritte in der Jugendzeit oder so, das reicht schon. Oder wenn so eine Veranstaltung hier durchgeführt wird, da gibt es Leute, die fangen so zaghaft an zu glauben, aber so nach zwei oder drei Schritten geben sie das Ganze wieder auf. Aber diese zwei oder drei Schritte bringen noch keine Perspektivänderung. Was ich von hier aus sehe, unterscheidet sich nicht großartig von dem, was sich mir von diesem Standpunkt aus bietet.
Wenn es um Jesus geht, dann lädt er ein zur Nachfolge. Das sind nicht nur zwei oder drei Schritte, sondern das ist ein Weg. Hier in diesem Text ist die Rede von dreißig Kilometern. Wenn du diesen Weg fortsetzt, dann wirst du merken: Wenn ich also jetzt hier durch den Gang gehen würde und draußen da auf die Kreuzung und so, da würde sich sehr wohl einiges verändern.
Gib nicht so schnell auf, bleib doch nicht an der Stelle stehen, wo du mal angefangen hast zu glauben, sondern geh weiter, lass dich auf das ein, was Gott dir anbieten möchte. Geh hinauf heißt auch: Bleib nicht unten. Rede nicht zum Beispiel mit einer Freundin über Liebeskummer, die selber welchen hat. Oder rede nicht mit jemandem über die Probleme in der Kirche oder in der Gemeinde, der selber nie zum Gottesdienst geht. Bleib nicht unten, sondern lass mal alles das zurück und hinter dir und konzentriere dich mal auf den einen, von dem wir sagen, dass er lebt, dass er erreichbar geworden ist, dass sich Gott in ihm gezeigt, geoffenbart hat. Wende dich an Jesus, mach es wie dieser Mann, geh hinauf und hab diese Begegnung mit Jesus Christus ganz persönlich.

Vertrauen, Zeit und die Bedeutung von Wundern

Natürlich können wir das bezeugen. Ich habe gesagt, dass Zeugenaussagen schon ernst zu nehmen sind. Es ist ja schön, dass Herr Burckert davon erzählt, und ich erzähle auch davon, dass es viel besser ist, wenn sie sich jetzt selbst überzeugen. Und das können sie. Dieser Weg steht jedem Menschen offen. Wenn sie nicht hinaufgehen, dann heißt das, es bleibt alles beim Alten. Wollen Sie das?
Als dieser Mann vor Jesus steht und ihn dann um Heilung bittet, da sagt der Herr: Wenn ihr keine außergewöhnlichen Zeichen und Wunder seht, so glaubt er mir nicht. Der Beamte hat vielleicht aufgrund dieser Äußerung den Eindruck gehabt: Er hört mir gar nicht zu. Ich komme hier wirklich mit einem dringenden Anliegen, und dann fängt Jesus an zu predigen: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, dann glaubt ihr nicht.
Nun, es ist noch nie vorgekommen, dass Jesus aufgrund einer Bitte gesagt hätte: Liebe Zeit, gut, dass du Bescheid sagst, jetzt aber schnell. Jesus behält hier erst einmal die Ruhe. Und im Zusammenhang mit dem ersten Wunder, diesem Weinwunder, hat Jesus gesagt: Meine Zeit ist noch nicht gekommen. Das heißt ja, er hat seine Zeit, oder in Klammern: Jesus hat Zeit. Jesus hat Zeit.
Wenn jemand auf glühenden Kohlen sitzt und nervös wird, dann sind wir das. Gott sitzt auf dem Thron, er regiert und ist souverän. Und er ist der, der am besten weiß, wann es richtig ist, einzugreifen.
Wir finden im Hebräerbrief, das ist auch ein Teil des Neuen Testaments, eine Aussage im vierten Kapitel, wo es heißt: Darum wollen wir mit Zuversicht vor den Thron unseres gnädigen Gottes treten. Das ist eine Ermutigung zu beten, damit wir Gnade und Erbarmen finden und seine Hilfe zur rechten Zeit empfangen.
Die Betonung liegt hier auf „zur rechten Zeit“. Gott kommt selten zu früh, aber nie zu spät. Er wird es zur richtigen Zeit hören. Und manchmal will er vielleicht tatsächlich unseren Glauben ein wenig auf die Probe stellen. Er hat ja ein Recht dazu, unseren Glauben auch einmal zu prüfen, ob der wirklich echt ist.
Das wird ja bei den Kugellagern auch gemacht. Da wird ja nichts in den Versand gegeben, was nicht vorher auch noch so eine Endkontrolle erfahren hat. Und so macht Gott es auch. Er prüft schon manchmal, ob er will. Und dann brauchen wir manchmal ein bisschen Geduld, und dann müssen wir warten, bis Gott eben im rechten Zeitpunkt eingegriffen hat.

Zeichen, Staunen und die Frage nach dem Glauben

Jesus weist hier zunächst auf die Bedeutung von Zeichen und Wundern hin. Das ist ja unser Thema: Wunder mitten im Leben.
Als ich vorhin aus dem Auto ausgestiegen bin, hier gegenüber von diesem Parkplatz, da sind so ein paar Garagen. Dort steht mein Auto, falls Sie wissen wollen, was ich so als Evangelist fahre. Da waren auch ein paar junge Männer, zwei junge Männer in einer Garage, ölverschmierte Hände. Und dann habe ich gesagt: Hier, ihr habt es ja nicht weit, in der Stadthalle läuft die Veranstaltungsreihe Wunder werdenbar. Da guckt einer den anderen an. Ja, das können wir gerade gebrauchen, sagt er. Wir kommen hier nicht weiter, da komme ich ja gerade richtig. Also nicht, dass ich hier groß helfen könnte, aber herzlich willkommen alle. Vielleicht sind Sie hier, wenn Sie jemanden mit ölverschmierten Händen sehen, dann wissen Sie Bescheid.
Wunder also. Wir brauchen Wunder, wir wünschen uns manchmal Wunder. Das sind dann manchmal so diese alltäglichen Angelegenheiten, die uns beschäftigen. Hier sagt Jesus: Ihr werdet ohne sie nicht glauben. Das ist offensichtlich für euch die Voraussetzung, dass ihr mir vertraut. Das ist eine Feststellung. Ich glaube, es ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung.
Zeichen und Wunder werden in der Bibel oft zusammen genannt. Das ist so ein Begriffspaar. Ich glaube, dass diese beiden Begriffe zwei wesentliche Aspekte dieser außerordentlichen Machttaten Gottes aufzeigen. Erstens: Zeichen. Sie wollen auf etwas hinweisen. Ein Zeichen zeigt uns etwas, wie ein Verkehrszeichen oder so. Und das Wunder will uns ins Staunen versetzen über von Menschen nicht machbare Handlungen.
Ich will in diesem Zusammenhang mal ein zweifaches Glaubensbekenntnis ablegen. Ich glaube, dass die Wunder, wie sie uns in der Bibel geschildert werden, und das ist ja nur eines von vielen, etwas zeigen wollen, dass wir daraus lernen können. Viele liberale Theologen glauben das auch. Die sagen, es ist aufgeschrieben worden, damit wir unsere Ableitungen davon machen und etwas daraus lernen. Das sind Zeichen.
Der zweite Teil meines Glaubensbekenntnisses ist allerdings, dass ich davon überzeugt bin, dass das, was hier aufgeschrieben worden ist, genau so passiert ist, wie es hier steht. Das glauben viele dieser rational denkenden und auch bibelkritisch lehrenden Theologen in aller Regel nicht. Die sagen: Na ja, das ist alles so im Nachhinein und so.
Es gibt also apologetisch gesehen, ich habe davon gesprochen, viele gute Gründe, davon auszugehen, dass es Augenzeugen waren, die übereinstimmend von diesen Wundern berichten.
Wenn Gott nicht in der Lage ist, Wunder zu tun, bitte, wer denn dann? Dann wäre Gott nicht Gott. Es würde mich ja eher wundern, wenn es keine Wunder in der Bibel gäbe, wenn wir von einem allmächtigen Gott sprechen. Natürlich ist Gott in der Lage, Wunder zu tun. Gott ist Gott.
Also, ich bräuchte ja nicht zu beten, wenn ich nicht davon ausgehe, dass Gott nicht in der Lage ist, dann auch etwas Außergewöhnliches zu tun. Da kann ich, wenn ich Hilfe brauche, auch zu meiner Mutter gehen. Die kann mir genauso helfen wie ein Gott, der auch seine Grenzen hat und eben nicht Wunder tun kann. Vergiss nie: Gott kann alle Dinge tun, die er will. Wunder sind für ihn etwas ganz Natürliches.
Diese liberalen Theologen übrigens öffnen damit dem Okkultismus Türen und Tore. Wenn in den Kirchen verkündigt wird, das kann man alles so nicht mehr nehmen, und so Gott klein machen, und diese junge Generation aber so ein Bedürfnis nach Spiritualität hat, dann versuchen sie das eben mit irgendwelchen anderen zwielichtigen Erfahrungen zu füllen. Und dann weiß sie, ob sie mal mit jemandem zu tun hatten, der sich dann so auf Geist wählt und so etwas, das, was die Bibel verurteilt, wo sie uns sehr deutlich davor warnt, sich auch darauf einzulassen. Also das ist ja noch eine Gefahr, die mit ins Spiel kommt.
Allerdings, auch wenn Gott uns viel zu zeigen hat durch diese Zeichen, auch durch Wunder der Schöpfung zum Beispiel, lesen wir hier auf Kapitel neun und so, da wird das argumentiert: Wenn uns also solche Wunder ins Staunen versetzen wollen, sind alle Wunder Hinweise auf, aber nicht Beweise für Gott. Das muss ich Ihnen leider sagen heute Abend, wir reden hier über das Thema Glauben.
Letzte Beweise für Gott, dass man ins Labor gehen kann und einen Versuch durchführen und man kommt mit dem Ergebnis raus: Es gibt Gott. Das kann ich Ihnen nicht vorweisen. Gott lässt sich nicht beweisen. Wissen Sie warum? Weil Beweise zwingend sind. Und Gott zwingt niemanden. Bei einem Beweis...