Serie•Teil 11 / 15Nehemia - aufbauen. erneuern. beleben
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Ein geistlicher Aufbruch mit überraschender Wendung
Unser Thema lautet heute: „Schreien wir um Hilfe zu unserem Gott.“ Das ist ein Zitat aus dem neunten Kapitel des Nehemia-Buches.
Woher kommen wir? In Kapitel 8 haben wir in der letzten Woche gesehen, dass sich in Israel eine geistliche Erweckung zeigt. Eine geistliche Erweckung beginnt. Nach der Fertigstellung der Stadtmauer, an der Nehemia als Statthalter vorrangig gewirkt hat, tritt plötzlich Esra auf. Er bringt Gottes Wort, liest aus Gottes Wort und predigt aus Gottes Wort, und das über mehrere Stunden. Daraus entsteht eine geistliche Bewegung in Israel.
Wir haben letzte Woche gesehen, dass die Reaktionen der Zuhörer, der Israeliten, des Volkes Gottes, sehr stark in Trauer mündeten. Viel Trauer, viel Weinen, viel Klagen. Die Leviten und alle, die in der Führungsriege waren, hatten mächtig damit zu tun, dieses Weinen einzudämmen und sie aufzufordern, sich endlich zu freuen. Es heißt immer wieder: Und sie waren bekümmert, und sie waren bekümmert. Und immer wieder der Aufruf: Hey Leute, seid nicht bekümmert, seid nicht bekümmert, freut euch!
Die Güte Gottes, die sie erleben sollten und die sie im Laubhüttenfest feiern sollten, wurde durch diese Laubhütten demonstriert. Sie erinnerten sich daran, wie Gott als Retter Israels sein Volk aus Ägypten herausgeführt hat und wie er sie auf dem Weg ins verheißene Land versorgt hat. Das sollten sie feiern, das sollten sie am eigenen Leib spüren. Diese Aufforderung zur Freude hat das achte Kapitel geprägt.
Und jetzt sehen wir auf einmal auf der emotionalen Ebene einen Schwenk, einen sonderbaren Schwenk.
Das Gebet zwischen Schuld und Lobpreis
Ich lese Nehemiah 9
Und am vierundzwanzigsten Tag dieses Monats versammelten sich die Söhne Israels unter Fasten, in Sacktuch und mit Erde auf ihrem Haupt. Und alle, die israelitischer Abstammung waren, sondern sich ab von allen Söhnen der Fremde. Sie traten hin und bekannten ihre Sünden und die Verfehlungen ihrer Väter. Sie standen auf an ihrer Stelle, und man las aus dem Buch des Gesetzes des Herrn, ihres Gottes, vor, ein Viertel des Tages. Ein anderes Viertel des Tages bekannten sie ihre Verfehlungen und warfen sich nieder vor dem Herrn, ihrem Gott.
Und Kadmiel, Schebanja, Bunni, Scherepja, Bani und Kenani traten auf das Podium der Leviten. Sie schrien mit lauter Stimme um Hilfe zu dem Herrn, ihrem Gott. Und die Leviten Jeschua, Kadmiel, Bani, Haschabneja, Scherepja, Hudija, Schebanja und Petachja sagten: Steht auf! Preist den Herrn, euren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und man preise deinen herrlichen Namen, der erhaben ist über allen Preis und Ruhm.
Du, Herr, bist es, du allein. Du hast den Himmel gemacht, die Himmel der Himmel und all ihr Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was in ihnen ist. Du machst dies alles lebendig, und das Heer des Himmels wirft sich vor dir nieder. Du bist es, Herr, Gott, der du Abraham erwählt hast und ihn aus Ur in Chaldäa herausgeführt und ihm den Namen Abraham verliehen hast. Du hast sein Herz treu vor dir erfunden und mit ihm den Bund geschlossen, das Land der Kanaaniter, der Hethiter, der Amoriter, der Perisiter, der Jebusiter und der Girgasiter zu geben, es seinen Nachkommen zu geben.
Und du hast deine Worte aufrechterhalten, denn du bist gerecht. Du hast das Elend unserer Väter in Ägypten angesehen und ihr Geschrei am Schilfmeer gehört. Du hast Zeichen und Wunder getan an dem Pharao, an all seinen Knechten und am ganzen Volk seines Landes. Denn du hattest erkannt, dass sie vermessen an ihnen gehandelt hatten. Du hast dir einen Namen gemacht, wie es am heutigen Tag ist. Und das Meer hast du vor ihnen gespalten, so dass sie mitten durch das Meer auf dem Trockenen zogen. Ihre Verfolger aber hast du in die Tiefen geworfen wie einen Stein in mächtige Wasser.
In einer Wolkensäule hast du sie bei Tag geleitet und in einer Feuersäule bei Nacht, um ihnen den Weg zu erleuchten, auf dem sie ziehen sollten. Und auf dem Berg Sinai bist du herabgestiegen und hast vom Himmel her mit ihnen geredet. Du hast ihnen klare Rechtsbestimmungen und zuverlässige Gesetze, gute Ordnungen und Gebote gegeben. Deinen heiligen Sabbat hast du ihnen verkündet und ihnen Gebote, Ordnungen und ein Gesetz durch deinen Knecht Mose geboten.
Brot vom Himmel hast du ihnen gegeben für ihren Hunger und Wasser aus dem Felsen hervorkommen lassen für ihren Durst. Du hast ihnen befohlen, hineinzugehen, um das Land in Besitz zu nehmen, das ihnen zu geben du deine Hand zum Schwur erhoben hattest. Aber unsere Väter handelten vermessen, verhärteten ihren Nacken und hörten nicht auf deine Gebote. Sie weigerten sich zu gehorchen und dachten nicht mehr an deine Wundertaten, die du an ihnen getan hattest. Sie verhärteten ihren Nacken und setzten ein Haupt über sich, um zu ihrer Knechtschaft in Ägypten zurückzukehren.
Du aber bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und groß an Gnade. Und du hast sie nicht verlassen. Sogar als sie sich ein gegossenes Kalb machten und sagten: Das ist dein Gott, der dich aus Ägypten herausgeführt hat, und große Lästerung verübten, hast du sie doch in deinen großen Erbarmungen nicht in der Wüste verlassen. Die Wolkensäule wich nicht von ihnen bei Tag, um sie auf dem Weg zu leiten, noch die Feuersäule bei Nacht, um ihnen den Weg zu erleuchten, auf dem sie ziehen sollten.
Und deinen guten Geist hast du gegeben, um sie zu unterweisen. Und dein Manna hast du ihrem Mund nicht vorenthalten, und du gabst ihnen Wasser für ihren Durst. Vierzig Jahre lang hast du sie in der Wüste versorgt, sie entbehrten nichts. Ihre Kleider zerschlissen nicht, und ihre Füße schwollen nicht an. Und du hast ihnen Königreiche und Völker gegeben und sie ihnen Stück für Stück zugeteilt. So nahmen sie das Land Sihons, das Land des Königs von Heschbon, in Besitz und das Land des Og, des Königs von Baschan. Und ihre Söhne hast du zahlreich werden lassen wie die Sterne des Himmels.
Du hast sie in das Land gebracht, von dem du ihren Vätern gesagt hattest, dass sie hineingehen sollten, um es in Besitz zu nehmen. Und die Söhne kamen hinein und nahmen das Land in Besitz. Du hast vor ihnen die Bewohner des Landes, die Kanaaniter, gedemütigt und sie in ihre Hand gegeben, sowohl ihre Könige als auch die Völker des Landes, damit sie mit ihnen tun konnten nach ihrem Belieben. Sie nahmen befestigte Städte ein, fettes Ackerland und Häuser in Besitz, die mit allerlei Gut gefüllt waren, ausgehaune Zisternen, Weinberge, Olivengärten und Obstbäume in Menge. Und sie aßen und wurden satt und fett. Sie ließen es sich wohl sein durch deine große Güte.
Aber sie wurden widerspenstig und empörten sich gegen dich und warfen dein Gesetz hinter ihren Rücken. Sie brachten deine Propheten um, die als Zeugen gegen sie auftraten, um sie zu dir zurückzuführen, und sie verübten große Lästerung. Da gabst du sie in die Hand ihrer Bedränger, und diese bedrängten sie. Zur Zeit ihrer Bedrängnis schrien sie zu dir, und du hörtest vom Himmel her. Und nach deinen großen Erbarmungen gabst du ihnen Retter, die sie aus der Hand ihrer Bedränger retteten.
Aber sobald sie Ruhe hatten, taten sie wieder Böses vor dir. Da überließest du sie der Hand ihrer Feinde, dass diese über sie herrschten. Und sie schrien wieder zu dir um Hilfe, und du hörtest vom Himmel her und rettetest sie nach deinen Erbarmungen viele Male. Du tratest als Zeuge gegen sie auf, um sie zu deinem Gesetz zurückzuführen. Sie aber handelten vermessen und gehorchten deinem Gebot nicht, sondern sündigten gegen deine Rechtsbestimmungen, durch die der Mensch lebt, wenn er sie tut. Sie zeigten eine störrische Schulter und verhärteten ihren Nacken und gehorchten nicht. Und du hattest viele Jahre Geduld mit ihnen und tratest als Zeuge gegen sie auf durch deinen Geist, durch das Wort deiner Propheten. Aber sie hörten nicht hin.
Da gabst du sie in die Hand der Völker der Länder. Doch in deinen großen Erbarmungen hast du nicht ein Ende mit ihnen gemacht und sie nicht verlassen, denn ein gnädiger und barmherziger Gott bist du.
Und nun, unser Gott, du großer, starker und furchtbarer Gott, der den Bund und die Gnade bewahrt, lass nicht gering vor dir sein all die Mühsal, die uns getroffen hat, unsere Könige, unsere Obersten und unsere Priester und unsere Propheten und unsere Väter und dein ganzes Volk seit den Tagen der Könige von Assur bis auf diesen Tag. Doch du bist gerecht bei allem, was über uns gekommen ist, denn du hast Treue bewiesen, wir aber haben gottlos gehandelt.
Und unsere Könige, unsere Obersten, unsere Priester und unsere Väter haben nicht nach deinem Gesetz gehandelt und auf deine Gebote und auf deine Zeugnisse nicht geachtet, mit denen du gegen sie als Zeuge aufgetreten bist. Sie aber haben trotz ihres Königreiches und trotz der Fülle deiner Güter, die du ihnen gegeben hast, und trotz des weiten und fetten Landes, das du vor sie gelegt hattest, dir nicht gedient und sind nicht umgekehrt von ihren bösen Taten.
Siehe, wir sind heute Knechte! Und das Land, das du unseren Vätern gegeben hast, um seine Früchte und seine Güter zu genießen, siehe, wir sind Knechte in ihm. Und sein Ertrag mehrt sich für die Könige, die du um unserer Sünden willen über uns gesetzt hast. Sie haben Gewalt über unsere Leiber und über unser Vieh nach ihrem Belieben, wir aber sind in großer Bedrängnis.
Warum die Reihenfolge von Freude und Trauer Sinn ergibt
Okay, viel Text. Man kann sich fragen: Warum lesen wir so viel Text?
Wir sehen in diesem Kapitel, dass sie viele Stunden in Gottes Wort verbracht haben. Sie haben einfach nur gelesen. Dann haben sie viele Stunden im Gebet verbracht, vor Gott angebetet und auch Buße getan.
Und was hier sofort auffällt, wenn man von Kapitel 8 in Kapitel 9 kommt: Was ist das für eine seltsame Dynamik? Die Menschen, die im achten Kapitel dazu aufgefordert haben, nicht traurig zu sein, sondern sich zu freuen, fröhlich zu sein und zu feiern, sind auf einmal dieselben, die jetzt mit Fasten und Trauer daherkommen. Und es sind nur ein paar Tage zwischen diesem Fest, das sie gefeiert haben, und auf einmal kommen sie mit ihrem Bußgebet, mit Fasten, Sack und Asche.
Man kann sich schon fragen: Was ist das für eine Abfolge? Freude, Trauer, Abfolge. Wir würden das vielleicht eher andersherum machen: erst einmal trauern und dann freuen. Aber hier haben wir irgendwie eine andere Dynamik. Ich habe einiges dazu gelesen. Es ist irgendwie die Erklärung, warum das so ist. Es ist sehr schwierig, sich klarzumachen, warum das so ist.
In Prediger 3,1 und 3,4 heißt es: Für alles gibt es eine bestimmte Stunde, und für jedes Vorhaben unter dem Himmel gibt es eine Zeit. Dann heißt es in Vers 4: Zeit fürs Weinen und Zeit fürs Lachen, Zeit fürs Klagen und Zeit fürs Tanzen. Alles hat seine Zeit. Und offenbar war es jetzt an der Zeit zu trauern, aber am Anfang noch nicht.
Sieben Tage sollten sie in diesem Fest Gottes Wunder feiern. Warum sollten sie das tun? Ganz zu Beginn haben sie sich in Gottes Wesen verankert, in seine Fürsorge, in seine Treue, in seine Versorgung, die er im Volk Israel gezeigt hat. Und darin sollten sie sich zuallererst verankern und erkennen, wer Gott ist. Sie mussten zuerst die Wahrheiten Gottes genießen und aufnehmen. Und nicht zuerst bei sich anfangen, sondern zuerst bei Gott beginnen und erkennen, wer er ist, und sich darüber freuen, was für einen Gott sie eigentlich haben, welchem Gott sie dienen.
Und das zeigt uns eine wichtige Lektion auch für uns: Gesunder Glaube gründet sich nicht zuerst in unserer Verdorbenheit, sondern gesunder Glaube gründet sich zuerst in Gott, zuallererst in Gott. Unser Klagen über unsere Sünde findet dann auch Platz. Weinen, Klagen, alles hat seine Zeit. Und auch hier in Kapitel 9 wird nicht ausgespart, welche Sünde und Verfehlungen auch das Volk Israel hatte, oder? Aber dennoch musste es erst einmal beginnen: Wen haben wir hier in Gott?
Und das sehen wir schon allein, wenn wir die Bibel aufschlagen. Womit werden wir zuallererst konfrontiert? Wir werden erst einmal mit einem allmächtigen und herrlichen Gott konfrontiert, mit der Wahrheit über ihn, wie er aus seinem Wesen heraus gerne gibt. Er hat keine Veranlassung, die Welt zu kreieren, aber er macht das und hat Freude daran. Er setzt diesen Menschen in den Garten und zeigt ihm auch eigentlich seine Bestimmung und seine Identität, woher er stammt. Und erst später im Verlauf werden wir dann mit der Geschichte konfrontiert, dass der Mensch in Sünde gefallen ist. Aber die Bibel beginnt damit nicht.
Und so ist es auch mit dem Evangelium. Es gibt aktuell, wenn Menschen versuchen, das Evangelium zu beschreiben, eine recht bekannte Methode, das Evangelium in vier Punkten zu beschreiben. Und zwar ist der erste Punkt: Gott ist gut und Gott liebt dich. Aber wir sind durch unsere Sünde von Gott getrennt. Der dritte ist: Jesus Christus ist für deine Schuld gestorben. Und das vierte ist: Vertraue ihm, kehre um, tu Buße, kehr zu Jesus um, glaube an ihn, und dann bist du gerettet. So diese vier Punkte.
Es war sehr interessant für mich, als ich mal mit einem Freund über diese vier Punkte sprach. Da war es so interessant, als ich gesehen habe, wie mein Freund anfängt, das Evangelium, die gute Nachricht Gottes, die Botschaft Gottes, zu erzählen. Ohne es zu merken, war mein Freund direkt dabei, damit zu beginnen, dass wir von Gott getrennt sind. Und wir haben dann darüber gesprochen: Warum beginnst du damit? Die biblische Botschaft beginnt nicht mit unserer Trennung.
Also ich möchte damit nicht sagen, dass die Trennung von Gott, unsere Sünde, irgendwie ausgespart werden soll. Darüber soll man nicht reden. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich auch darüber sehr konkret rede. Aber das kann nicht unser Beginn sein. Denn wenn wir darüber sprechen, wenn wir unsere Verdorbenheit zuallererst nur sehen, dann haben wir keine Perspektive, dann haben wir keine Hoffnung. Und die biblische Botschaft funktioniert so, dass sie uns einen allmächtigen und liebevollen Gott präsentiert und uns dann in Kontrast setzt und uns zeigt, wohin wir eigentlich kommen sollten.
Und das ist so meine Vermutung, warum diese Bewegung hier so stattfindet, dass das Volk Israel nicht sofort bei seinen Sünden anfängt, sondern erst einmal Gott kennenlernt in seiner Liebe, in seiner Freundlichkeit und in seiner Güte. Und was in Nehemia 8 geschah, war nichts weniger als eine geistliche Grundlagenlegung. Die Grundlage wurde gelegt für den geistlichen Aufbruch. Die Israeliten sollten sich erst einmal vergegenwärtigen, welche Bestimmung sie haben, welche Identität sie ausmacht. Ihre Identität soll ja von Gott herkommen, von Gott her bestimmt werden, von Gott ausgemacht werden und nicht von mir. Ich brauche ja Befreiung auch von mir. Aber ich muss ja wissen: Wohin soll ich denn befreit werden? In welches Bild soll ich denn verwandelt werden?
Und das ist in Kapitel 8 passiert, und jetzt kommen wir in Kapitel 9. Es ist eine Sache, sich über Gott im Klaren zu werden, in Kapitel 8, wer Gott ist, und sich darüber zu freuen. Aber es ist eine andere Sache, daraufhin zu erkennen, wer Gott ist, und daraufhin dann auch zu handeln. Denn die nächsten Kapitel, Kapitel 9 und die nächsten Kapitel darauf, sind davon geprägt, als Volk Gottes im Plan Gottes voranzuschreiten. Sie sollten nicht einfach nur die ganze Zeit ein Fest feiern und sich erinnern an die guten alten Tage, sondern sie sollten aus dieser Erinnerung, aus dieser Festigung und dieser Verwurzelung in Gott selber jetzt auch aufbrechen. Sie sollten weitermachen.
Also die nächsten Kapitel sind davon geprägt, dass Gottes Volk in Gottes Plan voranschreitet, und sie sollen nach vorne gehen. Sie sollen jetzt Zukunft gestalten. Und das ist etwas anderes, als einfach sich zu vergegenwärtigen, wer unser Gott ist. Jetzt geht es darum: In welcher Beziehung stehen wir jetzt zu ihm, und wie handeln wir denn konkret?
Denn eins ist sicher: Das Volk kann nicht so weitermachen wie bisher. Und das haben wir eben gerade gelesen, wie viele Niederschläge dieses Volk hinter sich hatte. Es muss weitergehen. Die Bevölkerung der Stadt Jerusalem steht bevor, damit der Plan Gottes erfüllt werden kann. Jerusalem muss wieder besiedelt werden, und der Plan Gottes muss weiter vorangehen.
Und es braucht unsererseits, vom Volk Gottes, von den Israeliten – das war von den Leviten ganz deutlich hier in Kapitel 9 zu spüren – echte Umkehr. Es braucht einen Sinneswandel, es braucht Vergebung, es braucht einen Neubeginn. Wir wollen an diesen Gott wieder neu anknüpfen und mit ihm gehen und nicht gegen ihn laufen.
Die Form echter Umkehr
Jetzt kann man sich fragen, worin sich diese Klage der Leviten von dem Kummer und der Betrübnis des Volkes unterscheidet.
In 9,1 sehen wir, dass sie sich versammelten mit Fasten, in Sacktuch und mit Erde auf ihrem Haupt. In 8,9 haben wir gesehen, dass das ganze Volk weinte, als es die Worte des Gesetzes hörte. Handelt es sich hier um die gleiche Art von Klage, um die gleiche Art von Betrübnis? Ich glaube nicht.
Die Buße, also die Umkehrbewegung, dieses Bußgebet der Leviten, ist keine Trauer und Betrübnis-Sackgasse wie in 8. Die Menschen in 8 steckten in einer Sackgasse, die Leviten aber nicht. Sie haben sich vor Gott gebeugt und ihre Bedürftigkeit zum Ausdruck gebracht. Das sehen wir in Vers 4. Dort heißt es nämlich, und das zeigt, dass sie nicht in einer Sackgasse stecken wie ihre Leute im Kapitel 8 davor: In Kapitel 9 sehen wir in Vers 4, dass sie mit lauter Stimme um Hilfe zu dem Herrn, ihrem Gott, schrien.
Die Trauer-Sackgasse, die Betrübnis und Bekümmernis, in der die Menschen in Kapitel 8 steckten, war nicht geprägt von einem Bitten um Hilfe von Gott. Sie waren einfach in ihrer Trauer, traurig über sich selbst. Aber die Leviten waren anders unterwegs.
Biblische Buße ist keine reine Verzweiflung über eigenes Versagen. Das war nämlich in Kapitel 8 der Fall. Dort war es einfach nur eine Verzweiflung über das eigene Versagen des Volkes und auch das persönliche Versagen. Und da stecken sie fest. Aber biblische Buße ist nicht einfach nur: Ach, wie jämmerlich, erbärmlich und schlecht steht es um mich. Das kennzeichnet ihre Buße nicht.
Sie kennen sehr wohl ihre Fehlerhaftigkeit, aber sie haben eine Bewegung. Biblische Buße hat immer eine Perspektive, hat immer ein Ziel und hat immer eine Hoffnung. Deswegen kann Jesus auch in Markus 1,15 sagen: Mit seinem Kommen predigt er seine erste Predigt: Das Reich Gottes ist nahe gekommen, tut Buße und glaubt an das Evangelium. Das Reich Gottes ist nahe gekommen, tut Buße. Das eröffnet gleichzeitig eine Perspektive. Er sagt nicht einfach: Ihr seid einfach schlecht, sondern er kommt zuerst mit dem Reich Gottes und sagt: Gottes Königsherrschaft ist da. Jetzt, mit dieser Zielrichtung, kommt, kehrt um und kommt zu mir.
Also sehen wir: Biblische Buße ist nie einfach irgendeine Selbstkasteiung, die in sich schon erfüllt ist. Biblische Buße ist ein Gemisch aus Sündenbekenntnis, aber auch aus Lobpreis. Das haben wir vielleicht nicht so sehr auf dem Schirm, aber wir sehen es in Vers 2: Und sie traten hin und bekannten ihre Sünden und ihre Verfehlungen ihrer Väter.
Okay, soweit. Wir lesen aber weiter: In Vers 5 steht: Preist den Herrn, euren Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und man preise deinen herrlichen Namen, der erhaben ist über allen Preis und Ruhm. Wir sehen hier eine Mischung aus persönlichem Bekenntnis und Lobpreis Gottes und nicht einfach nur meine eigene Schuld.
Persönliche Buße hat immer den Fokus, auch in Gottes liebevolle Arme zu rennen. Und nur der tut wirklich Buße, der über Gottes Liebe und Vergebung ins Staunen gerät. Wer nicht über Gottes Liebe und Gottes Vergebung staunt, wird nicht in diese Bußbewegung einstimmen können. Der wird einfach nur klagen, klagen, klagen und wird einfach nur Reue empfinden. Er wird in dieser Sackgasse stehenbleiben.
Aber für eine vollkommene Herzensumkehr war hier in diesem Augenblick etwas anderes nötig. Sie wollten neue Wege gehen, aber sie wollten es mit Gott tun. Und für diese vollständige, vollkommene Herzensumkehr mussten sie die Anziehungskraft der Liebe Gottes kennen und auch schmecken. Und das tun sie hier.
Das wird durch das Gebet extrem deutlich: dass sie Gott lieben, wegen seiner Eigenschaften, wegen seiner Taten, wegen seiner Treue und seiner Liebe. Und deswegen können sie in diese Bewegung gehen, mit Hoffnung und mit Perspektive.
Gottes Güte als Grundlage für Veränderung
Meine Eltern erzählten mir mal, dass ich das vor einigen Jahren erzählt hatte, als ich in der Grundschule war. Ich weiß gar nicht, wie das zustande kam, aber ich habe mit meiner Klassenlehrerin über Bekehrung gesprochen. Dann hatte sie mich als Grundschüler gefragt, was denn Bekehrung sei.
Meine Eltern erzählten mir später, dass ich wohl gesagt hätte zu meiner Klassenlehrerin: Bekehrung ist in etwa so: Du stehst im Schatten, und vor dir ist nur Schatten, aber hinter dir ist die Sonne, hinter dir ist das Licht. Und ein Mensch, der sich bekehrt, kehrt sich um, dreht sich um zur Sonne, zum Licht, eine Metapher natürlich für Gott, und geht jetzt auf Gott zu, zu diesem Licht, und bleibt nicht in seiner Finsternis stehen.
Paulus hat es so formuliert in Römer 2,4: Weißt du nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet? Also, Paulus hat viele Jahre vorher es anders beschrieben als ich als Grundschüler: Weißt du nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet?
Und das macht hier den ganzen Unterschied im Kapitel neun. Im Kapitel acht haben sie nur Verzweiflung gesehen. Aber bevor sie einfach nur in ihrer selbstkasteienden Reue steckenbleiben, haben sie gesagt: Stop, Stop, Stop. Versenkt euch erst mal in die Wahrheit Gottes, wer er ist. Schaut auf seine Güte, schaut auf seine Treue in der Geschichte. Und jetzt kommen sie ins Kapitel neun und wollen weitermachen. Nach diesem Fest: Jetzt geht es weiter. Wie machen wir weiter? Jetzt erkennen wir auch: Wenn wir weitermachen wollen, wollen wir es nicht so machen wie die vor uns, sondern wir wollen es anders machen.
Und diese tiefe Erkenntnis und Einsicht über Gottes Güte gibt dem Volk begründete Zuversicht für echte Veränderung. Und genau das spiegelt das Gebet ab Vers sechs in unserem Kapitel wider. Es beginnt, wenn ihr genau zugehört habt, mit Gott, und es bleibt erst mal eine ganze Weile bis Vers 15 bei Gott.
Es ist ganz interessant, wenn du einfach mal deine Bibel nimmst und dann unterstreichst, wer hier was tut. Du, Gott, tust das, du tust das. Dann ist es eine Riesenpalette. Du hast die Welt geschaffen. Du machst alles lebendig. Du hast Abraham erwählt, du hast mit ihm den Bund geschlossen, du hast deine Worte aufrechterhalten, du bist gerecht, du hast Wunder getan, du hast böse Motive erkannt, du hast ihnen einen Namen gemacht, du hast das Meer geteilt, du hast die Feinde besiegt, du hast das Volk geführt, du hast gesprochen, du hast gute Gebote gegeben, du hast den Sabbat verordnet, du hast versorgt, du hast das Volk nach Israel geführt, du hast, du hast, du hast, du hast. Es geht hier zuallererst gar nicht, gar nicht um das, wo sie gerade stehen. Sondern sie reflektieren in ihrem Gebet erstmals Gott: Wer ist er, welche Güter hat er und wie hat er sich offenbart? Und erst daraufhin folgt dann sie.
Die Geschichte Gottes und die eigene Gegenwart
Jetzt gibt es dann auf einmal einen Schwenk ab Vers 16, und viermal beschreibt dieses Gebet, dass die Israeliten ungehorsam waren. Und dann geht es mit Gott weiter. Wie geht es mit Gott weiter? Du bist ein Gott der Vergebung, gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und groß an Gnade! Du hast nicht verlassen, du hast den Geist gegeben, du hast Essen gegeben, du hast Trinken gegeben, du hast Ländereien gegeben, du hast und so weiter und so fort.
Was ist die Antwort? Sie sind widerspenstig, du erziehst; sie schreien zu dir, du hörst und errettest; sie sind böse, du erziehst; sie schreien zu dir, du hörst und errettest. Sie waren ungehorsam, du erziehst, du hast Geduld, du hast kein Ende gemacht.
Also sind die Verse 6 bis 31 im Prinzip eine Zusammenfassung ihres Bibelstudiums, das sie am Morgen betrieben haben. Das mündet in ihr Gebet, in dem es darum geht, wie Gott ist und wie der Mensch ist. Und erst ab Vers 32 gehen sie in ihre Situation. Sie wenden sich ihrer eigenen Lage zu. Erst in Vers 32. Davor ist es eine permanente Reflexion darüber, wie Gott sich in der Geschichte gezeigt hat, wie er sich dargestellt hat und was für ein Gott er überhaupt ist. Und erst in Vers 32 geht es auf einmal in ihre eigene Geschichte.
Und die Frage, die hier aufkommt, ist natürlich: Wie werden wir als Volk Gottes nun die Geschichte weiterschreiben? Wie gehen wir weiter? Wir haben gesehen, was in der Vergangenheit passiert ist, wir haben gesehen, wer Gott ist, aber wie gehen wir jetzt weiter? Und mir scheint, dass sich diese Frage jede Generation stellen muss: Wie gehen wir weiter? Was machen wir jetzt daraus?
Und sie verschwenden keine Zeit damit, Zuversicht aus sich selbst zu ziehen. Kinder Gottes legen ihre Hoffnung nicht in ihr Bessersein oder in ihre Versprechungen, dass sie es besser machen werden. Oftmals, wenn wir merken: Okay, die Vergangenheit war jetzt irgendwie nicht gold, dann verfallen wir ganz schnell da hinein, dass wir sagen: Ich werde mich aber in Zukunft bemühen, und darin schöpfe ich Hoffnung. Ich bin nicht so schlimm wie die anderen, ich bin besser, und darin haben wir irgendwie Hoffnung. Aber Kinder Gottes tun das nicht. Das ist überhaupt nicht ihre Argumentationsweise, wenn sie überlegen: Wir stehen vor einer Herausforderung als Volk Gottes, wie gehen wir weiter?
Sie verharren nicht auf ihrem Bessersein. Sie sagen selber in Vers 33, und sie beziehen das auch auf sich: Wir aber haben gottlos gehandelt, wir sind nicht anders als die anderen.
Und was ihr hier erkennt in dieser Reflexion: Jeder Beginn und Neubeginn hat seinen Grund in Gott. Darum bekennen sie in Vers 32 in ihrem Gebet über ihre eigene Situation: Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als zu sagen: Und nun, unser Gott. Und nun, unser Gott. Sie sagen hier nicht einfach: Und nun Gott. Das Possessivpronomen unser Gott macht hier den entscheidenden Unterschied. Sie wissen nicht nur: Hey, wir sind genauso wie die anderen Menschen, sondern wir wissen auch: Dieser Gott, der ihr Gott war, das ist auch unser Gott, und das ist unsere Hoffnung. Meine Hoffnung ist, dass dieser Gott mein Gott ist.
Für uns als Gemeinde, wenn wir weiterziehen wollen, wenn wir Gottes Pläne erfüllen wollen, haben wir nur Hoffnung, wenn wir erkennen, dass Gott unser Gott ist und wenn wir diese Wahrheit tief in unser Herz schreiben. Wenn wir diesen barmherzigen Gott nicht als unseren Gott erkennen, der uns barmherzig ist, dann werden wir keine wirkliche Veränderung von Gott erwarten. Die Israeliten können nur deswegen wirklich hoffen und erwarten, weil sie nicht einfach zu irgendwem schreiben, sondern weil dieser Gott ihr Gott ist, weil er ihnen gehört. Und weil Gott ein barmherziger Gott in der Geschichte war, wird er auch in Zukunft barmherzig sein mit mir. Aber ich muss mich in diese Geschichte Gottes hineinstellen. Ich kann da nicht außen vorbleiben, ich kann nicht da am Rande stehen, ich muss mich in dieselbe Geschichte hineinnehmen.
Und auch bekennlich bin ich nicht besser als die anderen. Und auch wir als Gemeinde sind nicht besser als unsere Väter vor uns. Auch wir haben Mangel, auch wir erfüllen nicht unseren Auftrag. So oft tun wir es nicht. Aber was ist dann unsere Hoffnung? Herr, das nächste Mal geben wir uns Mühe? Oder: Ganz so schlimm sind wir nicht? Nein, wir sind ehrlich, wir demütigen uns, so wie hier, und merken: Wenn wir weitergehen, dann braucht es immer wieder auch diese Demütigung vor Gott. Und dann das Bekenntnis: Herr, du bist unser Gott. Das ist unsere einzige Hoffnung.
Hoffnung für Gemeinde und Auftrag in der Welt
Und das haben die Menschen im Neuen Testament auch erkannt. In 1. Johannes 4,10 sagt Johannes: Hierin ist die Liebe, nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden.
Römer 5,8: Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist, nicht für irgendjemanden.
Die Kraft der Botschaft Gottes, Gott selbst in seiner Kraft, wird nur dann sich manifestieren, wenn wir anerkennen, dass er für uns ist, nicht für die anderen. Und manche Christen sind hoffnungslos in ihren Gebeten und haben keine Hoffnung auf echte Veränderung, weil sie in ihrem Kummer stecken, aber Gott noch nicht kennengelernt haben in seiner Güte. Oder vielleicht wissen sie, dass Gott gütig ist, aber nur für andere. Ist er auch mir so gütig? Ist er auch mir so barmherzig? Oder habe ich es vergeigt, habe ich es verspielt?
Deswegen sagt Paulus in Galater 2,20 ganz deutlich: Ich lebe im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat. Das ist so eine krasse, steile Aussage, weil wir im Neuen Testament meistens die Kollektivaussagen bekommen, so: Er ist für die Gemeinde, für die Schafe, für uns, für euch. Aber Paulus ist ganz konkret.
Paulus, dieser gerechte und auch selbstgerechte Pharisäer, der vorbildliche, fromme und religiöse, wusste: Ich brauche Erbarmen von Jesus, ich brauche Vergebung. Und Jesus hat nicht nur irgendwen, eine anonyme Masse, geliebt, sondern Jesus hat sich für mich hingegeben, und er hat mich geliebt. Das ist so eine große Wahrheit.
Und in dieser Wahrheit haben sich die Israeliten versunken in diesem Gebet. Daraufhin werfen sie in Vers 36 das Dilemma vor Gott, in dem sie stecken. In Vers 36 heißt es: Siehe, wir sind heute Knechte, und das Land, das du unseren Vätern gegeben hast, seine Früchte und seine Güter zu genießen, siehe, wir sind Knechte in ihm.
War das die Perspektive? War das die Vorstellung Gottes? Wir sind versklavt in dem Land, wo du eigentlich Freiheit versprochen hast. Und sie bringen dieses Dilemma vor Gott: Gott, du bist ein guter Gott, aber schau unsere Situation an. Es ist nicht so, wie du es dir vorgestellt hast, es ist nicht so, wie du es versprochen hast. Wir sind Knechte im verheißnen Land, das kann doch nicht sein. In dem Land, wo Freiheit ist, wo wir genießen sollen, dort sind wir Knechte.
Und sie machen hier etwas Schönes: Sie setzen ihre Situation ins Verhältnis zu Gottes Versprechen. Sie kennen Gottes Versprechen und schauen dann ihre Realität an. Und anstatt jetzt einfach zu sagen, wir machen es jetzt besser, sagen sie: Herr, hier ist die Situation, und sie passt nicht zusammen. Das passt nicht, das funktioniert nicht.
Sie bringen ihre einzige Hoffnung radikal zum Ausdruck, indem das Gebet interessanterweise endet: Wir aber sind in großer Bedrängnis. Wir aber sind in großer Bedrängnis. Das ist noch kein so schöner, frommer Abschluss, der irgendwie alles glättet. Es ist einfach dieser Ausruf und die Erwartungshaltung: Du allein, Herr, kannst uns helfen, du allein kannst wieder neu dein Erbarmen unter Beweis stellen.
Pfingsten, Sendung und die Frage nach dem Weitergehen
Was sagt das für uns? Haben wir nicht eigentlich heute Pfingsten? Sollte nicht ein Pastor an Pfingsten predigen?
Seit Pfingsten hat sich unsere Mission verändert. Wir bauen keine Stadtmauern mehr in Jerusalem. Und wenn, dann wäre das vielleicht ein bisschen seltsam. Das ist nicht unser Auftrag. Unser Auftrag hat sich verändert.
In Apostelgeschichte 1,8 sagt Jesus, was an Pfingsten geschehen soll, und damit kommen wir zum Schluss. Er sagt zu seinen Jüngern, ehe er in den Himmel hinauffährt: Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch gekommen ist, und ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.
Der Auftrag Gottes hat sich verändert. Er hat in Jerusalem begonnen, ja, aber seit Pfingsten geht der Auftrag bis an die Enden der Erde. Damit sind auch wir in Emmen gemeint, und auch darüber hinaus.
Und wie steht es um diesen Auftrag? Hier ist ein ganz klarer Auftrag an das Volk Gottes, an die Gemeinde Gottes, an die Versammlung Gottes. Und wir versäumen und versagen oft. Auch wir leben oft nicht in der Bestimmung dessen, was Gott sich gedacht hat, was Jesus Christus uns aufgetragen hat.
Und jedes Mal an Pfingsten sind wir mit dieser Wahrheit auch konfrontiert. Ja, mit der Gabe Gottes, mit der Güte Gottes, dass er den Geist Gottes gibt, dass er uns neues Leben schenkt und dass er uns erfüllen möchte, damit wir Gott mit ganzem Herzen und mit ganzer Kraft lieben. Aber jetzt stehen wir in der Herausforderung, weiterzugehen.
Und wenn wir in die Vergangenheit schauen, sehen wir auch viel Versäumnis und viel Versagen von Kirche, von Gemeinde und auch von uns als Gemeinde. So, was ist jetzt unsere Lösung? Wie gehen wir jetzt weiter?
Die Frage ist: Stecken wir, und deshalb ist Nehemia 9 für uns zu Pfingsten so wichtig, stecken wir in Nehemia 8 fest, in unserer Selbstkasteiung und sind in unserem Kummer gefangen und kommen dort nicht raus? Oder erkennen wir, dass wir einen großartigen Gott haben, der helfen kann, und schreien um Hilfe zu unserem Gott? Das ist die entscheidende Frage aus Nehemia 9.
Wenn wir weitergehen wollen, wenn wir Gottes Plan erfüllen wollen, und Gottes Plan ist es, Menschen in dieser Stadt und Umgebung zu erreichen, und er gebraucht uns dazu, dann schreien wir um Hilfe zu unserem Gott. Bekennen wir unser Versagen, aber schöpfen wir Mut und wirkliche Hoffnung und Erwartung, dass sich Dinge ändern können und das Reich Gottes sich ausbreitet. Nicht, weil wir die Dinge so toll machen, sondern weil Gott voller Erbarmen ist.
Lasst uns Pfingsten dazu nutzen, im Geist von Nehemia 9 umzukehren zu unserem Gott, der voller Erbarmen ist. Und der gerne seinen Geist gibt, wenn wir ihn darum bitten.
Amen? Amen.

