Serie•Teil 3 / 60Der Messias im Alten Testament (AT)
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Einleitung und Ausgangspunkt der Betrachtung
Wir sind dabei, möglichst alle prophetischen Hinweise im Alten Testament auf das erste Kommen von Jesus Christus miteinander anzuschauen. Wenn man die einzelnen prophetischen Aussagen systematisch auflistet, sind es über 300 Prophezeiungen, die sich in Verbindung mit dem ersten Kommen des leidenden Messias erfüllt haben.
Wir werden aber immer wieder sehen, wie oft diese beiden Erscheinungen, das Kommen als leidender und dann später das Kommen als herrschender Messias, auch textlich so zusammengefügt sind, dass deutlich wird, dass es dieselbe Person ist. Ich betone das, weil im Judentum die Idee entwickelt wurde, es gäbe zwei verschiedene Messiasse: einen, der leidet, und einen, der herrscht. Aber das kann man nicht auseinanderreißen. Der Leidende ist der Herrschende, der Herrschende ist der Leidende.
Was man allerdings sehen kann, und das werden wir auch noch in späteren Bibelklassen sehen, ist die zeitliche Abfolge: zuerst der Leidende, dann der Herrschende.
Wir haben begonnen mit der ersten Verheißung des Messias. Dort wird schon deutlich gemacht, dass er ein Mensch sein wird, 1. Mose 3,15, der aber die Macht des Bösen vernichten wird und dabei selbst eine tödliche Verwundung erleben wird. Der Messias wird sterben. Wir haben ausdrücklich gesehen, dass die Verletzung in der Ferse speziell vorausgesagt wurde. Bekanntlich haben die Römer bei der Kreuzigung so genagelt, dass der Fersenknochen mit dem Nagel durchstochen wurde.
Später haben wir in 1. Mose 9 gesehen, dass die messianische Linie, die ja zuerst von Adam über Seth, Enos bis auf Noah weitergeführt werden sollte, über Sem geht. Ich gebe noch einmal die Stelle an: 1. Mose 9,26. Damit wurde gewissermassen zwei Drittel der Menschheit ausgeschieden. Die Menschheit wird ja in 1. Mose 10,9-10 auf die drei Stammväter, die Söhne Noas, zurückgeführt: Sem, Ham und Jaffet. Die Europäer zum Beispiel sind wesentlich Jaffetiten, die Schwarzafrikaner zum Beispiel sind Hamiten, und die Linie des Erlösers sollte also über die Linie von Sem gehen.
Später, zuletzt bei Abraham, wird deutlich: Die Linie sollte nicht irgendwo durch die Semiten gehen, sondern über die Person von Abraham, der zum Stammvater Israels auserwählt wurde. Wir haben die Erwählung Abrahams studiert, als er noch in Ur in Chaldäa wohnte, im Südirak, 1. Mose 12,1-3. Er wurde berufen, ins verheißene Land zu gehen, nach Kanaan. Die nächste Prophezeiung hatten wir in Kapitel 12, Vers 7 gefunden. Dort wurde verheißen, dass die Nachkommenschaft Abrahams dieses Land bekommen sollte, also das Land Israel.
Das Erstaunliche ist: Diese Verheißung wurde in Sichem gegeben, und das ist heute Nablus, die grösste Palästinenserstadt im sogenannten besetzten Westjordanland. Und dann haben wir weiter die Verheißung an Abraham gesehen, 1. Mose 13,14-18, wo Gott nochmals bestätigt: Das ganze Land soll seiner Nachkommenschaft gehören, auf ewig. Das ist ein wichtiger Punkt, der jetzt neu dazugekommen ist: das ganze Land auf ewig. Das heisst also, die Landverheißung an Abraham und seine Nachkommenschaft sollte nicht zeitlich begrenzt sein, so dass man nicht etwa argumentieren könnte: Ja, natürlich gehörte dem Volk Israel dieses Land einmal, aber sie haben es verspielt, und heute hat das keine Aktualität mehr. Gerade diese Verheißung betont: Diese Zusage gilt auf ewig.
Und nun: Was hat das alles mit dem Messias zu tun? Wir sehen jetzt, wie Gott einen Bund mit Abraham geschlossen hat. Das haben wir letztes Mal noch gesehen: In Sichem wurde dieses Versprechen, dieses Landversprechen, gegeben. Das wird in Galater 3 als Bund mit Abraham bezeichnet. Dieser Bund enthält nun aber verschiedene Phasen, die alle zu demselben, kann man sagen, Vertragswerk gehören, es aber immer etwas mehr erweitern.
Man kann sagen: Die Berufung in Ur in Chaldäa war quasi der Auftakt. Dann kam im Land der eigentliche Vertrag in Sichem, und dann wird das in 1. Mose 13 noch ein wenig erweitert, eben nicht nur einfach das Land zu geben, sondern es auf ewig zu geben. Und jetzt kommen wir heute zu 1. Mose 15, wo wieder neue Bestandteile dieses Bundes hinzukommen.
Und was hat das mit dem Messias zu tun? Die Verheißung des kommenden Erlösers ist eine ganz zentrale Aussage in diesem Vertragswerk. Denn schon in Kapitel 12, Vers 3, steht am Schluss die Verheißung: „In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.“ Dass also Menschen aus allen Völkern schliesslich über Abraham gesegnet werden sollten, war ein Hinweis auf Jesus Christus, der als Erlöser, als Heiland der Welt, Segen für alle Völker bringen sollte. Aber das wird immer klarer und präziser ausgedrückt, wie wir gerade im Weiteren heute sehen werden.
Der Bund mit Abraham und seine einseitige Verbindlichkeit
Nun kommen wir zu 1. Mose 15. Wir lesen gerade einmal den Bundesschluss für sich. Kapitel 15, Vers 17 bis 21: Wer liest?
Und es geschah, als die Sonne untergegangen und Finsternis eingetreten war, siehe da, ein rauchender Ofen und eine Feuerfackel, die zwischen diesen Stücken hindurchfuhr. An jenem Tag schloss der Herr einen Bund mit Abraham und sprach: Deinen Nachkommen habe ich dieses Land gegeben, vom Strom Ägyptens an bis zum großen Strom, dem Euphratstrom: die Keniter, die Kenasiter, die Kadmoniter, die Hethiter, die Perisiter, die Rephaim, die Amoriter, die Kanaaniter, die Girgaschiter und die Jebusiter.
Hier wird ganz klar gesagt, dass es um einen Bund geht, der geschlossen wurde. Interessant ist die hebräische Ausdrucksweise für einen Bund schließen, einen Bund machen: Karat berit, also einen Bund schneiden. Und warum drückt man sich so aus? Das wird klar, wenn wir sehen, wie dieses Bundesritual funktionierte.
In Vers 8 lesen wir einmal ab Vers 8 einige Verse bis 12. Verzeihung, du musst natürlich noch Vers 7 dazulesen.
Und Gott sprach zu ihm: Ich bin der Herr, der dich heraufgeführt hat aus Ur in Chaldäa, um dir dieses Land zu geben, es zu besitzen. Und er sprach: Herr, woran soll ich erkennen, dass ich es besitzen werde? Da sprach er zu ihm: Hol mir eine dreijährige Färse und eine dreijährige Ziege und einen dreijährigen Widder und eine Turteltaube und eine junge Taube. Und er holte ihm diese alle und zerteilte sie in der Mitte und legte die Hälfte eines jeden der anderen gegenüber; aber das Geflügel zerteilte er nicht. Und die Raubvögel stürzten sich auf die Äser herab, und Abraham scheuchte sie hinweg. Und es geschah, als die Sonne untergehen wollte, da fiel ein tiefer Schlaf auf Abraham, und siehe, Schrecken, dichte Finsternis überfiel ihn. Und er sprach zu Abraham: Gewisslich sollst du wissen, dass dein Same ein Fremdling sein wird in einem Lande, das nicht das ihre ist. Ja, und so weiter.
Also, Abraham muss verschiedene Tiere holen, sie schlachten und dann in zwei Teile schneiden. Dann wurden immer zwei entsprechende Teile auf den Boden gelegt, so dass dazwischen gewissermaßen ein Weg entstand, eine Straße. Man könnte sagen: eine Bundesstraße. Denn das war auch die Art und Weise, wie man im Alten Orient damals Bündnisse geschlossen hat.
Wenn zum Beispiel ein König mit einem Vasallen ein Abkommen machte, dann wurden eben solche Tiere genommen, zerschnitten, also getötet und auf den Boden gelegt. Dann wurden die Bundesabmachungen verlesen. Anschließend mussten, zum Bezeugen, anstatt einer Unterschrift, beide Bundesparteien zwischen diesen Tierstücken hindurchgehen. Und damit sagten sie: Wir verpflichten uns, dass wir uns ganz genau daran halten. Aber im Fall von Vertragsbruch soll mit uns das geschehen, was mit diesen Tieren geschehen ist.
Also, das war für Abraham natürlich eine klare Sprache, worum es hier ging. Aber in dem, was wir gelesen haben, fällt dann auf, dass da etwas ganz Ungewöhnliches ist. Denn wir lesen in Vers 12, dass Abraham in einen Tiefschlaf fällt. Das heißt, Abraham wird völlig passiv. Und im ganzen Kapitel geht Abraham nie zwischen diesen Tierstücken hindurch. Aber wir haben in Vers 17 von einer Feuerflamme gelesen, die zwischen den Stücken hindurchging.
Das ist biblisch eigentlich der erste Hinweis auf die Schechina, diese geheimnisvolle Feuersäule, tagsüber eine Wolke, eine herrliche Wolke, die ja über der Stiftshütte war, um die Gegenwart Gottes anzuzeigen, später in 2. Mose 40. Später war dieses Zeichen über dem Salomonstempel in Jerusalem, 1. Könige 8. Vor der Zerstörung des ersten Tempels ging diese Schechina weg, Hesekiel 8-11, und als der zweite Tempel gebaut wurde, kam sie nie mehr zurück.
Aber was wir hier haben, dieses Feuer, das hindurchgeht, deutet also die Gegenwart Gottes an. Daraus wird klar: Nur eine Partei hat hier die Verantwortung übernommen für den Vertrag. Er selbst, Gott. Gott selbst. Also er zeigt auch seine Treue zum Bund und weiß, dass die Menschen es doch nicht halten können. Ja, genau.
Und letztlich wird damit gezeigt, dass Gott alle Verantwortung auf sich nimmt. Wenn also Israel versagen sollte in der späteren Zeit nach Abraham, kann dadurch dieser Vertrag nicht aufgelöst werden, denn sie haben sich ja nicht verpflichtet, also können sie ihren Vertrag auch nicht brechen. Gott übernimmt alle Verantwortung auf sich, dass dieser Bund erfüllt wird.
Die Reichweite der Verheißung und ihre messianische Zuspitzung
Und in diesem Zusammenhang wird die grösste Landverheissung von je gemacht. Von wo bis wo soll das Land gehen? Vers 18. Ja. Vom? Vom Mittelmeer bis zum Euphrat. Vom Mittelmeer? Ja, vom Strom Ägyptens.
Was ist das? Das ist ein kleiner Fluss, der in der Nähe südlich von Gaza liegt, bei mir als Hinweis. Da habe ich ein Problem, weil es steht ja Strom. Ja, nicht Nil, sondern ein kleiner Strom südlich von Gaza, bekannt als Wadi el-Arish. Das ist ein Wadi, ein Trockenbach, der nur im Winter Wasser führt. Aber hier steht: vom Strom Ägyptens. Das ist der Nil, das ist der Nil.
Aber woher kommt dieser Kommentar? Welche Bibel ist das, die diesen Kommentar noch hat? Ah, es ist die Scofield-Bibel, ja. Das hat schon seine Gründe, warum dieser Kommentar dasteht. Und zwar: Als Gott später dem Volk Israel in der Wüstenwanderung erklärt, welche die Grenzen sein werden des Landes, das sie in Besitz nehmen sollten, da wird effektiv als Südgrenze dieses Wadi erwähnt. Schlagen wir auf: 4. Mose 34,1-12. Da werden die Grenzen des verheissenen Landes, das die Israeliten unter Joshua einnehmen sollten, beschrieben. Und da steht in Vers 5, ja, im Zusammenhang mit der Südgrenze. Lies mal.
Und die Grenze wende sich von Azmon nach dem Bache Ägyptens, und ihr Ausgang sei nach dem Meere hin.
Jawohl, da haben wir ein anderes Wort. Steht bei Ihnen das Gleiche in beiden Stellen?
Nein, nach dem Bache Ägyptens steht ja.
Bache Ägyptens und in 1. Mose 15 steht in Ihrer Übersetzung?
Der Fluss, der Strom.
Also in 1. Mose 15 ist es Nahar, das ist der breite, klare Strom. Aber hier steht Nachal, und Nachal ist das hebräische Wort, das dem arabischen Wadi entspricht, ein Trockenbach. Damit ist gemeint das Wadi el-Arish, wo übrigens auch heute ganz in der Nähe davon die Grenze zwischen Israel und Ägypten verläuft.
Ja, und zur Zeit von Mose hat Gott also vorgesehen, das Land, das die Israeliten einnehmen sollten, das sollte bis nach Wadi al-Arisch gehen. Aber was wir hier haben in 1. Mose 15 umfasst noch mehr, das ganze Gebiet vom Nil bis zum Euphrat hinauf. Und man kann sagen, diese Ausdehnung hat Israel nie erlebt in der ganzen Geschichte. Es hat zwar schon ganz enorme Ausdehnungen erlebt in der Zeit von David und Salomo. Da war also Israel, das ganze Israel von heute, alle besetzten Gebiete, also Gaza, Westjordanland und Golan, dann grosse Teile von Libanon, Syrien bis zum Euphrat, unter Salomo schliesslich und sogar noch Gebiete aus dem heutigen Jordanien. Das war Grossisrael unter König Salomo beziehungsweise David, denn er hat ja alles in den Kriegen erobert. Also viel grösser, als was die Israeliten unter Joshua hatten.
So sehen wir: Gott hat also zu unterschiedlichen Zeiten ein unterschiedlich grosses Land Israel gegeben. Aber hier haben wir die Verheissung, die letztlich erst im tausendjährigen Reich unter der Herrschaft des Messias in Erfüllung gehen wird. Und dann wird es sein vom Nil bis zum Euphrat.
Nun ist aber interessant, wenn man die Grenzen anschaut in Hesekiel 47. Ich gebe nur die Stelle an. Da wird die Grenze beschrieben von Israel am Anfang des tausendjährigen Reiches, wenn der Messias als König da ist. Kann man nachlesen in Kapitel 47,13-23. Und da ist die Südseite wiederum begrenzt durch Vers 19. Liest das jemand?
Und die Mittagsseite südwärts von Tamar bis zum Haderwasser, von Kadesch und nach dem Bach Ägyptens hin bis an das grosse Meer.
Das ist die südseitige Wadi el-Arish. Wird noch am Anfang des Tausendjährigen Reiches die Südgrenze sein zu Ägypten. Aber während des Tausendjährigen Reiches wird die Bevölkerung von Israel stetig wachsen, und dann wird Gott schliesslich unter dem Messias die ganze Ausdehnung zur Verfügung stellen, vom Nil bis zum Euphrat.
Also, das ist das Grossisrael. Und hier in dem Vertrag wird gesagt: Deinem Samen gebe ich dieses Land.
Jetzt schlagen wir nochmals Galater 3 auf, was wir schon in einer frühen Bibelklasse gemacht haben, und da wird Folgendes berichtet. Gal. 3,15-18. Wer liest?
Brüder, ich rede nach Menschenweise. Sogar das Testament eines Menschen hebt niemand auf oder fügt etwas dazu, wenn es bestätigt ist.
Ein Moment, Herr Präsident! Testament ist eine andere Übersetzung für Bund. Es hat eine Doppelbedeutung: Testament oder Bund. Ja, also es geht um den Bund an Abraham hier, der bestätigt wurde, von Gott. Ja, bitte?
Nun aber sind die Verheissungen dem Abraham und seinem Samen zugesprochen worden. Es heisst nicht: und den Samen als von vielen, sondern als von einem: und deinem Samen; und dieser ist Christus.
Und dann noch Vers 17:
Das aber sage ich: Ein von Gott bestätigter Bund wird durch das 430 Jahre danach entstandene Gesetz nicht ungültig gemacht, so dass die Verheissung aufgehoben würde.
Jawohl, damit will Paulus erklären: Gott hat mit Abraham einen Bund gemacht, und dieser Bund wurde von Gott bestätigt. Da wird von dem Bund, der bestätigt ist, in Vers 15 gesprochen. Und das haben wir bei Abraham in mehreren Phasen. Gott hat immer wieder etwas zu diesem Bund gesagt und diesen einen Bund immer wieder neu bestätigt.
Und jetzt wird gesagt: Dieser Bund kann ja nicht etwa durch diesen späteren Bund am Sinai, der verschiedene andere Aussagen hatte, aufgehoben werden. Und das war genau 430 Jahre nach diesem Bundesschluss in Sichem. Also dieser Bund am Sinai kann diesen frühen Bund nicht aufheben, weil der ist fix von Gott bestätigt worden. Also der spätere Bund am Sinai, das war nur etwas Zusätzliches, aber es konnte nicht das frühere aufheben.
Und das ist wichtig darum, weil der Bund am Sinai zweiseitig war. Das kann man nachlesen in 2. Mose 20 und in weiteren Kapiteln. Da gibt Gott die zehn Gebote als Zusammenfassung des Gesetzes, und das Volk Israel verpflichtet sich dreimal: Alles, was der Herr gebietet, wollen wir tun. Also beide Parteien haben sich verpflichtet.
Und dann wird aber zum Beispiel in 5. Mose 28 ausführlich berichtet, welche Flüche über Israel kommen sollen, wenn sie diesen Bund nicht einhalten. Und da wird gesagt in Vers 36: Der Herr wird euch zu einem anderen Volk wegführen. Vers 64: Er wird euch unter alle Völker zerstreuen, von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende.
Dadurch wird klar: Der Bund von Sinai, weil er zweiseitig war, hing davon ab in seiner Gültigkeit, ob Israel treu ist. Aber Israel war ja bekanntlich nicht treu, und darum haben sie das ganze Land verloren und sind über alle fünf Kontinente zerstreut worden, ab dem Jahr siebzig nach Christus, nach der Kreuzigung Jesu.
Jetzt könnte jemand sagen: Ja, seht, sie hätten die Chance gehabt. Wenn sie treu gewesen wären, hätten sie das Land gehabt, aber jetzt haben sie es verloren aufgrund des Bundes vom Sinai. Aber der Bund mit Abraham, der bleibt trotzdem bestehen. Und auch wenn sie aufgrund des Sinai-Bundes alles verloren haben, werden sie aufgrund des Abraham-Bundes, der einseitig war, alles wiederbekommen.
Und jetzt haben wir hier gelesen, da wird ein Zitat von einer Verheissung an Abraham gebracht. Dem Abraham wurde zugesagt: und seinem Samen. Da wird erklärt: Er sagt nicht und den Samen als von vielen, sondern als von einem, und deinem Samen, welcher Christus ist. Da wird also erklärt, dass immer, wenn Gott von diesem Samen spricht, ist es natürlich im allgemeinen Sinn die Nachkommenschaft von Abraham, aber der Same im eigentlichsten Sinn ist der Messias selber.
Und so haben wir das eben auch hier wieder: 1. Mose 15,18. Deinem Samen gebe ich dieses Land vom Strom Ägyptens bis an den grossen Strom, den Euphrat. Also mit anderen Worten: Diese Verheissung ist dem Messias gemacht worden, und darum wird diese grösste Ausdehnung sich dann erst einmal verwirklichen, wenn Jesus Christus als König und Messias wiederkommen wird, um die Herrschaft in Israel zu übernehmen. Und zwar nicht ganz sofort, wie ich erklärt habe: Hesekiel 47 macht noch eine Einschränkung. Aber wenn dann der Platzbedarf da ist, wird das Land erweitert.
Also jetzt ist klar, dass wir hier eine messianische Verheissung haben: Deinem Samen gebe ich dieses Land. Und jetzt ist aber noch Folgendes: Tatsächlich haben sich die Nachkommen Abrahams unwürdig verhalten. Aber weil Gott alle Verpflichtung auf sich genommen hat, hat er auch die Verfehlung der anderen Partei auf sich genommen, und Jesus Christus ist tatsächlich eben am Kreuz von Golgatha gestorben. Und er war bereit, das zu werden, was da vorgebildet war durch diese geschlachteten und zerschnittenen Tiere. Er hat sich verpflichtet und war bereit zu sterben, damit diese Verheissungen letztlich wahr werden können.
Also es ist doch ganz, ganz eindrücklich. Und vielleicht möchte ich da noch vorwegnehmen: Wir werden später einmal zu Daniel kommen, Daniel 9,26. Wer liest das?
Und nach den zweiundsechzig Wochen wird ein Gesalbter ausgerottet werden und wird keine Hilfe finden. Und das Volk eines kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören.
Ja, das reicht. Noch keine Übersetzung anstatt der Gesalbte der Messias. Haben alle Gesalbter?
Aber als Fussnote steht bei mir Christos.
Ah ja, sogar. Also im Hebräischen steht für Gesalbter Maschiach, das ist das hebräische Wort für Messias. Und die alte Elberfelder hat das so: Und nach den 62 Jahrwochen wird der Messias weggetan werden und nichts haben.
Das Interessante ist, das Wort wegtun, weggetan werden, ist das Wort Karat, das eben schneiden bedeutet, dann aber auch ausrotten, ermorden. Es ist genau dieses Wort, das man in der festen Redewendung einen Bund schliessen drin hat: Karat Brit, einen Bund schneiden. Und da haben wir natürlich eine Anspielung darauf, der Messias wird ausgerottet werden, aber es ist der gleiche Ausdruck wie für einen Bund schliessen. Er sollte sterben und durch sein Sterben eben die Verantwortung, die Gott eingegangen ist im Abrahamsbund, auf sich nehmen, damit letztlich das Volk Israel einmal im vollen Mass gesegnet werden könnte. Nicht aus Verdienst, nicht aus Leistung, sondern aus reiner Gnade Gottes.
Und ja, das zu Daniel 9, wir kommen ja später ausführlicher zu dieser Stelle. Jetzt gehen wir weiter nach 1. Mose 15, oder ist da noch eine Frage geblieben?
Ist diese Geschichte in Vers 11, da stiessen Raubvögel herunter, und Abraham verscheuchte sie auch, von einer weiteren Bedeutung?
Ja, natürlich. Spurgeon hat das sehr schön beschrieben. Diese Raubvögel greifen also diese Opfertiere an, ja, und er bezieht das auf die liberalen Theologen, die das Opfer Jesu angreifen. Nicht erst die modernistischen Theologen von heute, sondern schon die alten Liberalen im neunzehnten Jahrhundert haben ja begonnen, ganz klar zu sagen, der Tod Jesu am Kreuz hat keine sühnende Bedeutung.
Schon die Altliberalen waren Arianer, das heisst, sie glaubten nicht, dass Jesus Christus Gottes Sohn ist, seine Gottheit, und leugneten auch die Bedeutung des Opfertodes. Und so haben, man muss sich vorstellen, das sind quasi die Vertreter des Christentums so nach aussen, die Theologieprofessoren und Pfarrer, und die greifen das Opfer Jesu an, ebenso wie diese Raubvögel sich auf diese Opferstücke stürzten. Aber, sagt Spurgeon, Abraham, der Vater der Gläubigen, scheucht sie hinweg, die Verteidigung des gültigen Opfers Jesu.
Ja, also alles ist voll tiefer Symbolik. Denn auch der Schlaf Abrahams zeigt: Wenn es geht, dass Gott wirklich uns Menschen segnen kann, dann sind wir passiv, keine Leistung. Die katholische Kirche hat über Jahrhunderte hinweg, um nicht zu sagen weit über tausend Jahre hinweg bis heute gelehrt, der Mensch muss etwas leisten, um Gottes Segen zu bekommen. Abraham, der Vater der Gläubigen, fällt in tiefen Schlaf, und Gott tut alles.
Also darin kann man auch wunderbar darlegen, wie zur Erlösung und zur Erlangung des Segens Gottes können wir nichts beitragen. Das muss alles Jesus Christus tun, und er hat es getan.
Die Beschneidung als Zeichen der Verantwortung des Einzelnen
Ja, dann gehen wir weiter zu 1. Mose 17. Da wird dieser Bund weiter bestätigt. Und da wird nun noch etwas Neues hinzugefügt, nämlich der Beschneidungsbund.
Jetzt muss ich erklären: Abraham war 86 Jahre alt, noch in Kapitel 16. Also haben Sarah und Abraham viele Jahre gewartet, bis sie endlich ein Kind bekommen würden. Und dann wurde Sarah schwach. Sie macht Abraham den Vorschlag, vielleicht müssen wir das ein bisschen anders verstehen, dass Gott uns einen Erben gibt.
Bei den nahöstlichen Völkern damals gab es die Rechtssitte: Eine Herrin, die unfruchtbar war, konnte ihre Magd ihrem Ehemann als zweite Frau geben. Und dann wurde das Kind der Magd der Herrin angerechnet. Und da schlägt Sarah vor: Du könntest ja unsere ägyptische Magd Hagar heiraten, und dann wird das Kind eben der Erbe werden.
Und sie tun das. Abraham, der monogam war, also nur eine Frau hatte, heiratete entgegen Gottes Schöpfungsordnung, denn Gott hat ja nur einen Mann und eine Frau erschaffen, 1. Mose 1 und 2, und durchbricht die Monogamie, heiratete diese Hagar. Und der Sohn, der aus dieser Ehe hervorkommt, ist Ismael.
Gott spricht von da an dreizehn Jahre lang nicht mehr mit Abraham. Also völlige Funkstille. Das zeigt, wie schlimm Gott das eingestuft hatte. Und zwar sieht man das, liest jemand noch 1. Mose 16,16? Und Abraham war sechzehn Jahre alt, als Hagar ihm den Ismael gebar.
Und jetzt kommt 1. Mose 17,1: Als nun Abraham neunundneunzig Jahre alt war, erschien ihm der Herr und sprach: Ich bin Gott, der Allmächtige. Wandle vor mir und sei untadelig.
Jawohl, also zwischen Kapitel 16 und 17 liegen dreizehn tote Jahre, das ist eindrücklich. Und es hat sogar sehr viel zu bedeuten. Man kann sagen, die ganze Geschichte Israels ist von Gott in viermal siebzig Jahrwochen eingeteilt worden. Also es gibt genau vier abgegrenzte Perioden von siebzig Jahrwochen, eine Jahrwoche dauert sieben Jahre.
Und diese erste Periode begann eigentlich mit Abraham, seiner Geburt. Und wenn man von dort an rechnet bis zum Auszug aus Ägypten, kommt man auf eine Zahl, die eben gerade etwas zu viel ist. Wenn man die Differenz dieser dreizehn Jahre abrechnet, ergeben sich wieder diese vierhundertneunzig Jahre. Und so ist es auch in den weiteren Perioden: Immer wieder wäre eigentlich Gottes Plan vierhundertneunzig Jahre, aber die Zeit, die Israel in Untreue verbrachte, wird dann jeweils nicht mitgerechnet, zum Beispiel die Fremdherrschaften im Richterbuch. Und wenn man das wegrechnet, kriegt man wieder vierhundertneunzig Jahre usw.
Diese verlorenen Jahre sind sehr entscheidend, denn sie sind ganz klar gewissermassen ausserhalb der Rechnung, wie Gott das geplant hatte. Und darum ist also diese Lücke zwischen Kapitel 16 und 17 sehr bedeutsam.
Aber eben: Mit neunundneunzig Jahren spricht Gott noch einmal zu ihm, und er sagt ihm nicht einfach: Ich bin der Herr, sondern er sagt: Ich bin Gott, der Allmächtige. Ich brauche deine Tricks nicht. Ich bin genug mächtig, dir einen wirklichen Sohn zu geben. Und dann sagt er ihm: Wandle vor meinem Angesicht und sei vollkommen. Das heisst: Lebe nicht auf falschen Wegen, lebe nicht in der Sünde.
Und dann macht Gott mit ihm einen Bund oder eine neue Bundesphase und fügt hier die Beschneidung ein als Gebot. Können wir das ganz kurz lesen? Vers 10 und 11: Gott sprach zu Abraham: Und du, du sollst meinen Bund halten, du und deine Nachkommen nach dir, durch ihre Generationen. Dies ist mein Bund, den ihr halten sollt, zwischen mir und euch und deinen Nachkommen nach dir: Alles, was männlich ist, soll bei euch beschnitten werden.
Jawohl, und dann wird erklärt, Vers 12: Im Alter von acht Tagen soll alles, was männlich ist, bei euch beschnitten werden, durch eure Generationen, der im Haus Geborene und der von irgendeinem Fremden für Geld gekaufte Sklave, der nicht von deiner Nachkommenschaft ist. Der in deinem Haus Geborene und dein für Geld gekaufter Sklave muss beschnitten werden. Und mein Bund an eurem Fleisch soll ein ewiger Bund sein. Ein unbeschnittener Männlicher aber, der am Fleisch seiner Vorhaut nicht beschnitten ist, diese Seele soll ausgerottet werden aus ihrem Volk. Meinen Bund hat er ungültig gemacht.
Jawohl, also die Beschneidung wird hier eingeführt, und das nicht ohne Grund, ohne speziellen Grund. Abraham hat also vollkommen versagt. Jetzt wird ihm das Zeichen der Beschneidung gegeben. Und worin besteht das? Das ist eine blutige Sache. Also die Vorhaut muss abgeschnitten werden, und das blutet dann.
Das sollte bedeuten: Abraham ist ein Sünder, und alle seine Nachkommen sind Sünder, und sie können nur Sünder wiederzeugen. Und gerade durch dieses Zeichen des Gerichts Gottes über die gefallene sündige Natur sollte Abraham klargemacht werden: Wenn du nach deinem eigenen Wesen wandelst, dann geht es eben nur schief. Aber der Sünder muss anerkennen, dass er Gottes Gericht über seine sündige Natur verdient hat.
Und von da an musste also Abraham sich beschneiden lassen, und damit sollte er anerkennen, dass er ein sündiges Wesen hat, nachdem er eben diesen sündigen Weg gegangen ist.
Und jetzt ist doch erstaunlich: Bisher haben wir gesehen, es hängt überhaupt nicht vom Verhalten Israels ab. Gott hat ja alle Verpflichtungen auf sich genommen. Aber jetzt in diesem Teil kann man sagen: Im Teilparagraph des ganzen Vertragswerkes bei der Beschneidung werden Konsequenzen angedroht. Wenn also ein Nachkomme Abrahams die Beschneidung nicht auf sich nimmt, dann fällt er persönlich unter das Gericht Gottes, weil er diesen Vertragsteil gebrochen hat.
Und das ist nun ein ganz wichtiger Punkt. Hier wird klargemacht: Was Gottes Segen für das Volk Abrahams anbetrifft, so ist das alles von Gott abhängig. Und Gott wird schliesslich Israel vollkommen segnen durch den verheissenen Samen des Messias. Aber das ist nicht eine Verpflichtung, dass einfach alle Nachkommen Abrahams unter den Segen kommen. Der Einzelne, der Gott ungehorsam ist, fällt unter das Gericht Gottes.
Sehen wir: Es geht also um zwei Aspekte. Das erklärt, warum schliesslich nicht alle Israeliten den Segen des Messias bekommen werden, sondern nur die, die auch wirklich Gottes Wort befolgen wollen. Aber das Schicksal des Einzelnen ist nicht einfach abgedeckt durch den Abrahamsbund. Man kann nicht sagen: Ja, Gott hat den Abrahamsbund gemacht, jeder Mensch wird einmal gerettet, das wäre Allversöhnung.
Und gerade hier wird gezeigt: Nein, es gibt auch für Israel als Volk keine Allversöhnung. Der Einzelne fällt unter das Gericht Gottes, aber das Volk an sich wird am Schluss gesegnet werden. Und wir wissen ja, im tausendjährigen Reich, wenn Israel unter dem Messias stehen wird, seinen Segen haben wird: Wie viel wird das noch erleben? Ein Drittel. Zwei Drittel werden nämlich umkommen.
Schlagen wir das kurz auf: Sacharja 13,8-9. Es gibt keine Allversöhnung für die Menschen der Welt, aber auch nicht eine Allversöhnung für Israel. Und es gibt manchmal Leute, die sprechen so über Israel, als ob schliesslich mal Gott ja mit allen Juden zum Ziel kommen wird. Nein, nur mit denen, die sich bekehren. Sacharja 13,8-9, bitte.
Und es wird im ganzen Land geschehen, spricht der Herr, zwei Teile davon werden ausgerottet, verscheiden, und nur der dritte Teil davon bleibt übrig. Und ich bringe den dritten Teil ins Feuer, läutere sie, wie man das Silber läutert, und prüfe sie, wie man das Gold prüft. Er wird meinen Namen anrufen, und ich werde ihm antworten, und ich werde sagen: Er ist mein Volk. Und er wird sagen: Der Herr ist mein Gott.
Jawohl. Jesaja sagt: Wenn die Zahl der Söhne Israels wäre wie der Sand am Meer, nur ein Überrest wird errettet werden, Jesaja 10, und in Römer 11 steht: Und alsdann wird ganz Israel gerettet werden. So steht es in Römer 11, ich gebe nur die Stelle an, Vers 25, Vers 26.
Ist das nicht ein Gegensatz? Nein, Paulus hat nämlich diese Stelle aus Jesaja 10 in Römer 9 zitiert, kurz vorher. Ich gebe nur die Stelle an: Römer 9,27: Wäre die Zahl der Söhne Israels wie der Sand des Meeres, nur der Überrest wird errettet werden. Und dann sagt er in Römer 11,26: Und also wird ganz Israel gerettet werden.
Wie bringt man das zusammen? Im Grunde genommen stellt sich das Volk Israel nur noch aus dem Überrest dar. Natürlich wird das Volk Israel nur noch bestehen aus diesem Drittel, und dann ist der Drittel alles. Der Drittel ist ganz Israel.
Aber das ist nun ein ganz wichtiger Aspekt in 1. Mose 17. Der bewahrt uns vor allen Gedanken in Richtung Allversöhnung.
Aber jetzt ist immer noch ein Problem: Jetzt haben wir so oft gelesen, Gott spricht von deinem Samen, deinem Samen. Ja, und jetzt haben wir auch noch Ismael, der ist ja auch ein Same Abrahams. Beziehen sich also all diese Bundesabmachungen eben auch auf ihn? Wir wissen, später kam dann noch Isaak dazu.
Nun, jetzt ist es ganz wichtig, dass wir da weiterlesen. Verse 15 bis 19: Und Gott sprach zu Abraham: Deine Frau Sarai sollst du nicht mehr Sarai nennen, sondern Sara soll ihr Name sein. Und ich werde sie segnen, und auch von ihr gebe ich dir einen Sohn. Und ich werde sie segnen, und sie wird zu Nationen werden. Könige von Völkern sollen von ihr kommen.
Da fiel Abraham auf sein Gesicht und lachte und sprach in seinem Herzen: Soll einem Hundertjährigen ein Kind geboren werden, und sollte Sarah eine Neunzigjährige etwa gebären? Und Abraham sagte zu Gott: Möchte doch Ismael vor dir leben.
Und Gott sprach: Nein, sondern Sarah, deine Frau, wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Isaak geben. Und ich werde meinen Bund mit ihm aufrichten zu einem ewigen Bund für seine Nachkommen nach ihm. Aber auch für Ismael habe ich dich erhört. Siehe, ich werde ihn segnen und werde ihn fruchtbar machen und ihn sehr, sehr mehren. Zwölf Fürsten wird er erzeugen, und ich werde ihn zu einer grossen Nation machen. Aber meinen Bund werde ich mit Isaak aufrichten, den Sarah dir im nächsten Jahr um diese Zeit gebären wird.
Ja, also das ist nun die Pointe. In dem Ganzen, was wir durch diese Kapitel hindurch gelesen haben seit Kapitel 12, war immer noch nicht ganz klar. So geht es übrigens mit den messianischen Prophezeiungen durch das ganze Alte Testament hindurch. Oft ist es nur so grob umrissen, noch ein bisschen nebelig, aber das Ganze nimmt immer stärkere, klarere und ganz eindeutigere Konturen an.
Und jetzt haben wir hier auch so etwas: Der Same Abrahams, das war noch sehr offen, was das nun beinhaltet. Und jetzt wird ganz klar gesagt: Nein, dieser Vertrag gilt nicht für Ismael, sondern für Isaak. Isaak war noch nicht geboren, aber der Name war schon genannt.
Das ist nun ganz wichtig, weil Muhammad sich ja von Ismael herleitete und sich als Ismaeliter sah. Und diese ismailitischen Stämme in Saudi-Arabien, die im sechsten, siebten Jahrhundert nach Christus Muslime geworden sind, die sind dann nach dem Tod von Mohammed ausgeströmt in den Norden und haben immer mehr Völker im Nahen Osten unterworfen. So haben sie während zweihundert Jahren den ganzen Nahen Osten und dann Nordafrika erobert, den Islam mit dem Schwert ausgebreitet.
Sie beanspruchen eben auch das verheissene Land, denn um 638 sind die Muslime von Saudi-Arabien herkommend nach Jerusalem eingezogen, haben dann die Al-Aqsa-Moschee auf den Tempelplatz gesetzt, am Südende etwas später, nein, zuerst den Felsendom auf den Felsen, 682, und 705 die Al-Aqsa-Moschee am Südende. Sie beanspruchen den Tempelplatz, sie beanspruchen das ganze Land, sie beanspruchen ein Anrecht an diesem Bund mit Abraham.
Aber die Stelle hier ist ja ganz klar: nicht Ismael. Ich werde zwar Ismael segnen, sehr mehren hat sich alles erfüllt, wie sie sich vermehrt haben und ausgebreitet haben, aber der Vertrag ist nur gültig für Isaak.
Gibt es bis dahin Fragen? Ja, dann gehen wir ohne Fragen in die Pause.
Also, wir haben gesehen: Die messianische Linie, zusammen mit all den speziellen Verheissungen an die Nachkommen Abrahams, die sollte über die Linie von Isaak gehen. Wir merken also, wie die Linie immer klarer wird. Zuerst in 1. Mose 3 ein Nachkomme von Eva sollte Erlöser sein, da wäre noch die ganze Welt möglich gewesen. Da wäre es möglich gewesen, dass der Messias von irgendwo herkommt. Aber dann sehen wir später, wie das eingeschränkt wird auf Noah und über Noah auf Sem. Und über die Linie Sems wird es wieder neu eingeschränkt, viele Völker fallen weg, und da wird es eingeschränkt auf Abraham. Und auch von Abraham stammen wieder verschiedene Völker ab, aber es wird eingeschränkt auf Isaak.
Und so geht diese Einschränkung ständig weiter und hilft uns eben schlussendlich, ganz klar einzugrenzen auf einen einzigen Menschen, der der Messias sein kann. Aber eigentlich braucht es gar nicht so viele Angaben, um einen Menschen, sagen wir aus heute 6,5 Milliarden Menschen, festzulegen. Da reichen ein paar wenige Angaben: Vorname, Nachname, Strasse, Strassennummer, dann Ortschaft und das Land. Das, was wir brauchen für eine Anschrift. Und diese paar wenigen Angaben reichen, um im Normalfall eindeutig eine Person festzulegen aus sechseinhalb Milliarden Menschen.
Aber Gott hat uns nicht nur fünf, sechs Angaben gegeben, sondern wie gesagt über dreihundert, um letztlich ganz sicher gehen zu können: Jesus von Nazaret, das ist der verheissene Messias.
Und zwar ist in 1. Mose 17,20 von zwölf Fürsten die Rede. Also ich kenne zwölf Stämme von Israel, hier ist die Rede von zwölf Fürsten. Wie ist das gemeint im Zusammenhang? Ja, also diese Linie von Ismael hat sich zuerst eben in zwölf Stämme aufgetrennt, so wie Israel. Aber in der späteren Geschichte sind diese Stämme auch dann wieder verwischt worden. Also man kann heute nicht mehr diese zwölf Stämme Ismails festlegen, so wie das ja heute auch schwierig geworden ist für Israel.
Wenn man einen Juden vor sich hat, aus welchem Stamm ist er? Er ist garantiert eine Mischung, und zwar aus den zwölf Stämmen. Natürlich, die Leute, die Kohen oder Levi heissen, die können jedenfalls eine Abstammungslinie auf den Stamm Levi zurückführen. Aber durch all die Verheiratungen im Lauf der Generationen zurück bis zum Jahr 70 nach Christus da ist Blut hereingekommen von allen zwölf Stämmen.
Ist früher nicht geheiratet worden innerhalb der Stämme? Doch, ursprünglich ja, und jeder hatte auch sein Geschlechtsregister, wo man ganz genau herleiten konnte, woher man kam. Wir können da kurz aufschlagen: 1. Chronik 9. Erklärt uns 1. Chronik 9,1. Liest jemand?
Und ganz Israel wurde registriert, und siehe, sie sind aufgeschrieben in dem Buch der Könige von Israel.
Ganz Israel wurde registriert, wörtlich wurde im Geschlechtsverzeichnis verzeichnet. Und so hatte im Prinzip jeder Israelit quasi den genealogischen Nachweis, aus welcher Linie und aus welchem Stamm, also nicht nur Stamm, sondern auch aus welcher Familiensippe er herkommt. Diese Geschlechtsregister hat man gehabt bis in die Zeit Jesu.
Und wenn jemand im Judentum irgendeine öffentliche Stellung eingenommen hatte, wurde natürlich sofort in den öffentlichen Archiven in Jerusalem nachgeforscht, ob der auch wirklich einen sauberen Stammbaum hat. Und wäre das nicht der Fall gewesen, hätte man ihn sofort zur Seite gestellt.
Und die Tatsache, dass Jesus Christus so drei Jahre als Prediger herumging und die Leute ihn auch kannten mit „Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner“, Bartimäus in Jericho zum Beispiel, das war also für alle ganz klar, dass er aus dieser Familie von David stammte, aus dem Stamm Juda. Und das wurde von den Pharisäern auch nicht in Frage gestellt. Und darum wird das auch im Talmud nicht irgendwie kritisiert, er hätte ja gar keine richtige Abstammung gehabt. Das war klar.
Aber im Jahr 70, als die Römer Jerusalem zerstört hatten, den Tempel und damit auch das Geschlechtsregisterarchiv, gingen diese Nachweise verloren, und so ging in gewissem Sinn diese klare Identität der Stämme verloren. Das wird gerade noch wichtig sein, was wir heute noch anschauen können. Aber bis ins Jahr 70 war diese Identität noch ganz klar.
Gut, jetzt ist das genügend als Antwort. Jetzt gehen wir weiter: 1. Mose 22. In der Zwischenzeit ist Isaak geboren worden, aufgewachsen, und dann kommt dieses feierliche Ereignis, Kapitel 22,1-2. Er liest:
Und es geschah nach diesen Begebenheiten, da prüfte Gott den Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm doch deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, und geh hin in das Land Moria und bringe ihn dort zum Brandopfer dar auf einem der Berge, den ich dir nennen werde.
Jawohl, Abraham ist bereit, er geht. Am dritten Tag der Reise sieht er dann den von Gott vorgesehenen Ort, Vers 4. Liest jemand Vers 4?
Am dritten Tag erhob Abraham seine Augen und sah den Ort von ferne.
Jawohl, und dann geht er alleine mit seinem Sohn, Vers 6: Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak, und in seine Hand nahm er das Feuer und das Messer, und sie gingen beide miteinander.
Dann Vers 9: Und sie kamen an den Ort, den Gott ihnen genannt hatte, und Abraham baute dort den Altar und schichtete das Holz auf. Dann band er seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz. Und Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel herzu und sprach: Abraham, Abraham! Und er sagte: Hier bin ich. Und der Engel sprach: Strecke deine Hand nicht aus nach deinem Jungen und tu ihm nichts. Denn nun habe ich erkannt, dass du Gott fürchtest, dass du deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast.
Und Abraham erhob seine Augen und sah, und siehe, da war ein Widder hinten im Gestrüpp an seinen Hörnern festgehalten. Da ging Abraham hin, nahm den Widder und opferte ihn anstelle seines Sohnes als Brandopfer.
Und Abraham gab dem Ort den Namen: Der Herr wird ersehen. Von dem man heute noch sagt: Auf dem Berg des Herrn wird ersehen.
Jetzt noch bis Vers 18: Und der Engel des Herrn rief Abraham ein zweites Mal vom Himmel her zu und sprach: Ich schwöre bei mir selbst, spricht der Herr, deshalb, weil du das getan und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, darum werde ich dich reichlich segnen und deine Nachkommen überaus zahlreich machen, wie die Sterne des Himmels und wie der Sand, der am Ufer des Meeres ist. Und deine Nachkommenschaft wird das Tor ihrer Feinde in Besitz nehmen. Denn in deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde, dafür, dass du meiner Stimme gehorcht hast.
Jawohl, also die, wie man sagt, Opferung Isaaks, besser wäre die Darbringung Isaaks. Er musste ihn ja nicht opfern, er wurde verschont, der geliebte Sohn.
Nun, wenn wir das etwas genauer anschauen: Wo sollte Abraham seinen Sohn darbringen? Diese ganze Geschichte, was da steht, es gibt auch im Islam diese gleiche Geschichte, anstatt Isaak, Ismael. Woher haben die das? Ja, ganz einfach, weil eben Mohammed ja allen Segen auf sich beziehen will. Und darum haben sie das geändert. Sie haben das, was sich auf Isaak bezieht, auf Ismael bezogen, als wäre Ismael quasi dieser einzige Sohn.
Es ist ja interessant, dass Gott ihn nennt: deinen Sohn, deinen einzigen. Ja, das ist quasi der eingeborene Sohn, ja, aber dabei gab es ja noch einen anderen. Aber weil das der Auserwählte war, und der Islam will eben die Auserwählung Isaaks streitig machen, darum wird diese Geschichte erzählt mit Ismael. Das ist ganz klar eine Bibelfälschung, weil man nicht anerkennen will Gottes Plan mit Israel.
Gut, jetzt habe ich gefragt: Wo sollte er dargebracht werden? Es wurde bereits gesagt: an einem Ort, den Gott sagen wird. Aber etwas gröber können wir doch sagen, wo das war. In einem Land Moria.
Land Moria. Wo ist das Land Moria? Warum in Jerusalem? Warum der Tempel? Also ich frage, weil hier steht ja nichts von Tempel, aber ... Also gehen wir mal schön der Reihe nach: das Land Moria. Wie kommt jemand dazu, zu sagen, das ist in Jerusalem? Warum? Weil es einen Berg gibt namens Moria. Und das ist ja der spätere Tempelberg, wie wir sehen aus 2. Chronik 3. Wenn wir es offen haben, können Sie gleich lesen.
Ach so, dann jemand anders: seinem Vater David erschienen war, an dem Ort, den David bestimmt hatte, auf der Tenne Ornan des Jebusiters.
Jawohl, also ganz klar: Der Berg Moria ist der Tempelberg in Jerusalem. Darum ist also die Erklärung wegen Jerusalem absolut richtig. Und deswegen eben auch wegen dieser Umänderung, dass Mohammed solchen Anspruch auf Jerusalem erhielt. Der Islam.
Ja, ja, natürlich, klar. Mit der angeblichen Opferung oder Darbringung Ismails wird eben auch der Anspruch auf Jerusalem gezielt. Also ist es noch eine Antwort, warum eben die Geschichte im Koran so gefälscht worden ist.
Es ist ja interessant: Der Islam wirft den Christen und den Juden vor, sie hätten die Bibel gefälscht. Aber das Ganze müssen wir drehen: Sie haben es gefälscht. Ja gut, da kann man sagen, das ist Aussage gegen Aussage. Aber dann kann man sagen: Ja bitte, wann wurde die Bibel gefälscht? In der Zeit von Mohammed. Wir haben Handschriften aus der Zeit von Mohammed, vielleicht im Jahrhundert davor, wir haben Handschriften aus dem Jahrhundert davor, noch ein Jahrhundert davor, wir haben Handschriften aus dieser Zeit. Und wir haben Handschriften aus jedem Jahrhundert für das Neue Testament. Wir haben für das Alte Testament sogar Handschriften bis ins dritte Jahrhundert vor Christus. Und wir können sagen: Die Bibel ist nicht geändert worden.
Ja bitte, aber es stimmt nicht mit dem Koran überein. Ja gut, dann habe ich aber ein Problem mit dem Koran, nicht mit der Bibel. Also wir können wirklich nachweisliche Dokumente haben, um zu zeigen, dass die Bibel nicht geändert wurde, und trotzdem stimmt sie nicht mit dem Koran überein. Also hat der Islam die biblische Überlieferung geändert und nicht die Juden und die Christen.
Gut, der Berg Moria ist der Tempelberg in Jerusalem. Der Name Moria kommt eigentlich nur selten vor im Alten Testament. Wie heisst dieser Berg meistens? Zion, der Berg Zion. Heute in Jerusalem wird ein Nachbarhügel Zion genannt, aber das ist eine nachbiblische Bezeichnung, die kann man erst nachweisen seit etwa 100 nach Christus. Also wichtig: Man darf sich nicht verwirren lassen, das ist nicht der biblische Berg Zion. Sondern der biblische Berg Zion ist immer der Tempelberg, der Berg Moria.
Nun, zur Zeit Abrahams gab es damals schon die Stadt Jerusalem. Wie? Die Stadt Davids. Gab es die schon? David lebt ja noch nicht. Ja gut, ich frage nur. Sichem ist Nablus, das ist im Norden des Westjordanlandes. Aber jetzt ist die Frage: Was war da auf diesem Berg Moria, gab es da schon in Jerusalem? Wurde die nicht erst später durch Josua erobert? Ja gut, auch wenn etwas erobert wurde, dann gab es das schon.
Ja, Melchisedek war König von Salem, wo steht das? Das ist interessant, ja. Also, hilf uns weiter. Roland, 1. Mose 14. In der Abrahamsgeschichte, nach der Schlacht der Könige, in der Abraham so erfolgreich war, mit seiner kleinen Armee von dreihundertachtzehn Mann, kehrt er zurück und geht ins Tal Schave. Liest du, Roland, 1. Mose 14,17.
Als Abram von der Schlacht gegen Kedor-Laomer und die Könige, die mit ihm waren, zurückkehrte, ging ihm der König von Sodom entgegen in das Tal Schave, das ist das Königstal. Aber Melchisedek, der König von Salem, brachte Brot und Wein herbei, und er war ein Priester Gottes des Allerhöchsten. Und er segnete ihn und sprach: Gesegnet sei Abram von Gott, dem Allerhöchsten, dem Besitzer des Himmels und der Erde.
Jawohl, also hier lesen wir von Salem. Aber ist das dasselbe wie Jerusalem? Wie? Hat jemand etwas gesagt? Nein, ich höre zu viel. Also, wir machen das ganz kurz: Psalm 76. Nein, nein, aber wir sehen aus Psalm 76, dass wir die Gleichung machen können: Salem gleich Jerusalem. Wer liest die ersten zwei Verse?
Gott ist in Juda bekannt, sein Name ist gross in Israel. In Salem ist sein Zelt und seine Wohnung in Zion.
In Salem ist seine Hütte, in Zion seine Wohnung, also beim Tempelberg. Hier ist Zion parallel mit Salem, mit Jerusalem. Jeru heisst Gründung, Salem Frieden. Also Salem ist gewissermassen die Kurzform von Jerusalem, also so wie Mark die Kurzform von Markus. Ganz einfach.
Und diese Stadt gab es zur Zeit Abrahams schon, und König war ein kanaanitischer König, aber der gläubig war und den einen wahren Gott verehrte als Priester.
Nun, Abraham kam dann nach Jerusalem, nach Salem, er ging ins Tal Schave, das ist das Königstal. Welches Tal ist das in Jerusalem? Ja, das Kidrontal. Das sich ja erstreckt, es trennt Ölberg von Tempelberg und geht dann weiter runter, runter entlang dem Südabhang des Tempelberges. Und nun ist es so: Jerusalem zur Zeit von Melchisedek und auch noch später zur Zeit von David war ein Städtchen am Südabhang, diesem lang erstreckten Südabhang des Berges Zion oder Moria.
Man hat also Mauerüberreste von Jerusalem aus der Zeit um 2000 vor Christus. Also das kann man sagen: Dieses melchisedekische Jerusalem ist nachgewiesen. Und das Kidrontal ist also der spätere Name für dieses Königstal oder das Tal Schave. Königstal deshalb, weil eben dieses Tal zieht sich gerade da vorbei, wo dieses Königstädtchen Jerusalem oder Salem am Südabhang des Tempelbergs war.
Da ging Abraham hin, da kam das entspricht also der heutigen Davidsstadt, ja, darum also deine Bemerkung war absolut korrekt von der geographischen Lokalisierung her, und dort wurde Abraham gestärkt. Also er kannte Jerusalem, war ja schon früher dort, er kannte den Berg Moria. Und jetzt, in Kapitel 22, sagt Gott zu ihm: Gehe in das Land Moria.
Denn der Moriaberg, das war die bekannte Erhebung. Es gibt ja unzählige Hügel im ganzen Bergland da von Judäa, wo Jerusalem auch dazugehört, und da waren natürlich nicht alle Hügel einfach bekannt mit Namen. Und so konnte Gott sagen: Geh in das Land Moria. Oder sogar ganz wörtlich steht Erez Hammoria, ungewöhnlich: Ha ist der bestimmte Artikel, in das Land des Moria. Normalerweise hat man im Hebräischen keinen Artikel bei Namen. Eigennamen sind einfach, die sind an sich schon bestimmt, ja? Nicht wie im Deutschen sagt man manchmal „der Karl“, so mit Artikel, aber das ist ja völlig gemeint. Ja, kann verschiedene Bedeutungen haben, ja. Also der Name ist an sich schon mal bestimmt, aber hier wird es noch mit dem Artikel verstärkt: in das Land des Moria, also in das Land des Moriaberges.
Geht Abraham hin, und Gott sagt, auf einem der Berge dort sollst du deinen Sohn opfern. Dann ist doch logisch: In dem Fall nicht, wo, nicht wo. Wenn Gott sagt: Geh in das Land des Moria und opfere ihn auf einen der Berge, den ich dir sagen werde, dann ist dieser ausersehene Berg effektiv nicht der Berg Moria, denn sonst würde Gott sagen: Geh in das Land des Moria und opfere ihn dort. Aber er sagt: Geh in das Land des Moria und opfere ihn auf einen der Berge, den ich dir dann zeigen werde. Also ist klar: ein Berg dort im Umfeld des bekannten Berges Moria, wo das Städtchen Salem war.
Eben am dritten Tag kommt Abraham hin, und dann sieht er den auserwählten Ort, Vers 4. Er will Isaak darbringen, übrigens nach Hebräer 11 im vollen Bewusstsein: Wenn er das tun muss, wird Gott ihn auferwecken. Das war für ihn klar, denn Gott hat gesagt: Durch Isaak soll die Verheissung kommen, also muss er wieder auferstehen.
Und Gott interveniert noch vorher. Abraham darf einen Widder an der Stelle seines Sohnes opfern. Und dann ist Vers 14 interessant: Abraham gibt nun diesem zuerst noch namenlosen Berg einen Namen. Der heisst: Der Herr wird ersehen, hebräisch Yahweh-Jireh, Yahweh-Jireh, der Ewige wird sich ersehen. Warum gibt er diesen Namen? Mit einer künftigen Verheissung: Der Herr wird ersehen. Ja, was ersehen? Nun, wenn wir die Geschichte im Zusammenhang lesen: Da stellte doch Isaak früher die Frage, Vers 7 am Schluss, und er sprach: Siehe das Feuer und das Holz, wo aber ist das Schaf zum Brandopfer? Und Abraham sprach: Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer, mein Sohn.
Ja, da haben wir diesen Ausdruck, ersehen, schon mal: Jireh, Elohim Jireh, Gott wird ersehen. Und später nennt er den Ort effektiv Yahweh-Jireh, der Ewige, der Herr wird ersehen. Worauf bezieht sich das? In diesem Namen ist eine Verheissung, nicht wahr, eine prophetische Verheissung. Was wird Gott ausersehen? Das stellvertretende Opfer. Und diese Verheissung hat also nichts zu tun mit Isaak, denn er wurde ja verschont, hat nichts zu tun mit diesem Widder, den Gott in seiner Vorsehung so zur Verfügung gestellt hatte, sondern es wird mal das wahre Opfer kommen, an diesem Ort, da wo Isaak verschont wurde.
Und dann erklärt Mose, der ja diesen Bericht geschrieben hat, was begründet er dann? Er erklärt dann Vers 14b: von dem man heute noch sagt, auch der Tag des Herrn wird ersehen. Noch genauer, Alte Elberfelder: Daher heutigen Tages gesagt wird: Auf dem Berg des Herrn wird ersehen werden.
Also begründend: Mose begründet, Abraham gab diesen Namen Adonai-Jireh, der Herr wird ersehen, daher heutigen Tages gesagt wird: Auf diesem Berg wird das Opfer ersehen werden. Also haben wir hier eine Verheissung im Blick auf den Erlöser, dass er sterben soll, das wissen wir schon längst, seit 1. Mose 3,15, mit dieser Verletzung in der Verse. Aber wo, keine Ahnung, und jetzt wird klar: Er wird sterben auf einem Hügel in der Nähe des Moriaberges.
Gut, da kommt in Frage der Ölberg, das ist gerade ein Nachbarberg von Moria. Dann kommt in Frage das, was man eben heute Zion nennt, dieser Südwesthügel der Altstadt. Also wenn man sich vorstellt, das wäre der Ölberg, dann gerade daneben ist der Tempelberg, nochmals daneben, so südwestlich verschoben, ist dieser, ich nenne den Zion römisch II. Der Tempelberg ist Zion, römisch I, Zion II. Übrigens, das war der Berg, wo das urchristliche Quartier war, da wo Pfingsten stattgefunden hat, die Ausgiessung des Heiligen Geistes, als die Jünger im Obersaal waren, das war auf Zion II.
Und dann gibt es noch einen Hügel, das ist der Nordwesthügel, und dort befindet sich der Felsen Golgatha. Das ist gerade ein Nachbarhügel von dem Tempelberg. Und gut, wir können aufgrund des Textes hier können wir nicht mehr sagen, welcher Berg genau, aber es ist ganz klar: Der Messias wird sterben auf einem der Berge oder Hügel dort im Land Moria. Und genau dort ist Jesus Christus gestorben, auf dem Nachbarhügel des Tempelbergs. Das ist doch eine eindrückliche Prophetie, so geographisch konkret. Und schon Mose hat das als klare Verheissung verstanden, da hier heutigen Tages gesagt wird, auch der Berg des Herrn wird ersehen werden, das Opfer.
Nun haben wir noch mehr in diesem Kapitel. Der Engel des Herrn erscheint nochmals dem Abraham und sagt, dass Gott ihn reichlich segnen wird, seinen Samen mehren wird, und schliesslich sagt er, Vers 18, wer liest? In deinem Samen werden sich segnen alle Nationen der Erde, dafür, dass du meiner Stimme gehorcht hast.
Ja, also in deinem Samen, ja? Ja. Äh, Sara, in deinem Samen. Ich habe jetzt gemerkt, bei manchen Übersetzungen, die bisher gelesen worden sind heute, in all den Verheissungen, wo Gott spricht „in deinem Samen“, „in deinem Samen“, das ist jetzt immer wieder gekommen, seit Kapitel 12, Vers 7, 14 und so weiter. Same ist ein Einzahlwort und es kann eben ganz allgemein bedeuten: Nachkommenschaft.
Und in Galater 3, haben wir vorhin gelesen, da wurde genau eigentlich diese Stelle da aus 1. Mose 22 zitiert, und da erklärt Paulus durch den Heiligen Geist, er sagt nicht: „In deinen Samen werden gesegnet werden“, sondern „in deinem Samen“, als von einem, welcher ist Christus, Christus auf Hebräisch Messias. Also es ist eine klare Verheissung auf den Messias.
Es wäre wichtig, jetzt bei den anderen Stellen, dass man sich also bewusst ist: Dort, wo Nachkommen steht, Nachkommenschaft, manchmal ist es ganz klar das Volk, aber wir haben eine ganze Reihe von Versen, wo das immer wieder eben klar auf diesen einen hinweist, das ist der Messias. Das sind messianische Verheissungen, und in ihm sollen gesegnet werden alle Nationen der Erde. Das erinnert uns an Gottes Zusage in Ur in Chaldäa, 1. Mose 12,3. Aber da hat Gott noch allgemein gesagt: Und in dir werden gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.
Und jetzt wird klar, was es in dir heisst: in deinem Samen. Das heisst, durch den Messias, der von dir abstammt, werden Menschen aus allen Völkern gesegnet werden. Es heisst aber nicht alle Menschen der Erde, sondern alle Nationen, das ist wichtig. Es gibt, wie gesagt, keine Allversöhnung.
Aber schlagen wir mal auf Offenbarung 5, wo wir das neue Lied im Himmel mitgeteilt bekommen. Offenbarung 5,9-10, liest das jemand vor?
Und sie singen ein neues Lied und sagen: Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen, denn du bist geschlachtet worden und hast durch dein Blut für Gott erkauft aus jedem Stamm und jeder Sprache und jedem Volk und jeder Nation und hast sie unserem Gott zu Königen und Priestern gemacht, und sie werden über die Erde herrschen.
Ja, doch gewaltig! Aber es heisst nicht: hast für Gott erkauft alle Stämme, alle Sprachen, alle Völker, alle Nationen, sondern aus jedem Stamm, jeder Sprache, aus jedem Volk, aus jeder Nation. Das heisst, einmal wird es also Errettete geben aus allen Völkern, allen Nationen, das sind ja eigentlich Abstufungen, nicht wahr? Nation, Ethnos im Griechischen hier, das ist die grösste soziale Einheit, die es gibt.
Die kleinste soziale Einheit ist die Familie, nein, noch kleiner die Ehe. Das sind nach Gottes Plan zwei Menschen, ein Mann und eine Frau. Dann kommt die Familie, dann kommt die Sippe, der Clan, dann kommt der Stamm, die Sprache. Es gibt manchmal mehrere Stämme, die die gleiche Sprache sprechen. Die Sprache ist noch eine grössere Entität, dann kommt das Volk, das wieder aus mehreren Stämmen besteht, aber viele Völker zusammen können grosse Nationen bilden. Russland ist eine grosse Nation, aber es besteht aus vielen verschiedenen Völkern, Indien genauso, es besteht aus vielen Völkern und auch Stämmen.
Aber die Stelle macht uns also klar: Nicht alle Menschen werden errettet, aber aus jedem Stamm, sogar aus diesen kleinen Einheiten, werden einmal Menschen gerettet sein. Das ist gewaltig, und zwar eben durch das Lamm, das hier im Neuen Lied angebetet wird. Das ist der Same Abrahams. In deinem Samen werden gesegnet werden alle Nationen, und es geht eben so weit nach Offenbarung 5, dass also nicht nur Nationen im grössten Sinn, sondern bis auf die kleine Stammeseinheit. Und das ist schon eindrücklich, wenn man denkt, es gibt Stämme, die bestehen heute aus etwa hundert bis dreihundert Personen, kleine Stämme, aber Gott wird aus jedem Stamm Frucht für die Ewigkeit haben.
Und alles eben aufgrund des Erlösungswerkes des Herrn Jesus, der bereit war, eben zwischen diese Stücke hindurchzugehen, die Feuerflamme, um alle Garantie auf sich zu nehmen, um die Garantie zu erfüllen.
Die Prüfung Abrahams und die Verheißung des stellvertretenden Opfers
Gibt es dazu noch Fragen? Dann noch eine Frage zu der Opferung Isaaks. Ich frage mich: Es ist ja nicht willkürlich, diese Art, wie Abraham den Isaak opfern soll. Nimmt das Bezug auf heidnische Bräuche in der damaligen Zeit? Und wohin sagtest du so?
Ja, selbst wenn Abraham Isaak geopfert hätte, müsste Isaak gemäß der Verheißung auferstehen. Also war das mehr oder weniger locker und problemlos für Abraham? Oder wie muss ich das verstehen, warum soll er das tun?
Nein, das war eine Erschütterung seiner Existenz in den Fundamenten, als dieser Aufruf kam. Aber in Hebräer 11, ich gebe nur die Stelle an, weil die Zeit jetzt vorgeschritten ist, wird uns erklärt, Vers 17, dass Abraham eben, als er geprüft wurde, Isaak darbrachte, indem er urteilte, Vers 19, dass Gott auch aus den Toten zu erwecken vermöge, von woher er ihn auch im Gleichnis empfing.
Also war für Abraham klar: Wenn Gott so etwas fordert, so etwas Unerhörtes, dann muss er ihn, weil Gott so zuverlässig ist in seinen Zusagen, auf der Stelle wieder auferwecken. Ja, und zwar eine Glaubenslogik. Denn durch Glauben hat Abraham seinen Sohn dargebracht, indem er urteilte. Da sieht man: Glauben und Verstand, das sind nicht zwei verschiedene Dinge, sondern wer glaubt, kann richtig denken. Indem er nämlich Gott zum größten Faktor in der Rechnung macht.
Und wenn man den größten Faktor in der Rechnung außen vor lässt, dann kann man zwar logisch denken, in einem anderen Bereich, aber die Rechnung geht nicht auf. Es ist immer falsch. Und so hat Abraham also geurteilt: Wenn Gott so, dann muss er so, denn er hat ja gesagt, durch Isaak wird der Same kommen, der Erlöser.
Aber das war eben die größte Prüfung seines Lebens, die er so bestehen durfte, nach diesen Tiefs, die sogar so tief gingen, dass Gott mit ihm dreizehn Jahre nicht mehr gesprochen hatte. Also wurde Abraham wirklich in seinem Glaubensleben zur absoluten Höhe geführt.
Aber dass es natürlich Kindesopfer bei den Kanaanitern und auch anderen Völkern gibt, das ist in dem Sinn eine satanische Perversion dieses Gedankens des Opfers. Und natürlich war Gottes Plan ja schon von Anfang an, dass einmal sein Sohn sterben würde. Darum hat Gott eben auch Abraham berufen, das zu tun: Er, der Vater, gibt seinen geliebten Sohn hin. Das war natürlich eine klare Vorschattung darauf, wie Gott der Vater einmal seinen geliebten Sohn hingeben würde.
Es ist ja interessant: In diesen 19 Versen wird Isaak zehnmal Sohn genannt, also eine unglaubliche Dichte des Wortes Sohn in diesem Text. Und zwölfmal hat man das Possessivpronomen dein Sohn beziehungsweise deinen einzigen, also zwölfmal das Possessivpronomen, das besitzanzeigende Fürwort für Isaak. Es ist nicht nur der Sohn, es ist dein Sohn. Das zeigt die Weltbeziehung. Und er wird genannt dein Geliebter, dein Einziger. Und das war alles ein klarer Hinweis durch den Heiligen Geist auf diesen geliebten Sohn, den der himmlische Vater einmal als Opfer im Land Moria hingeben würde.
Also man sieht auch, wie die Geschichte erzählt wird, nicht nur, dass sie erzählt wird, sondern auch wie sie erzählt wird. Da hat der Heilige Geist eben diese Absicht, auf den kommenden Messias hinzuweisen. Aber weil wir uns jetzt in diesen Bibelklassen speziell mit den direkten Prophezeiungen beschäftigen, stehen eben all diese typologischen, diese Vorschattierungen jetzt nicht im Zentrum dessen, was wir anschauen wollen. Aber das käme noch dazu.
Und ich habe mir einmal eine Liste gemacht mit solchen Parallelen: erstens, zweitens, drittens. Und ich bin auf etwa dreißig Parallelen gekommen in diesen 19 Versen. Also das wäre so eine freiwillige Hausaufgabe. Das ist schon eindrücklich, diese Konzentration an typologischen Hinweisen auf den Erlöser.
Aber was uns jetzt klar sein muss: Die Tradition, Isaak sei auf dem Tempelberg dargebracht worden, ist komplett falsch, denn sie widerspricht dem Text. Man hat nicht genau gelesen. Geh in das Land Moria, opfere auf einem der Berge. Abraham nennt diesen Berg „Der Herr wird ersehen“. Mose versteht daher, dass gesagt wird: „Auf dem Berg des Herrn wird ausersehen werden.“ Und Jesus Christus ist tatsächlich auf dem Nachbarhügel, auf dem Nordwesthügel der Altstadt von Jerusalem, geopfert worden.
Ja, weil zweimal steht Abraham, Abraham.
Nein, nein, weil er vorher heißt Elieser Abraham und nachher Abraham.
Aha, ja, sie hängen sich schon damit zusammen, das war sein alter Name. Aber Abraham heißt Vater erhabener, erhabener Vater. Und er war ja kinderlos. Und sie glaubten damals, als er in Ur war, glaubten sie an den Mondgott. Die Sumerer sagten, der Mondgott Nanna macht Menschen und Tiere zahlreich, aber Sara war unfruchtbar. Der wahre Gott ruft ihn heraus und sagt: Ich werde aus dir eine Nation machen. Er muss aber 25 Jahre geduldig im Glauben warten, und dann kommt Isaak.
Und Abraham bekommt von Gott den Namen Abraham, das heißt Vater einer Menge. Was ist ein erhabener Vater, der kein Kind hat? Und darum ist eben Abraham ganz wichtig als der Name, den der wahre Gott ihm gibt, der ihm auch wirklich Nachkommenschaft geben kann, im Gegensatz zu diesem toten Stein. Ja, die Amerikaner sind ja auf den Mondgott Nanna hinaufgegangen, und was haben sie gefunden? Er ist voller Staub und voller Löcher, also ein total zerschlagenes Gesicht. Das war der Gott der Sumerer.
Aber der wahre Gott, der eben letztlich seinen Sohn, seinen geliebten Sohn, hingegeben hat, das ist der Gott, der Abraham diesen Namen gegeben hat: Vater einer Menge.
Gut, dann wollen wir noch zusammen beten.
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