Einführung in das Thema Schwören zur Zeit Jesu
Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist. Episode 204 vom Schwören, Teil vier.
Lasst uns ein letztes Mal das Thema Schwören betrachten, bevor wir morgen mit dem Text der Bergpredigt weitermachen.
Zur Zeit Jesu begegnen wir einer Gesellschaft, die sich in Bezug auf das Schwören auf eine merkwürdige Weise entwickelt hat. Im apokryphen Buch Jesus Sirach, das zwischen dem Alten und Neuen Testament entstanden ist, heißt es: Jesus Sirach 23,9: „Gewöhne dich nicht ans Schwören und nenne nicht bei jeder Gelegenheit den heiligen Namen Gottes.“
Dieser Vers ist besonders interessant, weil er zeigt, dass es bereits vor Jesus eine Tendenz gab, das Schwören zu banalisierten. Es wurde zu viel geschworen und auch in Situationen, für die ein Schwur eigentlich nicht vorgesehen war.
Die Problematik des übermäßigen Schwörens in der Gesellschaft Jesu
Aber dabei blieb es nicht beim zu häufigen Schwören. In der Gesellschaft, in der Jesus lebte, war es üblich geworden, nicht nur bei Gott zu schwören, sondern auch bei vielen anderen Dingen.
So schwor man beispielsweise beim Tempel, beim Gold des Tempels, beim eigenen Kopf oder bei der Stadt Jerusalem. Mit diesen verschiedenen Schwurformen war die Vorstellung verbunden, dass nicht jeder Schwur wirklich bindend sei.
Man unterschied zwischen echten Schwüren und solchen, die wie ein Eid klangen, in Wirklichkeit aber eine Täuschung darstellten. Ein Schwur, der eigentlich dazu dienen sollte, die Wahrheit zu sichern, wurde so zum Mittel, um andere Menschen zu täuschen.
Dadurch wurde also zu viel und teilweise auf betrügerische Weise geschworen.
Jesu Lösungsansätze zum Thema Schwören
Wie sieht in einer solchen Situation die Lösung aus? Der Herr Jesus bringt zwei Lösungsansätze.
Erstens: Schwört überhaupt nicht. Ich denke, er meint damit, dass man nicht bei jeder Gelegenheit schwören soll und auch nicht auf eine hinterhältige Weise. Jesus verbietet jedoch nicht das Schwören im Namen Gottes, wenn es gefordert oder angemessen ist.
Zweitens reicht es oft nicht aus, das Falsche einfach zu unterlassen. Wir müssen auch das Richtige tun.
In Matthäus 5,37 heißt es: „Es sei aber euer Wort: Ja, ja; nein, nein. Was darüber hinausgeht, ist vom Bösen.“
Die Bedeutung von Wahrheit und Lüge im biblischen Kontext
Wenn ein Schwur dazu benutzt wird, eine Lüge als Wahrheit erscheinen zu lassen, dann zeigt sich hier ein viel größeres Problem, das Jesus anspricht. Es ist die Vorstellung, dass man lügen darf und Unwahrheiten sagen kann. Dabei ist Lügen jedoch fast nie erlaubt.
Ich betone bewusst „fast nie erlaubt“, weil ich denke, dass es in den Zehn Geboten eine Art Hierarchie gibt. „Du sollst nicht morden“ steht über „Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen“. Der Schutz des Lebens hat für mich deshalb Vorrang vor dem Schutz der Wahrheit.
Ein Beispiel dafür sind die hebräischen Hebammen, die dem Gebot des Pharao nicht nachkamen und die männlichen Babys nicht töteten. Ihre Antwort war eine Lüge, mit der sie ihren Ungehorsam verbargen. In 2. Mose 1,19-20 heißt es: Die Hebammen antworteten dem Pharao: „Ja, die hebräischen Frauen sind nicht wie die ägyptischen, denn sie sind lebenskräftig. Ehe die Hebamme zu ihnen kommt, haben sie schon geboren.“
Das war nicht ganz die Wahrheit, aber es geht weiter: „Und Gott tat den Hebammen Gutes, und das Volk vermehrte sich und wurde sehr stark.“
Die ethische Bewertung von Lügen und Wahrheit
Ich denke, dass jemand, der einem anderen nach dem Leben trachtet, das Recht auf Wahrheit verliert. Es mag Momente geben, in denen eine Lüge keine Sünde ist, doch solche Momente sind im Leben selten.
Grundsätzlich gilt: 3. Mose 19,11 – „Ihr sollt nicht stehlen und ihr sollt nicht lügen und nicht betrügerisch handeln, einer gegen den anderen.“
In den Zehn Geboten heißt es nicht einfach „Du sollst nicht lügen“, sondern: „Du sollst gegen deinen Nächsten nicht als Lügenzeuge aussagen.“ Das macht deutlich, dass die Falschaussage vor Gericht die schlimmste Form der Lüge ist. Dies ist so, weil sie für den Angeklagten mit den schlimmsten Konsequenzen verbunden sein kann, bis hin zur Todesstrafe.
Grundsätzlich gibt es in puncto Lügen keinen Unterschied zwischen dem Alten und dem Neuen Bund.
Im Alten Bund heißt es in Sprüche 12,22: „Ein Gräuel für den Herrn sind Lippen, die lügen; wer aber Treue übt, hat sein Wohlgefallen.“
Im Neuen Bund steht in Epheser 4,25: „Deshalb legt die Lüge ab und redet Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, denn wir sind untereinander Glieder.“
Über das Schicksal von Lügnern heißt es in Offenbarung 22,15: „Draußen sind die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Mörder und die Götzendiener – jetzt kommt’s – und jeder, der die Lüge liebt und tut.“
Die Forderung Jesu nach klarer und wahrhaftiger Kommunikation
Und diese grundsätzliche Ablehnung der Lüge fußt auf dem, was der Herr Jesus in der Bergpredigt sagt: Matthäus 5,37: „Es sei aber euer Wort: Ja, ja; nein, nein. Was darüber hinausgeht, ist vom Bösen.“
Was meint er damit? Wenn ich zu etwas Ja sage, dann meine ich Ja. Und wenn ich zu etwas Nein sage, meine ich Nein. Wer mit mir spricht, soll wissen, dass er meinen Worten völlig vertrauen kann.
Es braucht keinen Schwur, um dies zu bestätigen. Genau das ist mit „was darüber hinausgeht“ gemeint. Ein Schwur ist nicht nötig, um meinem Gesprächspartner zu signalisieren, dass er mir völlig vertrauen kann und ich ihn nicht anlüge.
Es ist eigentlich ganz einfach.
Die Haltung der ersten Christen zum Schwören
Als Jesusjünger sind wir dazu berufen, stets die Wahrheit zu sagen. Grundsätzlich lügen wir nicht. Und sollten wir einmal schwören müssen, dann tun wir das nur bei Gott.
Um euch zu zeigen, dass dies auch die Haltung der ersten Christen war, habe ich einen Text aus der Verteidigungsrede des Apollonius mitgebracht. Apollonius ist ein Märtyrer des zweiten Jahrhunderts. Er formuliert, Zitat: „Außerdem sind wir von ihm, nämlich von Jesus, angewiesen worden, in keiner Weise zu schwören. Ja, in allem wahrhaft zu sein, denn ein großer Eid ist die in dem Ja liegende Wahrheit, und darum ist es für einen Christen schimpflich zu schwören.
Verlangst du aber von mir einen Eid, darüber, dass wir auch den Kaiser ehren und für seine Macht beten, so will ich gerne in Wahrheit schwören, bei dem wirklichen Gott, dem Seienden, der von Ewigkeit her ist, den Nichtmenschenhände gemacht haben, der im Gegenteil selbst angeordnet hat, dass ein Mensch über Menschen auf Erden herrsche.“
Zusammenfassung und praktische Anwendung
Wie gesagt, das sind die Worte eines Märtyrers in seiner Verteidigungsrede, und wir sehen hier beides.
Auf der einen Seite steht ein klares Nein zu jedem Schwur, der dazu dient, mein ganz normales Reden aufzuwerten. Das brauchen wir als Christen nicht.
Auf der anderen Seite zeigt sich die Bereitschaft, einen Eid zu leisten – aber nicht so, wie es üblich war und vom Kaiser erwartet wurde. Wenn überhaupt, dann nur bei dem wirklichen Gott.
Soweit ich das beurteilen kann, sollte das unsere Haltung als Christen zum Thema Schwören sein.
Was könntest du jetzt tun? Du könntest darüber nachdenken, ob du immer die Wahrheit sagst oder ob du öfter mal zu Notlügen, Ausflüchten und Halbwahrheiten neigst.
Das war's für heute.
Wenn dir der Podcast gefällt, mach gerne heute ein wenig Werbung dafür.
Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
