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Der Heilige Geist und seine Gaben

Römer 12,3-823.05.2025
SerieTeil 6 / 17E21 Hauptkonferenz 2025
Warum vergleichen wir uns ständig mit anderen? Gottes Gaben sind keine Bühne für Ego, sondern Geschenk für deinen Platz im Team – damit die Gemeinde wirklich gebaut wird.

Einleitung und Lesung

Ich grüsse euch. Es ist eine Freude, diese Tage mit euch zu verbringen. Und ich glaube, niemand von uns lässt das kalt, was wir bisher schon über den Heiligen Geist gehört haben. Mein Herz ist auf jeden Fall voller Dankbarkeit für die dritte Person unseres dreieinigen Gottes, den Heiligen Geist, der uns die Wahrheiten des Wortes so nahe bringt.
Auch jetzt, heute Nachmittag, wollen wir schauen, inwiefern der Heilige Geist uns durch seine Gaben segnet: der Heilige Geist und seine Gaben. Der Text zur Predigt ist in Römer 12 zu finden, die Verse 3 bis 8. Und bei uns in der Arche stehen wir normalerweise zum Lesen auf. Weil wir hier in der Arche sind, stehen wir jetzt auf.
 Römer 12,3-8
Denn ich sage, kraft der Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass er nicht höher von sich denke, als sich zu denken gebührt, sondern dass er auf Bescheidenheit bedacht sei, wie Gott jedem Einzelnen das Mass des Glaubens zugeteilt hat. Denn gleich wie wir an einem Leib viele Glieder besitzen, nicht alle Glieder aber dieselbe Tätigkeit haben, so sind auch wir die vielen ein Leib in Christus und als einzelne untereinander Glieder. Wir haben aber verschiedene Gnadengaben gemäss der uns verliehenen Gnade. Wenn wir Weissagung haben, so sei sie in Übereinstimmung mit dem Glauben. Wenn wir einen Dienst haben, so geschehe er im Dienen. Wer lehrt, diene in der Lehre, wer ermahnt, diene in der Ermahnung, wer gibt, gebe in Einfalt, wer vorsteht, tue es mit Eifer, wer Barmherzigkeit übt, mit Freudigkeit. Amen.
Nehmt doch gerne Platz.

Vom Evangelium zur praktischen Anwendung

Der Apostel Paulus hat im Römerbrief in den ersten elf Kapiteln das Evangelium von Jesus Christus mit ganz viel Herzblut dargelegt. Er beginnt mit der totalen Verdorbenheit des Menschen und malt uns vor Augen, wie verloren wir sind. Und das nicht nur in ein, zwei Versen, sondern fast seitenweise. Er beschreibt, dass wir aufgrund unserer Sünde vor einem heiligen Gott Rechenschaft ablegen müssen und dass der Zorn Gottes gerecht über den Sünder ist. Er erklärt uns, dass wir nicht durch unsere Werke vor Gott Rechtfertigung erlangen, sondern allein durch den Glauben an das vollbrachte Erlösungswerk Jesu Christi. Er spricht über das Sühnopfer Jesu, der stellvertretend sein Blut für seine Kinder vergossen hat. Er spricht über die Gnade Gottes, über die Souveränität Gottes, über die heilsgeschichtliche Rolle Israels.
Und dann kommt er in Kapitel zwölf zur Anwendung dieser ganzen theologischen Wahrheiten. Was heißt das jetzt für dich und für mich ganz praktisch? In den ersten drei Versen sagt er, dass wir, weil Jesus Christus uns aus Gnade vergeben hat, unser Leben Gott weihen sollen. In Vers 2 von Kapitel 12 sagt er, dass wir uns nicht dem Weltlauf anpassen sollen. In Vers 2 von Kapitel 12 sagt er auch, dass wir uns in unserem Wesen verwandeln lassen sollen. Das sind alles Dinge, die auf den Einzelnen abzielen: Weihe dein Leben Gott, pass dich nicht dem Weltlauf an, lass dich in deinem Wesen verwandeln. Aber das nicht aufgrund einer moralischen Frage oder Aufgabe, die an dich herangestellt wurde, sondern aufgrund der Gnade Gottes, die dir im Evangelium in Jesus Christus zuteil geworden ist. Jetzt lebe gemäß deiner Berufung als Christ, ganz individuell und persönlich.
Allein in Vers 3, und das ist unser Text, bringt er eine weitere Folge der Gnadenlehren des Evangeliums hervor. Und er sagt: Dient der Gemeinde in Demut. Dann führt er das Bild des Leibes ein, in Vers 4 und 5: Denn gleich wie wir an einem Leib viele Glieder besitzen, nicht alle Glieder aber dieselbe Tätigkeit haben, so sind auch wir, die vielen, ein Leib in Christus und als einzelne untereinander Glieder.
Wir sind keine Einzelgänger, sondern durch das Evangelium bindet dich Jesus an seinen Leib. Als Christ bist du ein Glied am Leib Jesu. Du hast einen Platz, der vom Haupt zugewiesen bekommen wurde. Das Bild des Leibes lehrt uns auch, dass wir gemeinsam Jesus folgen und dienen und dass wir miteinander durch den Leib verbunden sind. Und es malt uns auch vor Augen, dass wir trotz dieser Einheit am und im Leib dennoch unterschiedlich sind und verschiedene Aufgaben haben. Gott schenkt den Gliedern am Leib verschiedene Gaben, verschiedene Fähigkeiten, die wir zum Segen und zur Einheit des Leibes einsetzen sollen. Als Glieder am Leib helfen wir, wir bauen einander auf, wir stärken den Glauben des anderen, und dazu hat Gott uns die Gaben des Heiligen Geistes gegeben.
Ich möchte versuchen, uns dieses Thema anhand von drei Punkten etwas näherzubringen. Die Gaben des Heiligen Geistes sind erstens Gaben der Gnade, sie sind zweitens Gaben in Vielfalt, und sie sind drittens Gaben, nach denen wir streben.

Gaben als Ausdruck von Gnade

Erstens: Die Gaben des Heiligen Geistes sind Gnadengaben.
Vers 6: Wir haben aber verschiedene Gnadengaben gemäß der uns verliehenen Gnade. Das Wort, das Paulus hier verwendet, ist charismata, also eine wohlwollend gespendete Gabe. Gott gibt seiner Gemeinde Geschenke der Gnade. Gnade ist eine unverdiente Gunst, die wir uns nicht aufgrund unserer Leistung oder unserer Werke erarbeiten. Gnadengaben werden uns von Gott nach seinem Wohlgefallen ausgeteilt.
Das machen auch andere Texte zu diesem Thema deutlich. 1. Korinther 12,8-10: Dem einen nämlich wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben, dem anderen das Wort der Erkenntnis, einem anderen Glaube in demselben Geist, einem anderen Gnadengaben der Heilungen in demselben Geist. Es ist ein Geschenk.
 Epheser 4,11: Und er hat etliche als Apostel gegeben, etliche als Propheten, etliche als Evangelisten, etliche als Hirten und Lehrer gegeben.
 1. Korinther 7,7: Aber jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so. Es ist ein Geschenk.
So, was haben dir deine Eltern beigebracht, wenn dir jemand ein großartiges Geschenk gibt? Dann sagst du Danke. Frage an dich: Sagst du Danke für die Gnadengaben, die Gott der Gemeinde geschenkt hat? Sagst du: Danke, Herr, für Schwester Meier oder Müller, die in Treue den Kinderdienst schon so lange leitet? Sagst du Danke für den Ordner, der dich am Sonntagmorgen mit Freude begrüßt? Sagst du Danke für den Hausmeister, der die Birne wechselt? Wir sagen Danke. Es sind Gnadengaben, die Gott zum Wohl der Gemeinde schenkt, und wir maulen nicht über die Dinge, die nicht so laufen, herum.
Die zweite Implikation, dass es Gnadengaben sind, ist: Wenn sie uns geschenkt sind, dann sollen wir sie nicht zum Schaulaufen missbrauchen. Die Gnadengaben des Heiligen Geistes taugen nicht dazu, dass wir uns selbst inszenieren. Wir stellen uns mit den von Gott uns zur Verfügung gestellten Gaben nicht selbst in den Mittelpunkt und sagen: Seht her, was ich kann, schaut, was ich beitrage.
Dies gilt für alle Dienste in der Gemeinde, für alle Aufgaben am Leib, sowohl für die Prominenten als auch für die weniger Prominenten. Für die Dienste auf der Bühne genauso wie für die Reinigungsdienste im Keller. Wir haben gestern gehört, dass wir einen kostbaren Schatz in zerbrechlichen Gefäßen haben, und ich persönlich wurde bei der Vorbereitung dieser Predigt von Gott gemahnt.
Je näher die Evangelium-21-Konferenz kam, desto häufiger habe ich zu meiner Frau gesagt, und jetzt versteht mich bitte nicht falsch: Weißt du, Schatz, ich mag die Evangelium-21-Konferenzen nicht. Jetzt fragt ihr euch: Was soll das denn? Nicht, dass ihr mich falsch versteht, ich freue mich, ich bin erbaut, so viele Menschen, und wir versammeln uns um das Wort Gottes. Aber warum habe ich das gesagt und immer wieder gesagt? Weil ich mich mit den anderen Rednern vergleiche. Ich sitze da, wo du sitzt, und denke: Nee, morgen bist du dran, Christian, das wird nichts. Diese Einleitung zur Predigt mit James Bond, die kannst du nicht übertreffen. Die ganze Nacht habe ich nach einer anderen Illustration gesucht. Ich habe keine gefunden. Diese Anwendung, die hat den Kern getroffen, schaffst du nicht. Wartet auf heute Abend, wenn ihr Matthias seht mit diesen ausladenden Armen, der hat eine Spannweite wie ein Adler. Komme ich nicht ran!
Schatz, ich mag die Evangelium-21-Konferenzen nicht, weil ich mich vergleiche, weil ich mich in Relation zu meinen Brüdern stelle, weil ich, wenn ich es tue, schlechter abschneide. Vielleicht schneide ich aber auch besser ab. Die Gaben des Geistes sind nicht dazu da, dass wir uns in den Mittelpunkt stellen, denn jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so. Dies gilt für alle Dienste in der Gemeinde, auch für deine Aufgaben.
Wie geht es dir mit deinen Gnadengaben? Fragst du dich, wird mein Dienst überhaupt wahrgenommen? Sagst du: Wenn ich nicht bald Anerkennung bekomme, dann schmeiße ich wirklich hin. Und diesmal meine ich es ernst. Wie stehe ich im Vergleich zu anderen da? Wie schneide ich ab? Statt dem Geber stellen wir uns und die uns geschenkten Gaben in den Mittelpunkt.
Doch weil die Gaben des Heiligen Geistes Gnadengaben sind, sollen wir sie auch zur Ehre des Gebers und nach seinen Plänen verwenden und nicht um unsere eigene Ehre zu mehren oder unsere Pläne voranzutreiben. Deswegen schreibt Paulus hier auch in den einleitenden Versen unseres Abschnitts, Vers 3: Denn ich sage, kraft der Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass er nicht höher von sich denke, als sich zu denken gebührt, sondern dass er auf Bescheidenheit bedacht sei, wie Gott jedem Einzelnen das Maß des Glaubens zugeteilt hat.
Daniel Knoll hat gestern gesagt, der Heilige Geist hat eine besondere Eigenschaft: Er lenkt von sich ab. Ich ergänze: Auch die Gaben, die er schenkt, haben eine besondere Eigenschaft. Sie lenken von uns ab. Das Ziel der Gaben des Heiligen Geistes ist es, die Gemeinde zu segnen. Das dürfen wir nicht vergessen, und die Bibel macht es an verschiedenen Stellen deutlich.
 1. Korinther 12,7: Die Gaben sind uns gegeben zum allgemeinen Nutzen.
 1. Korinther 14,26: Nachdem er einige Gaben aufzählt, alles lasst zur Erbauung geschehen.
 Epheser 4,12: Er hat den Menschen Gaben gegeben zur Zurüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi.
Das Ziel der Geistesgaben ist also nicht Effekthascherei oder zu beeindrucken. Die Wirkungen des Heiligen Geistes sind gegeben zum Wohl der Gemeinde, zur Auferbauung des Leibes, an dem du durch den Glauben an Christus ein Glied geworden bist. Sie sind dazu da, den Leib des Herrn zu segnen.
Amen.
Punkt eins: Es sind Gnadengaben.

Die Vielfalt der geistlichen Gaben

Zweitens: Die Gaben des Heiligen Geistes sind vielfältig.
Vers 6 noch einmal: Wir haben aber verschiedene Gnadengaben, gemäß der uns verliehenen Gnade.
Das Volk Gottes besteht aus ganz unterschiedlichen Charakteren und Menschen. Wir sind wirklich ein bunter Haufen, schau dich um. Wir kommen aus den verschiedensten Hintergründen. In gewisser Weise war das schon bei den Jüngern so. Sie waren nicht geklont. Da war ein Fischer, Petrus, Andreas. Da war ein Zöllner, Matthäus, sogar ein Zelot aus der Widerstandsbewegung, Simon. Sie hatten unterschiedliche Temperamente, und die Glieder am Leib gleichen sich nicht.
Auch die Gnadengaben, die Gott seiner Gemeinde schenkt, sind vielfältig. Wir finden in der Bibel an mehreren Stellen Aufzählungen von den Gaben des Heiligen Geistes. Unser Text führt sieben Gaben auf: Weissagungen, Dienen, Lehren, Ermahnen, Geben, Vorstehen, Barmherzigkeit üben. 1. Korinther 12,28 und folgende enthält eine weitere Aufzählung. Dort wird aufgeführt: Apostel, Prophet, Lehrer, Wunderkräfte, Gnadengaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Leitung, Sprachen. 1. Korinther 12,8-10 nennt eine weitere Liste: Wort der Weisheit, Wort der Erkenntnis, Glaube, Gnadengaben der Heilungen. Wir haben auch Überschneidungen in diesen Aufzählungen: Wunderkräfte, Prophetie, Geisterunterscheidung, Sprachenreden, Zungen, Auslegung der Sprachen. Epheser 4,11 nennt Evangelisten, Hirten, Lehrer, Apostel, Propheten.
Wir können in 1. Korinther 7 Gnadengaben von Gott finden, die er dort so beschreibt. Paulus verwendet es auf die Ehe: die Gnadengabe der Ehe und die Gnadengabe der Ehelosigkeit. Hier bist du auf jeden Fall dabei, in einer dieser beiden Kategorien.
Wir sehen also, dass die Gnadengaben vielfältig sind, verschiedenartig. Es ist ein Spektrum. Kevin Young sagt dazu: Die Listen der wichtigsten Gaben im Neuen Testament sind nicht als erschöpfende Beschreibung der Ausrüstung durch den Geist gedacht. Die Listen sind überschneidend, ungenau und gelegentlicher Natur. Paulus sagt einfach: Die Gemeinde besteht aus allen möglichen Menschen, die alle möglichen Dinge durch die Hand Gottes tun, und dann zum Beispiel Punkt, Punkt, Punkt, Punkt, und dann kannst du einsetzen, was du dort findest.
Mit anderen Worten: Wo immer Gottes Gnade in seinem Volk für das Gemeinwohl sichtbar wird, sind geistliche Gaben am Werk.
Was können wir aus diesen verschiedenen Listen, aus dieser Vielfältigkeit, schließen?
a) Es gibt keinen Christen ohne Gaben. Jeder hat mindestens eine, wie die Menschen, die in den Gleichnissen Jesu Talente bekommen haben. Es heißt in 1. Korinther 12,7: Jedem aber wird das offenbare Wirken des Geistes zum allgemeinen Nutzen gegeben. Epheser 4,7: Jedem einzelnen von uns aber ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe des Christus.
Jeder wiedergeborene Christ ist Glied am Leib Jesu. Ein Organ am Leib Christi zu sein bedeutet auch, eine Aufgabe zu haben. Das gibt es nämlich auch in der Biologie nicht: ein Körperglied ohne Aufgabe. So auch nicht im geistlichen Sinn. Deswegen auch dieses Bild, das Paulus hier einführt: Wie ist es denn mit deinem Leib? Gibt es an dir irgendetwas, was du nicht mehr brauchst?
Alle Glieder haben eine Befähigung. Die Ohren hören, die Nase riecht, die Zunge schmeckt, der Magen verdaut, die Hand greift, die Haut fühlt, das Herz pumpt. So wie der menschliche Körper keine Organe besitzt, die ohne Aufgabe sind, genauso hast auch du als Glied am Leib Jesu einen Dienst. Auch du, egal wie schwach du dich fühlst, vielleicht wie jung du im Glauben bist, wie überflüssig du dir vielleicht auch vorkommst, du bist Glied am Leib und hast eine Gnadengabe des Heiligen Geistes.
Also: Diese Listen machen deutlich, kein Christ ohne Gnadengabe.
b) Diese Listen machen noch etwas deutlich. Es wird hier, und jetzt bitte ich mir ein wenig zu folgen, nicht unterschieden zwischen natürlichen und übernatürlichen Gaben. Bei diesem Gedankengang hat mir persönlich, und uns als Gemeinde in der Geschichte, die wir durchlaufen haben, Wayne Grudem sehr geholfen.
Man kann die Gaben, wenn du willst, in diesen Listen unterteilen in Dienstgaben und Zeichengaben. Dienstgaben wären dann zum Beispiel Lehren, Leiten, Geben, Hilfeleistung bringen, Ermahnen. Zeichengaben wären dann die mit mehr übernatürlichem Charakter, zum Beispiel Wunderkräfte, Prophetie, Heilung, Zungenrede.
Die Bibel führt keine getrennten Listen zwischen natürlich und übernatürlich, sondern sie zählt die Gaben des Geistes, ich sage mal so, durcheinander auf. Paulus stellt sie gleichwertig nebeneinander. Zum Beispiel ist für ihn die Gabe der Verwaltung nicht geringer als die Gabe der Prophetie, weil er in der Gabe der Verwaltung nämlich ebenfalls die übernatürlichen Kraftwirkungen des Heiligen Geistes erkennt und nicht nur einfach ein natürliches Organisationstalent.
John Piper hat gesagt: Eine geistliche Gabe ist eine vom Heiligen Geist gegebene Fähigkeit, unseren Glauben wirksam zum Ausdruck zu bringen, um den Glauben eines anderen zu stärken. Das ist es, was eine geistliche Gabe ist. Es ist mehr als nur eine natürliche Begabung, die du hast, weil du gut organisieren kannst. Solange ein ungläubiger Mensch dies nicht zur Ehre Gottes einsetzt, ist das keine geistliche Gabe. Wenn du dich bekehrst und Glied am Leib Jesu wirst und mit dieser Gabe, die Gott dir gegeben hat, zur Auferbauung der Gemeinde dienst, dann tust du dies in der Kraft des Heiligen Geistes. Dann ist das eine geistliche Gabe.
Bestimmt haben auch Nichtchristen Talente im Dienen, aber sie üben sie nicht zur Verherrlichung Christi und zur Freude und Auferbauung der Gemeinde aus. Der wiedergeborene Christ jedoch ist vom Heiligen Geist erfüllt. Und wenn er dient, dann mag er dazu von Natur aus begabt sein, aber er tut es dennoch aus dem Glauben und aus der Kraft des Geistes heraus, die in ihm wohnt. Deswegen gibt es einen Unterschied zwischen einfach nur Naturtalent und Geistesgaben.
Wir sehen also hier die gesamte Bandbreite der Gaben. Leider wird hier und dort doch eine große Unterscheidung gemacht, was dazu führen kann, in gewissen Kreisen, dass ein Drang nach zeichenhaften Gaben vorhanden ist. Man will unbedingt Zeichen und Wunder und bewertet die Geistesgaben nach Dramatik. Je dramatischer, desto geistlicher. Je spektakulärer, desto wichtiger. Das tut der Apostel nicht. Er sagt, dass alle Gaben in uns von demselben Heiligen Geist, demselben Herrn und demselben Gott gewirkt werden. 1. Korinther 12,4-6: Es bestehen aber Unterschiede in den Gnadengaben, doch es ist derselbe Geist. Auch gibt es unterschiedliche Dienste, doch es ist derselbe Herr. Und auch die Kraftwirkungen sind unterschiedlich. Doch es ist derselbe Gott, der alles in allem wirkt.
Wenn wir aber doch eine Unterscheidung machen wollen bei den Gaben, dann tut es der Apostel nicht hinsichtlich der Frage der Dramatik, sondern hinsichtlich der Frage der Wirkung der Geistesgaben. Nehmen wir das Beispiel der Zungenrede. Ohne Auslegung in der Gemeinde lehnt Paulus das ab. Warum? Weil es nicht zur Auferbauung dient. Wenn einer zu euch reinkommt und in Sprachen reden würde, was würde es euch nützen? Wenn ich nicht zu euch rede, sei es durch Offenbarung oder durch Erkenntnis oder durch Weissagung oder durch Lehre, so auch ihr, wenn ihr durch die Sprache nicht eine verständliche Rede gebt, wie kann man verstehen, was geredet wird? Denn ihr werdet in den Wind reden.
Also: Zungenrede hier im 1. Korinther, ohne Auslegung, lehnt Paulus ab, weil es nicht die Wirkung hat, die es haben soll. Es geht nicht um Dramatik, nicht um Effekthascherei, sondern um die Wirkung.
Daher sollten auch wir keine Unterscheidung vornehmen, wenn wir nach Gaben trachten. Sollten wir eher nach den ungewöhnlichen oder wundersamen Gaben trachten, oder sollten wir nach den eher gewöhnlichen trachten? Die Bibel nimmt keine solche Unterscheidung vor, sondern sie sagt den Korinthern: Also auch ihr, da ihr eifrig nach Geisteswirkungen trachtet, strebt danach, dass ihr zur Erbauung der Gemeinde Überfluss habt. Die Erbauung der Gemeinde steht in der Vielfältigkeit der Gaben im Mittelpunkt.
So, an dieser Stelle muss ich den Elefanten benennen, der hier so leicht schattiert im Raum steht. Du fragst dich: Was redest du da? Oder du sagst: Amen, weiß ich nicht, ihr seid so still. Gibt es denn die Geistesgaben alle noch? Das ist der Elefant.
Es war ganz interessant. Wir haben am Mittwochabend zusammengesessen als Evangelium-21-Vorstand beim Abendessen, beim Grillen bei mir zu Hause. Und ich glaube, Kai Soltau war der Täter. Er fragte: So, Christian, wie ist das jetzt eigentlich mit den Geistesgaben und so und mit diesen Wundersamen? Und dann waren wir natürlich voll im Gespräch. Es wurde auch Zeit, weil am nächsten Tag ging die Konferenz los. Es ist nicht schlecht, wenn wir uns da vorher mal darüber austauschen.
Dann haben wir so eine kleine Umfrage gemacht. Wir sind, glaube ich, sieben im Vorstand, und wenn ich das richtig sehe, ich nenne jetzt keine Namen, okay: Fifty-Fifty. Drei sagen, die Gaben des Heiligen Geistes existieren weiter, kontinuierlich. Drei sagen, die haben aufgehört. Und einer, ihr könnt Mathematik, drei und drei sind sechs, da fehlt einer. Er hat gesagt, ich weiß nicht genau. Vielleicht outet er sich ja noch in diesen Tagen.
Was will ich damit sagen? Ich spreche jetzt für mein Bibelverständnis und auch das Bibelverständnis, was wir als Archegemeinde haben. Ich verweise gerne an dieser Stelle, das geht jetzt nicht darum, dass ich Werbung machen will für Bücher aus der Arche, aber wirklich hilfreiches Buch: das Buch meines Vaters, Das Wort der Wahrheit 66-mal treffend erklärt, wunderbare Kapitel über genau diese Fragen, auch im Detail, was ich jetzt hier gar nicht so genau wiedergeben kann.
Ich denke ja, die Geistesgaben bestehen weiter. Warum? Weil wir nirgends den Hinweis haben, dass sie aufgehört hätten. Wir haben in 1. Korinther 13, was dann häufig als Argument angeführt wird, dass der Kanon geschlossen sei, das Vollkommene sei da, und damit hören auch die zeichenhaften Gaben auf. Diese Stückwerk-Erkenntnis, solange diese Stückwerk-Erkenntnis nicht da ist, ich verstehe es so, hier ist nicht der geschlossene Kanon gemeint, sondern die Wiederkunft Jesu. Wir werden gleich im Gespräch mit Matthias etwas genauer im Anschluss an diese Predigt noch darüber sprechen.
Zungenrede: Ja, sie muss in Ordnung erfolgen. Natürlich nicht, wenn es in einer versammelten Gemeinschaft zu einer Zungenrede kommt und dann keine Auslegung da ist. Prophetisches Reden: Ja, allerdings nicht gleichzusetzen mit den Propheten des Alten Testaments, die gesagt haben: So spricht der Herr, und dann war das das unfehlbare Wort Gottes, weswegen es dann auch Eingang in die Bibel genommen hat. Prophetisches Reden im Neuen Testament ist ein Wort vom Heiligen Geist zu empfangen, das dem 1. Korinther 14,3 entspricht: Wer aber weissagt, der redet für Menschen zur Erbauung, zur Ermahnung und zum Trost.
Prophetie in der Gemeinde Jesu ist kein wörtliches Echo göttlicher Worte, auch nicht im Wesentlichen Zukunftsvoraussage, sondern eine freie Wiedergabe dessen, was der Heilige Geist einem Menschen auf sein Herz brennt, spontan, Großmacht durch den Heiligen Geist. Wir haben es in den wunderbaren Vorträgen auch gehört, wie wir die Wahrheiten auf unser Herz gestempelt und versiegelt und gedrückt bekommen. Und wenn dein Herz eine Erkenntnis bekommt und du dann aus der Schrift heraus sie einem anderen weitergibst, ja, das ist zur Auferbauung, das ist prophetisches Reden, zur Ermahnung und zum Trost.
So, nun ist der Elefant benannt: Die Gaben des Geistes sind Gnadengaben, und sie sind vielfältig.

Das Ziel: Auferbauung der Gemeinde

Drittens: Es sind Gaben, nach denen wir streben. Wir haben verstanden, dass es eine Bandbreite gibt und dass es um die Auferbauung der Gemeinde geht.
Deswegen die Frage: Warum sollen wir nach den Gaben streben? Warum sollst du nach den Gaben streben? Weil die Bibel die Gemeinde eben auch als einen Bau beschreibt und immer wieder sagt, dass alles zur Auferbauung geschehen soll. Mit anderen Worten: Die Gemeinde als Tempel Jesu soll fertig werden, sie soll vorankommen. Dazu bist du berufen.
Weißt du, der Bau der Gemeinde, dieser Aufbau, diese Auferbauung, wird erst vollkommen abgeschlossen sein, wenn Jesus wiederkommt, stimmt’s? Bis dahin werden wir nicht fertig. Aber das Schlimmste ist, wenn die Arbeit am Bau eingestellt wird. Ich hätte nie gedacht, und wir haben ja jetzt schon seit einigen Jahren hier diese Konferenzen, dass ich noch einmal ein Beispiel aus der Architektur Hamburgs anführe, nachdem wir es in Hamburg geschafft haben, mit Hängen und Würgen die Elbphilharmonie fertigzustellen.
Wir Hamburger, manchmal auch ein wenig stolz, wollen ja dann diesen Elbtower bauen. Ursprünglich war eine Höhe von 245 Metern geplant, das höchste Gebäude der Stadt, das dritthöchste in Deutschland, 64 Etagen. Seit Herbst 2023 gibt es einen Baustopp bei 100 Metern. Das sieht schlimm aus, es schmerzt mich. Initiiert wurde der Bau von unserem damaligen Bürgermeister Olaf Scholz, der zwischenzeitlich Bundeskanzler war, und die Medien spotten. Sie nennen diesen Stummel den kurzen Olaf.
Das Problem ist: Der Bau geht nicht weiter. Es ist schon wieder ein Déjà-vu, Elbphilharmonie und jetzt dieser Elbtower. Es bringt keine Ehre für die Bauherren, für die Stadt, die nicht weiß, wie es weitergeht, weil der Investor pleite ist. Es ist ein schwaches Bild.
Auf die Gemeinde, auf den Bau der Gemeinde, übertragen: Warum streben wir nach den Gaben des Heiligen Geistes? Nicht damit wir im Mittelpunkt stehen, sondern damit wir dazu beitragen, dass der Bau der Gemeinde Jesu vorangeht, zur Auferbauung. Du sollst helfen, dass die Welt nicht spottet, weil wir die Werkzeuge niedergelegt haben.
Jesus gab sein kostbares Blut für seine Gemeinde. Wir sehnen uns danach, dass der Leib Jesu, für den er sein Leben gegeben hat, die Gemeinde, floriert. Dazu sind die Gaben da: Gott zu verherrlichen, sich einzubringen in der Kraft des Heiligen Geistes, die Gemeinde zu erbauen, ihr zu dienen, Christus zu dienen, dem ich in der Gemeinde diene. Deswegen streben wir nach den Geistesgaben.
Und weil die Bibel es ausdrücklich sagt, 1. Korinther 14,12: Also auch ihr, da ihr eifrig nach Geisteswirkungen trachtet, strebt danach, dass ihr zur Erbauung der Gemeinde Überfluss habt. Ein vom Geist beschenkter Mensch ist demütig. Er stellt sich unter die Leitung der Gemeinde. Er will helfen, mit anpacken, aufbauen, sich opfern, in den Riss treten. Warum? Weil er liebt, weil er den Leib Christi von Herzen lieb hat.
Leider ist das nicht immer so. Darum muss Paulus dringend auf das wahre Motiv für die Geistesgaben hinweisen, nämlich in dem Kapitel über die Liebe, in Kapitel 13. Er schreibt: Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete, wenn ich prophetisch reden könnte und alle Erkenntnis und allen Glauben hätte, so dass ich Berge versetzen könnte, und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib verbrennen ließe, und hätte die Liebe nicht, so wäre es mir nichts nütze.
Die Gaben sind nicht zur Manipulation da, nicht zum Herrschenwollen, auch nicht dazu, sich mit Ehre bezahlen zu lassen. Sondern sie sind dazu da, zu lieben, zu dienen und aufzubauen.
Deswegen die Frage an uns heute Morgen, an dich heute Nachmittag: Warum möchtest du Gnadengaben haben? Weil dein Herz Jesus und seine Gemeinde lebt. Und deswegen streben wir danach.

Praktische Wege zum Umgang mit den Gaben

Wie kann das in der Praxis aussehen, zum Schluss?
Erstens: Schau in die Bibel, schau in die Bibel. Wenn es darum geht, die eigenen geistlichen Gaben zu fördern und Gott zu bitten: Herr, zeig sie mir, schenk sie mir, dann ist es immer wichtig, zuerst den Text der Heiligen Schrift zu betrachten. Denk darüber nach, was das für Gaben sind. Was möchtest du, Herr, dass ich zum Aufbau der Gemeinde beisteuere?
Zweitens: Bete, bete. Denn Gott verleiht uns souverän Gaben, speziell zum Wohl des Leibes. Können wir sicher sein, dass Gott nicht versucht, uns die Gaben vorzuenthalten? Wenn du also nicht sicher bist, wie du von Gott für den Leib Christi begabt wurdest, bete. Bitte Gott, dass er dir, sowohl persönlich als auch durch deine Pastoren und Ältesten, durch Geschwister in der Gemeinde, eine größere Erkenntnis darüber schenkt, wie er dich für seine Ehre einsetzen will.
Drittens: Du kannst auch auf deine eigene Lebensgeschichte zurückblicken. Wo hat Gott besonders Segen geschenkt, wenn du dies oder jenes getan hast? Ein Rückblick auf deine eigene Geschichte, insbesondere natürlich, wenn du Christ bist, kann eine gute Möglichkeit sein, auch hier weitere Einblicke zu erhalten.
Und dann viertens, ganz wichtig: Schau dich in der Gemeinde um. Wo ist denn Not am Mann? Wo braucht es Menschen, die mit anpacken? Wenn du in deiner Ortsgemeinde Lücken oder Unzulänglichkeiten siehst, dann springe ein, bereitwillig. Oft ist das nur vorübergehend, bis Gott jemand anderen mit einer Begabung in diese Rolle hineinführt. Aber vielleicht schenkt Gott dir bei einem solchen Glaubensschritt Fähigkeiten, die du vorher gar nicht geahnt hast, dass du sie hast. Fähigkeiten für einen Dienst, die jahrelang im Verborgenen lagen, weil du dich bereit erklärt hast, zur Auferbauung des Leibes mit anzupacken.
Vor allem am Anfang deines Weges mit dem Herrn solltest du die Gelegenheit, die Gott dir schenkt, immer wieder freudig annehmen und sagen: Ja, ich bin bereit, ich helfe.
Der beste Weg, deine Gaben herauszufinden, ist ganz schlicht: Diene einfach. Der Heilige Geist und seine Gaben sind Gaben der Gnade, es sind Gaben in Vielfalt, und es sind Gaben, nach denen wir streben. Zur Auferbauung der Gemeinde, zur Ehre Gottes möge der Herr es schenken. Amen.

Schlussgebet

Ja, Herr Jesus, wir danken dir von Herzen für die vielfältigen Segnungen, die dein Heiliger Geist uns bringt. Auch für die Gnadengaben, die du schenkst, damit dein Leib auferbaut wird.
Ich möchte dich bitten für die Gemeinden in unserem Land, wo es mangelt und wo der Bau fast zum Erliegen kommt. Herr, erwecke du deinen Leib neu. Sende du deinen Geist in Kraft und hilf uns, dass wir uns dir in Demut zur Verfügung stellen. Amen.