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Das Gleichnis vom einen Pfund – Teil 5

Jesu Leben und Lehre, Teil 672/672
27.01.2026
SERIE - Teil 672 / 672Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 672: Das Gleichnis vom einen Pfund, Teil 5

Einführung in die eschatologische Deutung des Gleichnisses

Machen wir weiter bei der eschatologischen Auslegung des Gleichnisses vom einen Pfund. Worum geht es in dem Gleichnis? Jesus will zeigen, dass das Reich Gottes nicht sofort erscheinen wird. Der künftige König muss erst weggehen und dann wiederkommen. Erst dann beginnt die Herrschaft des Königs und damit das Reich Gottes.

Ich hatte in der letzten Episode bereits darauf hingewiesen, dass die im Alten Testament geschilderten Ereignisse rund um den Exodus aus Ägypten, die Zeit in der Wüste und den Beginn der Landnahme prophetisch auf das hinweisen, was zur Zeit Jesu geschieht. Dabei steht das Kreuz für das Schlachten des Passalams, der Bundesschluss für das Kommen des Heiligen Geistes an Pfingsten, die Zeit in der Wüste für die vierzig Jahre bis zum Untergang Jerusalems, und die Eroberung Kanaans symbolisiert die Herrschaft des Messias über die ganze Welt.

So wie im Alten Testament ein Land eingenommen wird, so herrscht der Messias im Neuen Bund über alle Nationen. Psalm 2,8 lautet: "Fordere von mir, und ich will dir die Nationen zum Erbteil geben und zu deinem Besitz die Enden der Erde."

Zeitpunkt des Reiches Gottes und biblische Verheißungen

Frage: Wann beginnt diese Herrschaft?
Antwort: Wenn Jesus wiederkommt.

Wann kommt er wieder? Ich denke, um das Jahr siebzig nach Christus. Dann erfüllen sich auch die anderen Stellen, die vom baldigen Kommen des Messias sprechen.

 Matthäus 10,23:
„Wenn sie euch aber verfolgen in dieser Stadt, so flieht in die andere. Denn wahrlich, ich sage euch, ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende sein, bis der Sohn des Menschen gekommen sein wird.“

 Matthäus 16,28:
„Wahrlich, ich sage euch, es sind einige von denen, die hier stehen, die werden den Tod keinesfalls schmecken, bis sie den Sohn des Menschen in seinem Reich haben kommen sehen.“

Hier ist von einem Kommen die Rede, das zu Lebzeiten der Jünger stattfindet. Es ist ganz klar ein Kommen zum Gericht.

Noch einmal die Stelle aus Matthäus 16,27-28:
„Denn der Sohn des Menschen wird kommen in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun. Wahrlich, ich sage euch, es sind einige von denen, die hier stehen, die werden den Tod keinesfalls schmecken, bis sie den Sohn des Menschen in seinem Reich haben kommen sehen.“

Das Kommen Jesu als Gericht und seine Konsequenzen

Wenn es stimmt, dass das Kommen, von dem Jesus hier spricht, kein leibhaftiges Kommen ist, sondern ein Kommen zum Gericht, dann bedeutet das keineswegs, dass dieses Kommen keine weitreichenden Konsequenzen in der himmlischen Welt nach sich zieht.

Damit nähern wir uns Offenbarung 11. Wer die Offenbarung liest, wird feststellen, dass es in dieser Apokalypse einen Höhepunkt gibt. Ganz klassisch liegt dieser in der Mitte des Buchs. Zuerst begegnen wir den sieben Siegeln. Dann wird das siebente Siegel zu sieben Posaunen.

Wenn die letzte Posaune erklingt, sind wir am Ziel. Offenbarung 11,15: "Und der siebente Engel posaunte, und es geschahen laute Stimmen im Himmel, die sprachen: Das Reich der Welt ist unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit."

Worum geht es hier? Es geht darum, dass der Messias seine ewige Herrschaft über die Welt antritt.

 Offenbarung 11,16-17: "Und die vierundzwanzig Ältesten, die vor Gott auf ihren Thronen sitzen, fielen auf ihre Angesichter und beteten Gott an und sprachen: Wir danken dir, Herr Gott Allmächtiger, der ist und der war, dass du deine große Macht ergriffen und deine Herrschaft angetreten hast."

Zusammenhang von Zerstörung Jerusalems und Beginn der Herrschaft Christi

Wann beginnt diese Herrschaft genau? Die Antwort lautet: Kurz nach dem Zweiten Wehe. Das zweite Wehe in der Offenbarung beschreibt den Beginn der Zerstörung Jerusalems.

Wenn das stimmt, fallen die endgültige Zerstörung Jerusalems und der Beginn der Herrschaft Gottes durch seinen Christus über die Welt zeitlich zusammen. So wie am Ende der vierzigjährigen Wüstenwanderung ein erneuertes Gottesvolk vor der Aufgabe steht, seinem Josua zu folgen, um ein Land einzunehmen, ergeht es auch der Generation zur Zeit Jesu.

In den vierzig Jahren zwischen Kreuzigung und der Zerstörung Jerusalems entsteht aus dem gläubigen Überrest Israels zusammen mit den gläubigen Heiden eine neue Nation. Diese neue Nation erhält das Reich Gottes – so, wie Jesus es seinen Feinden prophezeit hat.

In Matthäus 21,43 heißt es: „Deswegen sage ich euch, das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, die seine Früchte bringen wird.“

Wann findet dieser Übergang statt? Erstens, er geschieht in dem Moment, in dem sich dieses neue Israel aus dem gläubigen Überrest und einer bestimmten Menge von gläubigen Heiden konstituiert hat. Die neue Nation muss also entstanden sein, um das Reich zu empfangen.

Zweitens findet der Übergang statt, wenn das Reich Gottes dem alten Volk endgültig weggenommen wird. Das geschieht irgendwann um das Jahr siebzig nach Christus.

Bedeutung der Anzahl der Knechte im Gleichnis

Damit kommen wir zu einem letzten Aspekt des Gleichnisses, der leicht übersehen wird. Am Anfang des Gleichnisses erhalten zehn Knechte jeweils ein Pfund. Am Ende wird jedoch nur mit drei Knechten abgerechnet. Warum ist das so?

Bevor der Einwand kommt, ich sei hier zu spitzfindig: Gleichnisse sind konstruierte Beispielgeschichten. Man kann also davon ausgehen, dass die Zahlen nicht willkürlich gewählt sind. Daraus folgt: Wenn der König kommt, wird nur mit einem Teil der Knechte abgerechnet.

Das erklärt auch, warum ich hier nicht an das abschließende Kommen Jesu glaube. Wenn dieses geschieht, findet nämlich die Auferstehung statt, und alle Knechte erhalten ihren Lohn. So ist es im Gleichnis von den Talenten in Matthäus 25, wo von Anfang an nur drei Protagonisten ins Rennen geschickt werden.

Jesus beginnt aber bewusst mit zehn Knechten. Warum?

Weil es sich bei den Knechten um die Jünger Jesu handelt. Diese werden auf der Erde Leid erfahren und nach ihrem Tod mit Jesus herrschen. Das wird in 2. Timotheus 2,11-12 deutlich: "Das Wort ist gewiss: Wenn wir mitgestorben sind, werden wir auch mitleben; wenn wir ausharren, werden wir auch mitherrschen."

Der Herr Jesus ist hier ziemlich klar. Wir werden als Überwinder mit Jesus auf dem Thron sitzen. In Offenbarung 2,26-28 heißt es: "Und wer überwindet und meine Werke bis ans Ende bewahrt, dem werde ich Macht über die Nationen geben. Und er wird sie hüten mit eisernem Stab, wie Töpfergefäße zerschmettert werden, wie auch ich von meinem Vater empfangen habe."

Auch Offenbarung 3,21 sagt: "Wer überwindet, dem werde ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe."

Wenn also im Gleichnis zehn Knechte jeweils ein Pfund erhalten und nur mit dreien abgerechnet wird, dann liegt das daran, dass hier nur die Gläubigen im Blick sind, die beim Kommen Jesu bereits gestorben sind.

Diese werden, wenn der Messias seine Herrschaft über die Nationen antritt, mit ihm herrschen. Sie werden sich mit ihm auf den Thron setzen. Diejenigen, die dann noch leben, werden ebenfalls belohnt, aber erst später – nach ihrem Tod.

Zunächst müssen wir ein Überwinderleben führen, und dann werden wir mit dem König herrschen.

Der sorglose Knecht und die Konsequenzen seines Versagens

Erinnert ihr euch noch an den Knecht, der sorglos und faul war? Es handelt sich bei ihm um einen Knecht, nicht um einen Feind. Die Strafe für sein Versagen ist nicht wie im Gleichnis von den Talenten in Matthäus 25 die Hölle. Stattdessen verliert er einfach seinen Pfund. Er verliert seine Berufung.

Er ist zwar beim König, aber ohne Job. Er herrscht nicht wirklich mit. Paulus beschreibt solche Christen, die zwar bei Gott ankommen, aber nichts vorzuweisen haben.

Im 1. Korinther 3,14-15 heißt es: Wenn jemandes Werk bleiben wird, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen. Wenn jemandes Werk verbrennen wird, so wird er Schaden leiden. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer.

Zusammenfassung und Ausblick

Und so sind wir nun am Ende dieses kleinen eschatologischen Exkurses angekommen. Ich fasse noch einmal zusammen.

Im Gleichnis vom einen Pfund geht es um die Frage, wann das Reich Gottes anbricht. Dabei steht nicht die Herrschaft Gottes über die Geschichte im Vordergrund, sondern die Herrschaft Gottes durch seinen Messias über die Welt. Es geht um einen Wendepunkt in der Geschichte: Das Reich Gottes wird dem ungläubigen Volk Israel weggenommen und einem neuen Israel gegeben, das aus dem gläubigen Überrest des alten Israel hervorgeht.

Dabei wiederholt sich die Geschichte der Wüstenwanderung. Die Jünger denken, dass die Herrschaft Jesu kurz bevorsteht, doch dem ist nicht so. Gott gibt Zeit zur Buße. Erst um das Jahr siebzig nach Christus herum, mit dem Fall Jerusalems, tritt der Messias endgültig seine Herrschaft über die Nationen an. Dabei kommt er zum Gericht über seine Feinde. Ein Teil seiner Knechte wird zu Mitherrschern, weil sie sich als Überwinder mit ihm auf den Thron setzen werden.

Soweit meine eschatologische Auslegung dieses Gleichnisses. Für alle, die jetzt denken, ich glaube nicht an eine wörtliche Wiederkunft Christi: Doch, das tue ich. Das andere Gleichnis von den Talenten in Matthäus 25 spricht davon. Ich warte auf den Herrn, freue mich auf seinen Sieg über den Mann der Gesetzlosigkeit und auf meine Auferstehung.

Ich glaube nur nicht, dass es in diesem Gleichnis vom einen Pfund um diese Wiederkunft geht.

Abschluss und Ermutigung

Was könntest du jetzt tun? Bete weiterhin dafür, dass Endzeitthemen zum Nachdenken anregen. Sie dürfen gern auch zum Diskutieren anregen, aber nicht zum Streiten.

Das war es für heute. Christen sollen Ermutiger sein.

Schreibe jetzt doch zwei ermutigende SMS an fleißige Geschwister. Der Herr segne dich, lass seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.

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