Serie•Teil 74 / 90Das Matthäusevangelium mit Roger Liebi
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Ein messianisches Lied auf dem Weg zum Ölberg
Wir fahren jetzt weiter. In Matthäus 26,30 haben wir gelesen: „Und als sie ein Loblied gesungen hatten, ging es hinaus an den Ölberg.“ Und wir wissen, was das für ein Loblied war: Psalm 116 bis 118.
Wenn wir Psalm 118 aufschlagen, sehen wir konkret, was da unter anderem gesungen wurde. Ich kann so lesen, Christian: Psalm 118,22-23. „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Vom Herrn ist dies geschehen; das ist ein Wunder vor unseren Augen.“ Das ist ein messianischer Psalm, und dieser Stein ist der Messias. Genauso wie in Jesaja 8, wenn wir kurz dort aufschlagen, wo der Messias auch Stein genannt wird.
Als Parallelstelle liest du Jesaja 8,13-15: „Den Herrn der Heerscharen, den sollt ihr heiligen; er sei eure Furcht, und er sei euer Schrecken. Und er wird zum Heiligtum sein und zum Stein des Anstoßes und zum Fels des Strauchelns für die beiden Häuser Israel, zum Klappnetz und zur Falle für die Bewohner Jerusalems. Und viele unter ihnen werden stürzen, werden fallen und zerbrechen, verstrickt und gefangen werden.“
Ja, also ich muss erklären: Im Judentum ist es klar bezeugt, zum Beispiel im Talmud, im Traktat Sanhedrin 38a, dass dieser Stein des Anstoßes der Messias ist, der Sohn Davids. Und so war also klar: Der Messias wird Stein genannt. Und in Psalm 118 heißt es von ihm: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.“
Und man muss wissen: Vor zweitausend Jahren nannte man die Lehrer des Gesetzes, die Rabbiner, Bauleute. Ja, nicht wahr, wenn man predigt und Rabbiner in der Synagoge predigen, dann sollte ja die Predigt zur Auferbauung sein. Ja, und auch im Neuen Testament, nicht wahr, wird erklärt: Weissagung zum Beispiel, 1. Korinther 14,2, ist zur Erbauung, Tröstung und Ermahnung. Und das Wort „erbauen“ meint wirklich Bauen von einem Haus. Man baut auf. Ja, kranke Lehre, die bricht ab, und gesunde Lehre, die baut eben auf. Und so waren das die Bauleute.
Aber was sagt Psalm 118? „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.“ Der Eckstein ist der erste Stein, den man auflegt, wenn man ein neues Gebäude baut. Also der Messias würde von den Führern, den geistlichen Führern Israels, abgelehnt werden, verworfen werden. Und dann wird etwas ganz Neues daraus entstehen. Und daraus ist dann wirklich die Gemeinde entstanden, im Neuen Testament.
Aber das hat der Herr mit den Jüngern da noch gesungen. Und im Anschluss sind sie nach Gethsemane gegangen, und da kamen wirklich die Bauleute vorbei und haben ihn verworfen.
Und wenn man noch daran denkt, am Dienstag vorher auf dem Tempelplatz, Lukas 20,16. Am Schluss, also des Zusammenhangs wegen ist es so: Ab Vers 1, da kommen, als er im Tempel lehrte, die führenden Priester. Übrigens: In der Elberfelder steht „Hohe Priester“ in der Mehrzahl. Dann war es nicht so, dass es mehrere Hohe Priester gab. Es gab immer nur einen, der im Amt war, damals Kajaphas. Denn sein Schwiegervater Annas war von den Römern abgesetzt worden, war also nicht mehr amtierend, aber noch am Leben.
Aber wenn da „die Hohen Priester“ steht, dann wäre es eigentlich besser, man würde übersetzen: die führenden Priester. Das sind Priester ganz oben an der Spitze. Es gab zum Beispiel ein Gremium von ungefähr 14 höchsten Priestern, die wurden genannt die Ratsleute. Und zu diesem Gremium gehörte Joseph von Arimathia. Mit Ratsleute ist nicht gemeint: Mitglied des Sanhedrins, des obersten Gerichtshofs, sondern von diesem höchsten Priesterrat, Hoher Priester und die höchsten Priester darunter.
Führende Priester und dann weiter die Schriftgelehrten mit den Ältesten. Das ist eine bestimmte Gruppe aus dem obersten Gerichtshof, die Ältesten von Sanhedrin. Und die reden da mit dem Herrn, und der Herr sagt ihnen ein Gleichnis. Und dann kommen wir jetzt eben zu Vers 16b. Liest du, Christian?
„Als sie aber das hörten, sprachen sie: Das sei ferne! Er aber sah sie an und sprach: Was ist denn das, was geschrieben steht: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden? Jeder, der ...“
Ja, das reicht. Ja, also es wird hier gesagt, dass der Herr genau diesen Vers zitiert, Psalm 118, an diese führenden Leute gerichtet. Und es wird von Lukas noch genauer beschrieben. Er sagt: „Er aber sah sie an.“ Das heißt, er macht klar: Er war in Augenkontakt mit ihnen. Sehr eindrücklich.
Übrigens sagt Lukas das auch später, als der Herr Jesus vor Kajaphas war im Prozess und Petrus draußen im Vorhof. Da gab es einen Moment, wo der Herr einen Augenkontakt bekam mit ihm, in Lukas 22,61. Das war gerade nachdem der Hahn gekräht hatte und Petrus sich bewusst wurde: Jetzt ist es geschehen. Ich habe den Herrn dreimal verleugnet. Da lesen wir in Vers 61: Liest du?
„Und der Herr wandte sich um und blickte Petrus an, und Petrus gedachte an das Wort des Herrn, wie er zu ihm sagte: Bevor ein Hahn heute kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.“
Ja, auch da sagt Lukas zwar: direkter Augenkontakt, aber nicht mit einem harten Herrn, sondern ein Herr, der ihn in Gnaden angeschaut hat. Und das hat bei ihm dann wirklich innerlich das bewirkt, was da nötig war, und es hat ihm so leidgetan.
Aber eben hier: Diese Feinde, die schaut der Herr auch an in die Augen und sagt: „Was ist denn dies, das geschrieben steht: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden?“ Und die wussten genau: Wir sind die Bauleute, und der Messias ist der Stein. Und die Bibel sagt: Wenn der Messias kommt, wird er von den Bauleuten verworfen werden. Und genau das machen sie. Sie lehnen Jesus Christus ab. Das muss reingegangen sein. Aber das war am Dienstag.
Und dann eben am Abend des Passahmahls, also Donnerstagabend, nach jüdischer Rechnung war das dann schon Freitag, wie gesagt, waren alle in ihren Familien, auch diese führenden Priester, auch die Ältesten, die Schriftgelehrten, also die Rabbiner, und die haben dann auch gesungen: Psalm 116 bis 118 am Schluss der Feier. Und da kommt wieder dieser Vers: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden.“ Das hat er uns gesagt, und er hat uns so angeschaut. Also dieser Blick, das war auch nochmals eine Chance für sie.
Ja, und die Jünger waren ja mit dem Herrn auf dem Tempelberg, sie hatten das auch erlebt, und jetzt singen wir das wieder: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben.“ Ja, so hat der Herr das mit den Jüngern noch gesungen.
Vom Obersaal durch die nächtlichen Gassen
Jetzt gehen wir zurück zu Matthäus 26. Da gingen sie vom Obersaal, der sich auf dem Nachbarhügel befand, dem Südwesthügel der Altstadt von Jerusalem heute. Der wird heute Zionsberg genannt, aber das ist eigentlich eine Benennung erst aus nachbiblischer Zeit, also etwa hundert Jahre nach Christus. In der Bibel ist der Berg Zion immer der Tempelberg. Zur Unterscheidung kann man sagen: Der Tempelberg ist Zion eins, und dieser Nachbarhügel ist Zion zwei.
Dort war dieser Obersaal. Ich habe letztes Mal erklärt, dass es in der rabbinischen Literatur eine klare Anweisung gibt. Sie sagt, dass die Leute von Jerusalem den Besuchern von außen gratis einen Raum zur Verfügung stellen mussten für die Passafeier. Damals schickte der Herr also die Jünger in die Stadt, um einen bestimmten Mann mit einem Wasserkrug auf dem Kopf ausfindig zu machen. Den sollten sie fragen: Wo hast du den Raum bereitgemacht? Das war also jemand, der ihnen gratis diesen Raum zur Verfügung stellen musste. Da, auf Zion zwei.
Dann, nach der Feier, geht der Herr hinaus in die frische Luft von Jerusalem im Frühjahr. Angenehm, aber man kann in der kühlen Luft wehen. Da findet man aber keine Leute auf der Straße, alle feiern in den Familien. Es war eine Vollmondnacht, um die Passazeit, also um Vollmond. Und der Herr ging da durch die Gassen von Jerusalem mit den Jüngern weiter. Da hat man natürlich auch die Möglichkeit gehabt, in den Gärten Weinstöcke zu sehen.
Ich habe in Johannes 13 bis 14 gelesen, wie der Herr in diesem Obersaal noch viele, viele weitere Dinge zu den Jüngern gesagt hat. Und dann gehen sie raus, am Ende von Johannes 14. Dann sagt der Herr: Ich bin der wahre Weinstock, ihr seid die Reben. Das war aber schon auf dem Weg, jetzt da durch die leeren Gassen von Jerusalem, vom Vollmond erhellt. Dann ging der Herr mit ihnen runter ins Kidron-Tal, auf dem Weg nach Gethsemane, zu diesem Garten an den Westabhängen des Ölbergs.
Und da, auf dem Weg, sagt der Herr etwas Wichtiges, was wir jetzt genauer anschauen werden, ab Vers 31. Aber ich möchte noch etwas sagen, bevor ich es vergesse. Ich habe ja am Anfang erklärt, bei der Passafeier gibt es vier Kelche. Jetzt könnte jemand sagen: Aber dann hast du wahrscheinlich die Pessach-Haggada nicht richtig gelesen, da ist die Rede von fünf Kelchen. Ja, natürlich, aber das ist jetzt wieder ein Unterschied. Dieser fünfte Kelch kam erst dazu, im Mittelalter. Ich habe ja gesagt, es gibt gewisse kleine Unterschiede, die muss man wissen. Aber sonst ist das Prinzip mit Kadesch, Urachatz, Karpas und so weiter dasselbe geblieben von der Zeit des Herrn bis heute.
Aber dieser fünfte Kelch, warum kam der dazu? Nun, der fünfte Kelch wird gar nicht getrunken. In keiner jüdischen Familie, ob in New York oder in Moskau oder in Jerusalem. Das ist der Kelch für Elija, den Propheten Elija, der ja noch kommen soll vor dem Erscheinen des Messias. Und man macht auch einen Stuhl bereit, der ist für Elija. Also der fünfte ist noch dazu. Und es ist dann so: Das Fest ist vorüber, oder praktisch vorüber, dann bleibt noch dieser fünfte Kelch. Den rührt man aber nicht an, sondern schickt ein Kind raus auf die Straßen, um zu sehen, ob Elija gekommen ist. Ja, und dann muss er reingeholt werden, und der Tisch steht ja bereit.
Und natürlich: Jedes Jahr in der ganzen Welt, in allen jüdischen Familien, geht das Kind raus und kommt wieder rein. Elija ist nicht da. „B’schana haba b’Jiruschalaim“ – nächstes Jahr in Jerusalem. Dann hoffen wir, dass Elija kommt und dann der Messias, und dann werden wir alle nach Jerusalem gehen. Da gibt es keine Juden mehr in New York und in Moskau, die werden alle dann nach Hause gehen.
Und nun ist das natürlich etwas Trauriges. Das ist eigentlich die Erklärung: Der Messias ist noch nicht gekommen. Der Herr Jesus sagt in Matthäus 11: Wenn ihr es annehmen wollt, Johannes der Täufer, er war Elija. Und sie haben mit ihm gemacht, was immer sie wollten, sagt er auch über ihn. Das heißt also, dieser fünfte Kelch ist der Ausdruck dafür, der Messias ist noch nicht gekommen, er kommt erst später. Aber das war nicht ursprünglich. Das ist eigentlich ein Ausdruck des Unglaubens.
Ja, das als Ergänzung. Ja? Eine Frage: Wie sieht das aus, wenn der Herr sagt, er würde eben diesen Kelch nicht mehr trinken, bis er kommt im Reiche seines Vaters? Gibt es praktisch etwas Weiteres?
Das heißt praktisch, dass der Herr eben nicht mehr Passa essen wird, ab da, erst wieder im tausendjährigen Friedensreich. Und dort finden wir in den Kapiteln Hesekiel 40 bis 48, im Zusammenhang mit dem neuen Tempel in Jerusalem, mit dem Endzeittempel, dort wird das Passafest wieder erwähnt. Und der Herr sagt also: Für dann, ab jetzt, wird er nie mehr einen solchen Kelch in Verbindung mit dem Passa trinken.
In der Familie, wo man zusammensitzt und feiert, gibt es jeweils bloß einen Kelch für alles. Das heißt: der erste Kelch, der zweite Kelch, nicht dass jeder vor sich mehrere Kelche hat. Ja, also in der Praxis wird das mit einzelnen gemacht, ja. Aber was wir sehen, wie der Herr das gemacht hat: Wir haben gesehen, Vers 27, und er nahm den Kelch und dankte. Und dankte und gab ihnen diesen und sagt: Trinkt alle daraus! Das macht klar, dass der Herr einen Kelch für die Jünger benutzte. Aber das sind eben so praktische Fragen. Natürlich die ganze Corona-Geschichte, Abendmahl und Corona, ja.
Genau. Ja, also gehen wir zu Vers 31. Lies du nochmals 31 bis 35.
Darauf spricht Jesus zu ihnen: Ihr werdet euch alle in dieser Nacht an mir ärgern; denn es steht geschrieben: Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden zerstreut werden. Nachdem ich aber auferweckt sein werde, werde ich vor euch hingehen nach Galiläa. Petrus aber antwortete und sprach zu ihm: Wenn sich alle an dir ärgern werden, ich werde mich niemals ärgern. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir, dass du in dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, mich dreimal verleugnen wirst. Petrus spricht zu ihm: Selbst wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen. Ebenso sprachen auch alle Jünger.
Ja, also da sind wir jetzt eben auf diesem Weg zum Ölberg. Und da kündigt der Herr an, dass die Jünger wirklich in große Drangsal kommen werden. Die werden fliehen und sich versprengen. Und zwar bezieht sich der Herr auf eine Stelle in Sacharja 13, Vers 7, wo Gott davon spricht, dass der Messias sterben muss. Können wir kurz aufschlagen, Sacharja 13? Lies du, Christian, bitte.
Vers 7.
Ja, wach auf, Schwert, gegen meinen Hirten und gegen den Mann, der mein Gefährte ist, spricht der Herr der Heerscharen. Schlage den Hirten, dass die Schafe sich zerstreuen.
Ja, das reicht. Oder lies noch fertig.
Und ich werde meine Hand den Kleinen zuwenden.
Danke. Also: „Gott ruft: Schwert, erwache gegen meinen Hirten“ bedeutet, das Schwert ist das Symbol des Todes, dass der gute Hirte, den Gott der Vater hier nennt, mein Hirte, dass er sterben muss. Und diesen guten Hirten nennt er weiter: „der Mann, der mein Genosse ist“. Das ist sehr eindrücklich. Das Wort Genosse ist hier Amid im Hebräischen. Und Amid ist jemand, der einem gleichgestellt ist, also ein Genosse, aber wirklich mit der Betonung, das Am drin, das drückt aus, auf der gleichen Ebene. Also ein Mann, von dem Gott sagt: Er ist mir gleich.
Ja, es ist so, in Philipper 2, Vers 5 lesen wir von dem Herrn Jesus, da er in Gestalt Gottes war, achtet ihr es nicht für einen Raub, gottgleich zu sein. Die Gottgleichheit, die musste er nicht quasi als etwas Fremdes an sich reißen, er war gottgleich. Und hier wird bezeugt: der mein Gleichgestellter ist. Und dann schlagen den Hirten, und die Herde wird sich zerstreuen. Und so hat der Herr aufgrund dieser Stelle gesagt, das wird jetzt in Erfüllung gehen, die werden zerstreut werden, nämlich im Zusammenhang dann mit der Verhaftung in Gethsemane. Und da bekamen die Jünger Angst. Wenn sie jetzt unseren Herrn abführen zur Hinrichtung, dann wird das Gleiche mit uns geschehen, und darum flohen sie.
Und wir haben gesehen in Vers 35: Nicht nur Petrus hat gesagt, Herr, ich bin bereit, mich für dich einzusetzen. Alle sagten das. Aber warum wird das mit Petrus so ausführlich beschrieben? Weil er das am deutlichsten gesagt hat. Wirklich, bei ihm kam es klar rüber: Ich bin treuer als alle anderen. Und das wurde ihm eben zum Verhängnis. Aber warum hat der Herr ihm das zugelassen? Er hätte doch verhindern können, dass er in dieser Versuchung zu Fall kommt. Aber der Herr wusste um Petrus, und er wusste, dass das ein Problem von Stolz sein würde für seinen späteren Dienst, dieser Gedanke immer von der Überlegenheit. Darum hat der Herr das so zugelassen. Aber in Lukas 22 hat er ihm noch gesagt: Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre.
Also der Herr hat es zugelassen, dass die Prüfung nicht bestanden wurde. Aber für den Herrn war es wichtig, dass sein Glaube erhalten bleibt, dass der nie zusammenbricht. Und das hat der Herr auch dann so erfüllt. Und es war nötig, dass Petrus diese Erfahrung machte, um dadurch demütig zu werden. Darum ist der Herr dann ihm nach der Auferstehung persönlich erschienen. Das wird in Lukas 24 nur in einem einzigen Vers erwähnt, ich gebe die Stelle an, in den Evangelien also nur in diesem Vers und dann noch 1. Korinther 15, wo Paulus sagt: zuerst erschien Kephas nach seiner Auferstehung.
Das ist also der Vers in Lukas 24, Lukas 24, Vers 34. Da sagen die Versammelten: Der Herr ist wirklich auferweckt worden und dem Simon erschienen. Diese Begegnung wird nirgends sonst ausgeführt, was da geredet wurde. Der Herr hat ganz persönlich nur mit ihm gesprochen, sich nur mit ihm beschäftigt. Und so gibt es eine ganz persönliche Beziehung zum Herrn, in die niemand anders hineinschauen kann. Und da hat der Herr ihm aufgeholfen, dass er da nicht in Selbstzweifeln zusammengebrochen ist.
Es hätte ja sein können, dass Petrus sagt: Jetzt ist aus, wirklich, ich mag nicht mehr, und ich bin auch nicht brauchbar. Das ist typisch der Feind: Zuerst will er einen hochmütig machen, und wenn man dann gefallen ist, dann will er einen richtig runterdrücken. Und der Herr hat das aufgefangen. Aber das hat noch nicht gereicht, das war etwas. Aber Petrus konnte denken: Und jetzt die anderen? Dem Herrn ist es in Ordnung, aber die anderen, die haben das ja nicht gesehen.
Und darum, in Johannes 20, da lesen wir nach der Auferstehung, ist Petrus und auch andere Jünger nach Galiläa gegangen, und Petrus sagt: Ich gehe fischen. Und andere sagen: Wir kommen mit. Er ging wieder in den alten Beruf zurück. Er dachte, das Beste ist einfach wieder das zu machen, was vor der Berufung zum Dienst war. Fischen kann ich ja. Und das zeigt eine Frustration, die da war.
Dann ist der Herr aber am Ufer erschienen, hat bereits das Frühstück bereitgestellt, und dann im Kreis der Jünger sagt der Herr: Liebst du mich mehr als diese? Und Petrus sagt: Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Abgeschwächt, er sagt nicht: Ich liebe dich, sondern: Ich habe dich lieb. Im Griechischen ist phileo schwächer als agapao. Der Herr sagt: Liebst du mich, agapao? Er sagt: Du weißt, dass ich dich liebe. Aber der Herr sagt: Liebst du mich mehr als diese? Du weißt, dass ich dich liebe. Er sagt nicht mehr: mehr als die anderen. Und das haben die anderen gehört. Dem Petrus ist etwas geschehen. Er ist nicht mehr gleich wie vorher.
Und dann hat der Herr nicht etwa das Gleiche nochmals gefragt. Nachher sagt er ihm beim Frühstück zu einem späten Moment: Petrus, liebst du mich? Agapao. Nicht mehr als die anderen, aber liebst du mich? Da sagt er: Du weißt, dass ich dich lieb habe, phileo. Und später sagt der Herr: Hast du mich lieb? Das schwächere Wort, phileo. Petrus wird traurig, und er sagt: Du weißt doch alles, du kennst mich ja durch und durch, du weißt, dass ich dich lieb habe.
Und das war ganz wichtig. Die anderen Jünger haben das alles miterlebt. Und darum hat dann niemand später gesagt, dass Petrus, ich würde mich jetzt besser ein bisschen zurückhalten, die Pfingstrede gehalten hat, in Apostelgeschichte 2. Etwas später hat sogar die Volksmenge gesagt: Ihr habt den Gerechten verleugnet und eingefordert, der ein Mörder war. Ich warne, hätten manche sagen können. Petrus, weißt du noch, was da war im Vorhof in Jerusalem? Nein, das war erledigt, vergeben und in Ordnung. Und darum konnte der Herr ihn so gebrauchen. Aber er hat das zugelassen, dieses Versagen, um ihn zu formen, und das hat ihm eben bei dem Problem von Hochmut geholfen in seinem ganz weiteren Dienst.
Gehen wir zurück zu Matthäus 26. Ich muss noch dieses Wort erklären, Vers 31: Anstoß nehmen. Vers 33, Petrus sagt: Ich werde niemals Anstoß nehmen. Christian, du hast gelesen, bei dir stand ärgern, ja? Das griechische Wort skandalizo, skandalizomai, das bedeutet: in eine Falle hineintreten und dann umfallen, also zu Fall kommen. Es wird auch übersetzt mit ärgern, aber der Sinn ist die eine Fußfalle, wo man darüber stolpert. Oder es kann auch ein Stein sein im Weg, ein Fels des Strauchelns, Fels des Anstoßes. Das meint eben einen Stein, wo man darüber stolpert. Und das meint der Herr hier: Ihr werdet quasi an mir zu Fall kommen. Und so sind alle Jünger geflohen.
Der Herr hat das ihnen vorausgesagt, und im Nachhinein konnten sie sagen: Er hatte alles, alles gesagt. Das war ja irgendwie alles keine Überraschung für den Herrn. Er wusste, dass es so kommen würde, und trotzdem wollte er uns weiterhin gebrauchen. Das ist ermutigend.
Der Weg nach Gethsemane und die Bedeutung des Gartens
Dann gehen wir weiter in Vers 36. Wir haben ja schon, er hat noch nicht gelesen. Jetzt kannst du die Verse 36 bis 46 lesen.
Dann kommt Jesus mit ihnen an ein Gut, genannt Gethsemane, und er spricht zu den Jüngern: Setzt euch hier, bis ich hingegangen bin und dort gebetet habe. Und er nahm den Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus mit und fing an, betrübt und geängstigt zu werden. Dann spricht er zu ihnen: Meine Seele ist sehr betrübt bis zum Tod. Bleibt hier und wacht mit mir.
Und er ging ein wenig weiter, fiel auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber. Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Und er kommt zu den Jüngern und findet sie schlafend. Und er spricht zu Petrus: Also nicht eine Stunde konntet ihr mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt. Der Geist ist zwar willig, das Fleisch aber schwach.
Wiederum, zum zweiten Mal, ging er hin und betete und sprach: Mein Vater, wenn dieser Kelch nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille. Und als er kam, fand er sie wieder schlafend, denn ihre Augen waren beschwert. Und er ließ sie, ging wieder hin und betete zum dritten Mal und sprach wieder dasselbe Wort.
Dann kommt er zu den Jüngern und spricht zu ihnen: So schlaft denn fort und ruht aus. Siehe, die Stunde ist nahe gekommen, und der Sohn des Menschen wird in Sünderhände überliefert. Steht auf, lasst uns gehen. Siehe, nahe ist gekommen, der mich überliefert.
Danke! Also der Herr geht weiter durch die Gassen, wie gesagt, dann ins Kidrontal hinunter und dann in den Garten Gethsemane, zu einem Ort, wo er sich immer wieder mit seinen Jüngern versammelt hatte. Und darum wusste natürlich Judas, dass nach der Feier, könnte es sein, dass er dort ist mit den Jüngern, und da kann man ihn verhaften, und zwar abseits von der Stadt, so dass kein Aufruhr entsteht. Und die Leute sind sowieso in den Familien, in den Häusern beschäftigt, und so kann man ohne Volksauflauf diese Verhaftung durchführen.
Nun, das war am Westabhang des Ölberges. Und der Ölberg heißt eben darum so, weil es dort viele Ölbäume gab, schon damals. Übrigens, dort beim Westabhang, was man auch heute als Garten Gethsemane bezeichnet, da gibt es Olivenbäume, die biologisch ein Alter haben bis etwa 2500 Jahre, also die zum Teil schon da waren, als der Herr mit den Jüngern da war. Überhaupt hat sich die Landschaft sehr wenig geändert, da im Kidrontal und auf dem Westabhang des Ölbergs.
Und dann der Name Gethsemane, was heißt das auf Deutsch? Ölpresse. Auf Hebräisch sagt man „gat schmanim“, aber ein „sch“ gibt es nicht auf Griechisch, und darum schreibt Matthäus griechisch „get semane“. Also es ist so, wie man das Hebräische umschreiben würde, damit es für die griechische Sprache passt. Die Bedeutung ist genau die gleiche. „Gat schmanim“ heißt also Presse der Oliven.
Ja, man sagt Gatschmanim, ja, auf Hebräisch, und auf Deutsch sagt man Gethsemane, eben nach dem Griechischen. Ja, und wie war das beim Ölpressen? Man sammelt die Oliven von den Bäumen, füllt damit Säcke aus Naturfasern, und die werden zuerst in eine Presse hineingelegt, die mit einem Eselmühlstein zerdrückt wird. Also die Oliven werden in den Säcken zerdrückt. Und dann nimmt man diese Säcke und tut sie in eine eigentliche Ölpresse mit Hebelarmen und schweren Steinen daran. Und dann gibt es drei Pressungen.
Und natürlich die erste Pressung, das ist das, was wir am meisten lieben: Virgin Oil, also die erste Pressung, das beste Öl. Im alten Israel war das typischerweise auch nur diese Qualität, die man verwendet hat für den Tempel, für den siebenarmigen Leuchter, auch für das Speisopfer. Dann konnte man eine zweite Pressung durchführen, und die war typischerweise für Nahrungsmittel, also Olivenöl auf dem Tisch, und auch für medizinische Zwecke. Olivenöl gehörte zu den wichtigsten Bestandteilen der alten Medizin. Man kann sagen: Wein und Öl, genau das, was der gute Samariter, Verzeihung, in Lukas 10 benutzt bei der Behandlung des Halbgetöteten.
Ja, und dann die dritte Pressung, die war dann gut noch für Öllämpchen im privaten Bereich, für Seife. Ja, so kann man vieles herstellen aus diesem Olivenöl. Übrigens, es ist das hellste pflanzliche Öl für Lampen.
Und der Herr ist da betrübt, beängstigt, unter seelischem Druck, wie wir uns das nicht vorstellen können. Genauso wie das eben geschieht: Zuerst werden die Oliven gepresst durch den Mühlstein und dann ein erstes Mal mit der Presse, zweites Mal, ein drittes Mal. Wir haben gesehen, wie der Herr Jesus da dreimal betet, genau entsprechend diesen drei Pressungen.
Und er erfährt keine Unterstützung durch die Jünger. Er ist so allein. Die besten Freunde, die er sich ausgewählt hat, und jetzt, wo es so darauf angekommen wäre, ist ihnen der Schlaf wichtiger.
Und im Lukasevangelium, in einer Parallelstelle, dort heißt es, dass sein Schweiß wurde wie Blutstropfen. Und das Phänomen kennt man in der Medizin. Unter ganz, ganz starken seelischen Belastungen kann es sein, dass aus den Blutgefäßen Blut austritt ins Gewebe, also das Blutschwitzen. Das ist nicht ein Ammenmärchen, sondern das gibt es, und das hat der Herr erlebt, in solchem Druck.
Und im Hebräerbrief erfahren wir noch mehr. Wenn wir kurz aufschlagen: Hebräer 5,7, bitte. Der hat in den Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als auch Flehen mit starkem Geschrei und Tränen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod erretten kann, und ist um seiner Gottesfurcht willen erhört worden und lernte, obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam.
Gebetet hat. Das ergänzt eben das, was wir in Lukas haben, dieses Blutschwitzen und hier, dass der Herr betrübt, beängstigt war. Und zwar sah er nicht nur den Schrecken der Kreuzigung vor sich, was das alles mit sich bringen würde, an Schmerzen. Und diese Ablehnung, diesen Hass und dieses Verspotten der Menschen, das wusste er alles im Voraus. Aber er wusste auch: In den drei Stunden der Finsternis am Kreuz werde ich dann der Sündenträger werden. Und das war für den Herrn so widerlich, er, der die Sünde hasste und nichts mit Sünde zu tun hatte, so vollkommen gerecht war.
Das heißt, er war in seinem Empfinden noch empfindsamer als wir. Da kann einer sich rühmen: Ja, aber ich bin hochsensibel. Das hat mit Sünde zu tun gehabt. Und Sünde bewirkt auch eine gewisse Verhärtung der Empfindungen. Und bei ihm war das so perfekt. Und darum war das so schrecklich für ihn, das vor sich zu sehen, und darum hat er mit starkem Geschrei und Tränen gebetet.
Aber haben wir genau gelesen? Die Muslime lesen nicht genau. Ja, gerade vor kurzem haben mir wieder einmal jemand diese Frage geschickt. Muslime sagen, das sei ein Beweis, dass Jesus Christus nicht gestorben ist. Er habe ja gebetet, dass er vor dem Tod bewahrt bleibt und sei erhört worden um seiner Frömmigkeit willen. Ja, aber lesen wir mal genau Hebräer 5,7: Der in den Tagen seines Fleisches daher sowohl Bitten als Flehen dem, der ihn aus dem Tod zu retten vermochte. Nicht vor dem Tod. Das kommt darauf an, vor und aus ist nicht das Gleiche. Aber hier steht aus dem Tod, das heißt, der Herr wusste, der Vater wird mich auferwecken. Und dafür hat er gebetet, nicht, dass er bewahrt bleibt und sei dann erhört worden. Nein, nicht das wurde erhört, aber dass er aus dem Tod dann auferstehen würde, das wurde erhört.
In Matthäus 26,39 heißt es: Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber. Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst. Im Markusevangelium steht in 14,36: nicht was ich will, sondern was du willst. Es wird einmal gefragt: Warum heißt es hier wie und dort was? Es gibt eine Antwort: Wie ist doch die Art und Weise, und was ist einfach die Sache an sich. Das hat mit Markus zu tun, also wo der Herr Jesus als der Knecht übersteht wird.
Ja, im Matthäusevangelium wird der Herr Jesus betont dargestellt als der Knecht Gottes, der gehorsam alles tut, was ihm befohlen wird vom Vater. Darum: nicht was ich will, sondern was du willst. Aber im Matthäusevangelium wird der Herr Jesus vorgestellt als der König, König, Messias, ist ja der verheißene König, ja, und noblesse oblige, Würde verpflichtet. Das Königliche ist eben auch die Art und Weise. Und der Herr Jesus hat nicht nur einfach alles getan, was der Vater ihm gesagt hat, sondern die Art und Weise, wie er es gemacht hat, das war so einzigartig, wunderbar. Diese Art, wie er das ausgeführt hat, das ist so speziell, und das wird hier betont: Nicht wie ich will, sondern wie du willst.
Aber der Unterschied wird eben entsprechend dem Charakter der Evangelien deutlich. Und dann schließlich nach diesem Beten, nach diesem Schreien und Weinen mit vielen Tränen, sagt der Herr in Vers 46: Steht auf, lasst uns gehen, siehe, die Stunde ist gekommen, der mich überliefert. Und jetzt sollte das wahr werden, was der Herr angetönt hatte mit Karpas, die Schale Erdfrucht in Weinessig. Und der Herr wusste: Jetzt ist es so weit. Und er war bereit, den Weg zu gehen.
Nicht wahr, wenn man daran denkt, in 2. Samuel 15, als König David so etwas Schreckliches erleben musste, dass ein eigener Sohn ihn als Vater vom Thron stürzte: Absalom. Furchtbar, wenn man denkt, ein Vater wird von einem Sohn gestürzt, und da musste er fliehen, aus der Davidstadt, durchs Kidrontal, kommt etwas Bekanntes vor, und dann lesen wir dort: ging er hinauf, weinend, das Haupt verhüllt, barfuß, den Ölberg hinauf. Genau der gleiche Weg, wie der Sohn Davids schließlich nach Gethsemane gehen sollte.
Aber David ging hinauf bis auf die Anhöhe des Ölberges und dann ging er in die Wüste, um zu fliehen vor seinem Sohn und seiner Armee. Das ist ein idealer Ort für Flucht. Der Ölberg ist nämlich die Klimascheide. Auf der einen Seite haben wir Wüste, auf der anderen Seite haben wir, also im Westen, das fruchtbare Land. Und wenn man also auf dem Ölberg ist, runter und gleich ist man in der jüdischen Wüste, und dort gibt es so tolle Verstecke, so viele Höhlen und Grüfte und Löcher und enge, unzählige Täler, ideal für solche, die sich in Sicherheit bringen müssen.
Und David ist gegangen. Der Jesus war da am Ölberg, und da hätte er fliehen können. Er ist nicht gegangen, weil er bereit war, für uns nach Golgatha zu gehen. Das ist schon eindrücklich. Er kam ja von Jericho, Lukas, durch die Wüste hinauf, nach dem Ölberg und dann nach Jerusalem, im Wissen: Ich werde hingehen und sterben. Er ging durch diese Wüste, die ideale Fluchtwüste, ging er nach Jerusalem, und dann dort ging er nicht wieder in die Wüste zurück, sondern er blieb in Gethsemane bis zum Moment, wo dann Judas mit der ganzen Schar kam, so dass er verhaftet und schliesslich nach Golgatha geführt werden konnte.
Ja, wollen wir an dieser Stelle für heute schliessen und dann fahren wir nächstes Mal weiter mit der Verhaftung in Vers 47 und dann mit dem Prozess vor dem Sanhedrin.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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