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Bruderliebe Die Bruderliebe und das Lästern

Jakobus 4,1127.06.2016
Serie•Teil 4 / 5Bruderliebe
Warum reden wir so schnell schlecht über andere? Wer ständig urteilt, macht aus eigenen Erwartungen ein Maßstab. Nähe wächst erst, wenn du erträgst, vergibst und das Gute suchst.
Thema

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Ein Einstieg in das Thema von Nähe, Fehlern und Sprache

Wir sind in einer Reihe über Bruderliebe, und manchmal muss man über Dinge predigen, die man selbst tut. Also, was meine ich? Ich werde heute über Bruderliebe und das Lästern predigen.
Was ist Lästern? Lästern ist, wenn man hinter dem Rücken einer Person über diese Person redet und dabei nicht unbedingt gut, sondern schlecht über sie redet. Ich würde gerne sagen, dass mir das nie passiert ist, aber das stimmt nicht. Und deswegen stehe ich hier vorne und predige heute tatsächlich erst einmal mir selbst. Es ist auch gar nicht so lange her, da habe ich mich dabei ertappt: Jürgen, du bist ein Lästerer.
Und vielleicht bin ich nicht der schlimmste Lästerer, das kann schon sein. Ich weiß ja, dass man nicht schlecht über Geschwister reden soll. Ich habe dazu auch ein paar Bibelverse auswendig gelernt. Es ist jetzt nicht die Sünde, bei der ich sagen würde, sie sei in meinem Leben die Nummer eins. Aber unter den Top Ten würde ich schon sagen, da gehört sie irgendwie mit dazu. Und es passiert mir immer wieder. Es könnte ja sein, dass es euch ähnlich geht.
Man weiß ja grundsätzlich: Das ist nicht in Ordnung. Aber, Hand aufs Herz, ehrlich mal gefragt: Regst du dich manchmal über Menschen auf, die nicht im Raum sind? Ist dir das schon mal passiert, so in den letzten 48 Stunden? Oder sagen wir in den letzten drei Monaten? Bist du manchmal sauer auf Geschwister, weil sie dich ärgern? Und statt mit ihnen zu reden, falls das nötig sein sollte, redest du vielleicht lieber mit anderen über sie?
Und bitte sag jetzt nicht, es gibt so einen lustigen Spruch, den kann man kaufen, so auf Postkarten. Da steht drauf: Ich lästere gar nicht, ich beobachte nur, analysiere und bewerte. Nein, das ist auch noch Lästern, glaub mir. Das gehört da voll mit rein.
Von daher: Menschen machen Fehler. Menschen sind auch manchmal einfach nur komisch. Wobei komisch in diesem Zusammenhang übrigens immer bedeutet: Sie sind nicht so, wie ich bin. Ja, das nennen wir dann im Allgemeinen komisch.
Und wir können jetzt auf die Fehler, die Menschen machen, beziehungsweise auf ihre Macken, sehr unterschiedlich reagieren.

Zwei biblische Wege im Umgang mit Fehlern

Und ich zeige euch am Anfang mal, was die Bibel dazu sagt. Die erste Stelle ist aus dem Kolosserbrief. Wenn ihr mitschlagen wollt: Kolosser Kapitel 3. Wer Bibeln braucht, dort hinten ist eine. Man kann sich gerne eine geben lassen. Kolosser Kapitel 3, und wir schauen uns die Verse 12 und 13 an.
Das Erste: Wenn ich merke, da macht einer einen Fehler oder da ist einer komisch, dann wäre das Erste, was ich tun könnte, gar nichts. Ja, das wäre ja mal eine Möglichkeit.
 Kolosser Kapitel 3, Verse 12 und 13. Ein ganz schöner Vers zum Auswendiglernen, also nur für die, die sich da immer mal wieder von mir anregen lassen.
 Kolosser Kapitel 3, die Verse 12 und 13: Da kommt Paulus und schreibt: Zieht nun an, also ist so die Idee von einem Charakter, den man wie ein Kleid anzieht. Zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut. So Sachen, wo wir alle sagen: Wow, das wäre cool, oder? Ja, herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut. Zieht das an, so eine Schicht drüber und noch mal drüber und noch mal drüber. Du kannst nicht genug davon anziehen.
Und dann geht es weiter in Vers 13: Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig. Das ist dieses: Du musst nicht einfach immer etwas tun, wenn der andere einen Fehler macht. Du könntest auch einfach sagen: Ich ertrag das jetzt. Das ist halt so, der andere hat einen Fehler gemacht, der andere hat eine Macke, ja, ist so. Ich ertrage das jetzt einfach mal.
Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat. Wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr. Man könnte einfach überlegen: Na ja, eigentlich ist mir eine ganze Menge vergeben worden, schon. Ich könnte ja mit dem anderen genauso umgehen. Wir könnten einfach ertragen und vergeben, und Punkt.
Vielleicht denkst du aber: Nee, das, was der getan hat, das ist wirklich so eine Nummer zu steil. Das kann man nicht einfach ertragen und vergeben, das hat schon wirklich richtig weh getan. Ich möchte, dass der das nicht wieder tut.
Oder du denkst dir: Wenn der das noch mal tut, dann ist das für ihn so schädlich und für seine Familie, ich muss dem da an der Stelle helfen. Ja, das kann passieren. Und dann schauen wir mal ins Lukasevangelium. Dann gibt es durchaus in der Bibel auch den Ansatz, dass wir zu jemandem hingehen und mit ihm über sein Fehlverhalten reden.

Wenn Reden notwendig wird

In Lukas Kapitel 17, in Vers 3, wird so ein Vers beschrieben, in dem Lukas uns mit hineinnimmt in eine Verantwortung, die uns oft nicht schmeckt. Mir geht es jedenfalls so. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich finde wenig Dinge im Christsein blöder, als zu jemandem hinzugehen und zu sagen: Du, du hast da einen Fehler gemacht, und ich muss dich jetzt darauf hinweisen.
Das ist immer so. Bevor ich das mache, habe ich kein Problem, ein halbes Jahr dafür zu beten, ob das richtig ist. Einfach nur, weil ich es so extrem ungern mache. Aber es gehört zur Liebe dazu. Mal zu jemandem hinzugehen.
 Lukas Kapitel 17, Vers 3: Habt Acht auf euch selbst! Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht.
Das gehört dazu. Es gibt diese Momente, wo du sagst: Das war mir zu viel. Oder wenn der das öfter macht, der macht sich und seine Family kaputt, ich muss dem helfen. Es wäre einfach fatal, jetzt nichts zu sagen.
Wenn dein Bruder sündigt, weise ihn zurecht, und wenn er es bereut, so vergib ihm.
Die Stelle ist interessant: Wenn er es bereut, so vergib ihm. Soll ich dann nur Leuten vergeben, wenn sie Sachen bereuen? Das kommt immer wieder als Frage an dieser Stelle, deswegen will ich ihr kurz nachgehen.
Nein, das sollst du nicht. Das ist nur der letzte Moment, wo, wenn du noch nicht vergeben haben solltest, also spätestens wenn der andere es bereut, da ist sowieso, da ist wirklich absolut game over, da musst du. Biblisch ist aber, dass wir, und das finden wir im Markusevangelium, dass wir, wann immer wir beten, also sprich jeden Tag, wenn wir beten, und Markus Kapitel 11, und wenn wir unsere eigenen Sünden bekennen.
Also die Idee, die Jesus seinen Jüngern mitgibt, ist die im Vaterunser. Du betest jeden Tag? Woher weiß ich das? Herr, wir beten für das tägliche Brot und nicht für das Brot der kommenden Woche. Also wenn ich für das tägliche Brot bete, dann bekenne ich meine täglichen Sünden.
Und in diesem Moment hineingesprochen: Wenn ich jeden Tag vor Gott stehe, kurz zurückdenke, wie war es eigentlich gestern, was habe ich gestern alles angestellt, mal so überlege, worüber habe ich nachgedacht, wie bin ich mit meiner Zeit umgegangen, mit meinem Geld umgegangen, wie habe ich geredet, und dann fallen mir so ein paar Sachen auf. Und dann lege ich die vor Gott hin und sage: Herr, das habe ich falsch gemacht, bitte vergebe mir.
In dieser Situation hineingesprochen, Markus Kapitel 11. Da heißt es in Vers 25: Und wenn ihr steht und betet, ganz normal, wenn du dich vor Gott hinstellst, kannst auch knien oder liegen, ist völlig Wurst, aber wenn du vor Gott stehst und du betest zu ihm, und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe.
Du brauchst Vergebung, also bitte in dem Moment lass den anderen los. Und sollte dir das nicht so schnell gelingen und du gehst zu dem anderen hin und er bereut es, dann ist wirklich der späteste Moment, wo du sagen musst: Jetzt lasse ich das los. Oder aber das ist der Moment, wo du dem anderen das zusprichst und ihm sagst: Hey, ich habe dir schon lange in meinem Herzen vergeben, aber jetzt sollst du das wissen. Da ist wirklich alles zwischen dir und mir und zwischen dir und Gott in Ordnung. Ich möchte dir das einfach nur mitgeben.

Was die Schrift über schlechtes Reden sagt

So, was habe ich jetzt gesagt? Ich habe zwei Dinge vorgestellt. Wenn jemand sich komisch verhält, dann können wir entweder ertragen und vergeben, Kolosser Kapitel 3, oder aber ansprechen und vergeben. Das sind die zwei Optionen, die wir haben.
Was wir von der Bibel her nicht dürfen, ist, schlecht über ihn zu reden. Woher weiß ich das? Es gibt da den Jakobusbrief. Wenn ihr da mal Jakobus 4 aufschlagt, findet ihr einen Vers, der sehr deutlich sagt, dass wir nicht schlecht übereinander reden dürfen: Jakobus 4,11. Und wir werden uns den zweimal in dieser Predigt anschauen, jetzt nur den ersten Teil: Jakobus 4,11, und dann den ganzen Vers.
Da heißt es: Redet nicht schlecht übereinander, Brüder! Es gibt so Verse, die sind ganz simpel zu interpretieren. Da brauchst du kein Theologiestudium für. Also ich glaube, jeder, der halbwegs Deutsch kann, der kann diesen Vers auslegen. Was soll ich nicht tun? Schlechtreden.
Es gibt Dinge, die passen einfach nicht. Und wenn wir eine gute geistliche Gemeinschaft in der Gemeinde haben wollen, dann lebt die davon, dass wir nicht schlecht über Geschwister reden. Das ist einfach so. Wenn wir eine gute geistliche Gemeinschaft haben wollen, dann lebt die davon, dass wir nicht schlecht über die Geschwister reden.
Und ich glaube, dass uns das trotzdem immer wieder passiert und dass mehr von uns an dieser Stelle schuldig werden, als uns das lieb ist. Vor allem Typen wie ich. Also Typen, die irgendwie Einsatz bringen wollen für Gemeinde. Für die Gemeinde ist das nicht etwas, wo man nur am Sonntag mal hingeht, ja, und ob es läuft oder nicht läuft, ist egal, Hauptsache der Kuchen schmeckt. Sondern die sagen: Ich will etwas bewegen. Die mit Einsatz reingehen, die eine Vorstellung davon haben, was man machen soll, die mit Elan dabei sind.
Und die dann feststellen, dass andere Leute das gar nicht so sehen, einfach viel entspannter sind, die sich bei dem Aufruf: Jetzt müssen aber alle kommen und mitarbeiten, gar nicht angesprochen fühlen. Und ich habe vielleicht das Problem, nicht immer angesprochen zu fühlen. Da kann es dann schnell passieren, dass ich, wenn ich nicht verstehe, warum jemand sich komisch oder falsch verhält, anfange, schlecht über ihn zu reden. Das kann passieren. Und das passiert.

Was abgelegt werden muss und warum Sprache so wichtig ist

Dabei sagt Paulus im Kolosserbrief: Schlag das bitte mal auf, Kolosser 3,8. Das ist kurz vor der Stelle von vorhin, wo es ums Ertragen ging. In Kolosser 3 spricht Paulus von Dingen, die nicht zu den Christusnachfolgern passen.
Das eine zieht nun an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte. Das haben wir vorhin gelesen: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut. Das passt immer.
Was nicht passt, steht in Kolosser 3,8: Es gibt Dinge, die muss man ablegen. Und vom Bild her ist das so, wie wenn man dreckige Kleidung anhat. Du kommst, was weiß ich, vom Sport, oder du bist völlig durchgeschwitzt und stinkst wie so ein Tier einfach, ja. Und dann muss das weg, und du musst frische Sachen anziehen und zwischendrin mal duschen.
Und was soll ich ausziehen, was muss ich ablegen? Da sagt er hier in Kolosser 3,8: Jetzt aber legt auch ihr das alles ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, schändliches Reden aus eurem Mund.
Es gibt Dinge, die passen nicht zu Jesusnachfolgern. Wenn du ein Jesusnachfolger sein willst und dein Leben ist geprägt von Zorn oder von Wut oder von Bosheit, aber eben auch hier von Lästerung, von schlechtem Reden oder allgemein von schändlichem Reden, das heißt, wenn man ständig so Zoten reißt und so eine Fäkalsprache hat, dann muss man einfach sagen: Das passt nicht.
An anderer Stelle lesen wir, dass unser Reden ganz grundsätzlich viel über unsere Christusbeziehung zum Ausdruck bringt. Der Herr Jesus sagt einmal, dass man an der Art und Weise, wie man redet, erkennen kann, ob ein Mensch gerettet ist. Das finde ich total spannend. Das heißt, meine Bekehrung verändert die Art und Weise, wie ich rede und was ich sage. Denn aus deinen Worten, heißt es da, wirst du gerechtfertigt werden, aus deinen Worten wirst du verdammt werden. Das ist ganz spannend.
Unser Reden ist Teil unserer Persönlichkeit, und Jesus kann sagen: Ich sage euch aber, dass die Menschen von jedem unnützen Wort, das sie reden werden, Rechenschaft geben müssen am Tag des Gerichts. Wir können nicht einfach drauflos quatschen wie irgendwelche Heiden und so tun, als wäre das völlig irrelevant. Gott sagt: Dein Reden ist mir wichtig. Du kannst mir mit deinen Worten so unendlich viel Gutes tun, und ich möchte das auch. Und deswegen werde ich mir anschauen, wie du redest. Und man wird an der Art und Weise, wie du redest, merken, ob du gerettet bist.
Also brauche ich gar nicht die Frage: Hast du den Heiligen Geist oder hast du dich mal bekehrt? Die Frage ist völlig irrelevant. Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden. Man schaut sich einfach nur so eine Art Protokoll an: Was hast du im Laufe deines Lebens geredet? Und aus der Art, wie du redest, was du sagst, wie du deine Worte einsetzt, wird jeder merken: Der ist gläubig. Das ist gar keine Frage. Man wird es merken, weil der Gläubige seine Worte als ein heiliges Instrument verstehen wird, mit dem Gott die Welt in seinem Sinn erreichen möchte.
Und wenn da jemand jetzt in der Art und Weise, wie er redet, dafür bekannt ist, dass er ständig Leute diffamiert, ständig Leute verleumdet, ständig jemand ist, der einen Rufmord nach dem anderen begeht oder der einfach immer Leute schlechtmacht, der fängt an, über Leute zu erzählen, eigentlich immer nur, um zu sagen, warum die blöd sind. Und du hast noch nie gehört, dass er Leute lobt, du hast noch nie gehört, dass er Leute toll findet, du hast noch nie gehört, dass er für Leute dankt, du hast noch nie gehört, dass er mal bei Leuten froh ist, dass die in der Gemeinde sind, weil alle sind blöd. Er weiß, was richtig ist, und alle anderen machen es falsch. Und er ist auch immer nur dabei, davon zu erzählen, wie blöd die anderen sind.
Dann kannst du eigentlich sagen: Freund, du hast ein ganz anderes Problem als das Problem der Sprache. Du hast wahrscheinlich ein Problem mit der Bekehrung, weil eigentlich geht das nicht. Ein Jesusjünger ist einer, der Dinge ablegen soll. Legt auch ihr das ab, hört damit auf!
Das kann am Anfang deines Glaubenslebens vielleicht noch ein Problem sein, geschenkt. Kommst du, weiß ich, aus der Gosse, redest du erst einmal noch ein bisschen wie Gosse. Ja, aber irgendwann musst du merken: Oh, das ist Gosse. Okay, dann lasse ich Gosse, weil ich bin jetzt nicht mehr Gosse, ich bin jetzt Jesus. Ich gehöre jetzt zu ihm, ich habe jetzt einen anderen Fokus, ich will ja nicht Richtung Gosse, ich will ja Richtung Himmel. Also kann ich ja schon mal anfangen, so zu reden, wie man da redet.
Das heißt: Legt das ab!

Wie man reden soll, wenn man wirklich reden muss

Frage, aber Jürgen, man muss doch manchmal mit Leuten reden, ja klar. Das gibt es. Manchmal muss man mit Leuten reden, das stimmt schon.
Ja, aber ich gebe dir jetzt mal einen Tipp: Wenn du mit Leuten reden musst, dann red erst mit Gott über sie. Das ist mein Tipp.
Also wenn du merkst, da ist einer, der geht mir völlig auf den ..., dann fang an, mit Gott darüber zu reden und sag: Herr, ich habe ein Problem. Ich habe ein Problem mit xy. Ich habe ein Problem damit, wie er mit mir umgeht und was er macht. Ich bin sauer auf ihn, oder ich bin empört, oder ich bin völlig durcheinander und ich weiß gar nicht, was der soll. Herr, bitte hilf mir, einen Blick auf die Person zu bekommen, einen Blick, der dem entspricht, wie du ihn siehst. Ich brauche erst mal ein bisschen mehr Perspektive.
Und wenn ich das habe, dann müssen wir manchmal wirklich mit Menschen reden. Manchmal wollen wir Leute verstehen. Und ich merke, ich komme da nicht ran, ich muss begreifen, was der will. Manchmal gibt es ein seelsorgerliches Problem. Ich merke, ich muss mit jemandem reden. Manchmal habe ich mit jemandem ein Problem und ich muss vielleicht einen Dritten einschalten. Ich muss mit einem anderen über jemanden reden. Ich komme nicht drum herum.
Aber wenn du da nicht drum herum kommst, wenn du sagst: Okay, ich muss hinter dem Rücken über einen anderen Menschen reden, es geht jetzt nicht anders, weil ich sonst nicht weiterkomme, dann achte doch bitte darauf, dass dein Reden, wenn du mit Dritten über einen anderen redest, der nicht im Raum ist, von Fakten geprägt ist. Versteht ihr? Letztlich ist es immer dieses: Ich rede schlecht.
Aber wenn du sagst: Ey, kannst du mir mal helfen? Ich habe da ein Problem mit x y. Ich würde gerne mit dem zusammen ..., ja, aber ich komme nicht weiter. Dann lass dein Reden von Fakten geprägt sein. Bleib ehrlich und frag dich einfach immer, ob du, wenn der, über den du redest, im Raum wäre, ob du dann genauso reden würdest.
Das ist für mich so ein Tipp. Ich kriege das nicht immer hin, aber ich merke: Wenn ich mir vorstelle, der würde jetzt, über den ich da rede, mit einem Dritten auch da sitzen, dann hilft mir das manchmal, anders zu reden.
Und die Frage: Wenn der, über den du redest, mitbekommt, was du jetzt über ihn sagst, was würde das machen mit eurer Freundschaft? Stell dir vor, der würde ein Gesprächsprotokoll kriegen von dem Gespräch. Würde der auch merken: Ja, stimmt, du hattest echt recht, mit dem über mich zu reden. Ja, der hat dir wirklich geholfen, mich zu verstehen. Oder was weiß ich, in der seelsorgerlichen Frage was vorzubereiten, oder der ist wirklich ein Problemlöser geworden, das war genau richtig. Oder würde der, wenn er hört, was du über ihn gesagt hast, am Ende sagen: Weißt du was, das war total doof, wie du da über mich geredet hast?
Also, was ich sagen möchte, ist: Manchmal müssen wir mit Menschen über Menschen reden, aber faktenorientiert, und stell dir vor, der andere wäre im Raum. Bleibe dabei bitte immer lieb, immer objektiv, immer für den Menschen. Das ist so unendlich wichtig.
Das ist deshalb so wichtig, weil es nicht nur um die Frage geht, was mein Reden mit der Freundschaft von dem macht, über den ich da rede, sondern was mein Reden mit meiner Freundschaft zu Gott macht. Und es gibt eine Stelle in der Bibel, die mich immer wieder entsetzt, ein Stück weit, weil sie mir zeigt, wie Gott so ganz radikal gegen Schlechtreden ist.

Gottes Nähe und die Frage nach echter Gemeinschaft

Wenn du Gott fragst, wer eigentlich in seiner Nähe sein darf, dann würde David in Psalm 15 Folgendes schreiben. David beschreibt Menschen, die Gott gern in seiner Nähe hat. Diese Menschen sind von bestimmten Verhaltensweisen geprägt, und bestimmte Dinge passen eben nicht.
Da heißt es in Psalm 15,1: „Herr, wer darf in deinem Zelt weilen?“ Also: Wer darf dir ganz nahe sein? Wir haben heute keine Stiftshütte mehr. Wir gehen nicht in ein Zelt, wir gehen auch nicht in einen Tempel. Wir sind hier. Aber auch hier ist jetzt nicht ein Tempel im Sinne von: Dieses Haus ist ein Tempel. Sondern wir sind als Gruppe der Tempel, beziehungsweise mein Körper ist der Tempel. Die Bibel kennt beides.
Du möchtest Gott nahe sein. Was ist nötig, damit Gott sagt: Hey, super, ich habe dich gern in meiner Nähe? Die Antwort lautet in Psalm 15,3: ein Mensch, der nicht verleumdet mit seiner Zunge. „Wer darf in deinem Zelt weilen? Der nicht verleumdet mit seiner Zunge.“ Das ist etwas, was Gott überhaupt nicht mag. Das ist brutal, oder?
Wenn wir über andere schlecht reden, sagt Gott: Hey, vielleicht bringst du das Erste in Ordnung, aber ich habe jetzt gerade gar nicht so die große Lust auf dich. Du passt irgendwie gerade nicht so ganz zu mir.
Und ich dachte mir, an der Stelle werde ich mal ein kurzes Gebet sprechen. Und wer sich angesprochen fühlt, der darf Amen sagen, und alle anderen sagen nicht Amen.
Vater im Himmel, wir wollen dir bekennen, dass wir Lästerer sind. Und wir wollen dir bekennen, dass uns das passiert, dass wir aus dieser Rolle der Liebenden herausfallen und über Dritte, die nicht im Raum sind, reden, auf eine Weise, die nicht richtig ist, die nicht hilfreich ist und die dir nicht entspricht.
Und wenn wir uns da den Zugang zu dir an irgendeiner Stelle verbaut haben, dann wollen wir dich um Vergebung bitten und wollen dich bitten, dass du uns veränderst in unserem Denken übereinander. Amen!

Warum Lästerung mit Urteil zu tun hat

Warum ist Gott so gegen das Schlechtreden?
Ich komme noch einmal zurück auf Jakobus 4,11, wo es heißt: „Redet nicht schlecht übereinander.“ Wenn man den Vers weiterliest, heißt es: „Redet nicht schlecht übereinander, Brüder.“ Wer über einen Bruder und natürlich auch über eine Schwester, also über geistliche Geschwister, schlecht redet oder seinen Bruder richtet, der tut zwei Dinge, die ganz eng zusammengehören.
„Redet schlecht über das Gesetz und richtet das Gesetz. Wenn du aber das Gesetz richtest, so bist du nicht ein Täter des Gesetzes, sondern ein Richter.“ Schlechtreden und Richten gehören zusammen. Wer schlecht redet, der setzt sich eigentlich auf den Richterstuhl Gottes und behandelt seine geistlichen Geschwister wie Angeklagte.
Noch ein Stückchen weiter gedacht: Wenn wir schlecht über andere Menschen reden, dann beurteilen wir sie meistens nicht nach dem Gesetz Gottes. Das heißt, der Maßstab, den wir anlegen, ist nicht Gottes Maßstab. Wir richten also nicht nur die Geschwister, wenn wir das tun, sondern indem wir unseren eigenen Maßstab anlegen, richten wir Gottes Gesetz.
Wir sagen so viel wie: „Herr Gott, weißt du, in deinen Geboten steht das nicht. Dass man pünktlich zum Gottesdienst kommen soll, keine Designerklamotten kaufen darf und außerdem ein Dutzend Kinder haben soll, das hast du wirklich vergessen hineinzuschreiben. Aber ich will da mal nicht so sein, deine Gebote sind halt nicht ganz vollständig. Zum Glück gibt es mich. Also kläre ich das dann mal hier so hausintern. Mach dir keine Sorgen, ich kriege das schon hin.“
Das hört sich so lächerlich an, aber es ist genau das, was wir tun. Wir richten Gottes Gesetz, wir reden schlecht über Menschen, ja, wir beurteilen sie nach unserem Maßstab und stellen Gott als Deppen hin.
Das ist Jakobus 4,11.

Erwartungen, Beispiele und der Blick auf das Gute

Ich möchte, dass ihr eine Sache heute mitnehmt und wirklich versteht, bei dem Thema Bruderliebe und Lästern.
Schlechtreden funktioniert meistens nur, weil ich meine Erwartungen an den Bruder oder die Schwester anlege. Ich sage das nochmal: Es geht um meine Erwartungen. Wir, ich, habe eine Vorstellung vom Leben. Ich habe eine Vorstellung davon, wie die Menschen um mich herum sich verhalten sollen. Ich habe eine Vorstellung davon, wie sie in meinem Spiel mitspielen sollen. Das ist die Grundlage für Schlechtreden.
Es geht uns meistens nicht, wenn wir schlecht reden, um die Menschen selbst. Wenn wir lästern, geht es uns um uns selbst. Wer lästert, der liebt nicht. Er verurteilt, und er tut das ganz bewusst.
Ein Beispiel, und Boris weiß, dass es kommt, von daher ist es lustig: Also, Boris und ich sind das Büro von The Rock. Ich will, dass die E-Mails, die rausgehen, möglichst wenig Fehler enthalten. Das ist nicht biblisch, ja, das elfte Gebot heißt nicht: Du darfst keine Kommafehler machen. Aber zugegebenermaßen bin ich in diesen Dingen etwas penibel. Nicht super, aber ich habe so einen Anspruch.
Boris hat den Anspruch nicht. Es ist noch ein Stückchen schlimmer: Ich glaube, und da kann er nichts für, das ist Berliner Schulwesen, die Kommaregeln sind in der Schulzeit irgendwie an ihm vorbeigegangen. Wie gesagt, seine Schuld wahrscheinlich nicht. Belastet es ihn nicht so sehr, wie ich mir das wünschen würde.
Ärgere ich mich über Kommafehler, wenn die in irgendeiner E-Mail oder in einem Update oder in einer Einladung auftauchen? Ja, logisch, weil ich bin ich. Ich bleibe ja ich. Versteht ihr? Ist das ein Grund, hinter seinem Rücken schlecht über ihn zu reden? Nein.
Warum? Warum nicht? Man könnte doch sagen, das wirft ein schlechtes Licht auf eure Arbeit. Und jetzt sage ich mal ganz bewusst: Na und?
Das, was an Boris toll ist, ist doch nicht sein Umgang mit so einem kleinen Haken, den man richtig oder falsch setzt. Sondern das, was an Boris, und ich nehme Larry mit rein, aber ich bringe es jetzt mal über Boris, aber es betrifft euch beide, toll ist, das ist sein Herz, das auf eine Weise für Gemeinde schlägt und auf eine Weise bereit ist, sich in Gemeinde einzubringen, dass ich glaube, die meisten hier können sich davon echt eine Scheibe abschneiden.
Ich bin doch nicht die Norm, um zu beurteilen, wie ein anderer Mensch sein soll. Meine Vorstellung von Korrektheit ist doch nicht die Norm.
Stellt euch vor, Boris würde den Spieß umdrehen und darüber nachdenken, ob seine Vorstellung von Sportlichkeit nicht die Norm für mein Leben sein sollte. Ob ich vielleicht nicht anfangen sollte, nicht nur vom Abnehmen zu reden, sondern wirklich abzunehmen. Immerhin ist Völlerei eine Sünde, und soll das The Rock Büro wirklich von einem übergewichtigen, teigigen, alten Mann vertreten werden, der nicht mal einen einzigen Liegestütz schafft? Da kann man ja auch mal überlegen. Es ist nur die andere Seite.
Was ich euch klar machen möchte: Schlechtreden funktioniert nur, weil ich meine Erwartungen nehme. Das ist nicht Bibel. Es sind meine Erwartungen daran, wie ich entweder dastehen möchte, wie ich Leben verstehe. Ich nehme meine Erwartungen an den Bruder, an die Schwester, und dann geht es los.
Wenn ich damit aufhöre, mich nicht zum Richter zu machen, sondern bis auf die wenigen Ausnahmen, wo es wirklich um Sünde geht, einfach die Sachen ertrage und gut sein lasse, dann verändert sich etwas.
Und dann vielleicht noch einen Schritt weiter gehe, und das ist dann der Schluss der Predigt: Wenn ich anfange, über das Gute nachzudenken, das der andere tut. Ich mag den Vers aus Philipper 4,8, den Spamfilter für Gedanken, wo uns Paulus sagt, welche Art von Gedanken gut weiterzudenken sind und welche Gedanken man am besten wegschmeißt, weil sie nirgendwo hinführen.

Ein gemeinsamer Blick auf das, was aufbaut

 Philipper 4,8, da heißt es übrigens, Brüder: Alles, was wahr ist, alles, was ehrbar ist, alles, was gerecht ist, alles, was rein ist, alles, was liebenswert ist, alles, was wohllautend ist, und jetzt kommt es: Wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, das erwägt.
Also sagt Paulus: Wenn du über etwas nachdenken willst, hey, cool, ja, fang an, darüber nachzudenken, was es Gutes im Anderen gibt. Stell dir mal vor, wir würden so miteinander umgehen, statt meine Erwartungen auf den anderen draufzulegen und zu sagen: Erfüllst du eh nie, ob das Liegestütze oder Kommaregeln sind, ist völlig Wurst. Stattdessen zu sagen: Hey, was hat der andere Gutes?
Und wir würden eine Liste anlegen mit dem Guten, mit den Tugenden, mit dem Lobenswerten, mit dem Tollen von dem anderen. Und wir würden anfangen, einander zu feiern, gerade an den Stellen, wo Gott uns verändert hat, gerade an den Stellen, die Gott wirklich wichtig sind. Stellt euch vor, wir würden anfangen, füreinander zu danken. Wir würden hinter dem Rücken des Anderen reden, weil wir so viel zu danken haben über den Anderen, weil uns einfach so viel auffällt daran, wie sein Leben sich verändert.
Wenn wir anfangen würden, einander zu bewundern, dann würden wir eine Gemeinschaft werden. Und das ist das Ziel, das mir für The Rock vor Augen steht: eine Gemeinschaft, die wirklich aus Gnade lebt und eben nicht aus den Erwartungen, die wir aneinander haben. Das sind die zwei Pole.
Wahre Gemeinschaft entsteht immer unter dem Kreuz und sonst nirgends. An der Stelle, wo es nicht um Leistungsfähigkeit geht, nicht um Titel geht, nicht um Beziehungen geht, wo Jesus alles und wir nichts sind. Dort werden wir das, was ich vorhin im Gebet nannte: die Bruderschaft der Erlösten.
Wir sind eine Bruderschaft der Erlösten. Wir sind nicht eine Bruderschaft der Leistungsfähigen. Wir sind nicht verbunden durch den Auftrag, den wir haben, das vielleicht irgendwie auch jeder auf seine Weise, aber eigentlich verbunden. Auf Augenhöhe begegnen wir uns am Fuß des Kreuzes, wo du nichts bist und ich bin nichts. Wir sind eine Bruderschaft der Erlösten, die sich liebt.
Warum? Warum sollen wir uns lieben? Warum ist das so wichtig, dass wir richtig übereinander reden und das kultivieren und das mit den blöden eigenen Erwartungen abstellen? Wir lieben einander, weil wir im Bruder, in der Schwester den sehen, der vom Herrn geliebt ist. Darum geht es.

Schlussgedanke und Zuspruch

Wenn du unbedingt schlecht reden möchtest, weil du sagst: „Ich mag das aber so sehr“, okay, rede über deine kleinen und großen Sünden. Fang damit an, dass du ein Lästerer bist. Fang damit an, dass du kritikschüchtig bist. Nimm danach die Dinge vor, für die du dich so richtig schämst, deine kleinen und großen Sünden und Macken, vielleicht die Dinge, mit denen andere über dich reden, wenn du unbedingt schlecht reden willst.
Rede über dich. Ich habe kein Problem damit.
Und wenn du sagst: „Nein, das möchte ich gar nicht. Ich möchte gar nicht über meine Sünden reden“, wenn du in Wirklichkeit herzlich froh darüber bist, dass Jesus für alle deine Sünden am Kreuz bezahlt hat, dann freu dich über die anderen Christen hier. Denn denen geht es nämlich genauso. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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