
Podcast: Generationenherausforderungen
Herzlich willkommen bei Deep Talk! Wir freuen uns, gemeinsam mit dir Gott besser kennenzulernen. Durch Predigten und Interviews möchten wir uns von ihm immer mehr verändern lassen und ein Leben führen, das sich lohnt – ein Leben zur Ehre Gottes.
Unser Anliegen ist es, mit dir über Themen zu sprechen, die tiefer gehen. Es geht also nicht um Small Talk, sondern um Deep Talk.
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Einführung in das Thema Generationenkonflikte in der Gemeinde
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Frag den Kotsch bei Deep Talk. Wir haben wieder unseren Gast Michael Kotsch dabei, ebenso Tina und natürlich meine Wenigkeit, Benjamin. Heute beschäftigen wir uns mit der Frage der Konflikte zwischen Alt und Jung.
Dazu hätte ich einfach mal die Anfangsfrage an dich: Hattest du denn schon mal Konflikte mit, sagen wir mal, jüngeren Christen? Oder als du selbst noch ganz jung warst, mit älteren Christen oder zum Beispiel Gemeindeleitern?
Ja, das kommt jetzt ein bisschen darauf an. Ich bin nicht immer mit allen Leuten einig, und manchmal ärgere ich mich auch über Leute – das gibt es. Aber ich weiß nicht mehr ganz genau, ob das daran liegt, dass wir einfach unterschiedliche Persönlichkeiten und Charaktere sind, verschiedene Meinungen haben, oder ob es auch am Alter liegt.
Manchmal habe ich den Eindruck, es liegt am Alter. Das kann zum Beispiel bei solchen Sachen sein: Ich bin mit einigen jungen Leuten unterwegs, und wir machen gemeinsam Programme in der Gemeinde oder evangelistische Aktionen. Vor Kurzem war ich zum Beispiel auf der Straße mit Leuten unterwegs und habe etwas erklärt. Dann merke ich, dass sie gar nicht verstehen, was ich sagen will. Es gibt vieles, was ich erst noch erklären muss, obwohl ich denke, das ist eigentlich schon vollkommen klar.
Da merke ich dann innerlich, dass ich ein bisschen nervös oder unzufrieden werde. Dann muss ich mir ganz deutlich vor Augen führen: Hey, die können das auch gar nicht wissen. Michael, du hast das vielleicht schon tausendmal gemacht, aber da ist jemand, der ist relativ neu und frisch dabei. Da sind viele Dinge auch viel anstrengender, sich neu hineinzudenken.
Das merke ich zum Beispiel an solchen Situationen. Aber es ist eben tatsächlich unterschiedlich. Manchmal bin ich mit jungen Leuten unterwegs, und es ist elf Uhr abends. Dann denke ich mir: Es ist Zeit, langsam Schluss zu machen. Doch sie sagen: „Oh, wir ziehen jetzt noch mal in die Stadt und machen noch etwas.“ Da denke ich: Lieber legt euch schlafen, dann seid ihr morgen früh fit.
Da merke ich schon, dass das wahrscheinlich ein Altersprozess ist – zu merken, dass es gut ist, mal etwas geregelt zu haben, einen festen Ablauf zu haben.
Als ich jünger war, hatte ich manchmal den Eindruck, dass manche Ältere zu bequem sind. Ich erinnere mich an einen Missionseinsatz in Österreich, bei dem ich richtig begierig war und dachte: „Boah, wir wollen den Leuten was von Jesus erzählen!“ Plötzlich sagte einer der älteren Leiter: „Jetzt brauchen wir erst mal zwei Stunden Mittagspause.“ Ich dachte: „Wieso brauchen wir Mittagspause? Ich bin doch frisch, wir können doch direkt losgehen!“
Heute kann ich das eher nachvollziehen. Damals habe ich mich gefragt: „Wieso jetzt die schöne Zeit einfach nur abzuwarten?“ Das wären so ein paar Beispiele, bei denen ich einen Unterschied merke und manchmal nicht genau verstanden habe, warum Ältere so reagieren und Jüngere anders.
Gesellschaftliche Spannungen zwischen Generationen
Alt und Jung sind auch in unserer Gesellschaft ein Thema, das mittlerweile durchaus kontrovers diskutiert wird. Man kennt ja die Formulierungen wie „alter weißer Mann“ oder zum Beispiel „ach, die Jugend von heute“. Wie ist das denn genau zu verstehen oder zu handhaben?
Ich glaube, wir erleben das alle aus unserer eigenen Perspektive. In der Gesellschaft treten Spannungen auf, die völlig normal sind und sich an bestimmten Themen entzünden. Typischerweise geht es darum, dass unterschiedliche Geschmäcker und Lebensweisen aufeinandertreffen. Zum Beispiel, welche Filme man gerne sieht, wie man seine Freizeit verbringt, welches Auto man fährt oder wie man seinen Beruf gestaltet. Dabei können Spannungen entstehen.
Ich vermute, dass das jeder erlebt – sei es bei der Arbeit, in der Gemeinde oder auch in der Familie. Dort gibt es manchmal Konflikte, bei denen man nicht richtig versteht, warum sich Eltern oder Großeltern oder eben Kinder und Enkel aus einer anderen Perspektive so anders verhalten. Bestimmte Konfliktthemen tauchen immer wieder auf.
Ein Beispiel: Junge Leute wollen ein Festival veranstalten, während die Eltern, die in der Nähe wohnen, lieber Ruhe haben möchten. Dann kommt es vor, dass sogar die Polizei gerufen wird, weil es zu Ruhestörungen kommt. Solche Situationen nerven natürlich alle Beteiligten. Es gibt einfach verschiedene Ziele, Lebensphasen und Lebenskonzepte.
Fallen Ihnen noch weitere konkrete Beispiele ein, wo solche Spannungen in der Gesellschaft auftreten? Ein Punkt, über den ich nachgedacht habe, ist zum Beispiel das Fahrverhalten. Das scheint generationenabhängig zu sein, zumindest behaupte ich das. Ältere Menschen fahren oft gemächlicher, während jüngere eher aufs Gas drücken.
Ältere würden wahrscheinlich sagen, sie sind vorsichtiger und vorausschauender unterwegs. Jüngere hingegen könnten denken: „Was ist denn los? Du behinderst den Verkehr!“ Hier zeigt sich wieder die unterschiedliche Perspektive.
Ein weiteres Beispiel ist die Lautstärke, mit der man Musik hört. Jüngere hören oft laut, während die Nachbarn sich darüber beschweren, warum das so laut sein muss. Sie könnten ja einfach Ohrhörer benutzen oder die Musik leiser drehen.
Auch bei der Kleidung gibt es Konflikte. Wenn man durch die Stadt geht und jemanden sieht, der auffällig gekleidet ist – meist jüngere Menschen –, beschweren sich ältere Leute manchmal und sagen: „Was ist denn mit der Jugend heute los? Da gibt es keine Ordnung mehr, keine Zivilisation.“ Umgekehrt denken die Jüngeren dann oft: „Boah, die Alten sind so veraltet und verstehen die Welt nicht mehr.“
Solche Spannungen zeigen sich auch bei Alltagsthemen, besonders bei Dingen, die sich schnell entwickeln. Bei Computertechnik sind meistens die Jüngeren begeistert, während Ältere oft distanziert und skeptisch sind, weil ihnen das Neue fremd ist und sie sich erst hineindenken müssen.
Wenn eine neue Computeranwendung auftaucht, sind die Jüngeren meist sofort begeistert. Vor ein paar Jahren kam zum Beispiel TikTok neu heraus. Viele Jüngere fanden es spannend, während Ältere, spätestens ab 30 oder 40, oft sagten: „Wofür brauchen wir das? Es gibt doch schon so viel anderes.“ TikTok wird dann oft als schlimmer als Instagram oder Facebook bewertet – je nach Altersgruppe.
Wobei ich bei TikTok wahrscheinlich schon zu den Älteren gehöre. Aus Sicht der Teenager bin ich da schon ein „Uralt“.
Die Gefahr der Verklärung der Vergangenheit
Was mich persönlich manchmal stört, ist, wenn ältere Leute sagen: „Früher war alles besser.“ Das stimmt aber oft nicht. Das steht sogar schon in der Bibel, oder? Genau, ich habe es hier direkt parat, in Prediger 7,10. Das habe ich neulich in meiner stillen Zeit gelesen, und es passt richtig gut. Dort heißt es: „Sage nicht: Wie kommt es, dass die früheren Tage besser waren als diese? Denn nicht aus Weisheit fragst du danach.“
Ich war echt erstaunt, weil das so ein Thema ist, das ich nicht so mag. Und dann sagt die Bibel auch noch, dass es gar nicht gut ist, so zu denken. Hier darf man den Anfang nicht vergessen: „Sage nicht, die waren früher bessere Tage.“ Es gibt ja dieses typische Sprichwort „Früher war alles besser“ oder in manchem Teil spricht man von Nostalgie. Ich weiß nicht, ob ihr den Begriff kennt, wo Leute, die die DDR nie richtig kennengelernt haben, plötzlich sagen: „War das nicht toll früher in der DDR? Alle waren solidarisch, wir haben voneinander gesorgt, jeder hat auf den anderen geschaut, und alle hatten Arbeit.“
Dann merkt man aber, dass einige Dinge ziemlich ausgeblendet werden. Manchmal habe ich auch erlebt, dass Leute, die damals Nazis waren, sagen: „War das nicht gut bei Hitler? Er hat doch Ordnung geschafft.“ Da denke ich mir auch, das ist ein bisschen peinlich, weil da einiges unter den Tisch fällt.
Ich glaube, genau deshalb steht das in der Bibel: Viele ältere Leute neigen dazu, frühere Zeiten zu idealisieren. Sie vergessen oder wollen vielleicht sogar vergessen, was damals schiefgelaufen ist. Deshalb sieht die Vergangenheit oft rosarot aus, die Gegenwart erscheint schlecht und die Zukunft wird als düster angesehen.
So ist das ja manchmal, wenn man mit älteren Leuten spricht. Die Welt steht kurz vor dem Untergang. Es kann nicht mehr besser werden, sondern in der Zukunft wird alles den Bach runtergehen. Das finde ich einerseits interessant, dass die Bibel das anspricht. Andererseits ist es, glaube ich, unehrlich. Denn es ist kein genauer Blick auf die Realität, sondern ein eingeschränkter Blickwinkel.
Wir lassen viele Dinge weg: Die, die früher schiefgelaufen sind und die man vielleicht gerne vergessen möchte. Aber auch die Dinge, die im Moment gut laufen oder wo wir sagen müssen: „Hier ist es heute viel besser.“
Manche Leute frage ich dann auch: „Willst du wirklich wieder in einer Wohnung aus den fünfziger Jahren wohnen?“ Die waren halb so groß, hatten einfache Verglasung, es war im Winter eiskalt, alles war ziemlich teuer. Und die technischen Dinge, die wir heute haben, gab es damals nicht – zum Beispiel Staubsauger oder andere praktische Geräte.
Neulich war ich mit meiner Frau unterwegs, und wir haben uns darüber unterhalten, wie toll es heute ist, einfach das Navi anzustellen, das einen irgendwo hinführt. Vor zwanzig oder dreißig Jahren musste man erst mal die Karte studieren, wenn man eine Strecke nicht kannte. Dann ärgert man sich über fehlende oder unklare Schilder. Da merkt man wirklich: Nicht früher war alles besser.
Ich finde es interessant, was in der Bibel steht, weil ich glaube, dass wir alle früher oder später in die Gefahr kommen, so zu argumentieren. Deshalb greift die Bibel das auf. Es ist gut, schon früh damit anzufangen, sich nicht darauf einzustellen, dass das, was man in der Jugend erlebt hat, automatisch besser sein muss und deshalb so bleiben soll.
Wie du schon gesagt hast: Man ist nicht mehr Generation TikTok, sondern fängt schon an, alt zu werden.
Herausforderungen und Chancen des Zusammenlebens von Jung und Alt in der Gemeinde
Ja, das ist natürlich auch ein spannendes Thema, das vor der Gemeinde nicht haltmacht: die Konflikte zwischen Jung und Alt. Wie würdest du das bewerten? Was gibt es da für Lösungen?
Eine Lösung, die viele suchen, ist die Gründung einer eigenen Gemeinde. Dann entsteht oft ein Modell einer jugendlichen Protestgemeinde. Das passiert tatsächlich jedes Jahr neu. Jedes Jahr entstehen neue Gemeinden oder geschlossene Jugendgruppen, in denen gesagt wird: "Boah, die Alten nerven." Um dem zu entgehen, trifft man sich nur noch mit Leuten, die die gleiche Meinung haben, den gleichen Musikstil mögen und den gleichen Gottesdienststil bevorzugen. So gründet man eine eigene Gemeinde, in der man dann wieder alt wird.
Allerdings möchte ich auch Bedenken äußern: Spätestens wenn du selbst Kinder hast, werden die genau dasselbe mit dir machen. In zwanzig Jahren werden sie sagen: "Boah, sind die jetzt alt." Das kannst du dir als junger Mensch kaum vorstellen, weil du denkst: "Ich bin doch ganz modern." Aber genau das haben Generationen seit Jahrhunderten, ja Jahrtausenden, genauso erlebt. Sie werden es genauso machen. Deshalb halte ich diese Lösung nicht für ideal.
Zwar gehst du den Konflikten in der Gemeinde zunächst aus dem Weg, aber sie tauchen ja auch in anderen Lebensbereichen auf. Zum Beispiel in der Familie: Wie gehst du mit deinen Eltern um? Da kannst du als Christ schlecht sagen: "Jetzt habe ich mit dir nichts mehr zu tun." Oder wie gehst du mit deinen Kindern um, wenn sie jünger sind? Oder mit älteren Arbeitskollegen?
Ich glaube, wir können versuchen, Konflikten in bestimmten Bereichen aus dem Weg zu gehen. Aber vielleicht können wir gerade in der Gemeinde viel besser lernen, wie Jung und Alt miteinander umgehen. Das ist vielleicht einfacher als am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft, wo dieselben Konflikte ebenfalls auftreten.
Ich würde sogar sagen, dass Gott eine pädagogische Absicht darin hat, dass wir als Jung und Alt zusammenleben. Denn so können wir voneinander profitieren. Wir werden herausgefordert, Anteilnahme und Fürsorge zu üben. Außerdem werden wir angeregt, uns selbst in Frage zu stellen – sowohl als Ältere als auch als Jüngere. Wir erkennen, dass nicht alles nur aus unserem eigenen Blickwinkel zu sehen ist. Wenn wir dem ausweichen, verlieren wir ein wichtiges Wachstumspotenzial.
Deshalb plädiere ich eher dafür, auch in der Gemeinde nicht auf die Älteren oder Jüngeren zu schimpfen und ihnen nicht aus dem Weg zu gehen. Es kann sein, dass du in der Gemeinde gar nicht mehr in der Gesamtgemeinde lebst, sondern nur noch in der Jugendgruppe. Die „andere“ Gemeinde erträgst du dann nur noch. Dadurch entsteht eine innere Distanz. Du merkst, dass du sonntags den Älteren oder den Jüngeren aus dem Weg gehst.
Ich glaube, das ist keine wirkliche Lösung. Dadurch wird viel verbaut, was man eigentlich positiv erleben könnte, wenn man genau das nicht macht.
Die natürliche Reaktion ist so, und das müssen wir uns alle eingestehen: Wir verstehen Menschen leichter, die in unserem Alter sind. Sie haben viele ähnliche Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel in eurem Alter oder in meinem: Wir haben ähnliche politische Konflikte in der Welt erlebt, eine ähnliche Prägung durch die Gesellschaft, ähnliche Romane gelesen, Filme gesehen und Musik gehört. Das verbindet sehr stark.
Außerdem sind sie in einer ähnlichen Lebensphase. Zum Beispiel, wenn die Kinder groß sind und die Enkelkinder kommen, hat man vieles, worüber man sich unterhalten kann. So gibt es auch in eurem Alter viele Dinge, die verbinden. Das führt automatisch dazu, dass man sich besser versteht.
Aber die anderen Lebensphasen sind ja auch real. Menschen unterschiedlichen Alters können für die Älteren eine Bereicherung sein, wenn sie sich wirklich auf die Welt der Jüngeren einlassen. Umgekehrt kann es für die Jüngeren eine echte Bereicherung sein, auch wenn es anfangs nervig ist und schwerfällt, sich auf die Lebenswelt der Älteren einzulassen.
Deshalb wäre das eher meine Lösung als die, dass jeder seinen eigenen Weg geht.
Die Balance zwischen Erneuerung und Bewahrung in der Gemeinde
Ich glaube, ein wichtiger Grund, warum es in der Gemeinde so wichtig ist, dass die Älteren und Jüngeren aufeinander zugehen und zusammenarbeiten, anstatt gegeneinander zu arbeiten, liegt darin, dass die Jungen mit ihrem Elan oft diejenigen sind, die etwas erneuern wollen. Sie sind eher bereit, bestehende Strukturen umzuwerfen, um Neues zu schaffen.
Die ältere Generation hingegen möchte häufig eher das Bewährte erhalten und den Status quo beibehalten. Daraus entsteht oft ein grundsätzlicher Konflikt. Ich glaube, Gott hat sich das so gedacht, dass durch das Zusammenspiel beider Generationen eine richtige Mitte gefunden wird. Beide Seiten können dadurch bereichert werden: Die Älteren werden aufgerüttelt, wenn sie schon lange alles so machen wie gewohnt, und probieren vielleicht doch mal etwas Neues aus. Die Jüngeren wiederum werden manchmal gebremst, wenn eine Idee zu ungewöhnlich oder vielleicht auch fehlgeleitet ist, und die Älteren bringen ihre Erfahrung ein.
Allerdings müssen sie miteinander reden. Es darf nicht von vornherein passieren, dass die eine Seite die andere als blöd oder langweilig abstempelt. Stattdessen sollten sie ernsthaft zuhören. Wenn beide bereit sind, aufeinander zuzugehen, kann das sehr fruchtbar für die Gemeinde sein.
Auch in der Bibel finden wir Beispiele dafür, dass wir uns an Altes erinnern sollen. Immer wieder wird deutlich, wie wichtig es ist, nicht zu vergessen, was Gott in früheren Zeiten getan hat. Gleichzeitig gibt es aber auch die Aufforderung, nicht nur zurückzuschauen. Ein interessantes Beispiel ist Samuel, der David salben soll. Ihm wird gesagt: „Schau nicht zurück, wie es früher war, denn die Zeit mit Saul ist vorbei“ (1. Samuel 16). Eine neue Zeit beginnt.
Ähnlich ist es bei den Pharisäern, die unbedingt an allen Gesetzen des Alten Testaments festhalten wollen. Jesus sagt ihnen, dass jetzt eine neue Zeit angebrochen ist. Das kann bei uns genauso sein. Wir müssen beides sehen: die Kontinuität, die es braucht, und die Offenheit für Neues.
Manche Ältere können eine echte Hilfe sein, indem sie ihre Erfahrung einbringen, während die Jüngeren neue Ideen einbringen. Wenn beide Seiten gemeinsam überlegen, wie das zusammenpasst, kann das ideal funktionieren.
Biblische Perspektive auf das Alter und den Umgang miteinander
Ich meine, dass wir genau solche Dinge auch in der Bibel als Aufforderung finden, denn die Frage nach Generationen, Spannungen und Konflikten ist ja nicht neu. Aus der Perspektive der Jüngeren ist es zum Beispiel sehr wichtig zu verstehen, dass die Bibel das Alter auch sehr ehrt.
In Sprüche 16,31 heißt es: „Das graue Haar ist eine prächtige Krone, auf dem Weg der Gerechtigkeit wird sie gefunden.“ Das ist eine grundsätzliche Ehrung des Alters und der Erfahrung. Das hat eine Bedeutung, und Gott möchte, dass wir das sehen und respektieren.
Was die Bibel hier allerdings deutlich macht, ist, dass dies ein Wunsch ist. Wenn jemand älter wird, soll er Lebenserfahrung haben und begeisternd davon erzählen können: „Boah, das habe ich mit Jesus erlebt!“ Es kann auch sein, dass die Jüngeren Mut bekommen. Ein Jüngerer könnte fragen: „Wie wird das in der Zukunft aussehen? Ich weiß es nicht, vielleicht wegen Umweltkatastrophen, Ehe oder anderen Herausforderungen.“ Dann könnten die Älteren Mut machen und sagen: „Hey, ich habe auch schon Ähnliches erlebt, und ich weiß, dass Gott treu sein wird.“ Das kann eine Aufgabe sein.
Allerdings müssen wir immer im Blick behalten: Alter führt nicht automatisch zur Weisheit. Es gibt auch alte Menschen, die töricht sind und Unsinn machen. Ebenso gibt es jüngere Menschen, die langweilig sind und alles festhalten wollen. Das kann auch passieren. Deshalb ist es nicht nur eine Altersfrage.
Im Idealfall, wie die Bibel es sieht, sollte es so sein: Du bist jung und kräftig, und jetzt solltest du in deiner Kraft vorangehen, Dinge in Gang bringen und mitarbeiten – also nicht nur chillen. Die Älteren sollten weise sein, weil sie hoffentlich viel mit Jesus erlebt haben und über ihre Erfahrungen erzählen können. Beide Seiten sollten offen sein, um von den Stärken und Aufgaben des anderen zu profitieren.
Zum Punkt, dass auch die Älteren nicht perfekt sind und Fehler machen: Selbst hier sagt die Bibel zum Beispiel, wo Paulus an Timotheus schreibt, wie dieser seinen Dienst ausüben soll, dass man „einen älteren Mann nicht hart anfahren, sondern ihn als einen Vater ermahnen“ soll, „jüngere als Brüder“. Auch hier geht es um die notwendige Contenance, um die Stellung der Älteren zu wahren.
Es ist nicht richtig, sich über den älteren Bruder in der Gemeinde lustig zu machen oder zu sagen: „Der ist ja senil, da höre ich nicht mehr zu.“ Denn dadurch entwürdigst du die Person. Wenn jemand, wie Paulus annimmt, bereits Erfahrung im Glauben hat und im Glauben etwas geleistet hat, sollte man das schätzen und ihm so begegnen. Wenn er als Vater angesprochen wird, ist damit gemeint, dass man ihm mit der gleichen Ehrerbietung begegnet, wie man es mit dem eigenen Vater tun sollte. Eltern sollen wir ja ehren, und das gilt auch für andere ältere Menschen, sofern sie geistliche Weisheit besitzen.
Das merken wir in der Gemeinde: Es gibt jemanden, der immer quer schießt, ist zwar achtzig, aber geistig noch ein Baby geblieben, und es gibt jemanden, der geistig gewachsen ist. Das anzuerkennen ist wichtig. Geistliches Wachstum kann man nicht abkürzen. Du kannst sagen: „Ich bin erst drei Jahre gläubig, aber ich bin so begeistert, ich gehe jedes Wochenende auf die Straße, um von Jesus zu erzählen.“ Das ist toll, aber geistliches Wachstum braucht Zeit.
Deshalb steht bei den Ältesten, dass kein Neuling Ältester sein soll. Du brauchst Bewährung, und die geht nur mit Jahren. Die biblische Perspektive ist meiner Meinung nach wichtig. Wenn man einen Älteren ermahnen muss, dann sollte das mit einer gewissen Ehrerbietung geschehen, damit der andere merkt, dass du ihn nicht fertig machen oder verachten willst, sondern ihn ernst nimmst. Trotzdem muss auch mal etwas gesagt werden.
Umgekehrt sollten Ältere die Jüngeren genauso ernst nehmen und nicht von oben herab schauen. Viele Jüngere, die Jesus nachfolgen, meinen es ernst. Besonders wertvoll finde ich die Stelle, wo es heißt, dass die älteren Frauen die jüngeren lehren sollen, die Männer und Kinder zu lieben. Das ist einfach das Wertvolle an der Gemeinde: Die Älteren haben viel mehr Erfahrung, und es ist wichtig, dass sie diese weitergeben. Sie wissen es, und sie müssen es teilen.
Das ist eine Aufforderung an die Älteren, aber auch eine Herausforderung für die Jüngeren. Manche Ältere sind vielleicht zu schüchtern oder denken, die Jüngeren wollen ihnen nicht zuhören. Dann kann man als Jüngerer den ersten Schritt machen und einen Älteren fragen, was er denkt. Meistens fühlt sich der Ältere dadurch geehrt und erzählt gerne. Nicht jeder Ältere hat etwas zu sagen, aber bei vielen stößt man auf einen Schatz voller Erfahrungen und interessanter Geschichten.
Manchmal erkennt man in diesen Erzählungen eigene Probleme wieder oder erhält einen neuen Blickwinkel. Deshalb finde ich es gut, nicht nur zu warten, bis Ältere auf einen zukommen, sondern aktiv den ersten Schritt zu machen. Wenn ich ahne, dass jemand älter ist, der wirklich mit Jesus gelebt hat und geistige Erfahrung besitzt, dann frage ich ihn manchmal gezielt nach bestimmten Dingen.
Das habe ich als Junger getan und mache es auch heute noch. Manchmal finde ich es richtig spannend, manchmal bringt es mir weniger. Inzwischen gehöre ich selbst zu den Älteren, und manchmal sind Gespräche mit anderen so. Trotzdem würde ich sagen: Man sollte nicht nur warten, sondern auch aktiv auf Ältere zugehen. Verlieren kann man dabei wenig, und im besten Fall kann man viel lernen.
Praktische Erfahrungen mit generationenübergreifendem Austausch
Ja, wir haben das tatsächlich auch mit unseren Jugendmädels gemacht, vielleicht als Gedankenanstoß auch für den Zürcher. Wir haben einfach ältere Frauen aus der Gemeinde gefragt, ob sie uns nicht mal zu sich einladen möchten und einen Abend mit uns verbringen würden. Das haben wir gemacht, weil wir sowieso regelmäßig Mädelsabende haben.
Das läuft richtig gut, und wir merken einfach, dass Gott das segnet.
Habt ihr das dann mit speziellen Fragen gemacht, die ihr den älteren Frauen gegeben habt, oder hat sich das mehr so im Gespräch von selbst entwickelt?
Nein, wir haben keine speziellen Fragen vorbereitet. Wir haben gesagt, sie können gerne etwas für den Abend vorbereiten, auch geistliche Themen, aber das durften sie selbst auswählen. Dabei kamen spannende Dinge heraus.
Es war dann eine Mischung aus geistlichen Themen und Lebenserfahrungen, oder?
Ja, zum Beispiel haben wir auch mal zusammen gebacken oder so.
Das klingt doch ganz gut. Das könnten wahrscheinlich auch die Jungs machen, oder? Wenn die jemanden einladen, funktioniert das auch.
Ja, genau.
Wir hatten auch über die Gefahr gesprochen, dass sich Alte und Junge innerhalb der Gemeinde entfremden könnten. Das war jetzt zum Beispiel eine super Lösung, einfach mal Leute einzuladen.
In unserer Gemeinde hatten wir kürzlich einen Gemeinschaftsabend mit über 65-Jährigen und unter 30-Jährigen. Wir haben uns an die Tische gesetzt, gemeinsam Kuchen gegessen und uns gegenseitig erzählt, wie wir zum Glauben gekommen sind, wie unsere Bekehrung war.
Auch darüber, wie es damals in Russland war und wie die Reise nach Deutschland verlief. Ich habe zum Beispiel gefragt, was denn eine Sache war, die richtig anders war von Russland zu Deutschland.
Eine Frau hat direkt geantwortet, dass auf einmal alles viel teurer war. Man hatte ja noch Geld aus Russland, aber musste jetzt deutsche Preise bezahlen. Das war anfangs gar nicht so leicht.
Darüber habe ich noch nie nachgedacht, obwohl es eigentlich offensichtlich ist. Das waren ganz interessante Geschichten.
Ich kann mir vorstellen, dass man dadurch einen ganz anderen Blick bekommt, auf das Verhalten von Eltern oder Großeltern. Warum sie so reagieren oder warum sie vielleicht genau auf die Preise achten. Wenn du groß bist, ist das ja normal: "Es ist halt zu teuer."
Manche ältere Leute, die in Deutschland aufgewachsen sind und nach dem Zweiten Weltkrieg gelebt haben, sammeln zu Hause alles Mögliche und werfen nichts weg. Das muss man verstehen. Nach dem Krieg war alles knapp, da musste man aufpassen. Selbst jede Margarinepackung wurde aufgehoben, um etwas einzufrieren oder so.
Das muss man nachvollziehen. Man kann das dann vielleicht auch mit Humor nehmen und sagen: "Es ist halt so und in Ordnung", statt dagegen zu kämpfen.
Ich glaube auch, dass schnell ein Urteil über andere fällt, weil man sich nicht bemüht, sich in die Situation des anderen hineinzuversetzen.
Zum Beispiel auch bei der Musik: Ältere Leute haben bestimmte Lieder, die sie in ihrer Jugend gesungen haben. Sie verbinden viel Emotionales und ihre Lebensgeschichte damit.
Wenn diese Lieder nicht mehr gesungen werden, ist das für sie eine ziemliche Verarmung.
Wenn man älter wird, kann man auch nicht mehr so schnell neue Lieder auswendig lernen. Das geht einfach schwerer. Das heißt, es funktioniert vom Gehirn her nicht mehr so gut.
Dass sie dann gerne singen wollen, ist vollkommen normal.
Wenn man sich als Jüngerer darauf einlässt und nicht von vornherein denkt, die sind altmodisch, sondern versteht, warum sie das wollen, fällt es leichter, auf sie einzugehen.
Man kann dann sagen: "Die haben doch auch ein Recht darauf, das ist toll. Ich nehme Anteil an ihrer Jugend oder an ihrem Leben, wenn wir das mal singen."
Umgekehrt sollten natürlich auch die Eltern offen sein für die jüngeren Lieder. Es ist wichtig, sich auf beides einzulassen und sich hineinzuversetzen.
Man sollte den anderen nicht nur als Gegner sehen oder denken: "Wie blöd oder langweilig ist der?", sondern verstehen, warum jemand so handelt.
In den meisten Fällen macht das durchaus Sinn und ist vernünftig. Es ist nicht einfach nur Opposition oder Unverständnis.
Die Lebensphasen sind eben unterschiedlich. In verschiedenen Lebensphasen erwarten wir unterschiedliche Dinge und sehen die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven.
Ältere Menschen wollen zum Beispiel mehr Sicherheit, Jüngere suchen mehr Abenteuer.
Das zeigt sich bei vielen Dingen, wie Freizeitgestaltung oder Beruf.
Beides ist wertvoll: Abenteuer und Neues sind wichtig, aber auch Sicherheit und Beständigkeit.
Vorausgesetzt, man ist bereit, sich darauf einzulassen.
Ich denke, das ist ein gutes Fazit: Wenn junge Menschen die Alten nicht verstehen oder umgekehrt, sollten sie sich kennenlernen.
So kann man verstehen, warum Menschen so sind, wie sie sind.
Man sollte nicht sofort in Abwehrhaltung gehen, sondern sich aufeinander einlassen und versuchen zu verstehen, warum die ältere Generation so ist, wie sie ist, oder warum die jüngere Generation so ist, wie sie ist.
Das ist natürlich eine zweiseitige Sache, aber das ist etwas, was wir daraus grundsätzlich mitnehmen können.
Begrüßung und Einstieg in das Thema Familie und Kinder
Hallo und herzlich willkommen zu dieser neuen Folge von Deep Talk. Ich begrüße einmal Michael und Tina.
Ja, wir wollen uns heute ganz spannenden Fragen stellen. Ich fange auch direkt mal an: Lukas, du willst ja bald heiraten. Familie, Kinder – hast du dir das wirklich gut überlegt? Ist das nicht mega anstrengend?
Was meinst du, Familie? Geht doch einfach heiraten und fertig. Einfach heiraten, keine Kinder. Ihr wollt keine Kinder? Warum denn? Ist doch viel entspannter.
Okay, Michael, was sagst du dazu?
Ja, also da sage ich ja, da müssen wir nochmal drüber sprechen. Ich biete euch einen Eheeinführungskurs an, so habe ich das auch schon mit ein paar Leuten gemacht. Denn da würde ich sagen: Nein, nein, nein. Ich glaube eigentlich, Kinder gehören zu einer Ehe dazu – sofern Gott sie schenkt, das natürlich klar. Es gibt ja auch in Deutschland etwa zehn Prozent der Paare, die keine Kinder bekommen können, aus medizinischen oder anderen Gründen.
Was du gesagt hast, ist heute in der Gesellschaft durchaus ziemlich verbreitet. Ich höre das von ganz vielen Leuten. Wenn man Statistiken anschaut, sieht man, dass in Deutschland viele junge Paare, umso besser sie sozial gestellt sind, umso besser sie im Beruf drin und umso gebildeter sie sind, umso seltener haben sie überhaupt Kinder.
Das ist eine seltsame Sache. Da gibt es Leute, die äußerlich gesehen ziemlich abgesichert sind – sie haben entsprechend Geld, Ressourcen und so. Aber je mehr Bildung und Geld sie haben, desto häufiger sagen Paare in Deutschland statistisch gesehen: „Nein, das nervt mich. Du hast deine Karriere, ich habe meine Karriere, und Kinder stören da.“
Ich glaube, die Leute haben Recht. Tatsächlich ist es so: Wenn du Kinder hast, musst du dich darauf einstellen, dass sie stören. Du kannst deine Karriere nicht genauso weitermachen wie ohne Kinder. Kinder kosten Ressourcen, emotionale Energie, Geld, Zeit – aber vor allem Zeit. Das muss man sich schon ernsthaft eingestehen.
Deshalb verstehe ich Paare, die sagen: „Das finde ich problematisch, das nervt mich.“ Ich glaube, sie sind realistisch. Die, die sagen: „Ich mache einfach meine Sache weiter, habe noch Kinder dazu, und es ist alles toll, die sind immer lieb und brav und lächeln auf den Fotos“, ich glaube, das ist eine Illusion.
Bist du von der gebildeten Schicht, dass du jetzt auch keine Kinder möchtest? Willst du uns da was sagen?
Ich denke nicht. Aber dazu kann ich auch was sagen. Ich glaube, das ist immer so. Ich habe einen kleinen Bruder, und der ist auch ab und zu anstrengend mit fünf oder vier Jahren. Das ist dann so ein schwieriges Alter, wo man als Eltern einfach durch muss.
Dadurch, dass ich so viel älter bin, bekomme ich das schon ein bisschen mit. Du kannst jetzt schon mal üben, wenn du eigene Kinder hast, wie das läuft.
Es gibt ja auch spezielle Phasen. Man spricht von der Trotzphase, meistens so ein bis zwei Jahre, in denen fast alle Kinder richtig nervig sein können – egal was du machst, das ist „Nein“. Manche schmeissen sich auf den Boden und zappeln herum: „Ihr erlaubt mir gar nichts!“
Genau, ihr seid so böse! Da kann man als Eltern schon genervt sein, weil man denkt: „Hey, wir tun alles Mögliche für dich, und jetzt bist du so drauf.“
Oder auch pubertierende Kinder – manchmal kann das richtig nervig sein. Ich habe eine Zeit lang als Lehrer unterrichtet, besonders siebte und achte Schulklasse, und Pubertierende waren nicht weniger anstrengend.
Als Lehrer hatte ich den Eindruck, ich konnte meinen Unterricht so gut vorbereiten, wie ich wollte, und da saßen wirklich nur gelangweilte Teenager vor mir. Die dachten: „Oh, die Stunde ist vorbei, wie blöd.“
Wenn ich die Leute später traf, ein paar Jahre später, konnten sie sich nicht mehr daran erinnern. Manchmal durchläuft man eine Phase als Kleinkind oder Teenager, erlebt das richtig heftig – aber nach einer Zeit kann man sich nicht mehr erinnern, weil man in einem anderen Reifestadium ist. Man ist weitergekommen.
Das ist natürlich für Eltern ziemlich herausfordernd.
Gründe gegen Kinder und ökologische Überlegungen
Okay, jetzt haben wir viel darüber gesprochen, dass es negativ ist, aber gibt es denn überhaupt auch positive Aspekte? Ich glaube, wir müssen vielleicht noch ein bisschen dabei bleiben.
Es gibt auch andere Gründe, warum Leute sagen, keine Kinder zu bekommen. Zum Beispiel gibt es sehr ökologisch Gesinnte, die argumentieren, dass Kinder zu viel CO2 ausatmen. Sie sehen das CO2-Problem und die Klimakatastrophe als Grund, weniger Kinder zu bekommen, um so den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Auch weniger Konsum an Gegenständen wird genannt, keine neuen Produkte anschaffen. Genau, das könnte man auch anführen. Denn viele Dinge landen ja später in Müllverbrennungsanlagen oder tragen zur Umweltverschmutzung bei.
Wenn man ehrlich ist, müsste man aber auch sagen, dass man die zweite Flugreise im Jahr zu den Malediven einsparen könnte – vor allem bei den Besserverdienenden. Denn dort wird sehr viel Kerosin verbrannt, was ein Kind über viele Jahre hinweg ausgleichen könnte, wenn es wirklich um CO2-Reduktion geht.
Oder man könnte sagen, man kann auch mit weniger Konsum leben. Kein Kind ist ja von Gott oder von der Natur verpflichtet, viel konsumieren zu müssen. Die Entscheidung, lieber gar nicht zu leben oder mit viel Konsum zu leben, könnte man also auch anders treffen: Vielleicht kann das Leben auch richtig wertvoll und gut sein mit etwas weniger Konsum, wenn man nur die CO2-Argumentation betrachtet.
Andere Menschen haben wiederum andere Gründe, keine Kinder zu bekommen. Manche sagen, ein Kind ist nervig, kostet Arbeit und Geld. Der Geldfaktor ist für viele ein wichtiges Argument. Und auch hier würde ich sagen, wenn man ehrlich nachforscht, ist das realistisch. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass ein Kind mehr als hunderttausend Euro kostet – wahrscheinlich sogar mehr, wenn man es älter rechnet. Größere Wohnung, Anschaffungen und so weiter kommen hinzu. Also schon ein großer finanzieller Aufwand.
Aber ich glaube, man hat auch etwas davon. Man investiert in die Zukunft, und ich denke, auch von Gott ist es so vorgesehen.
Dann gibt es natürlich auch Menschen, die sagen, wir haben viel zu viele Leute auf der Welt. Ich weiß nicht genau, wie viele Milliarden es derzeit sind, vielleicht acht oder so. Das war zumindest die Größenordnung, die ich zuletzt gehört habe.
Da muss ich auch an den ersten Mose denken. Dort gibt Gott den Auftrag an Adam und Eva: „Seid fruchtbar, vermehrt euch und füllt die Erde.“ Aber die Erde ist ja eigentlich schon ziemlich gefüllt. Wäre es dann nicht logisch zu sagen: Irgendwann ist es übervölkert, und man muss stoppen?
Zynische Menschen würden vielleicht sagen, das regelt die Natur von selbst, indem eine Seuche kommt und Millionen sterben. Oder Kriege entstehen, die die Bevölkerung reduzieren. Aber das wäre zynisch und, glaube ich, nicht wirklich biblisch argumentiert.
Wenn man genau hinschaut, wurde dieses Argument schon geäußert, als wir nur halb so viele Menschen hatten. Ich erinnere mich daran, denn die Verdopplung der Menschheit fand in meiner Lebenszeit statt – von etwa 4 Milliarden auf 8 Milliarden. Trotzdem leben wir noch, und es gibt kein festes Datum, an dem man sagen kann: Jetzt ist genug.
In manchen Regionen der Welt leben kaum Menschen, weniger als eine Person pro Quadratkilometer. Das ist natürlich nicht in deutschen Großstädten der Fall. Deutschland gehört zu den Regionen mit relativ hoher Bevölkerungsdichte, verglichen mit vielen anderen Teilen der Welt. Deshalb entsteht vielleicht der Eindruck, es seien zu viele Menschen, aber das entspricht nur eingeschränkt der Realität.
Aus christlicher Sicht würde ich sagen: Überlass die Sache Gott. Dein Auftrag ist es, offen für Kinder zu sein, sie nicht generell zu verhindern oder dich dagegen zu entscheiden. Dann ist es Gottes Aufgabe, zu sehen, wie viele Ressourcen noch da sind.
Was wir manchmal übersehen, ist, dass parallel zur wachsenden Bevölkerung auch neue technologische Möglichkeiten entstehen, die es erlauben, viel mehr Menschen zu versorgen. Zum Beispiel können Getreidesorten heute in Deutschland etwa doppelt so viel Ertrag bringen wie vor fünfzig Jahren. Das heißt, wir können doppelt so viele Menschen ernähren.
Manche staunen darüber, dass unsere Landwirtschaft in Deutschland und Frankreich sogar Überproduktion erzielt. Frankreich produziert mehr Nahrungsmittel, als es selbst verbraucht, obwohl es ein Industrieland mit relativ hoher Bevölkerungszahl ist. Deutschland steht da gerade an einer Kippe, aber es zeigt, dass es mit entsprechender Landwirtschaft und Verarbeitung möglich ist, viele Menschen zu versorgen.
Daher ist das Thema Überbevölkerung relativ zu sehen. Dieses Argument wird immer wieder gebracht, doch oft verbergen sich dahinter andere Ideen, Motive oder Argumente. Ich würde sagen, das ist nicht unser Job, sondern Gottes Sache. Wenn Gott sagt, es ist genug, wird er ein Signal geben.
Wir sollten nicht zu viel darüber spekulieren. In Ländern, die sehr restriktive Maßnahmen ergriffen haben, wie zum Beispiel China, stehen sie jetzt vor großen Problemen. Japan hat ebenfalls eine totale Überalterung der Gesellschaft. Dort weiß man kaum, wie man damit umgehen soll. Es gibt Menschen, die mit 80 Jahren noch arbeiten müssen, obwohl sie es eigentlich nicht mehr können, weil die Versorgung fehlt. Das ist ein echtes Problem.
Auch gesellschaftlich trifft man dort nur noch alte Menschen. Man rechnet damit, dass sich die Bevölkerung in China in den nächsten 50 Jahren halbiert. Das bringt immense Veränderungen mit sich. Niemand weiß, wer dann noch die Fabriken bedienen wird, denn es gibt nicht mehr genug junge Arbeitskräfte.
Die Idee, einfach weniger Kinder zu bekommen, blendet viele Aspekte unserer Lebenswelt aus. Wenn wir denken, es ist ökologisch schwierig, dann sollten wir eher darauf achten, nicht so viel ökologischen Müll zu hinterlassen. Das ist eine Lösung, anstatt zu sagen, wir verbrauchen viel, aber es sollen weniger Menschen sein.
Lieber sollten wir Rücksicht nehmen und Menschen Leben gönnen, aber vielleicht mit etwas weniger Konsum, womit wir auch glücklich sein können.
Ich halte dieses Argument für zwiespältig. Häufig verbergen sich dahinter ideologische oder weltanschauliche Positionen oder ein egoistischer Lebensstil. Einfach zu sagen: „Das nervt mich, und die anderen sollen weg, damit ich meinen Luxus weiter genießen kann“, ist keine wirklich christliche Perspektive.
Ihr kennt wahrscheinlich solche Statistiken: Ein Pakistani verbraucht etwa zehn Prozent der Ressourcen eines typischen Deutschen. Daraus könnte man schließen, dass es noch Spielraum gibt.
Wenn es wirklich darum geht, dass wir alle eine große Katastrophe sind, weil es so viele Menschen gibt, dann ist das Argument so nicht stimmig – zumindest nicht, wenn man nur auf dieser Ebene argumentiert.
Umgang mit emotionaler Unreife und der Bereitschaft zu Kindern
Und was ist mit Menschen, die vielleicht verstehen, dass es Gottes Wille ist, aber emotional noch nicht bereit sind? Die sich vielleicht nicht bereit fühlen, Eltern zu werden oder diese Verantwortung zu übernehmen?
Ich glaube, da muss man ein Stück weit darauf eingehen. Manche Leute sind tatsächlich noch nicht so weit, einfach weil ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Manche sind frisch verheiratet, und da würde ich sowieso sagen: Es ist viel besser, wenn man erst ein paar Jahre Zeit hat, um sich aneinander zu gewöhnen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und das gemeinsame Leben kennenzulernen. Denn das ist schon eine riesige Herausforderung, wenn man vorher alleine gelebt hat.
Nach biblischem Muster soll man ja nicht zusammenleben, ohne verheiratet zu sein. Dann sieht man, wie man einen gemeinsamen Alltag organisiert. Und wenn dann ein Kind dazu kommt, ist das nochmal eine zusätzliche Ebene. Kinder brauchen stabile Ehen und stabile Partnerschaften. Von daher würde ich empfehlen, als Paar erst eine Zeit lang zusammen zu reifen und sich dann darauf einzustellen.
Allerdings gibt es auch Leute, die mit 40 noch nicht reif genug sind, weil sie in der Pubertät stecken geblieben sind. Dann würde ich sagen: Jetzt solltest du auch mal daran gehen, deine Verantwortung im Leben zu übernehmen. Manches kann man auch lernen, indem man sich darauf einlässt. Es ist eine große Aufgabe, und manche Aufgaben lernt man erst, wenn man mittendrin ist.
Vielleicht kennen das manche vom Berufsleben: Man kommt in einen neuen Job und denkt, das schaffe ich nie. Aber nach einem halben Jahr merkt man, es geht doch! So ist es auch mit Kindern. Hier können wir mit Gottes Hilfe lernen, dass er uns Weisheit gibt.
Du musst ja nicht gleich ein Examen machen, und du wirst als Eltern auch Fehler machen. Aber du kannst die Willensentscheidung treffen, dich darauf einzulassen. Wenn jemand aber wirklich ziemlich jung oder von der Persönlichkeit her unreif ist, dann ist es gut, ein bisschen zu warten. Das gilt auch bei gesundheitlichen Gründen oder anderen Umständen.
Aber bei manchen würde ich auch sagen: Setze darauf, und dann sieh, wie Gott dir Fähigkeiten gibt, indem du in dieser Herausforderung bist. Für manche ist es auch wichtig, nicht zu lange zu warten, sonst warten sie zu lange. Da muss man auch bedenken: Wenn du später Kinder bekommst, gibt es wieder neue Probleme, vor allem gesundheitliche.
Medizinisch gilt, dass man ab etwa 30 eine Risikoschwangerschaft hat. Das bedeutet, es gibt medizinische Probleme, die auffällig häufiger auftreten. Auch genetische Defekte oder Behinderungen sind bei höherem Alter wahrscheinlicher, wenn man Kinder bekommt.
Man kann jeden Elternteil fragen: Je älter du wirst, desto weniger kannst du mit Stress und Lärm umgehen. Und Kinder machen Stress und Lärm. Deshalb ist es manchmal besser, ein bisschen früher damit anzufangen. Dann kannst du das besser abfedern.
Mach dir aber nicht zu viel Stress, wenn du später dran bist. Du kommst einfach nicht mehr so gut damit zurecht. Wer will ehrlich gesagt mit 30 oder 40 noch im Sandkasten sitzen? Manche machen das, ich zum Beispiel manchmal mit meinen Enkelkindern. Aber ich merke, das kostet schon mehr Energie und Kraft.
Wenn du jünger bist, fällt dir das nicht so schwer. Auch wenn du nachts mal wach wirst, steckst du das meistens eher weg, als wenn du älter wirst. Von daher glaube ich, man sollte nicht zu lange warten – aus medizinischen und psychologischen Gründen.
Ich glaube auch, gerade wenn man theoretisch bereit ist, aber emotional vielleicht noch nicht so weit oder sogar ängstlich ist, kann man auf die Verheißungen vertrauen, die Gott uns in diese Richtung gibt. Zum Beispiel lesen wir in Psalm 127, Vers 3: „Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn, die Leibesfrucht ist eine Belohnung.“
Das sagt die Bibel über das Kinderbekommen, und dem kann man einfach vertrauen – so wie bei vielen anderen Dingen, bei denen man vielleicht nicht gefühlsmäßig ganz da ist. Hier sagt Gott nicht, es sei nur für den, der es will, sondern generell ist es ein Geschenk.
Ich hoffe, die meisten Eltern, die Kinder haben, sehen das genauso und sagen: Ja, manchmal sind Kinder anstrengend, aber es ist auch ein unheimliches Geschenk. Zum Beispiel, wenn du zusiehst, wie die Kleinen anfangen zu reden, sich zu bewegen, zu laufen oder zu kriechen – da hast du als Eltern richtig Freude.
Wenn sie älter werden, merkst du, wie die Kinder dich als Eltern anblicken. Du bist für sie das Vorbild. Als Mann zum Beispiel bist du später der Held, der Klügste und Stärkste, den sie kennen. In der Pubertät ist das dann vorbei, aber auch daran muss man sich gewöhnen.
Es ist toll, an der Entwicklung der Kinder teilzuhaben. Das ist ein riesiges Geschenk, das Gott macht. Bei der nächsten Generation bist du dann mit dabei und erlebst das mit.
Deshalb glaube ich, dass die Aussage Gottes wahr ist, auch wenn man sie emotional nicht immer so fühlt. Und genauso, wie du sagst, muss man sich vielleicht ein Stück weit darauf einlassen, um dann zu erfahren, dass das, was Gott gesagt hat, wahr ist. Es ist nicht nur eine Meinung, sondern eine Realität.
Ich höre oft, dass Mütter, gerade wenn Kinder anstrengend sind, sagen: „Ich brauche Geduld, bete doch bitte dafür.“ Da denke ich auch: Ja, das ist schwer, aber Gott will an uns persönlich arbeiten. Geduld ist ein Teil der Frucht des Geistes, an der Gott mitarbeitet.
Da kommen auch Langmut, Liebe, Freundlichkeit und Ähnliches dazu. Hier gibt es ein Übungsfeld. In diesem Übungsfeld hast du viel intensiver mit Kindern zu tun als ohne.
Ich kenne auch ein paar Ehepaare, die keine Kinder haben und 40 oder 50 sind. Ich habe den Eindruck, sie sind oft viel unflexibler. Schon allein in der Wohnung, wenn mal etwas nicht am richtigen Platz ist, geraten sie in die Krise.
Hast du Kinder, bist du das gewohnt. Das Kind nimmt mal etwas weg oder patscht mit den Fingern an die Fenster. Dann musst du damit leben. Du bleibst flexibel und frisch, und das ist etwas Positives.
Kinder halten uns als Eltern lebendig und offen für Neues. Sie fordern uns heraus, Geduld und geistliche Tugenden zu üben. Das kostet Energie, klar, aber es ist auch ein Übungs- und Trainingsprogramm Gottes, das uns geistlich voranbringt.
Ich spreche hier als jemand, der Kinder hat, die inzwischen erwachsen sind, und ich habe all diese Erfahrungen selbst gemacht.
Überlegungen zur Anzahl der Kinder
Und wie ist das nun? Wir haben ja jetzt besprochen: Kinder sind doch gar nicht so schlecht. Man sollte vielleicht doch welche haben, gerade im Hinblick auf Gottes Auftrag an uns. Aber wo ist da die Grenze? Soll man so viele Kinder haben, wie man kann? Und das sind dann ja auch schon einige.
Ja, also Minimum zehn?
Minimum zehn?
Ja, also wir können doch sagen, da gibt es doch biblische Beispiele. Hier sind es zwölf Söhne – das wäre doch was. Oder manche sagen, sie haben eine Fußballmannschaft oder so etwas. Dann kommen ja auch noch die Mädchen dazu.
Nein, also ich sehe in der Bibel nirgends eine bestimmte Zahl, die vorgegeben wird. Wenn wir mal nachdenken, fallen uns durchaus auch Ehepaare oder Frauen ein, die weniger Kinder hatten.
Fällt euch da etwas ein? Leute, die weniger Kinder hatten?
Ja, zum Beispiel Samuel, die Mutter. Da war es nicht nur ein Kind. Sie hatte ja darum gebetet, nicht wahr? Hanna bat um ein Kind und hatte am Anfang keines, später dann doch noch mehr Kinder. Gut, da hatten sie noch mehr, aber auch nicht die große Masse.
Rebekka und Isaak?
Genau, auch da sind nur zwei Kinder erwähnt, nämlich Jakob und Esau. Wurde Abraham eigentlich mit seiner legitimen Frau nur ein Kind gegeben?
Ja. Und da merken wir, es gab durchaus auch in den Bibelfamilien Paare, die weniger Kinder hatten. Allerdings war das nicht von vornherein so, dass sie ihre Kinderzahl minimieren wollten, sondern dass Gott es so gegeben hat.
Hier ist dann schon eine gewisse Offenheit. Kinder sind etwas Geistlich Positives, das wir haben sollen. Aber es gibt keine Forderung, dass es so und so viele Kinder sein müssen. Man kann auch nicht sagen, wer mehr Kinder hat, ist geistlicher oder so.
Wenn man viele Kinder hat, soll man sagen: „Okay, Geschenk Gottes, in Ordnung, nehme ich an, freue mich auch darüber.“ Aber wenn es weniger sind, ist das auch in Ordnung. Dann investiert man eben mehr in die weniger Kinder.
Ich sehe in der Bibel an keiner Stelle eine genaue Aufforderung, dass es unbedingt viele Kinder sein müssen. Wenn es viele sind, okay, aber wenn nicht, ist das auch in Ordnung. Am Ende ist ja auch Gott derjenige, der das gibt.
Jetzt muss man bei bestimmten Punkten auch vernünftig daran gehen. Vernünftig ist für mich nicht das Gegenteil von geistlich, sondern wir sollen ja Vernunft einsetzen.
Jesus sagt ja: Wer einen Turm baut, soll nicht einfach herumträumen und sagen „Ich baue“, sondern überlegen, wie viel Geld er hat.
Hier geht es darum: Wie viele Ressourcen habe ich? Wenn eine Mutter beim ersten Kind merkt, sie ist gestresst, würde ich sagen, warte mal, das gibt sich mit der Zeit. Und wenn du zwei hast, die viel miteinander spielen, hast du gar nicht so viel Stress.
Aber wenn eine Mutter nach dem dritten oder vierten Kind sagt, das geht gar nicht mehr, ich bin mit den Nerven fertig, dann würde ich fragen: Was ist der Familie geholfen, wenn die Mutter hinterher in die Psychiatrie muss, aber fünf Kinder zu Hause hat?
Dann muss man schon darauf achten. Oder wenn der Vater merkt, wir können es uns nicht mehr leisten. Dass man bestimmte Dinge zurückstellt, ist in Ordnung.
Bei uns war es so, dass wir viel auf dem Flohmarkt oder bei Ebay gekauft haben, weil gebrauchte Sachen auch okay sind. Aber irgendwann ist es auch ausgeschöpft. Dann muss man realistisch sagen: Wie viel können wir organisieren? Wie viel können wir emotional tragen? Und dann mitentscheiden.
Minimieren auf nur ein Kind ist nur dann sinnvoll, wenn man sagt, es ist für das Kind schlecht, wenn alle Erwartungen sich auf ein Kind konzentrieren. Aber zu sagen, es müssen unbedingt zehn sein, finde ich nicht die biblische Herausforderung.
Ich glaube, auch Männer müssen da sehr sensibel mit ihren Frauen sein, die ja das schwächere Gefäß sind. Wir sollten erkennen, wie viel die Frau zutragen kann.
Das ist ja auch im Interesse des Mannes. Er hat Verantwortung für die Familie. Auch er soll mit anleiten und begleiten, aber auch für seine Frau Verantwortung tragen.
Wenn du deine Frau kaputt machst und merkst, dass es so ist, dann musst du sagen: Nein, vielleicht doch nicht mehr.
Dann stellt sich natürlich die Frage: Wie macht man das, wenn man mehr oder weniger Kinder haben will? Manche sagen, das ist einfach Zufall.
Aber ich sage, ganz Zufall ist es nicht. Wenn du zum Beispiel nicht mit deiner Frau schläfst, gibt es im Normalfall auch keine Kinder. Man hat also schon einen gewissen Einfluss.
Das wäre eine Möglichkeit. Manche sagen, es ist alles Zufall, aber ich sage nein. Schon im Alten Testament wusste man, dass man mit seiner Frau in den fruchtbaren Tagen schlafen muss, damit Kinder entstehen.
Interessanterweise steht das bei der Geschichte mit Batseba. Da steht nämlich: „Als die Tage ihrer Unreinheit, also ihre Periode, vorbei waren, hat David mit ihr geschlafen.“ Warum wird das erwähnt? Weil schon damals klar war, dass die fruchtbaren Tage der Frau dann sind.
Und da merken wir genau: Sie wurde schwanger, obwohl sie ja nicht häufig miteinander geschlafen haben.
Schon damals war den Leuten klar, dass eine Frau nicht zu jedem Zeitpunkt im Monat schwanger werden kann, sondern nur zu bestimmten Zeiten. Und das ist eigentlich nur ein Tag, wenn man plus/minus ein oder zwei Tage rechnet, vielleicht zwei oder drei Tage. Aber das ist relativ begrenzt.
Man kann also eine gewisse Entscheidung treffen. Wir sind als Menschen keine Tiere, die sagen müssen: „Oh, egal, ich habe jetzt Lust.“ Sondern man kann sagen: „Ja, mache ich, oder mache ich nicht.“
Das ist etwas, was Gott in die Natur hineingelegt hat. Gott hat die Frau nicht so geschaffen, dass sie jeden Tag im Monat schwanger werden kann, sondern nur an wenigen Tagen.
Daran sieht man, dass Gott die Möglichkeit geschaffen hat, zusammen als Ehepaar zu schlafen. Aber es gibt keinen Automatismus, dass dadurch sofort jedes Mal Kinder entstehen.
Wie macht man das? Es gibt ja Verhütungsmittel. Das ist ein kontroverses Thema unter Christen. Manchmal wird es totgeschwiegen oder darüber gestritten.
Ich halte es zu Recht für ein heikles Thema, weil es manchmal missbraucht wird. Manche sagen: „Ich will jede Möglichkeit für Kinder generell ausschalten.“ Das finde ich ethisch problematisch.
Es gibt auch Verhütungsmethoden, die nicht verhindern, dass ein Kind entsteht, sondern das schon entstandene Leben töten. Ein typisches Beispiel ist die Pille danach.
Das heißt, „danach“ bedeutet, du hast mit jemandem geschlafen, jetzt ist schon ein Kind entstanden. In der frühesten Phase nimmst du ein Medikament, das eine Frühabtreibung bewirkt.
Als Christ finde ich das problematisch, weil du hier ein schon entstandenes Leben tötst.
Es gibt auch andere Methoden, die als Verhütungsmittel beworben werden, die eigentlich nicht verhindern, dass ein Kind entsteht – das wäre Verhütung –, sondern verhindern, dass das Kind sich weiterentwickelt.
Das finde ich als Christ schwierig, weil für mich Leben von Anfang an beginnt, da, wo Ei und Samenzelle sich verbinden. Dann ist das der Beginn des ersten menschlichen Lebens.
Es ist nur eine Frage, ob ich die Entwicklung zulasse. Normalerweise entsteht dann ein Kind. Oder ich zerstöre dieses lebendige Wesen, das eine neue Individualität mit eigenem Erbgut ist.
Das würde ich als Christ ablehnen.
Aber das gilt nicht für jede Verhütungsmethode. Es gibt Methoden, die einfach verhindern, dass eine Frau schwanger wird.
Wenn es gute Gründe gibt – nehmen wir an, deine Frau ist medizinisch so eingeschränkt, dass sie bei einer Schwangerschaft sterben würde –, dann würde ich es als legitim ansehen.
Ich würde es als Mann nicht verstehen, zu sagen: „Och, schlafen wir einfach zusammen, ist egal, wenn meine Frau stirbt.“ Als Frau wäre ich da auch beleidigt.
Solche Fälle gibt es.
Oder es gibt Gründe, bei denen man merkt, ein Kind ist gerade sehr anstrengend, weil es dreimal in der Nacht wach wird und man nicht mehr richtig schlafen kann.
Dann halte ich es für legitim, eine gewisse Ruhepause einzulegen, um sich zu erholen und neue Kräfte zu sammeln.
Man kann dann durchaus zu Verhütungsmethoden greifen, die nicht abtreibend wirken und nicht das Ziel haben, generell jede Schwangerschaft zu verhindern.
Aber das ist natürlich eine Gewissensfrage.
Jedes Paar müsste beten und sich von Gott zeigen lassen, ob das noch tragbar ist oder nicht.
In der Bibel gibt es keine ganz deutliche Aussage dazu. Es gibt die Aussage: Sei offen für Kinder, sehe Kinder als etwas Positives, als Geschenk Gottes – das hast du ja auch vorgelesen.
Aber ich würde sagen, es gibt eine gewisse Bandbreite. So ähnlich wie Paulus sagt: Der eine isst jetzt Götzenopferfleisch, der andere nicht.
Es gibt auch die Frage, wie genau man damit umgeht. Mache ich mehr, indem ich sage: „Ich schlafe halt nicht zusammen“? Das ist eine Möglichkeit.
Oder greife ich zu gewissen Verhütungsmethoden?
Die Eckpunkte sind, glaube ich, ganz klar: Zusammen schlafen gehört zu einer Ehe dazu, Kinder gehören auch dazu, wenn Gott sie schenkt.
Wenn Gott sagt, es gibt keine Kinder, dann ist das so. Man könnte noch darüber sprechen, was man dann unternehmen kann. Aber generell ist es keine Forderung.
In diesem Rahmen kann man darüber nachdenken, im Interesse der Familie, der Ehefrau und der anderen Kinder, wie man weitermacht.
Wahrscheinlich ist es gut, als Ehepaar darüber zu reden, gemeinsam zu beten, sich genau zu informieren, was möglich und realistisch ist.
Man sollte ehrlich zu sich sein und sagen: „Ja, wir wollen offen sein, wenn Gott es gibt, aber wir berücksichtigen auch andere Faktoren.“
Dann kann man entscheiden, ob es jetzt dran ist oder nicht.
Danke dir, Michael, dass du uns diese Fragen beantwortet hast.
Ich denke, das ist auf jeden Fall ein spannendes Thema, nicht nur für Leute, die schon verheiratet sind, sondern auch für diejenigen, die noch heiraten werden.
Wir haben einige Fragen aufgegriffen und beantwortet.
Ich hoffe, das hat zum Nachdenken angeregt und vielleicht brennende Fragen beantwortet.
Ich freue mich schon, dich das nächste Mal wiederzusehen.
Schön, dass du heute dabei warst.
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Wir wünschen dir noch eine gesegnete Woche mit den Worten aus Kolosser 3,17:
„Und was immer ihr tut, in Wort oder Werk, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott dem Vater durch ihn.“