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Der Gesegnete des HERRN

Joseph – Teil 3 (1. Mose 37,36-39,6)
21.02.2024
SerieTeil 3 / 23Joseph - Durch Leiden zur Herrlichkeit
Joseph wird nach Ägypten gebracht und kommt als Sklave in das Haus Potiphars. Aber Gott ist auch dort mit ihm und er darf Gelingen in seiner Arbeit haben.

Einleitung und Rückblick auf die bisherigen Parallelen

Guten Abend, ich möchte alle herzlich begrüßen.
Wir kommen zur dritten Folge über das Leben von Joseph. Die beiden letzten Male haben wir in 1. Mose 37 ab Vers 1 bis Vers 35 betrachtet. Dabei haben wir gesehen, dass es im Leben Josephs allein in diesen Versen, wie man sieht, auf dem Skript, das ich ausgeteilt habe, wenigstens 33 Parallelen auf den Messias Jesus hin gibt.
Für die, die über den Livestream zugeschaltet sind: Sie können unten in der Videobeschreibung über den Link das Skript herunterladen. Auf dem Skript sind jetzt alle Parallelen zusammengefasst, also auch die von Teil 1 und Teil 2.
Bei Teil 1 allein, in 1. Mose 37,2-11, sind wir auf 17 Parallelen gekommen. Und ich will ganz bewusst keinen Anspruch erheben, bei dieser Zusammenstellung vollständig zu sein. Das muss man nicht, weil man manche Punkte so oder so zählen kann oder ein wenig anders. Vielleicht wird man noch sehen, womit das alles zusammenhängt. Es geht einfach darum, dass man grundsätzlich diese Parallelen sehen kann.
Bevor wir nun den Text lesen, der heute in 1. Mose drankommt, möchte ich kurz durchgehend zusammenfassen, was wir letztes Mal betrachtet haben.
Also, Punkt 18 auf dem Blatt: Der Vater Jakob sendet den Sohn Joseph. Das, was in 1. Mose 37 beschrieben wird, eigentlich ab Vers 12, 13 und 14, findet seine Parallele im Neuen Testament in 1. Johannes 4,9. Dort heißt es, dass der Vater den Sohn in die Welt gesandt hat als Retter.
Dann Punkt 19: Der Sohn war bereit zu gehen. Wir haben gesehen, dass Joseph in Vers 14 sagt: Hier bin ich, als der Vater ihn ruft. Dann gibt er ihm den Auftrag in Vers 14, und Joseph ist bereit zu gehen. Ganz gleich wie im Neuen Testament in Philipper 2,5 beschrieben wird: Jesus war Gott von Ewigkeit her, dem Vater und seiner Gottheit gleich, aber er hat sich selbst erniedrigt, ist Knecht geworden und Mensch geworden. Er hat diese Stellung des Gehorsams eingenommen, wie wir sie hier bei Joseph sehen. Der Sohn war bereit zu gehen.

Die ersten Stationen des Weges

Punkt zwanzig: Der Auftrag, den Joseph bekam, war, nach dem Wohlergehen der Hirten, seiner Brüder, zu sehen und nach dem Wohlergehen der Herde.
Und im Neuen Testament haben wir gesehen, dass der Herr Jesus in diese Welt kam. Ich habe verschiedene Stellen aus den Evangelien hinzugefügt; man könnte noch viele mehr anführen. Es geht einfach darum, dass man etwas in der Hand hat. Der Jesus hat sich mit den Führern des Volkes Gottes beschäftigt, mit den Hirten damals über Israel, aber auch mit dem Volk im Allgemeinen, also mit der Herde, und hat nach ihrem Wohl gesehen.
Joseph war im Tal Hebron, was Gemeinschaft bedeutet. Er war beim Vater und ging dann aus zu seinen Brüdern. Und so zeigt zweitens das Neue Testament, dass der Jesus in der Gemeinschaft mit dem Vater von Ewigkeit her war und in diese Welt kam, wie Johannes 16,28 sagt: Ich bin von dem Vater ausgegangen und in die Welt gekommen.
Und weiter, Punkt 22: Joseph suchte seine Brüder. Er ging nach Sichem und suchte sie überall. Und der Jesus sagt im Neuen Testament, dass er gekommen ist, das Verlorene zu suchen, Lukas 19,10.
Dann, Punkt 23: Schließlich kam er nach Dothan, wo die Brüder waren und ihre Herde. Da beschlossen seine Brüder, ihn umzubringen. Und wir haben letztes Mal gesehen, dass in Markus 3,6 die Führer des Volkes Israel zum ersten Mal einen Mordanschlag gegen den Herrn Jesus beschlossen. Das war nach einem Jahr öffentlichem Dienst, und das hat sich dann wiederholt und fortgesetzt.
Weiter haben wir gesehen: Die Brüder haben den Propheten Joseph verspottet. Sie haben ihn also geschnappt und gesagt, als sie ihn da sahen: Was wird nun werden aus seinen Träumen? Er hatte geträumt, dass er einmal über seine Brüder herrschen würde, und jetzt werden wir sehen, was aus seinen Träumen wird. Da haben sie ihn als Propheten verspottet.
Und wir haben gesehen, dass im Neuen Testament das Gleiche geschieht. In Lukas 22,64 hat man dem Herrn Jesus die Augen verhüllt und Ihn geschlagen. Da wurde aufgesagt: Weissage! Also: Als Prophet enthülle das Verborgene. Wer war es, der dich schlug? Da haben sie Ihn, den Propheten nach 5. Mose 18,15, verspottet.

Verwerfung, Rettung und erste Demütigungen

Aber dann haben wir gesehen, dass Ruben sich einsetzte, um Josef zu retten. Und so gab es eben auch Führer, die sich dafür eingesetzt haben, den Herrn Jesus zu retten. Das war zum Beispiel Nikodemus, einer der Obersten, einer vom höchsten Gerichtshof, dem Sanhedrin. Johannes 7,45-52.
Punkt 26: Die Brüder zogen Josef das besondere Kleid aus. Das war die erste Demütigung. Als er angekommen war, gingen sie ihn sofort an, und dieses kostbare Kleid, das ausdrückte, dass er der Erstgeborene war, zogen sie ihm gleich aus. Und in Johannes 19,23 lesen wir, wie die Feinde dem Herrn Jesus dieses besondere Kleid, das ohne Naht von oben bis unten durchweg gewebt war, ausgezogen haben.
Josef kam in die Grube, diese ausgetrocknete Wassergrube, und das heißt auf Hebräisch Bor. Und in Psalm 88,7 spricht der Herr Jesus, der Messias, am Kreuz über seine Leiden am Kreuz und dann schließlich über sein Grab und nennt das: „Ich bin in die tiefste Grube gekommen.“ Bor ist dasselbe Wort.
Punkt 28: Die Brüder genossen nach der Verwerfung ihres Bruders das Essen. Und die führenden Priester, das sehen wir aus Johannes 19,23, waren bereit, nach dem Prozess vor Pilatus das besondere Friedensopfer in der Passawoche zu essen, das man auch Pessach, auch Passa, nannte. Das war nicht das Passalam vom Vorabend, sondern ein spezielles Opfer für die führenden Priester, das sie essen durften.
Punkt 29: Juda wollte Josef für Silberlinge, für zwanzig Silberlinge, verkaufen. Und Judas, das ist einfach die griechische Aussprache von Juda, also derselbe Name. In Israel hat man damals Judas Jehudah genannt, genau so wie sein Bruder Juda. Und Judas wollte den Herrn Jesus für Silberlinge verkaufen. 30 Silberlinge im Neuen Testament, 20 zur Zeit von Josef, und das hängt unter anderem mit einem anderen Grund zusammen, den wir letztes Mal besprochen haben. Ich wiederhole ihn nicht mehr. Aber ein Grund war die Inflation. Quasi verkauften sie den Sklaven für 20 Silberlinge, und der Herr Jesus sollte quasi den Preis eines Sklaven bekommen. Und zwar nach dem Gesetz eines toten Sklaven. Die Haftpflicht war 30 Silberlinge bei einem Unfall, und für 30 Silberlinge. Aber die Entsprechung ist durch die Inflation, also die Wertverminderung, erklärbar.
Punkt 30: Ruben war verzweifelt bei der leeren Grube, weil Josef nicht mehr da war. Er hatte nicht mitbekommen, dass Josef in der Zwischenzeit aus der Grube geholt worden war. Er ging zurück und war völlig, völlig am Ende. Und im Neuen Testament haben wir eine schöne Parallele: Maria Magdalena war beim leeren Grab des Herrn Jesus völlig verzweifelt, weil sein Leib nicht mehr im Grab war.

Das Leiden des Vaters und die Tiefe von 1. Mose 22

31 Das angebliche Blut Josephs wurde zu Vater Jakob gebracht. Und Hebräer 9,12 und 24 machen deutlich, dass der Herr Jesus mit seinem eigenen Blut in den Himmel eingegangen ist, um vor Gott, dem Vater, im Allerheiligsten bei der himmlischen Bundeslade mit seinem Blut für uns zu erscheinen.
Jakob zerriss wegen Josephs angeblichem Tod seine Kleider im tiefsten Schmerz. Und der Vater, der himmlische Vater, zerriss den Scheidevorhang in dem Moment, als der Herr Jesus am Kreuz starb. Und schließlich litt Vater Jakob unsäglich wegen Josefs Leiden. Und so war es auch: Der Vater, der himmlische Vater, litt wegen der Leiden seines Sohnes.
In Römer 8,32 heißt es: „Er, der seines eigenen Sohnes nicht geschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat, wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“ Und diese Worte, die Paulus hier gebraucht, sind nach 1. Mose 22,12 gewählt. Das sieht man in der griechischen Übersetzung der Septuaginta, die ja oft im Neuen Testament zitiert wird.
Dort heißt es in 1. Mose 22,12, dass Gott, der Engel des Herrn, der Sohn Gottes, zu Abraham spricht und sagt, er solle seinen Sohn verschonen. Er sagt auch, dass er gesehen habe, dass Abraham bereit war, seinen Sohn nicht zu verschonen. Der hebräische Ausdruck bedeutet eben „nicht vorenthalten“ oder „nicht verschonen“. Die Septuaginta hat „nicht verschonen“. Das ist genau der Ausdruck in Römer 8 von Gott dem Vater: „Er, der seines eigenen Sohnes nicht geschont, sondern ihn für uns alle hingegeben hat.“
Und diese Parallele mit 1. Mose 22: Das war ja, man kann sich das nicht vorstellen, wirklich wohl die größte Katastrophe im Leben von Abraham. Fünfundzwanzig Jahre hatte er auf ein Kind gewartet. Das war ein so tiefer Wunsch. Und es wurde ihm durch all die Jahre verwehrt. Schließlich wurde Isaak geboren. Und dann kommt dieser Befehl: „Bringen wir als Opfer da.“ Abraham war am Boden zerstört.
Das sollte aber ausdrücken und uns zeigen, was das für Gott, den Vater, war, seinen Sohn einfach herzugeben für uns.

Übergang zur eigentlichen Josephsgeschichte

Ja, das wären diese Punkte. Und jetzt fahren wir weiter in 1. Mose 37,36. Ich werde dann nächstes Mal wieder im Rückblick die Punkte und die Parallelen auf den Messias hin so zusammenstellen.
Aber wir wollen ja nicht nur die Parallelen auf den Messias hin sehen. Das ist etwas Wunderbares, das man im Leben von Joseph so machen kann. Doch das ist nicht das Einzige. Die Geschichte Josefs ist aus verschiedenen Gründen für uns aufgeschrieben worden. Sie ist aber auch eine besondere Geschichte, um uns sehr viel über Hingabe und Treue Gott gegenüber zu lehren.
Und man muss sich einmal überlegen: Die Geschichte Josefs, 1. Mose 37 bis zum Schluss, Kapitel 50, ist länger als die Geschichte Abrahams, des Stammvaters Israels. Diese wird von 1. Mose 11 am Schluss bis Kapitel 25 beschrieben. Also ist Josefs Geschichte länger. Das hängt damit zusammen, dass er so ein wunderbares Bild, ein Schattenbild ist. Man sieht nur umrissartig Parallelen. Sie müssen auch nicht unbedingt genau gleich sein, aber es sind eben Schattenbilder auf Christus, auf den Messias hin. Und das, weil dieser Mann so treu war.
Ich frage mich das im Vergleich mit David. David war auch in so vielen Hinsichten eine solche Vorausabbildung auf den Erlöser hin. Und dann gibt es aber so viele Seiten in seiner Geschichte, die einfach schrecklich und dunkel sind. Da war überhaupt kein Hinweis auf den Herrn Jesus, im Gegenteil. Und das ist eben bei Joseph so anders.
Und warum war das bei David so, bei Joseph aber so? Das war Josephs Entscheidung. Und wir können nie sagen: Ja, das sind unsere Gene, und unsere Eltern sind schuld und so weiter. Nein, wir müssen uns ja jeden Tag entscheiden für die Nachfolge hinter dem Herrn her. Ja, und so ist eben Joseph einfach ein ermutigendes Beispiel, um uns anzuspornen, auch so den Weg zu gehen. Und das trotz all dieser Katastrophen in seinem Leben.
Ich möchte das gleich auch noch ein bisschen behandeln. Aber lesen wir zuerst ab Vers 36. Kapitel 37, Verse 36 bis 36, und dann Kapitel 39,1-2, bitte.

Der Weg nach Ägypten und der Beginn der neuen Situation

Und die Midianiter verkauften ihn nach Ägypten an Potiphar, einen Hofbeamten des Pharaos, den Obersten der Leibwache.
Dann kommt Kapitel 38. Aber das ist ein Einschub in die Josefs Geschichte. Da geht es um den schrecklichen Weg von Juda, der hier beschrieben wird. Wirklich so etwas Schreckliches, so etwas Furchtbares ist diese Geschichte. Man kann sagen, das ist der dunkle Hintergrund, auf dem dann Josef wie ein Edelstein umso brillanter leuchtet.
Ja, dann lassen wir das weg, weil wir ja die Josephsgeschichte anschauen, und gehen gleich zu Kapitel 39. Da lies doch vor die ersten zwei Verse mal.
Und Josef wurde nach Ägypten hinabgeführt. Und Potiphar, ein Hofbeamter des Pharaos, der Oberste der Leibwache, ein ägyptischer Mann, kaufte ihn aus der Hand der Ismaeliter, die ihn dort hinabgeführt hatten. Und der Herr war mit Josef, und er war ein Mann, dem alles gelang. Und er war im Haus seines Herrn, des Ägypters.

Die Grube, die Rettung und die Sicht des Siebzehnjährigen

Wir haben also gesehen: Joseph kam in diese schreckliche Grube in Dothan. Dothan heißt ja, auf Deutsch haben wir das letztes Mal übersetzt, schon alles wieder vergessen, Dothan, die Abkürzung von Dothain. Da habe ich den Dual erklärt, ein, wie? Zwei Brunnen, zwei Brunnen. Zwei Wasserbrunnen, ja, weil die in Dothan sehr nahe beieinander liegen. Und da gibt es noch weiter weg einen dritten Wasserbrunnen.
Aber wir haben gesehen: Ein Wasserbrunnen war eben trocken, und da wurde Joseph hinuntergeworfen. Das Ziel war, ihn so sterben zu lassen. Da ist es ein Bild der Leiden des Herrn und seines Todes.
Ruben hatte ja die Idee: Wir erschlagen ihn nicht, sondern wir werfen ihn da in den Wasserbrunnen hinunter. Und da hat er sich quasi auf die Seite seiner Brüder gestellt, die ihn umbringen wollen. Aber seine Absicht war, bei guter Gelegenheit dann Josef herauszuholen und ihn zu befreien. Aber er hatte nicht den Mut, hinzustehen und zu sagen: Nein, das geht gar nicht. Ja, machen wir, töten wir ihn so, und dann hole ich ihn noch vorher.
Aber es ist ein Bild eben vom Tod des Herrn Jesus. Und dann haben wir gesehen: Er wurde heraufgeholt aus der Grube. Und das war natürlich für Joseph etwas Gewaltiges. Der hatte gedacht: Jetzt ist mein Ende gekommen. Der sah wirklich als Siebzehnjähriger das Ende seines Lebens vor sich. Jetzt ist fertig. Und hat sich ganz bestimmt gefragt, das wird nicht gesagt: Und meine Träume? Einmal werde ich über meine Brüder, über die ganze Familie herrschen.
Jetzt ist es aus. Das hätte sein Glaubensleben zerbrechen können. Und nicht wahr, wir lesen die Josefsgeschichte immer vom Ende her, weil wir schon wissen, was am Schluss geschieht. Er wird sogar Herrscher im Ägyptenland und später auch über seine Brüder und rettet die ganze Familie. Aber wir müssen das aus der Perspektive eines Siebzehnjährigen sehen, der Joseph hieß, der solche Träume hatte, prophetische Träume, und jetzt war er da in der Grube. Jetzt ist er aus.
Und was für ein Moment: Er wurde raufgeholt. Ich überlebe. Und so ist es eben ein Hinweis auf die Auferstehung des Herrn Jesus. Das haben wir letztes Mal noch nicht angeschaut.

Die Karawane, Ägypten und die verborgene Führung Gottes

Und dann haben wir parallel gesehen, dass genau zu diesem Zeitpunkt eine Karawane kam, eine Karawane mit vielen Kamelen und Handelsleuten. Man kann heute sagen: arabische Handelsleute. Es waren Ismailiter, und Ismail war ja der Stammvater der arabischen Stämme, die im Norden des heutigen Saudi-Arabien gesiedelt haben. Und so kamen solche Ismailiter, und denen wurde er eben für zwanzig Silberlinge verkauft.
Und da sehen wir natürlich einen Hinweis darauf, wie der Herr Jesus selbst auch an die Heiden, die Römer, überliefert wurde, von seinen eigenen Brüdern. Die Volksgenossen Israels werden ja im Neuen Testament „Brüder“ genannt. In der Apostelgeschichte wird das Volk wiederholt mit „Brüder“ angesprochen. Also haben wir auch da solche schattenhaften Umrisse und Parallelen.
Aber jetzt wollen wir das alles einmal aus der Sicht von Josef anschauen. Wir haben gesehen, in 1. Mose 37,2 ist also noch einmal sein Rückblick: Er wuchs auf und war besonders bei den Söhnen von Bilha und von Silpa, das heißt also bei Dan, Naftali, Gad und Asser. Und das waren üble Kerle, und er hat sich nicht von denen beeinflussen lassen, obwohl das seine großen Brüder waren. Und wir haben gesehen, wie er sich da wirklich ganz klar von ihrem üblen Reden distanziert hat.
Und da sieht man eben: Woher kommt das? Dieser Josef unter so schlechten Umständen, also ein Kind, das so schlechte Vorbilder bei seinen Brüdern hat, und trotzdem geht er den richtigen Weg. Das war eine Entscheidung im Herzen.
Und dann haben wir gesehen, dass er prophetische Träume hatte. Sie waren am Garbenbinden, und die Garben seiner Brüder verneigten sich vor seiner Garbe. Ein Hinweis darauf, dass seine Brüder ihn einmal als Herrscher anerkennen und sich ihm unterwerfen werden. Und dann auch noch dieser zweite Traum: Sonne, Mond und elf Sterne beugten sich vor Josef nieder. Und man hat sofort verstanden, was das bedeutet. Auch Vater Jakob war ziemlich entsetzt. Was, mein Sohn? Also, das geht nicht, ich sage es mit meinen Worten. Also willst du doch nicht sagen, dass dein Vater und deine Mutter und deine Brüder sich vor dir verbeugen werden?
Aber wir haben gesehen: Irgendwie hat er gemerkt, da ist mehr drin, und hat das in seinem Herzen verwahrt.

Einsamkeit, Gehorsam und der Weg durch die Prüfungen

Aber jetzt muss man sich vorstellen: Er hat einen solchen prophetischen Traum und hat ihn seinen Brüdern erzählt, die ihn so hassten. Wir haben gelesen, dass sie ihm nicht einmal am Morgen Schalom sagen konnten. Und dann erzählte er ihnen den Traum trotzdem, weil er wusste: Ich muss das als Botschaft vom Herrn weitergeben. Dadurch hassten sie ihn noch mehr.
Aber man sieht, wie einsam er war, und das in einer Grossfamilie. Das gibt es. Alle sind auf einem anderen Weg. Aber er hat sich dadurch nicht entmutigen lassen. Als er diesen zweiten Traum hatte, mit Sonne, Mond und elf Sternen, erzählte er ihn wieder seinen Brüdern. Und auch da hassten sie ihn.
Und er erlebte noch mehr: Sein Vater, der ihn wirklich liebte, war sozusagen noch sein Rückgrat, menschlich gesehen. Doch selbst der sagte: Das geht gar nicht. Es war also noch einsamer in der grossen Familie. Nicht einmal der Vater steht zu ihm.
Dann haben wir gesehen: Schliesslich sagt Vater Jakob zu Josef, er solle nach dem Wohl seiner Brüder und der Herde sehen. Was hätten wir in seiner Situation innerlich empfunden? Also: Vater, das geht leider nicht. Sie sagen mir nicht einmal am Morgen Schalom. Und jetzt soll ich zu denen gehen? Die werden mich ja vielleicht noch umbringen.
Nein, er ist bereit. Er geht. Unglaublich, welche Überzeugung er hatte: Das mache ich. Und dann kommt er dort an. Das Erste, was sie machen: Das Kleid ist weg, ausgezogen. Und dann werfen sie ihn in die Grube. Da sagt man sich: Wahrscheinlich hätte ich doch auf all die Warnlichter hören müssen.
Alle Brüder haben es anders gesehen, und auch sein Vater hat es anders gesehen. Und ich habe die Überzeugung: Das ist mein Weg. Jetzt bin ich in der Grube, aber der Glaube ist nicht zusammengebrochen.
Schliesslich kam er aus der Grube heraus und wurde verkauft. Aber was kann er sich da überlegt haben, als er mit der Karawane hinunterging, aus dem Land Kanaan durch die Sinai-Wüste? Eine sehr gefährliche Wüste, wenn man nicht mit Spezialisten unterwegs war, also mit Leuten, die den Weg kannten, und dann nach Ägypten. Dort wird er verkauft, an Potiphar, das heisst: dem Gott, dem Sonnengott Ra geweiht.
Und jetzt: Was ist mit meinen Träumen? Hätte ich vielleicht doch ein bisschen demütiger sein müssen? Da darfst du denken: Es ist eben richtig so. Niemand in der Familie versteht ihn. Und er geht seinen Weg.

Aufstieg im Haus Potiphars und die nächste Prüfung

Und jetzt werden wir sehen, in Kapitel 39, dass er in dem Haus als Sklave von Potiphar ist und ihm alles gelingt. Und dieser Herr ist ihm gegenüber ein guter Herr, und er lässt ihn aufsteigen, aufsteigen, aufsteigen, bis er schließlich der Mächtigste im Haus ist, als Sklave, direkt nach dem Herrn.
Alles kann er bestimmen, also nicht gerade, was Potiphar aß. Das wird deutlich gesagt. Da hat er schon noch selbst geschaut, was er da auf dem Tisch isst, und natürlich auch seine Frau. Die hat er auch nicht, ja, hoffentlich auch nicht. Aber es war so. Es wird, wie wir dann sehen werden, gesagt: Der Herr war mit ihm und hat ihm alles gelingen lassen.
Was für ein Wechselbad! Ich meine, er ist treu dem Herrn gegenüber, in der Familie, macht beim bösen Reden nicht mit und so weiter. Und dann schlussendlich kommt er da in die Wassergrube. Ist das jetzt der Erfolg, wenn man ein treues Leben geht? Aber schliesslich geht es plötzlich wieder hoch. Er kommt aus der Grube heraus, sein Leben wird gerettet, der Herr ist mit mir. Und dann geht es nach Ägypten hinunter und wird als Sklave verkauft, wieder alles unten. Aber dann die Erfahrung: Der Herr ist mit mir, und ich steige auf, quasi in dem Haus von diesem hohen Beamten des Pharao.
Ja, und dann werden wir aber sehen: Eines Tages möchte die Frau von Potiphar ihn verführen, und er weigert sich. Er weigert sich so, dass er als Dank dafür schliesslich so schmutzig verleumdet wird von Potiphars Frau, dass Potiphar so einen Zorn bekommt auf Joseph, dass er ihn umbringt. Nein, dass er ihn ins Gefängnis steckt. Er hätte ihn natürlich umbringen können. Aber er kam ins Gefängnis, und jetzt muss er sich sagen: Jetzt hat mir der Herr wieder so geholfen, so hoch unten, im Knast in Ägypten. Also dieses Wechselbad.
Da hätte man sagen können: Was ist der Sinn? Und was ist mit meinen Träumen? Und dann werden wir sehen, so ein bisschen vorausschauend: Er hat im Gefängnis so einen Erfolg, dass der oberste Wächter des Gefängnisses ihn aufsteigen lässt. Er wird der Chef im Gefängnis. Also wieder: Der Herr ist mit mir und er hilft mir.
Ja, und dann kommen zwei in den Knast, ein Bäcker und ein Mundschenk des Pharao. Die haben Träume. Er als Prophet kann sie deuten und deutet, dass der eine umkommen wird, unter anderem der Mundschenk frei werden wird, und sagt ihm: Denk an mich, wenn du dann vor dem Pharao stehst. Das war seine Hoffnung, nach wenigstens zwei Jahren im Gefängnis. Das waren nicht ein paar Wochen, also wenigstens zwei Jahre. Und dann die Hoffnung: Jetzt wird er frei, und dann wird meiner gedacht, und dann komme ich raus.
Und die Bibel sagt in Kapitel 40: Er vergaß ihn. Und die Knastzeit geht eben weiter, insgesamt wenigstens zwei Jahre. Und dann hat der Pharao einen Traum, niemand kann ihn deuten. Da kommt dem Mundschenk die Idee: Ich kenne einen im Knast, der kann Träume deuten. Das ist ein richtiger Prophet. Und so kommt Joseph aus dem Gefängnis heraus und wird schliesslich Herrscher über Ägyptenland, direkt nach dem Pharao.
Seine Träume gehen in Richtung Erfüllung, aber es braucht dann noch eine Zeit, bis schliesslich seine Brüder nach Ägypten kommen und sich tatsächlich vor ihm verneigen. Und die wussten nicht, dass er Joseph, ihr Bruder, war, aber sie verneigen sich vor dem Herrscher, weil sie Korn kaufen wollten. Was muss in dem Mann vorgegangen sein? Meine Träume sind in Erfüllung gegangen.
Aber dieses Auf und Ab, und trotzdem ist er in seinem Sich-auf-den-Herrn-Stützen nicht zerbrochen, hat nie aufgehört. Und das ist schon etwas. Das erzählen wir von dem praktischen Nutzen der Josefs-Geschichte, was wirklich beeindruckend und mutmachend ist.

Die geistliche Linie hinter den Ereignissen

Und warum war das so bei ihm? Bei David haben wir ja diese dunklen Seiten im Leben gesehen, weil er sich entschieden hat, dem Herrn nachzufolgen.
Es ist so: Wir müssen uns eigentlich jeden Tag neu entscheiden. Nicht uns neu bekehren – richtig bekehren muss man sich einmal –, aber immer wieder neu entscheiden: Herr Jesus, auch heute möchte ich dir nachfolgen. Ich möchte dich erfreuen und ich möchte in deinen Fußstapfen vorwärtsgehen. Es ist eine tägliche Entscheidung. Und so war es eben auch bei Joseph.
Ja, jetzt haben wir gesehen: Einerseits die Grube. Er kommt in die Grube, kommt wieder heraus – ein Bild von Tod und Auferstehung Christi. Und jetzt ist es so, dass eigentlich das mit dem Gefängnis in Ägypten, wo er ins Gefängnis kommt und unter die Gesetzlosen gerechnet wird, ebenfalls ein Bild ist. Im Gefängnis sind schließlich der Mundschenk und der Bäcker: Der eine kommt aus dem Gefängnis heraus, und der andere wird eben gerichtet, wie der Herr Jesus am Kreuz.
Ja, wie sollen wir das jetzt als Schattenbild deuten? Nicht wahr? Kolosser 2 sagt, dass die alttestamentlichen Dinge ein Schatten auf Christus sind. Und ein Schatten ist eben nur umrissartig; das ist nicht dasselbe wie Prophetie. Wenn es um Prophetie auf den Messias geht, dann sind das ganz direkte, klare, eindeutige Aussagen auf den Messias hin. Aber die Bilder sind so umrissartige Andeutungen.
Und es ist eben so: Auch das Gefängnis ist ein Bild vom Tod und von der Auferstehung des Herrn Jesus. Und der Herr Jesus wurde auch unter die Gesetzlosen gerechnet. Der eine Mitgekreuzigte ging verloren, und der andere wurde errettet.
Also können wir sagen: Was wir bis jetzt angeschaut haben, ist wie ein Panorama. Es ist ein Hinweis auf den Messias und seinen Tod und seine Auferstehung, auf seine Verwerfung durch seine eigenen Brüder und auf die Überlieferung an die Heiden.
Und jetzt beginnt quasi das Ganze noch einmal parallel von vorne. Joseph kommt nach Ägypten, wird nach Ägypten gebracht. Und in Matthäus 2,14-15 sehen wir, wie Jesus, das Kind Jesus, nach Ägypten gebracht wird. Also: Joseph geht nach Ägypten, der Messias geht nach Ägypten.
Und zwar ging Joseph nach Ägypten und wurde dadurch eigentlich vor dem Tod gerettet. Er verendete nicht in der Grube, sondern wurde herausgeholt. Und dadurch, dass er nach Ägypten kam, überlebte er. Der Siebzehnjährige konnte weiterleben. Es geht weiter.
Und Joseph wurde ein Knecht. In Philipper 2,5 sehen wir, wie der Herr Jesus sich entschieden hat, sich selbst zu erniedrigen. Er wurde Knecht, er wurde Mensch und war treu bis zum Tod.
Dann haben wir auch eine schöne Parallele: Joseph geht nach Ägypten, Joseph als Knecht.

Der Einschub über Judah und die Linie des Kontrasts

Dann kommt eben diese traurige Zwischengeschichte mit Judah. Wenn man das für sich einmal liest, komme ich vielleicht später nochmals auf dieses Kapitel 38 zurück, auf gewisse Details, auch auf die Geburt von Peretz, wie er da auf die Welt kam und die Hand aus dem Mutterleib streckte. Aber später einmal.
Was jetzt wichtig ist: Warum ist dieses Kapitel 38 eingeschoben? Judah heiratet eine Kananiterin, eine Götzendienerin. Er handelt also völlig gegen Gottes Willen. Denn heiraten war für ihn wichtiger als der Weg mit Gott. Joseph dagegen war bereit, als junger Mann den Weg der Ehelosigkeit zu gehen. Er kam als Sklave nach Ägypten und kam ins Gefängnis. Und wie alt war er, als er schliesslich aus dem Gefängnis herauskommt? Wie? Dreissig.
Diese 13 Jahre, von 17 bis 30, sind eigentlich verlorene Jahre. Später hat er aber in Ägypten geheiratet. Doch das war nicht das erste Ziel in seinem Leben, und der Herr hat dann schon gesorgt. Aber das hätte er sich in diesen Krisen alles nicht vorstellen können. Er musste es einfach dem Herrn überlassen, aber er sah nicht weiter, wie man in der Nacht sieht. Vielleicht noch die nächsten Schritte, aber nicht in die Weite.
Und dann muss man noch Folgendes sehen: Judah heiratet eben ganz anders eine Kananiterin, und dann wird von seinen beiden Söhnen Ger und Onan gesprochen, und auch von Schäler. Zwei der Söhne müssen frühzeitig sterben, weil sie so böse waren, und Gott hat eingegriffen. Also dieses Leben von Judah ist gekennzeichnet vom Götzendienst, von der Heirat einer Götzendienerin. Dann kommen zwei böse Söhne, der Tod über seine Familie, und schliesslich verliert er auch diese Götzendienerin und wird Witwer, ehelos.
Ihm war das Thema so wichtig, dass er bereit war, Unzucht zu begehen, Hurerei. Und später stellt sich heraus, dass er sich da nicht so im Klaren war, wer die Hure war. Es war seine Schwiegertochter, die ein Versprechen gemacht hatte, das sie dann einfach brutal gebrochen hat. Und dann sehen wir die Doppelmoral, wie er die Schwiegertochter verurteilt. Aber selber hat er sich ja genauso schuldig gemacht. Also wirklich üble Doppelmoral.
Und wovon spricht das? Nun, nach der Verwerfung des Messias. Was ist mit Judah, dem jüdischen Volk, geschehen? Es ist einen Weg gegangen ohne Messias. 2000 Jahre, die von Tod und eben vom Verlust der Gemeinschaft mit dem Herrn geprägt waren. Also es geht ganz parallel.

Gottes Führung im Verborgenen und die Bedeutung der scheinbaren Widersprüche

Nun sehen wir an diesem Kontrast, wie Joseph geführt wird. Es ging ihm nicht einfach darum: Um jeden Preis muss ich heiraten. Sondern: Für den Herrn soll es gut sein. Aber so kam es, und schliesslich stand der Herr zu ihm und hat sein Leben wunderbar bis zum Schluss geführt.
Ja, was ich noch betonen möchte, ist Folgendes: Wenn man die Geschichte Josephs liest, dann nicht nur aus der Sicht des Siebzehnjährigen und dann des Achtzehn-, Neunzehn-, Zwanzigjährigen und so weiter bis zum Dreissigjährigen, als er dann aus dem Gefängnis kam, sondern mit dem Blick auf Gott, der alles in der Hand hat.
Wir haben doch am Anfang dieses schöne Lied: „Meine Zeit sind in deiner Hand“, Psalm 31, wo David sagt: Meine Zeiten, oder im Hebräischen auch meine Geschicke, sind in deiner Hand. Der Herr hat alles, alle Fäden, in seiner Hand. Und wir sehen oft eben nur den Teppich von unten, mit all den Fäden und Verknotungen, die von unten her keinen Sinn machen. Wir sehen das Muster oben nicht. Das werden wir erst später sehen. Wir brauchen Geduld, bis wir das Muster sehen. Im ganzen Leben.
Aber da hat Joseph den Auftrag, er muss nach Sichem gehen, um nach seinen Brüdern zu sehen. Und er findet sie dort nicht. Sie sind nach Dothan gegangen. Das hat der Herr so geführt. In Sichem hätte es auch einen Brunnen gegeben. Welchen? Ja, den Jakobsbrunnen, Johannes 4, am Fuss des Berges des Segens, des Garizim. Und der ist ziemlich tief. Wenn man dort einen Stein hineinwirft, nein, ein Stein ist nicht gut, ein Becher mit Wasser, wow, der ist echt tief. Und das, was jetzt ist, ist nicht das Original. Der ist nämlich in den vergangenen zweitausend Jahren ziemlich mit Schutt gefüllt worden. Darum hat man gesagt: keinen Stein hineinwerfen. Aber der war noch tiefer.
Wäre das eben in Sichem geschehen, dann wäre er dort hineingekommen und gestorben. Aber der Herr hat das so geführt. Die Brüder mussten weitergehen nach Dothan, wo es zwei Wasserbrunnen beieinander gab. Und einer war trocken. So hat er überlebt.
Und dann: Warum wurde er überhaupt herausgeholt? Ja, das war nicht, weil Ruben es geschafft hätte, ihn zu retten. Da hätten die anderen Brüder schon Widerstand geleistet. Ruben hat ja nicht gut aufgepasst, darum war er dann schliesslich ganz entsetzt, als die Grube leer war. Er hat nicht genügend aufgepasst.
Aber dann kommt diese Karawane. Ja, die kommt nicht jeden Tag vorbei. Sie waren gerade aus Gilead, also auf der jordanischen Seite, da nahe vom See Genezareth, heruntergekommen und dann eben in Dothan vorbeigekommen. Und da kommt Juda auf die Idee: Ah, wir könnten Geld machen. Es geht uns nur darum, dass Joseph weg ist. Der kleine Junge muss weg, er stört uns. Ob er stirbt oder ob er Sklave wird, das ist uns egal, aber wenigstens weit weg.
Und das hat ihm das Leben gerettet, dass er verkauft werden konnte. Also hat der Herr dafür gesorgt, dass die Karawane genau zu diesem Zeitpunkt vorbeikam. Und aus dieser Perspektive sehen wir es.

Potiphar, moralische Werte und die nächste Stufe der Bewährung

Und dann hätte er ja irgendeinem üblen Kerl in Ägypten verkauft werden können, aber er wurde Potifar verkauft. Und der Mann hatte, obwohl er ein Götzendiener war, moralische Werte. Das habe ich auch so eindrücklich erlebt in Indien. Menschen, die ganz viele Götter verehren und wirklich in der Dunkelheit sind, haben in ganz vielen Dingen klare moralische Vorstellungen.
Ich habe in Indien gelernt, dass die Leute, die allgemeinen Inder, total geschockt sind, wenn sie sehen, dass in Europa Mann und Frau zusammenleben, ohne verheiratet zu sein. Sie haben keine Bibel, aber sie wissen: Man muss doch verheiratet sein. Das wissen sie sogar im Heidentum. Und noch viele andere Dinge schockieren sie. Die Europäer haben ja keine Werte und keine Überzeugungen für Ethik und Moral. In Indien ist das ganz anders.
So hatte auch Potifar wirklich Werte, und da konnte Joseph so schön aufsteigen. Und er sah, dass der Herr, also der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, mit diesem jungen Mann war. Darum hat er ihm so Gelingen gegeben. Also auch, wie der Herr das geführt hat, genau über Potifar.
Aber dann kam diese üble Frau. Und das hat gezeigt, wie Joseph bereit war, dieser Versuchung zu widerstehen. Jetzt ist die Chance, ich konnte nie heiraten, aber jetzt habe ich wenigstens eine Frau, und zwar eben die Frau von diesem hohen Beamten in Ägypten. Er hat sich ganz klar entschieden: Das geht nicht. Das hat ihn wieder runtergebracht ins Gefängnis. Aber auch dort war der Oberste des Gefängnisses genau so einer, der sah, wie Joseph von seinem Gott gesegnet war, und er ließ ihn aufsteigen.
Und dass dann eben genau diese zwei, der Bäcker und der Mundschenk, auch ins Gefängnis kamen und dass dadurch der eine frei wurde und sich später, aber viel später, erinnerte, und da kam er raus, sehen wir: Überall hat der Herr geführt und die Fäden in der Hand gehabt. Aber im Moment stellen wir uns vor, wenn ich Joseph hätte beraten müssen: Alle meine Träume sind am Boden. Was soll ich machen? Und warum hat der Herr mir da jetzt nicht geholfen? Du, ich weiß es auch nicht. Aber weißt du, der Herr wird dir da raushelfen. Aber da in der Grube? Ja, der Herr wird dir raushelfen. Und dann später, jetzt im Gefängnis: Der Herr hat einen Plan mit dir, er wird dich rausholen. Aber wie? Und dann die große Chance durch den Mundschenk, der ihn vergisst. So eine Frustration.
Ja, aber eben: Diese Geschichte ist uns gegeben, um zu zeigen, wie Gott führt und wie man im Moment das Ziel nicht sieht, aber dass man sich trotzdem dem Herrn ganz zur Verfügung stellt und weiß: Er hat alle Fäden in der Hand. Und später werde ich einmal den Teppich von oben sehen und dann nur noch anbeten für die Treue des Herrn. Und so ist das in der Josefs Geschichte. Jetzt habe ich ein bisschen vorausgegriffen, aber wir werden viele Perlen noch sammeln in den kommenden Kapiteln.

Rückkehr zum Text und die Deutung von Psalm 1

Jetzt haben wir aber noch ein bisschen Zeit. Liest du weiter, Jerry? 39,1 und 2 haben wir gelesen, aber lies doch nochmals ab Vers 1 bis 6.
Und Joseph wurde nach Ägypten hinabgeführt. Potiphar, ein Hofbeamter des Pharaos, der Oberste der Leibwache, ein ägyptischer Mann, kaufte ihn aus der Hand der Ismaeliter, die ihn dorthin hinabgeführt hatten. Und der Herr war mit Joseph, und er war ein Mann, dem alles gelang. Er war im Haus seines Herrn, des Ägypters. Und sein Herr sah, dass der Herr mit ihm war und dass der Herr alles, was er tat, in seine Hand gelingen ließ. Und Joseph fand Gnade in seinen Augen und diente ihm. Und er bestellte ihn über sein Haus, und alles, was er hatte, gab er in seine Hand. Und es geschah, seitdem er ihn über sein Haus bestellt hatte und über alles, was er hatte, da segnete der Herr das Haus des Ägypters um Josephs willen. Und der Segen des Herrn war auf allem, was er hatte, im Haus und auf dem Feld. Und er überließ alles, was er hatte, der Hand Josefs und kümmerte sich um gar nichts bei ihm, außer um das Brot, das er aß. Und Josef war schön von Gestalt und schön von Aussehen.
Ja, danke. Aus der Hand von wem hat Potiphar Josef gekauft?
Der Ismaeliter.
Ja, also Nachkommen von Ismael. Aber Leute, die alles in Frage stellen, außer ihrem eigenen Wissen, die haben gesagt: Das ist doch ein Bibeltext voller Fehler, wie so die ganze Bibel. Ja, warum? Ja, schlagen wir doch nochmals Kapitel 37 auf. Da heißt es doch in Vers 28: Als nun die midianitischen Männer, die Kaufleute, vorüberkamen, da zogen und holten sie Josef aus der Grube herauf und verkauften Josef an die Ismaeliter für zwanzig Silberstücke, und sie brachten Josef nach Ägypten.
Ja, so, jetzt heißt es da in Vers 28 die midianitischen Männer, und dann heißt es Ismaeliter. Und jetzt in Kapitel 39 wieder Ismaeliter. Ja, was gilt jetzt mit Janiter? Das sind ja im Prinzip die Nachkommen von Lot, das waren die Moabiter und Ammoniter, ja, und die Ismaeliter, die stammen eben von Abraham ab, ja, über Hagar. Und die Midianiter, das sind Nachkommen von Ketura. Es war so: Abraham wurde Witwer, und dann hat er wieder geheiratet, Ketura, und die war viel jünger. Und zwar bekam er dann ganz viele Kinder. Und das haben wir in 1. Mose 25, und einer war eben Midian. Und von wem stammen die Midianiter ab?
Ja, also der Ausdruck ist hier ein Problem: midianitische Männer, waren es nun midianitische Männer oder waren es Ismaeliter? Und jetzt, Erklärung? Vielleicht können wir das zusammen angehen. Wo liegt Midian? Wo ist das Land Midian? Ja, es wird hier genannt. In 2. Mose 2,15 können wir kurz mal aufschlagen: das Land Midian. Liest du?
Und Mose floh vor dem Pharao und weilte im Land Midian.
Danke! Also, das Land Midian. Dort ging Mose hin, von Ägypten weg, und dort hat er eben Jethro, Reguel, angetroffen und hat dann eine Tochter geheiratet, die Zipporah. Und wo war das Land Midian? Ja, es ist so: Das Kernland von Midian, Länder, die sich in der Geschichte ausdehnen, wieder zurück, aber das Kernland ist auf der Ostseite des Roten Meeres, im Golf von Aqaba. Ja, und ganz oben da im Golf ist die Ortschaft Elad. Ja, und auf der anderen Seite, also auf der saudischen Seite, dort ist typischerweise das Land Midian. Aber weil das eben ein Wüstenvolk war, konnte das eben auch weitergehen bis in die Sinaiwüste hinein, dass man auch dort dann von Land Midian sprechen kann. Aber das Kernland von Midian, das ist wirklich auf der saudischen Seite.
Ein paar Brüder möchten, dass ich unbedingt dorthin gehe nächstes Jahr. Aber ich weiß noch nicht ganz. Ja, da wurde ich schon überredet, auf den Arad zu gehen, und jetzt soll ich nach Saudi-Arabien, aber eben ins Land Midian. Und das ist unwichtig. Nirgends heißt es das Land Ismael. Aber die Ismaeliter, wo haben die gesiedelt in der Geschichte? Haben wir heute schon gehabt? Ja, also im nördlichen Saudi-Arabien, gerade gegen die Südgrenze von Jordanien hin, das ist das typische Gebiet von Ismael. Und damit überschneidet sich das, weil das eben Beduinen waren, mit Midian. Also waren es Ismaeliter aus dem Land Midian. Und weil die eben aus dem Land Midian waren, dann waren das eben auch Midianiter. Aber nicht als Abstammende von Midian, sondern Ismaeliter aus Midian sind Midianiter. Das ist genau so wie Leute aus dem Balkan, die nach einiger Zeit einen Schweizer Pass bekommen, das sind Schweizer. Nicht abstammungsmäßig Helvetier. Ja, so kann man eben Midianiter sein und ist eben ein Ismaeliter. Überhaupt kein Problem.
Also, gehen wir zurück zu 1. Mose 39. Es war nur so ein Streiflicht dazwischen zur Glaubwürdigkeit der Bibel. Und so geht es ihm dauernd mit den angeblichen Widersprüchen. Und typisch ist die, die gottlos an die Bibel herangehen und überall Fehler suchen. Sie werden bald erkennen, dass sie keine wirklichen Fehler finden, wenn man ihnen das dann aufdeckt, wie die Lösung ist. Aber Gott findet Fehler bei ihnen durch sein Wort. Aber es ist so, dass eben ein solcher scheinbarer Widerspruch nach dem anderen aufgelöst wird. Und das ist für mich so schön, wenn ich so zurückschaue auf 50 Jahre, die ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe, zu sehen, wie durch all die Jahre schwierige Punkte eins nach dem anderen aufgelöst wurden. Manchmal sehr schnell, manchmal so mittelschnell, manchmal wirklich lange, aber so wunderbar diese Erfahrung: Es geht auf.

Der Baum am Wasser und die innere Beständigkeit Josephs

Und der Unterschied ist der: Jemand, der gottlos an die Bibel herangeht und sieht, dass etwas nicht passt, empfindet dabei ein gewisses Glücksgefühl. Es gibt Glücksgefühle von Gottlosen. Wow, wieder ein Beweis, dass die Bibel falsch ist. Und vielleicht kann das ganz tief im Herzen so sein: Ich bin froh, ist die Bibel falsch. Sonst wäre mein Leben vor Gott wirklich eine Katastrophe, weil er so viele Fehler bei mir findet, moralische Fehler. Und darum dieses manchmal Triumphieren: Ah, die Bibel ist falsch.
Solche Leute würden nicht ein Jahr, nicht zwei und auch nicht zehn Jahre investieren, um schliesslich herauszufinden, wie man den scheinbaren Widerspruch lösen kann. Und darum gehen sie gar nicht weiter. Sie studieren die Bibel nicht in die Tiefe, um schliesslich die Antwort zu finden. Das ist der Punkt. Und das ist so wichtig bei all diesen scheinbaren Widersprüchen.
Aber gehen wir zurück zu Kapitel 39. Wir haben gesehen, Vers 2 nochmals: Und der Herr war mit Joseph, und er war ein Mann, dem alles gelang; und er war im Haus seines Herrn, des Ägypters.
Ja, welcher Psalm kommt einem da in den Sinn? Psalm 1. Schlagen wir doch auf: Psalm 1. Psalm 1 liest du, Jerry, Verse 1 bis 3: Glückselig der Mann, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen und nicht steht auf dem Weg der Sünder und nicht sitzt auf dem Sitz der Spötter, sondern seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht. Und er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und dessen Blatt nicht verwelkt; und alles, was er tut, gelingt.
Ja, ist das nicht eine schöne Beschreibung von Joseph, der sich ganz klar gegen das Gottlose, gegen die Sünde, gegen den Spott in seinem Leben entschieden hat? Und natürlich hatte er damals noch nicht die Bibel. Die ersten Bibelbücher hat Mose erst nach Joseph dem Volk Israel gegeben, ab dem Auszug aus Ägypten: die fünf Bücher Mose und auch das Buch Hiob und schliesslich am Ende der Wüstenwanderung auch Psalm 90. Ja, das war die Bibel ab dem Auszug aus Ägypten.
Aber die Gläubigen vorher hatten eben all die Offenbarungen Gottes, die Gott schon an Adam gegeben hatte und was weitergegeben wurde an die Patriarchen nach Adam: Seth, Enos, Kenan, Mahalalel bis auf Noah. Und was Gott eben all denen geoffenbart hatte, auch an Henoch, dem siebten von Adam, der hatte schon von dem zweiten Kommen des Messias geweissagt, wie wir aus dem Judasbrief dann später erfahren.
Ja, und er hatte auch all das, was Gott seinem Vorfahren, seinem Urgrossvater Abraham, geoffenbart hatte, und dann Isaak und seinem Vater Jakob. Und er selber war ein Prophet. An dem hat er festgehalten, auch in all diesen Nöten, wo man hätte sagen müssen: Was taugt ein Glaube an Gottes Aussprüche? Und dabei kommt er in die Grube, und jetzt ist fertig. Nein, doch nicht, aber er geht nach Ägypten. Und jetzt? Nein, es war ihm noch nicht fertig.
Und so hat er festgehalten: der seine Lust hat am Gesetz des Herrn und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht. Und dann wird ihm gesagt in Vers 3: Und er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und dessen Blatt nicht verwelkt; und alles, was er tut, gelingt. Alles, was er tut, gelingt.
Also der Herr hat ihn immer wieder bestätigt und ihm Gelingen gegeben. Aber da hätten Feinde sein können. Und jetzt, was sagst du? Jetzt bist du in der Grube. Was gelingt dir da? Oder eben: Schliesslich war er im Haus von Potiphar. Ja, und jetzt bist du im Knast. Also es hätte ihm wieder Punkte gegeben in seinem Leben, Punkte, immer wieder ganz schwerwiegende Dinge. Man hätte ihm sagen müssen: Der Herr hat dich verlassen, er ist gar nicht mit dir.
Aber es war so: Sein Blatt verwelkte nicht, auch in der Wüste, weil er Wurzeln hatte, tiefe Wurzeln. Das ist typisch für die Wüstenbäume. Die Wurzeln gehen so weit hinunter bis zum Grundwasser, am Bach. Das sehen wir also als ein Motto durch die ganze Josefs-Geschichte: Sein Blatt verwelkt nicht, auch wenn es durch ganz dürre Zeiten hindurchging.

Der Herr ist mit ihm: Gelingen, Gnade und Bewahrung

Ja, und so erlebte er dort, wie der Herr mit ihm war, Vers 2.39. In Vers 2 heißt es, der Herr war mit Joseph; er war ein Mann, dem alles gelang. Und dann in Vers 3: Sein Herr sah, dass der Herr, also der Herr mit großem H, Yahweh, mit ihm war und dass der Herr alles, was er tat, in seiner Hand gelingen ließ.
Also: Der Herr war mit Joseph, und es gelang ihm. Der Herr war mit Joseph, und es gelang ihm. Und dann bewirkt Gott, dass er Gnade findet in seinen Augen. Dieser Ausdruck ist nicht deutsch; wir sagen das nie. Jemand findet Gnade in seinen Augen. Auf Hebräisch ist das ein ganz normaler Ausdruck. Auch im modernen Hebräisch muss man lernen: „mazachen be’enav“, das heißt, Gnade finden in seinen Augen, also jemandem gefallen. Jemand, der eine günstige Einstellung zu uns hat, in dessen Augen haben wir Gnade gefunden.
Und Gott hat gewirkt, dass dieser Heide, dieser Potiphar, dem Sonnengott gewidmet, erkannte, dass dieser Joseph eigentlich ein ganz wunderbarer junger Mann war, und ihn aufsteigen ließ. Und dann erkennt er, dass das wegen Joseph war. Der Herr segnete, Vers 5, das Haus des Ägypters um Josephs willen, und der Segen des Herrn war auf allem, was er hatte, im Haus und auf dem Feld. Da merkt man: Es wird einfach alles gesegnet, und das hängt mit diesem Josef zusammen. Er hat ein unglaubliches Vertrauen zu Josef bekommen.
Und dann war Josef noch überaus schön. Das war einfach ein Geschenk des Herrn an ihn. Aber er hätte natürlich denken können: Ich bin so schön, aber ich bin immer noch nicht verheiratet, nicht wahr? Aber wir sehen, er hat einfach gewartet, bis der Herr ihn so führt. Er durfte sehen: Der Herr steht zu ihm und hat ihn in so vielen Dingen auf besondere Weise gesegnet. Und das war eigentlich die Ermutigung des Herrn, damit sein Rückgrat in all diesen schweren Prüfungen nicht brach. Da sagt er: Nein, der Herr steht zu mir. Er hat mir das und das und das und das und das geschenkt.
Und diese Dankbarkeit war dann eben ein Schutz für Joseph, um hindurchzukommen.

Schlussausblick

Jetzt werden wir beim nächsten Mal einfach noch einmal ab Vers 1 lesen. Dann werde ich auch wieder ein Blatt mitbringen und die Parallelen zum Messias da zusammenfassen. Dabei werden wir also wieder weitere sehr praktische Belehrungen für unsere Nachfolger finden und wunderbare Hinweise auf den Herrn Jesus.

Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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