5 Hauptthemen zum Leib Christi
Liebe Geschwister, es ist gewünscht worden, dass ich etwas sage über das
Thema die Gemeinde, oder die Versammlung, als Leib Christi sage. Wir wollen
uns an zwei Abenden mit diesem Thema näher auseinander setzen. Wenn wir
über das Thema «der Leib Christi» nachdenken, dann können wir im Neuen
Testament fünf Hauptthemen entdecken, die besonders in Verbindung mit dem
Thema Leib stehen.
Und zwar, wenn die Bibel über den Leib Christi spricht,
dann will sie uns ganz besonders die Verbindung, die wir als Erlöste zu
unserem Herrn haben, deutlich machen. Es will uns erklären, dass unsere
Beziehung eine organische Beziehung ist, eben so, wie der Körper, der Leib,
in Verbindung mit dem Haupt, mit dem Kopf. Das ist sehr eindrücklich. Eine
engere, tiefere Beziehung gibt es gar nicht, als diese organische
Beziehung. Die Reihenfolge der Punkte auf dem Blatt hat nichts mit einer
Wertung zu tun, man könnte das auch anders aufstellen, zum Beispiel den
fünften Punkt als ersten.
Dann ein zweiter Punkt. Es drückt die Verbindung
der Erlösten untereinander aus. Es macht deutlich, dass die Erlösten keine
Solochristen sind, sondern dass sie auch in einer lebendigen, organischen
Verbindung zueinander stehen, nämlich wie Körperglieder zu anderen
Körpergliedern.
Weiterhin drückt dieses Thema besonders die Einheit der
Erlösten aus. Der menschliche Körper ist eine Einheit und das wird eben
auch betont, wenn in der Bibel von dem einen Leib gesprochen wird.
Aber der
Körper selber besteht aus einer Vielfalt von Teilen, von Gliedern. Und
darum wird im Neuen Testament nicht nur die Einheit der Erlösten betont,
sondern gerade auch die Vielfalt, die in dieser Einheit vorhanden ist. Es
gibt am Körper viele verschiedene Glieder mit ganz unterschiedlichen
Funktionen, aber diese Glieder, diese Funktionen müssen zusammenwirken,
damit alles Sinn und Ziel hat.
Ein weiteres Hauptthema in Verbindung mit dem Leib ist die
Vorrangstellung des Herrn. Der Herr Jesus ist das Haupt. Dieses Thema wird
übrigens ganz besonders, wie wir noch sehen werden, im Kolosserbrief so
herausgestrichen. Christus ist das Haupt der Gemeinde, das Haupt des
Leibes. Er allein hat das Recht zu regieren, zu dirigieren, zu führen.
Und
alle diese Punkte sind von großer praktischer Bedeutung, denn im Laufe der
Kirchengeschichte sind in Verbindung mit diesen fünf Punkten immer wieder
Irrwege aufgetaucht, gerade wenn wir zum Beispiel an das Thema der
Vorrangstellung des Herrn denken. Er ist das Haupt, vom Kopf aus wird der
menschliche Körper regiert und geleitet. Aber wie oft hat man in der
Kirchengeschichte versucht, dass Menschen die Stellung als Haupt bekommen.
Und man spricht sogar unverhohlen davon, dass zum Beispiel der Papst das
Haupt der Kirche sei. Oder denken wir an die anglikanische Kirche. Das
Haupt ist dort nicht ein Mann, sondern zurzeit immer noch eine Frau,
Königin Elisabeth. Das ist eine Sonderentwicklung, aber es soll nur zeigen,
dass es das Problem immer wieder gegeben hat, dass man einen Menschen als
Haupt einsetzen wollte. Und darum ist das Thema, die absolute
Vorrangstellung des Herrn als Autorität über seine Gemeinde, so wichtig.
Also das einfach mal so als Übersicht.
Das Geheimnis des Leibes
Unter dem nächsten Abschnitt habe ich versucht alle Stellen anzugeben,
die im Neuen Testament über den Leib Christi sprechen. Und ich habe
versucht, kapitelweise diese Abschnitte zu charakterisieren. Und wir sehen
das eigentlich in jedem Kapitel, wie der Akzent, die Belehrung über dieses
Thema, anders gesetzt ist. Das zeigt uns also, wie vielfältig dieses Thema
ist und wie viel Wegweisung es uns zu geben vermag. Nun gehen wir gleich
schon zum nächsten Punkt. Bevor wir in die Details gehen, wollen wie über
das Geheimnis des Leibes nachdenken. Denn der Epheserbrief erklärt uns,
dass es sich bei diesem Thema um ein Geheimnis handelt. Da müssen wir erst
einmal klären, was der Begriff Geheimnis im Neuen Testament überhaupt
bedeutet. Griechisch ist es das Wort mysterion. Und man kann es so
definieren: Ein mysterion, ein Geheimnis im Neuen Testament, ist eine
göttliche Wahrheit, die zur Zeit des Alten Testaments verborgen war in
Gott, im Neuen Testament aber für die Erlösten enthüllt worden ist.
Wenn wir Kolosser 1, 26 lesen, – es geht dort allerdings nicht um das
Geheimnis des Leibes, sondern um das Geheimnis Christus in euch – heißt es
dort: Das Geheimnis, welches von den Zeitaltern und von den Geschlechtern
her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen geoffenbart worden ist." Also
hier wird deutlich gemacht, dieses Geheimnis war in den früheren
Generationen unbekannt, zurück bis auf Adam. Aber noch mehr, nicht nur in
den früheren Generationen, sondern auch in den früheren Zeitaltern, das
heißt, in den früheren heilsgeschichtlichen Abschnitten. Und als Gegensatz,
jetzt aber ist es den Erlösten, den Heiligen, geoffenbart worden. Genau das
Gleiche wird auch im Epheserbrief gesagt. Dort geht es um das Geheimnis des
Christus, Epheser 3, 5: Welches in anderen Geschlechtern den Söhnen der
Menschen nicht kundgetan worden, wie es jetzt geoffenbart worden ist seinen
heiligen Aposteln und Propheten im Geiste." Hier sehen wir sehr schön die
Parallele zu Kolosser 1, in anderen, früheren Generationen, jetzt
geoffenbart. Allerdings heißt es in Epheser, jetzt ist es geoffenbart
worden den heiligen Aposteln und Propheten, also neutestamentlichen
Propheten. Und im Kolosserbrief hat es geheißen, seinen Heiligen
geoffenbart. Das gehört beides zusammen. Zuerst ist es geoffenbart worden
den Aposteln und Propheten und die haben es weiter gegeben, gerade durch
die Schriften des Neuen Testaments, so dass es nun allen Heiligen
geoffenbart ist.
Epheser 3, 9 sagt noch weiter: Und alle zu erleuchten, welches die
Verwaltung des Geheimnisses sei, das von den Zeitaltern her verborgen war
in Gott, der alle Dinge geschaffen hat." Also wir sehen wie Epheser 3, 5und 3, 9 sich ergänzen: in früheren Geschlechtern, in früheren Zeitaltern,
jetzt geoffenbart. So ganz nebenbei noch gesagt, helfen uns diese Stellen
auch zu zeigen, dass die Bibel wirklich heilsgeschichtliche Epochen
unterscheidet. Ich sage das, weil es heute immer mehr Christen gibt,
bibeltreue Christen, die glauben, dass die Bibel Gottes Wort ist, aber doch
sagen, das mit den Zeitaltern, das mit dem Dispensationalismus, das könnt
ihr vergessen, das ist eine Erfindung von Darby und so. Das findet man in
der Bibel nicht. Es gibt in der Bibel nur ein Altes und ein Neues Testament
und mehr nicht. Das kommt jetzt immer mehr. Aber wir sehen in diesen
Stellen, da wird von der früheren Zeit, also vor dem Neuen Testament, in
der Mehrzahl gesprochen: Von den Zeitaltern. Und dann, als Ergänzung,
Epheser 1, 21. Es geht um Christus zur Rechten Gottes: Erhöht über jedes
Fürstentum und jede Gewalt und Kraft und Herrschaft und jeden Namen, der
genannt wird, nicht allein in diesem Zeitalter, sondern auch in dem
zukünftigen." Da haben wir dieses Zeitalter, gegenwärtig, und ein
zukünftiges. Und allein aus diesen Stellen ergibt sich, dass es mindestens
vier Zeitalter geben muss. Denn im Alten Testament ist es in der Mehrzahl,
von den Zeitaltern her, also mindestens zwei, wenn nicht mehr. Dann haben
wir dieses Zeitalter und das zukünftige Zeitalter. Also allein aufgrund
dieser wenigen Stellen sehen wir, dass dies keine menschliche Erfindung
ist, sondern die Bibel selber spricht von diesen Heilszeiten, diesen
Heilsperioden.
Und nun, das Geheimnis des Leibes, das Thema des Leibes Christi war also
im Alten Testament verborgen, nicht bekannt, nicht geoffenbart, sondern
erst im Neuen Testament. Und das gibt diesem Thema ein besonderes Gepräge,
etwas Spezielles. Es ist etwas, das Gott lange, lange zurückgehalten hat,
verschwiegen hat. Und dann hat er, gewissermaßen als wunderbare
Überraschung, nach dem Tod Christi und seiner Auferstehung und Himmelfahrt,
mit dem Kommen des Heiligen Geistes, uns dieses mitgeteilt. Das gibt diesem
Thema also schon eine ganz besondere Würde und eben auch etwas Mysteriöses,
etwas Geheimnisvolles, und das haben wir ja gerne, geheimnisvolle Dinge.
Einige ganz allgemeine Punkte zu dem Thema Geheimnisse. Alle Geheimnisse im
Neuen Testament – es gibt neun in den Paulusbriefen und noch eine Reihe in
der Offenbarung und im Matthäusevangelium – haben einen Bezug zum Zeitalter
der Gemeinde. Und dieses Zeitalter, in dem dieses nun geoffenbart ist, wird
das Zeitalter der Zeitalter genannt, in Epheser 3, 21. Und das heißt, es
ist das herrlichste Zeitalter. Das ist so ein Superlativ, das herrlichste
Zeitalter. Also das macht unsere Zeit in Gottes Augen so wichtig. Wir
denken vielleicht, andere Zeitalter waren irgendwie grandioser, aber in
Gottes Augen ist offensichtlich unser Zeitalter das wichtigste und
herrlichste Zeitalter. Ein nächster wichtiger Punkt ist folgender. Auch
wenn im Alten Testament die Gemeinde, der Leib Christi, verborgen war, so
ist sie dennoch durch unzählige Bilder im Voraus dargestellt worden. Diese
Bilder können jedoch erst im Licht des Neuen Testaments im Nachhinein
gedeutet werden. Das ist ein wichtiges Prinzip für die Bibelauslegung. Es
gibt also viele Hinweise im Alten Testament, symbolische Hinweise, auf die
Gemeinde, aber bevor das Licht des Neuen Testaments da war, waren sie nicht
wirklich verständlich.
Ein dritter Punkt. Auch wenn im Alten Testament die Gemeinde verborgen
war, so war dennoch der gläubige Überrest aus Israel, der einen Teil der
Gemeinde ausmachen sollte, bereits prophetisch angekündigt. Das heißt, das
Alte Testament spricht bereits über einen Überrest aus Israel, der den
Messias nicht ablehnen würde. Das Alte Testament zeigte, dass die Masse des
Volkes Israel den Messias ablehnen, aber ein Überrest ihn annehmen würde.
Und dieser Überrest wurde dann die Gemeinde ab dem Pfingsttag. Und dieser
Überrest wird im Alten Testament gesehen, aber das Geheimnis des Leibes
Christi und so weiter wird noch nicht gesehen. Noch ein weiterer Punkt.
Auch wenn im Alten Testament die Gemeinde verborgen war, so war dennoch
auch der Überrest aus den Nationen, der einen anderen Teil davon ausmachen
sollte, bereits prophetisch angekündigt. Das heißt, man findet im Alten
Testament Prophezeiungen, die davon sprechen, dass, wenn der Messias, der
Erlöser, kommt, Nichtjuden sich ihm anschließen und ihm gehorchen werden.
Zum Beispiel sagt Jakob über den Stamm Juda in 1. Mose 49, 10: Nicht
weichen wird das Zepter von Juda, noch der Herrscherstab zwischen seinen
Füßen hinweg, bis Schilo (der Friedenschaffende, der Ruhebringer) kommt,
und ihm werden die Völker gehorchen (oder sich anschließen)." Das heißt,
das Alte Testament sieht, wie Menschen aus den Nationen sich dem Messias
anschließen werden, ihm gehorchen werden. Aber es wird nicht gesehen, dass
diese Gläubigen aus den Nationen und diese Gläubigen aus Israel
zusammengefügt werden zu einer ganz neuen Einheit. Das war neu, das war
nicht geoffenbart.
Und dann noch ein wichtiger Punkt. Nur die Gemeinde selbst war im Alten
Testament verborgen, nicht aber die Zeitepoche selbst. Das heißt, die Zeit
in der wir leben, diese lange Zeit, wo Israel in der Zerstreuung ist und
wir die Zeit der Gnade haben, wird gesehen. Es wird gesehen, dass es diese
Zeitepoche geben sollte. Aber es wird nicht gesehen, was Gott in dieser
Zeitperiode tun wollte in Bezug auf die Versammlung, die Gemeinde. Das ist
der Punkt. Ich streiche das heraus, weil das so Punkte sind, die uns oft
von gläubigen Kritikern angekreidet worden sind. Sie sagten: Das war doch
gar kein Geheimnis, das war doch offenbart. Das lag daran, dass man sich
nicht genau genug ausgedrückt hat. Die Gemeinde war nicht gesehen, aber das
Zeitalter schon. Zum Beispiel Hosea 3, 5 wo steht: So wird es den Kindern
Israel ergehen, sie werden viele Tage ohne Fürsten, ohne König sein und
auch ohne Opfer. Ja, das sind die vergangenen bald 2000 Jahre der
Staatenlosigkeit und des Verlustes des Tempels. Viele Tage, mehr als 1900
Jahre. Das ist eine lange Zeit, war aber gesehen. Und auch 5. Mose 28, 64spricht von der Zerstreuung Israels unter alle Völker und der Verfolgungen
unter den Nationen. Das ist in dieser Zeit geschehen. Aber Gott hat nicht
verraten, dass er eben den Leib Christi schafft in dieser Zwischenzeit.
Das Geheimnis des Christus
Und das führt uns nun zu diesem zentralen Begriff unter dem nächsten
Punkt: Das Geheimnis des Christus. Dieser Ausdruck kommt in Epheser 3, 4vor. Wir schlagen das grad auf, Epheser 3, 4-6: Woran ihr im Lesen merken
könnt mein Verständnis in dem Geheimnis des Christus, welches in anderen
Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden, wie es jetzt
geoffenbart worden ist seinen heiligen Aposteln und Propheten im Geist,
dass die aus den Nationen Miterben seien und Miteinverleibte und
Mitteilhaber seiner Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium." So,
da haben wir den Ausdruck das Geheimnis des Christus. Christus, griechisch
für das hebräische Messias. Das Geheimnis des Messias. Nun, da denkt man:
Ja, aber das geht ja nicht auf, der Messias war doch im Alten Testament
angekündigt. Das kann doch kein Geheimnis sein, dass in früheren
Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden ist. Nun, wenn
wir das Thema vom Leib studieren, dann merken wir, dass dieser Ausdruck
hier, etwas ganz Neues bedeutet. Und der Schlüssel ist die angegebene
Stelle auf dem Blatt, 1. Korinther 12, 12: Denn gleichwie der Leib einer
ist und viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich viele,
ein Leib sind: also auch der Christus." Ja, jetzt geht es hier um den Leib,
um die Einheit und Vielfalt des Leibes. Und dann wird gesagt, dass dies
auch für den Christus gilt. Jetzt sehen wir, dass der Ausdruck Christus,
Messias, hier nicht einfach nur für den Sohn Gottes gebraucht wird, sondern
für den Sohn Gottes, der als Haupt mit seiner Gemeinde als Leib verbunden
ist. Das ist ein ganz neuer Inhalt dieses Ausdrucks Christus. Und das macht
deutlich, dass das Geheimnis des Christus, das Geheimnis des Leibes ist.
Das Haupt, Christus, verbunden mit seiner Gemeinde als seinem Leib. Also
das macht die Sache schon sehr mysteriös.
Die Taufe mit dem Heiligen Geist
Und nun führt uns das zum übernächsten Punkt auf dem Blatt, die Taufe mit
dem Heiligen Geist. Denn jetzt sehen wir, wie der Leib entstanden ist. Grad
im nächsten Vers. Jetzt haben wir 1. Korinther 12, 12 gelesen. Und dann
heißt es in Vers 13: Denn auch in einem Geist sind wir alle zu einem Leibe
getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie,
und sind alle mit einem Geiste getränkt worden." Hier haben wir das Thema
der Taufe mit dem Heiligen Geist, ein Thema, das schon seit Jahrzehnten
unter vielen Christen Furore macht. Die Taufe mit dem Heiligen Geist,
Geistestaufe. Es gibt zu diesem Thema nur sieben Stellen in der Bibel. Ich
habe hier unter dem ersten Punkt alle sieben Stellen aufgeführt. Und wir
können die ganz schnell auswendig lernen. Ich sehe grad, dass eine fehlt.
Johannes 1, 33 muss man sich noch dazu schreiben. Wir haben nämlich in
allen vier Evangelien eine Stelle über Geistestaufe. Ich beginne grad mit
Matthäus 3, 11. Es geht dort um die Predigt von Johannes dem Täufer. Er
sagt: Ich zwar taufe euch mit Wasser zur Buße; der nach mir Kommende aber
ist stärker als ich, dessen Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin; er
wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen." Da haben wir die
Ankündigung der Taufe mit Heiligem Geist. Man weiß aber nicht recht, was
das bedeutet. Es wird einfach angekündigt, wenn der Messias kommt, der
Christus, dann wird er mit Heiligem Geist taufen. Und das ist in den
anderen Evangelien, Markus 1, Lukas 3, Johannes 1, genau gleich. Das sind
die entsprechenden Parallelstellen.
Wir kommen weiter, zur fünften Stelle, Apostelgeschichte 1. Da haben wir
unmittelbar vor der Himmelfahrt den Auferstandenen vor uns, und er spricht
zu den Jüngern in Vers 4: Und als er mit ihnen versammelt war, befahl er
ihnen, sich nicht von Jerusalem zu entfernen, sondern auf die Verheißung
des Vaters zu warten - die ihr von mir gehört habt; denn Johannes taufte
zwar mit Wasser, ihr aber werdet mit Heiligem Geiste getauft werden nach
nunmehr nicht vielen Tagen." Hier erfahren wir mehr. Die Taufe mit Heiligem
Geist soll von diesem Zeitpunkt an jetzt unmittelbar bevorstehen. Und es
geht hier in Verbindung mit dem Warten um die Verheißung des Vaters. Das
ist die Verheißung, dass er den Heiligen Geist senden wird. Und so finden
wir die Erfüllung in Apostelgeschichte 2 an Pfingsten. Also die Taufe mit
Heiligem Geist hat direkt etwas mit dem Pfingstereignis zu tun. Dann kommen
wir zur sechsten Stelle. Das ist später, wo Petrus bei einer besonderen
Gelegenheit daran zurückdachte, was der Herr damals in Apostelgeschichte 1,
5 gesagt hatte. Das ist diese Stelle Apostelgeschichte 11, 16. Wir können
sagen, mit all diesen sechs Stellen bleiben viele Fragen noch
unbeantwortet.
Was ist nun wirklich Taufe mit Heiligem Geist? Und die Antwort kommt mit
der siebten Stelle, 1. Korinther 12, 13. Jetzt wird nämlich etwas
hinzugefügt, was vorher immer verschwiegen wurde. Das war ein Geheimnis.
Und dann wird es plötzlich hier so mitgeteilt. Denn auch in einem Geist
sind wir alle zu einem Leibe getauft worden." Taufe mit Heiligem Geist hat
direkt mit dem Thema des Leibes Christi zu tun. Nun eine sprachliche
Erklärung führt weiter. Die Grundbedeutung des Verbs taufen, baptizo, ist
folgendermaßen: Einführen in ein anderes Element. Darum das Wort baptizo.
Oder das verwandte Wort bapto, von der gleichen Wurzel, bedeutet zum
Beispiel bei den alten Griechen färben, Stoff färben. Der Stoff wird in ein
anderes Element, nämlich in die Farbe, eingeführt. Zweitens bedeutet es
auch untergehen, versinken, wenn ein Schiff im Meer unterging, dann ging
das Holz in ein anderes Element hinein, ins Wasser. Aber bapto kann zum
Beispiel auch vergolden, versilbern bedeuten. Da wird ein Element in ein
anderes Element, zum Beispiel Silber, eingeführt und damit überkleidet. Und
nun wird ja hier deutlich, taufen zu einem Leib, das heißt organisch
hineinführen in den Leib Christi, vereinen mit den Erlösten. Das ist Taufe
mit dem Heiligen Geist. Also keine Mystik, kein Umfallen und so weiter,
sondern ein heilsgeschichtliches Ereignis, ein Mensch wird ein Glied der
Gemeinde Gottes. Das ist die Taufe mit dem Heiligen Geist. Wer also nicht
mit dem Heiligen Geist getauft ist, der ist gar kein Christ. Heute gibt es
so viel Verwirrung bei diesem Thema. Man meint, man sei ein Christ, aber
hat noch nicht die Taufe mit dem Heiligen Geist. Ja, dann ist man kein
Christ, wenn man den nicht hat. Und wie bekommt man den Heiligen Geist?
Nach Epheser 1, 13-14: Nachdem ihr geglaubt habt das Evangelium eures
Heils, seid ihr versiegelt worden mit dem Heiligen Geist." Also Glaube an
das Evangelium, nach Buße und Reue bekommen wir den Heiligen Geist und
werden mit ihm versiegelt und damit auch organisch hineingeführt in den
Leib Christi.
Der Wein und der Weinstock
Und das ist noch wichtig, gerade für den nächsten Punkt: Der Wein und der
Weinstock. Wir haben nämlich im Neuen Testament eine ganz ähnlich klingende
Belehrung, in Johannes 15, wo der Herr Jesus den Jüngern sagt: Ich bin der
wahre Weinstock, ihr seid die Reben. Der Herr Jesus ist der Weinstock und
die Jünger sind die Reben am Weinstock. Und der Herr Jesus erklärt, nur
wenn ihr in einer lebendigen, organischen Beziehung mit mir seid, könnt ihr
überhaupt für den Vater Frucht bringen in eurem Leben. Aber dann spricht
der Herr davon, wenn nun eine Rebe keine Frucht bringt, dann geschieht das,
was im Weingarten ganz normal ist, der Weingärtner kommt und schneidet
diese unnützen Ranken ab. Und was macht man mit diesen unnützen Ranken?
Weil man sie nicht gebrauchen kann, wirft man sie ins Feuer. Also Reben
können abgeschnitten und ins Feuer geworfen werden. Nun müssen wir eben
dazu bemerken, wenn es um den Weinstock und die Reben geht, dann geht es um
die Jünger, die dem Herrn nachfolgen. Und da ist es nicht immer eindeutig,
ob alle Jünger wirklich bekehrt sind. Sogar unter den zwölf Aposteln gab es
einen, der nicht bekehrt war. Der Herr nennt ihn sogar den Sohn des
Verderbens, Judas. Und dieser hat keine Frucht gebracht, der hat gestohlen.
Er hat keine Frucht gebracht und diese Rebe wurde abgeschnitten. Und er hat
dann Selbstmord begangen und dann bleibt nur noch das ewige Verderben, das
Feuer. Es ist aber ganz wichtig, wenn es um das Thema des Leibes Christi
geht, dann geht es auch um die organische Verbindung, nicht mehr Weinstock
und Reben, sondern Haupt und Glieder. Dabei geht es aber nicht um Christus
und seine Anhänger, sondern Christus und die wahren Erlösten. Und diese
Glieder können nicht abgeschnitten werden. Also in all diesen vielen
Kapiteln im Neuen Testament über den Leib, wird nie über das Thema des
Abschneidens eines Gliedes gesprochen. Es ist also wichtig, die
Ähnlichkeiten zu sehen, aber auch die ganz wichtigen Unterschiede.
Der Leib im Alten Testament
Und nun noch eine Bemerkung zum drittletzten Punkt auf dem Blatt: Die
geistliche Bedeutung des Leibes im Alten Testament. Es gibt ganz
interessante Stellen, die die Einheit Israels mit einem Menschen
vergleichen, mit einem Leib. Esra 3, 1: Und als der siebente Monat
herankam, die Kinder Israel in den Städten waren, da versammelte sich das
ganze Volk wie ein Mann nach Jerusalem." Das Gleiche in Kapitel 6, 19-20:
Und die Kinder der Wegführung feierten das Passah am vierzehnten Tage des
ersten Monats. Denn die Priester und die Leviten hatten sich gereinigt wie
ein Mann; sie waren alle rein. Und sie schlachteten das Passah für alle
Kinder der Wegführung und für ihre Brüder, die Priester, und für sich
selbst." Und dann auch in Nehemia 8, Vers 1, wo sie sich versammeln, um
Gottes Wort zu hören: Und als der siebte Monat herankam und die Kinder
Israel in ihren Städten waren, da versammelte sich das ganze Volk wie ein
Mann auf dem Platze, der vor dem Wassertore liegt. Und sie sprachen zu
Esra, dem Schriftgelehrten, dass er das Buch des Gesetzes Moses bringen
sollte, welches Jehova Israel geboten hatte." Und dann liest er das Buch
vor, viele Stunden lang. Also interessant dieser Ausdruck, diese
Redewendung, Israel kommt als Volk wirklich mit einmütigem Herzen und dann
werden sie bezeichnet wie ein Mann". Es ist eine Redewendung, aber dennoch
kann man sich überlegen: Warum hat der Heilige Geist diese Redewendung
verwendet?, dass gewissermaßen ein Volk, hier das Volk Gottes, hier als ein
Mann bezeichnet wird. Und da haben wir eigentlich schon eine Vorwegnahme,
so einen Vorgeschmack von einem Thema, das dann erst im Neuen Testament
wirklich kommt. Es ist doch interessant zu sehen, dass Gott vor Erschaffung
der Welt, durch all die Zeitalter hindurch, dieses Thema verschwiegen. Aber
uns Menschen geht es ja so, wenn wir über ein schönes Geheimnis schweigen
müssen, je länger wir schweigen müssen, desto schwieriger wird es. Nicht,
dass es für Gott irgendwie schwierig war, Gott ist Gott, aber trotzdem
kommt schon so etwas davon heraus, dass Gott quasi schon gerne dieses Thema
andeutete, obwohl er es noch nicht verkündigen konnte.
Und dann ein zweiter Punkt zum Leib im Alten Testament. Wenn wir zum Buch
Daniel gehen, haben wir in Kapitel 2 den Traum von Nebukadnezar. Diese
menschliche Statue mit vier verschiedenen Teilen, die den vier großen
Weltreichen der Geschichte entspricht, Babylon, Persien, Griechenland und
Rom. Und diese Weltreiche werden mit einem menschlichen Körper verglichen
und sogar die Körperteile entsprechen dem Verlauf der Geschichte. Der
goldene Kopf war das babylonische Reich, dann die Brust und die Arme aus
Silber. Und tatsächlich war das nächste Reich nicht ein einheitliches
Reich, sondern ein Doppelreich, nämlich das Reich der Perser und Meder. Und
dann kam der Bauch, die Lenden, aus Bronze, das Griechische Reich. Aber
nachher kamen die Beine aus Eisen. Es waren zwei Beine, und so war auch das
römische Reich ein geteiltes Reich. Der Riss kam schon viel früher als die
Aufteilung in ein ost- und ein weströmisches Reich. Der Riss war schon
lange vorprogrammiert, Jahrhunderte vorher. Auch hier wieder ein
Doppelreich, zwei Beine. Also der Körper entspricht in seinem Aufbau dem
Ablauf der Weltgeschichte, so wie es Gott geplant hatte. Nun, das Ganze hat
mehr Zusammenhang mit unserem Thema als wir denken. In Daniel 7 hat Daniel
auch einen Traum, aber die vier Weltreiche werden dort nicht mehr als ein
menschliches Standbild vorgestellt, sondern als vier grausige, blutrünstige
Bestien. Das menschliche Standbild zeigt, Gott wollte, dass der Mensch,
nach 1. Mose 1, 27 nach dem Bilde Gottes geschaffen, etwas von der
Gerechtigkeit und Liebe Gottes auf dieser Erde widerspiegelt. Und darum
werden diese Reiche als ein menschliches Standbild dargestellt. Diese
Weltreiche hätten etwas wirklich Menschliches bedeuten sollen, nämlich
Widerspiegelung der göttlichen Herrlichkeit in Gerechtigkeit und Liebe.
Aber das haben sie im Allgemeinen nicht getan, sondern sie waren
blutrünstige Bestien.
Gottes Herrlichkeit sichtbar machen
Nun, jetzt hat Gott die Gemeinde auf dieser Erde, der Leib Christi, seit
2000 Jahren. Und sie wird eben auch als ein Körper gesehen, aber nicht
einfach nur ein Standbild. Sondern sie ist ein wirklicher, dynamischer
Körper, verbunden mit Christus, dem Haupt. Nun, jetzt sollte aber wirklich
klar werden auf dieser Erde, was Gottes Gerechtigkeit ist und Gottes Liebe
und so weiter. Das heißt, durch dieses Unternehmen Gottes in dieser Welt,
durch diesen Leib Christi, sollte wirklich gezeigt werden, was es heißt,
dass Göttliche hier auf dieser Erde zu widerspiegeln, dass die Menschen
wirklich erkennen, wie herrlich, wie wunderbar Gott ist. Aber tragisch ist,
wenn man die Kirchengeschichte liest, bis in die jüngsten Ereignisse, da
findet man auch genau das, was Paulus sagt in Galater 5, 15: Wenn ihr aber
einander beißet und fresset, so sehet zu, dass ihr nicht voneinander
verzehrt werdet." Tragisch. Und wenn solche Dinge unter den Gläubigen
vorkommen, dann haben wir bestimmt das Thema vom Leib Christi überhaupt
nicht verstanden. Oder, was sollen wir sagen verstanden, wir haben nichts
davon ausgelebt. Denn der Leib Christi auf dieser Erde bedeutet wirklich,
dass wir Gottes Herrlichkeit sichtbar machen in dieser Welt. Damit in
dieser Welt sichtbar wird, dass sind Menschen, die sich wirklich von wahrer
Gerechtigkeit, von wahrer Liebe leiten, sie sind organisch miteinander
verbunden. Und der Herr Jesus sagt: Ein neues Gebot gebe ich euch. Das
zeigt die Verbindung nun in Tat und Wahrheit der Glieder untereinander.
Johannes 13, wenn der Herr Jesus in Vers 34 sagt: Ein neues Gebot gebe ich
euch, dass ihr einander liebet, auf dass, gleichwie ich euch geliebt habe,
auch ihr einander liebet. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger
seid, wenn ihr Liebe untereinander habt." Also dieses neue Gebot sollte
gerade im Leib Christi ausgelebt, gesehen und erkannt werden. Diese
Verbindung der Erlösten untereinander, dass die Menschen sagen: Ja, die
Geschichte der Kirche, ich meine der wahren Kirche, ist wirklich etwas ganz
anderes, als die Weltgeschichte. Die Weltgeschichte ist eigentlich ganz
langweilig, einfach ein Blutbad nach dem anderen, ein Umsturz nach dem
anderen, eine Ungerechtigkeit nach der anderen. Aber jetzt, da sieht man
etwas völlig anderes.
Das ist eines dieser Verbindungen, untereinander, aber dann sollte auch
gezeigt werden, dass sie mit dem Erlöser verbunden sind, dem Haupt. Sie
werden in ihrem Leben nur von diesem weisen Fürsten geleitet. Sie leben
nicht ihr eigenes Leben, sondern sie anerkennen die volle Autorität
Christi, die volle Inspiration, die volle Autorität der Bibel. Das wird
praktisch, konkret ausgelebt, die Abhängigkeit vom Haupt. Das Zitat hier
auf dem Blatt habe ich nicht selber gedichtet, das stammt von Hengstenberg:
Humanität ohne Divinität wird zur Bestialität. Oder auf Deutsch:
Menschlichkeit ohne das Göttliche führt zum wilden, tierischen Sein. Es
führt dazu, dass man zu wilden Tieren wird. Nun, das hat man bei den
Weltreichen gesehen. Sie hätten wahre Humanität zeigen sollen, aber sie
waren nicht von Gott geleitet und darum wurden sie zu Bestien. Aber nun
müssen wir uns fragen: Wie steht es heute ganz konkret, wenn wir das Thema
Leib Christi umsetzen? Ist es so, dass wir wirklich das wahre Menschsein
ausleben, eben verbunden mit dem göttlichen Haupt? Und wenn das so ist,
werden wir davor bewahrt, bestialisch zu werden.
Von Kollektivismus und Individualismus
Jetzt gehen wir zum zweiten Abschnitt des ersten Blattes zurück, wo es um
alle Stellen im Neuen Testament geht, die vom Leib handeln. Wir gehen zu
Römer 12, 3-8: Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben worden,
jedem, der unter euch ist, nicht höher von sich zu denken, als zu denken
sich gebührt, sondern so zu denken, dass er besonnen sei, wie Gott einem
jeden das Maß des Glaubens zugeteilt hat. Denn gleichwie wir in einem Leibe
viele Glieder haben, aber die Glieder nicht alle dieselbe Verrichtung
haben, also sind wir, die Vielen, ein Leib in Christo, einzeln aber Glieder
voneinander. Da wir aber verschiedene Gnadengaben haben, nach der uns
verliehenen Gnade: es sei Weissagung, so lasst uns weissagen nach dem Maße
des Glaubens; es sei Dienst, so lasst uns bleiben im Dienst; es sei, der da
lehrt, in der Lehre; es sei, der da ermahnt, in der Ermahnung; der da
mitteilt, in Einfalt; der da vorsteht, mit Fleiß; der da Barmherzigkeit
übt, mit Freudigkeit."
Also wenn wir der Reihe der Bibelbücher nachgehen, wie sie in unserer
Bibel sind, dann beginnen wir so mit dem Römerbrief. Es ist eigentümlich,
dass im Römerbrief über den Leib Christi gesprochen wird. Der Römerbrief
zeigt uns ja auf, wie der einzelne Mensch, der vor Gott schuldig ist,
gerechtfertigt werden kann durch Glauben. Es wird uns gerade in Römer 1-11gezeigt, dass der einzelne Mensch ganz persönlich an den Herrn Jesus
glauben muss, an sein Blut, an sein Werk auf Golgatha, und dann kann Gott
ihn gerecht sprechen, rechtfertigen. Es geht also um die ganz persönliche
Stellung des Menschen vor Gott und um seine persönliche Errettung. Das
haben die Reformatoren im 16. Jahrhundert so eindrücklich entdeckt. Sie
haben gesehen, dass es nicht das Kollektiv ist, die Kirche, die das Heil
vermittelt mit Sakramenten und so, sondern der einzelne Mensch steht ganz
allein vor Gott und ist verantwortlich für seine persönliche Schuld. Er
muss sie Gott bekennen und er muss ganz persönlich glauben. Und allein
durch Glauben kommt er zum Heil.
So hat die Reformation gebrochen mit diesem überzogenen Kollektivismus,
dass die Kirche das Heil und die Gnade vermittelt. Nun, wenn man die
weitere Geschichte der Reformation betrachtet, dann sieht man, dass man in
diese Richtung zu weit gegangen ist. Durch die Ablehnung dieses falschen,
überzogenen Kollektivismusdenkens, die Kirche allein ist Heilsvermittlerin,
ist man zum Individualismus vorgeschritten. Der einzelne Mensch steht vor
Gott und der einzelne Mensch ist vor Gott verantwortlich. Und das stimmt.
Darum steht damals im Reichstag zu Worms Luther vor dem Kaiser und den
Obersten von Europa und sagt: Gott helfe mir, ich kann nicht anders. Er war
dem Wort Gottes gegenüber verpflichtet und wenn ihn jemand mit der Bibel
widerlegen könnte, dann würde er es akzeptieren. Aber nicht die
Entscheidungen der Konzile, sondern nur die persönliche Einsicht durch das
Wort Gottes würde ihn überführen.
So hat man das sehr stark betont und die weitere Geschichte der
Reformation war ein gegenseitiges Zerfleischen. Es sind so viele
reformatorische Kämpfe untereinander aufgekommen. Da hat ja ein Individuum
wieder eine andere Idee gehabt und ein andere wieder eine andere Idee und
dann haben sie Streit bekommen. Der Protestantismus ist jahrzehntelang
durch innere Streitigkeiten zerrissen, weil jeder ganz individualistisch
wurde. Und da ist man in dieser Richtung zu weit gegangen und das hat sich
konkret in diesen Streitigkeiten ausgewirkt. Aber der Römerbrief setzt in
Kapitel 12 mit dem Thema des Leibes an, um zu zeigen, dass die ganze Lehre
des Heils von Kapitel 1-11, wo es darum geht, dass der Einzelne vor Gott
steht und der Einzelne glauben muss und nur sein Glaube zur Rettung führt,
nicht alles ist. Wir sind nicht nur Individualisten, sondern wir bilden
zusammen eine organische, lebendige Einheit.
Es ist interessant, gerade im Römerbrief, der ja die Reformation
ausgelöst hat, ist das Heilmittel für dieses Extrem auch gegeben worden. Es
wird dort die Schlussfolgerung aus all den Kapiteln 1-11 gezeigt, nämlich
in Römer 12, 1: Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen
Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott
wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Dienst ist."
Wir
sehen, das ist die Schlussfolgerung: Ich ermahne euch nun. Ihr müsst euch
persönlich ganz Gott zur Verfügung stellen. Und nun, die Lehre von 3-8 ist,
dass jeder Einzelne ein Glied am Leib ist. Und es gibt ganz verschiedene
Glieder und diese Glieder sind nun nicht da, um einfach allein für sich zu
sein, sondern sie sollen einander dienen. Übrigens wenn es hier heißt in
Vers 5: Also sind wir, die Vielen, ein Leib in Christus, einzeln aber
Glieder voneinander.", dann ist daraus schon abgeleitet worden, dass der
Einzelne nicht in persönlicher Verantwortung einen Dienst tun könne,
sondern er das in Absprache mit den anderen tun muss, weil wir ja Glieder
voneinander sind.
Nun, das ist sicher nicht der Akzent hier, sondern vielmehr, dass wir so
zusammengehören, dass wir einander dienen müssen, wo es notwendig ist.
Schmutz aus dem Auge entfernen, kratzen, wo es juckt, Handreichungen tun.
Wir sind nicht allein da, sondern wir sind da, um den anderen Erlösten zu
dienen, für sie da zu sein und uns mit unserer individuellen Gabe
einzusetzen zum Wohl all der Erlösten. Und dabei ist noch wichtig zu
bemerken, dass der Leib Christi nicht mit der örtlichen Gemeinde
gleichzusetzen ist. Nie wird in der Bibel die örtliche Gemeinde als der
Leib Christi bezeichnet. Man kann es hier sehr schön aus dem Text zeigen.
Paulus sagt in Vers 5: Also sind wir, die Vielen, ein Leib in Christo." Er
sagt nicht: ihr Römer, ihr seid ein Leib in Christo. Er sagt: Wir! Aber
Paulus schreibt den Römerbrief in Korinth und schreibt nach Rom und er
gehört nicht zur Gemeinde, zur Versammlung in Rom. Aber er sagt: wir sind
ein Leib in Christus. Das umfasst also das Gebiet von Griechenland bis Rom,
Italien. Und er sagt, wir sind ein Leib. Das zeigt, der Leib Christi ist
immer überörtlich.
Das Gleiche gilt für 1. Korinther 10, 17. Dort geht es um das Abendmahl
und da wird erklärt: Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen, denn
wir alle nehmen teil an dem einen Brote." Nun sagt er hier wieder: Ein Leib
sind wir, ich Paulus, ihr Korinther. Aber der Korintherbrief wurde aus
Ephesus geschrieben. Paulus war nicht Teil der Gemeinde in Korinth. Also
aus der Türkei nach Griechenland. Auch da wird wieder deutlich, dass der
Leib überörtlich zu sehen ist. Alle Erlösten auf der Erde zusammen bilden
den Leib. Und das macht deutlich, dass wir die Aufgabe zu dienen nicht nur
auf einen Ort beschränken sollen, sondern die Aufmerksamkeit, das sich
Kümmern um die anderen Glieder geht von Stadt zu Stadt und von Land zu
Land, ist also weltumfassend. Eine einzige Stelle könnte das in Frage
stellen, nämlich 1. Korinther 12. Aber zuerst auch dort noch der Beweis.
Vers 13 haben wir schon gelesen: Denn auch in einem Geist sind wir alle zu
einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seinen Sklaven
oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden." Er sagt wieder:
Wir alle zu einem Leib, ihr Korinther, ich Paulus. Also wieder überörtlich.
Aber dann kommt die schwierige Stelle, Vers 27: Ihr aber seid Christi
Leib, und Glieder insonderheit."
Jetzt spricht er die Korinther an. Ich
habe noch eine ältere Elberfelder und bei mir steht es falsch. Dort heißt
es noch: Ihr aber seid der Leib Christi. Und das steht im Grundtext nicht,
der Artikel. Dann würde es nämlich wirklich bedeuten, Korinth ist ein Leib
und dann gibt es in Ephesus ein Leib und so weiter. Aber richtig heißt es
eben: Ihr aber seid Christi Leib. Das heißt einfach, ihr gehört auch zum
Leib Christi. Ihr macht einen Teil des Leibes Christi aus. Aber es meint
eben nicht, ihr seid der Leib Christi.
Ich will das illustrieren. In Apostelgeschichte 18, als Paulus in Korinth
war, erscheint der Herr im Traum, in einer schwierigen Zeit und sagt ihm:
Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht! Denn ich bin mit dir,
und niemand soll dich angreifen, dir Übles zu tun; denn ich habe ein großes
Volk in dieser Stadt." Gottes Volk in Korinth. Der Herr Jesus sah schon die
Menschen, die sich bekehren würden. Nun, wenn man liest, ich habe ein
großes Volk in dieser Stadt, könnte man sagen, die Korinther sind das Volk
Gottes. Aber nein, sie sind nicht das Volk Gottes, denn auch die anderen
Erlösten gehören dazu. Aber man kann sagen, die korinthischen Gläubigen
sind Volk Gottes, sie gehören dazu. Aber es gibt nicht viele Völker Gottes
auf der Erde. Sie sind Volk Gottes, sie gehören zum Volk Gottes, und so
kann man auch sagen ihr seid Leib Christi, aber nicht, ihr seid der Leib
Christi. Alle Erlösten auf der Erde bilden den Leib Christi. Und das gibt
uns eine ganz andere Sicht für Gemeinde. Sie ist eben nicht einfach auf den
Ort beschränkt, sondern es gibt uns einen Blick für die weltweite Gemeinde.
Und das kann sich eben ganz praktisch auswirken in Hilfeleistungen
jeglicher Art, oder in Ausübung der Gaben nach dem Maß des Glauben, wie wir
es in Römer 12 gelesen haben.
Der Körper - ein Glied am Leib Christi
Und jetzt zum Schluss möchte ich noch ganz kurz über 1. Korinther 6, 12etwas sagen. Dann fahren wir am Mittwoch weiter mit den anderen Stellen. In
1.Korinther 6 erfährt man nämlich noch einen ganz neuen Aspekt, den man in
den anderen Stellen nicht so findet. Ich lese ab Vers 13: Die Speisen für
den Bauch, und der Bauch für die Speisen; Gott aber wird sowohl diesen als
jene zunichte machen. Der Leib aber nicht für die Hurerei, sondern für den
Herrn, und der Herr für den Leib. Gott aber hat sowohl den Herrn
auferweckt, als er auch uns auferwecken wird durch seine Macht. Wisset ihr
nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind? Soll ich denn die Glieder
Christi nehmen und zu Gliedern einer Hure machen? Das sei ferne! Oder
wisset ihr nicht, dass, wer der Hure anhängt, ein Leib mit ihr ist? "Denn
es werden", spricht er, "die zwei ein Fleisch sein." {1. Mose 2, 24} Wer
aber dem Herrn anhängt, ist ein Geist mit ihm. Fliehet die Hurerei! Jede
Sünde, die ein Mensch begehen mag, ist außerhalb des Leibes; wer aber hurt,
sündigt wider seinen eigenen Leib. Oder wisset ihr nicht, dass euer Leib
der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt, den ihr von Gott
habt, und dass ihr nicht euer selbst seid? Denn ihr seid um einen Preis
erkauft worden; verherrlichet nun Gott in eurem Leibe."
Also das Grandiose an dieser Stelle ist, – wir sprechen ja viel über
Glieder Christi, jeder Gläubige ist ein Glied – dass hier ganz konkret
gesagt wird, dass der Körper ein Glied Christi ist. Also dieser eine Körper
besteht aus unzähligen Menschen mitsamt ihres Körpers. Und der Apostel
Paulus leitet jetzt davon ganz konkrete Dinge fürs Leben ab. Dann ist es
doch klar, dass man mit seinem Körper nicht irgendwie umgehen kann. Der
Körper ist nicht einfach nur ein Gefängnis für die Seele, wie die alten
Griechen meinten, sondern er ist Gottes Werk, durch Gott erlöst, durch Gott
bewohnt, er ist ein Glied am Leib Christi. Diesen Gedanken habe ich von
einem katholischen Priester. Das ist gewaltig. Er hat gesagt, der Wert des
menschlichen Körpers ist dreifach: Gott hat ihn erschaffen, Gott hat ihn
erlöst und Gott bewohnt ihn, denn der Heilige Geist wohnt in ihm. Man fragt
sich, wie man dann noch Priester bleiben kann, wenn man so den Wert des
Körpers vor Gott sieht.
Erschaffen, erlöst, bewohnt. Und hier wird noch
deutlich gemacht: Und als solches ein Glied am Leib. Und das macht
deutlich: Was heißt es, ein Glied am Leib zu sein? Es heißt, dass nicht nur
irgendwie eine besondere Befähigung, die jeder hat, das große Thema ist
beim Leib Christi. Nein, wir gehören mit Haut und Haaren zum Leib Christi.
Das heißt, als Glieder einander dienen und dem Herrn als Haupt dienen,
bedeutet mit Haut und Haaren dienen, das heißt mit vollem Einsatz dienen,
das möchte ich sagen. Und dieser Körper muss heilig erhalten bleiben, er
darf nicht mit der Sünde zerstört und geschändet werden. Aber es zeigt auch
die Totalität unseres Einsatzes für die Gemeinde Gottes. Alles gehört dazu,
alles füreinander und für den Herrn, das Haupt.

