Rückblick auf den bisherigen Abschnitt
Wir sind vor der Pause bis Vers 19 gekommen. Ich lese den Vers nochmals:
Wir wissen aber, dass alles, was das Gesetz sagt, es zu denen redet, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei.
Wenn hier der Apostel Paulus vom Gesetz spricht, dann meint er das Gesetz, das Gott Israel am Sinai gegeben hat. Nach dem Auszug aus Ägypten hat Gott mit Israel einen Bund geschlossen und ihm das Gesetz gegeben. Das sind zunächst die zehn Gebote und dann Hunderte von weiteren Geboten. Bundesschluss in 2. Mose 19, die zehn Gebote in 2. Mose 20, und dann geht es weiter in 2. Mose 21, 2. Mose 22 und so weiter, bis 3. Mose, 4. Mose und 5. Mose.
Im Judentum hat man versucht, alle Gebote so systematisch zusammenzustellen und zu gruppieren. Darum spricht man dann von den 613 Geboten.
Ja, und was ist die Folge, wenn man als Israelit unter dem Gesetz ist und versucht, das umzusetzen? Jeder merkt: Das war vermessen. Die Israeliten damals in 2. Mose 19 am Fuß des Sinais haben gesagt: Alles, was der Herr gebietet, wollen wir tun. Und kurz darauf haben sie das nochmals bestätigt, in 2. Mose 24: Alles, was der Herr gebietet, wollen wir tun. Dreimal.
Aber wenn man versucht, die Tora einzuhalten, merkt man: Das geht ja gar nicht. Immer wenn das Gesetz sagt: Du sollst, kann etwas in mir aufkommen, was genau das nicht tun will. Und da, wo das Gesetz sagt: Du sollst nicht, kommt etwas auf, um genau das doch zu tun. Woher kommt das?
Ja, das Gesetz ist ein Spiegel, der eben tiefer geht als der Badezimmerspiegel und die Sündhaftigkeit des Menschen ans Licht bringt. Wir haben in uns eine sündige Natur, die genau das Gegenteil von dem will, was das Gesetz Gottes verlangt. Und darum heißt es hier: Wir wissen aber, dass alles, was das Gesetz sagt, es zu denen redet, die unter dem Gesetz sind.
Wer ist unter dem Gesetz? Israel. Gott hat diesen Bund am Sinai nur mit Israel gemacht, nicht mit den anderen Völkern. Und in 2. Mose 31 sagt Gott: Und das Zeichen des Bundes zwischen Gott und den Kindern Israel ist der Sabbattag. Also auch das Sabbatgebot wurde ausdrücklich Israel als Gebot gegeben. Und alles, was das Gesetz sagt, sagt es eben zu Israel.
Aber das Gesetz hat eine moralische Bedeutung für die ganze Welt. Und darum sagt der Apostel: damit jeder Mund verstopft werde und die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei.
Wenn Israeliten feststellen: Ich bin ja gar nicht von mir aus in der Lage, das zu erfüllen, was Gott verlangt, was der Gerechtigkeit Gottes entspricht. Da ist eine sündige Natur in mir, und ich versage. Dann wird klar: Mit dem Halten des Gesetzes kann man nicht vor Gott bestehen. Und die ganze Welt muss sagen: Ja, bei uns ist das auch nicht besser. Darum hat das Gesetz eine moralische Bedeutung für die ganze Welt.
Ich meine, wenn irgendjemand, der gar nicht unter dem Gesetz ist, versucht, einmal einige Monate wirklich konsequent alles zu erfüllen, was die zehn Gebote sagen, merkt er: Das ist nicht so, das funktioniert nicht so. Dann ist es eben ganz klar, dass jeder Mund verstopft wird durch das Gesetz. Die ganze Welt ist dem Gericht verfallen. Das macht klar: Auch die anderen Völker sind ja nicht in der Lage, das zu erfüllen. Das heißt, alle haben das Gericht Gottes verdient.
Das Gesetz ist nicht die Lösung, sondern es zeigt: Es braucht eine Lösung, da ist ein riesiges Problem da. Aber ich habe in meiner Bibel „jeder Mund“ ganz speziell markiert. Warum? Ja, wir haben gesehen, gerade in den Versen vorher war der Mund schon sehr offen. Vers 13: Ihr Schlund ist ein offenes Grab, mit ihren Zungen handeln sie trügerisch, und Schlangengift ist unter der Lippe, Mund voll Fluchens. Und jetzt wird jeder Mund verstopft. Jeder muss anerkennen: Das Gesetz verurteilt uns.
Und das führt uns zu Vers 20:
Darum wird aus Gesetzeswerken, also auf der Grundlage von Gesetzeswerken, kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden.
Ich habe ja schon erklärt: Rechtfertigen bedeutet, jemanden als gerecht erklären. Und wenn man eben versucht, nach dem Gesetz zu leben, merkt man: Aber ich kann es ja gar nicht, ich versage. Und darum kann, wenn man versucht, das Gesetz einzuhalten, nie der Tag kommen, an dem Gott sagen müsste: Dieser Mensch ist gerecht. Genau das Gegenteil ist passiert. Also kann aus Gesetzeswerken kein Fleisch vor ihm als gerecht erklärt werden, gerechtfertigt werden.
Und dann erklärt der Apostel Paulus: Denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.
Also ist das Gesetz ein Spiegel, zuerst Israel gegeben, aber in der Anwendung auch dazu da, den anderen Völkern zu zeigen: Ja, ihr könnt das auch nicht. Alle sind schuldig. Das ist die moralische Bedeutung der Tora, des Gesetzes.
Die Gerechtigkeit Gottes ohne Gesetz
Und dann kommt Vers 21: Jetzt aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit offenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.
Gottes Gerechtigkeit spielt im Evangelium eine ganz wichtige Rolle. Menschen werden von Gott gerecht gesprochen. Aber das hat eben nichts mit dem Gesetz zu tun. Darum heißt es hier: Jetzt aber ist ohne Gesetz, getrennt vom Gesetz, Gottes Gerechtigkeit offenbart worden.
Zwar haben das Gesetz Mose und auch die Propheten im Alten Testament davon bereits gezeugt. Denn das Gesetz und die Propheten sprechen davon, dass einmal der Erlöser kommen wird, der das Problem der Sünde lösen wird und der zur Gerechtigkeit verhelfen wird. Und so ist eben, ohne den Weg über das Gesetz zu gehen, die Gerechtigkeit Gottes offenbart worden. Aber das war alles schon angekündigt im Alten Testament durch das Gesetz und die Propheten.
Ich möchte das ganz kurz konkret zeigen anhand von Jesaja 53. In Jesaja 53 wird der Erlöser prophezeit, der kommen wird, um für unsere Sünden zu sterben, der Gerechte für die Ungerechten. Jesaja 53. Das Kapitel beginnt eigentlich des Zusammenhangs wegen schon bei Kapitel 52,13: Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln.
Dieser Knecht Gottes ist der Messias. Und in jeder Rabbinbibel steht gerade neben dem hebräischen Text auf derselben Seite in der aramäischen Übersetzung: Das ist der Messias, von dem hier die Rede ist. Weil im Aramäischen in der Übersetzung nebendran da wird gesagt: Siehe, mein Knecht, Meschicha, das ist der Messias. Siehe, mein Knecht, der Messias, wird einsichtig handeln.
Und nun heißt es von ihm in Vers 4 in der Mitte: Und wir, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Doch um unserer Übertretungen willen war er verwundet, um unserer Ungerechtigkeiten willen zerschlagen. Die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen Weg, und der Herr hat ihn treffen lassen unser aller Ungerechtigkeit.
Er leidet stellvertretend für unsere Sünden. Und dann heißt es in Vers 11 in der Mitte: Durch seine Erkenntnis wird mein gerechter Knecht die vielen zur Gerechtigkeit weisen, und ihre Ungerechtigkeiten wird er auf sich laden.
Jetzt sieht man bei „zur Gerechtigkeit weisen“ in der Elberfelder die nützliche Fußnote oder den vielen zur Gerechtigkeit verhelfen, die vielen gerecht machen durch Vergebung, nicht: Sie halten das Gesetz ein, und dann sind sie gerecht. Nein, niemand kann es. Und darum wird unabhängig vom Gesetz Gottes Gerechtigkeit geoffenbart, und zwar diese geschenkte Gerechtigkeit.
Der Messias stirbt für unsere Sünden, und er verhilft uns zur Gerechtigkeit. Er macht uns gerecht, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. Ja, zum Beispiel in Jesaja 53 ist das so direkt bezeugt.
Glaube als Weg zur Rettung
Und dann sagt der Apostel weiter in Vers 22: Gottes Gerechtigkeit aber durch Glauben an Jesus Christus gegen alle und auf alle, die glauben.
Also: Diese Gerechtigkeit bekommt man nicht irgendwie durchs Halten des Gesetzes, sondern es ist die Gerechtigkeit, die man durch Glauben an Jesus Christus bekommt.
Und es hilft, wenn man im Neuen Testament liest, immer wieder daran zu denken: Christus heißt ja auf Griechisch einfach Messias. Darum hilft es eben, wenn man die deutsche Bibel liest, sich ab und zu zu ersetzen: aber durch Glauben an Jesus, den Messias. In unseren Ohren ist das irgendwie so drin im Deutschen: Jesus, Vorname; Christus, Nachname. Aber das ist ja kein Familienname, sondern das ist der Titel Messias. Christos auf Griechisch heißt eben der Gesalbte, und auf Hebräisch eben Messias, aus Maschiach, dasselbe.
Also liest man: Durch Glauben an Jesus, den Messias, Gottes Gerechtigkeit durch Glauben, gegen alle und auf alle, die glauben.
Was ist der Unterschied? Gegen alle heißt: Gott bietet das allen Menschen an. Gottes Gerechtigkeit gegen alle heißt, es wird allen Menschen angeboten. Aber es kommt dann nur auf die als ein Geschenk, die es wirklich annehmen, und auf alle, die glauben. Es zeigt wieder: Der Heilsplan Gottes ist für die ganze Welt, aber das Heil wird nur Wirklichkeit für die, die sich auch bekehren und glauben an den Herrn Jesus und an sein Erlösungswerk.
Und dann kommt eben direkt angeschlossen als Begründung: Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt.
Also gibt es nur diesen Weg für die Rettung: durch Glauben an den Messias Jesus, der eben nach Jesaja 53 für unsere Sünden gestorben ist und so als der gerechte Knecht den vielen zur Gerechtigkeit verhilft, indem er ihre Sünden auf sich lädt. Nochmals Jesaja 53,11.
Und warum heißt es hier: Denn es ist kein Unterschied? Das will sagen: Es gibt keinen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden. Wenn es um die Rettung geht, hat der Jude keinen Sonderweg. Und es ist kein Unterschied: Beide sind schuldig vor Gott, beide brauchen eben diese Gerechtigkeit Gottes, die nur durch den Glauben erlangt wird und nicht durch eine bestimmte Leistung. Denn niemand kann das leisten.
Denn es ist kein Unterschied, denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes.
Man kann an sich herumflicken, wie man will, so wie man an einer alten Hütte herumflickt, aber sie wird nicht neu. Hier ist es so: Man erreicht niemals den Maßstab Gottes. Die Herrlichkeit Gottes können wir nicht erreichen.
Und jetzt kommt die Medizin. Das ist immer das Schwierige für den Arzt, wenn er die Diagnose eröffnen muss. Das kann sehr unangenehm sein, und in manchen Fällen kann es ein Schock sein. Aber man muss ja zuerst sagen, was ist. Und dann kann man über Heilung sprechen, und hier gibt es Heilung.
Geschenk der Gnade und Erlösung durch Christus
Darum heißt es in Vers 24: „Und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade.“
Umsonst – das können wir uns besonders anstreichen. Das heißt gratis, ohne Leistung, ohne Bezahlung von unserer Seite. Gratis. Und werden umsonst gerechtfertigt. Da muss man sich immer wieder sagen: Was heißt rechtfertigen? Jemanden als gerecht erklären. Das ist ein Wort, das ja in der Umgangssprache nicht so oft gebraucht wird, höchstens noch in dem Zusammenhang: Der rechtfertigt sich dauernd. Und wenn er sich eben rechtfertigt, was macht er? Rechtfertigen bedeutet nicht, sich gerecht machen, sondern erklären: Ich habe nichts falsch gemacht. Das ist rechtfertigen. Ich habe es richtig gemacht, das ist sich selber rechtfertigen. Schöner ist es, wenn andere einen rechtfertigen.
Aber ich will einfach nur sagen: Auch heute brauchen wir diesen Ausdruck immer noch im Sinn von gerecht erklären, aber nicht gerecht machen. Und jetzt wird hier gesagt, sie werden gratis als Gerechte erklärt. Ja, wie geht das? Sie sind ja eben alle ungerecht und schuldig. Ja, wenn Gott alle Schuld wegnimmt, was bleibt übrig? Ein Gerechter. Darum: gerechtfertigt durch seine Gnade.
Und Gnade ist auch wieder ein Wort, das man in der heutigen Sprache nicht mehr braucht. Dann hilft es, wenn man sich immer wieder sagt: Gnade bedeutet ein unverdientes Geschenk. Also gratis, gerechtfertigt, gerecht gesprochen durch seine Gnade, als unverdientes Geschenk. Und wie geht das? Dieses Geschenk geht durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist. Also der Messias musste die Erlösung schaffen, nur so geht es.
Und jetzt wird hier Christus zuerst genannt: Christus Jesus. Wieso steht jetzt hier Christus zuerst? Ja, das war für meine französische Lehrerin auch einmal ganz seltsam. Ich musste einen Aufsatz schreiben, und darin habe ich irgendwie ein Zitat aus der Bibel gebracht und habe geschrieben: Christe Jesu. Das wäre jetzt angestrichen worden, falsch. Aber er hat gesagt: Doch, das ist richtig. In der Bibel gibt es beides: Jesus Christus und Christus Jesus. Und wenn Christus zuerst steht, wird der Titel Messias mehr betont, oder? Jesus Christus heißt: Jesus, der Messias. Christus Jesus bedeutet: der Messias Jesus. Ein kleiner Bedeutungsunterschied, aber akzeptiert.
Ja, wir sind zurechtgekommen bis zum Schluss, aber es gab viele Diskussionen. Und sie war dann wirklich sehr lieb an der Matura. Mündlich in der französischen Matura hat sie mir einen Text gebracht von Blaise Pascal. Das ist ja dieser Mathematiker in der Aufklärungszeit, man sagt Philosoph, ein christlicher Denker. Er hat sich ja gegen die Aufklärungsphilosophen gewandt, die die Bibel verspottet haben usw. Er hat Notizen gesammelt, um später einmal ein Buch zu schreiben, um den christlichen Glauben gegen diese spottenden und verachtenden Philosophen der Aufklärungszeit zu verteidigen. Und diese Notizensammlung hat er genannt: Pensées, Gedanken. Das Buch hat er nie geschrieben, aber Pensées von Blaise Pascal gehört zur Literatur des Französischen. Das gehört einfach dazu, wenn man Französisch studiert.
Da hat sie mir einen Text gebracht, und jetzt einmal raten, welchen Text: ausgerechnet den Abschnitt, wo er schreibt über messianische Prophetie. Wo er schreibt, wie viele Prophezeiungen sich erfüllt haben auf Jesus Christus. Er wurde in Bethlehem geboren, und er kam nach 69 Jahrwochen, nach Daniel 9 usw. Die ganze Berechnung, wo man ausrechnen kann: Im Jahr 32 soll der Messias kommen. Und das musste ich lesen und kommentieren. Ja, also wirklich: Prüfung kann auch Freude sein.
Aber ich wollte eben sagen, wir sind schon zurechtgekommen, das war nur ein kleiner Exkurs. Früher habe ich in Predigten kaum über mich gesprochen, und das hat viele gestört. Du sprichst ja, aber was soll ich als Dreißigjähriger so tun, als wäre ich so etwas väterlich? Ich hatte zwar schon Kinder, aber ja, und das kam dann später mehr und mehr. Ja, jetzt habe ich die Freiheit dazu.
Also darum ein kleiner Exkurs, aber es ging darum: Christus Jesus, was das bedeutet, nur dass man nicht das Eigentliche vergisst. Es ist nämlich immer schlimm bei Predigten, wenn die Leute sich dann noch an die Predigt erinnern, dass irgendetwas war, so humorvoll. Aber das Eigentliche von der Predigt wissen sie nicht mehr. Und gut, das wäre wenigstens noch eine kleine Anekdote. Aber wichtig ist jetzt eben, dass man weiß: Christus Jesus, der Messias Jesus. Die Erlösung geschieht durch den Messias Jesus, der eben in Jesaja 53 als Erlöser prophezeit ist und an vielen anderen Stellen. Den Gott dargestellt hat als ein Sühnmittel durch den Glauben an sein Blut.
Das Bild des Sühnedeckels und der Bundeslade
Hm, was heißt das jetzt? Wer eine Elbenfelder hat, ich habe hier die CSV Hückeswagen, der hat da eine Fußnote. Im Griechischen dasselbe Wort wie Sühndeckel, in Hebräer 9,5. Ja, für Sühnmittel steht hier Hilasterion, und das ist im Griechischen der Name für den Deckel der Bundeslade.
In 2. Mose 25 wird ja die Bundeslade beschrieben. Mose war auf dem Berg Sinai, und ihm wurde die Vorlage gezeigt zum Bau der Stiftshütte. Die wurde dann unten am Fuß des Sinais gebaut. Gerade vor ein paar Tagen waren wir da oben auf der Bergspitze, auf dem Dschebel Musa, und da kann man daran denken: Da hat Mose nicht nur die Tora bekommen, die zeigen sollte, dass Israel ein verlorenes Volk ist, weil sie Gottes Anforderungen gar nicht erfüllen können. Aber im Gleichen hat Gott ihm auf dem Berg die Stiftshütte gezeigt, die in allen Details auf den Erlöser hinweist, der das Problem, das entsteht, wenn man feststellt durch den Spiegel des Gesetzes: „Ich bin schuldig“, die Lösung gibt. Wunderbar, Gott hat im Gleichen auch gerade die Lösung gegeben.
Und eben in 2. Mose 25 wird die Bundeslade beschrieben: ein Kasten aus Akazienholz, überzogen mit reinem Gold, innen und außen. Darauf ein Deckel nur aus reinem Gold, pures Gold, 24 Karat. Und mit dem Deckel ein Stück zwei Cherubimgestalten, ihre Köpfe gegeneinander, und die schauen herunter auf den Deckel der Bundeslade. Und jetzt, im Hebräischen heißt dieser Deckel „Kaporet“. Und in Hebräer 9 haben wir den griechischen Ausdruck.
Ich lese mitten heraus: Zuerst wird die Stiftshütte beschrieben mit dem Leuchter, dem siebenarmigen Leuchter, dem Schaubrottisch und dann in Vers 3 hinter dem zweiten Vorhang, das ist der Scheidevorhang, der das Allerheiligste vom Heiligen abtrennte, hinter dem zweiten Vorhang aber eine Hütte, die das Allerheiligste genannt wird, die ein goldenes Räucherfass oder einen goldenen Altar hatte und die Lade des Bundes, überall mit Gold überzogen, in der der goldene Krug war, der das Manna enthielt, und der Stab Aarons, der gesprosst hatte, und die Tafeln des Bundes. „Oben über ihr aber die Cherubim der Herrlichkeit, den Sühndeckel überschattend, worüber jetzt nicht im Einzelnen zu reden ist.“
Jetzt sieht man: Sühndeckel, Fußnote, im Griechischen dasselbe Wort wie Sühnmittel in Römer 3,25. Also jetzt wird wirklich klar: In Römer 3,25 spricht der Apostel Paulus über den Deckel der Bundeslade und sagt, Jesus Christus ist von Gott dargestellt worden als Hilasterion. Was bedeutet das? Ich werde es gleich erklären. Aber ich möchte noch etwas sagen.
In Hebräer 9,1-5 beschreibt Paulus die Stiftshütte. Und ich habe jetzt gesagt Paulus, nicht der Schreiber des Hebräerbriefes. Es war Paulus, aber jetzt haben wir nicht die Zeit, um das zu erklären. Das habe ich anderswo erklärt, warum man wissen kann, dass Paulus einen Hebräerbrief geschrieben hat. Aber was ich sagen will: Er erklärt kurz Leuchter, Schaubrottisch, dann Räucheraltar und Bundeslade mit Inhalt und Sühnedeckel. Und dann sagt er: „Worüber jetzt nicht im Einzelnen zu reden ist.“
Ich glaube, da hätten die Hebräer denken: Oh schade, eine Auslegung des Apostels Paulus von der Symbolik der Stiftshütte. Ja, gut. Im Römerbrief sagt er etwas zum Deckel, aber zum Menorah, ja, zum Menorah findet man etwas in der Rede vor Agrippa, Apostelgeschichte 26, sehr versteckt, aber zu Verschiedenem sagt er gar nichts. Warum sagt er dann: „Worüber jetzt nicht im Einzelnen zu reden ist“? Damit will er sagen: Darin steckt ganz viel Belehrung, geistliche Belehrung, aber ich erkläre das jetzt nicht. Das müsst ihr selber machen.
Es ist sehr wichtig, weil es manche bibeltreue Bibelausleger gibt, die sagen, bei Typologie muss man schon sehr aufpassen. Typologie ist das gescheite Wort, um zu sagen: Im Alten Testament gibt es Geschichten und Einrichtungen, die auf Jesus Christus hinweisen. Auf Deutsch würde man sagen: ein Vorbild auf. Zum Beispiel war Abraham bereit, seinen Sohn Isaak herzugeben zum Opfer. Das ist ein vorbildlicher Hinweis auf Gott, den Vater, der bereit war, seinen Sohn am Kreuz für uns zu geben als Opfer. Und es gibt ganz viele Details dort in 1. Mose 22, Parallelen. Ich habe etwa dreißig Parallelen gefunden in den neunzehn Versen.
Ja, also da sagen manche: Mit Typologie muss man sehr aufpassen, man sollte nur das typologisch auslegen, was im Neuen Testament typologisch ausgelegt wird. Und das ist falsch, das ist offen falsch, weil er hier sagt: „Worüber jetzt nicht im Einzelnen zu reden ist.“ Das heißt, es bedeutet etwas, aber das müsst ihr selber herausfinden. Uns wird im Neuen Testament nicht einfach alles da erklärt.
Noch etwas im Galaterbrief: Die Galater waren nicht Juden, im Wesentlichen. Und die wollten sich unter das Gesetz stellen lassen. Sie wurden von Irrlehren besucht, und die wollten sie unter das Gesetz bringen. Und dann sagt Paulus in Galater 4: „Ihr, die ihr euch unter das Gesetz stellen lassen wollt, hört ihr das Gesetz nicht?“ Und dann sagt er in der Geschichte von Abraham, dass diese zwei Frauen, Hagar und Sara, zwei Bündnisse darstellen: das Bündnis eben zur Knechtschaft und das Bündnis der Freiheit. Und er erklärt das so eben typologisch.
Aber er macht den Galatern einen Vorwurf: Ihr wollt euch so besonders interessieren für das Gesetz, indem ihr meint, als Nichtjuden müsstet ihr euch unter das Gesetz vom Sinai stellen, das nur für Israel war. Aber wenn ihr euch schon mit dem Gesetz beschäftigt, habt ihr das nicht herausgefunden, was das bedeutet, was das mit Hagar und mit Sara bedeutet? Er erklärte das, die ganze Typologie. Also, er sagt nicht: Schaut, das ist jetzt ein Beispiel aus dem Neuen Testament, das dürft ihr, aber alle anderen typologischen Anwendungen macht bitte nicht, das ist gefährlich. Nein, er macht ihnen einen Vorwurf, dass sie das nicht schon selber entdeckt haben.
Also, das macht uns Mut, die Bibel so zu lesen und diese Reichtümer, den Hinweis auf Christus, diese bildlichen Hinweise zu entdecken. Nicht mit wilder Fantasie, sondern man muss ganz gut jeden Punkt begründen können.
Die Bedeutung von Blut, Vorhang und Versöhnungstag
Also, jetzt der Sühnedeckel, Hilasterion. Jetzt will ich erklären: Der war auf der Bundeslade, ein Stück mit den Cherubim.
Warum Cherubim? Cherubim sind eine bestimmte Engelart, die die Gerechtigkeit Gottes verteidigen. Darum, als Adam und Eva als Sünder aus dem Paradies ausgewiesen wurden, da haben Cherubim, also in der Mehrzahl Cherubim, auf Deutsch Cherube, mit dem flammenden Schwert den Eingang, den Osteingang, bewacht, damit sie nicht als Sünder einfach so zum Baum des Lebens gehen könnten und zum ewigen Leben kämen, ohne eben den Weg der Erlösung zu gehen.
Also, sie versperrten, sie bewachten die Gerechtigkeit Gottes. Hier können wir ableiten: Die Cherubim haben ein Interesse, die Gerechtigkeit Gottes zu verteidigen. Und nun diese Cherubim auf dem Deckel, die entsprechend übrigens auch auf dem Scheidevorhang als Cherubim gestaltet sind. Und der Scheidevorhang, das war ja dieser Vorhang, der eine totale Trennung machte. Niemand durfte ins Allerheiligste gehen durch den Scheidevorhang, nur eine Ausnahme: einmal im Jahr, an Jom Kippur, also am Tag der Versöhnung oder besser gesagt am Tag der Sühnung, Jom Kippur.
Und wie heißt schon der Deckel? Kaporet, das ist die gleiche Wortwurzel. Kaporet, der Sühnungsdeckel; Kippur, die Sühnung; Jom Kippur, der Sühnungstag. Also nur am Jom Kippur durfte der Hohepriester hinein. Aber dieser Scheidevorhang machte klar: Zwischen Gott und Menschen gibt es eine Trennung.
Und wir wissen: Im Moment des Todes des Herrn Jesus am Kreuz, in Matthäus 27, ist der entsprechende Vorhang im Tempel von oben nach unten zerrissen. Und sozusagen ist jetzt der Zugang offen durch den Tod des Messias. Das Gesetz gibt nicht den Zugang, den freien Zugang, aber der Tod des Messias. Auch da Cherubim gestaltet drauf, die sagen: Stopp, nicht weiter, es gibt ein Problem. Eure Sünden haben eine Scheidung gemacht zwischen mir und euch. Jesaja 59,2 haben wir heute Morgen, nein, heute Nachmittag, nämlich mit Jesaja 59 in Vers 3,18, wo zitiert wird.
Gut, also jetzt ein weiterer Schritt: In der Bundeslade waren die Tafeln des Gesetzes, zwei Tafeln, hinten und vorne beschrieben von Gott selbst. Die Zehn Gebote repräsentieren das ganze Gesetz, die Zusammenfassung der Hunderten von Geboten. Und die Cherubim, ihre Gesichter schauten auf den Deckel herab, also in Richtung Gesetzestafeln. Symbolik: Cherubim fordern Gottes Gerechtigkeit. Hier ist ein Volk versammelt um die Stiftshütte, das Tag für Tag diese Gebote bricht. Gott muss bestrafen, ein gerechter Gott muss das Böse bestrafen.
Nun, an Jom Kippur durfte der Hohepriester mit dem Blut von einem Bock ins Allerheiligste hineingehen, und dann musste er den Finger eintauchen in die Opferschale und einmal sprengen auf den Deckel und siebenmal auf den Boden vor dem Deckel. So steht das in 3. Mose 16 über den Jom Kippur.
Und nun schauen diese Cherubim da runter auf den Deckel, in Richtung Gesetzestafeln, aber jetzt ist da Blut auf dem Deckel. Das bedeutet symbolisch: Gott hat die Strafe ausgeübt, Gott ist gerecht, er hat gehandelt, aber nicht an dem Schuldigen, sondern an einem unschuldigen Ziegenbock. Der musste sterben, der nie gesündigt hat. Ziegen sündigen nicht. Ja, es ist so.
Also auch unsere Zwergziegen, die immer über den Zaun gesprungen sind, und unsere drei Töchter hatten je eine Ziege bekommen von uns Eltern. Aber wenn sie in der Schule waren, haben sie nicht dazu geschaut. Dann war ich zu Hause am Arbeiten, und dann kommt am Telefon: Jetzt ist die Ziege schon wieder im Garten. Dann muss ich sie einfangen gehen. Aber ich habe nie den Eindruck gehabt, die haben jetzt gesündigt, ja? Ziegen sündigen nicht.
Aber ich will nur sagen: Dieser Ziegenbock ist unschuldig gestorben als Stellvertreter. Aber der eine Spritzer auf der Bundeslade auf dem Sühnedeckel machte klar: Jetzt kann Gott vergeben auf der Grundlage von Erlösung durch Stellvertretung. Und genau das ist das, was wir hier haben.
Nochmal Römer 3,24: Umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist, den Gott dargestellt hat als einen Sühnedeckel, einen Hilasterion, durch den Glauben an sein Blut. Also wer glaubt, dass das Blut des Herrn Jesus, das geflossen ist auf Golgatha, vor Gott reicht, dass meine Sünden vergeben werden können, dem rechnet Gott das ganze Erlösungswerk zu. Ohne Leistung! Gratis, ein Geschenk. Aber wir müssen unser Vertrauen darauf setzen, das heißt Glauben an sein Blut, also Vertrauen, dass dieses Blut vor Gott Gültigkeit hat, um alle Sünden wegzunehmen.
Schon interessant: Auf dem Boden vor dem Hohenpriester wurde das Blut siebenmal gesprengt, auf dem Deckel nur einmal. Boden, das war für den Hohenpriester, und zu wissen: Ich darf vor Gott stehen, das Blut gilt. Aber für ihn braucht es quasi siebenmal Bestätigung, aber für Gott reicht einmal.
Das ist der Unterschied. Manchmal eben in der Seelsorge hat man mit Gläubigen zu tun, die Zweifel haben im Glauben und plötzlich wieder nicht sicher sind: Bin ich errettet? Und wenn man fragt: Hast du eine Schuld bekannt? Ja, natürlich, und immer wieder, und und ja, einfach irgendwie habe ich da manchmal doch wieder Angst, reicht das? Ja, da braucht es eben sieben Mal. Da muss man immer wieder das Gleiche sagen. Aber das sollte uns nicht irgendwie lästig sein. Man muss manchmal Gläubigen immer wieder bestätigen: Doch, es gilt! Und so wird man errettet. Du hast deine Schuld bekannt, dann hat Gott auch versprochen, dass er vergibt.
1. Johannes 1,9 sagt: Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, der uns die Sünden vergibt. Und es heißt nicht treu und gnädig, das wäre ja auch richtig, nein, treu und gerecht. Das heißt, Gott vergibt, und wenn er nicht vergeben würde, wäre Gott ja gar nicht gerecht, weil der Herr Jesus bezahlt hat.
Ja, so muss man bestätigen, das ist sieben Mal. In der Seelsorge muss man das einfach sieben Mal wiederholen. Und dann beginnt es wieder von vorne: eins, zwei, drei. Ganz klar ist. Und das ist so schön, wenn dann Gläubige wirklich zur Ruhe kommen in dem Herrn Jesus.
Und es gibt dieses Lied: Auf dem Lamm ruht meine Seele, betet voll Bewunderung an, alle, alle meine Sünden hat sein Blut hinweggetan. In einer weiteren Strophe heißt es: Da, wo Gott mit Wonne ruht, ruht, bin auch ich in Ruhe gesetzt.
Eben da war die Bundeslade. Der Herr Jesus hat bezahlt, das Blut ist gesprengt, Gott ist vollkommen zufriedengestellt, dann dürfen wir doch auch zur Ruhe kommen. Ja, das ist alles hier im Begriff in diesem Vers 25, den Gott dargestellt hat als ein Sühnmittel im Sinne von Sühnedeckel durch den Glauben an sein Blut zur Erweisung seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden unter der Nachsicht Gottes.
Was heißt denn das? Wann hat Gott die Sünden hingehen lassen unter seiner Nachsicht? Siehst du, hier steht vorher. Das habe ich in meiner Bibel grün unterstrichen. Vorher grün, da unterstreiche ich eben Zahlen, Namen und so weiter oder zeitliche Angaben, die ich hervorheben möchte. Vorher, und dann im Kontrast in Vers 26: zur Erweisung seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit. Das ist bei mir natürlich auch wieder grün. Vorher, in der jetzigen Zeit. Und dann schreibe ich am Rand hin: bei vorher, at now, jetzige Zeit, nt.
Hier geht es um das Problem: Menschen haben im Alten Testament gesündigt. Aber da haben wir so viele schöne Beispiele von Menschen, die eine Umkehr erlebt haben, alttestamentlich eine Bekehrung. Und dazu gehören zum Beispiel ein Henoch, Noah, Abraham, Isaak, Jakob, Mose, David. Und es sind nur ein paar wenige aus den Unzähligen, die so Umkehr erlebt haben. Und Gott hat vergeben. Aber damals gab es ja gar noch kein Opfer auf Golgatha. Und trotzdem hat Gott vergeben. Das war eben das Hingehenlassen der vorher geschehenen Sünden unter der Nachsicht Gottes. Im Blick auf Golgatha hat er schon vorher vergeben.
Und jetzt versteht man Psalm 32 noch viel besser. Ich schlage auf: Bußpsalm von David. Und er sagt in Vers 1: Von David, ein Maskil. Ein Maskil ist ein Gedicht, das weise macht. Glückselig der, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde zugedeckt ist. Glückselig der Mensch, dem der Herr die Ungerechtigkeit nicht zurechnet und in dessen Geist kein Trug ist.
Also David spricht hier über die Glückseligkeit des alttestamentlich Gläubigen, über Vergebung, obwohl kein Opfer zur Vergebung geschehen war. Aber jetzt muss man achten: Er sagt, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde zugedeckt ist. Gott hat die Sünden der Menschen, die umgekehrt sind im Alten Testament, gewissermaßen zugedeckt im Blick auf Golgatha. Aber die waren noch nicht gesühnt. Gott hat das im Blick auf Golgatha hingehen lassen.
Da hätte jemand sagen können im Alten Testament: Ja, ist Gott gerecht, wenn er vergibt? Und da ist ja gar keine Vergeltung für das Böse geschehen. Und darum sagt der Apostel: Zur Erweisung seiner Gerechtigkeit ist der Herr Jesus jetzt das Sühnmittel, weil jetzt ist das geschehen. Alle Sünden, auch die im Alten Testament, hat der Herr Jesus auf sich genommen und gesühnt. Und jetzt ist klar: Gott ist gerecht wegen seines Hingehenlassens der vorher geschehenen Sünden und der Nachsicht Gottes. Das war rechtens.
Und dann heißt es aber weiter: Zur Erweisung seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, dass er gerecht sei und den rechtfertige, der des Glaubens an Jesus ist. Also Gott ist gerecht, weil dieses Opfer geschehen ist. Ist er nicht nur gnädig, sondern er ist gerecht, wenn er jedem, der an den Herrn Jesus glaubt und an sein Opfer, gerecht spricht.
„Alles vergeben, du bist gerecht, du bist ein Gerechter.“ Grandios, nicht wahr?
Übrigens das Gleiche findet man auch, diesen Gedanken, in Hebräer 9, ganz kompliziert formuliert, aber keine Angst. Die komplizierten Sachen sind gerade die schönen, auch die einfachen. Aber wenn es dann so plötzlich aufgeht, was so kompliziert schien:
Hebräer 9,15: Und darum ist er Jesus Mittler eines neuen Bundes, damit, da der Tod stattgefunden hat zur Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund, die Berufenen die Verheißung des ewigen Erbes empfingen.
Also, der Herr Jesus ist gekommen als Mittler des neuen Bundes. Er ist gestorben, und dieser Tod hat bewirkt die Erlösung von den Übertretungen unter dem ersten Bund. Das ist der alte Bund vom Sinai. Die Sünden hat Gott zugedeckt, und dann ist der Herr Jesus gekommen, ist gestorben, und jetzt hat Gott eben so die Erlösung gewirkt von den Übertretungen unter dem alten Bund im Alten Testament.
Der Ausschluss jedes menschlichen Ruhms
Jetzt gehen wir weiter, Römer 3,27: Wo ist nun der Ruhm? Also, wenn es jetzt um Bekehrung und Errettung geht, wo kann man sich da noch rühmen? Bei den Menschen, die sich bekehrt haben, geht das nicht. Das Thema Ruhm ist da ausgeschlossen; es hat keinen Platz.
Und dann sagt er: Durch was für ein Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. Also, es gibt nicht nur das Gesetz der Werke im Zusammenhang mit dem Gesetz vom Sinai. Das ist das Gesetz der Werke. Aber es gibt auch das Gesetz des Glaubens, und da gelten eben andere Regeln, andere Gesetze. Und das Gesetz des Glaubens sagt: Es ist alles gratis, alles Gnade, keine Leistung. All diese Menschen hätten Gott nicht gesucht, wenn nicht er gekommen wäre, der gute Hirte, und das Schaf nach Hause getragen hätte. Es gibt nichts zu rühmen. Also ausgeschlossen durch das Gesetz des Glaubens.
Sieht man diese Fragen: Wo ist nun der Ruhm? Antwort: Durch was für ein Gesetz? Noch eine Anschlussfrage: der Werke? Antwort: Nein. Das zeigt, wie oft ein Thema gut erarbeitet werden kann, durch Frage und Antwort.
Und immer wieder sagen mir manchmal Leute, die etwas fragen, und sagen dann: Jetzt habe ich eine ganz dumme Frage. Und wirklich muss ich sagen, ich habe fast noch nie erlebt, dass eine Frage dumm war. Aber es muss ja nicht so absolut sein. Das kann es ja mal geben. Aber meistens, wenn die Leute sagen, es sei eine dumme Frage, war das eine gute Frage.
Durch Fragen gibt es Antworten, da gibt es neue Anschlussfragen, und so kommt man weiter. So ist es auch im Evangelium. Man muss mal darauf achten, wie viele Fragen dem Herrn Jesus gestellt werden, und er antwortet. Man kann so viel daraus lernen, wie es geht, mit Fragen zu antworten, um weiterzukommen. Und oft stellt man fest in den Evangelien: Der Jesus antwortet mehr, als gefragt wurde. So ist er. Die Menschen fragen etwas, und der Herr gibt ihnen noch viel, viel, viel mehr Antworten.
Glaube, Gesetz und die Weite des Evangeliums
Vers 28 Denn wir urteilen, dass ein Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke.
Das ist ein geistliches, neutestamentliches, göttliches Urteil. Der Mensch wird gerechtgesprochen durch Glauben, und ohne Leistung. Und das steht im Römerbrief, das ist doch schon allerhand. Da soll man sich wirklich ganz besonders anstreichen, diesen Vers.
Das hat Paulus nach Rom geschrieben. Und Gott wusste in seiner Vorkenntnis, dass in Rom einmal, Jahrhunderte später, ein religiöses Machtsystem entstehen wird, das einen Einfluss über ganz Europa ausüben wird und über Europa hinaus schließlich alle fünf Kontinente erreichen wird. Es wird verbreiten: Der Mensch wird gerettet durch gute Werke. Und der Römerbrief sagt: Denn wir urteilen, dass ein Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke.
Das ist unglaublich. Und das Original war in Rom, im Römerbrief, und zwar über lange Zeit, so dass man auch von anderen Gemeinden immer wieder die Handschriften nach Rom bringen und dort korrigieren lassen konnte, solange diese Papyrushandschrift noch da war. Also wohl eine Papyrushandschrift. Die ist jetzt nicht mehr da, aber dort war das Original über lange Zeit, und die Handschriften konnten daran ausgerichtet werden.
Und dann kam im vierten Jahrhundert das Papsttum auf und der Aufbau eines Machtsystems, das Menschen in dem Glauben festhalten wollte: Du musst leisten, nur so bekommst du schließlich ewiges Leben. Und der Römerbrief sagt: Nein. Und die Reformatoren haben das neu entdeckt. Ich war darum das Turmerlebnis da in Wittenberg. Der Mönch im Turm liest den Römerbrief, und dann geht es ihm plötzlich auf: Sola Fide, auf Lateinisch, allein durch Glauben. Und das wurde zum Wahlspruch der Reformation, was weltweit in der Christenheit zur Befreiung geführt hat aus diesem Gefängnis von Rom, durch den Römerbrief. Das ist Ironie, nicht wahr? Göttliche Ironie. Also: Sola-Fide-Prinzip, Römer 3,28.
Und dann Vers 29: Oder ist Gott der Gott der Juden allein? Dann sieht man wieder: durch eine Frage. Man kann eben auch als Redner selber Fragen stellen, wenn die Fragen nicht aus dem Publikum kommen. Ja, weil wenn man eine Frage stellt, dann denken alle nach und überlegen sich: Ja, wie würde ich das beantworten? Und das ist wichtig beim Denken und beim Bibellesen.
Also, er stellt gerade die Frage: Oder ist Gott der Gott der Juden allein? Sicher nicht. Gott hat ja Adam und Eva erschaffen, und das wurden die Eltern von allen Menschen. Natürlich kam später das Volk Israel daraus hervor, aber Gott ist der Gott aller Menschen, nicht nur von einem Volk. Also ist Gott der Gott der Juden allein? Nicht auch der Nationen? Ja, auch der Nationen.
Und die Nationen haben ja nicht das Gesetz bekommen am Sinai, und sie haben nicht eben diese Auserwählung bekommen, Gottes irdisches Volk zu sein. Aber Gott ist auch der Gott der Nationen. Und dann sagt er weiter: Denn es ist der eine Gott, der die Beschneidung aus Glauben und die Vorhaut durch den Glauben rechtfertigen wird.
Also, es kommt gar nicht darauf an. Jemand kann ein Jude sein, der als Kind beschnitten wurde, und er kommt zum Glauben, bekehrt sich, der wird durch seinen Glauben gerechtfertigt. So hat das Paulus ja selber erlebt. Er war beschnitten, und er hat sich dann als Erwachsener bekehrt, und Gott hat ihm die Gerechtigkeit zugerechnet. Aber das wird uns dann später noch beschäftigen, Kapitel 4, Abraham. Von ihm heißt es in 1. Mose 15: Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. Also Abraham wurde durch Glauben gerechtfertigt. Und damals, in 1. Mose 15, war er beschnitten? Nein, die Beschneidung kam ja erst in 1. Mose 17. Also die Beschneidung hat gar nichts damit zu tun. Und darum heißt es hier: Denn es ist der eine Gott, der die Beschneidung aus Glauben und die Vorhaut durch den Glauben rechtfertigen wird.
Wieder eine Frage: Heben wir nun das Gesetz auf durch den Glauben? Darüber muss man nachdenken. Wird das Gesetz irgendwie unwichtig gemacht, weil es ja nur durch den Glauben geht? Antwort: Das sei ferne! Noch eine Hausaufgabe: Alle Stellen heraussuchen, wo Paulus im Römerbrief sagt: Das sei ferne! Das ist übrigens ein Ausdruck auch aus der rabbinischen Literatur: Chalila! Also ein entsetzender Ausruf, um zu sagen: Sicher nicht, das ist gar kein Thema, das geht gar nicht. Chalila! Und hier im Römerbrief: Das sei ferne! Das sind immer ganz wichtige Stellen.
Also, entsetzt solche Fragen stellen: Heben wir das Gesetz auf durch den Glauben? Das ist gar kein Thema, sondern wir bestätigen das Gesetz. Das Gesetz war wichtig als Spiegel, um zu zeigen: Wir haben alle ein Problem, wir sind alle unter der Sünde, wir brauchen einen Erlöser. Also es geht nur durch Glauben, aber damit bestätigen wir das Gesetz, dass es eben Recht hat, uns zu verurteilen.
Und jetzt fahren wir dann nächstes Mal weiter in Kapitel 4. Was sollen wir nun sagen, dass Abraham, unser Vater nach dem Fleisch, gefunden habe? Und dann wird erklärt: Ja, er war nicht beschnitten, als er durch Glauben gerechtfertigt wurde. Aber das Thema Rechtfertigung, das ist nicht eine Erfindung von Paulus, das ist bereits im ersten Buch der Bibel schon angelegt. Das Evangelium ist nicht einfach eine neue Erfindung, sondern es ist tief verwurzelt im Alten Testament. Aber davon nächstes Mal.
