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Abraham als Vorbild für Rechtfertigung aus Glauben

Römer 4,1-2120.06.2026
SerieTeil 5 / 5Der Römerbrief – Vers-für-Vers
Gott nimmt nicht die Besten an, sondern die, die ihm vertrauen. Abraham zeigt: Nicht Leistung macht gerecht, sondern Glaube – und genau darin liegt echter Frieden.
Wir kommen jetzt zur Fortsetzung im Römerbrief. Dabei kommen wir zu Kapitel 4, Vers 1 und peilen an, alles durchzugehen bis Kapitel 5, Vers 11. Dann sind wir mit dem ersten Teil der Lehre über das Heil am Ende. Dieser erste Teil geht von Kapitel 1 bis 8, besteht aber aus zwei Teilen.
Es geht dabei um die Lösung des Problems unserer Schuld, unserer Tatsünden. Nachher geht es ab Kapitel 5, Vers 12 um das Problem der sündigen Natur in uns Menschen und darum, wie Gott dieses Problem löst.

Der Zusammenhang des Lesens und Vorlesens

Ich lese zu Beginn den ganzen Text im Zusammenhang vor. Es ist wichtig, dass wir nicht nur Vers um Vers denken, sondern Abschnitt um Abschnitt, und auch auf den ganzen gedanklichen Ablauf achten. Das gilt überhaupt für das Bibellesen.
Und Vorlesen war ja etwas, was in 1. Timotheus 4 ausdrücklich geboten wird. Paulus sagt zu Timotheus: Halte an mit dem Vorlesen. Das war natürlich zu dieser Zeit aus einem weiteren Grund notwendig. Das ist übrigens 1. Timotheus 4,13: „Bis ich komme, halte an mit dem Vorlesen, mit dem Ermahnen, mit dem Lehren usw.“
Das war damals besonders wichtig, weil viele Analphabeten waren. Darum musste das Wort Gottes überhaupt vorgelesen werden. Und zweitens hatten viele, und die meisten, keine Schriftrollen der Bibel im eigenen Besitz. Heute haben wir hier eine ganz andere Situation. Alle können lesen, und jeder hat Zugang zur Bibel auf allereinfachste Art und Weise.
Trotzdem gilt dieses Thema immer noch: Vorlesen. Und zwar ist es auch dann wichtig, wenn man vorliest, dass man richtig betont. Allein schon durch die richtige Betonung wird der Gedankenablauf klar.
Also in dem Sinn Römer 4, ab Vers 1: Was sollen wir nun sagen, dass Abraham, unser Vater nach dem Fleisch, gefunden habe oder, noch besser übersetzt, erlangt habe?

Abraham und die Frage nach der Grundlage der Gerechtigkeit

Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, so hat er etwas zum Rühmen. Aber nicht vor Gott.
Denn was sagt die Schrift? Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.
Dem aber, der wirkt oder Werke vollbringt, wird der Lohn nicht nach Gnade zugerechnet, sondern nach Schuldigkeit. Dem aber, der nicht wirkt oder nicht Werke vollbringt, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet.
Wie denn auch David die Glückseligkeit des Menschen ausspricht, dem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet:
Glückselig die, deren Gesetzlosigkeiten vergeben und deren Sünden bedeckt sind. Glückselig der Mann, dem der Herr Sünde nicht zurechnet.
Diese Glückseligkeit nun, beruht sie auf der Beschneidung oder auch auf der Vorhaut? Denn wir sagen, dass dem Abraham der Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet wurde.
Wie wurde er ihm denn zugerechnet, als er in der Beschneidung oder als er in der Vorhaut war? Nicht in der Beschneidung, sondern in der Vorhaut.

Das Beispiel Abrahams als Beweis aus der Schrift

Und er empfing das Zeichen der Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er hatte, als er in der Vorhaut war. Damit er Vater aller wäre, die in der Vorhaut glauben, damit auch ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet werde. Und Vater der Beschneidung nicht allein für die aus der Beschneidung, sondern auch für die, die in den Fußstapfen des Glaubens wandeln, den unser Vater Abraham hatte, als er in der Vorhaut war.
Denn nicht durch Gesetz wurde dem Abraham oder seiner Nachkommenschaft die Verheißung zuteil, dass er der Welt Erbe sein sollte, sondern durch Glaubensgerechtigkeit. Denn wenn die vom Gesetz Erben sind, so ist der Glaube zunichte gemacht und die Verheißung aufgehoben. Denn das Gesetz bewirkt Zorn; wo aber kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung.
Darum ist es aus Glauben, damit es nach Gnade sei, damit die Verheißung der ganzen Nachkommenschaft fest sei, nicht allein dem vom Gesetz, sondern auch dem vom Glauben Abrahams, der unser aller Vater ist, wie geschrieben steht: Ich habe dich zum Vater vieler Nationen gesetzt.
Vor dem Gott, dem er glaubte, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende ruft, wie wenn es da wäre, hat er gegen Hoffnung auf Hoffnung geglaubt, damit er ein Vater vieler Nationen würde, nach dem, was gesagt ist: So wird deine Nachkommenschaft sein.
Und nicht schwach im Glauben sah er nicht seinen eigenen, schon erstorbenen Leib an, da er fast hundert Jahre alt war, und das Absterben des Mutterleibes der Sara. Und er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde gestärkt im Glauben, Gott die Ehre gebend, und war der vollen Gewissheit, dass er, was er verheissen hatte, auch zu tun vermag.
Darum ist es ihm auch zur Gerechtigkeit gerechnet worden. Es ist aber nicht allein seinetwegen geschrieben, dass es ihm zugerechnet worden ist, sondern auch unsertwegen, denen es zugerechnet werden sollte, denen es zugerechnet werden soll, die wir an den glauben, der Jesus, unseren Herrn, aus den Toten auferweckt hat, der unserer Übertretungen wegen hingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist.

Frieden, Hoffnung und die Liebe Gottes

Da wir nun aus Glauben gerechtfertigt worden sind, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn haben wir auch mittels des Glaubens den Zugang zu dieser Gnade, in der wir stehen, und wir rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit Gottes.
Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, da wir wissen, dass die Trübsale Ausharren bewirken, das Ausharren aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung. Die Hoffnung aber schämt nicht, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.
Denn Christus ist, da wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben. Denn kaum wird jemand für einen Gerechten sterben; für den Gütigen könnte vielleicht noch jemand zu sterben wagen. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.
Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn gerettet werden vom Zorn. Denn wenn wir, da wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden.
Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.

Der Übergang zur Auslegung des Textes

Jetzt gehen wir Vers für Vers durch. Wir haben in den Kapiteln 1 bis 3 gesehen, dass der Apostel Paulus, der ja schon früher gerne nach Rom gereist wäre, bis dahin aber verhindert worden war, diesen Brief geschrieben hat. Er wollte den Römern ganz grundsätzlich aufzeigen, was die göttliche Belehrung über das Evangelium ist, also für Menschen nach der Bekehrung. Sie sollten das Evangelium erst einmal umfassend und zusammenhängend richtig verstehen können.
Darum handelt es sich um eine Belehrung, die weniger auf die Besonderheiten der Gemeinde in Rom eingeht, sondern vielmehr die Lehre des Evangeliums vermitteln möchte. Das ist schon interessant: In den Kapiteln 1 und 2 haben wir gesehen, dass aufgezeigt wurde, dass alle Menschen vor Gott durch konkrete Sünde schuldig geworden sind. Niemand kann sich selbst zu Gott hinaufarbeiten.
Aber der Römerbrief macht klar, dass es sowohl für Juden als auch für Nichtjuden einen Weg der Rettung und der Vergebung gibt. Und das ist das Werk des Messias, das Werk des Herrn Jesus am Kreuz. Jeder, der dieses Opfer im Glauben für sich in Anspruch genommen hat, ist von Gott gerecht gesprochen worden. Alle Schuld ist von ihm weg, und er ist in Gottes Augen ein Gerechter.
Nun wird in Kapitel 4 das, was der Apostel Paulus hier so systematisch vorgestellt hat, anhand von zwei Personen aus dem Alten Testament noch illustriert, um das zu unterstreichen. Darum geht es jetzt um Abraham, den Stammvater Israels, und um König David, der Begründer der Dynastie des Messias sein sollte.

Die Logik des Glaubens und die Rolle der Schrift

Jetzt Römer 4, Vers 1: eine Frage. Was sollen wir nun sagen, dass Abraham, unser Vater nach dem Fleisch, erlangt habe?
Man beachte: Immer wieder werden Fragen gestellt. Warum? Weil die Leser, jetzt zuerst die Gemeinde in Rom, gewisse Dinge sich selbst überlegen mussten. Man versteht besser, wenn man sich etwas zuerst selbst überlegt.
Also sagt er: Wie war das eigentlich alttestamentlich mit dem Stammvater Israels? Er sagt: Abraham, unser Vater nach dem Fleisch. Damit spricht er natürlich die Juden an, die gläubigen Juden in Rom. Denn das waren eben solche, die sagen konnten: Abraham, unser Vater nach dem Fleisch, weil sie biologisch von ihm abstammen. Wenn man also von Abraham, Isaak und Jakob abstammt, dann ist man garantiert ein Jude.
Es wird ja oft gefragt: Wer ist ein Jude? Es gibt heute ganz verschiedene Antworten. Eine moderne Antwort lautet: Jeder, der sich als Jude fühlt. Sie hat dann ihre Schwierigkeiten, aber die allereinfachste ist die mit der Abstammung nach dem Fleisch.
Und jetzt: Wie war das bei Abraham? Wie kam er zur Gerechtigkeit? Hat er sie durch eigene Leistung bekommen oder durch Glauben? Darum ist das Wort hier in der Elberfelder Übersetzung „gefunden“ ein bisschen schwer verständlich. Das griechische Wort Heurisko heißt finden, aber auch erlangen; es kann auch bedeuten, zustande bringen. Zum Beispiel gibt es in Hebräer 9 diese schwierige Stelle, wo es heißt, dass der Herr Jesus eine ewige Erlösung erfunden hat. Ich habe noch nie jemanden angetroffen, der diese Formulierung wirklich auf Deutsch verstanden hat. Und dann hilft Heurisko: Es heißt „zustande gebracht“. In dem Zusammenhang also: Er hat eine ewige Erlösung zustande gebracht.
Und hier: Was hat Abraham erlangt? Wie kam er eben zu dieser Gerechtigkeit, die ihm zugesprochen worden ist?
Nun, Vers 2 fährt weiter: Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, so hat er etwas zum Rühmen.
Man beachte überhaupt allgemein: Wenn man die Briefe des Neuen Testaments liest, dann findet man an der Art und Weise, wie argumentiert wird, oft Wörter wie „denn“, „weil“, „da ja“ und so weiter. Das sind alles Logikwörter. Man muss sich das schon einmal vor Augen führen: Dauernd wird hier logisch argumentiert in der Bibel. Und woher kommt das eigentlich, diese Logik?
Hier wird argumentiert: Wenn Abraham aus Werken gerecht gesprochen worden ist, dann folgt daraus, dass er sich dafür rühmen kann. Das ist logisch, ja? Wenn, dann – das ist Logik, eine Logikformel. Und die ganze Bibel ist so aufgebaut, aber ganz besonders in den Lehrbriefen finden wir ständig diese Logikargumentation.
Das ist sehr wichtig, denn Ungläubige haben ja den Eindruck, wir als Christen seien solche, die sich gegen die Logik entschieden hätten. Wir hätten da draußen bei der Garderobe unseren Verstand abgegeben und seien dann in dieses Gemeindelokal gekommen. Aber dann muss man ihnen erklären, woher überhaupt Logik kommt. Und wieso ist eigentlich unser ganzes Universum logisch? Überall sehen wir Logik, überall sehen wir die ganze Natur, überall Mathematik und dann eben angewendet, und darum sagen wir dann Physik. Überall, ja, es könnte doch sein, wenn es keinen Gott gibt, dass das Universum absurd wäre.

Ein Exkurs über Logik, Sprache und den Logos

Ja, drum: In meiner Jugendzeit, das war so die Zeit, da sprach man von absurdem Theater. Es gab Autoren, die wir in der Schule lesen mussten; sie machten absurdes Theater. Das waren Theaterstücke, in denen es ganz bewusst um Unlogik ging. Und zwar kommt das aus dem modernen Denken des zwanzigsten Jahrhunderts.
Ich war ja im letzten Jahrtausend geboren und habe auch im letzten Jahrhundert die Schule besucht. Da hatten wir eben gelernt, dass das Denken, es gibt keinen Gott, letztlich dazu führt, dass alles absurd ist. Aber so leben wir nicht. Wir leben im Alltag mit Logik, sonst müsste man sehr schnell ins Spital gehen, auf den Notfall.
Aber warum ist unser Universum logisch? Und dann können wir erklären, nicht wahr. Das Ganze ist jetzt ein kleiner, spontaner Exkurs, das war nicht so geplant.
Aber Johannes 1,1: Da wird der Herr Jesus vorgestellt, von dem im Johannesevangelium ausführlich die Rede sein soll: Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist.
Jesus Christus wird hier dreimal genannt: das Wort. Und er wird vorgestellt als der Schöpfer des ganzen Universums. Alles ist durch ihn entstanden. Im Griechischen steht für das Wort „ho logos“, und von logos kommt unser Wort Logik. Denn logos meint nicht einfach nur ein Wörtchen, sondern Wörter in geordneter Abfolge. Und die Sprache ist ja eben ein System, das mit ganz bestimmten logischen Komponenten aufgebaut ist, ein Logiksystem von übrigens vier verschiedenen Ebenen, also ganz kompliziert. Und wenn man noch die Schrift dazu nimmt, dann hat man noch eine fünfte Ebene, ganz, ganz kompliziert.
Darum bedeutet Logos eben nicht einfach das Wort, sondern das hat mit Logik zu tun. Und der Herr Jesus ist der Logos, das heißt, er ist der Begründer der Logik, und menschliche Logik geht auf ihn zurück. Darum müssen wir uns nicht beeindrucken lassen, wenn Leute sagen, Logik sei eigentlich eine Gefahr für den Glauben. Umgekehrt: Logik ist eine Gefahr für den Unglauben.
Wenn man die Bibel studiert, sieht man, dass da nach diesen grundlegenden Logikprinzipien argumentiert wird. Gerade in der biblischen Lehre gibt es manchmal Leute, die sagen: Ja, das kann man nicht verstehen, das übersteigt unsere Logik. Das ist gut, weil Gott uns in seinem Denken völlig übersteigt. Aber sie sagen manchmal: Das ist eben gegen die Logik, gegen menschliche Logik. Nein, das ist ein Fehler.
Die Bibel ist nicht gegen menschliche Logik. Aber die Logik Gottes ist so hoch, dass sie uns bei weitem übersteigt. Denn seine Wege sind höher als unsere Wege und seine Gedanken höher als unsere Gedanken, so wie der Himmel über der Erde ist, also wie die entferntesten Galaxien und noch weiter von uns entfernt sind, so weit ist Gottes Denken über unserem Denken. Aber die Prinzipien der Logik, die hat Gott uns gegeben; die sind gottgegeben.
Darum kann man nicht einfach sagen: Mit der Logik geht das nicht auf. Nein, dann ist es eben ein Fehler, wenn etwas wirklich nicht logisch ist. In der Bibel ist alles logisch. Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, so hat er etwas zu rühmen, und dann fügt Paulus hinzu: aber nicht vor Gott.

Abraham als Beispiel für Rechtfertigung aus Glauben

Auf dem Blatt habe ich das kurz versucht zu schreiben. Wenn Abraham entgegen der Aussage in 3,28 nicht aus Glauben gerechtfertigt worden wäre, dann hätte er entgegen der Aussage in 3,27 doch einen Grund, sich zu rühmen. Aber ein solcher Ruhm wäre nur eine menschliche Sache und würde vor Gott doch nicht zählen.
Also schließt das gerade am Ende von Kapitel 3 an. Ich lese 3,28: Denn wir urteilen, dass ein Mensch durch Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzeswerke. Paulus hat in diesen drei Kapiteln erklärt, dass ein Mensch nicht gerettet werden kann und vor Gott als gerecht anerkannt wird durch seine eigene Leistung, sondern nur durch den Glauben, das Vertrauen auf den Herrn Jesus und sein Erlösungswerk.
Und dann haben wir in 3,27 gelesen: Wo ist nun der Ruhm? Er ist ausgeschlossen worden. Durch was für ein Gesetz? Der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. Also, wenn es um das Thema Glauben geht, dann hat der Mensch nichts, worauf er sich rühmen könnte. Es ist alles Gottes Werk, Gottes Gnade.
Und jetzt wird ihm die Frage gestellt: Wie war das bei Abraham? Wenn Abraham aus Werken vor Gott gerechtgesprochen worden wäre, dann hätte er etwas zum Rühmen. Aber das wäre ja entgegen dem, was man jetzt am Schluss von Kapitel 3 belehrt bekommen hat. Und dann wird noch hinzugefügt: Und selbst wenn Abraham irgendetwas zum Rühmen hätte, dann wäre das vor Gott doch nichts Nennenswertes.
Dann wird es begründet: Denn was sagt die Schrift? Also schauen wir uns das Alte Testament an. Was bezeugen wir in Bezug auf Abraham? Und jetzt kommt ein Zitat aus 1. Mose 15,6: Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet.
Also sagt das Alte Testament: Bei Abraham war das auch so, nicht durch Werke, sondern durch Glauben. Der Zusammenhang ist folgender: Abraham ging aus seinem Zelt hinaus, musste den nächtlichen Sternenhimmel betrachten, und Gott sagt: So wie man die Sterne des Himmels nicht zählen kann, so wird deine Nachkommenschaft sein. Niemand kann je ermitteln, wie viele Menschen von Abraham abstammen würden, durch all die Generationen bis heute. Und wirklich, niemand kann die Zahl angeben. Man müsste alle Generationen, die von Abraham, Isaak und Jakob abstammen, zusammenzählen und die Summe angeben. Niemand kann das. So wie man die Sterne eben nicht zählen kann.
Und Abraham hat das geglaubt, damals in 1. Mose 15, obwohl er immer noch kein Kind hatte und er wusste, dass seine Frau gar nicht fähig ist zu gebären. Das war ja schon klar damals in Ur in Chaldäa, Sarah war unfruchtbar, 1. Mose 11, am Schluss. Und trotzdem glaubt er, er werde eine Nachkommenschaft bekommen, die unzählbar ist wie die Sterne.

Der Glaube Abrahams und die Verheißung Gottes

Übrigens: Wenn man den nächtlichen Sternhimmel hier in der Schweiz anschaut, dann ist es eigentlich gar nicht so schwierig, die paar Punkte zu zählen. Ja, leider wegen dieser furchtbaren Lichtverschmutzung. Nachts sollten eigentlich alle Lichter gelöscht werden, und dann könnte man den Sternhimmel ganz anders sehen.
Und so ist es ja auch, wenn wir einmal in der Wildnis sind, zum Beispiel in Kanada, in den Wäldern dort, und zwar weit weg von allen Dörfern und Städten, und dann den Sternenhimmel anschauen. Das ist wirklich überwältigend, diese Vielzahl von Punkten. Aber selbst dann könnte einer sagen: Ja, also, wenn ich mir jetzt ganz viel Mühe gebe und das schön Abschnitt für Abschnitt auszähle, ja, man kommt ja auf rund dreitausend Lichtpunkte. Also könnte man das schon zählen.
Und in Jeremia wird gesagt: Wenn man die Sterne zählen kann, dann würde Gott Israel aufgeben, verwerfen. Das könnte man ja dem Ayatollah schreiben, Muschtaba: Ihr braucht eigentlich gar keine Atombombe. Ihr müsst einfach einmal alle Sterne auszählen, dann wird Gott Israel verlassen und aufgeben.
Aber es ist eben so: Als Galileo Galilei um 1610 als erster Mensch ein Fernrohr auf den Himmel richtete, da kam er zum Schluss: Oh, nicht etwa dreitausend, das müssen etwa dreissigtausend sein. Und es erwies sich eben, dass dieses „milchig-nebelige Band“ der Milchstrasse nicht einfach, wie die Griechen in ihrer Mythologie sagten, ausgegossene Milch ist. Daher auch der Name Galaxie, Milchstrasse. Galaxie, das hängt ja zusammen mit dem griechischen Wort für Milch. Das ist eben nicht ausgegossene Milch am Himmel, sondern wenn man mit dem Fernrohr hinschaut, sieht man, dass das alles einzelne Punkte von Sternen sind, unzählbare Sterne.
Und das gehört eben zu unserer Milchstrasse, einem riesigen System, zu dem auch unsere Sonne und die Planeten dazugehören, mit schätzungsweise 300 Milliarden Sternen. Ja, es war eigentlich immer so, dass der Mensch so viele Sterne sieht, die er aber unmöglich zählen kann. Und die Fernrohre sind noch ein bisschen besser geworden seit Galilei, und heute ist jedem klar: Die Zahl der Sterne im gesamten Universum wird nie ermittelt werden können. Unmöglich. Auch schon die Galaxien selber sind unzählbar, und jede Galaxie besteht im Durchschnitt aus etwa zweihundert bis dreihundert Milliarden Sternen.
Also hat sich die Bibel als wahr erwiesen, auch wenn die Menschen früher hätten denken können: Das stimmt ja nicht, man kann es zählen. Aber Gott sagt zu Abraham: Schau, wenn du es zählen kannst. Und er hätte übrigens auch noch sehen können, den Andromedanebel. Dieser kleine Nebel, von Auge sichtbar, ist wieder eine Galaxie von etwa zweihundert Milliarden Sternen, aber von Auge sichtbar als Galaxie.
Ja, und Abraham hat es geglaubt: Unzählbar wird meine Nachkommenschaft sein. Und das Alte Testament bezeugt, dass er durch diesen Glauben, den Abraham hatte, von Gott als Gerechter angesehen wurde, von Gott gerecht gesprochen.

Glaube statt Leistung, Gnade statt Schuldigkeit

Und dann Vers 4: Dem aber, der wirkt oder, noch besser in der Fußnote in den Elbefeldern, dem aber, der Werke vollbringt, wird der Lohn nicht nach Gnade zugerechnet, sondern nach Schuldigkeit.
Also: Wenn jemand etwas leistet, dann verdient er dafür Lob, Ruhm und Lohn. Und Lohn ist kein gnädiges Geschenk. Wenn man in einer Firma gut arbeitet, dann ist es keine Gnade, wenn man am Ende des Monats dafür etwas bekommt. Das ist Schuldigkeit. Der Arbeiter ist seines Lohnes wert, hat auch der Herr Jesus gesagt in Lukas 10. Also, das ist nicht Gnade, wenn der Arbeitgeber den gerechten Lohn auszahlt, sondern es ist Schuldigkeit.
Und so ist es eben auch, wenn jemand meint, mit seinen eigenen Werken zu Gott kommen zu können. Dann rechnet er nicht mit der Gnade Gottes, sondern er rechnet damit, dass er ein Anrecht hat, dass Gott ihn dafür lobt und etwas gibt.
Vers 5: Dem aber, der nicht wirkt oder besser: keine Werke vollbringt, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet.
Also: Beim Glauben hat es nichts mit Leistung und mit Verdienst zu tun, sondern da geht es um reine Gnade. Und Gott, der diese Gnade gibt, wird hier genannt: der den Gottlosen rechtfertigt.
Ich mache das so beim Bibellesen: Ich streiche mir alle Namen Gottes speziell an, in meinem Fall mit einem orangen Farbstift, übermale ich das. Ich male gerne. Und dann übermale ich nicht nur einfach die Namen wie Gott, der Ewige, der Herr, der Fels, sondern auch Wortketten können einen Namen bilden. Und hier ist diese Wortkette: die den Gottlosen rechtfertigt. Das ist auch eine Beschreibung, wie Gott ist. Also auch diese Wortketten. Und das ist ein unglaublicher Reichtum. Wenn man so seine Bibel durchblättert, dann sieht man in aller Eile, wie Gott ist. In so vielen verschiedenen Namen werden Gottes Wesen und sein Handeln ausgedrückt.
Gottlos ist hier das Wort „asebes“. Das heißt: Das ist nicht das Wort für Atheist, das ist ein anderes Wort, sondern das ist das Wort für jemanden, der Gott nicht die Ehre erweist, der würdig ist, der Gott nicht fürchtet, der Gott nicht anbetet, der also dem Schöpfer nicht den Dank darbringt, der ihm gebührt. Aber Gott ist bereit, solche, die so an ihm schuldig geworden sind, indem sie ihm die Ehre nicht gegeben haben, gerecht zu sprechen, wenn sie ihm glauben und zu ihm kommen.

David, Sünde und die Glückseligkeit der Vergebung

Und jetzt fährt Paulus in Vers 6 mit einer weiteren alttestamentlichen Person fort, und zwar mit König David. Er will damit ebenfalls zeigen: Im Leben Davids sehen wir genau dasselbe Grundprinzip. Und das sind nicht irgendwelche Leute. Ich habe es schon angedeutet: Abraham ist der Stammvater Israels, und David ist der Stammvater der Königslinie Israels, des messianischen Königshauses. Und bei beiden findet man dasselbe Prinzip: Nicht durch Werke wurden sie vor Gott gerechtfertigt, sondern durch Glauben allein.
Und denken wir daran, an wen er schreibt: an die Römer. Gott wusste in seiner Allwissenheit im Voraus, dass dort in Rom nach einiger Zeit ein System entstehen würde, das Zentrum eines weltweiten Systems, das lehrt: Der Mensch muss gute Werke tun, um von Gott angenommen zu werden. Glaube allein, das reicht nicht. Und ausgerechnet nach Rom wurde der Römerbrief geschrieben. Das ist nicht der Epheserbrief, nicht der Kolosserbrief, sondern der Römerbrief. Da sehen wir Gottes Weisheit und Allwissenheit. Er wusste genau, wie die Kirchengeschichte kommen würde, und darum ließ er Paulus den Römerbrief nach Rom schicken. Dann sollte er abgeschrieben werden und überall verteilt werden, das war klar; so ging das beim Neuen Testament. Aber die Erstempfänger waren die Christen in Rom.
Und da wird gezeigt: Bei David ist es genau so. Ich lese nochmals Vers 6: „Denn auch David preist die Glückseligkeit des Menschen, dem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet.“ Und dann zitiert er aus Psalm 32,1 und 2.
Wir gehen kurz zurück ins Alte Testament, Psalm 32, von David, ein Maskil. Also ist es klar, wer diesen Psalm geschrieben hat: König David. Dieser Psalm wird als Maskil bezeichnet. Maskil bedeutet ein Gedicht, das weise macht. Wenn man diesen Psalm liest, wird man weise. Und zwar wird man gerade weise gemacht, um zu verstehen, dass der Mensch eben nicht aufgrund von Werken, sondern nur aufgrund von Gnade angenommen werden kann.
„Glückselig der, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde zugedeckt ist! Glückselig der Mensch, dem der Herr die Ungerechtigkeit nicht zurechnet und in dessen Geist kein Trug ist!“ Zweimal das Wort „glückselig“. Andere Übersetzungen haben „selig“, aber das ist zu schwach. Das hebräische Wort aschrei bezeichnet ein inneres Glück, nicht unbedingt etwas Extrovertiertes. Dieses Aschrei kann auch dann da sein, wenn man durch Umstände ganz am Boden ist. Es ist aber das innere Beglücktsein in Gott und in der Gemeinschaft mit Gott auf der Grundlage seines Wortes. Und darum die Elberfelder nicht nur „selig“, sondern „glückselig“.
So spricht niemand mehr auf der Straße, und auch niemand in der Zeitung. Aber man muss es dann einfach erklären: Das bedeutet überglücklich. David benutzt dieses Wort überglücklich, das man in den Psalmen übrigens 25 Mal findet. Das ist ein ganz wichtiges Wort in den Psalmen, und es lohnt sich, das aufzusuchen, in allen Stellen. Ja, denn wir sind doch interessiert zu wissen, wie man überglücklich wird. Und jetzt haben wir es eben dann nochmals in Römer 4, wie er das zitiert, kommt dieses Wort „glückselig“ nochmals zweimal vor.
Also diese Glückseligkeit hier, dieses Überglücklichsein, hängt zusammen mit Sündenvergebung, die man gar nicht verdient hat. Und David beschreibt eine ganz schlimme Zeit in seinem Leben, in der er sich so innerlich vom Herrn entfernt hatte, dass er während Monaten seine Schuld nicht aufdeckte. Und er wurde richtig, richtig krank. Wenn ein wahrer Gläubiger in der Sünde verharrt, dann kann er nicht mehr glücklich werden. Wenn ein Ungläubiger noch glücklich ist, dann muss man sagen: Der ist gar nicht wiedergeboren.
Aber es hat wirklich Monate gebraucht, bis er einen Zusammenbruch erlebte, im Zusammenhang mit der Sünde mit Batseba. Und er sagt in Vers 3: „Als ich schwieg, verzehrten sich meine Gebeine durch mein Gestöhnen den ganzen Tag. Denn Tag und Nacht lastete auf mir deine Hand; verwandelt wurde mein Saft in Sommerdürre. Sela.“ Eine Anweisung: Der Chor im Tempel, der das gesungen hat, musste jetzt schweigen. Die Instrumentalisten im Tempel, die professionellen Instrumentalisten, mussten ein Zwischenspiel spielen, damit die Zuhörer im Tempel über das Gehörte nachdenken konnten. Also wirklich ein Mensch, der so unglücklich geworden ist durch seine eigene Sünde.
Und dann kommt aber die Wende, Vers 5: „Ich tat dir kund meine Sünde und habe meine Ungerechtigkeit nicht zugedeckt. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen; und du hast die Ungerechtigkeit meiner Sünde vergeben.“ Aber das hat Monate gebraucht. Das Zwischenspiel war nicht ein paar Monate lang, neun Monate, sondern kürzer; es sollte diese Zeit so musikalisch nachempfinden. Und die Wende kommt mit dem Sündenbekenntnis. Das ist der Weg, um überglücklich zu werden. Und darum nochmals ein Zwischenspiel, Sela, damit ihr darüber nachdenkt.
Und dann Vers 6: „Deshalb wird jeder Fromme zu dir beten, zur Zeit, da du zu finden bist; gewiss, bei großen Wasserfluten, ihn werden sie nicht erreichen.“ Ganz allgemein gilt: Man muss den Herrn suchen in allen Nöten, nicht nur wenn es um Sünde geht, auch bei Gefahr, überall.
Und jetzt noch etwas dazu: Dieses Wort „glückselig“, so konzentriert in den Versen 1 und 2, ist da verbunden mit der Tatsache: „Glückselig der, dessen Übertretung vergeben“ – und dieses Vergeben wird hier erklärt: „dessen Sünde zugedeckt ist.“

Die Bedeutung von Sühne und Vergebung im Alten und Neuen Bund

Das ist nun etwas ganz Interessantes. Alttestamentlich war es ja so, dass die Sühne für die Sünde noch gar nicht stattgefunden hatte. Gottes Zorn gegen die Sünde, und dieser Zorn ist real gegen jede Sünde, gegen jede Art von Sünde, war da. Der Messias war noch nicht am Kreuz gestorben und hatte diesen Zorn Gottes auf sich genommen.
Aber was haben die alttestamentlichen Gläubigen erlebt? Wenn sie Gott ihre Schuld bekannt haben, hat Gott sie zugedeckt. Das ist also nicht das Wort Kafar, das ist das Grundwort von Sühnung, nicht wahr? Kippur, Jom Kippur, heißt Tag der Sühnung, oder Kofr heißt Sühnung und kommt von Kafar, zudecken. Dort ist der Gedanke des Zudeckens: Die Schuld wird zugedeckt, und der Versöhner wird von dem Zorn Gottes getroffen, und der Zugedeckte wird verschont.
Aber hier ist ein anderes Wort: dessen Sünde zugedeckt ist. Das heißt, Gott hat im Alten Testament die Sünden quasi wie unter eine Decke gelegt; sie waren immer noch da. Aber im Blick auf Golgatha hat er schon vergeben.
Und für uns ist das natürlich noch einmal ganz anders. Wenn wir zurückblicken auf Golgatha, können wir sagen: Bevor ich auch nur etwas in meinem Leben zu Schulden kommen ließ, hatte Herr Jesus den Zorn Gottes am Kreuz getragen. In den Stunden der Finsternis, als Gott ihn verließ, hat er diesen Zorn auf sich genommen. Und wenn Gott jetzt vergibt, wenn wir kommen und unsere Schuld bekennen nach 1. Johannes 1,9, dann ist es so, dass der Zorn Gottes schon längst gestillt ist. Wir haben noch mehr Grund, überglücklich zu sein.
Aber schon alttestamentlich konnte David sagen: Glückselig der Mensch, dessen Übertretung vergeben, im Sinn dessen Sünde zugedeckt ist, im Blick auf das Kommen des Messias. Ja, und das nimmt Paulus auf und zeigt: Seht ihr, bei David genau gleich. Mit Werken hätte er nie zu Gott kommen können. Er war so schuldbeladen. Aber dieser David konnte dann umso mehr, als er den Zusammenbruch erlebt hatte, überglücklich werden und so dankbar werden, wie hier beschrieben.

Die Beschneidung als Siegel und nicht als Grundlage

Dann gehen wir weiter, Vers 9. Diese Glückseligkeit nun, beruht sie auf der Beschneidung oder auch auf der Vorhaut?
Jetzt kommt Paulus wieder auf das Beispiel von Abraham zurück. Hier wird die Frage gestellt, ob Vergebung und Rechtfertigung aus Glauben irgendwie einen Zusammenhang mit der Beschneidung haben. Und dann wird das noch näher erläutert: Denn wenn wir sagen, dass dem Abraham der Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet wurde, dann haben wir gesehen, dass im Alten Testament steht, dass Abraham durch Glauben von Gott angenommen wurde, nicht durch seine Leistung.
Aber die Frage stellt sich: War dieser Glaube im Zusammenhang mit der Beschneidung, im Zusammenhang mit dem Beschneidungsbund, oder nicht? Die Antwort ist für orthodoxe Juden eben der absolute Hammer. Wie wurde er ihm denn zugerechnet? Als er in der Beschneidung war oder als er in der Vorhaut war?
Wenn man jemanden auswendig anspricht und er soll sich daran erinnern, dass Abraham durch Glauben gerechtfertigt wurde, dann steht das in 1. Mose 15,6. Da muss man fragen: Ja, aber war er damals beschnitten oder war er damals noch nicht beschnitten? Und dann muss man natürlich im Kopf haben: Ja, der Beschneidungsbund, wann kommt der?
In Kapitel 11 sehen wir, wie Abraham aus Ur in Chaldäa auszog. In Kapitel 12, wie er ins verheißene Land kam, nach Sichem, und wie Gott dort den Bund geschlossen hat. Dann kam die Hungersnot, dann ging er nach Ägypten und schließlich wieder von Ägypten zurück ins Gebiet von Bethel und Ai und so weiter. Aber wo war die Beschneidung? Ja, in Kapitel 17. Das kommt erst nachher.
Er war damals noch nicht beschnitten, und trotzdem sagt die Bibel, dass Gott Abraham seinen Glauben zur Gerechtigkeit rechnete. Das ist natürlich der Hammer in der Argumentation mit Orthodoxen. Abraham war nicht beschnitten. Also passt auf: Wenn ihr denkt, dass die Beschneidung irgendwie euch Zugang zu Gott gibt, dann ist das eine völlig falsche Meinung. Es war wirklich nur Glaube.
Und da sieht man wieder in Vers 9: Paulus stellt eine Frage. Er zwingt die Leser und die Zuhörer immer wieder, selbst zu denken und dann wieder logisch zu argumentieren. Denn wenn wir sagen, dass dem Abraham der Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet wurde, wie wurde er ihm zugerechnet? Mal wieder denken: Als er in der Beschneidung war oder als er in der Vorhaut war? Wo war das jetzt?
Ah, klar: Kapitel 17 nach 15. Nicht in der Beschneidung, sondern in der Vorhaut. Und er empfing das Zeichen der Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er hatte, als er in der Vorhaut war.

Abraham als Vater der Glaubenden aus Juden und Nationen

Ah, jetzt ist klar: Die Beschneidung war quasi wie ein Siegel, das Gott auf diesen wahren Glauben aufgesetzt hat, aber nicht die Grundlage. Und dann wird begründet, dass sie als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens diente, den er hatte, als er in der Vorhaut war, in Kapitel 15, damit er der Vater aller wäre, die in der Vorhaut glauben, damit auch ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet werde.
Also sollte Abraham nicht nur ein Beispiel für seine Nachkommen sein, das Volk Israel, das jeweils am achten Tag nach der Geburt beschnitten werden sollte, sondern Gott hat den Ablauf im Leben von Abraham so eingerichtet, dass Abraham damit auch das Vorbild für alle aus den Heidenvölkern wurde, die kein Beschneidungsgebot haben und allein durch Glauben angenommen werden, damit der Vater aller wäre, die in der Vorhaut glauben, damit auch ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet werde.
Und Vater der Beschneidung ist er nicht allein für die aus der Beschneidung, sondern auch für die, die in den Fußstapfen des Glaubens wandeln, den unser Vater Abraham hatte, als er in der Vorhaut war. Dadurch, dass Abraham dann beschnitten wurde, in 1. Mose 17, wurde er Vater von allen, die später beschnitten werden sollten.
Aber Paulus erklärt nicht einfach den Juden schlechthin, die beschnitten würden, sondern ganz speziell den Juden, die schließlich auch aufgrund des Glaubens zu Gott kommen. Die Beschnittenen sehen: Das reicht nicht, das ist keine Grundlage, um gerettet zu werden. Es braucht Glauben. Und Abraham ist auch der Vater der messiasgläubigen Juden.

Die Verheißung an Abraham und die Rolle des Gesetzes

Gott hat also die Beschneidung angeordnet in 1. Mose 17 und auch festgelegt, dass sie bei allen Jungen am achten Tag nach der Geburt durchgeführt werden muss. Und das wird dann auch im Gesetz vom Sinai nochmals wiederholt und verankert, in 3. Mose 12, am achten Tag nach der Geburt.
Und auch da sieht man natürlich die Weisheit Gottes. Denn warum genau am achten Tag nach der Geburt? Es ist so: Dann sind die Babys noch so klein, dass diese Operation später nicht im Gedächtnis bleibt. Es ist eine kleine Operation, aber eben doch eine Operation.
Im Islam haben ja so vieles einfach kopiert und dann auch abgewandelt. Aber ich habe das zum Beispiel erlebt. Ich bin ja immer wieder dort gewesen. Wir waren zum Beispiel in Tadschikistan, und in diesem islamischen Land lernt man, wie man es dort macht. Die Beschneidung wird irgendwann durchgeführt, und das kann typischerweise sein, dass die Grossmutter denkt: Der Junge ist schon zehn, so, jetzt führen wir das mal durch. Dann holt sie das Küchenmesser, und dann wird das erledigt, die Operation.
Und diese armen Jungs, also die werden herumheulen, tagelang, und nicht mehr spielen. Wenn man dann einen Schaden hat, wenn man Küchenmesser sieht, das würde ich verstehen. Aber eben, das ist bei acht Tagen überhaupt nicht so. Und das ist wirklich erstaunlich.
Wer hat das schon gesehen, wie das geht und wie die Babys reagieren? Der Mohel, das ist also nicht irgendeiner, das ist ein Spezialist. Der weiss genau, wie man das macht, mit so einer Art Kamm und so, und dann wird geschnitten. Das Baby wimmert, dann kommt die Mutter, ihr wird das Kind gegeben, und es wird getröstet.
Also, das ist nicht so, wie wenn ein Schwein geschlachtet wird. Also richtig geschlachtet. Ich habe das erlebt im Urwald, zum Beispiel in Nordthailand. Die Eingeborenen dort vom Stamm der Lahu wollten uns zu Ehren ein Schwein offerieren. Dann haben sie eben das Schwein geholt, und mit einem Schwert haben sie ins Herz gestochen. Wir waren da oben in der Hütte, wo wir schliefen. Das war grässlich. Also das möchte ich nicht wieder hören, wie das Schwein schreit. Das geht durch Mark und Bein. Also lieber kein Fleisch, wenn man zu Besuch ist. Das Essen war das wirklich brutal.
Aber eben, bei der Beschneidung wimmert das Baby, und die Mutter nimmt es zum Trösten, und die ganze Sache ist erledigt.
Und das Wunderbare ist: Heute wissen wir, dass das Baby nach der Geburt noch nicht die normale Menge von Prothrombin im Blut hat. Das ist eben ein Stoff im Blut, der bewirkt, dass das Blut gerinnt und dann die Wunde sehr schnell verschliesst. Darum besteht in den ersten Tagen, wenn man ein Baby verletzt und so eine Operation macht, ein Verblutungsrisiko. Und darum ist es nicht ohne, wenn man bei Babys nach der Geburt so etwas machen muss.
Aber es nimmt dann von Tag zu Tag zu, und der höchste Punkt wird am achten Tag nach der Geburt erreicht. Da geht es über hundert Prozent, und dann geht es wieder auf hundert Prozent runter, also bei den Gesunden. Es gibt ja solche, die eine Krankheit haben, und die müssen dann ihr Leben lang auch aufpassen, dass sie sich nicht irgendwie verletzen. Ja, aber so wunderbar eingerichtet: Welcher achte Tag ist der Spitzentag? Und das sagt die Bibel.
Und man hat auch herausgefunden, dass die Beschneidung sehr viele gesundheitliche Vorteile hat, sodass auch gewisse Krankheiten vermieden werden können. Wenn man sich das so überlegt, ist aber die Frage: Warum hat Gott dann den Menschen erschaffen mit Vorhaut und nicht gleich ohne? Also irgendwie müsste man sagen, es muss auch Vorteile mit Vorhaut geben. Und weil Gott die Beschneidung angeordnet hat, dann müsste es auch Vorteile ohne Vorhaut geben. Und es ist so: Wir könnten eine Liste machen, Vorteile da, Vorteile da, Vorteile da. Das ist logisch.
Darum ist Abrahams Leben vor der Beschneidung ein wichtiges Leben. Dort wurde er gerechtfertigt. Und dann das Leben ab der Beschneidung, da wurde sein Glaube besiegelt, wie wir gesehen haben. Beides hat seine Bedeutung.
Und ganz wichtig ist: Wenn jemand denkt, oh ja, die medizinischen Vorteile möchte ich schon, das Wichtigste ist normale Hygiene. Also normal meine ich eben das, was man bei uns als normal anschaut: jeden Tag duschen und sich waschen. Dann kann man diese Nachteile wieder wettmachen. Da muss man niemand denken: Mir fehlt etwas oder ich muss das Lager wechseln. Nein, aber das hat alles eben seine Bedeutung.
Nun Vers 12: Er wurde Vater für alle, die eben zum Glauben kommen, die aber nicht beschnitten sind, aus den anderen Völkern. Und Vers 12 sagt: „Und Vater der Beschneidung, nicht allein für die aus der Beschneidung, also für Juden an sich, sondern auch für die, die in den Fussstapfen des Glaubens wandeln, den unser Vater Abraham hatte, als er in der Vorhaut war.“
Also ist er gerade auch Vater von den Juden, die sich bekehren, zum Glauben kommen, denselben Glauben haben wie ihr Vorvater Abraham, den er aber schon hatte vor der Beschneidung.

Die Verheißung ohne Gesetz und die Macht der Gnade

Jetzt gehen wir zu Vers 13, denn nicht durch Gesetz wurde dem Abraham oder seiner Nachkommenschaft die Verheißung zuteil, dass er der Welt Erbe sein sollte, sondern durch Glaubensgerechtigkeit.
Gott hat Abraham aus Ur in Chaldäa berufen. Die Berufung wird beschrieben in 1. Mose 12,1-3, und dort hat er ihm wunderbare Verheißungen gegeben. Schlagen wir auf: Zeitlich greift Mose zurück in Kapitel 12, Vers 1, auf die Zeit in Ur in Chaldäa. Das wird klargemacht in Apostelgeschichte 7,2 und folgende.
Und der Herr hatte zu Abraham gesprochen, eben damals in Ur in Chaldäa: Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und aus dem Haus deines Vaters in das Land, das ich dir zeigen werde. Und ich will dich zu einer großen Nation machen und dich segnen, und ich will deinen Namen groß machen, und du sollst ein Segen sein. Und ich will die segnen, die dich segnen, und wer dir flucht, den werde ich verfluchen. Und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.
Abraham bekam hier eine wunderbare Verheißung. Und diese Verheißung wurde dann festgeschrieben in dem Bund mit Abraham in Sichem, 1. Mose 12,6: Und Abraham durchzog das Land bis zu dem Ort Sichem, bis zur Terebinthe Mores; und die Kanaaniter waren damals im Land. Und der Herr erschien Abraham und sprach: Deiner Nachkommenschaft will ich dieses Land geben. Da in Sichem.
Das ist nämlich, wenn man die Chronologie streng durchrechnet, der Moment 430 Jahre, bevor Israel, ausgezogen aus Ägypten, am Sinai den Bund vom Sinai empfing, das Gesetz. Aber Gott hat diese Verheißungen an Abraham gegeben, und dass er der Welt Erbe werden sollte. Das heißt also, dass seine Nachkommenschaft die höchste Nation der Welt werden sollte, von der der Segen der Welt abhängt.
Das hat Abraham eben alles bekommen, nur so als Zusage, als Versprechen Gottes, ohne das Gesetz von Sinai. Das kam erst 430 Jahre später. Das ist wichtig.
Also, diese Verheißungen wurden an Abraham dann in weiteren Phasen noch bestätigt. Das heißt also, wir haben in 1. Mose 12,6 den Bund mit Abraham. Er wird dann in Kapitel 13 ein erstes Mal bestätigt, dann in Kapitel 15, da wo Abraham dann auch glaubt und es ihm zur Gerechtigkeit gerechnet wird, und dann in Kapitel 17, in Kapitel 22 und weiter wird es bestätigt, in Kapitel 26 zweimal gegenüber Isaak und später in Kapitel 28,35,9 gegenüber Jakob.
Also ein Bund und acht Bestätigungen, aber alles ohne das Gesetz vom Sinai, wo es eben stark um den Gedanken geht: Leistung. Gott sagt: Wenn ihr das tut, dann gebe ich euch das. Wenn ihr gehorsam seid, dann werde ich euch segnen. Aber all diese Zusagen und dass eben Abrahams Nachkommen das Tor ihrer Feinde besitzen werden, das wurde in diesem Abrahamsbund einfach versprochen, unabhängig von Leistung und Gesetz. Das ist nur ganz wichtig.
Also, durch Verheißung wurde es ihm zugesagt, der Welt Erbe zu sein, und Vers 14 sagt: Denn wenn die vom Gesetz Erben sind, so ist der Glaube zunichte gemacht und die Verheißung aufgehoben.

Das Gesetz deckt Schuld auf, kann aber nicht retten

Also Israel hat Hunderte von Geboten erhalten. Wenn es nun davon abhängig wäre, dass sie all diese Zusagen Gottes empfangen, weil sie das Gesetz halten, dann wäre der Glaube unnötig. Dann ginge es um Leistung.
Aber wir haben ja gesehen, was mit Israel passiert ist. Sie standen unter dem Gesetz, ab dem Sinai, 430 Jahre nach dem Bund in Sichem. Und Gott hat gesagt: Wenn ihr nicht gehorsam seid, werde ich euch unter alle Völker zerstreuen. Sie würden das eigene Land verlieren. Sie würden nicht zum Kopf werden über alle Nationen, sondern zum Schwanz, zur hinterletzten Nation der Welt.
Und genau das ist geschehen ab dem Jahr 70. Sie haben das Gesetz nicht eingehalten, und als der Messias kam, hat ihn die Masse nicht empfangen. Dann kam die weltweite Zerstreuung ab dem Jahr 70. Das Land ging verloren. Sie haben also durch das Gesetz nicht Gewinn gemacht, sondern alles verloren.
Und warum kommt das Volk Israel heute wieder zurück in unserer Zeit und ist wieder im Land zurück und hat wieder einen Staat? Hesekiel 36 sagt, Gott macht es wegen seines Namens, weil er es Abraham versprochen hatte. Nicht weil sie es verdient haben, sondern aus Gnade hat Gott sie wieder zurück ins Land geführt, nicht aufgrund des Gesetzes. Ganz wichtig: Hesekiel 36 macht das sehr klar.
Nochmals Vers 14: Denn wenn die vom Gesetz Erben sind, so ist der Glaube zunichtegemacht und die Verheißung aufgehoben. Denn das Gesetz bewirkt Zorn. Und das hat Israel erlebt. So haben sie alles verloren, sogar das eigene Land, wenn es um Leistung geht.
Dann wird aber gesagt: Wo aber kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung. Also dort, wo ausdrücklich gesagt wird: so, so, so, wird deutlich, dass jemand ein Übertreter ist. Aber wenn diese Gebote nicht da sind, dann wird auch nicht deutlich, wo jetzt die Übertretung stattfindet.
Vers 16, also auf dem Blatt habe ich es vielleicht noch verständlicher formuliert: Das Gesetz kann nicht retten. Es zeigt aber konkret auf, dass alle Menschen schuldig sind und das Gericht verdient haben. Die konkreten Gebote decken die konkrete Schuld auf. Eben dort, wo keine konkreten Gebote sind, sieht man nicht, wo der Mensch sich genau schuldig macht.
Daraus folgt: Das Gesetz kann nicht die Grundlage sein für die Erfüllung der Segensverheißungen.

Die Festigkeit der Verheißung durch Glauben

Jetzt Römer 4,16. Darum ist es aus Glauben, damit es nach Gnade sei, damit die Verheißung der ganzen Nachkommenschaft fest sei, nicht allein dem vom Gesetz, sondern auch dem vom Glauben Abrahams, der unser aller Vater ist.
Eben Gott wollte all seine guten Zusagen geben, aufgrund der Gnade, einfach als ein Versprechen von ihm, das er dann auch erfüllt. Und das eben für die Nachkommenschaft fest sein sollte. Würde es von der Leistung abhängen, haben wir gesehen, hätte Israel alles verloren. Aber damit es fest ist, hat Gott das mit der Gnade in Verbindung gebracht, und zwar für Israel, die später unter dem Gesetz waren, aber auch für die Gläubigen aus den anderen Völkern.
Und jetzt erklärt der Apostel Paulus: Abraham ist in gewissem Sinn Vater nicht nur von den Gläubigen in Israel, sondern auch von den Gläubigen aus den anderen Nationen. Darum steht in Vers 17, wie geschrieben steht, und das ist ein Zitat aus 1. Mose 17,5: „Ich habe dich zum Vater vieler Nationen gesetzt.“
Also hat Abraham über Israel hinaus eine Bedeutung für die anderen Völker. Und darum sollte er zeigen, dass er gerechtfertigt wurde, ohne Beschneidung, allein durch Glauben. Das gilt eben auch für solche, die aus den Nationen zu Gott kommen, vor dem Gott, dem er glaubte, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende ruft, wie wenn es da wäre.

Der Glaube gegen jede menschliche Hoffnung

Wann hat Abraham geglaubt, dass Gott ein Gott ist, der die Toten lebendig macht, und dass er das Nichtseiende ruft, wie wenn es da wäre?
Nun, wiederholt hat er gesehen, dass der Mutterleib von Sarah in einer Zeit, in der es menschlich gesprochen noch möglich gewesen wäre, ein Kind zu bekommen, biologisch und medizinisch ein Problem hatte. Sie bekam kein Kind. Aber Gott hat nicht einfach in dieser Zeit, in der es bei anderen Frauen noch gegangen wäre, ein Kind gegeben, sondern Gott hat zugewartet: 25 Jahre. Und Abraham war schliesslich hundertjährig, Sarah neunzig.
Da ist jedem klar: Auch dann, wenn die biologischen Grundlagen für ein Kind noch vorhanden sind, mit Eierstöcken, mit der Plazenta und so weiter, und alles stimmt und funktioniert, wäre es mit 90 schon lange nicht mehr gegangen, und zwar lange, lange vorher. Aber Gott hat so lange gewartet, und Abraham glaubte, dass Gott das auch dann noch kann.
Und schliesslich er als Mann: Natürlich, ich meine, man denke nur an Jakob. Wie alt war er, als er nach Paddan-Aram ging und dort beim Brunnen Rachel sah? Das war klar: Das ist die Frau seines Lebens. Wie alt war er damals? Siebenundsiebzig. Ich sehe einfach, warum es sich lohnt, die Chronologie der Bibel durchzurechnen. Siebenundsiebzig – aber das war der Moment seines Lebens.
Aber es ging alles falsch. Er hat vorher nicht gebetet, wie der Knecht, bevor er zur Wasserquelle kam. So ist er einfach gegangen. Und der Knecht hat dort, als Rebekka herauskam, gesagt: Stimmt alles. Aber er hat immer noch geschwiegen, ist nicht hineingeschossen, und es heisst, er wollte schauen, ob der Herr wirklich Gelingen gegeben hat. Also kritisch überschaute er nochmals: Ist es wirklich so?
Bei Jakob: Was hat er gemacht? Als er zu Rachel kam, hat er sie geküsst. Die war völlig überfordert. Ja, aber eben, er schoss hinein, und es ging alles schief. Aber in den nächsten zwanzig Jahren hat er dreizehn Kinder bekommen. Ja, ich will nur damit sagen: Bei Männern kann es mit Nachkommen haben noch länger gehen. Aber dann ist auch einmal fertig.
Und die Bibel sagt eben: Als Hundertjähriger – wir kommen gleich darauf – war er biologisch abgestorben, also nicht mehr fähig, nicht mehr zeugungsfähig. Und erst dann hat Gott Isaak gegeben. Und Abraham hat wirklich an den Gott geglaubt, wie wir da gelesen haben, der die Toten lebendig macht, der den abgestorbenen Körper, wie er als Mann, und Sarah als Frau, wieder lebendig gemacht hat.
Und das war nicht einfach ein Wunder für den Moment. Wir sehen später: Sarah stirbt ja in hohem Alter, und dann heiratet Abraham wieder Ketura und bekommt ganz viele Nachkommen. Also war er dann weit über hundert immer noch zeugungsfähig, weil Gott ihn biologisch erneuert hatte, der Gott, der die Toten lebendig macht.
Und Abraham glaubte noch mehr: Er glaubte auch damals, wenn Isaak geopfert würde, dann würde Gott ihn auferwecken. Das wird in Hebräer 11 ganz klar gesagt, dass er das geglaubt hat. Und der Schriftbeweis im Alten Testament: Abraham geht mit seinen Knechten und mit Isaak ins Land Moria. Von weitem sieht er dann den auserwählten Berg, und dann sagt er den Knechten: Bleibt ihr hier, ich gehe mit meinem Sohn an diesen Ort. Wir werden dort anbeten und kommen dann wieder beide zurück.
Philippe, er hat das Schlachtmesser mit dabei, aber er war überzeugt: Gott hat verheissen, in Isaak wird dir die Nachkommenschaft gegeben werden. Dann muss Isaak auferstehen. Er glaubte auf diese Art und Weise an den, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende ruft, wie wenn es da wäre.

Gottes Wirklichkeit und die Logik des Glaubens

Ein Ungläubiger würde sagen: Das ist alles unlogisch. Und wir müssen sagen: Nein, deine Rechnung ist unlogisch. Denn den größten Faktor in der Rechnung berücksichtigst du nicht, und das ist Gott. Und zwar dieser Gott, der wirklich existiert und in der Geschichte handelt. Dieser Gott ist der größte Faktor, und jede Rechnung wird am Schluss falsch herauskommen, wenn man den größten Faktor nicht berücksichtigt.
Ich hatte einen wirklich guten Physiklehrer auf dem Gymnasium. Und zwar deshalb, weil wir dort in den Prüfungen Punkte bekamen, sogar wenn das Endergebnis falsch war. Das war so: Deine Überlegung war entscheidend. Ihr müsst den ganzen Herleitungsweg in der Physik aufzeichnen, nicht einfach für euch rechnen und dann nur das Endergebnis hinschreiben. Wenn das falsch ist, gibt es null. Sondern der ganze Weg zählt. Jeder Schritt, jeder Punkt, der logisch ist und in sich stimmig ist, wird angerechnet, auch wenn das Endergebnis dann falsch ist, etwa weil ein Faktor nicht berücksichtigt worden war. Das ist sehr gnädig, nicht wahr?
Aber natürlich sieht man bei Ungläubigen: Das ist logisch, das ist logisch, aber das ist unlogisch, weil ihr Gott aus dem Ganzen weglasst. Und darum geht die Rechnung nicht auf. Mit Evolution ist das das Unlogischste, was man sich vorstellen kann. Ein Bombardierkäfer entsteht doch nicht einfach so mit der Zeit. Ja, es sind zwei Kammern mit gefährlichen Flüssigkeiten. Solche Flüssigkeiten darf man nie den Kindern geben, damit sie damit spielen. Und es ist so: Wenn diese Flüssigkeiten in zwei Tanks im Körper des Käfers zusammenkommen, dann explodiert es. Aber wirklich. Und die sind so eingerichtet, dass aus beiden Tanks über eine Leitung ein Zwischentank geleitet wird, wo dann die Flüssigkeiten gemischt werden. Aber es ist so eingerichtet, dass über ein Enzym die Reaktion nicht sofort zur Explosion führt, sondern es gibt eine Verzögerung. Da muss eben der Käfer das Ganze noch zuerst aus dem Körper herausschmeißen, und dann knallt es. Also ein bisschen vorher, und dann ist er selber in der Luft. Aber das soll ja nicht ein Selbstmordattentäter sein, und so etwas soll im Laufe der Zeit einfach zufällig entstehen. Es ist völlig absurd und unlogisch.
Aber der Glaube von Abraham war logisch. Er glaubte an den Gott, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende ruft, wie ein Stern, der aus dem Nichts ins Dasein gerufen werden kann. Und das ist der Unterschied. Im Atheismus glaubt man, dass es zuerst einmal nichts gab: keinen Raum, keine Zeit, keine Materie, keine Energie. Und plötzlich sei vor circa 13,7 Milliarden Jahren, das wird heute wieder ein bisschen verschoben, aber es kommt ja nicht auf ein paar Wochen früher oder später an, aus einem kleinsten Punkt das ganze Potenzial an Energie für das Universum entstanden, aus dem Nichts.
Aber wir haben ja in der Physik gelernt: Aus Nichts entsteht Nichts. Und dann sagen wir: Ja, das gilt, aber damals gab es eben dieses Gesetz noch nicht. Und darum war das eben anders. Da müssen wir sagen: So viel Glauben haben wir nicht. Aber ihr glaubt ja dasselbe. Ihr glaubt ja auch an die Schöpfung aus dem Nichts. Ja, natürlich. Aber das können wir nur glauben, weil wir einen so großen Gott kennen, der das Nichtseiende rufen kann, wie wenn es da wäre. Sonst könnten wir das nicht glauben. Gott muss so groß sein, dass das eben möglich ist. Und Sie glauben, das geht einfach so ohne Gott und gegen die Naturgesetze.

Hoffnung, Gewissheit und das, was bleibt

Ja, in ein paar Minuten gibt es Zeit für Pause, Kaffee und Kuchen.
Wir schließen das noch ab, indem wir weitergehen zu Vers 18. Von Abraham heißt es, dass er gegen Hoffnung auf Hoffnung geglaubt hat, damit er ein Vater vieler Nationen würde, nach dem, was gesagt ist. Und jetzt kommt ein Zitat aus 1. Mose 15,5: So wird deine Nachkommenschaft sein.
Menschlich gesehen war es unvorstellbar, dass eine unzählbare Nachkommenschaft von einem unfruchtbaren Ehepaar kommen sollte. Das war gegen jegliche menschliche Hoffnung. Aber er hat trotzdem gegen menschliche Hoffnung geglaubt, weil er auf diesen großen Gott vertraute.
Darum sagt Vers 19: Und nicht schwach im Glauben sah er nicht auf seinen eigenen, schon erstorbenen Leib, da er fast hundert Jahre alt war, und auf das Absterben des Mutterleibes der Sarah. Ihm war also klar: Bei mir geht es nicht, bei ihr geht es nicht. Und zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde gestärkt im Glauben, Gott die Ehre gebend, und war der vollen Gewissheit, dass er, was er verheissen hatte, auch zu tun vermag.
Und das ist doch wunderbar. Hier wird gezeigt, dass dieser Mann eine tiefe Glaubensüberzeugung hatte. Wenn man allerdings das Alte Testament liest, sieht man: Ja, da gibt es auch zwischendurch Ereignisse, wo Abraham nicht mehr glauben konnte, wo er sogar gelacht hat, und Sarah auch.
Und wieso steht das hier so? Ja, weil Abraham eingesehen hat, dass diese Phasen des Unglaubens falsch waren, und Gott hat vergeben. Und wenn er vergibt, dann ist das weg, und alles Gute bleibt. Das ist wunderbar.
Es ist ganz typisch im Neuen Testament, dass die Sünden der Gläubigen im Alten Testament nicht mehr wiederholt werden. Es wird einfach das gezeigt, was vor Gott bleibt. Alles andere ist vergeben. Es gibt nur eine Ausnahme, und da war es unbedingt nötig. Bei Elija sehen wir in Römer 9-11, dass er so dachte, dass er der einzig Treue ist. Das wird nochmals erwähnt, aber sonst wird das im Neuen Testament nicht erwähnt. Das wird dort erwähnt, damit wir daraus etwas lernen.
Aber da, wo es nicht nötig war, das zu wiederholen, wird einfach betont, was im Glauben geschehen ist. Und darum kann das so positiv einseitig gezeigt werden: zweifelte nicht, der vollen Gewissheit.
Und so ist es auch einmal für uns, wenn wir in die Herrlichkeit kommen. Wir werden zwar alle vor den Richterstuhl Christi gestellt werden, und dort wird alles in unserem Leben geklärt werden. Wir werden völlig in Übereinstimmung gebracht werden mit dem Herrn und mit dem, wie er die Dinge gesehen hat.
Ich meine, auch dort, wo wir Dinge eingesehen haben, wird der Herr uns zeigen: Siehst du, das war eigentlich noch schlimmer, das hast du gar nicht so gesehen. Und das wird für uns nicht etwas Schreckliches sein, sondern das wird der Moment sein, wo wir so völlig in Harmonie und Übereinstimmung mit dem Herrn kommen, dass die ganze Ewigkeit nur glücklich sein wird.
Aber es braucht das, und es wird uns noch viel mehr bewusst machen, wie viel uns vergeben worden ist. Und alles, was für den Herrn geschehen ist aus Glauben, das wird herausgestrichen und belohnt werden. 2. Korinther 5,10; Römer 14,10. Der Richterstuhl Christi.
Und dann wird einfach das in aller Ewigkeit stehenbleiben: er zweifelte nicht, er war der vollen Gewissheit. Und alles andere ist für immer weggetan.
So, in diesem Sinn: Pause.

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