Serie•Teil 2 / 2Das Neue Testament aus der Vogelschau
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Einführung in die paulinischen Briefe und ihre Grundanliegen
Wir kommen nun zum Galaterbrief. Der Galaterbrief warnt vor der Irrlehre, die besagt, man könne durch eigenen Verdienst und durch das Einhalten der Gebote des Gesetzes Mose einen Beitrag zu seiner eigenen Erlösung leisten. Er betont daher die Vollgültigkeit des Erlösungswerkes Jesu Christi am Kreuz.
Ferner warnt er grundsätzlich und ernstlich vor dem Irrweg, dass nichtjüdische Christen beginnen, nach jüdischen Geboten zu leben. Der Galaterbrief ist offensichtlich der erste Brief, den Paulus geschrieben hat. Er gehört also noch in die Zeit der ersten Missionsreise hinein. Paulus war ja auf der ersten Missionsreise in Lystra und Derbe, das ist Südgalatien, und an diese südgalatischen Gemeinden richtet sich dieser Brief.
Jüdische Gebote wurden von Paulus noch weiter eingehalten. Er hat zum Beispiel einmal ein Naziräer-Gelübde auf sich genommen, Apostelgeschichte 18. Er ging in den Tempel und wollte die Kosten übernehmen für jüdische Christen, die auch ein Naziräer-Gelübde hatten, aber durch einen Toten verunreinigt worden waren und mit der Asche der roten Kuh das siebentägige Ritual durchmachen mussten. Da war er bereit, quasi die Opfer für sie zu bezahlen.
Aber der Galaterbrief spricht nicht über das Problem, ob Juden, die zum Glauben gekommen sind an den Messias, noch so etwas tun dürften. Mit aller Schärfe wird vielmehr darüber gesprochen, dass solche, die nicht Juden sind und zum Glauben gekommen sind, überhaupt nichts davon praktizieren dürfen. Für die Juden gab es eine sehr wichtige Übergangszeit. Sie konnten nicht einfach von einem Tag auf den anderen rechts umkehren, das hätte ein Problem im Gewissen gegeben. Also, das ist nicht das Thema, das im Galaterbrief behandelt wird. Es geht um nichtjüdische Christen, die dürfen gar nichts damit zu tun haben.
Deshalb ist dieser Brief eigentlich einer der schärfsten Briefe im Neuen Testament überhaupt. Er ist sehr aktuell, auch heute, wo es solche Tendenzen gibt, selbst oder gerade unter evangelikalen Christen, dass man irgendwie das Christentum mit dem Judentum vermischen will, dass man Leute motiviert, ans Laubhüttenfest zu gehen usw. Solche Entwicklungen gibt es immer wieder. Denn das Christentum ist etwas völlig Neues. Es ist nicht jüdisch und nicht heidnisch, sondern etwas ganz Neues, was Gott geschaffen hat, und das darf nicht vermengt werden.
Die Irrlehre, die darin angesprochen wird, sagt nicht, dass nur Werke retten, aber dass man durch Werke einen Beitrag an die Erlösung anbringen kann. Und so ist dieser Brief ein so hochaktueller Brief geblieben durch all die Jahrhunderte hindurch. Wenn wir an das römisch-katholische Heilsystem denken, arbeitet es genau so. Jesus Christus hat zwar am Kreuz gelitten, aber der Mensch muss zu dieser Rettung mit seinen Werken beitragen. Und so fällt dieses System unter dieses harte Urteil von Galater 1: ein anderes Evangelium, das gar kein Evangelium ist, und das Urteil, er sei verflucht, wer so etwas lehrt.
Interessant ist übrigens dieser Ausdruck verflucht in Galater 1,8-9, anathema. Das ist der Ausdruck, den die katholische Kirche in den Verfluchungen der sogenannten Irrlehre immer wieder gebraucht hat. Auch die Reformatoren, die das Heil aus Glauben allein gelehrt haben, wurden im Konzil von Trient mit dem Anathema belegt. Das ist dieser Fluch. Genau das Wort fällt eigentlich auf die, die ein Evangelium bringen, in dem der Mensch mit seinen Werken der Erlösung beitragen müsste. Das ist schon ironisch.
Die Gemeinde als neues, himmlisches Volk
Der Epheserbrief beschreibt in den Kapiteln 1 bis 3 die einzigartige Stellung der Christen als ein neues Volk, das weder jüdisch noch heidnisch ist. Es ist vielmehr ein himmlisches Volk mit himmlischen Segnungen, im Gegensatz zu Israel als irdischem Volk Gottes mit speziell irdischen Segnungen.
Darum beginnt dieser Brief mit diesem Lobpreis: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus, wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos sein vor ihm in Liebe, und hat uns zuvor bestimmt zur Sohnschaft usw.“
Da wird gezeigt, dass das Christentum zwar etwas völlig Neues ist, aber eigentlich noch älter als das Judentum, denn wir sind vor Grundlegung der Welt erwählt. Der Plan war schon längst da, aber jetzt erst ist er realisiert worden.
Dieser Brief zeigt aber auch, wie sich diese himmlische Stellung derer, die zur Gemeinde Gottes gehören, in den alltäglichen Beziehungen auf Erden auswirken muss: in der Gemeinde, in der Familie, in der Ehe und in der täglichen Arbeit. Das sind die Kapitel 4 bis 6.
Diese Abschnitte sind miteinander so verknüpft, dass es in Kapitel 4, Vers 1 heißt: „Ich ermahne euch nun ...“ Das kennen wir aus dem Römerbrief, oder? Aus der Darstellung des Heils in den Kapiteln 1 bis 11 wird die Schlussfolgerung gezogen: „Ich ermahne euch nun.“
Und hier wird aus der Darstellung der himmlischen Stellung der Erlösten die praktische Konsequenz gezogen: wie wir in der Gemeinde, in der Familie, in der Ehe und am Arbeitsplatz nun leben sollen. Wir sind nach wie vor Menschen auf der Erde, aber durch unseren himmlischen Charakter nehmen wir gewissermaßen diese himmlische Herrlichkeit in die ganz alltäglichen irdischen Beziehungen hinein.
Und das macht natürlich plötzlich all das ganz Gewöhnliche, Alltägliche und Familiäre in Gottes Augen erhaben.
Christus im Zentrum von Freude, Ziel und Kraft
Der Philipperbrief, geschrieben aus dem Gefängnis in Rom, ist eine wunderbare Abhandlung über die Lebensführung der Christen als Schicksalsgemeinschaft. Er wurde übrigens im Jahr 62 geschrieben. Paulus kam ja am Ende der Apostelgeschichte nach Rom, und während dieser zweijährigen Gefangenschaft schrieb er den Philipperbrief.
Er betont, dass die Christen durch Sinn für Mission, Demut, Zusammenhalt und Freude im Herrn ausgezeichnet sein sollen. Das Wort „freuen“, „sich freuen“ oder „Freude“, „froh sein“ kommt sechzehnmal in dem Brief vor. Es ist also ein Brief der Freude. Mission, Demut, Zusammenhalt und Freude im Herrn – das soll die Christen zeichnen.
Der Herr Jesus Christus ist das vollkommene Vorbild. Er soll den Christen stets als Ansporn vor Augen stehen. Der Weg des Christen ist ein Laufen in der Rennbahn, Kapitel 3, wobei Jesus Christus selbst das alleinige Ziel sein soll. Jesus Christus wird in jedem Kapitel auf ganz besondere Art vorgestellt.
In Kapitel 1 sagt Paulus: Das Leben ist für mich Christus. 1. Korinther 1,21.
In Kapitel 2 ist er das vollkommene Vorbild. Auf Vers 5 wird die Erniedrigung Christi und seine schließliche Erhöhung vorgestellt.
In Kapitel 3 ist er das Ziel. Paulus spricht von einer Kampfbahn, auf der er das Ziel anschauend jagt. Kapitel 3, Vers 14: Christus das Ziel.
In Kapitel 4 ist Christus unsere Kraft. Vers 13: Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt.
Kapitel 1: Christus mein Leben. Kapitel 2: Christus mein Vorbild. Kapitel 3: Christus mein Ziel. Kapitel 4: Christus meine Kraft.
Die Überlegenheit Christi gegenüber jeder Verführung
Der Kolosserbrief ist eine Antwort auf die Gefahr der Verführung durch eine mystische Irrlehre mit griechischen und jüdischen Elementen. Er zeigt im Gegensatz dazu die überragende Herrlichkeit der Person Jesu. Wer ihn kennt und die Stellung des Christen in ihm, darf deutlich feststellen, dass all die verführenden Angebote mystischer Bewegungen als völlig wertlos verblassen müssen, neben dem, was ein Gläubiger in Christus als reines Geschenk besitzt.
Im Kolosserbrief wird diese überragende Grösse Christi aufgezeigt. Zum Beispiel wird in Kapitel 1, Vers 16, er als Schöpfer aller Dinge gezeigt. Dann heisst es in Vers 18, er ist das Haupt der Gemeinde, und Gottes Ziel ist es am Schluss von 1,18, damit er in allen Dingen den Vorrang habe. Also die überragende Einzigartigkeit von Jesus Christus.
Schliesslich heisst es in Kapitel 2, Verse 9 und 10: Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Das heisst, der dreieine Gott ist in dem Menschen Jesus Christus gegenwärtig, leibhaftig. Und ihr seid vollendet in ihm. Diese mystischen Irrlehrer sagten, ihr müsst gewisse Übungen machen und könnt dadurch eine höhere Stufe im Glauben bekommen. So kann man zu höherer Erkenntnis kommen. Aber Paulus sagt: Ihr habt all das nicht nötig, ihr seid schon vollkommen gemacht in Christus. Nicht weil ihr so besonders gut seid, sondern weil in Christus alles ist. Und wenn ihr als Gläubige mit ihm verbunden seid, dann seid ihr bereits in ihm vollendet. Also wir brauchen keine Stufenentwicklung.
Das ist natürlich wieder ganz aktuell, denn Mystizismus ist heute eine sehr populäre Sache. Seit den sechziger Jahren, mit dem Aufkommen von Rockmusik, Drogen, östlicher Religion und Esoterik, ist unsere westliche Gesellschaft durch Mystik und die Jagd nach mystischer Erfahrung förmlich überrollt worden. Das hat auch auf die Christen Einfluss gehabt. Auch sie wollen irgendwelche mystischen Erfahrungen, und es gibt nun viele Christen, die glauben: Wenn man bekehrt ist, ist das schon gut, aber jetzt braucht es noch eine höhere Erfahrung. Und das ist genau das Prinzip der Mystik.
Dem können wir widerstehen und sagen: Nein, Paulus schreibt, in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, und ihr seid vollendet in ihm. Letztlich bricht die Mystik mit der Vollkommenheit Christi. Man sagt damit, dass wir durch den Glauben gar nicht alles bekommen haben. Darum ist das ein ganz wichtiger Schlüsselvers. Wir haben in Christus bereits alles. Und wenn uns die Grösse von Jesus Christus bewusst wird, dann verblasst alles andere daneben.
Vielleicht gilt das auch im Blick auf den Zeittrend. Heute besteht ein starker Trend dahin, dass man durch ständiges Wiederholen von Refrain und Liedern innerlich wie eine höhere Stufe erreichen will. Das hat etwas Mystisches an sich, wenn man das ständig und sehr intensiv macht. Interessant ist aber, dass dann sehr oft nur über Überanbetung gesprochen wird, anstatt über den Inhalt der Anbetung selbst.
Man muss einmal Lieder, die heute in dieser Art geschrieben werden, mit den Texten aus früheren Jahrhunderten vergleichen. Was da in einer Strophe an Fülle neutestamentlicher Lehre enthalten ist, das ist reines Konzentrat. Dann gibt es Ausdrücke wie: „Wir wollen anbeten“, „let us worship“ oder „wir wollen deinen Namen erheben“. Das ist alles ein Sprechen über Anbetung, anstatt Anbetung selbst.
Der Kolosserbrief zeigt uns aber im Detail, wer Jesus Christus ist. Und so werden wir als Grossisten zu Detailisten. Ja, wir können sagen: Herr, ich danke dir für alles, es ist alles grossartig. Dann sind wir Grossisten. Gott möchte aber, dass wir fragen: Was finden wir denn an Jesus Christus so grossartig? Und dafür haben wir im Kolosserbrief eine Fülle von Antworten, die uns im Detail sagen, wer Jesus Christus ist. Er ist das Haupt des Leibes der Versammlung, er ist der Anfang, er ist der Erstgeborene aus den Toten und so weiter und so fort. Das hilft uns, wahre Anbetung kennenzulernen.
Interessant ist ja auch das Wort Kolosser. Unser Wort kolossal kommt ja daher: riesengross. Und gerade im Kolosserbrief wird diese überragende Grösse der Person des Herrn Jesus Christus vorgestellt.
Erwartung der Wiederkunft und geordneter Alltag
Der erste Thessalonicherbrief klärt eine junge, bereits durch manche Verfolgung erprobte Gemeinde über verschiedene Missverständnisse auf, insbesondere in Verbindung mit der Wiederkunft Christi. Er zeigt auf, dass der Herr Jesus Christus in der Zukunft alle Erlösten entrücken wird, Kapitel 4, Vers 13 und folgende, um später mit ihnen zusammen aus dem Himmel wiederzukommen als Richter der Welt.
Dieser Brief ermutigt in den Nöten des Lebens durch die beständige Erwartung des Kommens des Herrn Jesus. Die Thessalonicher waren also erst vor kurzem bekehrt worden, und dann kam dieser erste Brief. Es ist sehr beeindruckend, dass in jedem Kapitel dieses Briefes über die Wiederkunft Christi gesprochen wird. Manchmal ist es die Entrückung, manchmal ist es das zweite Kommen in Herrlichkeit mit allen Gläubigen. Es kann in einem Kapitel beides zusammen sein, aber in jedem Kapitel wird über die Wiederkunft Christi gesprochen.
Und das ist schon beeindruckend, denn dieses Thema ist ja oft in der Kirchengeschichte vernachlässigt worden, bis gewissermaßen totgeschwiegen. Aber das zeigt uns: Das sind Dinge, die für Frischbekehrte schon ganz wichtig sind. Dass wir in einer lebendigen Erwartung des Herrn Jesus für die Gemeinde stehen und dann seinem Kommen in Herrlichkeit entgegensehen. Und das gibt uns Mut und Kraft, um Christen zu sein in den Schwierigkeiten des Lebens.
Der zweite Thessalonicherbrief ist eine Antwort auf das Missverständnis, dass die Zeit der göttlichen Gerichte über die Welt schon gekommen sei. Die Thessalonicher gingen durch Nöte, durch Verfolgung, und dann sagten ihre Lehrer: Schaut ihr, das ist nun schon der Gerichtstag Gottes über die Welt. Und Paulus erklärt, dass die Verfolgungen und Nöte der Christen nicht mit dieser Zeit der Gerichte der Endzeit verwechselt werden dürfen.
Die Endzeitgerichte können erst kommen, nachdem zuvor die Verführung durch den Antichristen, den Sohn des Verderbens, stattgefunden hat. Dieser Brief warnt ferner ernstlich davor, dass die Erwartung der Wiederkunft Jesu niemals zu einer unnüchternen Lebensführung Anlass geben darf, bei der man die Verantwortung für die täglichen Belange und Pflichten vernachlässigt.
Im letzten Kapitel geht es um solche in der Gemeinde, die nicht mehr arbeiten wollten. Und so etwas hätte man ja irgendwie begründen können: Ja, was sollen wir denn noch groß? Ich meine, die Wiederkunft Christi kommt ja sowieso nächstens. Aber dieser Brief zeigt uns: Es ist so wichtig, in der lebendigen Erwartung der Wiederkunft Christi zu stehen, aber nie mit dem Fehlschluss, dass unsere Verantwortung, auch in unserer Arbeit, im Beruf und in der Familie, darunter irgendwie leiden soll. Denn das wäre ein unordentlicher Lebenswandel. Und Paulus sagt sogar: Wenn jemand unordentlich so lebt, dann muss die Gemeinde ihn zurechtweisen.
Also gibt es eine gewisse Gemeindezucht. Es ist zwar kein Ausschluss, aber es gibt eine gewisse Gemeindezucht, damit er zur Einsicht kommt.
Anweisungen für Gemeinde, Lehre und persönliches Leben
Im ersten Timotheusbrief gibt Paulus dem jungen Mitarbeiter Timotheus Anweisungen für seine Aufgaben unter den Gläubigen in Ephesus. Man beachte in diesem Schreiben die vielen konkreten Befehle. Es lohnt sich, mit einem Farbstift alle Befehlsformen in diesem Brief anzustreichen. Dann kommt man auf etwa dreißig Befehle. Dann weiß man einmal, was man zu tun hat.
Es gibt ja Leute, die haben den Eindruck, dass man die Befehle nicht richtig verstanden hat, wenn man die Befehle nicht richtig verstanden hat, wenn man die Befehle nicht richtig verstanden hat. So bibelgebundenes Christentum, das ist alles Theorie. Wir wollen Erfahrung, wir wollen Leben. Das ist ja auch der Widerstreit des Zeitgeistes heute. Er ist erfahrungsbetont, im Gegensatz zur Betonung von Prinzipien und Überlegungen. Und das finden wir nun genau so wieder in der christlichen Gemeinde. Man betont heute vielmehr im Allgemeinen die Erfahrung und vernachlässigt dadurch das Wort.
Aber das Wort ist ja so praktisch und konkret für das Leben. Es ist kein theoretisches Buch, sondern es ist ein Buch, das Gottes Lehre für das praktische Leben gibt. Und wenn jemand etwas wissen will, wie er leben soll, dann nur den ersten Timotheusbrief lesen und die dreißig Befehle befolgen. Das wäre schon etwas. Und dann kann man weiterfahren mit dem zweiten Timotheusbrief. Aber bleiben wir noch beim ersten.
Übrigens, so nebenbei noch Expo Null Zwei. Das illustriert dieses Problem genau. Da gehen die Lehrer mit den Schülern hin. Die können das nicht erklären, was jetzt eigentlich dahintersteckt. Aber die haben doch ein Büchlein bekommen mit Erklärungen, ja? Das steht aber auch nicht drin. Man muss es einfach erleben. Da sind schon Chefideologen dahinter. Die haben ganz klare Absichten, was sie rein über das Erfahrungsmäßige ins Unbewusste hineinbringen wollen. Aber die Leute sind ja sowieso auf Erfahrung aus, das können sie dort haben. Es gibt eine Theorie dahinter, aber die sagt man nicht, weil die Theorie über das Unterbewusste hinein soll.
Das ist genau das Gegenteil, wie Gott arbeitet. Gott spricht unseren Willen an und unser Bewusstsein. Der Herr Jesus sagt zu Jerusalem: Hättest du doch diesen deinen Tag wahrgenommen, aber du hast nicht gewollt. Wie oft habe ich dich versammeln wollen wie eine Henne ihre Küken, aber du hast nicht gewollt. Das Problem ist der Wille des Menschen. Gott spricht den Willen an, und wenn der Mensch nicht will, dann geht er verloren. Und der Teufel versucht, den Willen zu umgehen, um den Menschen auf anderen Kanälen eben für seine Theorie zu gewinnen. Aber Gottes Wort spricht immer unser Bewusstsein, unseren Willen an, ohne das irgendwie zu umgehen.
Ja, das war ein kleiner Exkurs. Der 1. Timotheus Brief zeigt auf, wie man ein gesundes Glaubensleben führen kann und wie krankhaften Entwicklungen entgegengewirkt werden muss. Darum spricht der Brief immer wieder über ungesunde Lehre. Da gibt es auch eine gesunde Lehre, aber die ungesunde Lehre ist eine christliche Lehre, die sich in der Heilung einbinden kann, die irgendwelche Erweichung hat, und das macht die Leute krank.
Es gibt die Frage: Kann Glaube krank machen? Ja, natürlich. Aber dann ist an der Lehre etwas krank. Die gesunde Lehre fördert gesundes Christentum, und ungesunde Lehre macht Christen krank. Also wenn Christen krank werden, wenn sie glauben, dann ist irgendwo etwas schiefgelaufen. Entweder bei denen, die den Glauben erklären, oder es ist falsch verstanden worden. Das Problem merkt man in der Seelsorge auch immer wieder. Solche falschen Gedanken können echt krank machen.
Der Brief gibt ferner Anweisungen zu den Themen Gebet, Stellung der Frau, Leiterschaft in der Gemeinde, also Ältestenschaft, und Diakonendienst. Die Ausführungen über das Geheimnis der Gottseligkeit, 1. Timotheus 3,16, bilden einen besonderen Höhepunkt der Ausführungen in diesem Schriftstück. Es ist eigentlich ein poetisches Stück, eine Zusammenfassung der fundamentalen Wahrheiten des Christentums, die die Gemeinde durch alle Jahrhunderte aufrecht halten sollte.
Letzte Schreiben, bleibende Orientierung und geistliche Standfestigkeit
Der zweite Timotheusbrief trägt einen besonders feierlichen Charakter. Er ist das letzte Schreiben von Paulus im Neuen Testament und wurde um 66 nach Christus geschrieben. Verfasst wurde dieser Brief aus seiner Todeszelle in Rom.
Es gibt verschiedene Hinweise darauf, dass Paulus bei seiner Gefangenschaft am Ende der Apostelgeschichte wieder freikam, nochmals umherreiste, erneut gefangen wurde und so wieder nach Rom kam, diesmal aber in die Todeszelle. Es ist also das Testament des Paulus.
Paulus sah, wie sein Lebenswerk begann, unter schlechten Einflüssen zu degenerieren, ohne dass er noch etwas dagegen durch persönliche Intervention hätte unternehmen können. Seinen längsten Missionsdienst hat er in Ephesus gemacht, drei Jahre lang, Apostelgeschichte 19. Das war eine gewaltige Arbeit. Er hat jeden Tag Bibelunterricht gegeben, und innerhalb dieser Zeit haben alle in der Provinz Asia das Wort des Herrn gehört, Juden und Nichtjuden. Die Provinz Asia ist etwa so groß wie die Schweiz. Also wurde innerhalb von drei Jahren ein Gebiet so groß wie die Schweiz evangelisiert, und zwar nicht, indem man sagte, das Bibelstudium sei nicht wichtig, sondern indem man jeden Tag Bibelstudium hielt und dann evangelisierte.
Und im zweiten Timotheusbrief sagt Paulus: Du weißt dieses, dass alle, die in Asia sind, mich verlassen haben. 2. Timotheus 1,15. Also hat er ein Riesenwerk aufgebaut, das nicht vom Glauben abgefallen war, aber Paulus war für sie vorbei. Er wusste: Ich bin in der Todeszelle und kann direkt nichts mehr dagegen unternehmen.
Dies nimmt er zum Anlass, um über die letzten Tage, die Endzeit der Christenheit, zu sprechen, Kapitel 3, Vers 1 und folgende. Was in der Zeit des Paulus im Ansatz geschah, sollte in großem Maß die Christenheit in der Endzeit vor der Wiederkunft Christi kennzeichnen. Darum ist dieser Brief so aktuell heute.
Und wir kennen das: Herr Paulus hat so seine Auffassungen gehabt. Alle, die in Asia sind, haben mich verlassen. Ein Brief, der uns Auskunft gibt, wie sollen wir leben in der Endzeit. Dieser Brief gibt viele ganz konkrete und persönliche Verhaltensanweisungen in einer Zeit des allgemeinen Abweichens von den Belehrungen der Bibel. Ein hochaktueller Brief in einer Zeit der Verführung und des unaufhaltsamen Niedergangs.
Aber in diesem Brief haben wir die klassische Inspirationsstelle: 2. Timotheus 3,16. Alle Schrift ist von Gott inspiriert. Genau unsere Zeit ist die Zeit, in der die Inspiration und Autorität der Bibel so massiv in Frage gestellt wird. In der Vergangenheit in der Landeskirche wurde durch die liberale Theologie alles aufgelöst, aber jetzt auch unter den Evangelikalen. Und in den letzten Jahren ist deutlich geworden, immer mehr in den Ausbildungsstätten, dass hier die volle Inspiration und Autorität der Bibel in Frage gestellt wird. Und das wird sich nun multiplizieren auf die nächsten Jahre hinaus.
Aber interessant: Der zweite Timotheusbrief führt uns wieder zum Fundament zurück und sagt: Alle Schrift ist von Gott eingegeben. Und er betont 2. Timotheus 3,14: „Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und wovon du völlig überzeugt bist.“ Bleiben, festhalten.
Im Titusbrief gibt der Apostel Paulus Anweisungen an seinen Mitarbeiter Titus im Blick auf dessen Dienst unter den Gemeinden auf der Insel Kreta. Er betont die Wichtigkeit gesunder Leiterschaft, sprich Ältestenschaft, unter dem Volk Gottes, um ihr lehren und krankhaften Entwicklungen wirksam begegnen zu können. Er spricht konkret über den christlichen Lebenswandel unter Berücksichtigung der Alten, Jungen, der Frauen und Männer und der Sklaven. Sklaven kann man heute gut übertragen auf die, die in einem Abhängigkeitsverhältnis in der Arbeit sind. Ferner wird auch über die richtige Haltung gegenüber dem Staat und den ungläubigen Mitmenschen gesprochen.
Persönliche Fürsprache, jüdische Christen und praktische Bewährung
Der Philemonbrief ist ein herrliches Plädoyer des Paulus für einen davongelaufenen, einst unnützen Sklaven namens Onesimus, was so viel wie „der Nützliche“ heißt. Paulus war ja in Rom gefangen, zwei Jahre lang, am Ende der Apostelgeschichte. Während dieser Gefangenschaft kam er mit einem Sklaven in Berührung, der seinem Herrn davongelaufen war. Und dieser Sklave kam durch den Apostel Paulus in dieser Zeit zum Glauben.
Nun schrieb Paulus an seinen Herrn Philemon. Das war ein Christ in Asia, also in dieser türkischen Provinz, und zwar in Kolossä. Dieser Brief wurde also zusammen mit dem Kolosserbrief im Jahr 62 geschickt, zur gleichen Zeit wie auch der Philipperbrief und der Epheserbrief. Paulus ermahnt Philemon, den Herrn von Onesimus, er solle den Davongelaufenen als seinen Bruder in Christus liebevoll wieder aufnehmen.
Man kann sagen: Dieser Brief ist ein Juwel an Takt und Feinfühligkeit für heikle Angelegenheiten. Es hat überhaupt nichts damit zu tun, irgendwie dreinzufahren und einfach hineinzuschlagen, sondern wirklich: Wie löst man ganz heikle Probleme auf feine Art? Nicht hinterhältig-diplomatisch, sondern auf feine, taktvoll Weise.
Der Hebräerbrief richtet sich an jüdische Christen, eben an Hebräer. Wobei der Titel „Hebräerbrief“ eine spätere Erfindung ist. Das Wort kommt ja im Hebräerbrief selber nicht vor. Die Titel sind nicht inspiriert, nur der Brief selber. Aber es geht um jüdische Christen. Dieser Brief zeigt, dass das Alte Testament mit seinen vielen Riten und Opfern lediglich ein Schattenbild von dem ist, was jetzt durch das Kommen des Messias Jesus Wirklichkeit geworden ist. Darum wird dauernd davon gesprochen, dass das, was Christus gebracht hat, besser und größer ist.
Eindrücklich und besonnen stellt dieser Brief die Einzigartigkeit, Größe und Herrlichkeit der Person des Herrn Jesus Christus dar. Mit diesem Brief kann man auch wieder lernen, anzubeten. Denn da können wir wirklich detailliert sagen: Wer ist Jesus Christus? Was ist eigentlich an ihm so wunderbar?
Der Brief beginnt übrigens ohne Nennung des Autors oder der Adressaten. Alle Menschen, der Schreiber und die Adressaten, sollen in den Hintergrund treten. Es geht um die Größe von Jesus Christus. Ich habe gesagt: besonnen. Das Griechische im Hebräerbrief ist das klassischste Griechisch von allen Schriften des Neuen Testaments, zusammen noch mit den Schriften von Lukas. Also eine sehr, sehr schöne, sehr literarische Sprache, und das sollte auch wieder die Erhabenheit des Herrn Jesus Christus unterstreichen.
Zum Beispiel beginnt der Brief mit einem fünffachen Stabreim. Stabreim ist der gleiche Buchstabe am Anfang: Mann und Maus, Haus und Hof. Das sind Stabreime. Der Brief beginnt mit dem Explosivlaut Pi: Polymeros kai polytropos palai, hote theos lalesas und dann wieder zu den Vätern, patrasin, in den Propheten, entheos, prophet, propheteus. Fünfmal knallt es schon am Anfang dieses Pi. Es gibt dieses Erhabene. Und dann ist Jesus Christus gekommen. Nachdem Gott so lange durch Propheten gesprochen hat, ist ab jetzt der Sohn da.
Der Jakobusbrief zeigt, dass sich der echte Glaube in konkreten Taten auswirkt. Ein Glaube, der nur ein Lippenbekenntnis ist, muss als tot bezeichnet werden. Dieser Brief zeigt sehr konkret, was in Gottes Augen gute Werke sind. Das können unter Umständen Dinge sein, die die Menschen als schlechte Dinge beschreiben. Da wird das Beispiel von Rahab gebracht. Was hat sie gemacht? Landesverrat. Sie hat die Spione aufgenommen. Sie hat es aus Glauben gemacht, weil Gott das Gericht über Jericho beschlossen hatte.
Ein zweites Beispiel ist Abraham, der seinen Sohn opfern sollte. Das würde man heute auch nicht unbedingt als Beispiel für gute Werke vorstellen. Aber es geht um Gehorsam Gott gegenüber. Er musste ihn auch nicht opfern, aber es ging um die volle Anerkennung der Autorität Gottes über ihm. Gute Werke müssen sich also in Taten zeigen und sind Ausdruck von wahrem Glauben.
Jakobus richtete diesen Brief an jüdische Christen in der Anfangszeit des Christentums. Wie schon gesagt, diese Epoche war eine Übergangszeit, in der die Judenchristen noch allgemein nebeneinander sowohl die Synagoge als auch die christliche Gemeinde besuchten. In Kapitel 2 spricht er nämlich über das Verhalten beim Synagogenbesuch, in Kapitel 5 spricht er über die Ältesten der Ekklesia, der Gemeinde. Im gleichen Brief sehen wir dieses Nebeneinander in der Übergangszeit der ersten Jahrzehnte des Christentums.
Der erste Petrusbrief richtet sich auch wieder an jüdische Christen, an die in der Zerstreuung, in der Diaspora. Das ist der Fachausdruck für Juden, die im Ausland leben. Sie mussten lernen, was es bedeutet, an einen unsichtbaren Messias zu glauben, dessen Weltreich noch in der Zukunft liegt. Das war eine große Schwierigkeit für die Juden am Anfang. Wie kann Jesus der Messias sein, wenn er ja gar nicht mehr da ist? Wie kann Jesus der Messias sein, wenn es nun ja gar keinen Frieden gibt auf Erden?
Und so erklärt Petrus: Das ist alles noch eine Frage der Zeit. Der Messias ist jetzt im Himmel, und er wird kommen, um sein Reich aufzurichten. Aber in dieser Zwischenzeit sind wir nun als seine Diener hier auf Erden und müssen auch durch Leiden hindurchgehen. So zeigt dieser Brief, wie Christen sich in der Zeitepoche zwischen dem Weggang des Herrn Jesus bis zur Aufrichtung des messianischen Reiches in der Zukunft bei der Wiederkunft Christi verhalten sollen.
Immer wieder wird das Vorbild des Lebens Jesu hier auf Erden als Vorbild hingestellt, dem wir in seinen Fußstapfen nachfolgen sollen. Und wenn Leute uns lästern, dann sollen wir nicht zurückgeben, genauso wie Christus gelästert wurde und er nicht zurückgegeben hat.
Der zweite Petrusbrief ist übrigens auch geschrieben aus der Todeszelle. Das ist das Testament des Petrus. Dieser Brief richtet die Blicke der Gläubigen auf das kommende messianische Königreich und auf die damit verbundene Wiederkunft Christi hin. In diesem Brief erwähnt Petrus nämlich nochmals die Erfahrung auf dem Berg der Verklärung, Matthäus 17, wo er, Jakobus und Johannes Jesus Christus in seiner königlichen Herrlichkeit gesehen hatten. Sein Angesicht strahlte wie die Sonne, und Petrus erklärt: Wir haben gewissermaßen Christus gesehen in der Herrlichkeit, wie er kommen wird, in der Zukunft.
Diese Erfahrung auf dem Berg war gewissermaßen der Vorgeschmack darauf, was noch kommen wird. Das war ein wichtiges Pfand für die Juden, die zum Glauben kamen und sich fragten: Aber warum ist eigentlich der Messias nicht da? Warum haben wir kein Friedensreich? Und so sagt Petrus durch diese Erfahrung: Wir besitzen das prophetische Wort, das noch fester ist. Wenn bei Ihnen steht „befestigt“, dann ist das zu wenig wörtlich, es ist effektiv „fester“. Warum? Das prophetische Wort der Bibel ist an sich schon genug glaubwürdig. Aber diese Erfahrung auf dem Berg gibt noch ein zusätzliches Argument dafür, dass Jesus Christus in der Zukunft als König über die Welt kommen wird.
Das prophetische Wort, das diese Hoffnung nährt, wird mit einer an einem dunklen Ort scheinenden Lampe verglichen. Kapitel 2 beschreibt ausführlich das verderbliche Werk von Irrlehrern, um die Erlösten vor ihren Taktiken und Verführungen zu schützen. Petrus schrieb diesen Brief, wie gesagt, kurz vor seinem Märtyrertod. Es ist sein Testament. Das gibt diesem Schreiben nochmals einen ganz feierlichen Charakter. Die letzten Worte des führenden Apostels der Zwölf, wie der Zweit-Timotheusbrief das letzte Wort des Heidenapostels schlechthin ist.
Kampf gegen Irrlehre und Bewahrung der Gemeinde
Der Erste Johannesbrief warnt vor gnostischen Irrlehren, die die Wahrheit über die Person des Herrn Jesus Christus massiv angriffen und leugneten, dass er wahrer Mensch und wahrer Gott in einer Person ist. Die Gnostiker, diese Irrlehrerbewegung des ersten Jahrhunderts, waren eine der Hauptgefahren für die Christen. Diese Gedanken kamen aus der griechischen Philosophie. Im griechischen Denken ist eigentlich nur der Geist etwas Besonderes, der Körper dagegen etwas Minderwertiges. Der Körper ist das Gefängnis der Seele. Überhaupt ist Materie etwas Minderwertiges. Erhaben ist alles Ideelle, alles Gedankliche.
Nun hat man sich überlegt: Eigentlich ist die sichtbare Schöpfung minderwertig. Wenn Gottes Sohn in diese Welt gekommen ist, dann ist er ganz bestimmt nicht ein wirklicher Mensch geworden, denn sonst hätte er ja etwas Minderwertiges angenommen. Und so hat man gesagt, er sei gekommen, so quasi wie ein Scheinmensch, aber er sei nicht wirklich Mensch geworden. Auch seine ewige Gottessohnschaft wurde geleugnet. So ist dieser Brief ein Kampfbrief gegen diese verderbliche Irrlehre.
Es wird hier erklärt: Wer in dieser Weise den Sohn Gottes leugnet, ist ein Antichrist, also einer, der sich gegen Christus stellt. Wer aber den wahren biblischen Jesus kennt und Gemeinschaft mit ihm hat, der hat auch Gemeinschaft mit Gott, dem Vater. Der wahre und unverfälschte Glaube an den Sohn Gottes wirkt sich aus durch Gehorsam gegenüber Gottes Wort und durch Liebe zu den Glaubensgeschwistern.
Darum wird hier betont, zum Beispiel in 1. Johannes 4,6: Wir sind aus Gott; wer Gott kennt, hört uns. Johannes macht sich hier mit allen Aposteln und Propheten eins. Wir sind aus Gott, und wer Gott kennt, der hört auf sie. Also ein Kennzeichen dafür, ob jemand echten Glauben hat, ist zum Beispiel, ob er die Schriften des Neuen Testaments bedingungslos anerkennt. Wer aus Gott ist, hört; wer nicht aus Gott ist, hört nicht. Und so sagt er weiter: Wer nicht aus Gott ist, hört uns nicht. Hieraus erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.
Dann in 1. Johannes 5,1: Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott geboren, und jeder, der den liebt, welcher geboren hat, liebt auch den, der aus ihm geboren ist. Ein wahrer Christ kennzeichnet sich dadurch, dass er die Gemeinschaft mit Gläubigen sucht und liebt. Wenn er jemanden neu kennenlernt und merkt, dass Glaube an Jesus Christus da ist, fühlt er sich sofort verbunden. Das ist eine Auswirkung des neuen Lebens.
Der zweite Johannesbrief wendet sich sehr speziell an eine Mutter und ihre Kinder. Der alte Apostel Johannes warnt sie vor dem Umgang mit Antichristen. Das sind also Irrlehrer, die die biblische Lehre über die Person von Jesus Christus nicht bringen. Er sagt, wenn jemand zu euch kommt, der die Lehre des Christus nicht bringt, das heißt, die Lehre darüber, wer Christus ist, dann ist das die schwerste Irrlehre, die es gibt.
Zum Beispiel ist jemand, der vielleicht gewisse Bibelstellen aufweicht, nicht dasselbe wie jemand, der sagt, Jesus Christus ist nicht Gottes Sohn. Das ist die allerschlimmste Form von Irrlehre. Man kann also nicht jede Irrlehre auf die gleiche Stufe stellen. Aber diese Irrlehre ist so schwer, dass Johannes sagt, eine solche Person dürfe man nie ins Haus hineinnehmen, 2. Johannes 10-11. Das ist gleichzeitig auch ein Schutz vor Verführung, dass man mit solchen Menschen wirklich bricht. Es braucht Trennung.
Der dritte Johannesbrief richtet sich an einen Christen namens Gaius. Johannes erklärt ihm, wie wichtig es ist, Missionare, wenn sie vorbeikommen, zu unterstützen und sie für ihre Reisen auszurüsten. Ich lese 3. Johannes 5: Geliebter, du tust treu, was irgend du an den Brüdern, und zwar an Fremden, getan hast, die von deiner Liebe Zeugnis gegeben haben vor der Gemeinde. Und du wirst wohltun, wenn du sie auf eine gotteswürdige Weise geleitest, denn für den Namen sind sie ausgegangen und nehmen nichts von denen aus den Nationen. Wir nun sind schuldig, solche aufzunehmen, auf dass wir Mitarbeiter der Wahrheit werden.
Interessant: Der zweite Johannesbrief sagt, nicht aufnehmen; der dritte Johannesbrief sagt, aufnehmen. Ihre Lehrer müssen abgewiesen werden, aber wahre Missionare, denen sollen wir behilflich sein. Und er sagt, sie nehmen nichts von den Heiden. Also sie lassen sich nicht von Nichtchristen finanziell unterstützen. Das lehnen sie ab. Wie gesagt: Während der zweite Brief gebietet, Irrlehrer konsequent abzuweisen, so ermahnt dieser Brief, bibeltreue Missionare aufzunehmen. Ferner warnt er vor Machtmenschen in der Gemeinde.
Es geht hier um Diotrephes, der gerne der Erste sein will. Und da wird ein ganz, ganz schwerwiegendes Problem angesprochen, unter dem die Gemeinde während zweitausend Jahren immer wieder gelitten hat: Machtmenschen in der Gemeinde. Das ist ein ganz großes Problem, denn da kann es sein, dass einer kein Irrlehrer ist und trotzdem ein Machtmensch. Und solche Menschen können so viel Schaden anrichten. Es ist interessant: In der Seelsorge hat man festgestellt, dass Machtmenschen meistens nicht geheilt werden können. Warum? Bei ihnen ist sowieso alles in Ordnung, alle anderen sind nicht in Ordnung. Sie sind die einzig Richtigen, und sie gehen auch nicht in die Seelsorge, weil sie gar kein Problem haben. Aber andere Menschen neben ihnen zerbrechen an ihnen. Und so zeigt uns der dritte Johannesbrief, wie solche eben nicht stehen gelassen werden dürfen.
Der Judasbrief spricht über die Infiltrierung der christlichen Gemeinde durch unechte Christen, durch Menschen, die keine persönliche Beziehung zu Gott haben. Judas 4: Denn gewisse Menschen haben sich nebeneingeschlichen, die schon vorlängst zu diesem Gericht zuvor aufgezeichnet waren, gottlose, also solche, die keine Ehrfurcht vor Gott haben, welche die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehren und unseren alleinigen Gebieter und Herrn Jesus Christus verleugnen. Das sind also Leute, die Einfluss unter die Christen bringen. Das zeigt sich im Lebensstil, indem man alles sehr locker nehmen kann. Und zweitens wird die Autorität von Jesus Christus durch sie eigentlich verleugnet. Wir kennen auch dieses Problem, wie es heute sehr aktuell ist: ein unbiblischer Lebensstil und die Nichtanerkennung der völligen Autorität Gottes in der Gemeinde.
Er schildert eine total verkommene Christenheit, voll von Unmoral und Rebellion gegen Gottes Willen, offenem Abfall vom biblischen Glauben. Judas ermutigt die wahren Christen zu einem überzeugenden christlichen Lebenswandel und schließt mit einem wunderbaren Lobpreis. Der Judasbrief sieht also den ganzen moralischen Zerfall der Christenheit voraus, bis heute, aber er endet nicht mit Wehklagen. Überhaupt nicht. Er endet mit einer so wunderbaren Doxologie, einem Lobpreis, in Judas 24: Dem aber, der euch ohne Straucheln zu bewahren und vor seiner Herrlichkeit tadellos darzustellen vermag, mit Frohlocken, dem alleinigen Gott, unserem Heiland, durch Jesus Christus, unseren Herrn, sei Herrlichkeit, Majestät, Macht und Gewalt vor aller Zeit und jetzt und in alle Ewigkeit. Amen.
Die Offenbarung als prophetischer Abschluss des Neuen Testaments
Die Offenbarung ist das einzige durchweg prophetische Buch des Neuen Testaments. In Kapitel 1 erscheint Christus in seiner Herrlichkeit als Richter und Herrscher der Welt. Kapitel 2 und 3 enthalten Briefe an sieben Gemeinden.
In der prophetischen Auslegung dieser Kapitel sieht man hier eine Beschreibung der gesamten Kirchengeschichte, eingeteilt in sieben Zeitalter. Es geht also darum, dass man in der Reihenfolge der Sendschreiben die ganze Kirchengeschichte dokumentiert findet, von den Tagen der Apostel bis heute.
Ich habe als Teenager, als ich das zum ersten Mal so gelernt habe und gelesen habe, wie man das auf die Kirchengeschichte beziehen kann, mir einmal den Spaß gemacht auszurechnen, wie viele Möglichkeiten es gäbe, die Sendschreiben falsch anzuordnen. In der Schule haben wir gelernt, dass man das mit der Fakultät ausrechnen kann. Also: Wie kann man ausrechnen, auf wie viele Arten sieben Schüler nebeneinander auf Stühlen sitzen können? Das ist sieben Fakultät, also sieben Ausrufezeichen. Das heißt, man muss rechnen: einmal, zweimal, dreimal, viermal, fünfmal, sechsmal, siebenmal. Es gibt 5040 Möglichkeiten. Das heißt, es gibt 5039 falsche Anordnungsmöglichkeiten, aber Johannes hat genau die richtige aufgeschrieben.
Die Kapitel 4 bis 22 beschreiben ausführlich die Gerichte, die in der Endzeit, das heißt in der Zeitepoche, in der das jüdische Volk aus der weltweiten Zerstreuung ins Land der Väter zurückkehrt, die Welt treffen werden. Sie zeigen auch, wie diese Gerichte dann der Weltherrschaft von Jesus Christus den Weg bereiten sollen. Wir werden heute Nachmittag an diesem Punkt anschließen und sehen, dass eigentlich alle Kapitel ab Kapitel 4 noch zukünftig sind und gewissermaßen das Gottesprogramm ab der Entrückung der Gemeinde darstellen.
Und so endet die Bibel, das Neue Testament, mit einer nochmals ganz persönlichen Ansprache des Herrn Jesus Christus an seine Gemeinde. In 22,16 heißt es: „Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch diese Dinge zu bezeugen in den Gemeinden.“ Wie oft wird in den Gemeinden über die Offenbarung gepredigt? Aber sie wurde gegeben, um das in den Gemeinden zu bezeugen, nicht einfach nur für privates Studium.
Und dann Vers 20, der diese Dinge bezeugt, spricht: „Ja, ich komme bald.“ Amen. „Komm, Herr Jesus.“ Die Gnade des Herrn Jesus Christus sei mit allen Heiligen. Amen.
Es ist viertel nach, jetzt kommt die Mittagspause.
Vielen Dank an Roger Liebi, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!
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