
Heute kommen wir an das Ende des Kolosserbriefes. Michael wird am nächsten Sonntag noch über die ersten Verse des vierten Kapitels predigen, die er in seiner letzten Predigt ausgelassen hat.
Deshalb ist meine Predigt heute Morgen nicht die letzte Predigt über den Kolosserbrief, aber sie behandelt den letzten Teil des Briefes.
Deswegen wollen wir uns zunächst im O-Ton den Paulus anhören, Kolosser 4,7-18:
Da schreibt Paulus: "Alles, was mich angeht, wird euch Tychikus mitteilen, der geliebte Bruder und treue Diener und Mitknecht im Herrn. Ihn habe ich eben deshalb zu euch gesandt, damit ihr unsere Umstände erfahrt und er eure Herzen tröstet. Mit Onesimus, dem treuen und geliebten Bruder, der von euch ist. Sie werden euch alles mitteilen, was hier vorgeht.
Es grüßt euch Aristarch, mein Mitgefangener, und Markus, der Vetter des Barnabas. Wegen ihm habt ihr Befehle erhalten; wenn er zu euch kommt, so nehmt ihn auf. Und Jesus, genannt Justus. Aus der Beschneidung sind diese allein Mitarbeiter am Reich Gottes, sie sind mir ein Trost geworden.
Es grüßt euch Epraphas, der von euch ist, ein Knecht Christi Jesu, der alle Zeit für euch ringt in den Gebeten, damit ihr vollkommen und völlig überzeugt in allem Willen Gottes dasteht. Denn ich gebe ihm Zeugnis, dass er viel Mühe um euch hat – ebenso die in Laodizea und die in Hierapolis.
Es grüßt euch Lukas, der geliebte Arzt, und Demas. Grüßt die Brüder in Laodizea und Nympha und die Gemeinde in ihrem Haus.
Und wenn der Brief bei euch gelesen ist, so veranlasst, dass er auch in der Gemeinde der Laodizäer gelesen wird und dass auch ihr den aus Laodizea lest.
Und sagt Archippus: Sieh auf den Dienst, den du im Herrn empfangen hast, dass du ihn erfüllst.
Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand. Gedenkt meiner Fesseln. Die Gnade sei mit euch."
Die Bedeutung von Christus in uns und untereinander
Wir sind nun am Ende dieses Briefes angekommen. Auf unserer Reise durch den Kolosserbrief haben wir immer wieder darüber gestaunt, was Christus in uns bewirkt.
Ich denke zum Beispiel an eine Predigt über Kolosser 1,27. Dort habe ich versucht deutlich zu machen, dass Christus in uns die Hoffnung auf ein Leben ist, in dem die Gottesherrlichkeit sichtbar wird.
Wir haben auch gesehen, dass Paulus, als er von den Elementen der Welt sprach, sagte: Wir sind mit Christus den Grundprinzipien der gottlosen Welt gestorben und mit ihm auferstanden. Der Herr Jesus ist der neue Mensch, der in uns lebt.
Das sind Tatsachen, die man nicht immer sofort mit dem Verstand erfassen kann. Man versteht nicht sofort, warum es so ist. Aber wir können erleben, was es bedeutet, dass Christus in uns dieses neue Leben ist. Dieses neue Leben strahlt auch nach außen.
In den letzten Versen des Briefes, die wir hier gerade gelesen haben, geht es Paulus nicht so sehr darum, was Christus in mir bewirkt. Vielmehr zeigt er, wie Christus im Anderen mir auf meinem Weg mit Jesus hilft. Und...
Die Kraft geistlicher Gemeinschaft
Deshalb habe ich die Predigt so überschrieben, wie ihr es oben auch seht: Staune über Christus im Anderen.
Wenn man diese Liste so liest – ich weiß nicht, wie intensiv ihr diese Listen schon gelesen habt – dann ist es wahrscheinlich genauso spannend, als wenn ihr das Telefonbuch von Ottenbüttel lest. Wir kennen die Leute nicht, die Namen sagen uns zum großen Teil nichts.
Stell dir mal vor, du wohnst mit einem Missionar oder einer Missionarin ein Jahr lang in einer Buschhütte in einem Stamm. In diesem Stamm verständigt man sich mit der Trommel. Du kannst also, wenn du losfliegst, auf deinen Facebook-Account getrost schreiben: „Bin dann ein Jahr mal weg, weil ich im Funkloch bin.“ Das ist ein cooler Gedanke, oder? Ein Jahr nicht erreichbar zu sein.
Tja, und dann, nach zehn Monaten, kommen zwei gute Freunde mit ihrem Jeep in diesem Dorf an und besuchen dich vierzehn Tage lang. Das ist auch eine spannende Sache.
Wenn du dann über Gemeinde redest, worüber wirst du reden? Wirst du sagen: „Wie ist denn das? Ist das Plakat da vorne immer noch so ausgeblichen? Ist der Rasen immer noch grün? Oder hattet ihr so einen heißen Sommer, dass der Rasen nicht mehr ganz so grün ist?“ Also, ich glaube nicht. Ich glaube, du wirst über Menschen reden.
Denn Gemeinde besteht eben aus Menschen, und das sind dann Menschen, die du kennst. Wenn du von Katharina Hallerbach hörst, dann wirst du ein bestimmtes Gesicht vor Augen haben. Du weißt, wer Jonas Lackmann ist. Du hast Menschen vor Augen, du hast ihre Lebensgeschichten vor Augen. Du wirst fragen: „Kann denn die Elfriede Albert noch zum Gottesdienst kommen? Geht der Paul noch seinen Weg mit Jesus?“ Du wirst hören, dass die Hannah sich taufen lässt und denkst: „Hey, die Wahl meiner Kinderstunde ist super, dass sie den nächsten Schritt mit Jesus macht.“
Namen sind doch nicht nur Schall und Rauch, das sind Personen, die wir kennen.
Wenn ich auf Treffen, wo wenige Leute sind, die ich kenne, mit Menschen ins Gespräch komme, dann kommt es ab und zu mal vor, dass wir einen gemeinsamen Bekannten herausfinden. Und dann fängt die Fahndung an. Dann denkt man: „Und wen kennen wir denn noch gemeinsam?“ Also, da geht es um Menschen, man interessiert sich für Menschen.
Und auch wenn wir diese Namensliste vielleicht ein bisschen gelangweilt wie das Telefonbuch von Otten lesen, dann war das für die Kolosser hier sehr spannend. Als die ersten Namen in der Gemeinde vorgelesen wurden, da haben die anderen sich vielleicht auch gedacht: „Und ich? Wann werde ich denn schlussendlich vorgelesen? Was sagt Paulus denn über mich?“
Wenn du solche Namenslisten im Neuen Testament liest, dann setz doch mal Namen ein, die du kennst. Dann können Listen sehr persönlich werden. Wer ist dir zum Trost geworden? Wer betet intensiv für andere? Wer soll die Gaben, die Gott ihm gegeben hat, einsetzen?
Da gibt es doch Leute in deinem Umfeld. Setz doch einfach mal die Namen ein. Das kann auch eine gute Grundlage für das Gebet sein.
Christus als verbindendes Zentrum der Gemeinde
In diesen Versen geht es nicht um irgendwelche Namen. Alle diese Namen haben eine gemeinsame Mitte, und diese Mitte ist der Herr Jesus. Das ist genauso wie bei uns. Auch er ist heute Morgen die Mitte, und er ist derjenige, der uns verbindet.
Manche von uns würden wahrscheinlich nicht freiwillig irgendwo zusammensitzen, weil die Interessen so verschieden sind und die Charaktere unterschiedlich. Aber es ist der eine Herr, der uns verbindet. Und das ist auch gut so.
Dieser Text beschreibt etwas von dem Reichtum geistlicher Gemeinschaft. Es war Zinzendorf, der Gründer der Losungen, den vielleicht manche lesen, der gesagt hat: „Ich statuiere kein Christentum ohne Gemeinschaft.“ Ein spannender Satz. Man würde heute vielleicht sagen: Gott will keine Solo-Christen und keine „Der-Fernseh-Gottesdienst-reicht-mir-völlig-aus“-Christen. Gott will, dass du in einer Gemeinde mit Menschen zusammen bist – mit echten Menschen, die du anfassen kannst, mit denen du reden kannst, die antworten und dich sehen. Richtig dreidimensional – das ist Gottes Plan, das gehört zum Christsein.
Gott will mich mit anderen Menschen in einer Gemeinde zusammenstellen, damit ich von ihnen lerne und sie auch von mir lernen. Damit ich sie ermutige und sie mich ermutigen.
Dietrich Bonhoeffer drückt das in seinem Buch Gemeinsames Leben – ein super Buch – so aus: „Der Christ braucht den Christen, der ihm Gottes Wort sagt. Er braucht ihn immer wieder, wenn er ungewiss und verzagt ist, denn aus sich selbst kann er sich nicht helfen, ohne sich um die Wahrheit zu betrügen. Er braucht den Bruder als Träger und Verkündiger des göttlichen Heilswortes. Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Worte des Bruders. Jener ist ungewiss, dieser ist gewiss.“
An gerade diesem letzten Satz habe ich mich erinnert, als ich diesen Text von Paulus hier sah. Mit anderen Worten sagt Bonhoeffer mir: Wenn ich in einer Glaubenskrise stecke, dann sind deine Worte, die Christus durch dich mir sagt, so wichtig, dass ich meinen Kopf nicht in den Sand stecke und aufgebe.
Da stecke ich vielleicht im Treibsand des Zweifels, aber deine Gewissheit und das, was du mit Christus erlebst, hilft mir im Glauben, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen.
Gott hat uns zusammengestellt, damit der Christus im Anderen mir hilft. Das ist für mich der Hauptgedanke, den Paulus in diesem Text deutlich macht.
Die Rolle von Menschen als Sprachrohr Gottes
Gott redet in der Regel nicht hörbar vom Himmel. Ich bekomme kein Blatt, und ich kann ihn nicht wirklich so hören, wie Israel ihn gehört hat. Normalerweise stellt er mir Menschen in den Weg. Diese Menschen sprechen Worte, durch die Gott in mein Leben hineinredet. Wie ich schon eben sagte, gibt mir das Mut, mich nicht hängen zu lassen.
Bornhofer bringt es noch einmal auf den Punkt, wenn er sagt: Christliche Bruderschaft ist nicht ein Ideal, das wir zu verwirklichen haben, sondern eine von Gott in Christus geschaffene Wirklichkeit, an der wir teilhaben dürfen. Das ist nichts, was ich schaffen muss, sondern etwas, das Gott gegeben hat. Ich darf mich daran freuen.
Darüber hat Paulus im Kolosserbrief immer wieder gesprochen. Er hat immer wieder gesagt: „Hey Leute, es kommt nicht auf mich an. Ich rechne damit, dass Christus in mir lebt, und ich staune über den Christus im anderen.“ Das ist möglich, weil ich an einer christlichen Gemeinde teilhaben darf, nicht muss.
Gemeinde ist ein Geschenk, ein Privileg und keine Pflicht. Diesen Blick brauchen wir immer wieder. Wenn du dich einmal über deinen Bruder oder deine Schwester im Glauben aufregst, dann sage danke, dass es sie gibt. Danke, dass auch sie unter dem Ruf des Herrn, unter seiner Vergebung und unter seiner Verheißung leben und dass sie gemeinsam mit dir unterwegs sind.
Der Wert von Gemeinschaft auch in schwierigen Zeiten
Ich habe es ein paar Mal erlebt, dass Christen gesagt haben, sie brauchen jetzt Abstand von der Gemeinde. Manche meinten damit: „Mir stinkt es, dass du mich korrigierst, und ich will es nicht mehr hören.“ Ehrlicherweise hätte man es so formulieren müssen.
Ich kann mich nicht erinnern, dass diese Auszeit in irgendeinem Leben jemals positiv war. Soweit ich es erlebt habe, war sie immer der erste Schritt zu einer Rückkehr zu einem selbstbestimmten Leben, in dem Christus nicht mehr sichtbar war.
Im Kolosserbrief erleben wir hingegen geistliche Gemeinschaft, die sogar über die Grenzen der eigenen Gemeinde hinausgeht.
Die Bedeutung der einzelnen Mitarbeiter in der Gemeinde
Wenn ihr jetzt mal die verschiedenen Namen anschaut, dann haben wir da zunächst einmal den Tychikus, wahrscheinlich ein jüngerer Mann. Paulus sagt über ihn, dass Tychikus ein treuer Diener ist. Das heißt, auf ihn konnte man sich verlassen. Er war ein Mitknecht, der wirklich ein Anliegen hatte – und dieses Anliegen war: Ich will dem Herrn Jesus dienen.
Paulus hat ihn später mit Spezialaufgaben betraut. Er schickte ihn nach Ephesus und auch zu Titus. Überall dort kommt sein Name vor. Auch hier hat er einen Spezialauftrag: Er überbringt den Brief an die Kolosser. Außerdem hat er den Brief an die Epheser und den Brief an Philemon dabei. Er war also ein Briefträger, der seine Briefe entsprechend abliefert.
Ich finde auch den Auftrag spannend, den er hat. Er soll den Kolossern erzählen, wie es Paulus geht. Sein Auftrag ist es, sie zu trösten. Also soll er ihnen sagen: Leute, dem Paulus geht es richtig an den Kragen, aber alles nicht so schlimm. Und dann soll er sie trösten. Da habe ich mich gefragt: Wie macht er das denn? Das zu sagen und dann zu trösten – das ist hier eindeutig sein Auftrag.
Nun, ich weiß nicht genau, wie er es gemacht hat, aber ein großer Trost stand leibhaftig vor den Kolossern. Das war der aus Colossäa weggelaufene Sklave Onesimus. Er hatte es bis Rom geschafft, wurde dort aufgegriffen und eingesperrt. So kam er mit Paulus in Kontakt. Er erkannte sich als verlorenen Sünder, erlebte, dass Gott ihm seine Schuld vergab, und wurde in Rom Christ.
Gott hat echt Humor: Dafür hätte Onesimus gar nicht so weit laufen müssen. Das hätte er viel bequemer haben können, denn sein Besitzer, der Philemon, war ja Christ und ein guter Bekannter von Paulus. Wir lesen von Philemon, dass seine Liebe viele Christen innerlich gestärkt hat. Er war also kein Despot, wie man ihn aus Roots oder Ähnlichem kennt, sondern jemand, der wirklich von ganzem Herzen mit Jesus gelebt hat. In Philemon war Christus sichtbar.
Paulus schreibt nun dem Philemon und sagt, dass er für seine finanziellen Ausfälle, die durch Onesimus entstanden sind, einsteht. Das zeigt übrigens nebenbei, dass Paulus darauf gesetzt hat: Wichtig ist, dass sich Menschen verändern. Er hat hier nicht gegen die Sklaverei Stellung bezogen. Er hat versucht, dass Onesimus sich verändert – nicht indem er sagt: "Reiß dich zusammen", sondern indem er ihn auf Jesus hinweist. Onesimus bekehrt sich, und Paulus setzt darauf, dass, wenn genug Leute eine Entscheidung für Jesus treffen und sich ihr Leben verändert, das auch Auswirkungen auf die Gesellschaft hat.
Also war Paulus hier nicht der Kämpfer gegen die Sklaverei, sondern der Kämpfer gegen die Sünde – nicht aus eigener Kraft, sondern in dem Wissen, wer die Sünde besiegt hat.
Die Kolosser haben von den schwierigen Wegen des Paulus gehört und gleichzeitig gesehen, dass jemand, der sich in seiner Zelle für Jesus entschieden hat, da ist. Die beiden haben sich wahrscheinlich im Gefängnis getroffen. Das hat die Kolosser gefreut, denn das Leiden des Paulus war nicht sinnlos. Es hat sie wirklich getröstet, dass sie gesehen haben: Hey, da haben wir jemanden, der buchstäblich Frucht seines Leidens ist.
Ich glaube, das macht es einfacher, wenn ich in schwierigen Situationen bin, zu merken, dass das einen Sinn hat – vielleicht indem ich anderen helfen kann oder indem andere ganz direkt eine Ermutigung auf dem Weg mit Jesus bekommen. Aber man muss ehrlicherweise auch sagen: Es ist nicht immer so. Nicht immer kann ich sagen, deshalb passieren mir diese Dinge in meinem Leben. Und was mache ich dann? Es gibt keine Antwort, die man als einzig richtig bezeichnen könnte.
Ich glaube aber, wichtig ist, dass ich dennoch Gott vertraue und sage: Egal, was ich jetzt erlebe, ich weiß, du willst nur das Beste für mich, auch wenn ich es im Moment nicht verstehe und nicht fühle. Und ich glaube, es ist wichtig, dass ich das im Gebet ausdrücke: Vater, ich habe keine Ahnung, warum ich das jetzt erleben muss, aber ich will dir von ganzem Herzen vertrauen, auch wenn ich deinen Weg nicht verstehe.
Ich wünsche mir die Einstellung, die Paulus hier hat. Die anderen sollen ihn nicht bemitleiden in dieser Situation. Sie sollen Gottes Wirken sehen und so getröstet werden. Das ist der Gedanke, den er hier rüberbringt: Sie sollen, um es mit dem Thema zu sagen, über den Christus im anderen staunen.
Jetzt ein kurzer Blick auf Onesimus, der gerade erst gläubig geworden war. Spannend, dass Paulus über ihn schreibt: Er ist treu und geliebt. Da fragt man sich, wie viel Erfahrung Paulus mit Onesimus gehabt haben kann, um das sagen zu können: Das ist ein ganz Treuer. Es kann nicht viel Erfahrung im Hintergrund gewesen sein, aber Paulus sieht Onesimus nicht kritisch. Nicht nach dem Motto: "Mal gucken, wie er sich bewährt, dann durchläuft er ein Trainee-Programm und wir schauen, ob er treu ist oder nicht."
Das ist eine gute Vorlage, wie ältere Christen mit Jüngeren umgehen können. Paulus gibt ihm hier viel Vorschussvertrauen. So geht er mit ihm um: "Wow, du bist ein Treuer, das finde ich gut, Onesimus."
Neben Paulus lag im Gefängnis noch Aristarch, ein Mann aus Thessalonich, der mit Paulus durch dick und dünn gegangen war und jetzt sogar mit ihm im Gefängnis saß. Er konnte nicht einfach entscheiden, wann er zu Besuch kommt oder nicht. Die beiden grüßen die Christen in Kolossäa.
Das führt nicht den Eindruck, als ob sie im Selbstmitleid versanken. Ich glaube auch deshalb nicht, weil sie sich klar waren – und Paulus drückt das in vielen Briefen aus: Der Glaube an Jesus kann mich sogar ins Gefängnis bringen. Und jetzt saßen sie dort.
Ich glaube, dass wir dieses Bewusstsein ein Stück weit verloren haben, obwohl es für die meisten Christen heute Morgen Realität ist, was der Herr Jesus vorausgesagt hat: Sie werden euch verfolgen, sie werden euch in Gefängnisse bringen. Das wünscht sich keiner. Aber es ist gut, darüber nachzudenken: Die Beziehung zu Jesus soll mir wichtiger sein als meine Freiheit und meine körperliche Unversehrtheit.
Wenn ich das so lese, frage ich mich: Was ist mir mein Glaube wert? Das ist eine Frage, die ich mir stellen muss, wenn ich gedanklich in die römische Zelle hineinschaue. Das war kein Wohlfühlgefängnis, ganz sicher nicht. Und auch wenn Paulus vielleicht noch in seiner Mietwohnung war, war das kein angenehmer Ort, an dem man sich aufhält und an einen Soldaten angekettet ist.
Es gibt noch einen weiteren Bekannten, den wir hier treffen: den Cousin von Paulus und seinen Weggefährten Barnabas, der in vollem Namen Johannes Markus hieß. Er hat Paulus ziemlich enttäuscht. Es war auf der ersten Missionsreise, als Johannes Markus sich plötzlich aus dem Staub machte. "Tschüss, ihr könnt gerne weiterreisen, das ist jetzt echt genug für mich." Diese Diskussion, die ich da mitbekommen habe, mit einem Menschen, der aus dem Reich des Okkulten kam – ich fahre nach Jerusalem zurück, da passt es mir besser.
Paulus und Barnabas haben sich, als es darum ging, Johannes Markus wieder mitzunehmen oder nicht, richtig in die Haare bekommen. Das liest man relativ selten, aber hier steht es. Paulus sagte damals: Das geht gar nicht. Aber und das finde ich spannend: Er hat es Johannes Markus nicht nachgetragen, dass er ihn im Stich gelassen hat.
Paulus sorgt sogar für ihn und sagt, die Kolosser sollen ihn aufnehmen. Ich finde es klasse, dass Paulus immer wieder bereit ist, eine Beziehung neu zu starten. Willi hat es uns vorgelesen aus dem Römerbrief: "Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat." Genau das hat Paulus getan. Da wurde der Christus in Paulus deutlich, und darüber kann ich wirklich nur staunen.
Dann erwähnt Paulus einen Weggefährten, mit dem – ja, lasst den Vogel fliegen, der fliegt auch wieder raus, irgendwie –, es ist keine Taube, also keine Angst: Paulus erwähnt hier Jesus. Wenn man gefragt hätte, gibt es denn noch einmal Jesus im Neuen Testament außer Jesus Christus, hätte man vielleicht gesagt: Nein. Die Antwort wäre falsch gewesen, man hätte in einem Quiz verloren.
Paulus erwähnt hier Jesus, der genauso Jude war wie Johannes Markus. Das sagt Paulus ausdrücklich. Die beiden kommen aus der Beschneidung. Über diesen Weggenossen erfahren wir nicht mehr als, dass er Justus genannt wird. Jesus war damals ein so geläufiger Name wie Peter oder Hans vielleicht vor Jahrzehnten. Deshalb wurde oft ein Zusatzname verwendet.
Die Frage ist: Welchen Jesus meinst du denn? Deswegen Jesus von Nazareth, den meine ich, nicht den Jesus, der neben mir wohnt. Dieser Weggefährte wird hier Justus genannt. Jesus ist ja nur die griechische Form. In einem hebräischen Umfeld hat niemand Jesus gerufen, sondern Joshua. Jeder Jude hat Joshua gesagt, logisch, und so haben sie auch den Herrn Jesus genannt.
In anderen Sprachen heißen Namen oft anders. Wenn Russlanddeutsche vom Genner reden, kannst du ihn gerne mit Heinrich ansprechen. Wenn sich ein Amerikaner vorstellt und sagt: "Ich bin Bob", kannst du sagen: "Hallo Robert." Es gibt Namen, die sind eins zu eins übersetzbar, und genauso ist es hier bei Joshua und Jesus.
Dieser Jesus, den man Justus nannte, ist für Paulus ein Trost geworden. Das ist natürlich Spekulation, vielleicht auch deshalb, weil er in seinen schweren Stunden einfach da war. Es geht oft gar nicht darum, viel zu reden oder kluge Worte zu haben, sondern einfach da zu sein. Super, wenn man das auch von mir sagen kann: Du bist ein Trost für mich.
Noch mal ein Zitat aus "Gemeinsames Leben": Die leibliche Gegenwart anderer Christen ist dem Gläubigen eine Quelle unvergleichlicher Freude und Stärkung. Ich glaube, das sollte so sein. Und dafür ist "dazusein" die Voraussetzung, damit der andere über den Christus in mir staunen kann – dass er sich nicht von seinen Umständen beeindrucken lässt, sondern von Christus selbst.
Jetzt erinnert Paulus an den Gemeindegründer, der immer noch bei ihm in Rom war. Wir erinnern uns: Das war der Mann, der offensichtlich mit den Problemen in der Gemeinde überfordert war und deshalb einen erfahrenen Gemeindegründer sprechen wollte. Er ist bis zu Paulus nach Rom gelaufen.
Die Kolosser waren aus seinen Augen, aber nicht aus seinem Sinn. Wir lesen, dass Epaphras regelmäßig und wahrscheinlich auch namentlich für die Kolosser gebetet hat. Ich glaube, hier liegt das Geheimnis, warum das Gemeindeschiff in den Stürmen der Irrlehre nicht gekentert ist.
Wir wissen nicht, was Epaphras alles gebetet hat, aber sein Hauptanliegen steht hier. Die Hauptanliegen sind: Die Kolosser sollen vollkommen sein und überzeugt im Willen Gottes. Die NGÜ überträgt: "Ihr solltet euch als geistig reife Menschen bewähren, und euer ganzes Leben soll mit dem Willen Gottes übereinstimmen."
Interessante Formulierung: "Euer ganzes Leben soll mit dem Willen Gottes übereinstimmen." Das heißt, Epaphras hatte einen Weitblick im Gebet. Er wusste, worauf es ankam. Das ist eine gute Vorlage für unser Gebet: Vielleicht könnte ich mal für jemanden beten, dass er nach Gottes Willen lebt und nicht nur nach dem, was er sich wünscht, sondern nach dem Plan, den Gott für ihn hat.
Für mich ist das Gebet des Herrn Jesus in Johannes 17 sehr spannend. Er betet am Ende seines Lebens: "Vater, ich habe das Werk getan, das du mir gegeben hast." Nicht, dass die Menschen von mir wollten oder dass ich es mir selbst ausgedacht habe. Du hast mir ein Werk gegeben, und dieses Werk habe ich getan.
Das wünsche ich mir auch so: Dieses Werk zurück in die Hand des Herrn zu legen. Diesen Willen Gottes, für den Epaphras betet, erfahre ich durch die Bibel. Klar, deshalb muss ich sie regelmäßig lesen. Der Wille Gottes wird auch durch Umstände deutlich, durch einen inneren Frieden, wenn er mit dem Wort Gottes übereinstimmt – das ist die Bedingung. Aber vor allem auch durch das Gespräch mit anderen Christen.
Auch hier ist wieder der Christus im anderen, der mir Orientierung gibt, in Gottes Willen zu leben. Je besser ich den Herrn Jesus kenne, desto klarer ist mir: Das ist der Weg, den er mich führen will.
Mach dir mal eine Liste. Auf die eine Seite schreibst du Dinge, die der Herr Jesus hasst, und auf die andere Seite Dinge, die er liebt. Dann ist dir bei manchen Entscheidungen von vornherein klar, wie du dich entscheidest.
Zum Beispiel: Der Herr Jesus hasst Hochmut und liebt Demut. Dann ist die Frage: Beharrst du auf deinem Recht nur, weil du dein Gesicht nicht verlieren willst? Oder wenn die Augen des Herrn die Erde durchsuchen, um einen Menschen zu finden, der mit ungeteiltem Herzen ihm nachfolgt – wie bewertet der Herr dann Dinge in meinem Leben, bei denen ich sagen muss: Okay, das kann ich nur mit einem geteilten Herzen tun? Da habe ich ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber.
Versteht ihr? Ich lebe nicht nur nach Listen, aber es ist gut, sich Gedanken zu machen: Herr, wie denkst du? Das erfahre ich nur aus dem Wort Gottes. Für solche zentralen Dinge hat Epaphras gebetet. Das hilft uns auch, den Blick zu behalten: Wie bete ich für den anderen? Worauf kommt es an?
Es heißt hier, dass es ein mühevolles Gebet war, manchmal vielleicht auch, weil wir als Christen oft nur das hören, was wir hören wollen, und das andere gerne ausblenden. Es ist wichtig, ehrlich zu beten und zu sagen: Herr, bitte führe du mich.
Gottes Wort wird manchmal auch von uns Christen als unbequemer Kritiker erlebt. Aber es ist schön, wenn Gottes Wort mich korrigiert. Das Wichtige ist, dass ich dann auf dieses Wort auch eingehe.
Wir gehen auf der Grußliste weiter. Ihr wisst, wenn sie zu Ende ist, ist der Gottesdienst zu Ende. Ich bleibe aber nicht bei jedem gleich lange stehen.
Jemanden, den wir jetzt nur im Vorbeigehen sehen, ist der Autor des Lukasevangeliums und Reisebegleiter des Paulus: Lukas. Was mir bei den beiden wirklich gefällt, ist, dass diese Brüder über ihr ganzes Leben ein geistliches Anliegen hatten und es geteilt haben. Damit sind sie weitergegangen.
Mir fiel das positiv auf: Ich war im letzten Herbst auf einer Konferenz mit vielen Evangelisten, die jetzt schon graue Haare haben. Die meisten hatten graue Haare – aufgrund ihres Alters, nicht gefärbt. Es scheint wenige zu geben, die wirklich nachkommen.
Diese Evangelisten waren einfach da, ob sie Lehmann, Pals, Pazani oder Abri hießen. Ihnen war es wichtig, Menschen für Jesus zu erreichen. Sie waren ja auch mal jung und hatten dieses geistliche Anliegen. Das hat sie bis ins Alter in Bewegung gehalten und miteinander verbunden.
Als ich über Paulus und Lukas nachdachte, fragte ich mich: Wie ist das mit uns? Welches geistliche Anliegen verbindet mich mit meinen Glaubensgeschwistern? Es gibt Anliegen wie: Wir gucken gerne Fußball eines bestimmten Vereins, haben ein gemeinsames Hobby, eine Vorliebe für bestimmte Kleidung oder technische Marken. Das ist alles gut und darf man tun.
Aber ist es ein geistliches Anliegen, das uns verbindet? Dafür dürfen wir beten: Herr, ich möchte verbunden sein – nicht mit allen, sondern vielleicht mit bestimmten Leuten, mit denen ich ein gemeinsames geistliches Anliegen habe.
Dann wird Demas erwähnt. Man wird später von ihm im Timotheusbrief lesen. Er hat diese Welt liebgewonnen. Auch das ist leider Tatsache. Wenn du länger mit Jesus unterwegs bist, wirst du Menschen kennen, die einmal mit Jesus unterwegs waren und jetzt einen ganz anderen Weg gehen.
Deshalb mahnt uns Demas, einander zu ermutigen und zu ermahnen. Das war das Thema heute Morgen in der GBS, sehr ausführlich in den letzten Versen des Jakobusbriefes. Es ist wichtig, den anderen nicht einfach laufen zu lassen, sondern ihn zurückzuführen.
Hier haben wir den Demas noch mit dabei.
Dann geht es um Nympha. In meiner neueren Elberfelder Bibelübersetzung ist sie eine Frau. In der Übersetzung, die ihr habt, ist es noch ein Mann. Ich glaube, in der Schlachter 2000 ist es auch ein Mann, in allen anderen Übersetzungen ist es eine Frau.
Ich weiß es nicht genau, tendiere aber eher zur Frau. Ich kenne Nympha oder den Nympha nicht. Man muss sich daran nicht unbedingt festhalten. Aber ich finde es an dieser Stelle gut, allen Danke zu sagen, die es genauso machen wie ich sage: die Nymphen – den Hauskreis in ihrem Haus beherbergen, egal ob Mann oder Frau.
Es ist so super, den Christus in eurem Leben sehen zu können, dass ihr euer Haus öffnet, eine gute Atmosphäre schafft, egal ob Gastgeber oder derjenige, der sich engagiert, um den Hauskreis zu halten.
Es wird deutlich: Der Christus im anderen. Auch hier gilt die Verheißung: Die Arbeit ist nicht vergeblich, sie hat ein Ziel. Menschen werden durch den Christus in mir gestärkt und wachsen darin, Gottes Willen zu erkennen und danach zu leben.
Also vielen Dank von hier vorne für eure Mühe und euren Einsatz. Man kann das auch an den Hauskreisabenden immer wieder einzelnen Leuten sagen: Danke, dass du dich hier einsetzt.
So viel zu Nympha.
In Vers 17 begegnet uns Archippus. Er soll einen Dienst erfüllen, leider steht nicht, welcher Dienst das war. Das scheint auch nicht so wichtig zu sein. Paulus schreibt aber: Sag's ihm! Wahrscheinlich wusste er es schon. Paulus will ihn damit nicht unter Druck setzen, sondern er will ihn ermutigen.
Er sagt: Sag's ihm bitte noch mal, er soll den Dienst, den Gott ihm gegeben hat, wirklich einsetzen. Gott hat dir einen Dienst gegeben, und wenn du ihn nicht einsetzt, dann fehlt etwas – so etwas bei Archippus.
So ist es auch bei mir und bei dir. Das Ziel ist wieder: Die anderen sollen über den Christus in dir staunen und dadurch getröstet werden, so wie Archippus hier den Kolossern dient.
Ja, sage ihm: Erfülle deinen Dienst! Vielleicht muss man das manchmal auch konkret sagen, lieb und nett, um dem anderen Mut zu machen: Mach das doch, du bist begabt, der Herr will dich gebrauchen.
Dann habe ich einen Vers übersprungen, das habt ihr gemerkt. Das waren keine Namen. Da heißt es: Lest diesen Brief in Laodizea vor und lest den Brief, den ihr aus Laodizea bekommt.
Das ist eine Stelle, die nicht unwichtig ist im Blick darauf, wie das Neue Testament entstanden ist. Von bestimmten Briefen war klar: Das ist Gottes Wort. Welche das waren, hat zuerst Anastasius, Bischof von Alexandria, in seinem Osterfestbrief 367 nach Christus festgestellt. Das ist schon eine Weile her.
Dort hat er alle siebenundzwanzig Bücher des Neuen Testaments genannt. Damit haben wir den Kanon des Neuen Testaments. Der Brief, mit dem wir uns jetzt in dieser Predigtreihe beschäftigt haben, gehört dazu.
Der Kolosserbrief ist Gottes Wort an uns. Gott redet durch diesen Brief zu uns – hoffentlich nicht nur durch diese Predigten, sondern auch weiterhin, wenn wir diesen Brief lesen.
Ein Brief, der aus sehr schwierigen Umständen geschrieben ist. Das sehen wir zum Beispiel daran, dass Paulus am Ende noch einmal die Ketten erwähnt – das zeigt: Ich bin hier wirklich angekettet.
Der Kolosserbrief ist aber auch ein Brief, der gerade in diesen letzten Metern das persönliche Ringen um jeden Einzelnen zeigt, dass jeder vollkommen in Christus dargestellt wird (Kolosser 1,28). Ein super Ziel für jede seelsorgerliche Arbeit.
Paulus unterschreibt am Schluss diesen Brief persönlich, um deutlich zu machen: Ihr seid mir wichtig, nicht nur als Menschen, sondern als Mitchristen, in denen Christus lebt und in denen ich über den Christus im anderen staunen darf.
Amen.
Vertrauen und Vorschussvertrauen in der Gemeinde
Nun werfen wir einen kurzen Blick auf Onesimus, der gerade erst gläubig geworden war. Es ist spannend, dass Paulus über ihn schreibt, er sei treu und geliebt. Da fragt man sich, wie viel Erfahrung Paulus wohl mit Onesimus gehabt haben muss, um das sagen zu können: "Das ist ein ganz Treuer." Vermutlich gab es nicht sehr viel Erfahrung im Hintergrund.
Was ich jedoch bemerke, ist, dass Paulus Onesimus nicht kritisch sieht. Er denkt nicht: „Wir müssen erst sehen, wie er sich bewährt, dann durchläuft er ein Trainee-Programm, und danach entscheiden wir, ob er treu ist oder nicht.“ Stattdessen gibt Paulus ihm viel Vorschussvertrauen. So geht er mit ihm um und sagt quasi: „Wow, du bist ein Treuer, das finde ich gut, Onesimus.“
Neben Paulus lag im Gefängnis auch Aristarch, ein Mann aus Thessalonich, der mit Paulus durch dick und dünn gegangen war und jetzt sogar mit ihm im Gefängnis saß. Er war an seiner Seite und konnte nicht einfach entscheiden, wann er zu Besuch kommt oder nicht. Die beiden grüßen die Christen in Kolossäa.
Das klingt nicht so, als ob sie im Selbstmitleid versunken wären. Ich glaube auch, das liegt daran, dass sie sich dessen bewusst waren – Paulus drückt das in vielen Briefen immer wieder aus: Der Glaube an Jesus kann mich sogar ins Gefängnis bringen. Und nun saßen sie dort.
Ich glaube, dieses Bewusstsein haben wir heute zum Teil verloren, obwohl es für viele Christen tatsächlich Realität ist. Jesus hat vorausgesagt: „Sie werden euch verfolgen. Sie werden euch in Gefängnisse bringen.“ Das wünscht sich niemand, aber es ist gut, darüber nachzudenken. Die Beziehung zu Jesus soll mir wichtiger sein als meine Freiheit und körperliche Unversehrtheit.
Wenn ich das so lese, frage ich mich: Was ist mir mein Glaube wert? Diese Frage muss ich mir stellen, wenn ich gedanklich in die römische Zelle hineinschaue. Das war kein Wohlfühlgefängnis, ganz sicher nicht. Und selbst wenn Paulus vielleicht in seiner Mietwohnung war, war das kein angenehmer Ort. Dort angekettet an einen Soldaten zu sein, war sicher keine leichte Situation.
Versöhnung und Ermutigung im Glauben
Gibt es noch einen weiteren Bekannten, den wir hier treffen? Es ist der Cousin von Paulus, sein Weggefährte Barnabas, der in vollem Namen Johannes Markus hieß.
Johannes Markus hat Paulus ziemlich enttäuscht. Das geschah auf der ersten Missionsreise, als Johannes Markus sich plötzlich zurückzog. Er sagte so etwas wie: „Tschüss, ihr könnt gerne weiterreisen, aber das war jetzt echt genug für mich.“ Er wollte nicht länger an der Diskussion teilnehmen, die er mitbekommen hatte, vor allem mit einem Menschen, der vom Reich des Okkulten kam. Deshalb fuhr er nach Jerusalem zurück, wo er sich wohler fühlte.
Paulus und Barnabas gerieten deswegen in einen heftigen Streit. Es ging darum, ob sie Johannes Markus wieder mitnehmen sollten oder nicht. Solche Auseinandersetzungen liest man nicht oft, aber hier wird es deutlich beschrieben. Paulus sagte damals: „Das geht gar nicht.“
Was ich spannend finde, ist, dass Paulus Johannes Markus nicht nachtrug, dass er ihn im Stich gelassen hatte. Im Gegenteil: Paulus sorgte sogar für ihn. Er bat die Gemeinde in Kolossä, Johannes Markus aufzunehmen.
Ich finde es großartig, dass Paulus immer wieder bereit war, Beziehungen neu zu starten. Wie Willi uns aus dem Römerbrief vorgelesen hat: „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.“ Genau das hat Paulus getan.
In diesem Verhalten wurde der Christus in Paulus sichtbar, und darüber kann ich wirklich nur staunen.
Die Bedeutung von Gemeinschaft und Präsenz
Ja, und dann erwähnt Paulus einen Weggefährten. Ja, lasst den Vogel fliegen – er fliegt auch wieder hinaus, ist keine Taube, also braucht ihr keine Angst zu haben. Ich weiß nicht, ob ihr das schon einmal bewusst gelesen habt, aber Paulus erwähnt hier Jesus.
Wenn man dich gefragt hätte: Gibt es denn noch einmal Jesus im Neuen Testament außer Jesus Christus? Hättest du vielleicht gesagt: Nein. Diese Antwort wäre falsch gewesen, und du hättest in einem Quiz verloren.
Paulus erwähnt hier Jesus. Jesus war genauso Jude wie Johannes Markus. Das sagt Paulus ausdrücklich. Die beiden stammen aus der Beschneidung. Über diesen Weggefährten erfahren wir hier nicht mehr, als dass er Justus genannt wird. Jesus war damals ein so geläufiger Name wie Peter oder Hans vielleicht vor Jahrzehnten noch. Deshalb hat man sehr oft einen Zusatznamen verwendet.
Die Frage ist also: Welchen Jesus meinst du denn? Deswegen sagt man „Jesus von Nazareth“, den meine ich, nicht den Jesus, der neben mir wohnt. Dieser Weggefährte wird hier Justus genannt.
Jesus ist ja nur die griechische Form. In einem hebräischen Umfeld hat niemand Jesus gerufen, sondern Joshua. Jeder Jude hat Joshua gesagt, logischerweise, und so haben sie auch den Herrn Jesus genannt. In anderen Sprachen heißen Namen oft anders. Wenn Russlanddeutsche vom Genner reden, kannst du ihn gerne mit Heinrich ansprechen. Und wenn sich ein Amerikaner vorstellt und sagt: „Ich bin der Bob“, kannst du auch „Hallo Robert“ sagen.
Es gibt Namen, die sind einfach eins zu eins übersetzbar, und genauso ist es hier auch bei Joshua und bei Jesus.
Dieser Jesus, den man Justus nannte, ist für Paulus ein Trost geworden. Das ist natürlich Spekulation, vielleicht auch deshalb, weil er in seinen schweren Stunden einfach da war. Es geht oft gar nicht darum, viel zu reden oder kluge Worte zu haben, sondern einfach da zu sein. Super, wenn man das auch von mir sagen kann: Du bist ein Trost für mich.
Noch einmal ein Zitat aus „Gemeinsames Leben“: Die leibliche Gegenwart anderer Christen ist dem Gläubigen eine Quelle unvergleichlicher Freude und Stärkung. Ich glaube, dass das so sein sollte. Und dafür ist „Dasein“ die Voraussetzung, damit der andere über den Christus in mir staunen kann. Dass er sich nicht von seinen Umständen beeindrucken lässt, sondern von Christus selbst beeindrucken lässt.
Die Kraft des Gebets für die Gemeinde
Und jetzt erinnert Paulus an den Gemeindegründer, der ja immer noch bei ihm in Rom war. Wir erinnern uns: Das war der Mann, der offensichtlich mit den Problemen in der Gemeinde überfordert war. Deshalb machte er sich auf den Weg, um einen erfahrenen Gemeindegründer zu sprechen. Er ist bis zu Paulus nach Rom gelaufen.
Die Kolosser waren aus seinen Augen, aber nicht aus seinem Sinn. Wir lesen hier, dass Epaphras regelmäßig und wahrscheinlich auch namentlich für die Kolosser gebetet hat. Ich glaube, hier liegt das Geheimnis, warum das Gemeindeschiff in diesen Stürmen der Irrlehre nicht gekentert ist.
Wir wissen nicht genau, was Epaphras alles gebetet hat, aber sein Hauptanliegen steht hier. Die Hauptanliegen sind: Die Kolosser sollen vollkommen sein und überzeugt im Willen Gottes. Die Neue Genfer Übersetzung überträgt dies so: "Ihr solltet euch als geistig reife Menschen bewähren, und euer ganzes Leben soll mit dem Willen Gottes übereinstimmen."
Interessant ist die Formulierung „Euer ganzes Leben soll mit dem Willen Gottes übereinstimmen“. Das heißt, Epaphras hatte einen Weitblick im Gebet. Er wusste, worauf es ankam. Das ist doch eine gute Vorlage auch für unser Gebet: Vielleicht könnte ich einmal für jemand anderen beten, dass er nach Gottes Willen lebt – und nicht nur nach dem, was er sich in seinem Leben wünscht, sondern nach dem Plan, den Gott für ihn hat.
Für mich ist das Gebet des Herrn Jesus in Johannes 17 sehr spannend. Er betet am Ende seines Lebens: „Vater, ich habe das Werk getan, das du mir gegeben hast.“ Nicht, weil die Menschen von ihm wollten oder weil er es sich selbst ausgedacht hätte, sondern weil Gott ihm ein Werk gegeben hat, das er getan hat. Das wünsche ich mir auch: Dieses Werk zurück in die Hand des Herrn zu legen.
Diesen Willen Gottes, für den Epaphras betet, erfahre ich durch die Bibel. Deshalb muss ich sie regelmäßig lesen. Der Wille Gottes wird auch durch Umstände deutlich, durch einen inneren Frieden, wenn er mit dem Wort Gottes übereinstimmt – das ist natürlich die Bedingung. Aber vor allem auch durch das Gespräch mit anderen Christen.
Auch hier ist wieder Christus im anderen, der mir Orientierung gibt, um in Gottes Willen zu leben. Je besser ich den Herrn Jesus kenne, desto klarer wird mir: Das ist der Weg, den er mich führen will.
Mach dir einmal eine Liste. Auf die eine Seite schreibst du: Das sind Dinge, die der Herr Jesus hasst. Auf die andere Seite: Das sind Dinge, die der Herr Jesus liebt. Dann ist dir bei manchen Entscheidungen von vornherein klar, wie du dich entscheiden kannst.
Zum Beispiel: Der Herr Jesus hasst Hochmut und liebt Demut. Dann stellt sich die Frage: Behaupte ich mein Recht nur, weil ich mein Gesicht nicht verlieren will? Oder wenn die Augen des Herrn die Erde durchsuchen, um einen Menschen zu finden, der mit ungeteiltem Herzen ihm nachfolgt – wie bewertet der Herr dann Dinge in meinem Leben, bei denen ich sagen muss: „Okay, das kann ich nur mit einem geteilten Herzen tun.“ Da habe ich ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber.
Versteht ihr? Wenn diese Listen klar sind, lebe ich nicht nur nach Listen. Aber ich mache mir Gedanken: Herr, wie denkst du denn? Und das erfahre ich nur aus dem Wort Gottes.
Für solche zentralen Dinge hat Epaphras gebetet. Das hilft uns auch, den Blick dafür zu behalten, wie ich für den anderen bete und worauf es ankommt.
Es heißt hier, dass es ein mühevolles Gebet war. Manchmal vielleicht auch, weil wir als Christen das hören, was wir hören wollen, und das andere so gerne ausblenden. Es ist wichtig, ehrlich zu beten und zu sagen: Herr, bitte führe du mich.
Gottes Wort wird nämlich manchmal auch von uns Christen als unbequemer Kritiker erlebt. Aber es ist doch schön, wenn Gottes Wort mich noch korrigiert. Und das Wichtige ist, dass ich dann auf dieses Wort auch eingehe.
Weitere Grüße und geistliche Anliegen
Ja, wir machen mit der Grußliste weiter. Ihr wisst ja, wenn sie zu Ende ist, ist auch der Gottesdienst zu Ende. Ich werde aber nicht bei jedem immer gleich lange stehen bleiben.
Jemand, den wir jetzt nur im Vorbeigehen sehen, ist der Autor des Lukasevangeliums und der Reisebegleiter des Paulus, nämlich Lukas. Was mir bei den beiden wirklich gefällt, ist, dass diese Brüder ihr ganzes Leben lang ein geistliches Anliegen hatten. Dieses Anliegen haben sie miteinander geteilt und sind damit weitergegangen.
Mir ist das positiv aufgefallen. Im letzten Herbst war ich auf einer Konferenz, auf der viele Evangelisten waren, die inzwischen schon graue Haare haben. Das fiel mir besonders auf – die meisten hatten graue Haare, nicht, weil sie sie gefärbt hatten, sondern aufgrund ihres Alters. Es schien wenige zu geben, die wirklich nachkommen. Diese Evangelisten waren einfach da, egal ob sie Lehmann, Pals, Pazani oder Abri hießen. Ihnen war es wichtig, Menschen für Jesus zu erreichen. Sie waren ja auch einmal jung.
Also hatten sie dieses geistliche Anliegen, und das hat sie bis heute in Bewegung gehalten, bis in ihr Alter hinein. Dieses Anliegen hat sie miteinander verbunden.
Als ich über Paulus und Lukas nachdachte, fragte ich mich: Wie ist das bei uns? Welches geistliche Anliegen verbindet mich mit meinen Glaubensgeschwistern? Es gibt ja verschiedene Anliegen. Manche schauen gerne Fußball eines bestimmten Vereins. Andere haben ein gemeinsames Hobby oder eine Vorliebe für bestimmte Kleidung oder eine technische Marke. Das ist alles gut und darf man gerne tun.
Aber verbindet uns das auch geistlich? Ist es ein geistliches Anliegen, das uns miteinander verbindet? Ich glaube, dafür dürfen wir beten: Herr, ich möchte verbunden sein. Das ist ja nicht mit allen, sondern vielleicht mit bestimmten Leuten, bei denen ich sage, wir haben ein gemeinsames geistliches Anliegen, das uns wichtig ist.
Das fällt mir bei Paulus und Lukas besonders auf.
Warnung vor dem Verlassen des Glaubensweges
Dann wird hier Demas erwähnt. Später wird man im Timotheusbrief von ihm lesen. Er hat diese Welt liebgewonnen. Auch das ist leider eine Tatsache.
Wenn du länger mit Jesus unterwegs bist, wirst du Menschen kennenlernen, die einmal mit Jesus unterwegs waren und jetzt einen ganz anderen Weg gehen. Deshalb ist es gerade er, der uns mahnt, einander auf dem Weg zu ermutigen und zu ermahnen. Das war heute Morgen in der GBS das Thema, sehr ausführlich behandelt in den letzten Versen des Jakobusbriefes. Es ist uns wichtig, den anderen nicht einfach laufen zu lassen, sondern ihn zurückzuführen.
Hier haben wir also noch Demas mit dabei.
Dann geht es um Nympha. In meiner neueren Elberfelder Bibelübersetzung ist sie eine Frau. In der Übersetzung, die ihr da habt, ist es noch ein Mann. Ich glaube, in der Schlachter 2000 ist es auch ein Mann. In allen anderen Übersetzungen ist es jedoch eine Frau.
Ich weiß es nicht genau, ich tendiere eher zu einer Frau. Aber ich kenne Nympha oder Nymphus nicht persönlich. Daran muss man sich jetzt auch nicht unbedingt festhalten. Ich fand es an dieser Stelle gut, allen zu danken, die genauso handeln wie – ich sage jetzt mal – die Nymphen: Sie beherbergen den Hauskreis in ihrem Haus, egal ob Mann oder Frau.
Es ist so großartig, den Christus in eurem Leben sehen zu können, wenn ihr euer Haus öffnet und eine gute Atmosphäre schafft. Egal, ob das der Gastgeber ist oder derjenige, der sich engagiert, um diesen Hauskreis zu halten – es wird deutlich, dass Christus im anderen lebt.
Auch hier gilt die Verheißung: Die Arbeit ist nicht vergeblich, sie hat ein Ziel. Menschen werden durch den Christus in mir gestärkt und wachsen darin, Gottes Willen zu erkennen und danach zu leben.
Also auch von hier vorne vielen Dank für eure Mühe und euren Einsatz. Ich denke, man kann das auch an den Hauskreisabenden selbst immer wieder einzelnen Leuten sagen: Danke, dass du dich hier einsetzt.
So viel zur Nympha.
In Vers 17 begegnet uns Archippus. Er soll einen Dienst erfüllen. Leider steht nicht da, welcher Dienst das war, und es scheint auch nicht so wichtig zu sein.
Paulus schreibt aber: Sag es ihm! Wahrscheinlich wusste Archippus das schon. Paulus möchte ihn damit nicht unter Druck setzen, sondern ermutigen.
Er sagt: Sag es ihm bitte noch einmal. Er soll den Dienst, den Gott ihm gegeben hat, wirklich einsetzen. Gott hat dir einen Dienst gegeben, und wenn du ihn nicht einsetzt, dann fehlt etwas – so ähnlich ist es bei Archippus.
Und so ist es auch bei mir und bei dir.
Das Ziel ist wieder, dass die anderen über den Christus in dir staunen. Sie sollen dadurch getröstet werden, so wie Archippus hier den Kolossern dient.
Ja, sage ihm: Erfülle deinen Dienst! Vielleicht muss man das manchmal auch konkret sagen – lieb und nett, um dem anderen Mut zu machen: Mach das doch, du bist begabt, der Herr will dich hier gebrauchen.
Dann habe ich einen Vers übersprungen, das habt ihr gemerkt. Das waren keine Namen.
Dort heißt es: Lest diesen Brief in Laodizea vor und lest den Brief, den ihr aus Laodizea bekommt.
Das ist eine Stelle, die nicht unwichtig ist, wenn man darauf schaut, wie das Neue Testament entstanden ist.
Von bestimmten Briefen war klar: Das ist Gottes Wort. Welche Briefe das waren, hat zuerst Anastasius, der Bischof von Alexandria, in seinem Osterfestbrief 367 nach Christus festgestellt. Das ist schon eine Weile her.
Dort hat er alle siebenundzwanzig Bücher des Neuen Testaments genannt. Damit haben wir den Kanon des Neuen Testaments.
Der Brief, mit dem wir uns jetzt in dieser Predigtreihe beschäftigt haben, gehört dazu. Der Kolosserbrief ist Gottes Wort an uns. Gott redet durch diesen Brief zu uns.
Hoffentlich nicht nur durch diese Predigten, sondern auch weiterhin, wenn wir diesen Brief lesen.
Ein Brief, der aus sehr schwierigen Umständen herausgeschrieben ist. Das sehen wir zum Beispiel daran, dass Paulus am Ende noch einmal die Ketten erwähnt. Das zeigt: Er ist hier wirklich angekettet.
Der Kolosserbrief ist aber auch ein Brief, der gerade in diesen letzten Metern das persönliche Ringen um jeden Einzelnen zeigt, damit jeder vollkommen in Christus dargestellt wird (Kolosser 1,28).
Ein super Ziel für jede seelsorgerliche Arbeit.
Paulus unterschreibt dann am Schluss diesen Brief persönlich, um deutlich zu machen: Ihr seid mir wichtig, nicht nur als Menschen, sondern als Mitchristen, in denen Christus lebt und in denen ich über den Christus im Anderen staunen darf. Amen.
Ermutigung zum Dienst in der Gemeinde
In Vers 17 begegnet uns Archippus. Er soll einen Dienst erfüllen. Leider steht nicht dabei, welcher Dienst das genau war. Offenbar war das auch nicht so wichtig. Paulus schreibt jedoch: „Sag es ihm!“ Wahrscheinlich wusste Archippus das schon. Paulus will ihn damit nicht unter Druck setzen, sondern ihn ermutigen.
Er sagt hier: „Sag es ihm bitte noch einmal.“ Archippus soll den Dienst, den Gott ihm gegeben hat, wirklich ausüben. Gott hat dir einen Dienst gegeben. Wenn du ihn nicht einsetzt, dann fehlt etwas – so ist es bei Archippus. Und so ist es auch bei mir und bei dir.
Das Ziel ist, dass die anderen über den Christus in dir staunen. Sie sollen dadurch getröstet werden, so wie Archippus hier den Kolossern dient. Paulus sagt also: „Ja, sag ihm, erfülle deinen Dienst!“
Vielleicht muss man das manchmal auch ganz konkret sagen – lieb, nett und einfach, um dem anderen Mut zu machen: „Mach das doch! Du bist begabt, der Herr will dich hier gebrauchen.“
Bedeutung der Briefzirkulation und des neutestamentlichen Kanons
Ja, dann habe ich einen Vers übersprungen, das habt ihr gemerkt. Das waren keine Namen. Dort heißt es, lest diesen Brief in Laodizea vor und lest auch den Brief, den ihr aus Laodizea bekommt.
Das ist eine Stelle, die nicht unwichtig ist, wenn man betrachtet, wie das Neue Testament entstanden ist. Von bestimmten Briefen war klar: Das ist Gottes Wort. Welche Briefe das waren, hat zuerst Anastasius, der Bischof von Alexandria, in seinem Osterfestbrief im Jahr 367 nach Christus festgestellt. Das ist schon eine Weile her, aber dort hat er alle siebenundzwanzig Bücher des Neuen Testaments genannt.
Damit haben wir den Kanon des Neuen Testaments. Und der Brief, mit dem wir uns jetzt in dieser Predigtreihe beschäftigt haben, gehört dazu. Der Kolosserbrief ist Gottes Wort an uns. Gott redet durch diesen Brief zu uns – hoffentlich nicht nur durch diese Predigten, sondern auch weiterhin, wenn wir diesen Brief lesen.
Es ist ein Brief, der unter sehr schwierigen Umständen geschrieben wurde. Das sehen wir zum Beispiel daran, dass Paulus am Ende noch einmal die Ketten erwähnt. Das zeigt: „Ich bin hier wirklich angekettet.“
Der Kolosserbrief ist aber auch ein Brief, der gerade in diesen letzten Momenten das persönliche Ringen um jeden Einzelnen zeigt. Er betont, dass jeder vollkommen in Christus dargestellt wird (Kolosser 1,28). Das ist ein großartiges Ziel für jede seelsorgerliche Arbeit.
Paulus unterschreibt dann am Schluss diesen Brief persönlich, um deutlich zu machen: Ihr seid mir wichtig – nicht nur als Menschen, sondern als Mitchristen, in denen Christus lebt. Und in denen ich über den Christus im Anderen staunen darf. Amen.