Serie•Teil 1 / 2Einführung in das Buch des Propheten Amos
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Einführung in die Reihe und erste Orientierung
Wir fahren heute Nachmittag weiter in dieser Serie über alle zwölf kleinen Propheten. Nachdem wir bereits Hosea und Joel in der Übersicht gesehen haben, kommen wir heute zum Buch des Propheten Amos.
Haben alle ein Skript? Hand hoch, wer keines hat! Da vorne kann man sich in der Kiste bedienen. Es ist wichtig, dass man es hat. Ich habe hier, wie auch bei den anderen Malen, den Text des Prophetenbuches neu übersetzt, und zwar so, dass man die hebräischen Verszeilen erkennt. Amos ist wie Hosea und Joel praktisch reine Poesie, sodass man die Verse im Hebräischen genau erkennen kann. So wie im Text die Zeilen stehen, so entsprechen sie den Versen im hebräischen Grundtext.
Zu Beginn lese ich ein paar Verse aus Amos 1:
Worte des Amos, der unter den Schafhirten von Tekoa war, die er geschaut hat über Israel, in den Tagen Usias, des Königs von Juda, und in den Tagen Jerobeams, des Sohnes Joas, des Königs von Israel, zwei Jahre vor dem Erdbeben.
Und er sprach:
Der Ewige brüllt aus Zion,
ja, aus Jerusalem lässt er seine Stimme ertönen.
Und so vertrocknen die Weideplätze,
und es verwelkt die Anhöhe des Karmel.
Zunächst bis hierher.
Wir beginnen wie immer, indem wir das Buch zeitlich einzuordnen. Das fällt hier besonders leicht, weil der erste Vers uns bereits eine Datierung gibt. Auf dem Skript vorne finden wir den Hinweis, dass die Zeit des Königs Usija die Jahre 767 bis 739 v. Chr. betrifft. Er war König des Südreiches Juda. Der andere König, Jerobeam II., regierte von 782 bis 753 v. Chr.
Amos war ein Prophet aus dem Südreich, der aber einen prophetischen Auftrag im Nordreich erfüllte. Wir haben schon gesehen, dass die kleinen Propheten nach diesem Prinzip angeordnet sind: nicht nur in zeitlichen historischen Perioden, sondern auch so, dass es immer abwechselnd zwischen einem Propheten, der im Nordreich wirkt, und einem, der im Südreich wirkt, geht. Nordreich, Südreich und so weiter, abwechselnd.
Hosea war also ein Prophet im Nordreich, Joel im Südreich, und nun passt es, dass Amos wieder ein Prophet ist, der im Nordreich gewirkt hat, obwohl er, wie wir noch sehen werden, aus dem Südreich stammte. Er datiert sein Buch nach den Herrschern in beiden Reichen. Das zeigt uns Amos gleich als einen Propheten, der das ganze Volk Gottes sieht, auch wenn es gespalten ist.
Es ist sehr, sehr wichtig, dass wir nicht nur die Erlösten sehen, auch heute, mit denen wir zusammen verbunden sind in einer Ortsgemeinde, oder dass man nur die Gläubigen in einem Gemeindeverband sieht. Sondern es ist ganz wichtig, diesen Blick für den ganzen Leib Christi, für das ganze Volk Gottes zu haben, wo sie auch immer sind, auch wenn sie gespalten sind. Amos sieht das ganze Volk Gottes, sieht auch den geistlichen Zustand nüchtern, aber er liebt das ganze Volk. Darum datiert er auch hier nicht von ungefähr auf diese Weise.
Herkunft, Beruf und geistliche Prägung des Propheten
Aber wir haben in Vers 1, der übrigens noch nicht poetisch ist, darum haben Sie auch keine Verszeilen im Text, datiert er weiter, dass er gewirkt hat zwei Jahre vor dem Erdbeben.
Nun, wir können das Erdbeben auf etwa 760 v. Chr. ansetzen. Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus Flavius bringt dieses Erdbeben in Verbindung mit dem traurigen Abschnitt in 2. Chronika 26,16-20, wo der früher treue König Usia stolz geworden war und treulos wurde. Josephus Flavius spricht also davon, dass dieses Erdbeben in jener Zeit stattgefunden hatte.
So können wir es also etwa auf 760 ansetzen. Die Wirksamkeit des Amos fällt auf zwei Jahre vor dem Erdbeben. Also hat er offensichtlich in einer kurzen Zeit, eben ungefähr im Jahr 762, diesen prophetischen Dienst getan, den wir da schriftlich in seinem Buch überliefert haben.
Amos war ein Schafhirte. Hier haben wir im hebräischen Text ein interessantes Wort für Schafhirte. Es ist nicht das übliche Wort, Roe, zum Beispiel in Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte, Adonai Roi“, mein Hirte. Das normale Wort wäre Roe. Aber hier haben wir ein seltenes Wort: Noqed. Es bezeichnet speziell einen Schafzüchter.
Im Königebuch wird zum Beispiel von einem König gesprochen, außerhalb Israels, der ein Schafzüchter war, und der besass also Zehntausende von Schafen. Nun, das heisst nicht, dass deswegen Amos auch so viele Schafe hatte, aber dieser Ausdruck weist darauf hin, dass er doch mit grossen Herden zu tun hatte. Tekoa wird hier erwähnt, unter den Schafhirten von Tekoa. Tekoa ist ein Ort 16 Kilometer von Jerusalem entfernt, acht Kilometer von Bethlehem. Also da sehen wir: Er kommt aus dem Südreich. Er wird also hier Schafhirt genannt, Schafzüchter.
In 7,14 sagt er des Weiteren, und erklärt hier einem Feind gegenüber, wer er ist: Da antwortete Amos und sprach zu Amazja, das war ein Götzenpriester in Bethel: Kein Prophet war ich und kein Prophetensohn war ich, sondern ein Viehhirt war ich und ein Ritzer von Maulbeerfeigenbäumen. Doch der Ewige nahm mich von hinter dem Kleinvieh weg, und der Ewige sprach zu mir: Geh, weissage meinem Volk Israel. Und nun höre das Wort des Ewigen usw.
Also hier erfahren wir: Ursprünglich war er kein Prophet. Und er war auch kein Prophetensohn. Ich habe in der Fussnote 67 erklärt, das heisst: keiner, der in einer Prophetenschule unterrichtet worden war. In den Samuelbüchern liest man oft von den Söhnen der Propheten. Das waren also junge Leute, die ausgebildet und unterrichtet wurden. Und die werden übrigens wohl auch eine wichtige Rolle gespielt haben im Zusammenhang mit der biblischen Textüberlieferung schon in biblischer Zeit. Sie wurden also biblisch unterrichtet, geschult und haben dann eben einen Prophetendienst ausgeübt.
Aber Amos sagt: Ich habe keine solche Ausbildung besucht, ich war Viehhirt. Hier haben wir nochmals ein anderes Wort. Und das hängt zusammen mit dem Wort für Rind, Bakar. Er ist ein Boker, das ist einer, der also mit Rindern zu tun hat. Er war also ein Bauer, der nicht nur Schafe und Ziegen züchtete, sondern auch Viehhirt war, und des Weiteren ein Ritzer von Maulbeerfeigenbäumen.
Zur Förderung der Reife wurden die Maulbeerfeigen mit einem Metallwerkzeug, zum Beispiel mit einem Nagel, geritzt. Der Maulbeerfeigenbaum, man nennt ihn auch Sykomore, ist ein Baum, der etwa acht bis sechzehn Meter hoch wird, und er bringt im Jahr drei- bis viermal feigenähnliche Frucht. Er ist allerdings natürlich nicht so begehrt wie die Feige. Es ist im Vergleich dazu eine minderwertige Frucht, also eher Nahrung für ärmere Leute. Und damit die Frucht wirklich gut ausreift, ritzte man sie an. Etwas Saft lief aus, und so konnte sie sich zu einem besseren Geschmack entwickeln.
In Tekoa, also in der Nähe von Jerusalem, da wurden die Maulbeerfeigenbäume nicht so hoch wie zum Beispiel in der Ebene des Toten Meeres, im Jordantal. Dort wurden sie eben bis zu sechzehn Meter hoch. Aber wir können natürlich davon ausgehen, dass Amos von seinem Ort Tekoa aus auch dorthin ging, eben bis zum Toten Meer, um solche Maulbeerfeigenbäume zu pflegen.
Aber das zeigt uns: Das war ein Mann, der sehr stark in seiner Arbeit mit der Natur und mit den Tieren verbunden war, und das kommt ganz deutlich in seinem Buch zum Ausdruck. Das Buch enthält so wunderschöne Beschreibungen von der Herrlichkeit der Natur als Gottes Schöpfung. Aber wir sehen auch darin, wie Gott seine Werkzeuge so wählt für seinen Dienst, dass sie eben in ihrem ganzen Leben dazu geformt und gebildet wurden, so wie der Töpfer den Ton formt, damit sie genau das Schöne werden, um schliesslich diesen Dienst zu tun, den Gott möchte.
Das ist also sehr ermutigend. Er hat nicht daran gedacht: Später werde ich einmal ein Prophet. Aber er hat so seine Arbeit treu getan. Das war in Gottes Plan, und so konnte er eben als Prophet zum Segen werden, damals und bis heute, durch all die Jahrhunderte hindurch. Also hat sein Werk über 2700 Jahre Wirkung gehabt.
Ja, das also zur Person von Amos.
Der Name des Propheten und seine Bedeutung
Sein Name bedeutet, wie ich unter charakteristischen Ausdrücken und Besonderheiten auf Seite 1 aufgeführt habe, Lastenträger. Nun, auch dieser Name ist sehr bedeutungsvoll.
Es ist so, dass in den Propheten oft ein prophetischer Ausspruch im Hebräischen mit Massa bezeichnet wird. Meistens wird das in den deutschen Bibeln mit „Ausspruch“ oder „Ausspruch des Herrn“ übersetzt. Aber das Wort hat eine Doppelbedeutung. Es heißt „Last“ und „Ausspruch“. Es ist also ein prophetischer Ausdruck, der gewissermaßen wie eine schwere Last über das Volk kommt, weil Gott das Volk rügen oder ihm im Gericht etwas ankündigen muss.
Nun war Amos in diesem Sinn wirklich ein Lastenträger, der diese Botschaft, die Gott ihm aufgetragen hatte, trug, weitertrug und weitergab. Natürlich enthält dieses Wort auch den Hinweis darauf, dass jemand, der dem Volk Gottes dient, wie Amos in einer schwierigen Zeit des Zerfalls, bereit sein muss, Lasten zu tragen und auch Belastung auf sich zu nehmen.
Der Blick auf Gottes Gericht und die Hoffnung auf das Ende
Wir gehen weiter zu Vers 2. Das steht so für sich, darum habe ich das auch im Text abgesetzt, gegen die Einleitung von Vers 1 und auch gegen den neuen Abschnitt ab Vers 3. Das ist ein Leitmotiv, aufgenommen aus dem Buch Joel.
Das Buch, das wir davor betrachtet haben, in Joel 3 und nach anderer Zählung Joel 4, Vers 16, heißt es im Zusammenhang mit der Wiederkunft Christi in Jerusalem: „Und der Herr brüllt aus Zion und lässt aus Jerusalem seine Stimme erschallen, und Himmel und Erde erbeben.“ Der Herr brüllt aus Zion, ja, aus Jerusalem lässt er seine Stimme ertönen.
Das Buch Joel, haben wir gesehen, führt hindurch durch die Drangsalzeit, die in der Zukunft noch über Israel kommen wird, und die Welt hin zur Wiederkunft Christi, wie er dann als Sieger die Macht übernehmen wird in Jerusalem. Nun, diese Botschaft wird die Ausgangsbotschaft für Amos. Das ist der Blick auf die Wiederkunft Christi in Macht und Herrlichkeit. Er wird das letzte Wort sprechen über diese Welt.
Es steht hier nicht, er spricht, sondern er brüllt aus Zion. Schaak ist das Wort, das man braucht, wenn ein Löwe brüllt. Und da haben wir den Löwen aus dem Stamm Juda. So wird der Herr Jesus ja gesehen in Offenbarung 5, wo er als das Lamm Gottes das Buch der Gerichte mit den sieben Siegeln entgegennimmt, die Siegel eröffnet und dann die apokalyptischen Gerichte nach der Entrückung der Gemeinde über diese Welt kommen, die dann schließlich der Regierung und Herrschaft des Herrn Jesus den Weg bereiten.
Interessant: Johannes sieht das Lamm Gottes, und es wird ihm gesagt, das ist der Löwe aus dem Stamm Juda, der überwunden hat. Als das Lamm hat der Jesus vor zweitausend Jahren sein Leben gegeben als Opfer, und er wird als der Löwe aus dem Stamm Juda in der Zukunft die Herrschaft über diese Welt antreten.
Nun, das ist sehr wichtig, dieser Ausblick auf die Wiederkunft Christi, denn das ist in der Prophetie immer das Endziel aller Prophetie. Sie geht auf die Wiederkunft Christi und sein Reich. Das ist ganz wichtig. Auch wenn man sieht, wie viele Propheten Dinge prophezeit haben, die sich gerade in ihrer Generation dann realisiert haben oder in den Jahrhunderten danach, aber der Endblick war immer die Wiederkunft Christi ganz am Ende, wenn der Messias die Herrschaft über die Welt ergreifen wird und Ordnung ins Chaos bringen wird.
Darum ist es wichtig, dass selbst in Prophezeiungen, die zur Hauptsache schon längst erfüllt sind, man da immer noch Hinweise drin hat, die letztlich erst in Erfüllung gehen werden, wenn der Herr Jesus in Macht und Herrlichkeit erscheinen wird.
In Daniel 9, wo es um die Jahrwochen geht, diese prophetischen Zeiten, bis dann das tausendjährige Reich kommen soll, wird gesagt, dass nach diesen siebzig Jahrwochen, das ist die Zeit bis zur Wiederkunft Christi, dann Gesicht und Propheten versiegelt werden sollen. Das bedeutet, dass dann eigentlich die ganze biblische Prophetie zu ihrer Erfüllung und zu ihrem Abschluss kommen werde, so dass es quasi wie durch ein Siegel bestätigt werden kann: Es hat sich alles erfüllt, es ist Gottes Wort.
Aber es ist wichtig: Man kann von keinem Bibelbuch sagen, das ist alles jetzt schon erfüllt, schon längst. Selbst wenn es zu einem großen Teil erfüllt wäre, so bleibt immer noch eine Botschaft drin, die letztlich auf dieses große Ereignis hinweist. Er kommt und wird das letzte Wort sprechen.
Das entspricht auch dieser Hoffnung, die Hiob ausgesprochen hat. In Zeiten tiefster Depression plötzlich dieser Lichtblick: „Und ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ Dann heißt es: „Und als der Letzte wird er auf der Erde stehen.“ Das heißt, er wird das letzte Wort sprechen. Gläubige können durch schwere Nöte hindurchgehen, aber das letzte Wort spricht der Herr Jesus. Das gibt die Hoffnung im Leid: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“ – ein Vers, den ja Händel so wunderbar vertont hat im Messias.
Ja, und dann heißt es auch: „Und so vertrocknen die Weideplätze, und es verwelkt die Anhöhe des Karmel.“ Also, durch die große Drangsalzeit und dann den Höhepunkt des Gerichts, wenn der Herr Jesus erscheint, wird Israel eine weitgehende Zerstörung erleben, was natürlich Amos als Schafzüchter, besonders Betraf und Viehhirt, besonders betrifft: „Es vertrocknen die Weideplätze, und es verwelkt die Anhöhe des Karmel.“
Das Karmelgebirge ist eines der fruchtbarsten in Israel. Es ist so herrlich entspannend, so einen kleinen Spaziergang durch die Wälder des Karmel zu machen. Kann ich sehr empfehlen. Karmel heißt übrigens Weinberg Gottes. Kerem, Weinberg, El, Gott. Also steht es wirklich für die Fruchtbarkeit Israels, aber es verwelkt die Anhöhe des Karmels.
Der Richter kommt, er wird das letzte Wort sprechen.
Aufbau des Buches und der erste große Gerichtsblock
Und nun kommen wir weiter zu dem ersten Hauptteil des Amos-Buches. Auf Seite eins habe ich ja unter „Zum Aufbau des Buches“ folgende Einteilung gegeben: Zuerst der Titel, 1,1. Und man sollte eigentlich sagen: 1,1 Titel, 1,2 der Endpunkt der Prophetie, die Wiederkunft Christi. Und jetzt kommt der erste Hauptteil, römisch I, 8, Gerichtsankündigungen. Das sind die Kapitel 1,3 bis einschließlich Kapitel 2,8. Gerichtsankündigungen, und diese können wir wieder aufteilen.
Erstens: Gericht über drei Nachbarvölker. Aram, oder deutsch wäre das Syrien; die Aramäer sind die Syrer. Dann Philistia, das ist der Gazastreifen und das darum herum, die Heimat der Philister. Und Phönizien, das ist die Heimat der Kanaaniter nördlich von Israel, im heutigen Libanon. Also Gericht über drei Nachbarvölker: Aram, Philistia, Phönizien, 1,3 bis 1,10.
Zweitens: Gericht über drei stammverwandte Völker. Edom, Südjordanien; Ammon, Mitteljordanien; Moab, Nordjordanien. Ammon ist Nordjordanien, Moab Mitteljordanien, 1,11 bis 2,3. Übrigens kommt der Städtename Amman noch von dem Völkernamen Ammon hier: Amman, die heutige Hauptstadt von Jordanien.
Drittens: Gericht über Juda, das Südreich, Kapitel 2,4-5.
Und dann ganz ausführlich viertens: Gericht über Israel. Israel im engeren Sinn mit zehn Stämmen, das Nordreich, 2,6-16. Das ist ja das Hauptthema von dem Prophetendienst des Amos: das Nordreich Israel. Die weiteren Teile werde ich nachher erklären.
Lesen wir also die erste Gerichtsankündigung über eines der drei Nachbarvölker.
So spricht der Ewige: Wegen drei Übertretungen von Damaskus, der Hauptstadt von Aram in Syrien, ja, wegen vier, wende ich es nicht mehr ab. Gemeint ist das Gericht, weil sie mit Dreschschlitten von Eisen gedroschen haben das Land Gilead. So werde ich ein Feuer in das Haus Hazails senden, und es wird die Paläste Ben-Hadads verzehren. Und ich werde den Riegel von Damaskus zerbrechen und ausrotten den Bewohner aus dem Tal Aven und den, der das Zepter hält, aus Beth-Eden. Und das Volk von Aram wird nach Kir in die Verbannung gehen, spricht der Ewige.
Der Maßstab des Gerichts und die Verantwortung der Völker
Auf Seite eins habe ich das Thema des Amosbuches mit einem Satz so zusammengefasst: Eine bevorrechtigte Stellung schützt nicht vor verdienter Strafe. Doch Gottes Gnadenbeschlüsse stehen felsenfest. Zuerst geht es um Gericht, und ganz am Schluss des Amosbuches sehen wir, dass Gott Pläne hat, Pläne der Gnade für die Zukunft.
Ausführlicher habe ich das Buch Amos wie folgt zusammengefasst: Wer Unrecht sät, muss als Folge davon mit Gottes Gericht rechnen. Ob man ein Nachbar des auserwählten Volkes oder mit ihm stammesverwandt ist, ändert daran nichts. Dies gilt auch für das auserwählte Volk selbst. Je grösser die Vorrechte, desto grösser ist die Verantwortung. Das sündige Versagen des Menschen kann jedoch Gottes Gnadenverheissungen nicht verhindern. Das Kommen des messianischen Reiches mit all seinem Segen steht für die Endzeit fest.
Also illustriert das Buch den Grundsatz aus Galater 6, wo es in Vers 7 heisst: „Irrt euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten, denn was irgendein Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer für sein eigenes Fleisch sät, wird vom Fleisch Verderben ernten, wer aber für den Geist sät, wird vom Geist ewiges Leben ernten.“ Das Gesetz der Vergeltung.
Nun sehen wir: Zuerst wird Syrien, dann Philistäa, der Gazastreifen und das Umland, dann Phönizien und Libanon behandelt. Es sind Völker, die das Vorrecht hatten, in der Geschichte gerade neben dem auserwählten Volk zu wohnen. Das war natürlich ein Vorrecht gegenüber den Helvetiern, die waren viel weiter weg. Ja, aber durch diesen Kontakt erfuhren diese Völker etwas über den allein wahren Gott. Ich meine, wir haben das heute Morgen gesehen, wie Gott sich zum Beispiel auch dem Volk Ägypten durch den Kontakt mit Israel, von Abraham über Josef und Mose usw., so deutlich bezeugt hat als der allein wahre Gott. Aber andere Völker, die viel weiter weg waren, hatten dieses Vorrecht nicht.
Also: Diese Nachbarvölker hatten als Nachbarn Israels ein ganz besonderes Vorrecht. Aber dieses Vorrecht ist mit grösserer Verantwortung verbunden. Darum steht hier nicht das Gericht über Helvetia, sondern über Damaskus, die Hauptstadt der Aramäer, und eben über die Philister usw.
Nun, heute können wir natürlich in Helvetia nicht mehr so sprechen, denn wir haben Jahrhunderte erlebt, ich rede jetzt aus geschichtlicher Perspektive, in denen in der Schweiz das Evangelium bezeugt und verkündigt wurde. Archäologisch findet man ja so die frühesten Spuren bereits in den ersten Jahrhunderten nach Christus, zum Beispiel in Aventicum in der französischen Schweiz. Plötzlich merkt man bei den Grabungen: Die Leute werden nicht mehr kremiert, sondern erdbestattet. Das ist schon ein Hinweis: Aha, das Christentum ist bereits nach Helvetia gekommen.
Also muss man heute natürlich sagen: Die Schweiz gehört zu diesen ganz bevorrechtigten Völkern, die sehr stark mit der Botschaft der Bibel und mit der Botschaft des allein wahren Gottes, wie auch mit der Botschaft des Evangeliums, konfrontiert worden ist. Darum fordert Gott von diesem Land heute natürlich eine ganz besondere Verantwortung, viel mehr als von Völkern in der Dritten Welt, wo das Evangelium vielleicht erst seit dem 19. Jahrhundert überhaupt zum ersten Mal hingekommen ist oder sogar erst im 21. Jahrhundert, wenn man an eingeborene Völker denkt, die bis heute nicht erreicht worden waren.
Diese Völker hatten eine besondere Verantwortung. Und wer das eben nicht nutzt, sondern trotzdem Unrecht sät, muss als Folge davon mit Gottes Gericht rechnen. Aber das gilt nicht nur für die nichtjüdischen Völker, das gilt auch für das jüdische Volk, auch für die zehn Stämme Israels. Je grösser die Vorrechte, desto grösser die Verantwortung.
Wenn man sich heute bedenkt: Bis zur Erfindung der Buchdruckerkunst im 15. Jahrhundert war eine Bibel etwas Unerschwingliches. Wer eine Bibel haben wollte, musste so viel bezahlen wie ein ganzes Rittergut, also Schloss plus Umschwung. Aber durch die Buchdruckerkunst, die gerade recht kurz vor der Reformation, als man begann, die Bibel zu übersetzen, erfunden wurde, konnte man dann sehr bald die Bibel in den Kosten herunterdrücken, bis auf einen BMW. Also musste man etwa einen BMW bezahlen, um eine Bibel zu haben.
Aber die Kunst des Druckens hat sich dann weiter verbessert, und schon bald kostete eine Bibel einen Kühlschrank in unserem heutigen Wert, ja? Und etwas später dann schliesslich ein paar Eier. Ja, und heute ist es so einfach, die Bibel zu bekommen, jeder kann das. Und so sind wir ganz besonders verantwortlich. Das also als praktische Anwendung.
Die sprachliche Form der Gerichtsformel
Jetzt schauen wir: Gott sagt: Wegen drei Übertretungen von Damaskus, ja, wegen vier wende ich das Gericht nicht mehr ab. Hier haben wir es mit einem Zahlenspruch zu tun. Das ist eine Eigenheit der hebräischen Poesie. Es geht hier also um vier Dinge, aber das vierte wird ganz besonders betont. Mit dem Punkt vier ist gewissermassen das Mass erreicht.
Wir wollen einmal einen Zahlenspruch aus dem Buch der Sprüche anschauen, damit wir merken, wie das funktioniert. Sprüche 30: Da gibt es gleich eine ganze Reihe von solchen Sprüchen. Ich nehme als Beispiel 30,18: Drei sind es, die zu wunderbar für mich sind, und vier, die ich nicht erkenne: der Weg des Adlers am Himmel, der Weg einer Schlange auf dem Felsen, der Weg eines Schiffes im Herzen des Meeres und der Weg eines Mannes mit einer Jungfrau.
Es sind alles wunderbare Dinge. Aber dadurch, dass Agur sagt: Drei sind es, die zu wunderbar für mich sind, und vier, die ich nicht erkenne, will er sagen: Das Vierte ist wirklich das Allerwunderbarste. Ja, so wird also das Letzte durch den Zahlenspruch besonders betont.
Ich will das hier nur beispielhaft erklären. Weitere Zahlensprüche habe ich ja auf Seite eins aufgeführt, unter charakteristischen Ausdrücken. Ich habe dort verwiesen auf Sprüche 30, wo man mehrere hat, dann Hiob 5,19, da spricht einer der Freunde Hiobs, dass Hiob durch sechs Prüfungen gehen muss, und aus sieben wird Gott ihn erretten. Also die siebte Prüfung, das ist gewissermassen das Vollmass, und dann wird Hiob aus seiner Not herauskommen.
Das war ein prophetischer Spruch, denn wenn man nachliest, Hiob 1 und 2, da kamen effektiv sechs Prüfungen über Hiob. Er verlor einen Teil seines Besitzes um den anderen, er verlor die Kinder, dann kam die Prüfung mit seiner Frau, die sagt: Sprich dich los von Gott. Und die siebte Prüfung kommt dann am Schluss: Die Freunde Hiobs kommen, um ihr Beileid zu bezeugen, und sie sprechen eine Woche lang nicht mehr mit ihm.
Man könnte denken, sie seien einfach so erschüttert. Aber Hiob merkt: Die überlegen sich etwas. Die denken, ich war nur ein Heuchler, und darum geht es mir so schlecht. Die denken, sie haben sich in mir getäuscht. Und das bringt Hiob zur Verzweiflung, und dann entsteht diese hitzige Diskussion mit den Freunden. Das war die siebte Prüfung, und schliesslich, nach all diesen Diskussionen, wird Hiob zur Busse geführt, und er kommt aus der Prüfung heraus. Aus sechs, aus sieben.
Die siebte Prüfung, das war die schwierigste für ihn. Die Frau hat gesagt: Sprich dich los. Das ist sehr schwierig, wenn die Frau einem Mann das Rückgrat im Glauben bricht oder umgekehrt der Mann der Frau. Das geht. Aber Hiob hat bestanden, sogar dann, sehr eindrücklich.
Aber das Schwierigste ist wahrscheinlich, wenn andere Gläubige einen in Frage stellen. Hiob war stolz auf seinen gerechten Lebenswandel, und das war der schmerzlichste Stich für ihn, dass man ihn da in Frage stellte. Aber das war die siebte Prüfung, die nötig war, um zu zeigen, dass er einen gewissen Hochmut hatte, geistlichen Hochmut, und das musste auch in Ordnung kommen. Darum tut die Busse in Kapitel 42.
Die Bildsprache der Zahlensprüche und ihre geistliche Tiefe
Jetzt zu Sprüche 30. Das ist so wie bei einem Intelligenztest: Man muss hier herausfinden, was das Gemeinsame an diesen vier Dingen ist. Das schafft man ohne Probleme. Es geht jedes Mal um einen Weg: der Weg des Adlers, der Weg der Schlange, der Weg des Schiffes, der Weg des Mannes.
Aber jetzt wird der Intelligenztest noch ein bisschen schwieriger. Was ist an diesen vier Wegen auch noch gemeinsam? Keiner dieser Wege hinterlässt bleibende Spuren. Der Weg des Adlers am Himmel: Wenn ein Adler vorbeigeflogen ist – ich habe gerade in den Sommerferien so schön einen Steinadler ziemlich nahe gesehen –, dann sieht man nachher keine Spuren mehr. Er kann nicht den Nachbrenner einschalten, und auch das vergeht ihm schnell. Unsichtbar, keine Spur.
Dann der Weg einer Schlange auf dem Felsen. Wenn eine Schlange sich über den Felsen bewegt, sieht man nichts mehr, dass sie da durchgegangen ist. Der Weg eines Schiffes im Herzen des Meeres: Ja, ganz kurz sieht man noch die Spuren durch die Bewegung des Wassers, aber das geht schnell weg, und man sieht nicht mehr, wo das Schiff durchgegangen ist. Und dann der Weg eines Mannes zu einer Jungfrau: Das ist der Weg der Werbung, der so verschlungen und verborgen ist. Ich habe schon verschiedene Male an einer Hochzeit gesprochen, aber die grössten Geheimnisse hat man mir ja nicht mitgeteilt.
Ja, und es ist jedes Mal ein Wunder, wenn Gott zwei Menschen so zusammenführt. Warum kommen die genau zusammen, und warum zündet es bei beiden? Man kann noch verstehen, dass es bei der einen Partei zündet, ja, aber dass es genau bei den beiden zündet, ja, das ist erstaunlich. Und es gibt ja schliesslich sechs Milliarden Menschen – und warum genau diese zwei? Nicht von rein menschlichen Beweggründen zum Heiraten, sondern wenn jemand sich wirklich durch den Herrn leiten lässt: Ich möchte die Frau heiraten, die Gott für mich bereit hat, und umgekehrt den Mann heiraten, den Gott für mich bereit hat.
Immer wieder sehen wir, wie junge Leute es auch wirklich bezeugen können: Wir sind ganz klar überzeugt, der Herr hat das so geführt. Aber nicht nur, dass sie denken: Ja, das ist absolut der Weg des Herrn. Es hat bei beiden gezündet. Es stimmt einfach alles, in jedem Bereich, oder? Das ist ein wunderbarer Weg, aber die Spuren sieht man nicht, wie das genau gegangen ist.
Und übrigens ist auch jeder Weg in physikalischer Hinsicht so erstaunlich. Ja, wie kann ein Adler am Himmel fliegen, ein so schweres Ding? Ja, wir wissen die Gesetze der Aerodynamik und so weiter, aber wenn wir selbst ein Flugzeug einfach so schnell bauen müssten, das kriegen wir auch nicht so hin. Die Menschheit hat lange gebraucht, bis das erste Flugzeug geflogen ist, die armen Gebrüder Wright. Und dann haben wir den Weg einer Schlange auf dem Felsen. Das ist auch erstaunlich: Die Schlange hat keine Beine. Wenn der Boden weich ist, können wir vielleicht noch besser verstehen, dass sie sich irgendwie fortbewegen kann, aber auf dem harten Felsen mit einem Tempo und weiter – auch dort ist die Physik interessant.
Und dann der Weg eines Schiffes: Wie kann ein so schweres Ding auf dem Wasser schwimmen, im Herzen des Meeres, auf offener See? Und dann eben der Weg eines Mannes so verschlungen und unsichtbar für das Beobachterauge.
Und das Ganze hat übrigens noch eine geistliche Bedeutung. Das Letzte ist das Wunderbarste, aber alles ist wunderbar. Der Weg des Adlers spricht von dem Sohn Gottes, der vom Himmel gekommen ist auf diese Erde. Und er war hier 33 Jahre, hat gelitten, ist da wieder auferstanden und zum Himmel zurückgekehrt. Da ist der Weg des Adlers am Himmel, unverständlich. Wie konnte Gott Mensch werden?
Und dann der Weg einer Schlange auf dem Felsen: Der Fels ist nach 1. Korinther 10,4 ein Bild von Christus, die Schlange ein Bild von Satan, 1. Mose 3. Und es ist so erstaunlich, dass Gott zugelassen hat, dass diese Schlange Christus versuchen durfte, in der Wüste zum Beispiel, Matthäus 4. Aber sie hat keine Spuren hinterlassen. Der Herr hat nicht gesündigt, und er sagt auch in Johannes 14 am Schluss: Der Fürst dieser Welt kommt, aber er hat nichts in mir. Keinen Angriffspunkt in der Person des Herrn Jesus, wo er hätte einsetzen können. Keine Spuren auf dem Felsen.
Und dann das Schiff auf dem Meer: Wir sehen aus verschiedenen Stellen, wie das Schiff eben auch ein Bild sein kann von der Gemeinde, die zweitausend Jahre durch das Völkermeer gegangen ist, schreckliche Stürme, Verfolgungen erlebt hat und trotzdem nie untergegangen ist. Zweitausend Jahre – das ist ein wunderbarer Weg.
Und dann der Weg des Herrn Jesus, der gekommen ist, um die Gemeinde als seine Verlobte und seine Frau zu nehmen. 2. Korinther 11 spricht von der Verlobung, Epheser 5: Christus der Mann, die Gemeinde die Frau. Ein wunderbarer Weg, der aber über Golgatha geführt hat und alles Denken übersteigt. Das ist das Wunderbarste.
Also, das zu den Zahlensprüchen.
Die erste Anklage gegen Damaskus
Jetzt verstehen wir Amos 1 und 2 dann viel besser. Es geht um drei Freveltaten, aber die vierte hat gewissermassen das Mass gefüllt. Darum wird jeweils nur eine Missetat genannt, die aber quasi die Spitze von vielen früheren Freveltaten dieser Völker ist. Und jetzt muss Gott abrechnen. Wegen vier nehme ich es nicht mehr zurück, oder ich wende es nicht mehr ab.
Der Ausdruck Übertretung ist hebräisch Pescha. Pescha ist nicht irgendeine Sünde, sondern es beinhaltet auch Rebellion gegen Gott, Auflehnung gegen Gottes Gebote. Jetzt kann man sich fragen: Ja gut, aber das sind ja heidnische Völker, die haben ja nicht das Gesetz vom Sinai bekommen wie Israel. Ja, aber gab es erst göttliche Gebote seit dem Sinai? Nein. Gott hat zum Beispiel in der Schöpfung bereits die Ehe festgelegt, als ein Mann und eine Frau. Und er hat auch weitere ethische Gebote festgelegt, schon früher. Darum wissen auch die Heidenvölker sehr genau, was Recht und Unrecht ist, auch wenn sie noch nie mit der Bibel konfrontiert worden sind. Das ist sehr eindrücklich. Römer 2 zeigt, dass Gott eben die Werke des Gesetzes ins Gewissen des Menschen eingeschrieben hat, so dass der Mensch genau weiss: Das ist Unrecht, und das ist Recht.
Aber hier sehen wir Völker, die gegen diese Grundgesetze, die Gott in das Gewissen des Menschen eingeprägt hat, revoltiert haben. Sie haben Verbrechen gegen Gottes Grundsätze vollzogen, in Rebellion. Und darum richtet sie Gott. Übrigens, in Verbindung mit der vergangenen Abstimmung über die Registrierung von homosexuellen Paaren: Es ist auch schon interessant, wo ist unsere Kultur angelangt? Ich habe noch nie von einem eingeborenen Volk gehört, das im tiefsten Götzendienst leben kann, das sogar moralisch so lebt, dass sie fast keine Kleider tragen, aber nirgends findet man einen Eheschluss oder eine eheähnliche Beziehung von gleichem Geschlecht. Selbst im tiefsten Heidentum wird das weltweit verworfen.
Aber da, wo man jahrhundertelang oder man könnte fast sagen fast jahrtausendelang die Bibel gekannt hat und Gottes Wille so schriftlich geoffenbart kannte, da ist man an den Punkt gekommen, dass man sagt: Das ist doch ganz normal. Das zeigt, wo wir angekommen sind. Das ist wirklich gegen die Natur, gegen das Naturgesetz, gegen das ethische Naturgesetz. Aber das entspricht eben diesem Prinzip Pescha: Rebellion gegen Gottes Grundgesetze, die im Herzen eingeschrieben sind, im Gewissen.
Nun, gehen wir weiter. Hier wird erwähnt als höchstes Mass, weil sie mit Dreschschlitten von Eisen das Land Gilead gedroschen haben. Da müssen wir aufschlagen: 2. Könige 10,32. Es geht um die Zeit von Hasael. Das ist übrigens der Hasael, der erwähnt wird in Amos 1,4: So werde ich ein Feuer in das Haus Hasaels senden.
In jenen Tagen begann der Herr abzuhauen unter Israel, und Hasael schlug sie im ganzen Gebiet Israels, vom Jordan an gegen Sonnenaufgang, das ganze Land Gilead, die Gaditer, die Rubeniter und die Manassiter, von Aroer an, das am Fluss Arnon liegt, sowohl Gilead als Basan. Also, die haben grausam gewütet unter den Israeliten im Gebiet von Gilead. Das ist jenseits des Jordans, im heutigen Jordanien. Das gehörte damals zu Israel. Es war ein Gericht von Gott. Aber Hasael hat das in eigener Bosheit getan, und darum wird er zur Rechenschaft gezogen.
Das kann man übrigens auch übertragen auf heute: Gott kann ein Volk brauchen, um ein anderes Volk zu strafen. Aber dieses Volk straft in eigener Bosheit. Es ist nicht besser als das andere Volk, wird aber später auch von Gott zur Rechenschaft gezogen. Es ist ein göttliches Prinzip. Man meint immer, wenn quasi ein Volk das andere straft, dann müsste das Volk, das straft, eigentlich perfekt sein. Überhaupt nicht so. Es wird aber auch zur Rechenschaft gezogen. Man kann zum Beispiel gerade in den Fragen, die in den letzten Jahren so beschäftigt haben, fragen: Wie geht das mit Amerika, und was haben die im Irak gemacht? Ja, Gott kann Amerika benutzen als Zuchtrute, aber Amerika ist deswegen nicht eine Nation mit weissem Hemd. Und auch diese Nation kann von Gott zur Rechenschaft gezogen werden. Ja, und das ist heute gerade sehr aktuell.
Nun, Hasael regierte von 842 bis 806, also Jahrzehnte vor Amos und seinem Dienst. Aber wir sehen: Jahrzehnte sind vergangen, die Menschen haben vergessen, ja, aber Gott hat nicht vergessen. Das ist sehr wichtig, auch wenn man die Geschichte sieht. Da können Völker während Jahrzehnten gewaltiges Unrecht getan haben, und nie ist da eine Abrechnung für sie gekommen. Aber Gott kann warten. Das muss nicht sofort kommen. Und so spricht nun Amos Jahrzehnte später: Das Vollmass wurde dort erreicht. So werde ich ein Feuer in das Haus Hasaels senden, und es wird die Paläste Ben-Hadads verzehren.
Ben-Hadad kommt ja auch sonst in der Bibel vor, im 2. Könige. Das war der Vorgänger von Hasael. Er regierte von 880 bis 842 vor Christus. Und ich werde den Riegel von Damaskus zerbrechen und ausrotten den Bewohner aus dem Tal Awen und den, der das Zepter hält, aus Beth-Eden. Wann hat sich das erfüllt? Nun, Amos wirkte um 762 vor Christus. Da gab es bereits im Osten ein Grossreich, gefürchtet, das war Assyrien. Aber für Assyrien war die Grenze nach Westen der Euphrat. Und jetzt all diese Völker, die wir da sehen, die Syrer, die Libanesen, die Jordanier, die Philister, Juda, Israel: Das sind alles Völker im Westen vom Euphrat, ja? Und jetzt kündigt Amos an, die werden alle unter das Gericht kommen. Und das ist dann auch geschehen.
In den 730er Jahren vor Christus kamen die Assyrer rüber über den Euphrat und eroberten ein Volk nach dem anderen. Und so wurde 732 Damaskus erobert, wurden die Aramäer überrannt, und sie wurden deportiert nach Kir, das ist ein Ort im heutigen Zweistromland, Mesopotamien. Da haben wir am Schluss: Und das Volk von Aram wird nach Kir in die Verbannung gehen, sprich, die ewige Politik der Assyrer war, ein unterworfenes Volk, das gefährlich und rebellisch ist, muss man deportieren, von einem Ort an den anderen, um das Volk zu entwurzeln, um ihm so das innere Rückgrat zu brechen. Das hat funktioniert, diese Politik, grausam und brutal. Es ist tatsächlich so, dass Tiglath-Pileser eben die Aramäer deportiert hat.
Wir lesen in 2. Könige 16,7: Da sandte Ahas Boten an Tiglath-Pileser, den König von Assyrien, und liess ihm sagen: Ich bin dein Knecht und dein Sohn; komm herauf und rette mich aus der Hand des Königs von Syrien und aus der Hand des Königs von Israel, die sich wider mich erhoben haben. Und Ahas nahm das Silber und das Gold, das in dem Haus des Herrn und in den Schätzen des Königshauses sich vorfand, und sandte es als Geschenk an den König von Assyrien. Und der König von Assyrien hörte auf ihn, und der König von Assyrien zog hinauf gegen Damaskus und nahm es ein und führte seine Einwohner weg nach Kir, und Rezin tötete er. Prophezeiung.
Und das ist nun sehr wichtig: In biblischen Zeiten hat man also erkannt, Amos ist ein richtiger Prophet. Alles, was er prophezeit hat über unsere Zeit, hat sich erfüllt. Er hat sich nie geirrt. Ein biblischer Prophet durfte nach 5. Mose 18 sich nie in einem Punkt irren, sonst war er ein falscher Prophet, den der Herr nicht gesandt hat. Und das führte dazu, dass eben ein Buch nach dem anderen in Israel als kanonisches Buch von Gott her angenommen wurde. Es gab nie ein Konzil, wo man beschlossen hat, die und die Bücher gehören zum Alten Testament, sondern die wurden in ihrer Reihenfolge nach und nach akzeptiert, indem die Propheten als Propheten ausgewiesen waren.
Wir werden sehen: Bei den weiteren Völkern hier wird nicht jedes Mal gesagt, die werden deportiert, und z. B. die Ammoniter, Moabiter und Edomiter, die auch hier vorkommen, die wurden, das wissen wir aus der Geschichte, von den Assyrern nicht deportiert, sondern die wurden einfach tributpflichtig gemacht. Aber bei denen sagt Amos nichts, sie sollen deportiert werden. Bei Damaskus hat er es gesagt, und dort ist es auch gekommen. Und noch etwas Wichtiges: Hier, dieser Ort ist für die Aramäer sehr wichtig, denn in Amos 9,7 heisst es, an Israel gerichtet: Seid ihr nicht wie die Kinder der Äthiopier, Kinder Israel, spricht der Herr, habe ich nicht Israel aus dem Land Ägypten heraufgeführt und die Philister aus Kaphtor und die Syrer aus Kir?
Also hier sagt der Prophet zu Israel: Ihr müsst nicht denken, obwohl ihr das auserwählte Volk seid, dass die anderen Völker quasi für Gott keine Bedeutung haben. Es gibt Parallelen zwischen Israel und anderen Völkern, wo man sieht, wie Gott auch die anderen Völker im Laufe der Geschichte geführt hat. Dann wird eben gesagt: Genauso wie Gott Israel aus Ägypten heraufgeführt hat ins Land Kanaan, so hat er das auch mit anderen Völkern gemacht. Die Philister, die später in den Gazastreifen gingen, wurden aus Kaftor, also aus einer Mittelmeerinsel, dorthin geführt. Das kann man auch in 1. Mose 10 nachlesen, in der Völkertafel. Die kamen also aus der Ägäis zuerst nach Ägypten, und von Ägypten her wanderten sie so dem Mittelmeer entlang, die kurze Strasse, nicht wie Israel durch die Sinai-Wüste, sondern am Mittelmeer entlang wanderten sie in den Gazastreifen ein. Gott hat das so geführt, sagt er hier.
Und die Syrer, die Aramäer hebräisch, die hat er aus Kir, aus Mesopotamien, geführt, dass sie im heutigen Syrien ihren Platz einnehmen sollten. Und darum ist es nun interessant, dass Amos 1 sagt, Gott wird sie als Gericht wieder zurückführen nach Kir, und ausgerechnet dorthin wurden sie deportiert durch die Assyrer. So hat sich der Kreis für die Aramäer damals geschlossen, übrigens ähnlich wie für Israel. Nicht wahr, Abraham kam aus Südirak, aus Ur in Chaldäa, dem Gebiet von Babylonien. Er ist ausgewandert und kam ins Land Kanaan. Er hat den wahren Gott angenommen und ihm gefolgt. Aber seine Nachkommen im Land Kanaan haben den wahren Gott verlassen und haben Götzen gedient, und so hat später Gott das jüdische Volk unter Nebukadnezar wieder nach Babylon deportiert, in die babylonische Gefangenschaft. Für eine Zeit später durften sie wieder zurückkehren. Aber auch da hat sich der Kreis für das jüdische Volk geschlossen. Da, wo Abraham als Götzendiener einst war, dort kamen sie wieder hin als Götzendiener, wegen ihres Götzendienstes. Also das Volk von Aram wird nach Kir in die Verbannung gehen.
Nun gehen wir weiter zum nächsten Abschnitt. Es bildet wieder ein Gedicht für sich, darum habe ich es im Text abgesetzt: 1,6. So spricht der Ewige: Wegen drei Übertretungen von Gaza, ja, wegen vier wende ich es nicht mehr ab, weil sie Weggeführte in voller Zahl weggeführt haben, um sie Edom auszuliefern. So werde ich ein Feuer in die Mauer von Gaza senden, und es wird seine Paläste verzehren. Und ich werde den Bewohner von Aschdod ausrotten und den, der das Zepter hält, aus Aschkelon. Und ich werde meine Hand zurückwenden gegen Ekron, und so wird der Überrest der Philister untergehen, spricht der Herr, der Ewige.
Das Gericht über die Philister und die Weite der prophetischen Perspektive
Also, hier geht es nun um die Philister im Gazastreifen und im Gebiet darum herum. Die Philister im Alten Testament hatten fünf Hauptstädte. Es waren dies Gaza, in Vers 6 erwähnt, und in Vers 7. Dann in Vers 8 Aschdod, in der zweiten Verszeile Aschkelon, in der dritten Verszeile Ekron und eine fünfte Stadt wird hier nicht erwähnt. Das ist Gat, die Stadt, aus der Goliath kam.
Warum wird Gat hier nicht erwähnt? Es ist so, dass gerade in der Zeit von Amos König Usia gegen die Philister gekämpft hat. Und unter anderem hat er eben Gat zerstört. Es kann sein, dass Gat in der Zwischenzeit nicht wieder so hergestellt worden war, sodass es in der Prophetie nur noch um die vier Städte ging, die eben wirklich Festungen gegen die Assyrer waren. Diese haben um 735 ebenfalls das Gebiet der Philister erobert.
In Verbindung mit der ganzen Geschichte des Gaza-Abzuges von Israel wird oft gar nicht beachtet, dass außer Gaza, das sich im heutigen Gazastreifen befindet, all diese anderen Städte, Aschdod, Aschkelon, Ekron und auch Gat, alle in relativ weitem Umfeld um den Gazastreifen herum liegen. Aschdod zum Beispiel und Gat südlich von Tel Aviv, sie sind alle in israelischem Besitz. Das heißt, Israel besitzt auch heute den größten Teil des Philisterlandes in eigener Hand. Und im Vergleich dazu sind diese Siedlungen, die jetzt abgezogen wurden, eigentlich nur ein sehr kleiner Teil von dem Philisterland, das aufgegeben wurde. Der größte Teil des Philisterlandes ist nach wie vor in israelischer Hand.
Es wird dann gesagt, in Vers 8: Und so wird der Überrest der Philister untergehen. Es ist nicht so, dass die Assyrer damals um 735 eine Totalverwüstung gemacht hätten. Aber es hat nochmals einen Angriff auf dieses Gebiet unter Sargon, dem König von Assyrien, im Jahr 721 gegeben. Später, in der Makkabäerzeit, wurde dieses Gebiet nochmals ganz massiv militärisch erobert.
Aber wenn es hier heißt: Und so wird der Überrest der Philister untergehen, so geht das noch weiter in die Zukunft. Denn andere Propheten haben über die Endzeit dieses Gebietes gesprochen. Da können wir ganz kurz aufschlagen: Zephanja, also einfach ein bisschen weiterblättern in den kleinen Propheten. Plötzlich kommt Zephanja 2,4.
Ich mag mich so erinnern: Vor einigen Jahren hatte ich Vorträge in Beirut, im Libanon. Und wenn ich öffentlich in Gemeinden in der arabischen Welt spreche, passe ich immer sehr auf, wie ich spreche. Zum Beispiel auch in Ägypten, in Kairo oder Alexandria, benutze ich in öffentlichen Gemeinden nie das Wort Israel, sondern spreche über das Volk Gottes. Ja, alle wissen, was gemeint ist. Aber wenn man öffentlich Israel anspricht, kann das sehr gefährlich sein. Und zum Beispiel in Kairo ist es normal, dass vor dem Gemeindelokal ein Polizist steht, bewaffnet, und die Gemeinde bewacht.
Ich habe gefragt: Würde der schießen, wenn Terroristen hereinkommen? Darauf haben wir selbstverständlich gesagt: Nein, natürlich nicht. Also, man muss ein bisschen aufpassen, wie man spricht. Aber im Privaten kann man dann sehr viel präziser reden. Da war ich in Beirut zusammen mit verschiedenen Arabern und habe dann diese Stelle vorgelesen. Wir hatten über das Thema gesprochen: Gazastreifen. Die waren alle zutiefst entsetzt. Und ich denke, auch uns muss das entsetzen, was hier steht.
Zephanja 2,4: In Gaza wird verlassen und Aschkelon eine Wüste sein, Aschdod wird am hellen Mittag vertrieben werden, und Ekron wird entwurzelt werden. Wehe den Bewohnern des Landstrichs am Meer! Ja, der Landstrich am Meer, das ist der Gazastreifen, das Gebiet rundherum. Wehe den Bewohnern des Landstrichs am Meer, der Nation der Kreter, eben weil sie ursprünglich von Kreta her in Kaftor eingewandert sind, aus der Ägäis nach Ägypten und dann in den Gazastreifen. Wehe den Kretern, der Nation der Kreter! Das Wort des Herrn kommt über euch, Kanaan, Land der Philister.
Übrigens ist auf Arabisch Philister das gleiche Wort wie Palästinenser. Es gibt nicht, wie bei uns, zwei Wörter. Palästinenser und Philister ist sprachlich eigentlich das Gleiche, aber im Arabischen hat man wirklich den gleichen Ausdruck: Filastini. Kanaan, Land der Philister oder Palästinenser, und ich werde dich vernichten, dass kein Bewohner mehr bleibt. Und der Landstrich am Meer wird zu Triften voll Hirtenzisternen und Kleinvieh-Hürden werden. Und es wird ein Landstrich sein für den Überrest des Hauses Juda, und sie werden darauf weiden und sich am Abend in den Häusern Aschkelons lagern. Denn der Herr, ihr Gott, wird sich ihrer annehmen und ihr Schicksal wenden.
Und das geht nun auf die Endzeit. Immer wieder hat man in den Propheten diesen technischen Ausdruck: Ich werde ihr Schicksal oder ihre Gefangenschaft wenden. Das weist immerhin auf die Zeit hin, in der Gott in der Endzeit das jüdische Schicksal in einem Prozess wendet, der seit 1882 mit der ersten Einwanderungswelle andauert. Schliesslich wird letztlich dieser Landstrich sein für den Überrest des Hauses Juda, das heißt für diesen Teil, diesen Drittel aus Israel, der die kommenden Gerichte überleben wird. Zwei Drittel werden durch den Angriff von Syrien umkommen, Sacharja 13,8, und der Überrest des Hauses Juda, der übrig bleibt, wird das alles erben. Und es wird ein Landstrich sein für den Überrest des Hauses Juda.
Nicht wahr, schon 1957 hat die israelische Armee den ganzen Gazastreifen erobert, im Sinai-Feldzug 1956. Und 1957 haben sie den ganzen Gazastreifen an Ägypten zurückgegeben. Da hat übrigens niemand geschrien, die Ägypter sollen eigentlich das Land da freimachen, damit ein palästinensischer Staat entsteht. Es ging zurück an Ägypten. Und dann, im Sechstagekrieg 1967, als man Israel ausrotten wollte, hat man den Gazastreifen zum zweiten Mal erobert. Und dann wurde er nach und nach zurückgegeben, in der Hoffnung, es gebe Frieden. Aber es ist nicht das letzte Mal, dass er erobert worden ist.
Ja, und dann möchte ich noch lesen aus Ezechiel 25. Das habe ich dort wohl auch vorgelesen in Beirut, 25,15. Und das muss man nun wirklich lesen, indem man die Hamas, den Dschihad und all diese Terrorgruppen vor Augen hat.
Vers 15: So spricht der Herr, der Ewige: Weil die Philister mit Rachsucht gehandelt und Rache geübt haben mit Verachtung des Lebens, also mit Verachtung des eigenen Lebens und Verachtung des Lebens der anderen. Übrigens zeigt sich diese Verachtung des Lebens auch im Zusammenhang mit Terror darin, dass Terroristen kein Problem damit haben, wenn bei ihren Terroranschlägen auch Muslime ums Leben kommen. Sie sind völlig unbelastet vom Gewissen.
Ich habe gerade kürzlich im Koran die Stelle gelesen, da heißt es, dass wenn im Dschihad, im Heiligen Krieg, Muslime getötet werden aus Versehen, so ist das keine Sünde. Und das entlastet völlig. Man will ja nicht sie töten, aber wenn sie jetzt gerade dummerweise da im Bus sind und sterben, ist man wenigstens entlastet, denn es ist Heiliger Krieg und er gilt den Ungläubigen. Also, es ist wirklich in Verachtung der Seele, des eigenen Lebens und des Lebens der anderen. Seele und Leben ist das gleiche Wort: Verachtung des Lebens, zur Zerstörung, in ewiger Feindschaft. Das sind genau die Worte, die Hamas braucht. Wir machen nie mit Israel Frieden, Israel muss zerstört werden, und es gibt nie eine Zeit, in der wir sie akzeptieren werden, in ewiger Feindschaft.
Darum: So spricht der Herr, der Ewige: Ich werde meine Hand gegen die Philister ausstrecken und werde die Kreter ausrotten, weil sie aus Kreta kamen, und den Überrest an der Küste des Meeres vertilgen. Auch da wieder deutlich der Gazastreifen. Und ich werde durch Züchtigung des Grimmes große Rache an ihnen üben, und sie werden wissen, dass ich der Herr bin, wenn ich meine Rache über sie bringe.
Ja, also sehr schlimm. Aber das zeigt uns wieder: Die Prophetie geht letztlich immer bis in die Endzeit, bis zur Wiederkunft Christi. Aber im Wesentlichen hat sich das erfüllt, da in der Zeit der Generation von Amos durch die Assyrer.
Tyrus, Edom, Ammon und Moab: weitere Gerichtsankündigungen
Wir gehen weiter zu Vers 9, ein neues Gedicht über die Phönizier. So spricht der Ewige: Wegen drei Übertretungen von Tyrus, ja, wegen vier, wende ich es nicht mehr ab, weil sie Weggeführte in voller Zahl an Edom ausgeliefert haben und nicht gedacht haben des Bundes der Brüder, so werde ich ein Feuer in die Mauer von Tyrus senden, und es wird seine Paläste fressen.
Tyrus war damals die wichtigste Stadt der Phönizier. Noch früher war es Sidon, aber später hat Tyrus die Hauptrolle übernommen. Nun, die Assyrer haben also auch den Libanon mit Tyrus erobert, und so hat sich das erfüllt.
Hier wird besonders vorgeworfen, dass sie Israeliten, Weggeführte, an ein anderes Volk ausgeliefert haben. Und sie haben nicht gedacht des Bundes der Brüder. Nicht wahr, in der Zeit von Salomo gab es eine ganz spezielle Freundschaft zwischen Israel und dem Libanon unter König Hiram. Hiram von Tyrus hat ja das Zedernholz aus dem Libanon geliefert für den Bau des salomonischen Tempels, und weil die Phönizier außerordentlich geschickte Künstler waren, hat er auch viele Künstler nach Israel geschickt, um bei dem Bau des Tempels in dieser Hinsicht zu helfen. Das war quasi wie ein Brüderbund, und dieser Brüderbund wurde später so grausam durch Feindschaft gebrochen.
Also sieht Gott auch Freundschaften, die einmal da waren und die dann zerbrochen werden. Es ist ein schweres Vergehen in den Augen Gottes, wenn Freundschaften kaputtgemacht werden. Und so, wenn man denkt, das sind Jahrhunderte zurück, haben sie nicht gedacht des Bundes der Brüder. Gott überblickt die Geschichte, und er vergisst nicht.
Nun, die Assyrer haben den Libanon erobert, aber später, im vierten Jahrhundert, ist Alexander der Große gekommen. Nein, zuvor noch: Am Ende des siebten Jahrhunderts hat König Nebukadnezar Tyrus erobert. Die sind dann allerdings geflohen auf die Insel, da konnte er keine Beute machen, aber er hat 13 Jahre lang Tyrus belagert und dann zerstört. Später hat Alexander der Große Tyrus, Neu-Tyrus, auf der Insel erobert, und er war so grausam: Der hat also 6.000 Menschen erschlagen, 2.000 wurden gekreuzigt, und 30.000 wurden als Sklaven verkauft. Das war Alexander der Große. Brutal, grauenhaft, aber es hängt zusammen mit dieser Sünde von Tyrus.
Dann Vers 11: So spricht der Ewige wegen drei Übertretungen von Edom, Südjordanien, der Heimat der Nachkommen von Esau. Merken wir, jetzt wird es enger. Vorher haben wir drei Nachbarn gehabt, aber jetzt haben wir drei verwandtschaftlich mit Israel verbundene Völker. Die Edomiter waren Nachkommen von Esau, dem Bruder Jakobs, Stammvater Israels. Wegen drei Übertretungen von Edom, ja, wegen vier, wende ich es nicht mehr ab, weil er seinen Bruder mit dem Schwert verfolgt hat und sein Erbarmen erstickt hat.
Also sie haben ihr eigenes Gefühl von Erbarmen gegenüber den Israeliten, da sind sie brutal über das eigene Gefühl hinweggegangen, sein Erbarmen erstickt hat, und weil sein Zorn beständig zerrissen hat, also wie ein Raubtier, und seinen Grimm fortdauernd bewahrt hat, so werde ich ein Feuer nach Teman senden, und es wird die Paläste von Bozra verzehren.
Die Assyrer haben nach Amos’ Prophetie Edom auch erobert, und spät in der Geschichte, 400 bis 300 v. Chr., haben die arabischen Nabateer dieses Gebiet erobert. Hier wird Teman und Bozra erwähnt. Teman ist eine ganz südliche Stadt im Gebiet von Edom und Bozra eine ganz nördliche Stadt. Und so repräsentieren sie quasi das ganze Land Edom, von Süden nach Norden.
Vers 13: So spricht der Ewige wegen drei Übertretungen der Kinder Ammon, ja, wegen vier, wende ich es nicht mehr ab, weil sie die Schwangeren von Gilead aufgeschlitzt haben, um ihre Grenze zu erweitern. So werde ich ein Feuer in die Mauer von Rabba senden, und es wird seine Paläste verzehren, unter Lärmsignal am Tag des Krieges, unter Sturm am Tag des Sturmbindes, und so wird ihr König in die Verbannung gehen, und seine Fürsten zugleich, spricht der Ewige.
Hier wird nicht das Volk in die Verbannung geschickt, sondern nur gewisse Personen aus der Oberschicht. Nun, grauenhafte Dinge, Kriegsverbrechen: Die Schwangeren von Israeliten in Gilead wurden aufgeschlitzt, damit sie mehr Gebiet haben, ein Aggressionskrieg, um das eigene Land zu erweitern. Und deshalb kam das Gericht auch über sie durch die Assyrer im Jahr 734 v. Chr.
Ammon und danach folgt Moab. Sie stammen von Lot ab. Ich gebe nur die Stelle an: Die Töchter Lots haben mit ihrem Vater Blutschande getrieben. Das war das moralische Erbe aus Sodom, wo sie gewohnt hatten. Und daraus sind zwei Söhne entstanden aus dieser Verbindung, und zwar, ja, 1. Mose 19, am Schluss, und da liest man in Vers 37, dass der eine hieß Moab, dies ist der Vater der Moabiter. Dann Vers 38: Und die Jüngere, auch sie gebar einen Sohn, und sie gab ihm den Namen Ben-Ammi, dieser ist der Vater der Kinder Ammon bis auf diesen Tag.
Lot war ja ein Neffe von Abraham, und so sind diese Völker allerdings durch grauenhafte Blutschande mit Israel verwandt und waren Nachbarn Israels, haben sich so schrecklich verhalten, und darum kam das Gericht über sie. In Vers 13 in der Mitte wird Rabba erwähnt, das ist der alttestamentliche Name für das heutige Amman, die Hauptstadt von Jordanien. So werde ich ein Feuer in die Mauer von Rabba senden, und es wird seine Paläste verzehren.
Der Abschluss des ersten Gerichtszyklus
Zwei, Vers eins: So spricht der Ewige: Wegen drei Übertretungen von Moab, ja, wegen vier, wende ich es nicht mehr ab. Weil sie die Gebeine des Königs von Edom zu Kalk verbrannt haben, so werde ich ein Feuer nach Moab senden, und es wird die Paläste von Keriot verzehren. Und Moab wird im Getümmel sterben, im Lärm, beim Schall des Schofarhorns. Und ich will den Richter aus seiner Mitte ausrotten und alle seine Fürsten mit ihm erschlagen, spricht der Ewige.
Die Tat der Rebellion, die Grabschändung des Königs von Edom, wird hier erwähnt. Das wurde auch immer wieder als Verbrechen in Kriegen begangen: dass man Gräber entweiht und dann Tote exhumiert, also ausgegraben hat, um die Überreste noch in bösartiger Weise zu schänden. Da haben sie also den König von Edom so geschändet, dass sie seine Knochen aus dem Grab geholt und verbrannt haben. Das ist natürlich ein gutes Argument aus diesem Vers gegen Kremation, dass Gott Kremation als Schändung des Körpers betrachtet. Gott sagte Adam nicht, du sollst zur Asche zurückkehren, sondern zum Staub. Das ist nicht dasselbe.
Ja, und das wird also hier erwähnt, diese Grabschändung als Sünde, mit der das Maß vollgemacht wurde. Und so sollte auch durch Tiglath-Pileser das Gericht über Moab kommen. Ja, jetzt haben wir eine Pause verdient, oder?
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