Einleitung
Unser Predigttext steht im Epheserbrief Kapitel 3 Verse 14-21. Epheser 3,14-
21. Die Fürbitte des Apostels für die Gemeinde. Deshalb beuge ich meine
Knie vor dem Vater, der der rechte Vater ist über alles, was der Kinder
heißt, im Himmel und auf Erden. Dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum
seiner Herrlichkeit, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen
Menschen. Bei den langen Sätzen des Apostels Paulus muss man immer
aufpassen, dass man sie nicht überliest, da packt er alles rein in seiner
ganzen Liebe zu den Menschen, in seinem Gebet. Er will, dass wir stark
werden durch den Geist Gottes, am inwendigen Menschen, dass Christus durch
den Glauben in euren Herzen wohne, und ihr in der Liebe eingewurzelt und
gegründet seid. So könnt ihr mit allen Heiligen begreifen, welches ist die
Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe, auch die Liebe Christi
erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet mit der
ganzen Gottesfülle. Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles
hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt,
dem sei Ehre in der Gemeinde und Christus Jesus zu aller Zeit von Ewigkeit
zu Ewigkeit. Amen.
In unserem lieblichen Stuttgart, da vollzieht sich ja in jedem Stadtteil
immer wieder eine interessante Prozedur. Unsere schönen Straßen, sauberen
Straßen mit den schönen Gärten werden über Nacht chaotisch umgewandelt. Sie
wissen das ja immer, wie das geht, wenn Sperrgut ausgeschrieben ist. Und
dann laufen alle durch Speicher und durch Keller, und dann wird das
Gerümpel zusammengetragen, wir Schwaben haben dafür ein gutes Wort, die
sagen nicht Sperrmüll, wir sagen Gruscht, alles wird ausgetragen, was man
nicht mehr braucht, und was man wegwerfen kann, und dann sieht man diese
trostlosen Haufen vor den Wohnungen und Häusern, ein paar stehen noch
herum, und probieren, ob man noch etwas mit dem alten Zeug anfangen kann,
es ist meist nicht mehr viel wert. Es ist weggeworfenes Zeug. Manchmal habe
ich den Eindruck, dass wir mit Jesus so umgehen. Wie, wenn es ein unnützes
Möbel wäre. Man kann ja immer wieder Diskussionen über den Glauben führen.
Und das ist gut, da merkt man erst, wo der andere steht, und dann kann man
seine Überzeugung auch gut darlegen, diskutieren Sie nur viel. Ich höre oft
die Frage, die mir andere stellen, und merkwürdigerweise auch Leute, die im
Gottesdienst aus- und eingehen, die dann plötzlich fragen: Braucht man
eigentlich Jesus? braucht man Jesus? Wie, wenn das unnützer Gruscht wäre.
Und dann sagen sie, es gibt doch auch viele gottlose Leute, die leben doch
auch ganz gut. Und das sind edle, hilfsbereite Persönlichkeiten. Da kann
man sich sogar an denen oft noch ein Vorbild nehmen. Braucht man wirklich
Jesus? Ich kann die Frage bloß ganz einfach beantworten. Jeder von uns
steht vor seinem ewigen Richter. Jeder von uns. Ich stehe vor meinem ewigen
Richter, und dann sehe ich all meine Versäumnisse, all meine Schuld, so
vieles, was ich falsch gemacht habe im Leben, so viel, was ich versäumt
habe, wo ich Dinge getan habe, die doch so unnütz und wertlos waren, und
dass ich das Wichtigste versäumt habe, und da bin ich froh, dass ich zu
Jesus kommen darf. Ich wüsste nicht, wie, und wie ich noch weiterleben
soll. Wie ich mein Leben überhaupt meistern könnte, wenn das nicht wahr
wäre, dass Jesus zu denen kommt, die zerbrochenen Herzens sind. Es ist doch
überraschend, dass Jesus mit selbstsicheren Leuten gar nicht viel
gestritten hat. Mit stolzen, und selbstsicheren Leuten. Jesus kam zu den
Kranken, zu den Verlorenen, zu denen, die nicht mehr fertig wurden mit dem
Leben, und ich darf das ihnen heute verkündigen. Ich möchte mit keinem
selbstsicheren Menschen streiten. Sie müssen selber mit ihrem ewigen
Richter klarkommen. Aber ich darf ihnen heute das verkünden, dass Jesus vor
der Türe steht und klopft ganz zart an. Und wenn sie wollen, dann wird er
auch bei ihnen einkehren und Wohnung machen. Das war unsere Botschaft am
Himmelfahrtstag. Dass nicht Jesus irgendwo fern ist, sondern das er heute
zu mir kommen will. Du kannst alles allerorten nun erfüllen und nahe sein.
So hieß es im Himmelfahrtslied, das wir da gesungen haben. Meines armen
Herzens Pforten stelle ich offen. Kehre ein, jetzt komm doch Herr Jesus, in
mein Leben hinein. Und wohne du in mir. Wer das einmal entdeckt hat, für
den gibt es nichts Größeres mehr, er kann sein ganzes Leben lang nur von
dem Wunder erzählen, und reden, dass Jesus bei mir einkehrt, und mein Leben
mit seiner großen Macht und Fülle bedeutsam und wichtig macht. Ich möchte
heute darüber predigen, wie das geschieht, dass Christus in uns Wohnung
macht.
Es geschieht durch ein freies, unbegreifliches Schenken
Erster Punkt: Das geschieht durch ein ganz freies, unbegreifliches
Schenken.
Durch ein freies, unbegreifliches Schenken. Wir alle haben ja immer die
Meinungen, so ist das auch, wenn wir darüber reden, und jetzt ein wenig uns
austauschen könnten, hin und her, dass Leute sagen, ich hoffe einmal in
meinem Leben dorthin zu gelangen, wo Christus mir ganz nahe kommt. Und sie
wagen es kaum auszusprechen, dass Christus in sie hinein kommt, in ihnen
Wohnung macht, das ist ja viel zu hoch. Ich bin schon froh, wenn ich vor
ihm leben darf. Und wenn ich vor ihm bestehen kann. Das ist diese typisch
menschliche Bescheidenheit, die sich ziert, und die sagt, ich möchte mich
mühen, ich möchte mich anstrengen, ich möchte mein Leben zuerst reinigen,
und ich möchte mich zuerst verbessern, und wenn ich dann einmal Stufen
erreicht habe, dann vielleicht, darf ich hoffen, dass Gott mir gnädig ist.
Nein. Es geschieht ganz anders. So nicht. Ich werde nie durch meine
Frömmigkeit je dorthin kommen, wo ich Gottes Angesicht schauen darf. Nie
werde ich das erreichen, und wenn ich noch so heilig lebe, und wenn ich
mich im Kloster zurückziehe, und die Welt vergesse. Und wenn ich Tage und
Nächte nur noch im Fasten und Beten zubringe, ich werde nie so sein, dass
ich mich selber in die Nähe Gottes hocharbeiten kann. Wie geschieht denn
das Wunder, das Christus in uns Wohnung macht? Durch ein freies Schenken
Gottes. Durch ein Gratis-Geschenk. Paulus betet: himmlischer Vater, wirke
du das, wohne du im Herzen und im Leben der Christen der Gemeinde von
Ephesus. So darf ich bitten: Herr, jetzt, mach doch du das Wunder heute!
Ich bin nochmal an meinem Schreibtisch niedergekniet und habe gebetet,
heute Morgen, bevor ich los gestartet bin, und sage: Herr Jesus, lass es
doch heute geschehen, dass ein paar Menschen, dich jetzt aufnehmen, und
sagen, Herr, ich möchte dich haben. Warum spricht denn Paulus dies so
feierlich, ich beuge meine Knie? Er könnte ja sagen: ich bete. Warum betet
er kniend, warum sagt er dann noch so feierlich und geschraubt: ich beuge
meine Knie? Das ist ganz einfach. Da verfliegt jeder Stolz. Das macht uns
ganz demütig und ganz bescheiden. Wir Christen brauchen manchmal ganz
lange, bis wir begreifen, so geschieht das große Wunder, dass Jesus zu
Menschen kommt. Dass wir auf die Knie gehen, und dann sind wir stolzen
Leute so auf dem Boden, und sagen, ach, Herr, wer bin ich denn? Wer bin ich
denn? Vor dir? Ich kann das nicht machen und nicht bewirken, und nicht
fordern, und nicht erreichen, aber ich darf nur darum beten, so dürfen das
Eltern für ihre Kinder und so dürfen wir das für Freunde und Bekannte, so
darf man sogar für seinen Ehegatten beten, so darf man für liebe Menschen
beten, so darf man beten für unsere Stadt und für unser Land, dieser
Priesterdienst ist uns aufgetragen, beten: Herr, schaff du das doch, dass
Menschen erfüllt werden mit deiner Gegenwart! Es gibt heute so viel Kirche
und Kirchlichkeit, und man überlegt sich immer, wie man diese erstarrte
Kirche wieder beleben kann, da gibt es viele Reformversuche. Wie kann man
denn neues Leben in den alten Kirchen wieder machen? Da wird viel überlegt.
Ich will jetzt gar nicht aufzählen, was man alles probiert in unseren
Tagen. Und da wieder Leben rein zu kriegen. Aber eins vergessen wir immer
wieder: Kniende braucht man, kniende Beter. Die vor Gott beten. Ich bin
froh für jeden, der beten kann. Und ohne das gibt es kein neues Leben. Dass
sie zum Glauben gekommen sind, wenn sie diesen Schritt vollzogen haben, und
das erfahren haben, dass Jesus zu ihnen gekommen ist, und ihr Herr geworden
ist, dann ist das immer nur auf das Gebet zurückzuführen, weil nur durch
ein freies Schenken Gottes kann das passieren, das ist sein souveränes
Wirken, das kann man nicht durch Förmlichkeit abtrotzen, und sich nicht
erkämpfen, und sich nicht erarbeiten, wir müssen beten, viel viel mehr
beten. Dass Christus wohne durch Glauben und Liebe in unseren Herzen. Ich
muss Ihnen noch etwas erzählen von der Gemeinde in Ephesus. Wir wissen ja
sehr viel von der Gemeinde von Ephesus. Sie ist ja ausgegraben worden,
diese großartige Stadt, mit ihren wunderschönen Celsus-Bibliothek, mit
ihrem Stadion, mit der schönen Prachtstraße, eine tolle Stadt war das. Als
Paulus dorthin kam und dort gepredigt hat, hat sich etwas Komisches
vollzogen. Es ist extra aufgeschrieben Apostelgeschichte 19, der Paulus hat
evangelisiert, und von Jesus erzählt, und die Leute waren so hingerissen.
Und begeistert, aber statt, dass sie sich bekehrt haben, haben die etwas
ganz anderes gemacht. Da haben die sich hingeschlichen ins Gedränge und
haben dem Paulus das Taschentuch aus der Hose gezogen. Und dann sind sie
gerannt um ihr Leben mit diesem Taschentuch und haben das auf die Köpfe der
Kranken gelegt, und die wurden gesund. Da war das doch eine komische
magische Sache. Aber wissen Sie, so ist es manchmal, wenn Menschen aus dem
Heidentum kommen, dass sie die Botschaft gar nicht vernehmen. Wir haben ja
auch immer wieder so verrückte Vorstellungen, dass wir, wenn wir zu Gott
kommen, da meinen wir, dann müsste Gott das irgendwie durch einen
Knalleffekt machen, und da müsste er uns ein Wunderzeichen geben, und da
müsste er dieses oder jenes tun, so war es damals in Ephesus auch.
Wunderbar, dass Gott diesen suchenden Menschen entgegen ging und sogar
durch diese Textilien Heilungswunder vollbrachte. Aber es wäre ja töricht,
wenn wir jetzt an solche Textilien glauben. Das kann ja nicht evangelisch-
biblischer Glaube sein, das darf von Heilungskräften ausgehen. Hier im
Epheserbrief schreibt Paulus nichts mehr von Taschentüchlein, und er
schreibt nichts mehr von Wunderheilungen. Er schreibt bloß noch: es ist mir
so wichtig, das ihr alle Jesus aufnehmt. Die Kranken und die Gesunden, und
die Jungen, und die Alten, dass Christus wohne in euren Herzen. Ich beuge
meine Knie, ich bete vor dem Vater, der der Rechte und der richtige Vater
ist über alles, was Kinder heißt. Ich bete. Warum erwähnt er denn das
Vateramt Gottes? Das muss sich auch noch erklären. Das wissen sie gar
nicht, wie lieb die Väter sind. Müsste ich ihnen erst erzählen, dass sie es
gar nicht sehen, und die Großväter sind erst lieb mit ihren Enkeln, das
ahnen sie gar nicht. Wir Väter und Großväter sind also, naja, jetzt reden
wir nicht drüber. Aber hier wird gesagt, Gott ist der allerbeste Vater, er
ist das Urbild von allem, was Vater ist. Er ist die Güte aller Väter dieser
Welt zusammengenommen. Die unter ihnen, die einen schlechten Vater gehabt
haben, vergessen das mal, es gibt erstaunlich liebe Väter. Aber Gott ist
erst der Vater. Wir sind leider am göttlichen Urbild immer wieder die
Versager. Und jetzt sagt Paulus: weil er der Vater ist, der so gerne gibt.
Ein Vater hat doch ein Herz, wenn er abends vom Geschäft heim kommt, und
sein Sprössling rennt ihm entgegen und ruft: Papa! Da lacht doch das Herz!
Wenn sie zum himmlischen Vater rufen, wissen sie das, dass Gott erfreut
ist, wenn sie kommen. Er will doch Sie beschenken, noch viel, viel, mehr,
als alle irdischen Väter. Darum hat das Beten einen Sinn, wenn die Christen
anfangen würden, beten, dann würde Erweckung geschehen, und nicht nur
Kirchenreform, und Erneuerung im Äußeren, sondern wird das geschehen, das
Christus in den Herzen von Menschen wohnt. Und Menschen erfüllt würden mit
aller Gottesfülle. Das wäre wunderbar, wenn Jesus in unserem Leben das
Sagen hat, und als der Chef uns bestimmt und regierte, unsere Gedanken
erfüllt, unsere Taten erfüllt, darum geht es doch. Dass Christus wohne in
unseren Herzen. Das war also mein erster Punkt. Das geschieht durch ein
freies, unverdientes Schenken. Man kann das nur im Gebet erbitten. Man kann
es sich nicht erkämpfen.
Es geschieht still und verborgen
Jetzt das zweite: es geschieht still, verborgen.
Es geschieht still, verborgen. Wir leben heute in einer lauten Zeit. Das
wird bestimmt durch die Medien, man sieht Fernsehen, man hört Nachrichten,
man liest die Zeitung, man redet über die aufregenden Tagesereignisse. Und
wenn man da in dieser Zeit noch die Dinge des Reiches Gottes unterbringen
will, da muss man schon Sensationen daraus machen. Ich habe ein wenig
Sorge, dass wir auch immer wieder so einen Gemeindetag unter dem Wort als
eine kleine Sensation empfinden, und wenn der keine Schlagzeilen macht,
dann geht er in den aufregenden Tagesereignissen unter. Das wäre doch
schlimm, wäre doch ganz unwichtig. Ist das so wichtig, ob die Welt von uns
Notiz nimmt? Muss man den Schlagzeilen machen? Wir beobachten heute, dass
das oft eine Rolle spielt, und viele Leute heute auch sagen, ach, das ist
wichtig, wir müssen heute auch am Ende des 20. Jahrhunderts eine moderne
Kirche schaffen, mit großer Ausstrahlung, mit großem Leben. Ich habe sehr
große Angst, wenn Christen heute ungenierter von Mega und Superpower reden.
Und sagen, wir leben das, wir sind so. Von Megapower, Superpower. Hat das
Jesus auch gemacht? Als in Ephesus die Gemeinde entstanden ist, da gab es
ein Stadtgespräch, und da gab es eine Demo der Gegner der Gemeinde, der
antichristlichen Gegner, die haben zehntausende auf die Füße gebracht, da
gab es Wirbel, das waren die Feinde, aber das wachsende Gemeinde in Ephesus
vollzog sich dann in aller Stille. Wir brauchen die Welt nicht zu fürchten,
wenn wir zur Verantwortung gezogen werden. Aber wir sollten sehr aufpassen,
dass wir nicht meinen, wir müssten die Dinge des Reiches Gottes immer so
darstellen, dass sie in den aufregenden Tagesereignissen der Welt noch
mitmischen können. Denn merkwürdigerweise hat Gott seine großen Dinge auch
in der Geschichte der Christen immer verborgen gemacht. Leise, unbemerkt,
selbst seine großen Erweckungen, die waren oft gar nicht erkannt worden.
Wenn ich heute zurückdenke, manche von ihnen, die kennen noch die letzten
zwanzig Jahre, waren die schweren Jahre der Studentendemonstrationen, wo
auch in der Kirche so viel Aufruhr war, gegen die Gläubigen, waren das
nicht freundliche Tage der Sammlung, der geistlichen Vollmacht? Als uns die
Zeitungen feindlich gesonnen waren und über uns lästerten, waren das nicht
Zeiten, wo Gott Großes getan hat? Wo wir in Wort und im Geist gewachsen
sind, hier steht ja auch etwas vom Wachsen. Und Paulus meint doch nicht mit
Wachsen und sagt, jede Woche muss die Zahl der Gemeindeglieder sich
multiplizieren, und da brauchen wir große Statistiken, und dann muss man es
nachlesen können, Gemeindewachstum. Ihm ist es wichtig, dass wir wachsen am
inneren Menschen. Davon höre ich heute so wenig, dass wir wachsen, stark
werden durch seinen Geist am inwendigen Menschen. Was ist der inwendige
Mensch? Das spricht Paulus auch im zweiten Korinther vier, da spricht er
davon, dass der äußere Mensch mit zunehmendem Alter unter den Leiden der
Krankheit verdirbt. Der alte, äußere Mensch stirbt. Aber er sagt: je mehr
der äußere Mensch zerbricht, wird der Innere von Tag zu Tag erneuert. Und
der wächst und der leuchtet und der strahlt, was ist denn jetzt der innere
Mensch? Das ist unser Glaubensleben. Das ist Jesus in uns. Das ist, das ich
im Glauben fest bleiben darf. Dass ich bis in meine Todesstunde hinein
sprechen kann: Herr Jesu, dir lebe ich, dir leide ich, dir sterbe ich, das
neue Leben in mir. Das Zentrum, aus dem Liebe und Gerechtigkeit,
Freundlichkeit und Güte gewirkt wird, es ist ein Wunder Jesu, meine
Neugeburt in mir. Die soll wachsen. Auf dieses Wachsen kommt es an. Jetzt
bitte keine spektakulären Wachstumsbewegungen. Es ist gar nicht wichtig,
wir freuen uns, wenn wir wachsen, aber die Zahlen sind doch nicht wichtig,
sondern dass wir am inneren Menschen zu nehmen, dass meine Glaubensnähe zu
Jesus zunimmt. Der innere Mensch, der hat auch Hunger, ja der hat auch
Hunger nach dem Wort Gottes. Da können sie prüfen, wie ihr innerer Mensch
aussieht, wenn sie sagen, das lässt mich alles kalt, dann ist ihr innerer
Mensch abgestorben, wenn sie Freude am Wort Gottes haben, an Jesus haben.
Ob sie das Gute lieben, das Schöne, oder ob sie am Schmutzigen, am
Dreckigen Freude haben, prüfen sie mal ihren inneren Menschen. Ob Christus
da angefangen hat, das neue Lebens schaffen, da, wo Christus bei uns
Wohnung macht, da wächst dieser neue Mensch. Und lass den neuen Menschen
wachsen. Ja, wie wächst der? Durch den Geist. Wie ist das? Oh, bei Geist
Gottes denken viele immer an ein magisch-mechanisches Geben. Es wäre so
schön, man könnte einfach das portionsweise so kriegen, und sagen, jetzt
habe ich den Geist. Ich habe viele Christen getroffen, sie sagen so, ich
habe den Geist, und jetzt sündige ich nicht mehr, leider ist das nicht so
statisch. Es ist immer wieder so, dass der Geist, was macht der denn? So
sagt es die Schrift, er öffnet uns den Blick auf Jesus. Und ich wachse
innerlich, indem ich immer mehr Christus entdecke, immer mehr von ihm rede,
immer mehr Freude an Jesus habe. Nicht, dass sie meinen, das sei irgendwie
anders. Das soll im Christenleben immer zunehmen. Mit fortschreitendem
Wachsen von der Stunde unserer Bekehrung an, die Freude an Jesus. Und dann
habe ich immer mehr von ihm begriffen, und bin immer mehr bei ihm daran,
dass der neue Mensch, der von Jesus redet, und auf ihn traut. Corrie ten
Boom erzählt in ihrem Büchlein "Jesus ist Sieger", übrigens ein
wunderschönes Büchlein, man sollte immer wieder auch alte Büchlein zur Hand
nehmen, und darin lesen, als sie in Afrika war, sie war damals krank, und
hat sich überlegt, wie sie ihren Dienst einschränkt, der Arzt hat gewollt,
sie soll weniger tun, und sie hat dann überlegt, wie sie wieder zurück geht
nach Europa, und da kommt zu ihr nach Kampala in Uganda eine ruandischer
Christ. Und sagt: Corrie, du hast mir sehr geholfen. Warum denn? Ich habe
das nie so klar gehört, sagt dieser ruandische Pfarrer, wie bei dir. Du
hast in deinem Versammlungen so klar erzählt. Im KZ war es nicht mein
Glaube, nicht mein Charakter, nicht mein Mut, nicht mein Eifer, der
durchgehalten hat. Du hast uns offen erzählt, wie du oft am Ende warst mit
deiner Gläubigkeit. Wer hat dich durchgetragen durchs KZ? Jesus. Und er
sagte: ich habe das nicht vergessen, ich habe das vielen in Ruanda erzählt,
und kurz darauf bin ich selber für zwei Jahre ins Gefängnis gewandert in
den großen Unruhen damals zwischen den Hutu und Tutsi. In Ruanda, als viele
umkamen. Und viele meiner Gemeinde waren im Gefängnis, und haben die
gleiche Erfahrung gemacht. Ich habe gar keinen festen Glauben. Ich bin
angefochten und zittere, dass sie das nur wissen, das ist bei ihnen auch
so. Dass sie nie meinen, wir hätten den Power-Glauben, den haben wir nicht.
Und wer große Sprüche macht, der sehe zu, das er nicht falle. Aber wir
haben Jesus, auf den blicken wir, der hält mich, der hält mich in der
Anfechtung, der hält mich in der Schwachheit. Hat so viel an mich gewandt,
um mich wieder loszulassen. Mein Erbarmer lässt mich nicht, das ist meine
Zuversicht. Ich will wachsen, im Blick auf Jesus hin. In der Abhängigkeit
von ihm. Das ist ganz, das mein Leben ein Zelt werden darf für Jesus. Ich
bin doch gar kein Musterchrist. Mit allen Fehlern und Mängeln, aber er will
bei mir wohnen. So sagt es hier Paulus, dass Sie es wissen, ich will hier
nur den Text auslegen, stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen
Menschen. Dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, war der
Paulus denn stark? Wie power-voll war er denn? Wenn sie einmal das lesen im
Vers 13 direkt vor unserem Abschnitt, ihr dürft nicht müde werden wegen der
Bedrängnisse, die ich für euch erleide, tiefer euch eine ihrer sind. Paulus
war gebunden, und das hat viele immer wieder gestört, die sagen, wenn der
Paulus mit Ketten gebunden da liegt, dann ist der doch kein richtiger
Christ. Der müsste doch ganz anders leuchten und strahlen, Nein. Paulus war
das keine Schande. Dass Christen auch tief ins Leiden geführt werden, aber
der Blick auf Jesus wächst, darin werden wir stark immer mehr, nur auf
Jesus blicken, er ist der Anfänger und Vollender meines Glaubens.
Noch das letzte: Denkt auch viel.
Denkt auch viel. Ja, mit dem Denken, da stehen ja manche gerade im Glauben
auf Kriegsfuß. Je mehr wir denken, umso mehr Probleme kommen. Haben Sie
auch so etwas erlebt, dass Leute sagen, je mehr ich über den Glauben
nachdenke, umso mehr Zweifel kommen bei mir auf? Komisch, was ist denn das
mit dem Denken? Soll man nicht mitdenken? Sagen: du musst deinen Verstand
ausschalten beim Glauben. Aber, der Verstand ist doch auch eine Gabe
Gottes. Und, wer ein bisschen was mitgekriegt hat, der hat das ja ganz gern
auch zur Anwendung gebracht. Es ist nur merkwürdig mit dem Denken. Wir
denken viel. Und beten wenig. Beim Denken. Ich habe viele theologische
Vorlesungen in meinem Leben besucht. Ich habe es nie erlebt, dass ein
Professor, bevor er das Wort genommen hat, öffentlich gebetet hätte. Dabei
wäre das doch eigentlich ganz natürlich, wenn er sagt, wenn ich jetzt über
das Geheimnis Gottes rede, wollen wir alle still werden und Gott bitten,
dass er unsere Gedanken in seine Zucht nimmt. Genauso machen wir es im
Kleinen. Wir denken und grübeln über Gott, wir grübeln über die Sorgen, und
beten nicht dabei. Ich habe den Eindruck, Sie beten wegen jeder
Kleinigkeit, das dürfen Sie, wegen jedem verlorenen Schlüsselbund, und
wegen jedem kleinen Wehwehchen. Wir dürfen wir beten. Warum beten wir
eigentlich beim Denken so wenig? Da wäre es doch am Wichtigsten! Denn das
Denken ist eine große Gabe, aber das Denken muss unter dem Gehorsam Christi
stehen. Und jetzt ist es wichtig: Paulus war das Denken wichtig. Aber er
betete. Dass ihr mit eurer Gedankenfülle die Größe Gottes erfassen könnte.
Das kann man, wenn man darum bittet. Dass ihr begreifen mögt die Länge, die
Breite, die Höhe, die Tiefe. Ja was heißt das? Durch die Geschichte
hindurch, wie Gott wunderbar handelt. Wenn man das einmal verfolgt, wie
Gott in Martyrium der ersten Christen gehandelt hat. Wie Gott bei Johannes
Brenz wirksam war, wie er im Leben der Krankheit von Ludwig Hofacker
gewirkt hat. Wie das im letzten Jahrhundert war in Stuttgart, als der CVJM
entstand, und die Sonntagsschule, was Gott getan hat zur Zeit unserer Väter
und Mütter! Wenn ich einmal daran denke, die Länge Gottes, wie er wirkt, da
werde ich im Staunen ganz begeistert von Gott, was hat Gott schon Großes
gemacht in unserer Weltgeschichte, in der Mission, wie hat er schwachen
Menschen begabt. Da finden sie Mut. Wenn Sie dann die Breite des Wirkens
Gottes sehen, wie er durch viele Konfessionen und Gruppen hindurch gewirkt
hat, und durch ganz verschiedene Charakter gearbeitet hat, die Höhe Gottes,
wie das dann weiter geht, als ich mit meinem Verstand nachvollziehen kann,
wie das in Tiefen hinunter reicht, wie Gott Menschen herausgeholt hat aus
dem Sumpf dieser Welt und neu gemacht hat, ich kann die Größe Gottes in
seinem Handeln gar nicht ermessen, die Breite, Höhe, Länge, Tiefe, die ist
so wunderbar. Wir sollten unseren Verstand richtig einsetzen, unser Gebet,
das wie die Größe des Handelns Gottes in unserem Leben richtig entdecken,
wie wunderbar Gott doch an mir gehandelt hat, und ihr sollt begreifen, und
erkennen, die Liebe Christi. Ach, die Liebe, die ist doch bei uns oft so
ein billiges Wort. Haben Sie die Liebe Christi einmal begriffen? Nicht
bloß, dass die Blumen heute blühen. Ein ganz einfaches Beispiel. Wenn mich
jemand geärgert, und mir böses, Lügnerisches sagt, dann kann ich den nicht
mehr riechen. Ich kann ihn nicht lieben. Solange das im Raum steht, steht
das zwischen uns. Da ist etwas Böses geschehen. So ist unsere Liebe. Aber
wie ist die Liebe Jesu? Wenn da etwas zwischen uns und ihnen steht, Sünde,
dann liebt er uns um der Sünde willen. Haben Sie das schon einmal gedacht.
Um unserer Ungerechtigkeit willen liebt er uns. Wie groß ist die Liebe
Jesu, er hat uns nicht abgeschrieben, er geht uns nach, und liebt uns. Wenn
Sie wissen wollen, wie groß die Liebe Jesu ist, da werden Sie ein Leben
lang nicht mehr fertig, die zu ergründen und zu begreifen. Da müssen sie
drüber nachdenken, und dann merken sie erst, ich möchte viel, viel, mehr
nehmen, mich einhüllen lassen von dieser Liebe. Ich habe heute gedacht, wie
ist das jetzt für die Kranken, die das hören, für die Mutlosen, für die
Schwermütigen? Jesus möchte in eurem kranken Leib Wohnung machen. Mit
seiner Liebe sucht er euch. Er möchte, dass ihr wachst, in der Erkenntnis
Jesu immer mehr zunimmt, man kann dann bloß eigentlich anstimmen: ich bete
an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart, ich staune, dass er
der Urheber und der Vollender meines Lebens ist. Amen.
