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Anforderungen an einen Ältesten

19.01.2025

Einführung: Die Bedeutung der Liebe Jesu und der Gemeindeleitung

Ich wünsche euch einen schönen guten Morgen. Schön, dass ihr alle da seid. Zu Beginn möchte ich euch eine kurze Geschichte erzählen. Ich weiß nicht, ob sie wahr ist, aber sie geht so: Eine Filmschauspielerin besuchte ein Dorf, in dem Aussätzige lebten. Dort sah sie eine Schwester, die gerade Verbandszeug austauschte und wusch. Mit einem Grausen wandte sie sich ab und sagte: „Boah, das könnte ich nicht mal für eine Million machen.“

Darauf antwortete die Schwester, die die Wundversorgung machte: „Also ich würde es auch nicht für eine Million machen. Aber was ist denn eine Million Dollar im Vergleich zur Liebe von Jesus?“ Diese Geschichte finde ich sehr eindrücklich, weil der Schwester bewusst war, welchen Wert die Liebe von Jesus hat.

Vielleicht haben du und ich das in der vergangenen Woche auch mal vergessen – im ganzen Alltagsstress und mit den vielen Terminen. Schön, dass du heute hier bist, um dich bewusst wieder der Liebe von Jesus zuzuwenden, sein Wort zu hören und dir klarzumachen, wie wertvoll diese Liebe ist.

Jesus hat für seine Gemeinde auch Leiter eingesetzt, die die wertvolle Schar leiten dürfen. Dazu werden wir heute von Markus Mattes etwas hören. Das ist vielleicht ganz praktisch, wenn ein Gast predigt. Schön, dass du da bist, Markus!

Der Ablauf wird heute so sein: Wir haben eine weitere Besonderheit, nämlich die Segnung vom kleinen Emil Ebiger, die wir im zweiten Teil machen werden. Zuerst werde ich beten, danach singen wir ein Lied. Anschließend dürfen die Kinder zum Kinderlied nach vorne kommen. Danach startet Markus mit der Predigt. Im zweiten Teil folgt dann die Segnung.

Genau, ihr dürft jetzt aufstehen, und dann beten wir zusammen.

Herr Jesus, wir dürfen heute Morgen zu dir kommen. Danke, dass du uns alle hierher gebracht hast und dass wir dein Wort hören dürfen. Danke, dass wir zusammenkommen dürfen und uns wieder neu bewusst werden, wie wertvoll und kostbar deine Liebe ist. Du siehst, wie wir jetzt aus dem Alltag kommen, aus der vergangenen Woche, mit allem, was jeder mitbringt. Bitte, Herr, mach uns offen für dein Wort. Segne diesen Gottesdienst und lass ihn zu deiner Ehre sein, damit dein Name gelobt wird. Amen.

Jetzt singen wir zusammen ein Lied. Danach dürfen die Kinder gleich nach vorne kommen und wir singen das Kinderlied. Genau, lasst uns sportlich sein und aufstehen zum ersten Lied: „Komm und lobe den, meine Seele, sing. Bitte den König, sing!“

Verbindung zur Gemeinde und Einführung in das Thema Gemeindeleitung

Ja, einen wunderschönen guten Morgen und herzliche Grüße darf ich euch aus unserer Gemeinde in Schwabach mitbringen. Dort gibt es ja die ein oder andere verwandtschaftliche Beziehung. Natürlich sind wir auch im Herrn verbunden. Heute sind wir auf besondere Art und Weise verbunden, weil ihr euch denselben Brief anschaut wie wir, nämlich einen Teil aus dem Titusbrief.

Wie ihr vorhin schon gesehen habt, möchten wir uns heute die Frage stellen: Wie sieht so ein Ältester, ein Leiter der Gemeinde Gottes aus? Wie stellst du dir so einen Leiter vor? Welche Anforderungen muss er erfüllen? Was erwartest du von ihm? Welche Fähigkeiten muss er haben? Muss er bestimmte Talente oder Gaben mitbringen? Woran erkennen wir einen guten Leiter? Was zeichnet einen Vorsteher, einen Ältesten der Gemeinde Gottes aus?

Können wir es uns vielleicht einfach machen und uns seine berufliche Laufbahn ansehen? Wenn er ein leitender Angestellter ist, vielleicht sogar Geschäftsführer, dann muss er doch auch gut für die Gemeindeleitung sein, oder? Wir schauen uns in der Gemeinde um und sehen: Der hat eine leitende Verantwortung in seiner Firma, ist Teamleiter, Abteilungsleiter oder sogar Leiter einer ganzen Firma. Dann muss er doch auch gut leiten können in der Gemeinde, oder?

Oder ist das vielleicht gar nicht so entscheidend? Vielleicht ist es viel wichtiger, welche Fähigkeiten er hat und welche Ausbildung er genossen hat. Ist es in erster Linie wichtig, dass er gut organisieren kann? Damit die ganzen Gemeindeveranstaltungen nicht im Chaos enden, sondern gut durchgetaktet und durchgeplant sind. Ein Organisationstalent, das alles im Blick hat und genau weiß, wer welche Gaben hat. Am besten vielleicht noch jemand, der so etwas wie Eventmanagement studiert hat. Der muss doch super eine Gemeinde führen können, oder?

Vielleicht ist es jemand, der andere motivieren kann. Oder ist es wichtiger, weil es ja auch immer so ein bisschen ein heißes Eisen ist, dass er gut mit Finanzen umgehen kann? Vielleicht hat er auch eine Ausbildung in diesem Bereich genossen, sodass man weiß, dass das Geld der Gemeinde in guten Händen ist. Ist das eine Bedingung?

Oder ist es für dich wichtig, dass es jemand ist, der frischen Wind in die Gemeinde bringt? Er braucht gute Ideen, die er dann durchsetzt und die die Gemeinde voranbringen. Frischer Wind in der Gemeinde – ist das eine Bedingung?

Oder denkst du, es wäre schon gut, wenn er eine theologische Ausbildung hat? Am besten ist es natürlich, wenn er die Bibel auch noch in den Originalsprachen lesen kann. Dass er fließend Hebräisch, Griechisch und Aramäisch lesen und direkt übersetzen kann.

Oder ist der beste Gemeindeleiter einfach der beste Redner, der beste Prediger der Gemeinde? Den setzen wir als Ältesten ein. Das muss doch dann funktionieren: Derjenige, der sich am besten ausdrücken kann, dem man am leichtesten folgen kann und am liebsten zuhört, der muss doch auch ein guter Leiter der Gemeinde sein.

Welche Anforderungen schwirren da so in deinem Kopf herum? Welche Anforderungen gelten für einen Mann, den wir in die Verantwortung der Gemeinde Gottes setzen? Und wenn wir keinen Mann finden, der diesen Anforderungen entspricht, was machen wir dann? Setzen wir die Messlatte einfach ein bisschen runter, drücken ein Auge zu und räumen so ein paar Hirten aus dem Weg, damit wir möglichst viele Männer der Gemeinde haben, die in die Auswahl kommen? Dann hätten wir viele Leute zur Auswahl, die dieses Amt antreten könnten.

Die biblische Grundlage: Titusbrief und die Anforderungen an Älteste

Und damit kommen wir, wie schon gesagt, zum Titusbrief. Ihr könnt gerne schon einmal das erste Kapitel aufschlagen. Titus wird von Paulus auf der schönen Insel Kreta zurückgelassen – nicht, um einen Strandurlaub zu genießen oder eine Auszeit zu nehmen. Seine Hauptaufgabe ist es, in jeder Gemeinde Leiter einzusetzen.

Paulus verlässt Titus und schreibt ihm kurze Zeit später einen Brief. Darin erinnert er ihn an diese Aufgabe und gibt ihm eine Reihe von Anforderungen mit, die einen Ältesten, einen Leiter, kennzeichnen sollen.

Dabei werden wir feststellen, dass die entscheidende Anforderung nicht sein Talent ist, nicht die Gaben, die er hat, nicht seine Fähigkeiten oder seine Ausbildung und auch nicht seine Redegewandtheit. Das Entscheidende ist vor allem sein Charakter.

Wir möchten gemeinsam Titus 1,5-9 lesen. Gleich vorneweg: Wir werden uns auf die Verse 7 bis 9 konzentrieren. Die ersten zwei Verse werde ich nur kurz überfliegen oder den Inhalt nennen, um den Kontext zu geben. Der Hauptfokus liegt auf dem zweiten Teil, den Versen 7 bis 9, die wir gemeinsam lesen möchten.

Da heißt es:
„Deswegen ließ ich dich in Kreta zurück, damit du das, was noch mangelte, in Ordnung bringst und in jeder Stadt Älteste anstellst, wie ich dir geboten hatte. Wenn jemand untadelig ist, der Mann einer Frau, der gläubige Kinder hat, die nicht eines ausschweifenden Lebens beschuldigt werden oder zügellos sind. Denn der Aufseher muss untadelig sein, als Gottes Verwalter, nicht eigenmächtig, nicht zornmütig, nicht dem Wein ergeben, nicht ein Schläger, nicht schändlicherm Gewinn nachgehend, sondern gastfrei, das Gute liebend, besonnen, gerecht, fromm, enthaltsam, anhängend dem zuverlässigen Wort nach der Lehre, damit er fähig sei, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen.“

Die vier Bereiche der Untadeligkeit bei Ältesten

Also, was sollte einen Ältesten, einen Aufseher, kennzeichnen? Paulus beginnt sowohl in Vers 6 als auch in Vers 7 – das habt ihr vielleicht gesehen – mit demselben Wort, nämlich mit dem Wort „untadelig“. Das ist wie eine Überschrift über die Anforderungen an einen Ältesten.

Er soll untadelig sein in vier Bereichen, die Paulus hier nennt. Wir werden vor allem – oder eigentlich nur – die zweiten zwei Bereiche anschauen.

Der erste Bereich ist, dass er untadelig sein soll in seiner sexuellen Reinheit, in seiner sexuellen Integrität. Paulus nutzt hier ein Wort, das man eigentlich übersetzen müsste mit: Er ist ein Mann einer einzigen Ehefrau. Also eine absolute Treue. Es geht nicht nur darum, dass er verheiratet sein muss, sondern um eine absolute Treue, eine einzigartige Treue und Hingabe des Ehemannes an die Ehefrau. Diese Treue ist sowohl innerlich als auch äußerlich.

Zweitens soll er untadelig sein in seiner familiären Führung.

Drittens, und das ist der erste Punkt, den wir uns heute anschauen möchten: Er soll untadelig sein in seinem allgemeinen Charakter.

Und viertens: untadelig in seiner Lehrfähigkeit.

Das sind die vier Punkte, die Paulus nennt. Wir schauen uns nur die zwei letzten Punkte an, nämlich dass er untadelig sein soll in seinem Charakter und untadelig in seiner Lehrfähigkeit.

Die Bedeutung der Charaktereigenschaften für alle Gläubigen

Bevor wir dazu kommen, möchtest du vielleicht denken: „Sehr gut, schönes Thema, ich kann mich entspannt zurücklehnen, weil ich kein Ältester bin, ich kann keiner werden und ich möchte auch keiner werden. Das ist nicht das, was Gott für mich vorgesehen hat.“ So kannst du dich entspannt zurücklehnen und die Ältesten beobachten, wie sie reagieren. Vielleicht entdeckst du hier und da einen Punkt, bei dem du den Kopf schüttelst und ihnen mitgeben möchtest: „Hey, da hast du etwas, woran du noch arbeiten musst.“

Dazu möchte ich vorwegnehmen: Nahezu jede Aufforderung, die hier genannt wird, findest du an anderen Stellen im Neuen Testament, wo sie auf jeden Gläubigen bezogen wird. Wenn wir also lesen, dass der Älteste besonnen sein soll, gastfreundlich und selbstbeherrscht sein muss, dann sind das Eigenschaften, die nicht nur speziell und ausschließlich für Älteste gelten. Nein, diese Eigenschaften sollte jeder Christ, jeder Gläubige, jeder wiedergeborene Mensch in seinem Leben anstreben und kultivieren. Das ist der Wunsch Gottes, der Charakter, den wir uns heute anschauen. Es ist ein Charakter, den Gott sich von jedem Gläubigen wünscht.

Der Unterschied besteht im Grunde genommen nur darin, dass ein Ältester, ein Pastor oder Aufseher – nenn es, wie du willst – in all dem untadelig sein muss. Untadelig in seinem Charakter und untadelig in seiner Lehrfähigkeit. Dieses „untadelig“ oder „unverklagbar“ beziehungsweise „unanklagbar“ meint keine vollkommene Perfektion und keine Sündlosigkeit, um das vornewegzunehmen.

Damit ist gemeint, dass gegen ihn keine berechtigte Anklage oder Vorwürfe in einem der nachfolgenden Punkte vorgebracht werden können, die wir uns gleich anschauen. Keine Anklage wegen falscher Lehre, keine Anklage wegen falschen Verhaltens darf gegen ihn aufrechterhalten werden.

Es bedeutet also nicht, dass er perfekt und sündlos ist. Wenn er aber eine Sünde begeht, dann sorgt er dafür, dass er sie schnell aus der Welt schafft. Er bekennt sie vor Gott, entschuldigt sich bei den Menschen, denen er Unrecht getan hat, und leistet, wenn möglich, Wiedergutmachung.

Ein Ältester muss ein Mann sein, der sowohl lehrmäßig als auch moralisch und charakterlich über jeden berechtigten Tadel erhaben ist. Nicht vollkommen sündlos, aber er darf durch seinen Charakter in keinem der nachfolgenden Punkte Anlass zum Tadel geben. Er muss untadelig sein in jedem der elf charakterlichen Merkmale, die Paulus in zwei Gruppen aufteilt.

Die ersten fünf Eigenschaften enthalten jeweils ein „nicht“ und beschreiben, wie er nicht sein sollte. Die folgenden sechs Eigenschaften beschreiben, was ihn kennzeichnen muss. Wir werden jede einzelne Eigenschaft kurz durchgehen und uns anschauen, was sie bedeutet und wie sie sich zeigen kann.

Die fünf Eigenschaften, die ein Ältester nicht haben sollte

Das Erste, was wir in Vers sieben finden, wenn wir in den Text schauen, ist, dass ein Ältester erstens nicht eigenmächtig sein soll. Das bedeutet, er darf nicht eigensinnig, eigenwillig, arrogant oder überheblich sein. Mit Hochmut und Stolz ist gemeint, dass jemand starrsinnig seinen eigenen Willen durchsetzt. Ein solcher Mann wäre völlig unpassend für dieses Amt.

Warum? Schaut man sich den Text kurz vorher an, heißt es dort, er muss ein untadeliger Verwalter Gottes sein. Was macht ein Verwalter? Er verwaltet etwas, das ihm nicht gehört. Er ist Verwalter über ein Haus, das nicht sein Besitz ist, sondern Gott gehört. Das ist Gottes Gemeinde, nicht die des Ältesten. Die Gemeinde ist keine Firma, und die Ältesten sind nicht die Spitze der Pyramide, von der aus sie die Gemeinde dirigieren und regieren. Als Ältester folgt er dem Beispiel Jesu, der sich selbst zu nichts macht. Das lesen wir in Philipper 2.

Ein eigenmächtiger Mann setzt immer seinen eigenen Willen durch. Das ist sein Ziel, und er nimmt keine Rücksicht darauf, wie andere davon betroffen sein könnten. Er ist stur, eigensinnig, weder kritik- noch belehrfähig. Er ist auf sich selbst und seinen eigenen Willen fixiert und tut alles, um ihn durchzusetzen. Vielleicht manipuliert er andere oder setzt Streit in Gang. Er beharrt verbissen auf seinem Recht, seiner Meinung und seinem Willen. Jeder, der nicht nach seiner Pfeife tanzt oder nicht seiner Meinung ist, bekommt es mit seiner Sturheit zu tun. Er ist beleidigt und bockig, wie ein kleines Kind, das trotzt, wenn sein Wille nicht durchgesetzt wird.

Diese negative Eigenschaft ist oft gepaart mit der zweiten Eigenschaft, die ein Ältester nicht haben sollte: Er sollte nicht zornmütig sein. In der Elberfelder Übersetzung heißt es „nicht jähzornig“ oder „nicht aufbrausend“. Gemeint ist ein Mann, der zur Neigung zum Zorn hat. Es geht nicht darum, dass jemand mal zornig wird, etwa auf seine Kinder. Sondern um jemanden, von dem man sagt: „Der hat eine kurze Zündschnur.“ Man muss aufpassen, denn er lässt sich leicht provozieren und geht schnell in die Luft. Er ist wie ein Luftballon, auf den man nur treten muss, und schon explodiert er. Wie ein Vulkan, vor dem man Angst hat, dass er jederzeit ausbricht. Da sollte man vielleicht einen Schritt zurückgehen.

Ein Ältester muss seine Emotionen unter Kontrolle haben. Er darf nicht impulsiv und unbesonnen reagieren, sondern muss in Ruhe und Geduld handeln. Er hütet sich davor, Groll oder Feindseligkeit gegenüber anderen in seinem Herzen zuzulassen – auch dann nicht, wenn er das Gefühl hat, in der Gemeinde läuft alles schief. Auch wenn es einzelne Gemeindemitglieder gibt, die trotzig, stur und unbelehrbar sind. Er ist fähig, Verantwortung an andere zu übergeben, auch wenn er weiß, dass sie es vielleicht nicht so gut machen, wie er es selbst tun würde. Er arbeitet mit anderen in Freundlichkeit, Geduld und Dankbarkeit zusammen, auch wenn sie unerfahren sind und Fehler machen.

Er ist ein Friedensstifter, kein Streitverursacher. Er eskaliert keine Konflikte, sondern löscht das Feuer, statt Öl ins Feuer zu gießen.

Drittens heißt es hier, er ist nicht dem Wein ergeben. Wörtlich steht dort, er ist nicht dem Wein nahe. Was bedeutet das? Natürlich ist nicht nur Wein gemeint, sondern jeglicher Konsum von Alkohol. Wie können wir das verstehen? Zum einen heißt das nicht, dass ein absolutes Alkoholverbot gilt. Das steht nicht da. Im nächsten Kapitel, Kapitel zwei, schreibt Paulus an die älteren Frauen, sie sollten nicht vielem Weingenuss ergeben sein – also auch kein absolutes Verbot.

Grundsätzlich ist hier jeglicher übermäßiger Alkoholkonsum gemeint, der das Urteilsvermögen trübt und die geistige Wachsamkeit gegenüber Sünde beeinträchtigt. Eine geistliche Leitung muss jederzeit einen klaren Kopf haben.

Zum anderen können wir keine klare Linie ziehen und sagen: Ab einer bestimmten Menge Alkohol ist es Sünde, darunter nicht. Paulus gibt uns in Römer 14 einige Prinzipien, wie wir damit umgehen können. Er zeigt, dass dieselbe Sache für den einen Christen eine Sünde sein kann, während der andere die Freiheit hat, sie zu tun, ohne zu sündigen. Wenn der eine sündigt, weil sein Gewissen ihn anklagt, kann der andere genau dasselbe tun, ohne zu sündigen, weil er die Freiheit dazu hat. Paulus erklärt das anhand von Beispielen: Essen von Fleisch, Halten von Feiertagen und am Ende auch das Trinken von Wein.

Seine Quintessenz ist, dass es besser wäre, wenn man kein Fleisch isst, keinen Wein trinkt und alles vermeidet, was den Bruder zu Fall bringen könnte. Er sagt nicht, dass all das schlecht ist und man nur Gemüse essen oder keine Feiertage halten soll. Aber er macht klar, dass nicht jeder dieselbe Freiheit hat. Man soll seine Freiheit mit Verstand und Weisheit ausleben, ohne den schwächeren Bruder zu Fall zu bringen.

Das gilt für jeden Gläubigen – und erst recht für den Leiter. Wenn ein Mann keinen untadeligen Umgang mit Alkohol hat, ist er nicht als Ältester geeignet. Wenn er jeden Abend Wein oder Bier zum Einschlafen braucht, mag das in unserer Gesellschaft vielleicht nicht als Alkoholismus gelten. Aber man kann dann nicht sagen, dass er nicht dem Wein nahe ist.

Viertens lesen wir in Vers sieben, ein Hirte darf kein Schläger oder gewalttätig sein. Das klingt vielleicht etwas seltsam und fehl am Platz. Warum muss Paulus darauf hinweisen, dass ein Leiter kein Hooligan ist, der ab und zu mal eine Schelle austeilt oder die Fäuste fliegen lässt?

Offensichtlich war es damals nicht unüblich, auch mal handgreiflich zu werden. In 2. Korinther 11 schreibt Paulus von falschen Lehrern in Korinth und sagt, die Gemeinde erträgt es, wenn jemand sie versklavt, ausnutzt, einfängt, verachtet und ins Gesicht schlägt. Es war anscheinend keine Seltenheit, Streitigkeiten auch mit Fäusten zu regeln.

Heute ist das vielleicht nicht mehr so üblich, aber unsere „Schläge“ sind oft subtiler und verbal. Der Charakter des Gewalttätigen ist derselbe, und der Schaden durch Worte ist oft viel größer. Wir können auch mit Worten gewalttätig sein. Jakobus sagt, die Zunge ist voll tödlichem Gift. Mit grausamen und harten Worten kann man einen Menschen tiefer und nachhaltiger verletzen als mit einer Schelle.

Ein Ältester darf nicht beleidigen oder verletzend sein. Das heißt nicht, dass er nicht korrigieren darf, wenn jemand sündigt. Natürlich ist es möglich, dass der andere dadurch in seinem Stolz verletzt wird. Aber ein Ältester darf nicht Teil von Gemeinheiten oder Beschimpfungen sein, nur um seine Position zu festigen. Er darf die Kanzel nicht als verbales Rachefeld gegen seine Gegner nutzen, egal wie hart er angegangen wurde.

Paulus schreibt an Timotheus: Ein Knecht des Herrn soll nicht streiten, sondern allen mild, lehrfähig und duldsam sein. Er soll in Sanftmut die Widersacher zurechtweisen.

Fünftens darf ein Ältester nicht schändlichem Gewinn nachgehen. Hier stellt sich die Frage: Warum ist die Art und Weise, wie ein Ältester mit Geld umgeht, entscheidend für seine Eignung als Hirte der Gemeinde? Warum ist das so wichtig, und was ist damit gemeint?

Schlagen wir ein paar Seiten weiter in 1. Timotheus 5,17 nach. Dort heißt es: Die Ältesten, die gut vorstehen, sollen doppelte Ehre genießen, besonders die, die im Wort und in der Lehre arbeiten. Denn die Schrift sagt: Du sollst dem Ochsen nicht das Maul verbinden, wenn er tritt, und der Arbeiter ist seines Lohnes wert.

Was hat der Lohn eines Arbeiters mit der Ehre für den Ältesten zu tun? Im Kontext, am Anfang von Kapitel 5, schreibt Paulus über die Witwen, dass sie unterstützt werden sollen – finanziell und materiell. Er macht klar, dass „Ehre“ hier nicht nur Anerkennung meint, sondern auch finanzielle Unterstützung.

Anschließend schreibt Paulus von den Ältesten, die ihre Aufgabe gut machen, besonders denen, die in Wort und Lehre tätig sind. Ihnen soll doppelte Ehre zuteilwerden. Der Zusammenhang macht deutlich, dass auch hier finanzielle und materielle Unterstützung gemeint ist.

Zum Vergleich lesen wir 1. Korinther 9, wo Paulus sagt, dass er eigentlich das Recht hätte, von der Gemeinde Unterstützung für seine Arbeit zu erhalten. Der einzige Grund, warum er es nicht tut, ist, dass andere Gemeinden das übernehmen.

Warum ist es so wichtig, dass ein Ältester sich nicht selbst bereichert? Paulus schreibt im ersten Timotheusbrief, dass falsche Lehrer genau diesen Punkt ausgenutzt haben. Sie haben die biblische Legitimität der finanziellen Unterstützung missbraucht. Ihr Denken war verdorben, sie sind von der Wahrheit abgekommen und benutzten die Gottesfurcht, um sich zu bereichern. Ihre Motivation war Geldgier.

Ein Ältester soll das Gegenteil sein. In 1. Petrus 5,2 heißt es: Hütet die Herde Gottes bei euch, nicht gezwungen, sondern freiwillig, nicht nach schändlichem Gewinn strebend, sondern mit Hingabe.

Das Wort „schändlicher Gewinn“ setzt sich aus „schmutzig“ oder „schändlich“ und „Gewinn“ zusammen. Es geht über Geldgier hinaus. Es meint jede Art von unrechtmäßigem, unehrlichem Gewinn. Die Neue-Evangelistische Übersetzung gibt als Alternative an, er dürfe kein unsauberes Gewerbe treiben.

Es geht also nicht nur um Gier, sondern auch um unrechtmäßigen Gewinn, wie zum Beispiel Schwarzarbeit. Das erwähne ich, weil ich manchmal den Eindruck habe, dass das in christlichen Kreisen eine beliebte Sünde ist, über die man hinwegschaut.

Wenn du regelmäßig dein Auto zum Nachbarn oder Bekannten bringst, der den Service für kleines Geld ohne Rechnung macht, ist das Schwarzarbeit. Wenn du zum Friseur gehst, der nur Barzahlung annimmt und sein Salon eher seine Privatwohnung ist, ist das wahrscheinlich Schwarzarbeit. Wenn du jemanden wochenlang bei dir zuhause hast, der Fenster tauscht, den Boden macht, Elektrik, Wasserleitungen und Heizung erneuert – alles ohne Rechnung und ohne Steuer- und Sozialabgaben – dann ist das wahrscheinlich Schwarzarbeit.

Wir sollten uns nicht einreden, das passe schon alles. Welches Bild wirfst du auf die Gemeinde, wenn du solche Dienstleistungen schwarz erledigen lässt, während andere ihre Steuern und Sozialabgaben zahlen und höhere Kosten tragen? Welches Bild wirft ein Gemeindeleiter auf die Gemeinde, wenn er selbst unrechtmäßigen Gewinn erzielt, indem er Schwarzarbeit tut oder andere schwarz für sich arbeiten lässt?

In keinem der fünf Punkte darf ein Ältester anklagbar sein. Keiner dieser Punkte darf sein Leben kennzeichnen.

Die sechs positiven Eigenschaften eines Ältesten

Und als wäre das schon nicht genug für uns, fährt Paulus fort und listet sechs Punkte auf, die einen Ältesten kennzeichnen sollen. Dabei nennt er als erste positive Eigenschaft, dass er gastfreundlich sein soll. Dieses Wort setzt sich zusammen aus Zuneigung und Fremdsein. Es bedeutet mehr als einfache Gastfreundschaft. Es geht um die Bereitschaft, einem anderen Menschen praktische Hilfe zu leisten – unabhängig davon, ob man ihn kennt oder nicht.

Im dritten Johannesbrief, den ihr gerne mal lesen könnt, wird ein Brief an Gaius geschrieben. Dieser Gaius zeichnet sich genau durch solche Gastfreundschaft aus. Er nimmt häufig fremde Prediger bei sich auf, obwohl er sie nicht kennt. Er unterstützt sie während ihres Aufenthalts und auch darüber hinaus. Wenn sie weiterreisen, unterstützt er sie auch für die nächsten Tage oder Wochen und gibt ihnen mit, was er gerade zu Hause hat. Er hilft ihnen, obwohl er weiß, dass er dafür nie etwas zurückbekommen wird.

Ein gastfreundlicher Mensch bietet seine Zeit, seine Ressourcen und seine Unterstützung an, um anderen zu helfen – gerade dann, wenn er weiß, dass er dafür nie etwas zurückbekommt. Streng genommen ist es im biblischen Sinn keine Gastfreundschaft, wenn man einfach nur ein paar Freunde zu sich einlädt. Versteht mich nicht falsch: Es ist völlig okay, wenn ihr das macht, wenn ihr euch gegenseitig einladet und Gemeinschaft mit euren Freunden oder Geschwistern genießt, die ihr kennt. Das ist vollkommen in Ordnung. Wir sind heute ja auch eingeladen. Aber echte Gastfreundschaft geht darüber hinaus.

Ein Ältester muss sich dadurch kennzeichnen, dass er stets eine offene Tür hat und gerne bereit ist, seine Zeit und seine Ressourcen in die zu investieren, die seine Hilfe benötigen – gerade dann, wenn er weiß, er bekommt dafür nie etwas zurück, jedenfalls nicht in diesem Leben.

Petrus ermahnt alle Gläubigen, gastfreundlich zu sein. In 1. Petrus 4,9 heißt es: „Seid gegeneinander gastfreundlich, ohne Murren.“ Das ist dasselbe Wort wie hier in Titus. Wir sind also alle dazu aufgefordert.

Zweitens soll ein Ältester das Gute lieben oder ein Freund des Guten sein. Das klingt zunächst sehr allgemein und nicht wirklich greifbar. Was ist damit gemeint? Wie kann man jemanden erkennen, der ein Freund des Guten ist? Wie kannst du selbst feststellen, ob du ein Freund des Guten bist?

Ein Freund des Guten liebt die Dinge und die Menschen, die nach Gottes Maßstab wirklich gut sind. Er verbringt seine Freizeit mit Menschen und Dingen, die wirklich gut sind. Er liest Bücher, die wirklich gut sind. Er hat Freunde, die wirklich gut sind. Ihr kennt das Sprichwort: „Sag mir, wer deine Freunde sind, und ich sage dir, wer du bist.“

Schauen wir uns das bei Daniel an. Ihr kennt die Geschichte von Daniel und seinen drei Freunden. Offensichtlich war Daniel ein Freund des Guten, wenn wir seine Freunde betrachten. Auf der anderen Seite lesen wir in 1. Korinther 15,33: „Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten.“ Das ist die Kehrseite. Also: Wer sind deine Freunde? Mit welchen Menschen verbringst du am liebsten Zeit? Mit welchen Dingen verbringst du deine Freizeit? Ist das aus Gottes Sicht gut? Ein Ältester liebt, was in Gottes Augen gut ist.

Drittens muss ein Ältester besonnen, verständig und vernünftig sein. Das beschreibt jemanden, der einen nüchternen Verstand hat, der klar bei Verstand ist und einen kühlen Kopf bewahren kann. Ein besonnener Mann ist Herr seines Denkens und Handelns. Er hat Kontrolle über die Dinge, die er denkt. Er lässt sich nicht von seinen Umständen beeinflussen, sodass sie ihn sofort aus der Bahn werfen. Er kann ruhig und überlegt in schwierigen Situationen reagieren. Er handelt und denkt nicht impulsiv oder aus dem Bauch heraus. Er ist klar bei Verstand und kann auf ruhige Art vernünftige und weise Entscheidungen treffen.

Viertens muss er gerecht sein. Diese Eigenschaft wird im Neuen Testament sonst eigentlich nur für Gott verwendet. In Johannes 17 betet Jesus Gott als gerechten Vater an. Dasselbe Wort finden wir auch in 1. Johannes 1,9, wo davon die Rede ist, dass Gott treu und gerecht ist, indem er uns die Sünden vergibt. In Römer 2 lesen wir, dass Gott jeden Menschen nach seinen Werken gerecht richten wird, jeden einzelnen Menschen. Paulus beendet diesen Abschnitt in Römer 2,11 mit den Worten: „Denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott.“

Nur ein Ältester sollte diese Eigenschaft Gottes widerspiegeln – natürlich nicht fehlerlos und in absoluter Perfektion. Er sollte unparteiisch und fair gegenüber jedem sein. Er sollte nicht auf die Person achten, das heißt, er bevorzugt nicht seine Verwandten oder engsten Freunde in der Gemeinde. Die Gemeinde ist keine Vetternwirtschaft. Andere fair und gerecht zu behandeln schließt auch ein, dass niemand aufgrund seines Aussehens, seiner Kleidung, seines Alters oder sonstiger Äußerlichkeiten anders behandelt wird. Ein Ältester muss den gerechten Charakter Gottes widerspiegeln, der die Person nicht ansieht.

Fünftens muss ein Ältester – in manchen Übersetzungen „fromm“ genannt – eigentlich heilig sein. Das Wort kann auch mit rein oder göttlich übersetzt werden. Auch das ist ein Wort, das im Neuen Testament hauptsächlich für Gott selbst verwendet wird. In Offenbarung 15 heißt es: „Wer sollte dich nicht fürchten und deinen Namen verherrlichen? Denn du allein bist heilig.“

Wenn Gott allein heilig ist, wie kann dann ein Mann diese Anforderung erreichen? Paulus gebraucht selbst sowohl gerecht als auch heilig, um sein Verhalten bei den Thessalonichern zu beschreiben. Er schreibt dort: „Ihr selbst seid Zeugen und auch Gott, wie heilig, gerecht und untadelig wir bei euch, den Gläubigen, gewesen sind. Ihr wisst ja, wie wir jeden Einzelnen von euch ermahnt und ermutigt haben, wie ein Vater seine Kinder, und euch ernstlich bezeugt haben, dass ihr so wandeln sollt, wie es gotteswürdig ist, der euch zu seinem Reich und seiner Herrlichkeit beruft.“

Paulus war nicht perfekt, aber er hat alles daran gesetzt, seinen Geschwistern ein charakterliches und nachahmenswertes Vorbild zu sein. Er hat keine sündlose Vollkommenheit erreicht, aber er hat Sünde in seinem Leben nicht toleriert – auch wenn sie noch so klein war. Das ist es, was einen Ältesten kennzeichnen muss. Und nein, nicht nur einen Ältesten. Paulus möchte, dass die Thessalonicher seinem Beispiel folgen.

Petrus fordert uns zu demselben heiligen Leben auf, wenn er schreibt: „Wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht geschrieben: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.“

Der Älteste ist ein Mann, der durch Gotteskraft und Gottes Gnade Sünde in seinem Leben erkennt, bekennt und alles daran setzt, ein nachahmenswertes Vorbild für andere zu sein – in jedem Bereich seines Lebens. Er ist zerknirscht über seine eigene Sünde und über die Sünde der Schafe, für die Gott ihn als Hirten eingesetzt hat.

Wir sehen das bei Paulus. Er schreibt an die Thessalonicher, dass er jeden einzelnen von ihnen ermahnt hat. Er hat sich um jeden einzelnen bemüht. Etwas Ähnliches sagt er den Ältesten der Gemeinde in Ephesus in Apostelgeschichte 20. Dort sagt er: „Darum wacht und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört habe, jeden einzelnen unter Tränen zu ermahnen.“ Das ist das Herz eines Hirten, in das wir hier blicken dürfen.

Er strebt selbst nach Heiligkeit und moralischer Reinheit. Er strebt danach, alles, was dem Willen Gottes widerspricht, aus seinem Leben zu entfernen. Und er setzt alles daran, dass auch die anderen Kinder Gottes mit demselben Eifer nach dieser Heiligkeit streben.

Ein Mittel, um ein solches heiliges Leben zu führen, ist das sechste Merkmal eines Ältesten: Er soll enthaltsam oder selbstbeherrscht sein. Der Älteste muss ein Mann sein, der seine Begierden und Wünsche unter Kontrolle hat. Selbstbeherrschung ist die Disziplin, sich allem zu enthalten, was das Leben für Jesus behindern könnte.

Selbstbeherrschung erfordert Disziplin und Härte gegen sich selbst. Paulus schreibt an die Korinther: „So laufe ich nun nicht wie aufs Ungewisse, ich führe meinen Faustkampf nicht mit bloßen Luftstreichen, sondern ich bezwinge meinen Leib und beherrsche ihn, damit ich nicht anderen verkündige und selbst verwerflich werde.“

Paulus vergleicht sich hier mit einem Sportler, der alles daran setzt, als Erster die Ziellinie zu überqueren. Ein Sportler, dessen ganzes Leben diesem einen Ziel untergeordnet ist – egal ob Schlaf, Essen oder Freizeit. Alles ist diesem Ziel untergeordnet, die Goldmedaille zu erreichen. Auf dieselbe Weise trainiert Paulus Disziplin und Selbstbeherrschung, um seinen Körper zu kontrollieren und nicht jeder Neigung nachzugeben.

Ein Ältester besitzt die Disziplin und Selbstbeherrschung, sich vor sündigen Neigungen zu wehren. Er ist selbstbeherrscht, wenn es ums Essen geht. Er betreibt keine Füllerei, auch nicht am Sonntag oder bei einer Hochzeit. Er ist selbstbeherrscht mit seiner Zeit und vergeudet sie nicht ständig.

Es geht wieder nicht um Sündlosigkeit oder Perfektion, sondern um das Bestreben, alles daran zu setzen, dass dieses neue Leben, das Gott in uns gelegt hat, zum Vorschein kommt. Alles daran zu setzen, dass Christus in uns Gestalt gewinnt, wie Paulus an die Galater schreibt.

Und das gilt nicht nur für den Ältesten, sondern für jeden Gläubigen – für jeden, der dieses neue Leben hat.

Die Lehrfähigkeit als Unterscheidungsmerkmal der Ältesten

Die eine Fähigkeit, die einen Ältesten von anderen unterscheidet, ist seine Lehrfähigkeit. In 1. Timotheus 3 wird dies nur ganz kurz bei den Anforderungen an den Ältesten erwähnt. Dort heißt es lediglich, dass er lehrfähig sein muss. Im Titusbrief wird jedoch etwas genauer erläutert, was damit gemeint ist, und zwar in Vers 9.

Er muss untadelig sein in seiner Lehrfähigkeit. Lesen wir noch einmal Vers 9, möchte ich nur kurz darauf eingehen: Er ist einer, der sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht. Dadurch ist er imstande, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen als auch die Widersprechenden zu überführen.

Das Halten am zuverlässigen Wort bedeutet eigentlich ein starkes Anhaften oder Haften am Wort Gottes. Es geht darum, sich mit Hingabe und Fleiß an das Wort Gottes zu heften. Es bedeutet, fest gegründet zu sein in der Lehre Jesu und der Apostel, so wie sie uns im Wort Gottes offenbart ist.

Paulus bezeichnete das Wort Gottes im 2. Timotheusbrief als eine kostbare Gabe. Kurz danach schreibt er, dass das Wort Gottes die Fähigkeit hat, uns weise zu machen zur Errettung. Weiter schreibt er, dass das Wort Gottes, das von Gott eingegeben ist, die Fähigkeit hat, uns zu belehren, uns von Sünde zu überführen, uns auf den richtigen Weg zu bringen und uns zu einem Leben zu erziehen, wie es Gott gefällt.

In Hesekiel 37 lesen wir davon, dass das Wort Gottes Tote lebendig macht. In Hesekiel 37, Vers 10 heißt es: „Ich weiß“, sagte er, „wie es mir befohlen war.“ Er gibt also einfach nur die Worte Gottes weiter. Und was passiert? Da kam der Lebensgeist in sie, sie wurden lebendig und standen auf. Es war ein riesiges Heer.

Deswegen hat Gottes Wort die Kraft, Tote lebendig zu machen. Es hat allein die Kraft, uns weise zu machen zur Errettung. Es hat die Fähigkeit, uns zu belehren, uns von Sünde zu überführen, uns auf den richtigen Weg zu bringen und uns zu einem Leben zu erziehen, wie es Gott gefällt.

Deshalb schreibt Paulus weiter an Timotheus im 2. Timotheus 4: „Daher ermahne ich dich ernstlich vor dem Angesicht Gottes und des Herrn Jesus Christus, der Lebendige und Tote richten wird, um seiner Erscheinung und seines Reiches willen: Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen, überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung.“

Der Älteste hat in erster Linie die Aufgabe, Gottes Wort zu lernen, es zu predigen und zu verkündigen. Das meint nicht nur das Predigen von der Kanzel. Im zweiten Teil von Vers 9 heißt es, dass er imstande sein soll, mit der gesunden Lehre zu ermahnen.

Dieses Ermahnen hat oft einen negativen Beigeschmack, ist aber nicht unbedingt negativ gemeint. Es kann auch mit bitten, drängen oder ermutigen übersetzt werden. Wörtlich bedeutet es „zur Seite rufen, um Kraft und Hilfe zu geben“. Der Begriff wurde zum Beispiel für einen Verteidiger vor Gericht verwendet, den man herbeirief, damit er hilft und verteidigt.

Wir haben vorhin gelesen, dass Paulus in der Gemeinde in Ephesus drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört hat, jeden Einzelnen unter Tränen zu ermahnen. Bei den Thessalonichern schreibt er, dass er jeden Einzelnen von ihnen ermahnt und ermutigt hat, wie ein Vater seine Kinder.

Um das tun zu können, musste Paulus fest mit dem Wort Gottes verbunden sein. Er musste wissen, was Gottes Wort zu den Problemen, Fragen, Sorgen und Kämpfen der einzelnen Christen sagt. Zum anderen musste er natürlich die Zeit dafür haben.

Diese Zeit hatte er nur, weil ihn zum Beispiel die Philipper unterstützten. Er schreibt an die Philipper – das kann man gerne nachlesen in Philipper 4,16 – dass sie ein- oder zweimal ihm etwas nach Thessalonich geschickt haben. Nur so, weil er nicht gleichzeitig für seine ganze Familie sorgen musste, konnte er diese Aufgabe als Hirte erfüllen und sich um jeden einzelnen Gläubigen kümmern.

Ein Ältester muss aber nicht nur in der Lage sein, Gläubige zu ermahnen und zu ermutigen. Am Ende von Vers 9 heißt es, dass er imstande sein muss, mit der gesunden Lehre die Widersprechenden zu überführen.

Überführen bedeutet so viel wie etwas aufdecken oder nachweisen. Es geht also darum, nicht nur eine Behauptung aufzustellen, dass jemand etwas Falsches gesagt hat, sondern diese Behauptung auch zu begründen und zu beweisen.

Das heißt, ein Ältester muss in der Lage sein, falsche Lehre oder falsches Verhalten nicht nur zu erkennen, sondern mit dem Wort Gottes zu begründen, warum es falsch ist. Warum diese Lehre oder dieses Verhalten nicht von Gott gewünscht ist.

Deshalb muss er fest auf Gottes Wort gegründet sein. Er muss voll von Gottes Wort sein.

Persönliche Herausforderung und Abschluss

Nun, wie geht es dir mit diesem Text? Wie fühlst du dich angesichts des unfassbar hohen Standards, den Gott von den Hirten verlangt, die er über seine Gemeinde gesetzt hat? Wie stehst du zu den Anforderungen an den Charakter – und zwar nicht nur an den eines Ältesten, sondern an den eines jeden Gläubigen?

Ich hoffe, dass dieser Text dich nicht einfach kalt lässt und dass du nicht mit dem Gedanken nach Hause gehst: „Das erfülle ich alles problemlos, und wenn nicht, betrifft es ja nur die Ältesten.“ Ich hoffe, du gehst nicht mit der Einstellung nach Hause, dass du so, wie du bist, Gott passt.

Gott möchte, dass dich folgende Eigenschaften kennzeichnen: Du sollst nicht eigenwillig sein, nicht widerspenstig, kein Trinker, kein Gewalttätiger – weder mit den Händen noch mit den Worten. Du sollst kein Mensch sein, der nach schmutzigem Gewinn giert, sondern gastfreundlich, das gute Leben liebend, gerecht und heilig. Du sollst selbstbeherrscht sein. Das möchte Gott von jedem Gläubigen.

Diese Anforderungen sind demütigend, oder? Sie sind demütigend und lassen uns einen verzweifelnden Blick zum Kreuz werfen. Denn es ist Jesus, der uns errettet hat. Er ist es, der uns aus der Sünde herausgerissen hat. Er wird uns bis ans Ende durchtragen und keines seiner Schafe verlieren.

Für die, die in Christus sind, gibt es keine Verurteilung mehr. Jesus hat uns von der Sünde befreit, damit wir ein heiliges Leben für Gott führen.

Mein Gebet ist, dass Gott uns gnädig ist und uns dabei hilft, Gemeinden zu werden, deren Älteste und Mitglieder durch ihre Heiligkeit und ihre Hingabe an Gott gekennzeichnet sind.

Denn wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht geschrieben: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig.
 1. Petrus 1,15-16

Amen.