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Jugendgottesdienst, Teil 154/180
11.12.1994Offenbarung 2,12-17
SERIE - Teil 154 / 180Jugendgottesdienst

Ein unerwartetes Missverständnis und eine Einladung zum neuen Leben

An einem kalten Wintertag – vielleicht war es sogar ein dunkler Wintertag – befand sich ein Tourist in Schottland. Dort traf er einen Schotten, der bei der bitteren Kälte mit kahlem Kopf herumlief, ohne eine Mütze zu tragen.

Der Tourist schenkte ihm daraufhin eine herrliche Fellmütze mit dicken Ohrenklappen. Ein Jahr später traf er denselben Mann wieder in Schottland, erneut bei Kälte. Doch der Schotte lief wieder ohne Mütze herum.

Der Tourist fragte ihn: „Sagen Sie mal, ich habe Ihnen doch eine so schöne Mütze geschenkt. Warum setzen Sie sie nicht auf?“

Der Schotte antwortete: „Ich habe sie ja getragen, aber seit dem großen Unglück setze ich sie nicht mehr auf.“

„Was ist denn passiert? Und was heißt großes Unglück?“ fragte der Tourist.

Der Schotte erklärte: „Mich hat jemand zum doppelten Whisky eingeladen. Ich hatte die Mütze auf, und wegen der blöden Ohrenklappen habe ich es nicht gehört.“

Ich wünsche euch, dass ihr meine Einladung heute nicht überhört. Das war wirklich ein Unglück.

Ich lade euch ein zu einem neuen Leben mit Jesus. Das ist der letzte Gottesdienst in diesem Jahr, und ich kann dir nur vorschlagen: Lass dieses Jahr nicht zu Ende gehen, ohne dein Leben mit Jesus in Ordnung gebracht zu haben.

Krisen im Leben und die Geschichte der Pergamentherstellung

Ich habe euch vorhin erzählt, dass wir heute für den Verein Christliche Lebenshilfe für Familien in Krisen sammeln. Krisen gibt es viele, und sie gab es schon immer. Es gibt Ölkrisen, Ehekrisen, Mitleidskrisen und vieles mehr. Es gab sogar einmal eine internationale Papierkrise.

Diese Papierkrise ereignete sich zur Zeit der alten Ägypter. Die Ägypter haben bekanntlich das Papier erfunden, nämlich das sogenannte Papyrus. In Alexandria gab es eine riesige Bibliothek, die sehr berühmt war und viele Papyrusbücher enthielt. Die einzige Konkurrenz für diese Bibliothek befand sich in Kleinasien, in Pergamon. Dort gab es eine Bibliothek mit 200 Bänden, die alle von Hand geschrieben wurden. Man brauchte also viel Papier und gute Mitarbeiter.

Eines Tages bestach Pergamon den Leiter der Bibliothek von Alexandria, damit er nach Pergamon kam – man würde heute sagen, es war eine Abwerbung einer wissenschaftlichen Fachkraft. Der ägyptische Geheimdienst bekam davon Wind und sperrte daraufhin den Bibliothekar ein. Außerdem verboten die Ägypter die Ausfuhr von Pergament.

Das war die große Papierkrise. Sofort machte sich ein Erfinderkollektiv daran, einen Ersatz zu finden. Sie stellten ein Material her, auf das man schreiben konnte, und zwar aus Tierhäuten. Dieses Material nannte man Pergament, weil es in Pergamon erfunden worden war. Pergament wurde ein großer Exportschlager.

Viele Bücher, zum Beispiel die meisten Bücher der Bibel, auch die Briefe des Neuen Testaments, wurden auf solchem Pergament geschrieben.

Der Brief an die Gemeinde in Pergamon und seine Bedeutung

Auch der Brief, der in der Bibel in der Offenbarung steht, ist der Brief an die Gemeinde in Pergamon. Ich habe euch das letzte Mal erklärt, wie diese Briefe entstanden sind. Es sind Briefe des auferstandenen Jesus an seine Gemeinde. Jesus hat sie diktiert, Johannes, sein Jünger, hat sie geschrieben.

Heute lese ich euch den Brief an Pergamon vor, Offenbarung Kapitel 2.

Dem Engel der Gemeinde zu Pergamon schreibe: Das sagt der, der das scharfe, zweischneidige Schwert hat:
Ich weiß, wo du wohnst, wo des Satans Thron ist, und du hältst an meinem Namen fest und hast den Glauben an mich nicht verleugnet, auch in den Tagen, in denen Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet wurde, wo der Satan wohnt.

Aber ich habe eine Kleinigkeit gegen dich: Du hast dort selbst welche, die an der Lehre Bileams festhalten. Bileam lehrte Balak, die Kinder Israel zu verführen, damit sie Götzenopfer aßen und Unzucht trieben. So hast auch du solche, die in gleicher Weise an der Lehre der Nikolaiten festhalten.

Tue Buße! Wenn du das nicht tust, werde ich bald über dich kommen und mit ihnen streiten durch das Schwert meines Mundes.

Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt.

Wer überwindet, dem will ich geben von dem verborgenen Manna und einen weißen Stein. Auf dem Stein steht ein neuer Name geschrieben, den niemand kennt außer dem, der ihn empfängt.

Die Stadt Pergamon: Zentrum von Götzenkult und Kaiserverherrlichung

Pergamon war die berühmteste Stadt Kleinasiens – nicht nur wegen der Pergamente und der Bibliothek, sondern vor allem, weil dort einst eines der Sieben Weltwunder stand. Am Rand von Pergamon erhob sich ein großer, kegelförmiger Hügel mit Tempeln und Altären der heidnischen Götter. Auf halber Höhe stand der Tempel der Athene. Davor befand sich der berühmteste Altar der Welt, der Altar des Zeus.

Dieser Altar stand auf einem Felsen, der etwa 245 Meter hoch aus dem Hügelabhang herausragte. Er war 27 Meter breit und sechs Meter hoch. Um den ganzen Sockel waren in Reliefs der Kampf der Giganten eingemeißelt und dargestellt. Bis heute gilt dies als eine der größten bildhauerischen Meisterleistungen der Menschheit. Den ganzen Tag stiegen Rauchwolken von den Opfern von diesem Altar auf. Kein Mensch konnte das übersehen; dieser Altar beherrschte die ganze Stadt, war unübersehbar und zog die Blicke aller Menschen auf sich.

Niemand, der in Pergamon lebte, konnte ihn übersehen. Und niemand, der in Deutschland lebt, sollte ihn übersehen, sondern jeder sollte ihn sich ansehen – nämlich in Berlin. Dort steht zum Teil der Pergamonaltar im Museum. Wenn man das Pergamonmuseum besucht, begegnet man dort einem Teil der biblischen Geschichte. Man steht vor dem gleichen Götzenaltar, vor dem die Christen damals standen und zitterten.

Man sieht dort tausende alte Steine, zu deren Füßen einer der ersten Märtyrer, der Antipas, getötet wurde. Man bewundert das Kunstwerk, aber man darf nicht vergessen, dass dieser Anblick für die ersten Christen kein Kunstwerk und kein Kunstgenuss war. Für sie war es eine Bedrängnis, eine bedrückende Angelegenheit.

Durch seinen Standort auf diesem Felsvorsprung am Hügelabhang ähnelte dieser Altar einem großen Sessel oder Thron. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass die Bibel hier sagt: „Ich weiß, wo du wohnst, wo der Thron Satans steht.“ Es kann aber auch sein, dass sich dieser Ausdruck „Thron Satans“ nicht nur auf diesen Altar, sondern auf die ganze Stadt bezieht.

Dafür sprechen zwei Gründe. Erstens war Pergamon eine Hochburg des Kaiserkults. Das habe ich euch schon erklärt, wie das im Altertum war. Der Kaiser – also ein Mensch – wurde als Gott verehrt. Das war für die Christen nur noch mit Satanismus vergleichbar.

Zweitens war Pergamon der Mittelpunkt des Asklepios-Kults. Asklepios war der Gott der Heilkunst, und sein Zeichen war die Schlange. Dieses Symbol ist bis heute noch das Zeichen der Medizin und hängt vor jeder Apotheke. In dem Tempel des Asklepios strömten die Kranken aus der ganzen Welt zusammen. Dort gab es richtige Krankenstationen und Ärzteschulen – und vor allem Schlangen.

Diese Schlangen waren zahm und harmlos, sie taten niemandem etwas. Die Kranken durften nachts im Tempel bleiben, während die Schlangen dort herumkrochen. Wenn eine Schlange jemanden berührte, deutete man das so, dass ein Gott diese Person berührte und sie dadurch geheilt wurde.

Abgesehen davon, dass dies alles Aberglaube ist, ist in der Bibel die Schlange das Symbol für den Satan. Vermutlich hängt es damit zusammen, dass Jesus hier sagt: „Ich weiß, wo du wohnst, dort, wo der Thron Satans steht.“

Der Schlangenkult war eine Mischung aus Wissenschaft, Geschäft und Aberglaube. Der Kaiserkult war ein politisches Druckmittel. Und der Götzenkult war der moralische Ausdruck einer untergehenden Gesellschaft. Diese geballte Ladung satanischer Gottlosigkeit – das war die Situation in Pergamon.

Jesus kennt unsere Herausforderungen und ruft zum Durchhalten auf

Jesus weiß also über diese Situation Bescheid. Er weiß immer Bescheid, wenn wir in schwierigen Situationen sind. Natürlich versucht jeder, Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen. Das ist ja normal.

Normal ist es aber auch, dass es Schwierigkeiten, Schmerzen und Leiden gibt, die man durchstehen muss. Schwierigkeiten, Schmerzen und Leiden sind nötig, damit der Mensch wächst, reift und das Leben besteht.

Auch davon will die wehleidige Wohlstandsgeneration, die jetzt heranwächst, nichts wissen und rennt deswegen bei jedem kleinen Problem zum nächsten Psychiater. Keiner will Schmerz aushalten, jeder will den Schmerz möglichst ausschalten – von der schmerzarmen Geburt bis zum schmerzarmen Tod unter Drogen. Ohne Bewusstsein und dazwischen bei jeder Gelegenheit eine Tablette. Spalt schaltet den Schmerz ab.

Oder wie wir früher sagten: Zwei Fiebrex rein, drei Sumawitsch, und schon ist der Kranke wieder fit.

Und was die schwierigen Situationen des Lebens betrifft, versuchen die meisten ja gar nicht erst, sich damit auseinanderzusetzen und damit fertig zu werden. Stattdessen versuchen sie immer nur, davor auszuweichen.

Ihr seid zum Beispiel zum großen Teil dabei, euch einen Partner für euer Leben zu suchen. Ihr findet jemanden, der euch gefällt, mit dem ihr euch versteht, und mit dem ihr ausgeht – erst in die Disco und dann ins Bett.

Aber eines Tages schmeckt euch der andere nicht mehr, weil er irgendeine Eigenschaft hat, die euch auf die Nerven geht. Es gibt Probleme, erst setzt ihr euch auseinander, dann trennt ihr euch, und schließlich sucht ihr euch einen neuen Partner.

Der hat wieder eine neue Macke, aber das ist ja etwas anderes. Und dann beginnt das ganze Spiel von vorne.

Das ist natürlich einfacher: sich mit einem neuen Menschen zu befassen, als bei einem zu bleiben, einen Menschen auszuhalten, ihn zu ergründen und einem Menschen die Treue zu halten – auch in Zeiten, in denen der andere für einen zum Problem wird.

Das Ausweichen vor Problemen liegt natürlich in der Natur des Menschen. Aber das ist ganz bestimmt nicht immer richtig.

Und es ist auch nicht richtig, wie manche Christen versuchen, ihre Probleme zu bewältigen.

Segnungsgottesdienste und die Notwendigkeit von Arbeit an sich selbst

Es gibt heute zum Beispiel eine neue Mode: Segnungsgottesdienste. Nichts gegen Segnung, nichts gegen Gebet. Ich weiß auch, dass es Gebetsheilung gibt. Der alte Johannes Heesters, der gestern vor Millionen Menschen im Fernsehen bekannt hat, dass er jeden Abend betet, hat einen herrlichen Satz gesagt: Wenn wir alle mehr beten würden, hätten wir alle weniger Probleme.

Das weiß ich, und ich weiß auch, dass Gott die schwierigsten Probleme in Sekundenschnelle lösen kann. Das bezweifle ich gar nicht. Aber ich bezweifle, dass wir unsere Probleme dadurch loswerden können, indem wir uns von irgendjemandem die Hände auflegen lassen und damit alles erledigt ist.

Es gibt Probleme, zum Beispiel menschliche Beziehungen oder eine Ehe, oder Charaktereigenschaften, an denen man hart, lange und intensiv arbeiten muss. Wenn du dir für diese Arbeit den Segen Gottes holst, dann ist das in Ordnung. Aber wenn du denkst, eine Segnung ersetzt deine Arbeit, dann ist das ein großer Irrtum.

Die Menschen wollen heute immer alles schnell und sofort. Manche Christen haben sich von dieser Einstellung anstecken lassen. Aber die Regel für Christen heißt: aushalten, dranbleiben, durchhalten, eine Sache zu Ende bringen und nicht weglaufen.

Deshalb lobt Christus hier die Gemeinde in Pergamon, weil sie sich vor den Problemen in Pergamon nicht gedrückt hat. Er lobt sie, weil sie in der Bedrückung ausgehalten haben, und er preist ihre Standhaftigkeit. Er sagt zu dieser Gemeinde: Du hältst fest an meinem Namen und hast den Glauben an mich nicht verleugnet, auch nicht in den Tagen, in denen Antipas, mein treuer Zeuge, bei euch getötet wurde (Offenbarung 2,13).

Antipas – ein Beispiel für standhaften Glauben

Ich weiß nicht, wie Antipas getötet wurde. Ich stelle mir vor, dass er eines Tages am Straßenrand stand, als wieder einmal so eine Prozession für den Eskulap im Gange war. Durch die Straßen wurde ein großes Götzenbild geschleppt. Die Massen bildeten Spalier, und alle brüllten: Heil Eskulap, Heil Eskulap!

Der Eskulap wurde ja als Heiland gefeiert. Und Heiland – dieser Titel gehört ja nur Jesus. Deshalb konnte Antipas natürlich nicht mitbrüllen. Du kannst als Christ eben nicht überall mitbrüllen und mitklatschen. Jedenfalls nicht dort, wo es gegen die Ehre Gottes geht und wo es gottlos zugeht.

Nicht, dass du gegen jede Gottlosigkeit protestieren musst – da müsstest du ja die Welt räumen. Aber du sollst wenigstens nicht dauernd applaudieren und manchmal möglichst schweigen. Du musst nicht jedes Mal, wenn in deiner Gegenwart ein schweinischer Witz erzählt wird, auf die Barrikaden gehen. Es genügt, wenn du nicht mitfeierst und schweigst. Auch Schweigen kann reden.

Antipas hat ganz bestimmt nicht laut auf der Straße protestiert, als er dort am Straßenrand stand und diese gottlose Demo vorbeimarschierte. Er hat dazu geschwiegen, und das genügte. Denn das Schweigen dieses einen störte das Brüllen der anderen ganz empfindlich. Sein Schweigen redete lauter als das Gebrüll der Masse.

Der Name Antipas bedeutet ins Deutsche übersetzt „gegen alle“, also „einer gegen alle“ – alle gegen einen, auf ihn mit Gebrüll. Wer nicht mitmacht, macht sich verdächtig. Und wer nicht mitmacht, wird eben fertiggemacht.

Sie töten ihn, weil er dabei bleibt: Nicht Eskulap und nicht Zeus, sondern Jesus ist der Herr. Auch die übrige Gemeinde in Pergam bleibt bei diesem Bekenntnis, obwohl das, wie ihr seht, lebensgefährlich ist. Jeder, der damals zur Gemeinde dazugehört hat, war gesellschaftlich eben erledigt.

Kompromisse in der Gemeinde und ihre Folgen

Nun gab es damals in der Gemeinde einige, die zwar Christ sein wollten, aber nicht alles mit den anderen teilen wollten. Sie sagten: „Leute, ihr dürft das nicht alles so verbissen sehen. Wir können uns als Christen ja nicht vom ganzen Leben ausschließen, das geht nicht. Man muss Kompromisse machen, tolerant sein und sich irgendwo anpassen.“

Praktisch sah das zum Beispiel so aus, dass diese Leute nichts dabei fanden, Götzenopferfleisch zu essen. Ihr versteht gar nicht, wo das Problem liegt. Für die ersten Christen war das jedoch ein ganz schweres Problem.

Das lag daran, dass in einem heidnischen Tempel ein Opfer gebracht wurde, indem ein Tier geopfert wurde. Dabei wurde zum Beispiel nicht der ganze Ziegenbock geopfert, sondern nur ein paar Haare vom Kopf oder die Barthaare. Diese wurden verbrannt. Der Priester schnitt sich dann das beste Stück vom Ziegenbock für seine eigene Küche ab. Den Rest des Ziegenbocks gab er dem Spender zurück.

Da niemand allein den ganzen Ziegenbock essen konnte, lud der Spender seine Freunde, Familie und Bekannte zu einem Festmahl im Tempel ein. An der Art dieses sogenannten Opfers sieht man, dass es nichts anderes als blanker Egoismus war. Die meisten gesellschaftlichen Veranstaltungen liefen nach diesem Muster ab. Wer nicht mitmachte, war vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

Nun stellte sich die Frage: Kann man als Christ an so einer Feier teilnehmen? Darf man mitmachen oder muss man sich zurückziehen? Mit anderen Worten: Kann man als Christ Kompromisse machen?

Das Gute an den Christen damals war, dass sie sich überhaupt Gedanken über dieses Problem machten. Das Schlechte an vielen Christen heute ist, dass sie sich meistens keine Gedanken über solche Fragen machen, sondern gedankenlos alles Mögliche mitmachen.

Im Bereich der Wirtschaft machen die fleißigsten Leute die faulsten Kompromisse. Sie sagen: „Wenn du in der freien Marktwirtschaft bestehen willst, kannst du nicht immer ehrlich sein, sonst gehst du pleite.“ Im Bereich der Sexualität macht sich heute jeder lächerlich, wenn er das Wort „Unzucht“ in den Mund nimmt.

Unzucht im Altertum und die biblische Sicht

Jesus spricht hier in Vers 14 von Unzucht. Obwohl sie im Altertum weit verbreitet und in Pergamon besonders bei den Götzenopfer-Mahlzeiten selbstverständlich war. Bei diesen Feiern im Tempel wurde nicht nur kräftig gegessen und getrunken, sondern am Ende griff jeder sich im wahrsten Sinne des Wortes nach dem nächstliegenden Weibsstück. Dann purzelte alles übereinander her – und das Ganze fand ganz offen unter dem Deckmantel der Religion statt.

Alle Religionen des Vorderen Orients waren Fruchtbarkeitsreligionen. In ihren Tempeln hatten sie ein Heer von hauptamtlichen Huren angestellt, und mit diesen zu schlafen galt als die höchste Form des Gottesdienstes. Diese Art von Gottesdienst bezeichnet die Bibel schon immer ganz respektlos als Unzucht.

Unter Unzucht versteht die Bibel vor allem Geschlechtsverkehr mit Menschen, die nicht miteinander verheiratet sind – also vor- und außerehelichen Geschlechtsverkehr –, aber auch zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern, also Homosexualität. All das war im heidnischen Altertum normal.

Deshalb sagten viele Leute damals: Die Christen, na, was regt ihr euch denn auf? Das machen doch alle, warum sollen wir da nicht mitmachen? Da ist doch nichts dabei. Außerdem glauben wir ja gar nicht an Götzen, sondern an den Gott der Bibel, und der ist ja die Liebe – also es lebe die Liebe.

Wie gesagt, sexuelle Freizügigkeit war damals üblich, und die edelsten Denker des Altertums verteidigten sie. Demoszenes zum Beispiel sagte: „Wir haben Kurtisanen fürs Vergnügen, Konkubinen fürs tägliche Zusammenleben und Ehefrauen für die Kinder.“ Und Cicero, einer der erlauchten Geister der Menschheitsgeschichte, schrieb: „Wer auf dem Standpunkt steht, die Liebe von Kurtisanen, also von Huren, sollte für junge Männer absolut verboten sein, urteilt äußerst streng. Er weicht von den Freiheiten ab, die unsere Zeit gestattet, und auch von den Sitten und Zugeständnissen unserer Vorfahren.“

Wann war das denn tatsächlich nicht üblich? Wann hätte man jemals etwas dabei gefunden? Wann wurde die Erlaubnis dazu verweigert? Wann war das, was heute gesetzlich erlaubt ist, ungesetzlich?

Ja, es war ungesetzlich seit dem Tag, an dem Gott sein Gesetz erlassen hat – seine zehn Gebote. Das erste Gebot lautet: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“ Und das sechste Gebot heißt: „Du sollst nicht Ehe brechen.“ Diese beiden Gebote sind miteinander verbunden.

Gott warnt vor Nebengöttern und auch vor Nebenmännern oder Nebenfrauen. Treue ist unteilbar – ob es sich um die Treue zu Gott oder zu einem Partner handelt. An diesem Punkt ist die Bibel absolut intolerant.

Jeder, der Geschlechtsverkehr vor oder außerhalb der Ehe praktiziert oder propagiert, dem sagt Jesus hier: Tu Buße, das heißt, hör damit auf! Das passt nicht zu einem Christen, und du versaust dir damit deine ewige Zukunft.

Mir wird oft gesagt, ich würde immer auf so einem Thema herumreiten, mit Kanonen auf Spatzen schießen, und das sei sowieso alles egal und weiter nichts dabei. Aber Jesus ist nicht dieser Meinung. Er sagte hier zu den Leuten, die Unzucht treiben, also so etwas machen, was ich geschildert habe: „Tut Buße, hört auf damit!“

Und er sagt außerdem: „Wenn ihr es nicht macht, also wenn ihr nicht aufhört, dann werde ich über euch kommen und mit euch streiten durch das Schwert meines Mundes.“

Einladung zur Umkehr und zum neuen Leben

Heute bietet dir Jesus das Wort der Vergebung an. Dazu gehört, dass er dir seinen Heiligen Geist gibt, damit du ein Leben leben und gestalten kannst, wie es sich Gott vorstellt.

Für die Zukunft kündigt er dir das Wort der Verdammung an. Du kannst wählen, was du haben willst: Vergebung oder Verdammung. Jetzt hast du die Gelegenheit, das, was du im letzten Jahr falsch gemacht hast, in Ordnung zu bringen. Du kannst dein Leben mit Gott in Ordnung bringen.

Dazu ist nämlich die Adventszeit da. Die Adventszeit ist eine Bußzeit, also eine Zeit, in der man über sich nachdenkt und eine Revision macht. Es ist Zeit für dich, dass du eine Revision machst, manches revidierst, was falsch gelaufen ist, von falschen Wegen umkehrst und dich bekehrst.

Den übrigen Adventsrummel und Weihnachtsschnulli kannst du vergessen. Vergiss nicht, dass Jesus nicht das Schnullerbaby ist, dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern. Er ist der Sohn Gottes, der Retter der Welt und der Richter der Welt, vor dem du dich auch noch einmal verantworten musst.

Früher bei Gericht war es so, dass die Richter schwarze und weiße Steine hatten. Am Ende des Gerichtsverfahrens, wenn sie ihr Urteil fällen mussten, wurde ein Topf herumgereicht. Sie warfen entweder den schwarzen oder den weißen Stein in das Gefäß. Schwarz bedeutete, der Angeklagte ist verurteilt, weiß bedeutete Freispruch.

Nun sagt Jesus hier: Wer überwindet, dem will ich einen weißen Stein geben. Das heißt, den spreche ich frei von seiner Schuld. Nirgends sagt Jesus: Ich weiß genau, wo du gewohnt und gelebt hast, und ich habe volles Verständnis dafür, dass du Kompromisse eingegangen bist und meine Gebote nicht richtig halten konntest, weil das so eine ekelhafte Drucksituation war. Das sagt er nirgends.

Wer sich durchwindet, wer sich um eine klare Entscheidung herumwindet, wer sich auf dem Bauch vor den Leuten krümmt, kriecht und sich durchschlängelt, der kommt nicht in Gottes Reich. Und dort sollst du nämlich hinkommen.

Das ist der Sinn von Weihnachten: Zu Weihnachten hat Gott die Tür zu seinem Reich wieder aufgemacht. Stell dir vor, in Gottes Ewigkeit ist eine Tafel gedeckt. Dort stehen Tischkarten, und eine Tischkarte mit deinem Namen ist da. Ein Platz für dich ist frei, und du bist eingeladen. Die Frage ist, ob du die Einladung annimmst.

Mensch, überwinde dich, trenne dich von deiner falschen Lebensweise und bekenne deine Schuld – dann bekommst du Freispruch! Amen!

Gebet und Dank an Jesus Christus

Wir wollen jetzt beten.

Jesus Christus, wir danken dir, dass dein Heiliger Geist der beste Freund unseres Verstandes ist. Er erleuchtet unseren Geist und unsere Herzen. Wir danken dir, dass du dich um uns mühst und uns hier in diesem Gottesdienst erleuchtest. So können wir die Schätze der Advents- und Weihnachtszeit erkennen. Wir fallen nicht auf die Glasperlen und das Lametta herein, also auf all das Oberflächliche, sondern erkennen die Perle auf dem Grund.

Danke, Jesus, dass du uns als Licht der Welt aufgegangen bist. Danke, dass du uns eingeladen hast, mit dir durch dieses Leben zu gehen. Danke, dass du uns unsere Schuld vergeben hast und sie uns immer wieder vergibst. In deinem Hause sind noch viele freie Plätze, mit persönlich ausgestellten Tischkarten.

Danke, dass du uns nachgehst, obwohl du weißt, was du dir mit uns auflädst. Wir danken dir für den hellen Ton der Weihnacht, den wir heute Abend gehört haben. Wir bitten dich, dass das, was jetzt in unseren Seelen zu schwingen begonnen hat, nicht abstumpft und nicht abgewirkt wird durch die Bilder, die wir heute noch aufnehmen, oder durch die Gespräche, die wir heute führen werden.

Auch nicht durch den morgigen Morgen, an dem wir wieder zur Arbeit gehen, zur Schule oder die alltäglichen Hausarbeiten verrichten. Lass uns diesen Schatz behalten. Danke, dass du diesen Schatz immer wieder anreicherst und anfüllst, weil du mit uns gehst.

Wir wollen gemeinsam das Gebet unseres Herrn beten:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.