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Einführung in das Buch des Propheten Zephania, Teil 1/2

Zephanja 1,1-3,2009.06.2007
SerieTeil 1 / 2Einführung in das Buch des Propheten Zephania
Nahe ist der Tag, an dem nichts mehr zählt: kein Geld, kein Status, keine Ausreden. Wer jetzt nicht umkehrt, steht plötzlich vor Gottes Gericht – und merkt, wie ernst die Lage ist.

Einleitung und Gebet

Herr Jesus Christus, Gottessohn, wir möchten dich preisen, dass du uns diesen Tag schenkst, an dem wir in Ruhe, geschützt von der Obrigkeit, uns mit deinem Wort beschäftigen dürfen.
Wir sind so dankbar, dass wir dieses Wort als Grundlage des Glaubens haben. Es ist ewig und zuverlässig und zu hundert Prozent durch deinen Geist inspiriert.
So bitten wir dich, dass du auch diesen Nachmittag segnest und uns dieses Buch, Zefania, öffnest, damit wir deine Herrlichkeit und die Ratschlüsse Gottes darin erkennen können, auch für unser Leben.
Wir danken dir dafür. Amen!

Einführung in das Buch und die Arbeitsweise

Heute Nachmittag beschäftigen wir uns in der Reihe der zwölf kleinen Propheten mit dem Buch Zephania.
Wie gewohnt habe ich hier im Skript, das zehn Seiten umfasst, übrigens die letzte Seite neun Seiten umfasst; die letzte Seite befindet sich in der Mitte des Manuskripts, nur damit man sie dann auch findet.
Ich habe hier wieder eine Übersetzung von mir hinzugefügt, von dem Buch Zephania, und zwar eine Übersetzung, die sehr wörtlich ist, also bis an die Grenze geht, was man noch verkraften kann auf Deutsch. Mir war auch wichtig, dass die Versform, die poetischen Zeilen, so wie sie im Grundtext sind, in der Übersetzung sichtbar werden.
Es ist so: Die Elberfelder Übersetzung ist ja sehr wörtlich und genau, aber manchmal kommen dort die Verszeilen nicht klar heraus, weil zwei Verszeilen zum Teil zusammengefasst sind. Das liegt daran, dass man manchmal den Satzbau so ändern muss, dass er fast nicht mehr deutsch ist.
Ich habe es also trotzdem gewagt, so wörtlich zu bleiben, dass manchmal der Satzbau sehr eigenartig klingt. Aber wenn man davon ausgeht, es ist ja Poesie, kann man das eben doch verkraften.
Also, ich lese den Beginn des Buchs Zephania, 1,1:
Das Wort des Ewigen, das geschah zu Zephania, dem Sohn Cuschis, des Sohnes Gedalias, des Sohnes Amarias, des Sohnes Hiskias, in den Tagen Joschias, des Sohnes Ammons, des Königs von Juda.
Das ist eigentlich der Titel des Buchs, ebenso wie er im Grundtext zu finden ist. Und nun beginnt die eigentliche Prophetie mit Vers 2. Das Thema ist hier der Tag des Ewigen, das Gericht über die Welt und insbesondere über Juda und Jerusalem.
1,2 bis 1,18:
Sammelnd werde ich sammeln alles weg von der Fläche des Erdbodens, Spruch des Ewigen.
Sammelnd werde ich Mensch und Vieh, wegraffen werde ich die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres, die Steine des Anstoßes samt den Gesetzlosen.
Und ich werde den Menschen ausrotten, weg von der Fläche des Erdbodens, Spruch des Ewigen.
Und ich werde meine Hand ausstrecken über Juda und über alle Bewohner von Jerusalem, und ich werde ausrotten von diesem Ort den Überrest des Baal, den Namen der Götzenpriester samt den Priestern.
Und die, die sich auf den Dächern niederwerfen vor dem Heer des Himmels, und die, die sich niederwerfen, die schwören bei dem Ewigen und zugleich schwören bei ihrem König, die abfallen von dem Ewigen und die, welche nicht fragen nach dem Ewigen und ihn nicht suchen.
Zunächst einmal bis hierhin.

Historischer Hintergrund und heilsgeschichtliche Einordnung

Auf Seite 1 des Skripts habe ich erklärt, dass der Zeitpunkt der Entstehung des Buches in die Zeit Josias fällt, hebräisch Joschijahu. Wir finden ihn ja in Vers 1 erwähnt: in den Tagen Joschijahus oder Josias, des Sohnes Ammons, des Königs von Juda. Josia wird in 2. Könige 22-23 und in der Parallelstelle in 2. Chronika 34-35 erwähnt.
Nach strenger biblischer Chronologie, die alle Zahlen ernst nimmt und sie in ein völlig geschlossenes System einbringt, fällt diese Zeit auf die Jahre 641 bis 610 v. Chr. In diese Zeit fällt ja die große Reform, die große Erneuerung, die in den genannten Kapiteln beschrieben wird. Josia wurde ganz früh König, mit acht Jahren, und mit sechzehn begann er, persönlich Gott zu suchen. Das hat sich dann in einer Erweckung ausgewirkt. Mit zwanzig Jahren begann er, den Götzendienst in Juda auszurotten. Er hat wirklich eine ganz eindrückliche Reformation herbeigeführt.
Aber wenn man dann weiter in 2. Könige und 2. Chronika liest, sieht man, dass diese Reformation sehr bald auch wieder vorbei war. Sie fiel zusammen, wie die Masse wieder in die Gottlosigkeit zurückfiel. So kam es schließlich zum Untergang des Königreiches Juda in den Jahren 606 bis 586 v. Chr. Aber sehen wir: Das war noch so quasi ein letztes Aufleben kurz vor der Katastrophe, kurz vor dem Untergang.
Und jetzt verstehen wir: Dieser Untergang damals, durch die Babylonier unter Nebukadnezar herbeigeführt, war ein Vorgeschmack auf die schlimmste Katastrophe, die noch kommen wird, wenn das Endzeitgericht über diese Welt hereinbrechen wird. Und genau das ist das Thema im Buch Zephania. Also Zephania behandelt nicht den Untergang durch die babylonische Armee, das haben wir zum Beispiel im Buch Habakuk gefunden, das wir schon behandelt haben. Aber hier geht der Prophet jetzt eben in die Endzeit und beschreibt das Endgericht, das über die ganze Welt kommen sollte, kommen wird.
So ist also das Thema das weltweite Gericht am Tag des Ewigen und der darauf folgende weltweite Segen für die übrig gebliebenen Menschen. Das ganze Buch kann man in Kürze so zusammenfassen: Der Ewige wird die ganze Welt und insbesondere das jüdische Volk im Lande Israel richten. Das ist das Thema von 1,2-18.
Zephanja betont besonders das Gericht über den Gazastreifen. Der Gazastreifen wird ganz speziell in diesem Buch erwähnt und behandelt, 2,4-7. Zephanja betont besonders das Gericht über den Gazastreifen, über Nord- und Mitteljordanien, das ist Ammon und Moab, in 2,8-11, sodann über Kusch, das ist insbesondere der Sudan, 2,12, Assyrien und Ninive, 2,13-15, sowie über Jerusalem, 3,1-8.
Der Überrest Israels und der Überrest aus den übrigen Völkern wird von Gott schließlich gesegnet werden, 3,9-20, das ist das künftige tausendjährige Reich. Der Ewige wird in der Mitte seines Volkes wohnen, in Jerusalem, 3,15-17. Das ist so die Übersicht über das ganze Buch.

Das Gericht des Ewigen über die Welt

Nun lese ich in Kapitel 1 da weiter, wo ich aufgehört hatte: Vers 7. Stille vor dem Herrn, dem Ewigen, denn nahe ist der Tag des Ewigen. Denn der Ewige bereitet ein Schlachtopfer, und er hat seine Geladenen geheiligt.
Und es wird geschehen am Tag des Schlachtopfers des Ewigen: Da werde ich heimsuchen die Fürsten und die Söhne des Königs und alle, die sich mit fremdländischer Kleidung bekleiden. Und ich werde heimsuchen die, die an jenem Tag über die Schwelle hinüberspringen, die das Haus ihrer Herren mit Gewalttat und Betrug füllen.
Und es wird geschehen an jenem Tag, Spruch des Ewigen: Stimme eines Geschreis vom Fischtor her und ein Geheul vom zweiten Stadtteil her und große Zertrümmerung von den Hügeln her. Heult, ihr Bewohner des Magdesch, denn vernichtet ist das Volk der Handelsleute, ausgerottet sind alle mit Silber Beladenen.
Und es wird geschehen zu jener Zeit: Da werde ich Jerusalem mit Lampen durchforschen, und ich werde die Männer heimsuchen, die auf ihren Häfen stockig werden, die in ihren Herzen sprechen: Der Ewige tut nichts Gutes, und er tut nichts Böses. Und ihr Vermögen wird zum Raub werden und ihre Häuser zur entsetzlichen Verwüstung.
Ja, sie werden Häuser bauen, aber nicht bewohnen, und sie werden Weinberge pflanzen, aber ihren Wein nicht trinken.
Nahe ist der große Tag des Ewigen, nahe ist er, und er eilt sehr. Der Tag des Ewigen: bitterlich schreit dort der Held. Ein Tag des Grimmes ist jener Tag, ein Tag der Drangsal und der Bedrängnis, ein Tag der Verwüstung und der Zerstörung, ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und des Wolkendunkels, ein Tag des Schofahornes und des Lärmblasens gegen die durch eine steile Mauer abgeschnittenen Städte und gegen die hohen Wachtürme.
Und ich werde die Menschen in Bedrängnis bringen, und nicht wird in ihrem Mund gefunden werden Seite fünf, jetzt, ja, Vers siebzehn nochmals. Und ich werde die Menschen in Bedrängnis bringen, und ausgeleert wird ihr Blut wie Staub und ihr Fleisch wie Kot. Auch ihr Silber und auch ihr Gold kann sie nicht erretten am Tag des Grimmes des Ewigen.
Und durch das Feuer seines Eifers wird die ganze Erde verzehrt werden, denn eine Vernichtung, ja, einen plötzlichen Untergang wird er allen Bewohnern der Erde bereiten.

Der Aufbau des Buches und der wiederkehrende Refrain

Das war nun der erste Teil von Zephania. Das heisst, der erste Teil von drei Teilen.
Wie kommt man auf diese Dreiteilung? Durch das Buch selbst. Und zwar finden wir einen Refrain, der sich wiederholt. Ich habe ihn darum im Text fett gedruckt, hier in Vers 18, 1. Vers 18: Und durch das Feuer seines Eifers wird verzehrt werden die ganze Erde.
Dieser Refrain bildet das Ende des ersten Teils. Und wenn man jetzt weiterliest in Kapitel 2 bis hin zu Kapitel 3, Vers 8, dann stellt man fest: Dort in 3, Vers 8 steht: Darum wartet auf mich, Spruch des Ewigen, auf den Tag meines Aufstehens, zur Beute; denn mein Rechtsentscheid ist, zu versammeln die Nationen, indem ich die Königreiche sammle, um auszugiessen über sie meinen Grimm, die ganze Glut meines Zornes; denn durch das Feuer meines Eifers wird verzehrt werden die ganze Erde.
Auch hier wird der Refrain fett gedruckt. Er schliesst quasi den zweiten Hauptteil ab. Dann kommt der dritte Teil. Da hat der Computer selber etwas Falsches eingefügt. Das sollte also römisch drei heissen, was jetzt folgt: Kapitel 3, Vers 9 bis 20.
So hat also der Heilige Geist dieses Buch selber geteilt durch diesen Refrain. Es lohnt sich auch bei anderen Bibelbüchern, immer wieder auf solche Markierungen zu achten. Das kommt an verschiedenen Orten so vor, dass ein bestimmter Refrain das Buch einteilt. Zum Beispiel, als wir das Hohelied durchgenommen haben: Dort haben wir dreimal einen Refrain gefunden, und dadurch wurde das Hohelied ganz natürlich in vier Hauptteile unterteilt.
Wir müssen immer bedenken: Die Kapiteleinteilung ist ein Menschenwerk aus viel späterer Zeit. Manchmal sind die Kapitel gut eingeteilt und manchmal etwas schlechter. Aber wir müssen versuchen, die Einteilung zu finden, die der Text wirklich selber liefert.

Der Tag des Herrn im Alten und Neuen Testament

So haben wir also einen ersten Teil, den ich jetzt verlesen habe. Da geht es um den Tag des Ewigen, um das Gericht über die Welt und besonders über Juda und Jerusalem. Das schauen wir uns jetzt genauer an.
Dann kommt der zweite Hauptteil, Kapitel 2,1-3,8, die Darstellung des Gerichtes Gottes anhand konkreter Beispiele. Im ersten Teil geht es also eher übersichtsweise um die ganze Welt und um das Volk Israel. Im zweiten Teil geht es dann um ganz konkrete, detaillierte Gerichte über bestimmte Völker oder Landstriche, unter anderem um den Gazastreifen.
Dann der dritte Teil: eine Trostbotschaft für den Überrest aus Israel und für die Nationen, die noch umkehren werden, 3,9-20.
Nun haben wir gemerkt, dass das Thema des Tages des Ewigen in diesem Buch ganz wichtig ist. Als ich die Verse gelesen habe, Kapitel 1, Vers 7 und folgende, hat man gemerkt, wie oft dieser Ausdruck Tag, Tag, Tag vorkommt. Dieser schreckliche Tag wird ein Tag der Dunkelheit sein, ein Tag des Geschreis, ein Tag der entsetzlichen Verwüstung und so weiter.
Was ist mit diesem Tag des Herrn gemeint? Auf Seite eins unter charakteristische Ausdrücke und Besonderheiten, Punkt zwei, habe ich geschrieben: Der Tag des Ewigen. Hebräisch ist das Yom Yahweh. Aber weil man im Judentum schon in den Jahrhunderten vor Christi Geburt begonnen hat, normalerweise den Namen Gottes, Yahweh, nicht mehr auszusprechen, wurde er oft ersetzt durch Adonai, Herr. Darum liest in der Synagoge, wenn man diesen Text auf Hebräisch vorliest, der Chasan automatisch, wenn Yahweh kommt, Yom Adonai, der Tag des Herrn. Herr ersetzt einfach den Ausdruck der Ewige, der Unwandelbare.
Und wir haben gesehen, wie oft dieser Ausdruck vorkommt: in Kapitel 1, Vers 7, 8, 14, 15, 18, dann in Kapitel 2, Vers 1, 2, 3 und in 3,8. Im Neuen Testament hat der Heilige Geist diese Art der Ersetzung des Namens Yahweh durch Adonai bestätigt. Das hat man ja aus Ehrfurcht Gott gegenüber gemacht. Denn das dritte Gebot sagt: Du sollst den Namen Yahwehs nicht zum Eitlen aussprechen. Und so hat man aus Ehrfurcht begonnen, diesen Namen normalerweise nicht auszusprechen, sondern zu ersetzen, einfach in der Bemühung, diesen Namen Gottes, diesen Eigennamen Gottes, nicht irgendwie falsch zu gebrauchen oder zu missbrauchen.

Der Herrentag und die endzeitliche Gerichtszeit

Also finden wir im Neuen Testament an verschiedenen Stellen diesen Ausdruck „der Tag des Herrn“. Er bezieht sich auf einen künftigen Zeitpunkt, an dem Gott die ganze Welt durch ein weltweites Gericht richten wird. Ich habe dort weiter geschrieben: der Tag des Ewigen.
Im Neuen Testament kommt der Ausdruck „der Tag des Herrn“ griechisch he hemera tou kyriou vor, und zwar in Apostelgeschichte 2,20, 1. Thessalonicher 5,2 und 2. Petrus 3,10. In manchen Bibeln steht in 2. Thessalonicher 2,2 ebenfalls dieser Ausdruck. Im Mehrheitstext steht dort allerdings eigentlich „der Tag des Christus“. Das deckt sich aber, denn der Tag des Christus ist der Tag des Messias, und das entspricht dem Tag des Herrn.
Nun ist es wichtig, diesen Ausdruck „der Tag des Herrn“ in diesen Stellen nicht zu verwechseln mit der Bezeichnung für den ersten Tag der Woche, wie sie in Offenbarung 1,10 vorkommt. Dort sagt Johannes auf Patmos: „Ich war am Tag des Herrn im Geist.“ Dann erscheint der Herr Jesus und gibt ihm diese Visionen über die Zukunft, die in der Offenbarung aufgeschrieben sind.
Dort steht aber eben nicht der Ausdruck he hemera tou kyriou, sondern he kyriake hemera. Das heißt wörtlich: der dem Herrn gehörige Tag. Gemeint ist damit der erste Tag der Woche, also der Sonntag. Das entspricht übrigens dem italienischen Domenica, das eigentlich Herrentag bedeutet.
Dieser Tag wurde von den Christen als besonderer Tag gefeiert, weil es der Tag der Auferstehung des Herrn Jesus war. Der Herr Jesus ist am ersten Tag der Woche auferstanden. Denn am ersten Tag der Woche waren die Jünger am Abend versammelt, und der Herr kommt in ihre Mitte und sagt: Friede euch. Eine Woche später sind sie wieder am ersten Tag der Woche versammelt, und der Herr kommt erneut in ihre Mitte. Er erscheint wieder als der Auferstandene und gibt ihnen das Wort, die Botschaft, die sie zur Ermutigung brauchen.
Und fünfzig Tage nach der Auferstehung, das war wieder ein Sonntag, kam der Heilige Geist an Pfingsten und bildete die Gemeinde. Die Gemeinde ist also geprägt durch die Erfüllung der Prophetie im Werk des Herrn Jesus, das im Sieg am Auferstehungstag mündete. So lebt die Gemeinde aus dieser Erfüllung, aus diesem Sieg heraus. Die Christen gehen in die Woche hinein, ausgehend von der Gewissheit: Alles ist vor Gott geordnet. Es ist der erste Tag der Woche, der dem Herrn gehörige Tag.
Wir sehen bei den ersten Christen in Apostelgeschichte 2, dass sie damals noch die Möglichkeit hatten, jeden Tag zusammenzukommen. Das war aber nicht für alle Zeiten so möglich. Es war eine besondere Zeit, in der sie auch alles gemeinsam hatten, für eine gewisse Zeit, bis dann die große Zerstreuung nach der Steinigung von Stephanus kam.
Später, in Apostelgeschichte 20, kommt Paulus nach Troas und bleibt einige Tage, bis dann der Sonntag kam. Am ersten Tag der Woche waren sie zusammen, um das Brot zu brechen. Er wollte offensichtlich noch da sein. Er bleibt nämlich genau sieben Tage. Er kam also gerade rechtzeitig nach Troas, aber er wollte noch bleiben, damit er den Tag des Herrn dort erleben konnte. Er macht die ganze Nacht durch, und am nächsten Morgen geht er weiter auf die Missionsreise. Er hat wirklich eine gute Kondition gehabt.
Das zeigt aber etwas: Die Christen kamen dort zusammen an dem dem Herrn gehörigen Tag, um das Abendmahl zu feiern. Interessant ist, dass dieses Wort „dem Herrn gehörig“ nur noch einmal im Neuen Testament vorkommt, außer in Offenbarung 1,10, nämlich in 1. Korinther 11. Dort findet sich der Ausdruck für das dem Herrn gehörige Mahl, also das Abendmahl, das Herrnmahl, wörtlich das dem Herrn gehörige Abendmahl. Ich gebe die Stelle an für die, die aufschreiben: 1. Korinther 11,20.
Wir sehen also, dass das ganz besonders zusammenpasst: das dem Herrn gehörige Mahl und der dem Herrn gehörige Tag. Aber der langen Rede kurzer Sinn: Der Tag des Herrn in Offenbarung 1,10 war einfach der Sonntag.
In all den anderen Stellen, wo im Neuen Testament vom Tag des Herrn gesprochen wird, geht es dagegen um die künftige Gerichtszeit. Dann wird der Herr Jesus sichtbar kommen als König der Welt, um die Welt zu richten und sein Friedensreich für tausend Jahre aufzurichten. Die dreieinhalb Jahre davor sind in der Bibel als die große Drangsal bezeichnet. So heißt es zum Beispiel in Matthäus 24 von der großen Drangsal, die so schlimm sein wird, wie es nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, und wie es auch nie wieder sein wird. Ich gebe die Stelle kurz an: Matthäus 24,21.
Diese dreieinhalb Jahre der größten Katastrophe werden eigentlich auch zu dem Tag des Herrn gerechnet. Das zeigt sich auch in Offenbarung 6. Wenn wir dort kurz aufschlagen, werden die Siegelgerichte beschrieben, und zwar nicht alle sieben, sondern die Siegel eins bis sechs. Beim sechsten Siegel steht in Offenbarung 6,16 Folgendes: Die Menschen werden sich verstecken, verbergen in Höhlen, in den Felsen der Berge. Und sie sagen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes; denn gekommen ist der große Tag seines Zornes, und wer vermag zu bestehen?
Im Kapitel 7 wird dann noch erklärt, wie Gott in dieser schlimmen Zeit Menschen aus Israel und aus den Heidenvölkern bewahren wird. Dann kommt Kapitel 8 mit dem siebten Siegel. Und dieses siebte Siegel eröffnet die Zeit der großen Drangsal. Dieses Gericht besteht dann aus sieben Posaunengerichten, und die siebte Posaune besteht aus sieben Schalengerichten. Danach kommt der Herr Jesus persönlich zurück, in Offenbarung 19,11.
Also, ich fasse zusammen: In Offenbarung 4 und 5 sehen wir, wie die Gemeinde nach der Entrückung sich im Himmel versammelt. Das habe ich heute Morgen erklärt mit den 24 Ältesten und was sie genau bedeuten. Es ist die Gemeinde, die im Himmel versammelt ist. Ich will das nicht noch einmal wiederholen. Aber ab Kapitel 6 werden die ersten sechs Siegel geöffnet. Das sind Gerichte Gottes, die nach der Entrückung stattfinden werden, aber noch vor der großen Drangsal.
Mit der Eröffnung des siebten Siegels kommt dann der massivste Schlag, und das ist die große Drangsal, die so schlimm sein wird, wie es noch nie gewesen ist. Das ist der Tag des Herrn. Der Herr Jesus wird ja in Maleachi 4,2 beschrieben, das habe ich auch heute Morgen erwähnt: Er wird kommen als die Sonne der Gerechtigkeit. In manchen Bibeln wird das anders gezählt, dann ist es 3,20. Ich lese dort Maleachi 4,1 und 2, oder 3,19 und 20:
Denn siehe, der Tag kommt, brennend wie ein Ofen, und es werden alle Übermütigen und jeder Täter der Gesetzlosigkeit zu Stoppeln werden; und der kommende Tag wird sie verbrennen, spricht der Herr der Heerscharen, sodass er ihnen weder Wurzel noch Zweig lassen wird. Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen mit Heilung in ihren Flügeln.
Die Sonne der Gerechtigkeit geht auf, wenn der Herr Jesus kommt. Er ist das Licht der Welt, das vor zweitausend Jahren hier auf Erden schien. Aber dann wurde er von seinem Volk verworfen, von der Masse verworfen. Dann ging er weg, und so begann eigentlich diese Zeit der Dunkelheit, der Nacht. Aber der Herr Jesus wird wiederkommen als die Sonne der Gerechtigkeit.
Es ist ja so: Bevor die Sonne über dem Horizont aufgeht, sieht man bereits die Flügel der Sonne, das heißt diese ersten Strahlen. „Die Sonne der Gerechtigkeit wird aufgehen mit Heilung in ihren Flügeln.“ Das sind diese Strahlen, diese Flügel der Sonne. Diese Strahlen kommen über den Horizont, noch bevor man die Sonne eigentlich sieht. Darum gehört das, was diese dreieinhalb Jahre der Drangsal betrifft, bereits zum Tag des Herrn. Das sind diese ersten Strahlen über dem Horizont, die dann zum Höhepunkt führen, wenn Jesus selbst kommt.
Dieser Tag des Herrn wird dann die ganzen tausend Jahre dauern. Das kann man herausfinden, wenn man ganz sorgfältig 2. Petrus 3 liest. Dort wird der Tag des Gerichts, des künftigen Gerichts über die Welt, als der Tag des Herrn bezeichnet. Im gleichen Kapitel wird aber auch gesagt, dass am Tag des Herrn einmal die ganze Schöpfung, Himmel und Erde, vergehen und aufgelöst werden. Nun wissen wir ja, dass das nicht am Anfang des tausendjährigen Reiches geschehen wird, sondern Offenbarung 20 macht deutlich, dass das erst nach dem tausendjährigen Reich geschehen wird.
Aber das ist kein Problem. Wir müssen einfach verstehen, dass der Tag des Herrn die ganze Zeit des tausendjährigen Reiches dauert. Am Schluss des Tages des Herrn wird Gott dann Himmel und Erde auflösen und einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, wie es in Offenbarung 21 beschrieben ist.
So heißt also diese ganze Periode: Sie beginnt mit der großen Drangsal, der Wiederkunft Christi, dreieinhalb Jahre später nach dem Beginn der großen Drangsal, und dann tausend Jahre hindurch. Das alles ist der Tag des Herrn.
Warum heißt diese Periode so? Weil Gott in dieser Periode zeigen wird, dass er über die Welt regiert und nicht die Menschen und nicht der Satan. Er übernimmt die Herrschaft, und darum eben: Tag des Herrn.

Die Sintflut als Vorbild und die Parallelen zu Noah und Lot

Ja, das ist sehr wichtig. Und dieses Gericht, das wir nun in Stephanus 1 beschrieben finden, zeigt eben, wie der Herr durch diese weltweiten Gerichte die Erde so zubereitet, dass er sie dann regieren kann. Er wird alle Hindernisse seiner Herrschaft beseitigen.
Darum haben wir in Kapitel 1, Vers 2 gelesen. Das sind ja Ausdrücke, die wir kennen aus einem Kapitel im Alten Testament noch ganz speziell. Als 1. Mose 6, wo Gott Noah gegenüber das weltweite Gericht der Sintflut ankündigt. Da sagt er, dass er eben alles vom Erdboden, wie hier: Erdboden, ausrotten wird, und zwar vom Menschen bis zum Vieh und die Vögel des Himmels. Das sind also genau diese Ausdrücke, die damals das weltweite Gericht beschrieben. Sie werden hier wieder verwendet, und das macht uns klar: Aha, die Sintflutgeschichte war eigentlich ein Vorgeschmack auf dieses weltweite Gericht in der Zukunft.
Und diese Beziehung macht der Herr Jesus ja selbst. Wenn er in Lukas 17 über die Endzeit spricht und über sein Kommen als Richter, da sagt er in Lukas 17,24: Denn gleich wie der Blitz blitzend leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum anderen Ende unter dem Himmel, also wird der Sohn des Menschen sein an seinem Tag. Das ist der Tag des Herrn. Zuvor aber muss er vieles leiden und verworfen werden von diesem Geschlecht. Und gleich wie es in den Tagen Noas geschah, also wird es auch sein in den Tagen des Sohnes des Menschen: Sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet bis zu dem Tag, da Noah in die Arche ging, und die Flut kam und alle umbrachte.
Also der Herr Jesus macht gerade die Parallele: Es wird in der Zukunft, in der Endzeit, so sein wie zur Zeit von Noah. Die Menschen leben einfach ganz normal ihren normalen Zyklen. Jeden Tag dasselbe: Am Morgen steht man auf, man isst etwas, dann arbeitet man, dann kommt das Mittagessen, dann arbeitet man wieder oder hat frei, dann isst man wieder, und dann schläft man. Immer dasselbe, es läuft immer gleich. Und die Menschen denken, wenn das jetzt schon jahrtausendelang so war, wird das auch immer weitergehen. Und der Jesus sagt: Es wird sein wie bei Noah. Die haben gedacht, es geht so weiter, und plötzlich hat Gott eingegriffen. Weltweit wurde es in Flut.
Und so wird es auch in der Endzeit sein. Die Menschen heiraten, und sie denken, das ist immer das Gleiche. Dann bekommt man Kinder, und dann sieht man sie groß werden, und sie gehen weg. Dann lebt man noch ein bisschen, und dann stirbt man, und dann kommt eine neue Generation. Es ist immer dasselbe. Aber plötzlich wird dieser Kreislauf durchbrochen am Tag des Herrn. Eine fundamentale Änderung des Lebens.
Wenn man das heute so den Menschen erzählt, dann denken sie, die sind ein bisschen verrückt, die glauben so an Weltuntergang und Weltende und Endzeit. Ja, also erstens mal glauben wir nicht an das vorstehende Weltende, denn es kommt ja jetzt nach dem Tausendjährigen Reich. Aber Endzeit, ja, denn die Endzeitzeichen sind ja da, und wir können über hundert Prophezeiungen über die Endzeit zeigen, die sich bereits erfüllt haben in unserer Zeit. Also sind wir in der Endzeit, und plötzlich wird dieser Kreislauf so durchbrochen werden.
Also die Tage Noas sind ein Vorgeschmack auf die Zukunft, auf die Endzeit. Aber übrigens, wenn wir schon da in Lukas 17 stehen, der Herr macht noch eine Parallele, 17,28: Gleicherweise auch, wie es geschah in den Tagen Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tag aber, da Lot von Sodom ausging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte alle um. Desgleichen wird es an dem Tag sein, da der Sohn des Menschen geoffenbart wird.
Also die Geschichte von Lot in 1. Mose 19 ist auch ein Vorgeschmack auf die Endzeit. Auch da haben die Menschen ganz normal in Zyklen gelebt, gekauft, verkauft, es ist Wirtschaftsleben, und sie haben gepflanzt und sie haben gebaut. Das ist so das ganz Übliche. Und plötzlich kam das Unerwartete: Sodom und Gomorra ging unter durch eine göttliche Intervention vom Himmel.
Übrigens wird hier nicht gesagt, wie bei Noah: Sie heirateten, sie wurden verheiratet. Denn in Sodom war man viel moderner als zur Zeit von Noah, da heiratete man gar nicht mehr. Und Homosexualität war an der Tagesordnung, wie wir aus 1. Mose 19 wissen, und sogar Sodomie, wir wissen aus dem Judasbrief. Ja, so wird es sein in der Endzeit. Es gibt nicht: alle heiraten nicht mehr. Die anständigen Leute heiraten immer noch, aber andere sind eben moderner und heiraten nicht mehr. Darum ist eben sowohl die Zeit von Noah ein Bild auf die Endzeit als auch die Zeit von Lot, weil in der Endzeit gibt es anständige Leute und es gibt moderne Leute.
Vers 31: An jenem Tag, wer auf dem Dach sein wird und sein Gerät im Hause hat, der steige nicht hinab, um es zu holen; und wer auf dem Feld ist, wende sich gleicherweise nicht zurück. Gedenke dann Lots Weib. Wer irgend ein Leben zu retten sucht, wird es verlieren, und wer irgend es verliert, wird es erhalten.
Ich sage euch: In jener Nacht – jetzt habe ich gedacht, es ist ein Tag, wenn der Herr wiederkommt? Nein, hier steht es: Es passiert also in der Nacht. Ich sage euch, in jener Nacht werden zwei auf einem Bett sein, einer wird genommen, übrigens im Sinn von weggerafft werden durchs Gericht, das ist nicht die Entrückung, die erzählt der Herr in den Evangelien praktisch nicht. In jener Nacht werden zwei auf einem Bett sein, einer wird genommen und der andere gelassen werden für das Tausendjährige Reich.
Jetzt lese ich noch weiter: Zwei werden zusammen mahlen, die eine wird genommen, also weggerafft, und die andere gelassen werden. Ja, aber mahlen tut man doch nicht in der Nacht, sondern am Tag, oder? Ja, und wir haben doch gelesen in Vers 31, da sind Leute auf dem Feld. Nachts ist man ja nicht auf dem Feld, sondern am Tag.
Jetzt komme ich nicht mehr daraus: Die Wiederkunft Christi, wann wird sie sein? In der Nacht oder am Tag? Natürlich beides, denn immer eine Hälfte der Erde hat Tag und die andere hat Nacht. Das ist ein versteckter Hinweis auf die Beschaffenheit der Erde.
Ja, und dann Vers 36: Und sie antworteten und sagen zu ihm. Woher er aber sprach zu ihnen: Wo der Leichnam ist, da werden auch die Geier versammelt werden. Also es geht hier nicht um die Entrückung. Da geht es nicht um ein Gericht, wie das hier umschrieben wird, die Geier, die kommen, sondern hier geht es eben um den Tag der Wiederkunft Jesu als Richter.

Der Fokus auf Juda, Jerusalem und die einzelnen Gruppen unter dem Gericht

Wir gehen zurück zu Zephanie I. Also: Gott wird alle Lebewesen zusammenraffen und sie weltweit vernichten.
Jetzt lese ich weiter in Vers 3: Sammeln wir dich, Mensch und Vieh. Übrigens ist das ein Wortspiel. Ich habe das in der Fußnote vermerkt. Mensch heißt auf Hebräisch hier Adam, und Erdboden in Vers 2 ist Adama, nicht wahr? Der Mensch wurde ja vom Erdboden genommen, darum heißt er Adam. Adama ist die rote Erde. Gott hat den Adam aus Adama erschaffen, darum heißt er Erdling. Adam ist also ein Wortspiel.
Sammeln werde ich Mensch und Vieh, wegraffen werde ich die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres, die Steine des Anstoßes. Damit sind die Abgötter gemeint, die Götzen, die Anlass zum Abfall und zur Sünde gaben, samt den Gesetzlosen. Das sind also die Menschen, die Götzen dienen. Weiter: Und ich werde den Menschen, Adam, ausrotten, weg von der Fläche des Erdbodens. Das ist wieder Adama, Spruch des Ewigen.
Das ist also eine Sicht auf die ganze Welt. Es wird verheerend sein für die ganze Welt. In Jesaja 13 wird auch der Tag des Herrn beschrieben, ab Vers 6. Dort steht, dass Gott den Menschen kostbar machen wird, kostbar wie Gold. Weil so viele Menschen umkommen werden in dieser verheerenden Drangsalzeit, wird der Wert des Menschen steigen, weil der Mensch so selten wird. Nur ein Überrest wird aus der Menschheit überleben.
Also Vers 4: Und ich werde meine Hand ausstrecken über Juda. Jetzt zieht der Prophet den Fokus zusammen, aufs Land Israel, auf Juda und über alle Bewohner von Jerusalem. Jetzt wird der Fokus nochmals zusammengezogen. Über die Stadt Gottes wird jetzt gesprochen, über diese Stadt am Knotenpunkt der drei Kontinente Europa, Asien und Afrika, und über alle Bewohner von Jerusalem.
Und ich werde ausrotten von diesem Ort den Überrest des Baal, den Namen der Götzenpriester. Baal heißt auf Deutsch einfach Herr, aber es war ein falscher Gott, nicht identisch mit dem Herrn, mit Adonai. Und so werden also all die Götzendiener, die einem falschen Gott im Land Israel dienen, ausgerottet werden.
Und dann heißt es: Und ich werde ausrotten von diesem Ort den Überrest des Baal, den Namen der Götzenpriester. Das Wort Götzenpriester ist, wenn man in die Fußnote sieht, Kemarim. Das ist ein Ausdruck, der nie gebraucht wird für die Priester des Herrn in der Stiftshütte oder im Tempel. Die Priester, die Gott eingesetzt hat, die heißen in der Einzahl Kohen, in der Mehrzahl Kohanim. Also hier ist ganz klar: Das hat nichts zu tun mit dem Priestertum aus dem Stamm Levi. Das sind falsche heidnische Priester, den Namen der Götzenpriester samt den Priestern.
Und jetzt haben wir hier das Wort Kohanim. Das sind nun also Leute aus dem Volk Israel. Es gibt ja, wenn man im Telefonbuch in Israel durchschaut, unzählige Leute, die heißen Kohen. Ihr Familienname erinnert noch daran, dass sie aus dem Stamm Levi sind, und zwar aus der Priesterfamilie von Aaron. Und die sind immer etwas ganz Besonderes. Das ist ganz normal im Judentum, nicht nur in Israel, sondern weltweit. Wenn man eine Einladung macht, so privat, und da ist ein Herr Levi dabei, der kommt eben auch aus dem Stamm Levi, oder gar ein Kohen, dann sagt der Familienvater: Bitte, Herr Levi, Herr Kohen, machen Sie das Tischgebet! Normalerweise ist es der Familienvater, der betet, aber wenn ein Kohen da ist, die haben immer einen Vorzug gehabt, die müssen beten.
Oder in einer kleinen Synagoge: Da kommt ein Herr Kohen auf Besuch, da ist es klar, dass der Herr Kohen gewisse Dienste sofort übernimmt in der Synagoge, gewisse Lesungen, oder ein Herr Levi. Die hatten also immer eine besondere Stellung.
Und jetzt wird hier gesprochen über diejenigen, die einem falschen Gott dienen. Gibt es solche im Land Israel? Heute, Tag für Tag, wird dieser Gott angerufen, der aber nicht identisch ist mit dem Gott der Bibel, indem von allen Minaretten auch in Jerusalem heruntergeschrien wird: Allahu Akbar, Allah ist größer, nicht groß. Groß heißt Kabir, und die sagen nie Allahu Kabir, die sagen immer Allahu Akbar, Allah ist größer als der Herr, der Gott im Judentum und der Gott im Christentum.
Darum haben sie auch den Felsendom extra an die Stelle gebaut, wo im siebten Jahrhundert das Allerheiligste des Tempels der Juden war, um zu zeigen, sie sind überlegen. Und sie haben extra die Kuppel höher gebaut als die Kuppel der Grabeskirche, um zu zeigen, dass es überlegen ist gegenüber dem Christentum. Also nicht, dass ich die Grabeskirche etwas Tolles finde, aber es geht um die Symbolik, ja.
Ja, die werden ausgerottet, aber samt den Kohanim.

Abfall, Esoterik und der Antichrist

Und weiter: Alle Typen von Menschen, die es gibt, werden hier erwähnt, auch die, die sich auf den Dächern niederwerfen. Hishtachave bedeutet im Hebräischen „niederwerfen, um anzubeten“, vor dem Heer des Himmels. Das sind die Esoteriker. Und es gibt so viele Israelis, die nach dem Militärdienst nach Indien gegangen sind und sich dort in Hinduismus oder Buddhismus einführen lassen. Esoterik ist auch in Israel ein großer Boom, besonders unter den liberalen Juden. Aber die machen ja 80 der Bevölkerung aus. Es gibt auch große New-Age-Feste in Israel. Vor nicht allzu langer Zeit hat es zum Beispiel ein Fest gegeben mit Tanz um das goldene Kalb. Es ist unglaublich!
Hier wird gesprochen über die Götzendiener und die, die sich vor dem Heer des Himmels auf den Dächern niederwerfen. Und die, die sich niederwerfen, die schwören bei dem Ewigen. Aha, es gibt also auch die, die den wahren Gott anbeten, aber dann heißt es hier: Und zugleich schwören bei ihrem König. Wer ist mit diesem König gemeint? Nun, in der Drangsalzeit ist bereits der Antichrist aufgetreten, der schlimmste aller falschen Messiasse. Und er wird verehrt werden als König. In Daniel 11,36 wird der Antichrist beschrieben. Im Kapitel 11 von Daniel geht es dauernd um den König des Südens, Ägypten, und den König des Nordens, Syrien. Und plötzlich heißt es in Vers 36 einfach: „Und der König.“ Das ist ein König in der Endzeit in Israel. Und der König wird nach seinem Gutdünken handeln, und er wird sich erheben und groß machen über jeden Gott. Und wieder dem Gott der Götter wird er Erstaunliches reden, und er wird Erfolg haben, bis der Zorn vollendet ist. Da sind die dreieinhalb Jahre Drangsal, denn das Festbeschlossene wird vollzogen.
Und auf den Gott seiner Väter – der Gott seiner Väter ist Abraham, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs – wird er nicht achten. Und weder auf die Sehnsucht der Frauen noch auf irgendeinen Gott wird er achten, sondern er wird sich über alles erheben. Und an dessen Stelle wird er den Gott der Festungen ehren. Den Gott, den seine Väter nicht gekannt haben, wird er ehren mit Gold und mit Silber und mit Edelsteinen und mit Kleinodien. Und er wird gegen die starken Festungen so verfahren mit dem fremden Gott. Wer ihm Anerkennung zollt, dem wird er viel Ehre erweisen, und er wird ihm Herrschaft verleihen über die vielen. Die vielen sind im Buch Daniel die Masse des jüdischen Volkes. Über die vielen und das Land wird er austeilen zum Lohn.
Das ist der Antichrist. Der wird als König, als Messias, verehrt werden. Und hier wird also gesprochen über die, die sich niederwerfen, die schwören bei dem Ewigen und schwören bei ihrem König, beim Antichristen. Und dann wird eine noch klarere Gruppe beschrieben, in Vers 6: die, die von dem Ewigen abfallen, und die, welche nicht nach dem Ewigen fragen und ihn nicht suchen. Also: Für jeden hat es da eine Verszeile. Wirklich jeder Typ von Mensch ist dabei. Alle kommen unter das Gericht.

Warnung vor Verführung und die Geschichte falscher Messiasse

Übrigens, Herr Jesus: Als er in Matthäus 24 auf dem Ölberg gefragt worden ist: Was wird das Zeichen sein, wenn der Tempel zerstört wird, und was wird das Zeichen sein, wenn du wiederkommst?, da beginnt der Herr Jesus die Rede mit einer allgemeinen Warnung: Seht zu, dass ihr nicht verführt werdet. Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin der Christus. Und sie werden viele verführen.
Dann beginnt der Herr Jesus mit den Endzeitzeichen. Er sagt, viele falsche Messiasse werden kommen. Und es ist so: Wenn man die vergangenen zweitausend Jahre jüdischer Geschichte studiert, erlebt man einen Schock. Wie viele falsche Messiasse sind da im Judentum gekommen? Hat jemand gerade eine Idee? Ja, ich höre nichts. Mehr als fünfzig. Und zwar durch die ganze Geschichte hindurch grauenhafte Verführer, die unsägliches Elend angerichtet haben.
Zum Beispiel war der erste wichtige Bar Kochba, Anfang des zweiten Jahrhunderts. Er wurde von einem der grössten Rabbiner, Rabbi Akiba, der im Talmud erwähnt wird, einem der grossen Lehrer Israels, als Messias ausgerufen. Bar Kochba rief die Juden dazu auf, er werde nun Jerusalem befreien und den Tempel wieder aufbauen. Ermutigt durch diesen falschen Messias wagten sie den Aufstand, den zweiten Aufstand gegen die Römer, obwohl im Jahr siebzig bereits mehr als eine Million Juden in der ersten Rebellion gegen die Römer umgekommen waren. Aber jetzt dachten sie: Jetzt haben wir einen Messias.
Kaiser Hadrian schlug diese Bewegung nieder. Dabei kamen wieder mehr als eine Million Juden ums Leben. Aber die messianischen Juden wussten: Das kann nicht der Messias sein. Der Messias ist schon längst gekommen. Sie beteiligten sich nicht an diesem verheerenden Aufstand und blieben bewahrt.
Ein Beispiel: Später, um etwa 400, kam ein falscher Messias auf Zypern. Er sagte den zyprischen Juden: Ich bin der Messias, die Zeit ist da. Und die Zeit des Messias ist ja die Zeit, in der die Juden wieder zurückkehren ins Land. Er sagte, es werde so sein wie bei Mose: Mose habe das Meer gespalten, und dann konnten sie hindurchgehen durchs Rote Meer. Und ich werde das Gleiche tun, und ich bringe euch zurück ins Land Israel. Das geht ja ganz flott, von Zypern aus. Das Meer spaltet sich, und schon ist man im Land Israel.
Dann kam der grosse Tag. Er hatte sich an den Klippen des Meeres mit all seinen vielen Anhängern versammelt, die völlig hin waren von diesem Messias, der jetzt endlich gekommen ist nach all diesem Leiden von vierhundert Jahren. Dann sagte er aber: Ihr müsst einen Akt des Glaubens tun. Das Meer wird sich nicht einfach so spalten, sondern wir müssen im Glauben zuerst hinunterspringen ins Meer, und dann wird es sich spalten. Und sie sind massenweise hinuntergesprungen. Ertrunken. Erschreckte zyprische Fischer konnten manche noch retten, und die ganze Bewegung war am Ende. Grauenhaft, so brutal.
Aber man merkt diese Art der Verführung: Ihr müsst glauben, ihr müsst einfach hinein, ja, ihr müsst gar nichts denken. Und dann geschieht es. Ja, es ist eben nicht geschehen. Und so geht das durch die Jahrhunderte hindurch. Das hat sich so eindrücklich erfüllt, was der Herr Jesus sagt: Viele werden unter meinem Namen kommen und viele verführen.
Es hat sogar Zeiten gegeben, in denen ein falscher Messias in Europa herumging und auch zu den Christen gepredigt hat. Und die waren von ihm hingerissen, und viele Christen sind wegen diesem Messias ins Judentum übergetreten. Also diese Warnung in Matthäus 24 richtet sich eben auch an die Jünger des Herrn.
Und so geht das weiter. Der letzte falsche Messias, wer war das? Der Lubawitsche Rebbe aus New York. Überall hat man in Israel die Bilder gesehen: Melech Maschiach, König Messias. Und man hat geglaubt, dass dieser alte Mann bald nach Israel geht und sich dann als der Messias offenbaren wird. Er hat bereits in Kfar Chabad in Israel ein Haus bauen lassen, eine genaue Kopie von einem Haus in New York. Und sie wussten: Wenn er dann dorthin geht, wird er sich als König Messias offenbaren, und das Reich des Friedens wird anbrechen.
Und der Mann ist immer älter geworden und ist gestorben. Und jetzt glauben viele, er werde bald wieder auferstehen. Also schrecklich. Aber der schlimmste Messias steht noch aus, und das ist der Antichrist. Und darum schwören sie bei dem Ewigen und zugleich schwören sie bei ihrem König. Man ist erstaunt über Daniel 11,36: Dieser Antichrist wird ja zum Götzendienst verleiten und eigentlich zum Abfall vom wahren Gott verführen. Wie ist das denkbar? Nun, das haben wir alles schon in der vergangenen Geschichte gesehen.
Im siebzehnten Jahrhundert kam Schabatei Zwi als falscher Messias. Er hat praktisch das ganze Judentum vom Mittleren Osten über Persien und den Jemen bis nach England in Bewegung gebracht. Die Hälfte der Judenheit glaubte: Schabatei Zwi ist der Messias. Und er begann zu sagen: Jetzt müsst ihr nicht mehr Kaschrut beachten, die Reinheitsgesetze beim Essen. Jetzt ist die Zeit vorbei, jetzt kommt die Zeit des Messias, da gibt es ganz neue Gesetze. Und er hat massenweise Juden zum Abfall vom Gesetz verführt.
Es gab dann sogar Nachfolger, die sagten: Jetzt ist auch die Zeit da, wo die zehn Gebote nicht mehr gelten, und zwar darf man jetzt auch Ehe brechen, man soll sogar Ehe brechen. Und das hat massenweise Juden in die schlimmste Unmoral hineingeführt. Da sieht man also: Wenn man den wahren Messias verwirft, wozu man schliesslich fähig ist. Da kann ein Mann kommen, der die Menschen so beeindruckt. Und der Antichrist wird sogar Feuer vom Himmel herabkommen lassen, also Blitz vom Himmel. Die Leute werden glauben, und sie werden sogar glauben, wenn er sagt: Jetzt müsst ihr gar nichts mehr, jetzt könnt ihr das und das anbeten.
Das ist alles richtig. Das haben wir also alles in der Vergangenheit erlebt. Und so versteht man, dass es zu diesem schlimmen Abfall kommen wird, dem Abfall von dem Ewigen, Vers 6.

Stille vor dem Gericht und das Schlachtopfer des Ewigen

Und jetzt kommt Vers 7: Stille vor dem Herrn. Das ist ein Leitmotiv aus Habakuk. Wir haben doch vor kurzem Habakuk betrachtet. Und dort heißt es im Zusammenhang mit der Wiederkunft Christi: Stille vor dem Herrn, in Habakuk 2,20. Und Zephanja nimmt also dieses gleiche Thema auf: Stille vor dem Herrn, dem Ewigen; denn nahe ist der Tag des Ewigen. Jetzt müssen alle Menschen schweigen. Die Menschheit hat so viel geschwatzt und geredet, jetzt wird Gott das letzte Wort haben, und zwar am Tag des Ewigen.
Dann wird erklärt, wie eben alle unter dieses Gericht kommen. Denn es bereitet der Ewige ein Schlachtopfer, er hat seine Geladenen geheiligt. Und es wird geschehen am Tag des Schlachtopfers des Ewigen: da werde ich heimsuchen die Fürsten und die Söhne des Königs und so weiter. Ein Schlachtopfer. Das ist ein ganz wichtiger Vers. Der Herr Jesus ist da gekommen, vor zweitausend Jahren, um als Schlachtopfer für unsere Sünden zu sterben. Und jeder, der dieses Schlachtopfer für sich in Anspruch nimmt, wird gerettet. Aber wer dieses Schlachtopfer nicht annimmt, der wird selber einmal ein Schlachtopfer werden und von dem Herrn gerichtet werden. Und darum ist der Tag des Herrn der Tag des Ewigen, der Tag des Schlachtopfers des Ewigen.
Wer will dich heimsuchen? Die Fürsten, das sind die führenden Politiker in Israel. Und wenn wir heute so schauen, wie die Politik aussieht, das ist ganz, ganz schlimm, wie groß dieser Teil ist von Führern, die völlig korrupt sind. Man fragt sich: Warum? Es gibt ja noch so viele Leute, die wirklich ein moralisches Niveau hätten und die auch gute Ideen hätten, wie man in dieser schwierigen Situation jetzt reagieren und handeln könnte. Dabei sind so viele korrupte Leute! Wir sind ja alle entsetzt gewesen, was jetzt mit dem Staatspräsidenten geschehen ist, der wegen so schlimmer Unmoral zurücktreten musste. Und wir hören ständig von Knesset-Leuten, die Skandale, Affären, Affären und auch Geldskandale haben. Die Führer kommen auch unter das Gericht.
Da werde ich heimsuchen die Fürsten und die Söhne des Königs. Das wären also die Söhne des Antichristen und alle, die sich bekleiden mit fremdländischer Kleidung. Ganz eigenartige Stelle. Ich habe in der Fußnote 25 geschrieben: Der Abfall von dem Gott Israels zeigt sich auch durch die Nachahmung heidnischer Kleidersitten. Und das ist natürlich ein sehr aktuelles Thema, wenn man denkt, wie die Kleidung sehr viel zu tun hat mit Heidentum. Wenn man denkt, wie die Kleidersitte heute weltweit durch bestimmte Modeschöpfer gesteuert werden, und zwar in Richtung Unmoral. Da haben wir diese heidnischen Kleidersitten, und die werden hier ins Visier genommen: alle, die sich bekleiden mit fremdländischer Kleidung, also Kleidung, die eigentlich hinweist: Da ist Abfall, Abfall von dem Gott der Bibel und seinen Normen.
Und dann Vers 9: Und ich werde heimsuchen die, die hinüberspringen über die Schwelle an jenem Tag. Das kann man verstehen als ein Hinweis auf die Sitte aus 1. Samuel 5. Da wird eine abergläubische Sitte erwähnt, wie die Philister bei ihrem Tempel von Dagon nicht auf die Schwelle traten, sondern immer über die Schwelle sprangen. Also ein abergläubischer Ritus aus 1. Samuel 5, das kann man nachlesen. Aber das kann auch ein Hinweis sein eben auf das, was nach hier steht: Die, welche das Haus ihrer Herren füllen mit Gewalttat und Betrug. Also solche, die kriminell in Häuser hineindringen und unrechtmäßig Besitz an sich reißen. Auch die kommen dran. Und wenn man denkt, auch in Israel ist die Mafia und die russische Mafia ganz, ganz massiv am Werk. Und es ist eines der großen Probleme für die israelische Polizei, dieses Mafia-Problem in Israel.
Vers 10: Und es wird geschehen an jenem Tag, Spruch des Ewigen, Stimme eines Geschreis vom Fischtor her und ein Geheul vom zweiten Stadtteil her und große Zertrümmerung von den Hügeln her. Das ist ganz interessant, wie präzis jetzt die geographischen Hinweise sind. Das Fischtor wird ja erwähnt in 2. Chronika 33,14, wenn man aus der Fußnote sieht, Nehemia 3,3 und 12,39. Wir können heute den Standort des Fischtors rekonstruieren. Sein Standort befindet sich am Westende des Bezettatales im heutigen Muslimviertel der Altstadt von Jerusalem. Das Bezettatal, dieses Tal sieht man heute beim Tempelberg nicht mehr, das ist nämlich zugeschüttet worden, um die Plattform, also das nördliche Ende der Tempelplattform, zu vergrößern. Wenn man oben auf dem Tempelplatz ist, kann man das Bezettatal noch sehr schön erkennen, weil diese Aufschüttung hat sich im Laufe der Zeit abgesetzt. Und darum gibt es so eine leichte Buchtung im Tempelplatz. Da kann man genau das Bezettatal rekonstruieren. Das ging dann so weiter ins muslimische Viertel hinein. Und dort war also im muslimischen Viertel, ganz nah beim Tempelberg, war das Fischtor. Stimme eines Geschreis vom Fischtor her, das also können wir genau lokalisieren, wo in der Altstadt von Jerusalem. Und ein Geheul vom zweiten Stadtteil her. In der Fußnote habe ich geschrieben: 30, hebräisch Mischne, die Stadterweiterung Jerusalems im Westen des Tempelbergs. Und im Westen der Davidsstadt, dazu gehört also auch das ganze jüdische Quartier in der Altstadt von Jerusalem, da sind wir im zweiten Stadtteil. Ein Geheul vom zweiten Stadtteil her und große Zertrümmerung von den Hügeln her, es geht um alle Hügel um Jerusalem her.
Vers 11: Heult, ihr Bewohner des Magdesch. Ich habe auch da in der Fußnote vermerkt: Hebräisch Magdesch heißt wörtlich Mörser. Als geografischer Ausdruck ist er die Bezeichnung des Kessels in der Altstadt von Jerusalem, in dem das Tyropoiontal, das Käsemachertal, mit dem Kreuztal zusammentrifft. Das befindet sich auch im Altstadtviertel von Jerusalem, dieser Ort. Kann man also ganz genau lokalisieren. Hier ist wirklich die Altstadt von Jerusalem im Visier, und da wird also auch vorausgesetzt, dass dieser Stadtteil dann in jüdischer Hand ist. Aber das war ja nicht mehr bis zum Sechstagekrieg. Nun sehen wir, dass also auch das Ereignis vor vierzig Jahren, als die Altstadt erobert wurde, das war eine unabdingbare Voraussetzung, dass diese Prophetie dann auch in Erfüllung gehen konnte. Das jüdische Volk sollte dort in der Altstadt wieder zu Hause sein. Heult, ihr Bewohner des Magdesch, denn vernichtet ist das Volk der Handelsleute, ausgerottet sind alle mit Silber Beladenen. Wir wissen, wie die Handelsleute eine wichtige Rolle spielen in der Altstadt von Jerusalem, ja? Heute, all diese Altstadtmärkte im muslimischen, im christlichen und im jüdischen Viertel.
Es wird geschehen zu jener Zeit, da werde ich Jerusalem mit Lampen durchforschen. Das ist nun eine ganz interessante Ausdrucksweise. Die erinnert an die Sitte im Judentum vor dem Passafest. Am Passafest darf man kein gesäuertes Brot mehr in den Häusern haben. Alles muss herausgeputzt werden, übrigens eine wunderbare Einrichtung Gottes in 2. Mose 12, auch zur Vermeidung von Pest in der Vergangenheit. Man musste also jedes Jahr eine totale Frühlingsputzete, wenn man in Schweizerdeutsch sagt, durchführen. Alles musste herausgeputzt werden, eben damit der Sauerteig draußen ist, ausgefegt werden. Durch ein gründliches Reinigen, besonders in früheren Zeiten, wo auch der Hygienestandard anders war, hat das dazu geführt, dass man den Mäusen und Ratten die Fressgrundlage entzogen hat. Mäuse und Ratten sind ja die großen Überträger von Pest, und so war also das Passa als Nebeneffekt immer noch eine Hilfe, dass Israel eben nicht solche Pestplagen erleben sollte wie andere Völker.
Ja, und nun ist es im Judentum bis heute üblich: Am Vorabend der Passafeier geht der Vater mit einer Kerze durch die ganze Wohnung hindurch und sucht überall nach Resten von Sauerteig. Also werden die verborgenen Winkel noch durchsucht. Heute haben wir natürlich eine Folklore daraus gemacht: Man versteckt extra an gewissen Orten Brotreste, und der Vater muss die eben ausfindig machen. Und wenn er es nicht findet, hilft man ihm danach natürlich. Am Schluss muss ja alles draußen sein. Aber so wird mit der Lampe die Wohnung bis in die verborgenen Winkel ausgeforscht. Und hier steht: Und es wird geschehen zu jener Zeit, da werde ich Jerusalem mit Lampen durchforschen. Nun, es ist nicht klar, ob die Sitte mit der Kerze damals schon existierte oder ob man sie eingerichtet hat aufgrund von Zephanja 1,12. Aber der Zusammenhang ist auf jeden Fall da. So wird Gott aller Sauerteig, der ja nach 1. Korinther 5 ein Bild der Sünde ist, ausfindig machen, auch da, wo die Menschen ganz im Verborgenen in der Sünde leben, ohne dass die Leute es merken und davon etwas wissen. Gott wird alles ans Licht bringen.
Und dann heißt es: Und ich werde heimsuchen die Männer, die stockig werden auf ihren Hefen, die sprechen in ihren Herzen: Der Ewige tut nichts Gutes und er tut nichts Böses. Ja, also Kenner von Weinherstellung, Sie können das besser erklären als ich, aber es ist so: Dieser Ausdruck „stockig werden auf ihren Hefen“ bedeutet, alter Wein, der nicht von der Hefe abgezapft wird, im Fass, der bleibt trüb und erhält keinen edlen Geschmack. Also diese natürlichen Hefen, die man ja benutzt bei der Umwandlung von Traubensaft in Wein, dieser Prozess muss eben bei der Weinpflege reguliert werden, eben durch Abzapfen. Und wenn das einfach so bleibt, wird der Wein eben stockig und schlecht im Geschmack. Und so vergleicht also Gott diese Menschen, die Dinge in ihrem Leben nicht immer wieder ordnen. Das sind die Menschen, die einfach hocken auf ihren Hefen: So sind wir, und ich stehe dazu, wie ich bin, jawohl, ich stehe zu meinen Fehlern und lebe weiter darin. Das ist ja moderne Psychologie: Man muss zu seinen Fehlern stehen und einfach so weiterleben. Und hier sagt Gott: Ich werde heimsuchen die Männer, die stockig werden auf ihren Hefen. Und es ist so: Der Wein, der nicht abgezapft wird, wird eben trüb und erhält einen üblen Geschmack. Und so kann man sagen, diese Menschen verharren in Gleichgültigkeit, und so wird ihr Denken in widerlicher, abstoßender Weise verdunkelt, ungenießbar.
Ja, und was ist ihr Denken? Sie sagen nicht: Gott existiert nicht, sondern sie sagen: Der Ewige tut nichts Gutes und er tut nichts Böses. Das ist eine ganz eindrückliche Umschreibung des Agnostizismus. Ich muss erklären: Atheisten, das sind ja moderne Menschen, also heute werden sie allerdings nicht mehr als modern angesehen, aber bis vor ein paar Jahrzehnten waren die noch modern. Die sagen: Es gibt keinen Gott. Alles ist durch Zufall entstanden, es gibt keinen Gott. Heute ist eher modern, dass man Agnostiker ist. Agnostiker heißt Nichtwissender. Gibt es Gott? Weiß nicht, könnte sein, aber es kann auch nicht sein. Aber mit unserem Leben hat das sowieso nichts zu tun. Ja, wie ist die Welt entstanden? Durch Evolution, ja natürlich. Aber hat Gott das gesteuert? Vielleicht hat Gott das gesteuert, vielleicht auch nicht, man kann nichts wissen. Also sie sagen nicht: Gott existiert nicht, aber sie sind überzeugt, dass Gott nicht handelt, nicht eingreift im Lauf der Geschichte und auch nicht in unserem persönlichen Leben. Gott ist nicht erlebbar. Gott tut nichts Gutes und er tut nichts Böses. Und Gott sagt: Genau diese Leute wird er richten. Und die meisten der Liberalen, 80 in Israel, sind eben Agnostiker. Die feiern schon Passafest und gehen am Jom Kippur in die Synagoge und bekennen Sünden. Das ist alles Folklore, und vielleicht gibt es Gott, vielleicht auch nicht. Manche sagen: Ja, also, was da geschehen ist in der Judenvernichtung im Zweiten Weltkrieg, das weist eher darauf hin, dass es keinen Gott gibt. Wo war Gott? Gott greift ja nicht ein. Und hier werden die ins Visier genommen, die sprechen in ihren Herzen: Der Ewige tut nichts Gutes und er tut nichts Böses.
Vers 13: Und ihr Vermögen wird zum Raub werden und ihre Häuser zur entsetzlichen Verwüstung. Ja, sie werden Häuser bauen, sie aber nicht bewohnen, und sie werden Weinberge pflanzen, aber sie werden ihren Wein nicht trinken.
Nahe ist der große Tag des Ewigen, nahe ist er und er eilt sehr. Horch, der Tag des Ewigen! Bitterlich schreit dort der Held. Ein Tag des Grimmes ist jener Tag, ein Tag der Drangsal und der Bedrängnis, ein Tag der Verwüstung und der Zerstörung, ein Tag der Finsternis und der Dunkelheit, ein Tag des Gewölks und des Wolkendunkels. Übrigens habe ich hier gerade in der Fußnote vermerkt: Fußnote 37, diese und die davor stehende Verszeile entspricht wörtlich Joel 2,2. Joel haben wir ja schon durchgenommen, das ist ein früher Prophet. Und hier haben wir wieder ein Leitmotiv, das aus einem frühen Propheten aufgenommen wird. Es zeigt also, wie innerhalb der alttestamentlichen Bücher es schon die ganz direkten wörtlichen Bezüge gibt. Sie alle sprechen vom Gleichen, sie alle haben die gleiche Botschaft.
Und weiter Vers 16: um den Tag des Schofahornes und des Lärmblasens gegen die durch eine steile Mauer abgeschnittenen Städte und gegen die hohen Wachtürme. Das ist ja schon interessant, dieser Ausdruck hier. Die Städte sind durch eine steile Mauer abgeschnitten. In Fußnote 39 habe ich geschrieben, es ist hier der gleiche Ausdruck wie in Hesekiel 36,35. Das hebräische Wort „bazur“ bedeutet befestigt, unzugänglich gemacht oder durch eine steile Mauer abgeschnitten. Das kann man nachlesen in Eduard König, Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament, Leipzig 1910. Ja, man konnte sich lange fragen, wieso spricht der Prophet über die Endzeit und er spricht von Städten, die durch Mauern geschützt sind. Das macht man doch nicht mehr in unserer Zeit. Und vor ein paar Jahren haben wir die Antwort gekriegt. Da begann man, um den Terrorismus vom Westjordanland zu unterdrücken, begann man mit einem massiven Mauerbau in Jerusalem und dem Bau eines ausgedehnten Zaunes über Hunderte Kilometer. Der Effekt ist gewaltig. Drastisch ist plötzlich der Terrorismus damit gesunken. Das ganze Projekt ist noch nicht fertig, aber schon unvollendet wirkt es so gewaltig, dass die Terroristen sehr, sehr Mühe haben, ins israelische Kernland zu kommen. Und man muss mal diese Mauer ein bisschen besuchen, und dann sieht man, wie da von Punkt zu Punkt die Wachtürme sind, von denen aus die Armee jede Bewegung im Zusammenhang mit der Mauer eben kontrolliert. Und da haben wir also die steile Mauer, die die Städte abschneidet, und wir haben da auch die hohen Wachtürme.
Übrigens, Hesekiel 36 möchte ich doch noch vorlesen: 36,34. Und das verwüstete Land soll bebaut werden, statt dass es eine Wüste war vor den Augen jedes Vorüberziehenden. Im neunzehnten Jahrhundert war das noch eine furchtbare Wüste, das Land Palästina nannte man es, und dann kamen die Juden und haben 220 Millionen Bäume gepflanzt, haben Blumen gepflanzt, so dass man heute Schnittblumen in die Welt exportiert. Und man wird sagen: Dieses Land da, das verwüstete, ist wieder Garten Eden geworden, und die verödeten, verwüsteten und zerstörten Städte sind befestigt oder eben durch eine Mauer abgeschnitten und bewohnt. Ja, das ist heute so. Alttestamentliche Städte sind wieder aufgebaut, und sie sind durch eine Mauer abgeschnitten und so geschützt.
Wir fahren weiter, Zephanja 1,17: Und ich werde die Menschen in Bedrängnis bringen, und ausgeleert wird ihr Blut wie Staub und ihr Fleisch wie Kot. Auch ihr Silber, auch ihr Gold, nicht kann es sie erretten am Tag des Grimms des Ewigen. Und durch das Feuer seines Eifers wird verzehrt werden die ganze Erde, denn eine Vernichtung, ja, einen plötzlichen Untergang wird er bereiten allen Bewohnern der Erde. Das Zentrum des Krieges und der Auslöser wird im Land Israel sein, also der Nahostkonflikt, aber die ganze Welt wird brennen. Das, was jeder, der heute spürt: Wenn es dort wirklich zum Brand kommt, dann brennt die ganze Welt. Und das sagt die Bibel ganz klar voraus. Hier wird gesagt über die Menschen, die dann, weil sie eben das Opfer des Herrn Jesus nicht angenommen haben, selber zum Schlachtopfer werden: Auch ihr Silber, auch ihr Gold, nicht kann es sie erretten.
In 1. Petrus 1,18, das passt ja gut zu Zephanja 1,18, 1. Petrus 1,18, einfach als Eselsbrücke. Dort sagt der Apostel: Indem ihr dieses wisst, dass ihr nicht mit verweslichen Dingen, mit Silber oder Gold, erlöst worden seid von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, sondern durch das Blut eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken. Also das Blut Jesu Christi rettet uns. Unser Besitz, Gold und Silber, kann uns überhaupt nicht helfen vor Gott. Und hier steht es: Auch ihr Silber, auch ihr Gold, nicht kann es sie erretten. Wer das Blut Jesu, das Blut seines Opfers, ablehnt als Rettungsmittel, der hat kein Mittel mehr, um je vor Gott zu bestehen. Ja, und so wird dieser weltweite Brand hier vor Augen gestellt.
Jetzt machen wir Pause und dann kommen wir zum Hauptteil zwei.

Übergang zum zweiten Hauptteil

Jetzt kommen wir zu Teil zwei: Darstellung des Gerichts Gottes anhand konkreter Beispiele, Kapitel 2, Vers 1 bis Kapitel 3, Vers 8. Dieser Teil zerfällt wieder in drei Unterteile: a) 1. Aufruf zur Buße im Blick auf das Gericht, 2,1-3; b) Gericht über die Nationen, 2,4-15; c) Gericht über Jerusalem, 3,1-8.
Diese Ankündigung des künftigen Gerichts über die Welt wurde zu einer Zeit gegeben, als Israel selbst, das heißt das Königreich Juda, unmittelbar vor dem Gericht durch die Babylonier unter Nebukadnezar stand. Diese Botschaft wurde nicht einfach gegeben, damit man weiß, was in der Zukunft kommen wird. Prophetie ist in der Bibel immer auch auf eine persönliche Botschaft ausgerichtet, die Konsequenzen für unser persönliches Leben zu allen Zeiten haben muss.
Darum war das Buch Zephanja zu allen Zeiten aktuell, nicht erst in unserer Zeit. Und alle prophetischen Bücher der Bibel waren immer zu allen Zeiten aktuell, weil Gott damit stets auch eine moralische Botschaft für unser Leben verbindet.

Aufruf zur Umkehr und die Dringlichkeit der Entscheidung

Also, Aufruf zur Buße, Kapitel 2, Vers 1:
Geht in euch und sammelt euch, du Nation, die nicht erbleicht, bevor der festgesetzte Beschluss gebiert. Wie Spreu geht der Tag vorüber, bevor über euch die Glut des Zornes des Ewigen kommt, bevor über euch der Tag des Zornes des Ewigen kommt.
Sucht den Ewigen, alle ihr Demütigen des Landes, die ihr sein Recht getan habt. Sucht Gerechtigkeit, sucht Demut. Vielleicht werdet ihr geborgen werden am Tag des Zornes des Ewigen.
Hier wird also Israel zur Buße aufgerufen. Aber natürlich können wir zu allen Zeiten diesen Aufruf zur Buße auch auf uns anwenden. Er ist direkt an Israel gerichtet, in der Endzeit. Aber er hat Bedeutung für alle Menschen zu allen Zeiten.
Gott sagt: Geht in euch und sammelt euch, du Nation, die nicht erbleicht. Das heißt: du gottlose Nation, die nicht vor Gottes Gerichtsbotschaft erschrickt. Die Reaktion gegenüber Gottes Wort kann ganz unterschiedlich sein.
Zur Zeit von Josia wurde ja, als man den Tempel in Jerusalem wieder restaurieren wollte – das hat Josia mit seiner Reformation so angeleitet –, das originale Buch des Gesetzes gefunden, die Tora von Mose. Also der Autograph, die ursprüngliche Handschrift von Mose, damals tausend Jahre alt. Dann hat Schafan, der Schreiber damals, dieses Buch des Gesetzes genommen und zum König Josia gebracht, ihm vorgelesen. Als der König das hört, zerreißt er seine Kleider und ist entsetzt: Wir haben uns überhaupt nicht nach Gottes Wort gerichtet, wir haben Gottes Gericht verdient. Und die Prophetin Hulda kann dann die Botschaft geben: Josia, Gott hat gesehen, wie du dich gedemütigt hast, das Gericht wird nicht zu deinen Lebzeiten kommen. Und es kam ja erst einige Jahre später.
Aber wir sehen diesen Josia, der die Kleider zerreißt. Das Buch Jeremia wird einige Jahre später einem Nachfolgekönig vorgelesen, und er bleibt vollkommen cool. Es war zwar Winter und das Winterfeuer brannte, aber nachdem wieder ein Abschnitt gelesen war, ließ der König die Rolle zerschneiden und warf sie ins Feuer. Also: Josia erschrickt aufgrund des Wortes Gottes, und ein Nachkomme von ihm kann einige Jahre später die Bibel einfach zerreißen. Er hört sie sich zwar an, bleibt aber vollkommen, eben cool, und schon gar nicht so, dass er erbleichen würde.
Ja, also für eine echte Bekehrung braucht es wirklich den tiefen Eindruck vor der Bibel: Das ist Gottes Wort, das zu mir spricht. Aber Gott ruft auf: Ihr könnt jetzt noch Buße tun, bevor der festgesetzte Beschluss gebiert, das heißt, bevor das, was Gott als Gericht prophezeien ließ, in Erfüllung geht.
Und dann wird so durch einen Zwischensatz dieser Tag beschrieben, wie Spreu geht der Tag vorüber. Die Menschen werden wie die Spreu ins Feuer geworfen, das kann man ja nicht brauchen, das sind die Menschen, die nicht Buße tun. Und Gott sagt: bevor über euch die Glut des Zornes des Ewigen kommt, bevor über euch der Tag des Zornes des Ewigen kommt.
Nun, wir können heute sagen: Wir leben in der Endzeit, und dieser Tag des Ewigen, dieser Tag des Herrn, wird bald kommen. Und darum hat unsere Botschaft heute eine solche Aktualität. Wir können die Menschen jetzt noch zur Buße aufrufen, bevor diese Katastrophe auch über unsere abendländische Kultur kommen wird.
Und Gott ruft auf, Vers 3: Sucht den Ewigen! In Jeremia 29 wird die Verheißung gegeben: Wenn ihr Gott von ganzem Herzen sucht, so wird er sich von euch finden lassen. Und hier werden nun die Demütigen des Landes, und man kann auch übersetzen: die Sanftmütigen des Landes, aufgerufen. Die sollen die Gemeinschaft mit dem Herrn pflegen, die ihr sein Recht getan habt. Sucht Gerechtigkeit, sucht Demut.

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