Zum Inhalt

Landeskirche: Not & Chance

mit Pfarrer David Brunner
13.12.2024

Einführung und Vorstellung des Gesprächspartners

Willkommen, ich bin Markus, Gründer des überkonfessionellen Bibeldienstes. Um Christen in der Nachfolge zu stärken, erstellen wir kostenfreie Infomaterialien. Nimm gern alles aus diesem Video mit, was du kannst. Besonders hilfreich werden dir jedoch die Infomaterialien auf dieser Website sein.

Diese Materialien nehmen sich täglich Menschen mit, die neu im Glauben sind, aber auch tausende, die Jesus schon seit Jahrzehnten nachfolgen. Alles steht dir hier kostenlos zur Verfügung. Dafür kannst du den freiwilligen monatlichen Unterstützern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz danken – Menschen wie du und ich.

Wer möchte, dass solche Angebote in unserem Land weiterhin verbreitet und nicht verborgen bleiben, sollte jetzt auf die Glocke klicken, die unten rechts unter diesem Video zu finden ist. Vielen Dank an alle Unterstützer – ob durch das Klicken der Glocke, durch Geld oder Gebet. Es macht einen echten Unterschied.

Dieses Video ist für dich.

Heute ist mein Kollege David Brunner zu Gast. David hat an einer renommierten Universität Theologie studiert. Er ist heute evangelischer Pfarrer in der Landeskirche Baden und Religionslehrer an dortigen Schulen. Außerdem ist er Familienvater, fleißiger Autor und Podcaster.

David und ich haben uns schon mehrmals getroffen. Ich schätze seine ermutigende und weitsichtige Art, mit der er einfühlsam auch klare Wahrheiten vermittelt. Als bibelorientierte Stimme tritt er in der Landeskirche auf – trotz Gegenwind und sogar Hackerangriffen auf seine Inhalte.

Lass uns hören, wie er die aktuelle Situation einschätzt und was als Nächstes passieren wird.

Die doppelte Herausforderung der Landeskirche

Ja, lieber David, wir sprechen über die geistliche Not, aber auch über die missionarische Chance in den Landeskirchen. Was heißt das? Das bedeutet, dass sich die Kirche für mich gerade zwischen diesen beiden Polen bewegt – und zwar in unserer Zeit besonders stark.

Ich glaube, dass wir mit der Landeskirche – und ich bin jetzt seit vielen Jahren Pfarrer – eine große Chance haben. Man sagt nicht umsonst, die Landeskirche sei eine Volkskirche. Das stimmt zwar nicht mehr ganz, weil immer weniger Menschen Mitglied der Landeskirche sind, aber wir haben Chancen. Wir haben Formate und Möglichkeiten. Wenn ich an den Konfirmandenunterricht denke oder an die Schule, an die sogenannten Kasualien – also Taufen, Beerdigungen, Trauungen und so weiter – komme ich mit vielen Menschen in Kontakt, die das Evangelium noch gar nicht kennen oder noch nicht gehört haben.

Ich kann ihnen erklären, was daraus wird. Das liegt nicht in meiner Hand. Aber es ist einfach so eine riesengroße Chance, den Menschen zu begegnen.

Auf der anderen Seite ist es für mich wirklich ein Schmerz, diese geistliche Not in unserer Kirche zu sehen. Viele Randthemen schieben sich in den Mittelpunkt, während der eigentliche Mittelpunkt irgendwie an den Rand gedrängt wird. Das Evangelium von Jesus spielt oftmals nicht die Rolle, die es spielen sollte. Jetzt wollte ich schon sagen „dummerweise“, aber das ist es ja nicht. Das Evangelium ist das Einzige, was uns als Kirche wirklich kraftvoll macht – nichts anderes.

Keine politischen, gesellschaftlichen oder ökologischen Themen machen uns als Kirche relevant. Denn in diesen Bereichen gibt es politische Parteien, NGOs und andere Organisationen, die viel besser darin sind. Wir können und sollen unsere Meinung dazu haben, das ist überhaupt keine Frage.

Aber das, was uns als Kirche ausmacht – unser Markenkern sozusagen – ist das Evangelium von Jesus. Für mich ist es eine geistliche Not, dass das in vielerlei Verkündigung oder Verlautbarung seitens der Kirche nicht mehr so vorkommt, wie es in meinen Augen vorkommen müsste.

Das ist jetzt mal ganz grob skizziert diese Spannung, diese beiden Pole oder Bereiche, in denen sich die Kirche meiner Meinung nach im Moment bewegt.

Historische Entwicklung und Ursachen der aktuellen Lage

Ja, das ist total nachvollziehbar. Vielleicht sollten wir einen Schritt zurücktreten und ganz von vorne anfangen. Kirche war ja nicht immer so, wie sie heute ist. Auch in Deutschland war die Kirche nicht immer so, wie wir sie heute kennen. Deutschland und Mitteleuropa sind ja das Kernland der Reformation. Dabei ist klar, dass bei der Reformation nicht alles gut gelaufen ist – da sind wir uns völlig einig. Niemand wird dafür in den Himmel gelobt, das ist völlig klar. Trotzdem war die Reformation ein sehr wichtiger und notwendiger Impuls, wie ihn auch heutige frühere Kritiker anerkennen.

In der Geschichte der Christenheit haben wir viele unterschiedliche Strömungen und Bewegungen erlebt. Dennoch muss man sagen, dass Deutschland über eine lange Zeit ein sehr christliches Land war. Es ist daher interessant zu sehen, wie sich jetzt ein Wandel vollzogen hat, der sich sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kirche bemerkbar macht. Die Frage ist: Wie sind wir überhaupt dahin gekommen? Wie ist dein Eindruck? Du bist ja praktisch an den Leuten dran. Wie hat sich das im Laufe deines Lebens für dich dargestellt?

Ich kann natürlich nur für mich sprechen. Aus meiner Sicht erhebe ich den Anspruch, erklären zu können, warum die Landeskirche heute dort steht, wo sie steht. Für mich sind es im Wesentlichen zwei große Gründe. Es gäbe viel zu sagen, aber ich konzentriere mich auf diese zwei Gedanken.

Zum einen ist es die liberale Theologie, die wir in der Kirche zunehmend, fast ausschließlich, vorfinden. Das heißt, nicht jeder, der uns zuschaut, ist Pfarrer, deswegen vielleicht als kurze Erklärung: Fast jeder, der Pfarrer in der Landeskirche werden möchte, muss Theologie an der Universität studieren. Die Theologie, die dort gelehrt wird, einfach nur als liberale Theologie zu bezeichnen, wäre zu einfach. Aber wenn man die groben Linien betrachtet, ist es im Wesentlichen liberale Theologie.

Das bedeutet, ich sage es immer ganz klar: Man studiert Theologie mit Methoden, die man auch ohne Gott gut anwenden kann. Zum Beispiel die Auslegung der Bibel – vielleicht haben manche schon von der sogenannten historisch-kritischen Methode gehört, auch Exegese genannt. Dafür braucht man Gott nicht. Das ist erst einmal nicht falsch, aber dann sollte man auch nicht den Anspruch erheben, eine christliche Herangehensweise an die Bibel oder eine für die Kirche gute Herangehensweise zu haben. Man kann das als Philologe oder Soziologe machen, wenn man bestimmte Dinge untersuchen will. Die Wahl der Methode steht jedem frei.

Wenn ich jedoch eine Methode anwende, die von vornherein Gott als Autor der Bibel infrage stellt oder ablehnt – und ich zeichne hier nur die groben Linien –, was soll da am Ende herauskommen? Wenn für mich die Bibel Gottes Wort ist, weil Gott durch die Bibel spricht und sich offenbart hat, ich aber bei der Auslegung davon ausgehen soll, dass es Gott nicht war oder der Heilige Geist, der die Schreiber inspiriert hat, dann ist das für mich eine atheistische Auslegungsmethode. Das heißt eine Methode, für die ich Gott nicht brauche.

Das ist für mich der entscheidende Punkt. Diese Form der Theologie hat in den letzten Jahrzehnten, ja Jahrhunderten, Einzug in die universitäre Theologie gehalten. Diese bildet die Grundlage für die Ausbildung von Pfarrerinnen und Pfarrern. Wenn ich Pfarrer werden möchte, muss ich Theologie an der Universität studieren. Natürlich sind nicht alle Professoren gleich, es gibt auch tolle Professoren, aber die große Linie ist eben so, und das hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht geändert.

Vielleicht rollen jetzt einige Theologen die Augen, aber für diejenigen, für die das noch Neuland ist: Im letzten Jahrhundert gab es einen Theologen namens Rudolf Bultmann. Sein Konzept war die sogenannte Entmythologisierung des Neuen Testaments. Was bedeutet das? Er sagte sinngemäß: Wir müssen alles Übernatürliche, alles Übersinnliche, alles, was wir nicht mit unserem Verstand erfassen können, in das Reich der Fabeln verweisen.

Er meinte, einem Menschen des 20. Jahrhunderts sei es nicht plausibel zu erklären, dass Jesus auf dem Wasser geht, Tote auferweckt und so weiter – so wie im Neuen Testament beschrieben. Das ist logisch, wenn ich eine Herangehensweise an die Bibel habe, die Gott nicht braucht. Dann kommt am Ende etwas heraus, in dem Gott keine Rolle spielt – zumindest nicht der biblische Gott. Wie man das nennt, bleibt jedem selbst überlassen.

Für mich ist das eine grundlegende Entscheidung, wie ich die Bibel verstehe und daraus meine Urteile bilde. Das betrifft alle theologischen Themen: Jüngerschaft, Sünde, wer wen heiraten darf, wie wir mit den Zehn Geboten heute umgehen, ob die biblischen Texte heute noch gültig sind und vieles mehr. Das ist eine grundsätzliche Entscheidung, wie ich das Wort Gottes verstehe.

Das ist eine große Entwicklung. Die andere, ganz profane Entwicklung ist für mich, dass die Kirche in den letzten Jahrzehnten schlichtweg verschlafen hat, positiv formuliert, mit der Zeit zu gehen. Luther hat mal gesagt: „Dem Volk aufs Maul schauen.“ Damit meinte er: Schau, mit wem hast du es zu tun, und kommuniziere so, dass die Leute dich verstehen.

Heute würde ich sagen: Wir müssen die Medien, die Formate, die Gebäude nutzen – also alles, was die Menschen heute ohnehin verwenden und was sie anspricht. Wir müssen am Puls der Zeit bei den Menschen sein. Leider hat die Kirche das nicht getan.

Ich spreche hier aus meiner Sicht. Meine Erklärung ist, dass wir bis in die 1980er, vielleicht 1990er Jahre, eine komfortable Situation als Volkskirche hatten. Damals waren noch drei Viertel der Bevölkerung Mitglied in einer Kirche, evangelisch oder katholisch. Die Gottesdienste waren zwar nicht immer voll, aber es waren zumindest einige Leute da.

Man hat diese innere Not, vom geistlichen Aspekt mal abgesehen, gar nicht als Not erkannt. Man hat sich nicht verändert oder neue Wege gewagt. Natürlich gab es das vereinzelt, aber man hat sich auf dem Status quo ausgeruht, weil man ja Volkskirche war.

Seit ungefähr zwei Jahren haben wir in Deutschland erstmals die Situation, dass weniger als die Hälfte der Bevölkerung Teil einer Kirche ist. Das muss man sich mal vor Augen führen. Historisch betrachtet ist das komplett neu, zumindest seit der Christianisierung unserer Breitengrade.

Das ist wirklich eine Größenordnung, die uns bewusst sein sollte. Wenn man noch einen Schritt weitergeht, allein was die Mitgliederzahlen betrifft: Nicht jeder, der in der Kirche ist, ist auch ein aktives Mitglied. In der Landeskirche ist das so.

Wenn man die Entwicklungen anschaut, dann verlaufen sie exponentiell, nicht linear. Das ist das wirklich Schlimme. In meiner Landeskirche, aber auch in vielen anderen Landeskirchen, gibt es derzeit große Strukturprozesse.

Die Prognosen zu Mitgliedschaft, Austritten und Eintritten sind schon überholt. Wir sind jetzt, zumindest zu Beginn dieses Jahres, schon auf dem Stand von 2028, was die Austritte betrifft. Man dachte, das würde noch dauern, aber wir haben jetzt schon den Stand, den wir eigentlich erst in vier Jahren hätten erreichen sollen.

Wenn man weiterdenkt, ist es logisch: In zwei Jahren haben wir das Jahr 2035 oder so. Der Mitgliederschwund, besser gesagt der Relevanzverlust der Kirchen, geht extrem steil nach oben.

Manche würden sagen, dass mit den Mitgliederzahlen und Austritten auf dem Papier nur nachgeholt wird, was geistlich schon längst geschehen ist. Es geht eigentlich nur darum, das noch einmal mit Zahlen zu belegen, den Finger draufzulegen. Die inneren Prozesse sind schon Jahre vorher abgelaufen.

Herausforderungen in der religiösen Bildung und im Unterricht

Rallye-Unterricht. In der badischen Landeskirche ist es so, dass Pfarrer ein Pflichtdeputat haben und Rallye-Unterricht an der Schule geben. Ich bin an einer Grundschule und unterrichte die Klassen eins bis vier zusammen. Das ist manchmal wirklich eine Herausforderung, aber es macht auch Spaß.

Ich habe früher oft gedacht: Was sind das für Spießer? Ältere Lehrer im Kollegium, auch an den Schulen, an denen ich vorher war, haben mir gesagt, was ich vor 20 Jahren in der ersten Klasse gemacht habe, könne ich heute nicht mehr machen. Ich dachte dann immer: Ach komm, halt mal den Ball flach, so schlimm wird es schon nicht sein.

Aber ohne Witz, wenn ich darüber nachdenke, was ich vor 15 Jahren im Rallye-Unterricht gemacht habe und was ich heute mache, sehe ich einen großen Unterschied. Heute lege ich Grundlagen. Ich erzähle biblische Geschichten, die den Kindern unbekannt sind. Vor 15 Jahren ist die Hälfte der Schüler aufgesprungen und hat gesagt: „Langweilig, kenne ich schon, ich weiß, wie es weitergeht.“ Heute hatte ich einmal die Situation, dass ein Schüler in der zweiten Klasse, als ich eine Geschichte von Jesus erzählte, kurz still war. Dann sagte er überrascht und erschrocken: „Ist das wirklich passiert?“ Ich antwortete: „Ja, klar.“ Aber wie cool ist das? Er wusste nichts davon.

Das ist die Kehrseite der Medaille. Die Entwicklung, die stattgefunden hat, wird jetzt quasi mit Brief und Siegel bestätigt. Religiöse Bildung oder ähnliches findet zu Hause kaum noch statt, weil der Glaube kaum noch eine Rolle spielt. Deshalb wird er auch nicht mehr an die Kinder weitergegeben.

Ich habe auch erlebt, dass ich im Religionsunterricht von der Auferstehung erzählt habe – also von Passion und Ostern. Ich erklärte, dass Jesus wiederkommt. Fast jedes Jahr erlebe ich, dass die Kinder staunen und fragen: „Echt jetzt, der ist wiedergekommen?“ Die Kinder wissen es nicht. Wenn ich sie frage, was an Weihnachten passiert, merken wir das ebenfalls.

Wir leben in Baden-Württemberg, nahe der Schweizer Grenze. Das ist nicht unbedingt das absolute Missionsgebiet Europas. Und da merkt man einfach, und das sind ja die Kinder, dass sie von zu Hause, von den Eltern und Großeltern, immer weniger mitbekommen. Da wird ganz deutlich, wie sehr die Kirche an Relevanz verloren hat.

Mir geht es nicht um die Kirche als Institution. Natürlich bin ich gerne in der Landeskirche, das ist überhaupt nicht die Frage, und meine Arbeit läuft gut. Aber mir geht es als Pfarrer und Christ nicht darum, eine Organisation aufrechtzuerhalten, sondern Menschen zum Glauben an Jesus einzuladen.

Diese Beispiele zeigen mir, dass die Kirche in den letzten Jahrzehnten verpasst hat, besser zu werden oder mehr Zugang zu bekommen – wie auch immer man es nennen will. Genau das passiert: Menschen wissen kaum noch etwas vom Evangelium oder biblischen Geschichten. Das macht mich nachdenklich, denn ich frage mich, was wir heute anders machen müssen, was die Zeichen der Zeit sind.

Manchmal macht mich das auch traurig, was aus der Kirche geworden ist. Gleichzeitig bin ich dankbar für all das Gute, das Menschen vor mir in der Kirche gepflanzt und gesät haben. Sie haben vielleicht selbst keine Ernte eingefahren, aber investiert. Heute habe ich vielleicht Menschen in meiner Gemeinde, die zum Glauben kommen oder Gottesdienste besuchen. Diese Menschen waren vielleicht vor 30 Jahren ganz woanders in der Kirche und haben dort das Evangelium gehört.

Deshalb habe ich vorhin gesagt, dass wir uns zwischen zwei Polen bewegen: Einerseits die riesige Chance, die ich als Pfarrer und Kirchengemeinde habe, Menschen von Jesus zu erzählen. Andererseits sehe ich, wie die Kirche das oft nicht gemacht hat. Die Menschen treten in großer Zahl aus. Sie sagen im Prinzip: „Ich brauche dich nicht, liebe Kirche.“ Damit sagen sie auch: „Ich brauche das, was du mir erzählen willst, nicht.“

Wir haben auch Austritte, ich will nicht sagen, dass die nur bei den anderen vorkommen. Auch wir haben Austritte, das ist überhaupt keine Frage, auch in Freikirchen. Aber ich glaube, wenn wir das Evangelium predigen, gehen trotzdem Leute. Das hat Paulus erlebt, und auch Jesus: Johannes 6 berichtet, dass viele seiner Jünger weggingen. Jesus fragt: „Wollt ihr auch gehen?“

Das heißt nicht, dass du ein schlechter Pfarrer oder eine schlechte Gemeinde bist, nur weil Menschen austreten. Das will ich damit nicht sagen. Aber es macht mich schon nachdenklich: Warum gehen die Leute? Was haben wir falsch gemacht oder hätten wir anders machen können?

Die zentrale Bedeutung des Evangeliums

Ja. Und was glaubst du, ist die Antwort? Wenn ich sie wüsste, würde ich wohl einen kirchlichen Nobelpreis bekommen oder so.

Wovon ich wirklich überzeugt bin, ist Folgendes: Dort, wo Menschen nicht das biblische Evangelium hören – also nicht nur, dass Jesus ein guter Mensch, ein guter Lehrer oder ein Revoluzzer war, sondern dass er als Sohn Gottes auf diese Erde gekommen ist, dass er Menschen geliebt und angenommen hat, dass er unsere Not von jedem Einzelnen sieht und weiß, dass wir verloren sind, vor Gott schuldig sind und uns mit nichts vor Gott herausreden können – dort fehlt etwas Entscheidendes.

Für diese Schuld stirbt Jesus am Kreuz. Er nimmt meine Schuld auf sich und stirbt stellvertretend für mich. Das beschreibt Paulus zum Beispiel in Römer 3 als Sühne. Jesus stirbt für mich, damit ich befreit bin und ein Kind Gottes sein kann. In Römer 8 sagt Paulus, dass wir lieber Vater zu Gott sagen können. Johannes 1,12 beschreibt es so: „Alle, die ihn aufnahmen, denen gab er die Macht, Kinder Gottes zu sein.“ Gleichzeitig können wir so die Ewigkeit mit Gott verbringen und nicht in der Hölle.

Das ist das biblische Evangelium. Man kann es noch schöner ausdrücken, als ich es gerade getan habe. Aber dort, wo Menschen diese Botschaft nicht hören, machen wir uns als Kirche schuldig. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Menschen verlassen die Kirche, weil sie diese Botschaft nicht hören. Andererseits kommen Menschen in die Kirche, weil sie eine geistliche Sehnsucht haben.

In der Bibel steht in Prediger 3,11, dass Gott die Ewigkeit, also die Sehnsucht nach dem Ewigen, in unser Herz gelegt hat. Menschen suchen in der Kirche nach Antworten darauf, nach Dingen, die damit verbunden sind. Wenn sie aber alles Mögliche hören, nur nicht dieses Evangelium – diese freimachende Botschaft, dass Jesus für mich gestorben und auferstanden ist und dass dies der einzige Weg in die Ewigkeit mit Gott, in den Himmel, ist – dann merken sie irgendwann: Was will ich hier? Ich kann mich zwar noch für einige gesellschaftspolitische Themen einsetzen, aber das kann ich auch anderswo tun. Und mit Verlaub, andere Parteien oder Organisationen machen das oft besser als die Kirche.

Davon bin ich zutiefst überzeugt: Wo Menschen in ihrer geistlichen Not und in ihren geistlichen Bedürfnissen nicht begegnet wird, da kehren sie der Kirche den Rücken zu. Das ist ein wichtiger und tiefer Punkt von David.

Hilf gern mit, dass mehr Menschen diesen Beitrag hier sehen. Wir haben dafür schon alles vorbereitet. Drücke einfach die Glocke unten rechts unter diesem Video, und der YouTube-Algorithmus erledigt den Rest für dich.

Vielen Dank an alle, die das machen. Das ist eine schöne Wertschätzung für den Einsatz von David. Danke dafür.

Weitere Gründe für Austritte und die Rolle der Verkündigung

Es gibt noch andere Gründe, ja, also menschliches Fehlverhalten. Es sind auch Menschen ausgetreten, das weiß ich nicht genau. Aber zumindest haben einige die Gemeinde verlassen, weil ich ihnen nicht passe, oder wegen Missverständnissen oder aus anderen Gründen. Wir sind alle fehlbar und wir sind alle nur Menschen.

Der größte Fehler, den wir gemacht haben, ist jedoch, dass wir das Evangelium nicht mehr in dem Maß predigen, wie wir es müssten. Über alles andere können wir reden. Wir können über Orgelmusik reden, über Talar oder über Kirchengebäude. Das ist aber alles sekundär und spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die geistliche Dimension ist für mich das Zentrum.

Ich glaube, die Kirche hat hier wirklich Fehler gemacht und macht sie immer noch. Oft werden Dinge von den Kanzeln gepredigt, die dort eigentlich nichts zu suchen haben – im übertragenen Sinne auch Parteipolitik. Der Glaube soll sich politisch äußern. Wir sollen uns für Themen einsetzen, die Jesus wichtig waren, und das ist überhaupt nicht die Frage. Aber die Kanzel, auch im übertragenen Sinne das Notenpult oder das iPad oder was auch immer, ist nicht der Ort für politische Spielereien. Sie ist der Ort für die Verkündigung des Evangeliums.

Ich glaube, wenn wir da wieder mehr hinkommen würden, hätten die Menschen eine Sehnsucht nach innerem Heilwerden. Diese Sehnsucht können sie nur bei Jesus finden, nirgendwo anders. Das müssen wir wieder neu entdecken. Ich bin überzeugt, wenn wir das tun, würden wir als Kirchen wieder ganz kraftvoll werden.

Dort, wo das schon geschieht, merkt man es auch. In vielen Gemeinden, die ich kenne, in der Landeskirche, ist es den Pfarrern wirklich ein großes Anliegen, Jesus zu verkündigen. Dort geschieht es auch. Ja, auf jeden Fall.

Das heißt nicht, dass ich hier eine Bewerbungsrede für den Nobelpreis in der Kirche halte, das weiß ich. Aber das ist meine Überzeugung. Das gibt es in Freikirchen natürlich genauso. Es gibt immer noch Unterschiede, vielleicht ist man an einem anderen Punkt, und in ein paar Jahren kommt man vielleicht an einen anderen. Aber das ist nicht im Sinne einer Trennung zwischen Landeskirchen und Freikirchen zu verstehen. Es ist ein grundsätzliches Problem.

Geistliche Tiefe und Herausforderungen im Theologiestudium

Ich möchte gerne einen Gedanken äußern und danach interessiert mich, wie du das einschätzt. Wir haben ja beide Theologie studiert. Mein Theologiestudium dauerte über sechs Jahre, da ich auch Nebenfächer hatte. In einem anderen Kontext habe ich dir schon erzählt, dass ich am Anfang gefragt wurde, ob ich getauft bin. Ich musste meine Taufurkunde vorzeigen und so weiter.

Allerdings kann ich mich nicht erinnern, dass ich während des Studiums einmal gefragt wurde, ob ich bekehrt bin. Ich will dem Professor, um den es hier geht, kein Unrecht tun, aber zumindest aktiv erinnere ich mich nicht daran, dass mich jemand gefragt hat, ob ich wiedergeboren bin. Auch ob ich wirklich gläubig bin oder was ich glaube, wurde nicht thematisiert. Obwohl ich mich als junger Mann taufen ließ, wurde ich nie danach gefragt.

Das bedeutet, ich hätte theoretisch als Kind getauft sein können und das ganze Studium einfach so durchlaufen, ohne eine lebendige Beziehung zu Jesus zu haben. Ohne dass er mein Herr und mein Retter ist – denn darum geht es ja letztlich.

Jetzt zu meinem Punkt: Ich werde keine Namen nennen, aber wenn ich mir den einen oder die andere ansehe, die mit mir studiert haben, dann denke ich im vollen Bewusstsein meiner damaligen liberalen Phase – und es ist gut, dass ich damals nicht Pfarrer geworden bin – dass andere auch nicht unbedingt anders unterwegs waren. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass mehrere Leute mit mir zusammen das Studium abgeschlossen haben, die möglicherweise nicht bekehrt sind.

Das erinnert mich an eine Aussage von Olaf Latzel. Er meinte, dass ein Großteil der Pfarrer, mit denen er zu tun hat – ich betone, das sind seine Worte – nicht wiedergeboren seien. Wenn man diese beiden Beobachtungen zusammenführt, dann hieße das, ganz schwarz-weiß ausgedrückt, dass es Leute gibt, die im Talar auf der Kanzel stehen, die in Amt und Würden sind, aber im schlimmsten Fall keine Christen sind. Ihre geistliche Schale wäre leer, und sie hätten nichts weiterzugeben.

Wie gesagt, ohne jemanden an den Pranger zu stellen – wenn überhaupt, müsste ich mich selbst zuerst dorthin stellen. Aber wie würdest du diese Situation grundsätzlich einschätzen? Wie steht es um die geistlichen Leiter in der Kirche?

Geistliche Anforderungen und Realität in der Ausbildung von Pfarrern

Danke, dass du mich mit dieser Frage so richtig schön auf ganz dünnes Eis rausschubst, denn ich kann dir und deinen Beobachtungen komplett zustimmen. Mir ging es im Studium genau gleich. Ich kann es aus einer anderen Perspektive noch einmal schildern.

Im Jahr 2008 war ich auf Studienreise in Sheffield mit dem Institut für Evangelisation und Gemeindeentwicklung in Greifswald, unter der Leitung von Professor Herbst. Dort haben wir Gemeinden in Sheffield und der Umgebung besucht und hatten die Gelegenheit, mit einem Bischof zu sprechen. Ich glaube, es war John Finney. Er hat uns genau das erzählt, was du gerade skizziert hast: Wie macht das die anglikanische Kirche? Wenn jemand Pfarrer werden will und Theologie studiert, wird er dann einfach übernommen? Oder spielen genau diese Fragen und Gedanken, die du hattest, eine Rolle?

Ich sage dir, wahrscheinlich hatten wir alle den Kiefer unten hängen bei dem, was bei ihnen gefragt wurde. Sie haben nämlich genau danach gefragt: Wie sieht es mit deinem geistlichen Leben aus? Hast du einen Mentor, einen geistlichen Begleiter? Du hast selbst den Wunsch, Pfarrer zu werden, aber gibt es auch andere Menschen, die das bestätigen? Wie sieht dein geistliches Leben aus? Wie liest du die Bibel? Wie ist dein Gebetsleben?

Ich weiß nicht, ob sie die Frage so gestellt haben, aber ich würde es nicht wundern, wenn auch der Bereich der Bekehrung oder Wiedergeburt eine Rolle gespielt hat. Ob sie diese Begriffe genau verwendet haben, weiß ich nicht, aber es würde mich nicht überraschen.

Und ja, es ist so, wie du sagst. Kommen wir noch einmal zurück zu dem, was ich vorhin zum Studium gesagt habe: Wenn du Theologie studierst, lernst du Methoden, zumindest für die Schriftauslegung, also wie man Altes und Neues Testament auslegt. Du lernst, die Bibel zu lesen, ob sie zuverlässig überliefert ist, ob sie Gottes Wort oder Menschenwort ist und vieles mehr. Für diese Methoden musst du kein Christ sein.

Jetzt machen wir noch einen kurzen Schwenk ins Theologiestudium. Du weißt es ja auch, dort gibt es Fächer wie Kirchengeschichte. Ganz vereinfacht gesagt, ist das einfach die Geschichte der Kirche. Auch hier musst du kein Christ sein, das sind einfach Fakten, die du lernst.

Dann gibt es Fächer wie Dogmatik oder Systematik, oft zusammen mit Ethik. Dort wird es natürlich ein bisschen interessanter, weil viele unserer Glaubensaussagen, Dogmen und ethischen Entscheidungen sich aus der Bibel ableiten. Meine Ethik, wie ich durchs Leben gehe, meine Dogmatik, meine Glaubensvorstellungen und Glaubenssätze leite ich ja nicht aus mir selbst ab oder aus deinen Videos, so genial die auch sind. Ich leite sie aus der Bibel ab.

Wenn aber die Bibel letzten Endes vollkommen egal ist – ob sie Gott als Autor hat, den Heiligen Geist genauer gesagt, oder ob sie nur reines Menschenwerk ist – wo landen wir dann am Ende? Dann landen wir dort, dass Gott nicht die letzte Autorität hat.

Und damit können, wie du es gesagt hast, wirklich schwarz auf weiß oder hart ausgedrückt, Menschen auf der Kanzel stehen, die nicht wiedergeboren sind. Ich verwende nicht gerne das Wort „nicht gläubig“. Man spricht ja manchmal vom „gläubigen Pfarrer“ und so weiter. Ich finde das ehrlich gesagt ziemlich doof, weil jeder irgendetwas glaubt. Jeder Pfarrer ist ein „gläubiger Pfarrer“, weil er irgendetwas glauben wird. Selbst der Atheist glaubt, dass es keinen Gott gibt. In diesem Sinne ist jeder gläubig.

Aber genau das ist die Krux an unserer Ausbildung. Das wäre für mich auch ein Feld, an dem man wirklich grundlegend arbeiten müsste. Aber ich habe wenig Hoffnung, weil das ein ganzes Gedankenkonstrukt zum Einsturz bringen würde, wenn man erkennt, dass unsere Ausbildung – sprich das Studium der Theologie an der Universität – nicht ausreicht, um Pfarrer zu werden. Das sind ja Jahrzehnte.

Das würde uns quasi „fallen lassen“. Das würde jetzt zu weit führen, aber ich habe schon Auseinandersetzungen innerhalb unserer Kirche geführt, als es um die Anstellung unseres Jugendpastors ging. Er hat an einer international anerkannten theologischen Hochschule studiert, Liebenzell, aber eben nicht an einer Universität. Es ging darum, wie wir ihn anstellen können. Wir haben es dann gemacht, und es war alles gut, aber es gab riesige Diskussionen.

Da merkt man einfach, dass die Kirche – ich will nicht davon abrücken – mit diesem Monopol auch etwas mit Macht zu tun hat, keine Frage. Aber letzten Endes ist es so: Wenn man dieses Theologiestudium durchläuft – und ich hatte nicht so wie du eine ganz krasse liberale Phase, aber auch eine Zeit tiefer Zweifel, in der ich vieles für bare Münze genommen habe – dann kannst du am Ende auf der Kanzel stehen, ohne im biblischen Sinne wiedergeboren zu sein. Johannes 3 sagt ja: Ihr müsst von neuem geboren sein.

Du kannst auf der Kanzel stehen und Dinge sagen, die der Bibel widersprechen. Zum Beispiel, dass Jesus nicht für unsere Sünden gestorben ist, dass er nicht das Sühneopfer für uns gebracht hat. Das steht schwarz auf weiß in der Bibel, besonders in Römer 3,21-25.

Du kannst dich auf die Kanzel stellen und zum Ostermorgen predigen – und das geschieht ja auch in der Kirche –, dass Jesus nicht auferstanden ist, dass er nicht leibhaftig auferstanden ist, dass das Grab am Ostermorgen voll war und nicht leer. Das kannst du alles predigen.

Und das verwirrt natürlich Menschen. Dann sagen sie, sie glauben ihrer eigenen Botschaft nicht mehr. Das ist der Kern des christlichen Glaubens.

Deshalb müsste man auch an der Ausbildung arbeiten. Es ist genau so, wie du sagst, und die Dinge, die du aus deinem Studium skizziert hast, habe ich eins zu eins genauso erlebt.

Wenn du mir erlaubst, noch eine persönliche Frage an dich, lieber David.

Persönliche Erfahrungen und Empfehlungen für Theologiestudierende

Vielleicht ist der eine oder andere dabei, der gerade Theologie studiert oder in einem Zwiespalt steckt. Vielleicht überlegt auch jemand, Theologie zu studieren oder diesen Weg einzuschlagen. Was ist bei dir anders gelaufen? Was lief bei dir besser? Lassen wir das Kind beim Namen nennen: Warum bist du heute da und sagst: „Hey, ich predige das Evangelium, das Wort Gottes ist wichtig“? All die Dinge, die du machst und die ich sehr bewundere – deine Inhalte sind wirklich sehr cool. Wir haben sie hier unten verlinkt.

Warum ist es bei dir anders gekommen als bei anderen? Was kannst du vielleicht Leuten mitgeben, die Theologie studieren möchten?

Vorab: Ich bin niemand, der davor warnt, Theologie zu studieren und sagt, mach das auf gar keinen Fall. Aber ich bin auch niemand, der es belächelt, wenn jemand sagt, er habe Theologie studiert und sei schier vom Glauben abgefallen. Denn ich meine, du und ich sind ein Beispiel dafür, dass das passieren kann – bei dir, wie du es schon mal erzählt hast, sogar noch krasser als bei mir.

Was mir aber wirklich geholfen hat, war eine Gemeinde. Während des Studiums war ich in zwei verschiedenen Gemeinden – zeitlich nacheinander, nicht parallel. Gerade die zweite Gemeinde, eine freie Gemeinde, hat mir enormen Halt gegeben. Ich hatte viele Gespräche mit dem Pastor und mit Leuten aus der Gemeinde, und das tat mir richtig gut.

Manchmal dachte ich, es ist wie in zwei Welten: Was ich an der Universität über die Bibel im Allgemeinen oder den Glauben hörte, deckte sich nicht ganz mit dem, was ich in der Gemeinde hörte. Das führte manchmal zu einem inneren Hin- und Hergerissen-Sein. Aber für mich war das Wichtigste, dass ich eine Gemeinde hatte, in der die Bibel als das Wort Gottes gilt und nicht zerpflückt wird. Ich hatte eine Gemeinschaft von Christen.

Außerdem habe ich in einem christlichen Studentenwohnheim gewohnt. Das hat mir auch geholfen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich dort teilweise auch ein bisschen ein Revoluzzer war – nicht immer das „weiße Schaf“, sondern auch mal das „schwarze“. Aber wir hatten begleitende Veranstaltungen, Andachten und Seminare, in denen manches von der Universitätstheologie noch einmal eingeordnet wurde.

Das ist für mich das A und O: Wenn du überlegst, Theologie zu studieren, dann niemals ohne eine gute Gemeinde im Hintergrund. Dort sollten Menschen sein, die für dich beten, für dich da sind und bei denen du offen Fragen stellen kannst.

Das Zweite, was für mich entscheidend war – und das kann ich im Nachhinein sagen, weil man das im Prozess manchmal gar nicht so greifbar hat – ist die Berufung. Ich empfinde bis heute diese Berufung, die auch andere Menschen mir zugesprochen haben: dass ich Pfarrer der Landeskirche bin. Es war nicht nur meine Idee. Ich hatte auch andere Gedanken, was ich studieren könnte, aber zum Glück habe ich mich für Theologie entschieden.

Für mich ist das ein essenzieller Bestandteil, wenn jemand überlegt, Theologie zu studieren – egal, ob an der Universität oder an einer theologischen Hochschule. Dort ist die Theologie oft eine andere, in meinen Augen eine biblischere Theologie.

Du brauchst nicht nur eine vox interna, also eine innere Berufung, sondern auch eine vox externa, eine äußere Berufung. Menschen müssen diese Berufung in dir sehen, dir zusprechen – und nicht nur irgendwelche Menschen, sondern solche, von denen du weißt, dass sie mit Gott darüber gesprochen und gerungen haben.

Wenn man diese Berufung hat – schau in die Bibel, wie viele Männer und Frauen Gottes eine Berufung hatten, und es lief trotzdem nicht gut in ihrem Leben. Aber sie konnten durchhalten, weil sie diese Berufung hatten.

Für mich waren in meiner Biografie wahrscheinlich die entscheidenden Dinge, dass ich eine Gemeinschaft hatte, also eine Gemeinde, und dass ich eine Berufung hatte, die auch andere ausgesprochen haben. Sie haben gesagt: „David, wir sehen das total, dass du Theologie studierst.“ Das wurde mir nicht aufgedrückt oder aufgeschwatzt, sondern es war meine Entscheidung. Dennoch habe ich mit einigen Leuten gesprochen, die mir das bestätigt haben. Das erachte ich als sehr, sehr wichtig.

Heute, als Pfarrer der badischen Landeskirche, würde ich sagen: Informiere dich genau, in welche Richtung sich unsere Kirche entwickelt – sowohl theologisch als auch strukturell. Gerade jetzt finden enorme Umbrüche statt.

Manche, die vielleicht 40 Jahre älter sind als ich, sagen vielleicht: „Ach, das gab es alles schon mal.“ Das mag sein, aber ich empfinde die jetzige Zeit als enorm krass, mit riesigen Chancen – ganz großen Chancen. Man muss aber der Typ dafür sein.

Denn in jedem Dorf eine Kirche mit eigenem Pfarrer wird es nicht mehr geben. Auch wir in der evangelischen Kirche steuern immer mehr auf Regionalisierung zu. Dort, wo es vor zehn Jahren in fünf Orten fünf Pfarrer gab, wird es in zehn Jahren vielleicht nur noch einen Pfarrer geben.

Damit musst du leben können und mit allen Konsequenzen, die so eine Art von Gemeindeleben auf landeskirchlicher Ebene mit sich bringt. Freikirchen sagen: „Das haben wir schon immer so, dass wir eine regionale Gemeinde sind und die Leute aus vielen Orten kommen und eine halbe Stunde fahren.“ Aber die Perspektive der landeskirchlichen Mitglieder ist eine andere. Sie sind es gewohnt, vor Ort betreut und versorgt zu werden, ohne sich bewegen zu müssen.

Das sind enorme Umwälzungsprozesse, die wir gerade erleben. Neulich hat mir jemand gesagt, er überlege, Theologie zu studieren. Zum Glück ist er noch ein Teenager. Da habe ich gesagt: „Finde ich cool, aber lass uns noch mal reden, wenn es konkreter wird. Bis dahin kann sich viel entwickeln, und man muss einfach der Typ dafür sein.“

Das waren meine zwei Gedanken: Erstens die Gemeinschaft, die Gemeinde, und zweitens die Berufung, die auch andere Menschen in dir sehen. Heute würde ich noch hinzufügen, dass es wichtig ist, ob diese Art von kirchlichem Leben – landeskirchlich gesprochen – einem überhaupt liegt.

Bedeutung der persönlichen Andacht und Bibelstudium

Und wenn ich das ergänzen darf: Ein entscheidender Punkt in all dem ist deine eigene stille Zeit, deine tägliche Zeit mit Gott im Gebet und dein tägliches Bibelstudium. Das ist so wichtig.

Du und ich, wir würden keine vierundzwanzig Stunden verbringen, ohne zu trinken. Warum? Weil dein Körper Trinken braucht. Aber unsere Seele lassen wir häufig eintrocknen und sogar verdursten.

Deine Seele braucht Gottes Worte. Sie ist dafür geschaffen und braucht sie täglich.

Nimm dir gern diesen Leitfaden mit, der dir hilft, die Bibelausgabe auszuwählen, die am besten zu dir passt. Das hat schon Tausenden Menschen vor dir geholfen, in Gottes Wort einzusteigen.

Der erste Link unter diesem Video – nimm dir gern die Übersicht einfach gratis mit. Es ist der erste Link unter diesem Video und wird dir helfen.

Und weiter mit David.

Gründe für den Verbleib in der Landeskirche

Jetzt mal ganz ehrlich: Wer deinen Podcast hört, deinen Blog liest oder dich in den sozialen Medien verfolgt, weiß, dass du eine sehr klare und deutliche Position hast. Das ist nicht unbedingt Mainstream in der Landeskirche, darf man wohl offen sagen. Warum bist du trotzdem in der Landeskirche? Warum bist du nicht gegangen? Warum hast du dich nicht etwa um Gemeindebegründungen woanders bemüht oder bist in Freikirchen gegangen? Viele vor dir haben das getan. Warum sagst du: Nein, das ist mein Ort, und da will ich auch bleiben?

Ich frage wirklich ohne Hintergedanken oder Rechtfertigungen, einfach um es zu verstehen. Ich glaube, es ist wertvoll, dass es so ist. Ich finde es bewundernswert, und gleichzeitig glaube ich, es ist nicht selbstverständlich.

Ich kann darauf nur in der Form antworten, wie ich es vor ungefähr achtzehn, neunzehn, zwanzig Jahren schon jemandem gesagt habe, der mich genau dasselbe gefragt hat. Damals hatte ich bereits meine Gedanken zur Kirche und wie ich das alles sehe. Ich sagte dieser Person, die fragte, warum ich nicht in die Freikirche gehe, ganz einfach: Weil ich die Landeskirche als ein riesengroßes Missionsgebiet mitten in Deutschland sehe. Dort möchte ich tätig sein und Menschen erreichen.

Jesus hat uns gesagt: Macht die Menschen zu Jüngern, macht alle Völker zu Jüngern. Dazu gehören auch landeskirchliche Menschen. Das ist mein Antrieb. Ich sehe die Landeskirche als eine große, große missionarische Chance, und diese möchte ich so gut ich kann nutzen. Dabei möchte ich auch Dinge benennen, die ich nicht gut finde. Du hast das gerade angesprochen. Ich möchte auch meine Stimme erheben.

Ich weiß, dass ich dabei manchmal nicht immer den richtigen Ton treffe. Das tut mir dann meistens im Nachhinein leid. Ich bin eher so ein Typ, nach dem DISC-Modell der DI-Typ, dominant und initiativ. Mein Lebensmotto ist: Es ist leichter, um Entschuldigung zu bitten als um Erlaubnis. Das ist aber nicht immer gut, das weiß ich auch. Und ich habe mich auch schon bei Menschen entschuldigt.

Trotzdem merke ich immer mehr, vor allem seit ich meinen Podcast seit ziemlich genau zwei Jahren habe: Ich bekomme immer wieder Zuschriften von Menschen aus der Landeskirche, teilweise viele Kirchenälteste, die dankbar sind, dass ich Dinge benenne, wie ich sie sehe. Sie fühlen sich manchmal wie in einer Minderheit oder wie im falschen Film. Sie fragen sich: „Spinn ich eigentlich?“ Dann lesen sie das bei mir oder hören es in meinem Podcast.

Ich will damit nicht sagen, dass ich in allem Recht habe. Darum geht es mir nicht. Mir geht es darum, dass ich, wenn ich die Kirche kritisiere, das nicht aus Langeweile oder Spaß mache, sondern weil ich glaube, dass wir Fehlentwicklungen benennen müssen. Ich bekomme immer mehr Bestätigung, dass das andere Menschen ermutigt. Ich habe vergessen zu sagen: Sie schreiben mir, dass es sie ermutigt, in der Landeskirche zu bleiben und dort geistlich zu wirken.

Ein dritter Gedanke ist: Ich rede gerade viel über die Landeskirche, und das hat einen Grund. Ich bin Pfarrer der Landeskirche. Wenn jemand die Freikirchen kritisieren will, dann sollte das am besten jemand tun, der in der Freikirche ist. Ich selbst habe die Einstellung, dass Veränderung nicht in meiner Hand liegt.

Aber wenn jemand ein System, ein Unternehmen oder eine Institution kritisieren kann und darf, dann ist es jemand, der Teil davon ist und weiß, wie die Dinge laufen. Von außen ist es immer ganz leicht, Dinge zu kritisieren oder gutzufinden. Aber von innen heraus Dinge zu benennen, das ist etwas anderes.

Wenn irgendjemand eine Legitimation dazu hat, dann sind es die Personen, die Teil eines Systems sind, weil sie es kritisieren dürfen. Das wäre im Fußballverein genauso wie in einer politischen Partei oder bei der Belegschaft im Krankenhaus oder dem Kollegium in der Schule. Du kannst tausend Sachen von außen sagen, aber diejenigen, die von innen argumentieren, haben eine automatische Legitimation dafür.

Damit will ich überhaupt nicht schönreden oder verharmlosen, was ich alles kritisiere. Aber ich wehre mich auch gegen das Argument, man dürfe nicht die Hand kritisieren, die einen füttert. Gerade derjenige darf das. Manchmal wäre es auch schön, wenn die Hand dann mal zuhört und manche Dinge ändert.

Aber wie gesagt: Das liegt nicht in meiner Hand. Von außen zu kritisieren ist immer einfach.

Unterstützungsmöglichkeiten und Gebet als Grundlage

Dann die letzte Frage dazu: Was können wir alle tun, egal ob wir in der Landeskirche sind oder nicht, um Menschen wie dich in den evangelischen Landeskirchen zu unterstützen? Menschen, die sich um geistliches Wachstum bemühen, sich für das Evangelium einsetzen und sich auch darum bemühen, dass Menschen sich bekehren?

Beten ist immer das Beste. Ich habe von Craig Rochelle aus der Life Church in den USA gehört – ich weiß gar nicht, ob es von ihm stammt oder ob er es nur weiterverbreitet hat –, dass Beten niemals unsere letzte, sondern immer unsere erste Option ist. Das gilt auch für das, was du gefragt hast. Also: Gebet ist das A und O, das Wichtigste.

Manchmal denke ich, ich bin in meiner Gemeinde wirklich gesegnet – mit tollen Kollegen, vielen Mitarbeitern und auch finanziell gut aufgestellt. Stichwort Schweizer Grenze: Viele Menschen leben in Deutschland, arbeiten aber in der Schweiz und verdienen dort ungefähr das Doppelte. Wir können einiges tun. Wir haben zwei spendenfinanzierte Stellen, weil wir ein hohes Spendenaufkommen haben.

Aber ich kenne auch Kollegen, die das Herz am rechten Fleck haben, eine enorme evangelistische Power und Leidenschaft, denen aber die Ressourcen fehlen. Uns geht es ähnlich: Auch uns fehlen die Ressourcen. Wir suchen händeringend Personal und möchten investieren, brauchen dafür aber mehr Geld.

Ich glaube, und spreche das jetzt zum ersten Mal so offen aus, weil du direkt fragst: In der freikirchlichen Szene gibt es ein gegenseitiges Hochjubeln bestimmter Persönlichkeiten. Ich habe niemanden konkret im Sinn, aber es wird viel investiert. Konferenzen funktionieren oft nur, wenn Sprecher XY oder Band XY dabei sind. Diese Namen füllen die Hallen, und man zahlt dafür viel Eintritt.

Ich denke dann: Es gibt Gemeinden, die einfach nicht die Ressourcen haben. Besonders in strukturschwächeren Regionen als an der Schweizer Grenze. Manchmal blutet mir das Herz, wenn ich sehe, was in dieser Art von Hype-Blase passiert. Konferenzen, Konzerte oder Festivals funktionieren, weil bestimmte Namen oben stehen. Aber diese kommen nur dorthin, wo fünftausend Leute sind. Nicht aber dorthin, wo zum Beispiel jemand aus der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands berichtet hat, dass die Region strukturschwach ist, riesige Gebiete umfasst und Menschen das Herz am rechten Fleck haben, aber nicht wissen, wie es weitergehen soll.

Manchmal frage ich mich: Warum gehen die mit großem Namen, Know-how, Geld und Ressourcen nicht dorthin und unterstützen die Menschen vor Ort? Nicht falsch verstehen: Die große Gefahr ist zu denken, wenn ich genug Geld, Ressourcen und Manpower habe, läuft alles automatisch. Das ist ein Irrglaube.

Aber ich kämpfe damit. Ich spreche für Kolleginnen und Kollegen, die noch weniger Struktur und Ressourcen haben als wir. Manchmal finde ich kein gutes Zeugnis für den Leib Jesu, wenn es so wichtig ist, welche Namen dort stehen.

Ich bin bereit, 50 Euro für ein Worship-Konzert zu bezahlen, wenn es sein muss. Aber innerlich frage ich mich oft: Warum muss ich für ein Worship-Konzert Geld bezahlen? Warum muss ich bezahlen, um Gott anzubeten? Natürlich gibt es Technik, eine Band und Techniker, die bezahlt werden müssen, das ist nicht das Thema. Aber dieses Geld könnte man auch in Personal investieren, besonders dort, wo es dringend gebraucht wird. Dort hungern Menschen nach dem Evangelium, und es fehlen Pastoren, Gemeindereferenten, Jugendreferenten oder Ähnliches.

Das wäre für mich ein Bereich, über den man nachdenken sollte – weil du gefragt hast, wie man Menschen in der Landeskirche unterstützen kann.

Manchmal wünsche ich mir mehr Miteinander, auch über die Grenzen hinaus. Ich bin viel vernetzt, auch in der Freikirchenwelt, und dort ist es oft so, dass man von Event zu Event springt, die Namen sucht und übersieht, dass an ganz anderer Stelle die missionarische Arbeit sehr schwer ist.

Ich wünsche mir ein besseres Miteinander. Wie das konkret aussehen kann, weiß ich nicht genau. Vielleicht über Beziehungen, die man schon hat. Aber es wäre großartig, wenn ich irgendwann lesen würde, dass eine bekannte Band oder ein Prediger, den man immer auf vollen Konferenzen sieht, eine Evangelisationstour oder eine Worship-Tour durch strukturschwache Regionen macht. Ich will niemanden an den Pranger stellen, aber ich glaube nicht, dass große Bühnen die Veränderung bewirken. Sie sind wichtig, aber sie bewirken nicht die eigentliche Veränderung.

Das wäre eine Möglichkeit, gut miteinander zu connecten.

Aber wie gesagt: Für mich ist das Gebet das A und O. Und noch ein drittes, letztes, kurzes: ein ehrliches Nachfragen.

Ich erlebe viel Urteil über die Landeskirchen. Ich kritisiere sie auch, aber vielleicht sollte man erst einmal nachfragen und ins Gespräch kommen: Warum macht ihr das so? Ich glaube, das würde vieles in der Zusammenarbeit erleichtern.

Gerade in Städten wäre es ein großer Schatz, wenn Freikirchen und Landeskirchen zusammenarbeiten. Das geschieht ja in vielen Städten schon auf einer biblischen, gemeinsamen Grundlage.

Dazu gehört vor allem Hinhören und Nachfragen – und nicht die Landeskirche als Ganzes in Bausch und Bogen zu verdammen. Denn damit verdamme ich zumindest in Gedanken und Worten auch diejenigen, die ein echtes evangelistisches Anliegen haben.

Potenziale und Chancen in den Landeskirchen

Okay, David, gibt es etwas in den Landeskirchen, wo du sagen würdest, dass darin ein Potenzial liegt, das wir hauptsächlich dort ausschöpfen können? Wo sollten wir mehr Energie investieren? Gibt es eine Stärke, ein Pfund, mit dem wir wuchten können? Wenn wir das nicht nutzen, dann machen wir uns, ich übertreibe mal ein bisschen, nicht gesetzlich gemeint, fast mitschuldig.

Ja, also definitiv. Ich habe es vorhin kurz, glaube ich, schon mal genannt: das sind diese sogenannten Kasualien. Also Taufe, Beerdigung, Trauungen, Konfirmation – all diese Berührungspunkte mit Menschen, die zur Kirche gehören, weil sie Mitglied sind oder weil sie auf dem Gemeindegebiet einer landeskirchlichen Gemeinde leben.

Aber sie kommen nicht in den Gottesdienst und finden Kirche vielleicht nett. Sie sind deswegen auch noch nicht ausgetreten, das ist okay, aber mehr auch nicht. Und jetzt habe ich zu diesen Menschen einen ganz natürlichen Bezugspunkt, sei es eine Beerdigung, eine Hochzeit oder die Konfirmation.

Ich meine, wir haben jetzt in diesem Konfi-Jahrgang gut – wir machen mit der Nachbargemeinde zusammen 44 Konfirmanten, 44 Teenager. Also richtig cool! Wir können 44 Teenager ungefähr ein Dreivierteljahr geistlich begleiten und in ihrem Leben prägen.

Wir haben bei uns in der Gemeinde einen Jugendpastor. Wir nennen es Jugendkirche. Alle 14 Tage gibt es einen Jugendgottesdienst. Die Konfis kriegen jetzt richtig Futter, würde ich mal so sagen. Sie können sich dann selber entscheiden.

Wir sehen die Konfirmation eher wie eine Art Glaubenskurs. Wir machen auch den Konfi-Alpha-Kurs und sehen es als eine Art Glaubenskurs, um die Jugendlichen am Ende zu begleiten. Die Konfirmation ist eben nicht, wie das so landeskirchlich oft gedacht wird, nur eine Bestätigung der Säuglingstaufe. Sondern eine Entscheidung zum Leben mit Jesus beziehungsweise für die, die schon an Jesus glauben, wie eine Art Jüngerschaftskurs.

Das sind so großartige Möglichkeiten, dass ich als Pfarrer – auf meiner Stelle davor war das noch mehr, weil die evangelische Kirche dort noch präsenter war – solche Chancen habe. Wir leben hier in der sogenannten Diaspora, wo nur etwa ein Sechstel der Bevölkerung evangelisch ist. Es ist eine ganz starke katholische Gegend. Da ist man als evangelischer Pfarrer nicht so präsent.

Aber ich bin an meiner Stelle davor zu allen möglichen Dingen eingeladen worden, sollte ein Grußwort halten oder auch eine kleine Andacht machen. Das sind alles Bezugspunkte, die man als landeskirchlicher Pastor nicht so hat wie jetzt in der Landeskirche. Oder es gibt auch einen gewissen Vertrauensvorschuss, den man hat.

Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen in Freikirchen manchmal eine Art Sekte sehen. Sagen sie selten, aber manchmal doch, manchmal auch Sekte. Ja klar, aber ich bin nur ehrlich, ich habe es nicht so oft gehört, aber es kommt vor.

Bei Landeskirchen sagen sie dann zwar, die sei alt und verstaubt, aber damit kann ich leben. Das ist noch nicht so abwertend wie Sekte oder eine komische Gemeinschaft. Für mich sind das großartige Chancen, oder der Religionsunterricht, von dem ich vorhin so viel erzählt habe.

So viele Chancen, wo ich andocken kann, wo ich Menschen begegne, die noch nicht wiedergeboren sind, die noch nicht an Jesus glauben. Und ich kann mit ihnen, je nach Kontext, einen Weg gehen – einmalig oder öfter, wie auch immer. Das ist Wahnsinn, das ist richtig gut.

Mein Vater, das fällt mir gerade ein, war selbst Pfarrer in der Landeskirche. Ich habe ihn mal gefragt, warum er nicht in die Freikirche gegangen ist. Er war ähnlich wie ich, nur ein bisschen seriöser und ruhiger, aber inhaltlich deckungsgleich.

Dann hat er mir mal gesagt: „Weißt du, in der Landeskirche ist es mit der Bekehrung wie mit einem Hammer und einem Nagel. Manche bekehren sich wie ein Nagel, den man mit einem Schlag reinschlägt. In der Landeskirche brauchst du eher vier, fünf Schläge, bis der Nagel drin ist.“ Dieses Bild hat sich bei mir eingeprägt, weil es wirklich so ist.

Die Leute denken, sie sind latent religiös, latent christlich, weil sie noch Mitglied der Kirche sind und an Weihnachten, zur Taufe oder an Ostern noch in den Gottesdienst gehen. Und dann brauchst du einfach ein paar mehr Hammerschläge, ein paar mehr Begegnungen, ein paar Mal das Evangelium predigen. Dann bekehren sich die Leute auch, wenn der Heilige Geist wirkt.

Das sind Momente, für die ich mega dankbar bin. An Weihnachten machen wir keine klassischen Weihnachtsgottesdienste, sondern führen ein evangelistisches Musical in der Stadthalle auf. Dieses Jahr machen wir das erstmals dreimal, sonst immer zweimal. Ich bin gespannt.

Wir erreichen dort zehnmal mehr Leute als am Sonntagmorgen. Die kommen einfach. Wir haben auch ein schönes Rahmenprogramm. Und was machen wir mit dieser Chance? Ich kann sagen: „Ah, die Leute kommen nur Weihnachten in die Kirche.“ Klar, ich könnte mich drüber aufregen. Aber ich kann es auch lassen und sagen: „Hey, voll cool, dass sie an Weihnachten kommen. Ich werde ihnen jetzt nicht etwas vom Weihnachtsmann erzählen, sondern nutze diese Chance evangelistisch.“ Und das machen wir.

Die Halle ist voll. Insgesamt kommen tausend Leute. Nicht bei jeder Weihnachtspredigt, die ich am Ende des Musicals halte, aber ich habe es schon bei manchen gemacht, dass man ein Übergabegebet mitbeten kann. Ich habe hier eine Halle voll mit Menschen, die das cool finden und im besten Fall eine Begegnung mit Jesus haben.

Es gibt so viele Möglichkeiten in der Landeskirche. Bei allem, was ich auch kritisiere und wo ich meine Mühe habe, gibt es so viele Punkte. Das meinte ich auch mit „erstmal nachfragen“: Warum macht man manches, wie man es macht? Es gibt so viele Möglichkeiten, den Menschen von Jesus zu erzählen.

Und das Schöne ist – und dann höre ich auf – die Leute wissen ja, vor allem auf dem Land: Ich bin Pfarrer. Wenn ich mit ihnen über Glauben rede, über Jesus, über Gott, über die Bibel, dann denken sie im besten Fall einfach: „Na ja, das muss er ja machen, der ist ja Pfarrer.“ Ich muss mich gar nicht verstecken. Ich kann mit den Leuten darüber reden, weil ich Pfarrer bin und das die Leute auch wissen.

Klar, vielleicht finden sie es doof und sagen mal: „Naja, jetzt hör mal wieder auf.“ Aber ich kann es machen, weil sie es einfach wissen. Und das ist einfach herrlich. Es gibt so viele schöne Möglichkeiten.

Cool, vielen Dank dir, lieber David.

Gerne.