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Ein Mordkomplott

2. Samuel (Vers-für-Vers), Teil 18/28
18.03.20252. Samuel 13,23-39
SERIE - Teil 18 / 282. Samuel (Vers-für-Vers)
Absalom schmiedet einen bösen Plan und lässt seinen Bruder Amnon aus Rache töten. Wie reagiert David?

Einleitung und thematische Einordnung

Wir befinden uns in 2. Samuel 13 und haben gestern Abend bis Vers 22 gelesen. Eine furchtbare Geschichte, nicht wahr? Amnon und dieses schreckliche Vergehen an Tamar, die dann als eine verwüstete Frau beschrieben wird.

Warum steht das in der Bibel? In Epheser 5 wird Folgendes gesagt, und es ist wichtig, dass man es wirklich auch umsetzt. In Epheser 5,3 schreibt der Apostel: „Hurerei aber und alle Unreinheit oder Habsucht werde nicht einmal unter euch genannt, wie es Heiligen geziemt. Auch Schändlichkeit und albernes Geschwätz oder Witzelei, die sich nicht geziemen, sondern vielmehr Danksagung.“

Denn das wisst und erkennt ihr: Keiner, der Hurerei treibt oder unrein ist oder habgierig ist, das heißt ein Götzendiener, hat ein Erbteil im Reich Christi und Gottes. Niemand verführe euch mit leeren Worten, denn wegen dieser Dinge kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams.

Seid nun nicht ihre Mitgenossen! Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn.

Hurerei, im Griechischen porneia, bezeichnet im Neuen Testament nicht nur Prostitution, sondern jeglichen Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe. Gestern habe ich gesagt: „Also neben der Ehe, vor der Ehe, nach der Ehe.“ Dabei muss ich feststellen, dass das natürlich missverständlich war. Jemand hat gefragt, ob man sich als Verwitweter oder Verwitwete nicht mehr wieder verheiraten dürfe. Das war natürlich nicht gemeint.

Ich meinte Geschlechtsverkehr außerhalb einer ehelichen Gemeinschaft – also vor der Ehe, neben der Ehe oder nach der Ehe, wenn keine eheliche Gemeinschaft mehr besteht. Das bezeichnet die Bibel als Hurerei, andere übersetzen es mit Unzucht.

Der Apostel Paulus sagt: „Hurerei aber und alle Unreinigkeit werde nicht einmal unter euch genannt.“ Aber jetzt hat er es ja gerade genannt. Und was ist mit 2. Samuel 13?

Ich habe gesagt, eine solche Betrachtung mit 2. Samuel 13 zu beginnen, war für mich nicht ganz einfach. Aber es ist so: Das darf kein Unterhaltungsthema sein. Wir sprechen nicht einfach so über solche Dinge, weil sie einen gewissen Unterhaltungswert haben. Das ist ein No-Go, das geht gar nicht.

Wir sprechen nur über diese Dinge, soweit es nötig ist. Und so spricht das Wort Gottes auch darüber – nur soweit es nötig ist. 2. Samuel 13 ist eben leider nötig. Und...

Lektionen aus der Geschichte von Amnon und Tamar

Wir haben gesehen, dass wir so vieles lernen. Zum Beispiel haben wir erkannt, dass es im Zusammenhang mit Amnon durchaus Signale gab, die man hätte ernst nehmen müssen. Gerade David als Vater hätte hier Verantwortung übernehmen müssen, doch das hat er nicht getan.

Dies wird uns auch an dieser Stelle deutlich gezeigt: Eltern haben eine sehr wichtige Aufgabe, wenn es darum geht, schlimme Dinge in der Familie zu verhindern. Es ist uns geschrieben als Ermahnung, um zu zeigen, dass hier ein Versagen stattgefunden hat. Dieses Beispiel soll uns lehren, wie wir solche Situationen vermeiden können.

Interessant ist auch, dass die Bibel nur so viel über diese Dinge sagt, wie unbedingt nötig ist. Die Sprache bleibt immer rein und sauber. Es gibt kein Wühlen im Schmutz. Daraus lernen wir, wie wir selbst mit solchen Themen umgehen sollen.

Die Einladung zur Schafschur und Absaloms Rachepläne

Jetzt wenden wir uns 2. Samuel 13 zu.

Es geschah nach zwei vollen Jahren, da hatte Absalom Schafschur in Ba'al Hazor, das bei Ephraim liegt. Absalom lud alle Söhne des Königs ein.

Wir haben gestern gesehen, dass Tama leider beim falschen seelsorgerlichen Helfer Hilfe gesucht hat. Absalom war wirklich nicht derjenige, der ihr hätte helfen können. Natürlich wandte sie sich an ihn, ihren Bruder, weil sie bei ihrem Vater David keine Unterstützung finden konnte.

Aber wir haben gesehen, dass Absalom sie nur oberflächlich tröstete und sagte: „Nimm dir die Sache nicht zu Herzen.“ Damit wollte er eigentlich sagen: „Schweig still, ich werde die Rache vollziehen.“ Das hat er nicht ausdrücklich ausgesprochen, aber man konnte es erkennen. Er sprach ja mit Amnon überhaupt nicht mehr. Gott gegenüber zeigte er weder Gutes noch Böses. Dieses Schweigen war ein gefährliches Schweigen.

Wir werden gleich noch sehen, dass die Rache von Anfang an in Absaloms Herzen beschlossen war. Aber er war jemand, der Zeit hatte. Diese Rache eilte ihm nicht. Deshalb heißt es im nächsten Satz: „Es geschah nach zwei vollen Jahren.“ Absalom hielt Schafschur in Ba'al Hazor ab.

Wir finden noch weitere Bibelstellen, die sich mit dem Moment der Schafschur beschäftigen. Auch hier steckt eine traurige Geschichte dahinter. Zum Beispiel in 1. Mose 38,12-15 im Zusammenhang mit dem Vergehen Judas an einer Tamar. Auch die Geschichte von Nabal, Abigail und David in 1. Samuel 25,4-11 ist eine traurige Erzählung, die mit der Schafschur zu tun hat.

In jedem Fall geht es um den für Hirten und Bauern wichtigen Moment, wenn die Schafe geschoren werden. Absalom hatte also die Schafschur in Ba'al Hazor.

Dieser Ort ist interessant. Es ist der höchste Berg im heutigen sogenannten Westjordanland. Den Begriff „Westjordanland“ gab es in der Bibel nicht und auch bis ins 19. Jahrhundert war er unbekannt. Hätte man im 19. Jahrhundert von „Westjordanland“ gesprochen, hätte niemand etwas damit anfangen können. Noch weniger mit Begriffen wie „illegal besetztes Westjordanland“ oder dem englischen „West Bank“.

Das ist ein künstlicher Begriff aus dem 20. Jahrhundert. Bis dahin bezeichnete man diese geografische Gegend als Judäa und Samaria.

Im 20. Jahrhundert wurde diese Bezeichnung geändert, im Zusammenhang mit der Ächtung Israels, als hätte Israel kein Recht auf dieses Gebiet. Der biblische Begriff Judäa Samaria wurde ausgelöscht und durch „West Bank“ ersetzt.

Im Moment versucht die amerikanische Politik, diesen Namen wieder in Judäa Samaria zu ändern. Das ist eine interessante Entwicklung, die aktuell läuft.

Geografische und historische Einordnung von Ba'al Hazor

Und wie gesagt, der höchste Berg im sogenannten Westjordanland ist Ba'al Hazor. Wenn man in Betel steht, in der jüdischen Siedlung Betel, blickt man über das Tal und sieht diesen Berg mit großen Radarschüsseln auf der Spitze. Das ist das militärische Auge Israels im Westjordanland. Strategisch ist der Berg sehr wichtig, denn er ist über tausend Meter hoch. Für Schweizer ist das nichts Besonderes, aber dort hat es große Bedeutung.

Ba'al Hazor ist ein interessanter Ort. Von dort aus kann man bei gutem Wetter bis zum Gebirge Hermon im Norden schauen. Dieses eindrückliche Gebirgsmassiv ist bis zu 2814 Meter hoch. Nicht weit davon entfernt liegt im Süden das Tote Meer, das etwa 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Diese Höhenunterschiede auf so kleinem Raum entsprechen ungefähr denen in der Schweiz. Wenn man vom Mittelland mit rund 400 Metern Höhe ausgeht, erreicht man dort die höchsten Gipfel.

Von Ba'al Hazor aus sieht man auch das Mittelmeer. Sogar bis nach Jordanien kann man blicken und dort den Berg Nebo erkennen. Schauen wir mal in 1. Mose 13,13 und 14. Dort ist Abraham im verheißene Land, und zwar im Gebiet zwischen Bethel und Ai. In Vers 14 spricht der Herr zu Abraham, nachdem Lot sich von ihm getrennt hatte: „Erhebe deine Augen und schau von dem Ort, wo du bist, nach Norden, Süden, Osten und Westen. Das ganze Land, das du siehst, will ich dir und deiner Nachkommenschaft bis in Ewigkeit geben.“

Also gibt es bei Bethel und Ai einen Ort, von dem man einen phantastischen Ausblick in alle Himmelsrichtungen hat, um das verheißene Land zu sehen. Das ist Ba'al Hazor. Der Name wird in der Bibel nicht genannt, aber er ergibt sich durch die geografische Angabe bei Bethel und Ai. Es ist ein gewaltiger Aussichtspunkt.

Dort hatte Absalom seine Schafe. Man könnte sagen, an diesem heilsgeschichtlich bedeutenden Ort, wo Vater Abraham vom Herrn so deutlich gemacht wurde, was Gottes Plan für Israel und den Besitz des verheißene Landes ist, kommt Absalom auf die Idee, eine große Einladung zu machen. Das klingt freundlich, nicht wahr? So selbstlos, ja.

Die Einladung und das Verhältnis zwischen David und Absalom

Vers 24: Und Absalom kam zum König und sprach: „Sieh doch, Dein Knecht hat die Schafschere. Es möge der König und seine Knechte mit deinem Knecht mitgehen.“

Interessant ist, wie ein Sohn mit seinem Vater spricht. Er nennt ihn nicht „Vater“, sondern „König“. Und er nennt sich selbst nicht „Sohn“, sondern „Knecht“ – Knecht des Vaters. Das ist sehr speziell.

Der König aber sprach zu Absalom: „Nicht doch, mein Sohn!“ Er sagt nicht „Mein Knecht“. Es zeigt sich eine Herzensbeziehung von David zu Absalom, aber umgekehrt nicht. Das gibt es auch im Eltern-Kind-Verhältnis: eine Beziehung ist da, aber keine echte Nähe.

Der König sagte zu Absalom: „Nicht doch, mein Sohn, lass uns doch nicht alle zusammen gehen, damit wir dir nicht beschwerlich fallen.“ König David zieht sofort eine große Einladung in Betracht. Das wäre eine wirkliche Belastung, und das möchte er nicht für Absalom. Der soll nicht durch so ein großes Fest belastet werden.

David drang in ihn, aber Absalom wollte nicht gehen. David segnete ihn. Absalom versucht seinen Vater zu überzeugen, doch es gelingt ihm nicht. Für David war klar: Nein, meinen Sohn möchte ich nicht übermäßig belasten. Und dennoch segnet er ihn.

Wir werden sehen, dass Absalom ein Mensch war, der Gottes Segen gar nicht verdient hatte. David durchschaut diesen Sohn nicht. Er realisiert innerlich nicht, was in Absalom vorgeht.

Da sprach Absalom: „Wenn nicht, so lass doch meinen Bruder Amnon mit uns gehen.“ Hätte er einfach sagen können: „Lass doch Amnon mitgehen.“ Nein, er sagt liebevoll „meinen Bruder“ und drückt damit die Beziehung aus, die er zu jemandem hat, mit dem er seit zwei Jahren überhaupt nicht mehr spricht.

„Lasst doch meinen Bruder Amnon mit uns gehen.“ Das war wieder ein Signal: Wenn jemand so freundlich spricht, merkt man, dass das gar nicht sein kann. Man müsste sich fragen, welches Interesse er hat, ausgerechnet Amnon bei der großen Einladung dabei zu haben – wenn schon nicht Vater David, dann wenigstens Amnon.

Warnung vor falscher Menschenkenntnis und Absaloms Intrige

 Sprüche 26,14: Wir sehen, die Bibel lehrt uns Menschenkenntnis. Sprüche 26,24: Wer hat das nicht auch schon in seinem Leben erlebt? Der Hasser verstellt sich mit seinen Lippen, aber in seinem Innern hegt er Trug. Wenn er seine Stimme holdselig macht, war das wirklich mein Bruder Amnon.

Wenn er seine Stimme holdselig macht, traue ihm nicht, denn sieben Gräuel sind in seinem Herzen. Versteckt sich der Hass im Trug, wird sich seine Bosheit in der Versammlung enthüllen. Wer eine Grube gräbt, fällt hinein, und wer einen Stein wälzt, auf den kehrt er zurück.

Eine Lügenzunge hasst diejenigen, die sie zermalmt, und ein glatter Mund bereitet Sturz. Das ist genau die Situation. Wir werden das sehen. So lasst doch meinen Bruder Amnon mit uns gehen.

Vers 26: Und der König sprach zu ihm: Warum soll er mit dir gehen? Absalom aber drang auf ihn, da ließ er Amnon und alle Söhne des Königs mit ihm gehen. Irgendwie merkt David schon, was vor sich geht. Er stellt die Frage: Warum jetzt Amnon? Es ergibt keinen Sinn. Der andere drückt, und der Vater gibt wieder einmal nach.

David hat einfach nicht mehr dieses Widerstandsprofil, das er vor seinem Fall hatte. Alles war vergeben, aber er hatte nicht mehr die Stärke in seinem Charakter wie zuvor. Wir werden allerdings sehen – ich nehme vorweg –, Absalom wird eine Revolution gegen seinen eigenen Vater starten, um David zu stürzen. David muss schließlich aus Jerusalem vor seinem eigenen Sohn fliehen.

Wenn man sich überlegt, was Absalom bedeutet: Av Shalom, „Vater ist Friede“. Ja, das ist dieser Vater, der Absalom segnet und ihn nicht mit einer großen Einladung belasten möchte. Und gegen diesen Vater geht der Sohn vor.

David merkt, dass es komisch ist und fragt: Warum soll er mit dir gehen? Aber dann lässt er es zu. Prinzen, das bedeutet Königssohn, das ist der hebräische Ausdruck für Prinzen. Diese gehen zur Einladung.

Der Mordplan und die Ausführung

Vers 28

Absalom befahl seinen Knaben und sprach: „Gebt acht, wenn Amnon fröhlichen Herzens vom Wein wird.“ Er wusste, dass Amnon sich auf sexuellem Gebiet nicht beherrschen konnte. Das war jemand, der sich auch nicht beherrschte, wenn es um Alkohol ging. Das ist miteinander verwandt.

Absalom wusste, dass Amnon bei diesem großen Fest ein Glas nach dem anderen trinken würde. Für ihn war klar, dass Amnon den Punkt erreichen würde, an dem er nicht mehr bei Sinnen war.

Er sagte zu seinen Leuten: „Wenn Amnon fröhlichen Herzens vom Wein wird und ich zu euch spreche, erschlagt Amnon! Tötet ihn, fürchtet euch nicht!“ Man merkt, wie oft Gott uns in seinem Wort sagt: „Fürchtet euch nicht!“ Und dieser üble Absalom braucht diese Redewendung, um seinen Leuten Mut zu machen, einen Mord zu begehen.

„Fürchtet euch nicht! Bin ich es nicht, der es euch geboten hat? Seid stark und seid tapfer!“ Das klingt so, als ob Gott zu Josua gesprochen hätte: „Sei stark und mutig“ (Josua 1). Aber hier ermutigt Absalom seine Leute, stark und tapfer für das Böse zu sein.

Die Knaben Absaloms taten, wie Absalom geboten hatte. Da standen alle Söhne des Königs auf, bestiegen jeder sein Maultier und flohen. Es kam zum Mord: Amnon wurde umgebracht.

Ein wichtiger Punkt ist, dass diese Untertanen von Absalom beruflich mitmachten und so zu Mördern wurden. Es ist wichtig zu sehen, dass diese Untertanen von Absalom mitgegangen sind. Wir können auch beruflich so eingebunden sein, dass wir zu gewissen Dingen verpflichtet oder gezwungen werden, die wir von uns aus nie tun würden.

Deshalb ist es wichtig, klarzusehen: Der Herr und sein Wort gehören an erste Stelle. Menschen haben kein Recht, auch nicht durch soziale Umstände oder berufliche Beziehungen, etwas zu tun, was ihr Gewissen verletzt.

Doch diese Untertanen wurden zum Mörder, weil sie dachten: „Wenn Absalom das sagt, dann müssen wir es tun.“ Die Prinzen fliehen.

Ich habe mir bei dieser Stelle am Rand meiner Bibel notiert: „Zweites Schaf ist tot.“ Nathan hat das Gleiche erzählt, und David hat das Urteil gesprochen: Der Mann, der das Schaf geraubt und geschlachtet hat von einem armen Mann, der soll es vierfach erstatten.

Wie gesagt, David verliert vier Söhne. Das ist nun das zweite Mal, dass er einen Sohn verliert.

Die Nachricht vom Mord und Davids Reaktion

Vers 30

Und es geschah, während sie auf dem Weg waren, dass die Nachricht zu David kam. Man sagte ihm: Absalom hat alle Söhne des Königs erschlagen, und keiner von ihnen ist übrig geblieben.

Hier sieht man, wozu Berichterstattung fähig ist. Ein Sohn wurde ermordet, und schon heißt es, alle Prinzen seien tot. Das klingt einfach viel, viel eindrücklicher.

Das erinnert mich an Apostelgeschichte 21. Paulus war im Tempel in Jerusalem und wurde verleumdet. Man sagte, er habe Fremde in den Tempel geführt. Damit ist gemeint, dass er über die Zwischenwand, die Umzäunung, gegangen sei. Diese Abgrenzung war wichtig, denn Heiden durften nicht in den inneren Bereich des Tempels gehen. Darauf stand ganz klar die Todesstrafe.

Sogar wenn man römischer Bürger war, machten die Römer eine Ausnahme: Man durfte jemanden töten, ohne Gerichtsverhandlung, selbst wenn er römisches Bürgerrecht besaß. Das ist unglaublich.

Man sagte also von Paulus, er habe Heiden in den Tempel geführt. Lukas erklärt, wie das zustande kam: Paulus war zuvor in der Stadt mit einem Epheser, Trophimus, gesehen worden. Daraus schloss man, dass Paulus ihn wahrscheinlich in den heiligen Bereich hineingeführt habe. So funktioniert Verleumdung.

Doch einer ist zu wenig, darum wurde die Geschichte frisiert, also aufbereitet, indem man den Plural setzte: Er hat Heiden in den verbotenen Bereich geführt. Auch hier wurde einer getötet, und schon heißt es, alle seien getötet worden.

Vers 31

Da stand der König auf, zerriss seine Kleider und legte sich auf die Erde. Alle seine Knechte standen ebenfalls da, mit zerrissenen Kleidern.

David wusste, dass dies die Erfüllung von Nathans Wort war. Er war erschüttert und drückte diese Erschütterung durch das Zerreißen seiner Kleider aus. Seine loyalen Untertanen taten es ihm gleich.

Jonadabs trügerische Beruhigung und die Folgen

Da hob Jonadab, der Sohn Schimeas, des Bruders Davids, an und sprach: „Mein Herr, sage nicht, sie haben alle Jünglinge, die Söhne des Königs, getötet, denn Amnon allein ist tot.“

Jonadab, das ist dieser blitzgescheite Mann, von dem wir im selben Kapitel, Vers 3, gelesen haben. Jonadab war ein sehr kluger Mann, doch wir haben gesehen, dass es eine teuflische Klugheit war. Er hatte Amnon den Rat gegeben, wie er Tamar schwächen und demütigen könnte.

Nun macht er eine Klarstellung in der Berichterstattung: „Nein, nein, so schlimm ist es auch wieder nicht. Nur einer ist getötet worden, lange nicht alle Prinzen. Amnon allein ist tot.“

Dann fügte er hinzu: „Denn nach dem Beschluss Absaloms stand es fest von dem Tag an, als er seine Schwester Tamar entehrt hatte.“

Aha, er weiß einiges mehr als Vater David. Er weiß genau, dass Absalom vom Tag der Vergewaltigung an den Beschluss gefasst hatte, Amnon wird sterben. Und das war in seinem Herzen durch die zwei Jahre. Es gab keine Abschwächung; dieser Hass blieb tödlich.

Weiter lesen wir: „Und nun nehme mein Herr, der König, die Sache nicht zu Herzen, dass er spreche, alle Söhne des Königs sind tot, sondern Amnon allein ist tot.“

Da haben wir wieder so einen „tollen“ Seelsorger. „Du, nimm das nicht zu Herzen, das ist alles halb so schlimm, es ist nur einer tot.“

Aber kommt uns das bekannt vor? „Nimm die Sache nicht zu Herzen.“ So hat Seelsorger Absalom der Tamar geraten, nicht wahr, in Vers 20: „Nun denn, meine Schwester, schweig still, er ist dein Bruder, nimm diese Sache nicht zu Herzen.“

Und es war eine Katastrophe. „Nimm das nicht zu Herzen.“ Ja gut, er meinte damit: „Ich werde ihn ja umlegen, und dann ist dein Trauma soweit behandelt.“

Nein, Rache kann ein Trauma nicht heilen. Rache ist nie die Lösung zur Heilung.

Ich habe gestern angedeutet, es gibt Heilung für Traumata, sogar in einem so schlimmen Fall, wie Tamar es erlebt hat. Das Wort Gottes sagt nicht, dass sie dann einfach eine „Shomema“ ist. Wir haben ja diesen schrecklichen Ausdruck gestern angeschaut. Er heißt eben nicht einsam (Vers 20), sondern Verwüstete.

Aber auch da gäbe es Heilung. Diese muss jedoch geschehen durch Gottes Wort.

Heilung und Trost durch Gottes Wort

Eine wichtige Sache wird sogar von säkularen Quellen geraten: Man soll sich auf die guten Dinge im Leben fokussieren. Psalm 103 von David sagt dazu: „Preise den Herrn, meine Seele, und all mein Inneres seinen heiligen Namen! Preise den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht alle seine Wohltaten, der da vergibt alle deine Ungerechtigkeit usw.“

David macht sich hier selbst Mut. Er spricht zu sich selbst, ein Selbstgespräch mit seiner Seele, also mit sich selbst. Er ermutigt sich, die Wohltaten Gottes nicht zu vergessen. Es kann hilfreich sein, sich aufzuschreiben, was man mit dem Herrn in der Vergangenheit erlebt hat – wo man seine Freundlichkeit, seine Güte, sein Eingreifen und seine Unterstützung erfahren hat. So kann man sich auf all das Gute konzentrieren.

Auch in den Klageliedern wird viel geklagt über schlimme Dinge, die schlimmsten Traumata, die man sich vorstellen kann. Beim Lesen wird man mit diesen schrecklichen Erlebnissen konfrontiert. Dort heißt es zum Beispiel, man solle die Hände erheben für die Seelen der Kinder, die an allen Straßenecken verschmachten. Diese Szenen beschreiben Kriegserlebnisse, als die Babylonier Jerusalem brutal und gnadenlos zerstörten.

Doch gerade in den Klageliedern findet sich auch Trost: Es wird gesagt, dass die Güte des Herrn jeden Morgen neu ist. Ausgerechnet in diesen Liedern wird das Fokussieren auf das Gute als heilend beschrieben. David sagt außerdem, dass der Herr alle Ungerechtigkeiten vergibt. Das Bewusstsein, dass Gott jegliche Schuld in unserem Leben vergeben hat, zeigt seine Freundlichkeit und wirkt heilend.

Das war nur ein kleiner Exkurs, denn es gäbe noch viel mehr zu sagen. Nun kehren wir zurück zu 2. Samuel 13.

Absaloms Flucht und die politische Lage

Nach dieser üblen Intrige Davids durch Jonadab, Ben Shimea, also durch seinen Neffen, lesen wir in Vers 34: „Und Absalom floh, und der Knabe, der Wächter, erhob seine Augen und sah, und siehe, viel Volk kam vom Weg hinter ihm, von der Seite des Berges.“

Da sprach Jonadab zum König: „Siehe, die Söhne des Königs kommen, wie dein Knecht gesagt hat, so ist es geschehen.“ Er hört nicht auf. Jetzt will er David ermutigen: „Schau, jetzt kommen alle Prinzen, und nur einer fehlt jetzt definitiv.“

Vers 36: „Und es geschah, so wie er ausgeredet hatte, siehe, da kamen die Söhne des Königs und erhoben ihre Stimme und weinten.“ Was für eine Szene! Die ganze Familie weint und schluchzt, und auch der König und alle seine Knechte brachen in ein sehr großes Weinen aus.

Absalom aber floh und ging zu Talmai, dem Sohn Amihurs, dem König von Gesur, in das Gebiet des heutigen Syrien, nach Südsyrrien, also ganz in der Nähe der Golanhöhen. Das ist der Bereich, wo Israel jetzt einen Sicherheitsstreifen für sich genommen hat, in Südsyrrien.

Nachdem nun der ganze Hermon in Israels Hand ist – übrigens der höchste Punkt; es gibt ja drei höchste Punkte, aber der allerhöchste Gipfel liegt in Syrien – sind jetzt alle Gipfel in der Hand Israels. Dort wurden jetzt Schüsseln aufgebaut. Das ist das Auge Israels im Norden und von strategisch ganz entscheidender Bedeutung im Zusammenhang mit Südlibanon und Hiswolla, im Zusammenhang mit Syrien und Irak.

Dieser Ort wird in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen im Zusammenhang mit der Zerstörung des Atomprogramms im Iran. Jetzt ist der Weg so vorbereitet für dieses Ereignis, von dem wir schon vor Jahren gesprochen haben, dass Israel gedrängt wird, das Atomprogramm Irans zu vernichten. Und da spielt der Hermon also auch eine große Rolle.

Aber jetzt die Frage: Warum flieht Absalom ausgerechnet nach Gesur? In Daniel 12 heißt es: „Sie werden hin und her gehen, und die Erkenntnis wird sich mehren.“ Das bedeutet, beim Bibellesen muss man immer wieder aufschlagen, zurückgehen, wieder nach vorne blättern und ständig hin und her lesen.

Es gibt Leute, die möchten, wenn sie in der Predigt sitzen, gerne einen Bibelvers am Anfang hören und dann eine „Sprungbrett-Predigt“ darüber. Aber das Wort Gottes sagt in 2. Timotheus 4: „Predige das Wort.“ Wir müssen in der Predigt nicht einfach nur eine schöne Rede halten, ausgehend von einem Vers, sondern wir müssen das Wort erklären und die Zusammenhänge im Wort erläutern.

Darum muss man eine Bibel dabei haben und hin und her blättern. So wird sich die Erkenntnis mehren. Ja, jetzt gehen wir zurück, das hatten wir ja schon längst gelesen, aber in der Zwischenzeit ist es nicht mehr präsent. Darum muss man wieder neu aufschlagen.

Die Herkunft und Familienverhältnisse Absaloms

 2. Samuel 3,2: Und David wurden Söhne in Hebron geboren. Sein Erstgeborener war Amnon, von Achinoam, der Israelitin.

Da haben wir es: Amnon war der erstgeborene Sohn und damit menschlich gesprochen wohl der Thronfolger. Weiter lesen wir, dass sein zweiter Sohn Kileab war, von Abigail, der Frau Nabals, des Karmeliters. Der dritte Sohn war Absalom, der Sohn Maakas, der Tochter Thalmais, des Königs von Gesur.

Ach so, David hatte also eine Königstochter aus dem Königreich Gesur geheiratet. Das hätte er natürlich nie dürfen. 5. Mose 7 macht ganz klar, dass Mischehen mit Heiden nicht erlaubt waren – außer im Fall von Ruth. Ruth war eine Moabitin, die wirklich zum Volk Gottes übergetreten ist. Sie hat sich mit dem Volk eins gemacht und gesagt, dass der Gott Israels ihr Gott ist. Das war immer möglich, aber nicht einfach so.

Darum gab es diese Beziehung. Jetzt ist es so, dass Absalom zu seinem Großvater nach Gesur außerhalb Israels geht, um sich dort in Sicherheit zu bringen vor der Tora. Denn nach dem Gesetz Mose stand jetzt die Todesstrafe auf ihm.

Weiter in Vers 37b: Und David trauerte um seinen Sohn alle Tage. Absalom aber floh und ging nach Gesur und war dort drei Jahre. Er hatte Zeit, wartete zwei Jahre bis zum Mord und ging dann ins Exil, wo er schon mal drei Jahre blieb.

Jetzt sagt uns Vers 39: Und der König David sehnte sich, zu Absalom hinauszuziehen, denn er hatte sich über Amnon getröstet, dass er tot war. Nach der Pause.

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