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Das Buch der Prediger - Vorherbestimmung (Fügung) und Entscheidung

Prediger 8,16-9,10
SerieTeil 9 / 11Das Buch der Prediger
Du planst, rechnest, kämpfst – und trotzdem trifft dich das Leben oft anders als gedacht. Die Frage ist: Lässt du dich davon lähmen oder nutzt du die Zeit, die dir bleibt?

Einordnung des Abschnitts und erste Beobachtungen

Wir kommen zum siebten Abschnitt, zur siebten Fügung und Entscheidung: Kapitel 8,16 bis 9,10. Kapitel 8, Vers 16 bis Kapitel 9, Vers 10: Fügung und Entscheidung.
Hier behandelt Salomo das problematische Verhältnis zwischen der einen Tatsache, die er von Gott gelernt hat und die wir im Wort Gottes lernen, nämlich dass Gott alles lenkt und alles fügt, und auf der anderen Seite der Tatsache, dass der Mensch aufgerufen ist, solange es heute heißt, auf Gottes Geheiß hin zu handeln und zu reagieren. Das habe ich durch diese Überschrift zum Ausdruck zu bringen versucht: Fügung und Entscheidung.
Folgende Unterteilung dieses Abschnittes:
A. Gottes Werke sind für uns unabsehbar, 8,16-17. Gottes Werke sind für uns unabsehbar, 8,16-17.
B. Wir sind gegenüber Gottes Fügungen machtlos, 9,1-3. Wir sind gegenüber Gottes Fügungen machtlos, 9,1-3.
C. Solange wir leben, ist noch Hoffnung, 9,4-6. Solange wir leben, ist noch Hoffnung, 9,4-6.
D. Ein Rat, wir können das auch Ergebnis nennen; ich habe diesmal Rat genannt, 9,7-10.

Gottes Werke entziehen sich unserem Zugriff

Ja, Salomo beginnt mit der Beobachtung, dass wir Gottes Werke nicht erfassen und nicht überblicken können. Gottes Werke sind für uns unabsehbar. Wir lesen die Verse 16 und 17 aus Kapitel 8:
Als sich mein Herz darauf richtete, Weisheit zu erkennen und das Treiben zu besehen, welches auf Erden geschieht, denn weder bei Tag noch bei Nacht sieht er den Schlaf mit seinen Augen, da habe ich bezüglich des ganzen Werkes Gottes gesehen, dass der Mensch das Werk nicht zu erfassen vermag, welches unter der Sonne geschieht, indem der Mensch sich abmüht, es zu suchen, aber es nicht erfasst. Und selbst wenn der Weise es zu erkennen meint, vermag er es doch nicht zu erfassen.
Das gehört auch zu dem, was wir in einem vorhergehenden Abschnitt lernten: Bescheidenheit. Salomo erkennt die Begrenztheit menschlichen Vermögens, des menschlichen Vermögens zu erfassen, zu ergründen und zu begreifen. Und er fügt in dieser Aussage einen Ausdruck ein, den wahrscheinlich die meisten Bibelausgaben, auf alle Fälle meine hier, in Klammern gesetzt haben, in Vers 16: denn weder bei Tag noch bei Nacht sieht er den Schlaf mit seinen Augen.
Warum sagt er das an dieser Stelle? Nun, das passt genau zu dieser Aussage, die er macht, dass wir das Werk Gottes, das Gott unter der Sonne tut, alles Tun und Treiben der Menschen, nicht absehen, ermessen und darum auch nicht abwägen und beurteilen können. Es überfordert uns hoffnungslos. Wir sehen und erkennen einfach zu wenig.
Und dann erinnert er daran: Schau, du legst dich doch Tag für Tag am Abend nieder, und dann schlägst du ein, und dann bist du weg. Hast du jemals dich selbst beim Schlafen beobachtet? Weder bei Tag noch bei Nacht sieht er den Schlaf mit seinen Augen.
Wahrscheinlich habt ihr das auch versucht. Ich habe das immer wieder versucht, so als Kind. Ich wollte so den Augenblick fest an der Hasche, wo man vom Wachzustand in den Schlaf hinübergleitet. Und es geht einfach nicht. Plötzlich ist man einfach weg, und dann hat man es einfach wieder nicht gemerkt.
Und dadurch erinnert uns Gott doch beständig daran, wie hilflos wir sind, wie wir gar nicht in der Lage sind, fähig sind, nicht einmal uns selbst zu beobachten und zu erkennen. Wie wollen wir dann die ganze Welt erkennen? Und während wir schlafen, sind wir ja auch machtlos. Und wir haben es nicht einmal in unserer Hand, zu erwachen. Wir haben uns zwar so daran gewöhnt, dass wir einschlafen und erwachen, dass wir vergessen, dass sowohl der Schlaf als auch das Aufwachen in Gottes Hand ist.
Und wenn jemand einmal unter Schlaflosigkeit leidet, dann merkt er es: Man kann sich den Schlaf nicht geben, man kann tun, was man will. Man kann sich aber auch nicht wecken, es ist wirklich Gott, der uns weckt. Aber weil das mit solcher Regelmäßigkeit geschieht und weil Gott natürlich die natürlichen Mechanismen in unserem Körper verwendet, meinen wir: Ja, das kommt aber von selbst. Nein, es ist Gott, der uns den Schlaf gibt, und Gott, der uns weckt.
Wir sind vollständig in seiner Hand, und während wir schlafen, wissen wir nicht, was mit uns, an uns und um uns geschieht. Und so sind wir einfach zu begrenzt und auch zu schwach, um all das, was in der Welt geschieht, das Treiben der Menschen, Vers 16, die Werke, welche unter der Sonne geschehen, zu erfassen. Der Mensch müht sich zwar ab, es zu suchen, aber er fasst es nicht. Und wenn er ehrlich ist, dann sagt er mit Goethe: Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei und Medizin und leider auch Theologie durchaus studiert mit heißem Bemühen; da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.
Der größte Philosoph der Antike, Sokrates, war eine so wuchtige Gestalt, dass man die Geschichte der ganzen Philosophie nach ihm einteilt. Man spricht von Vorsokratikern und Nachsokratikern. Das heißt, er ist ein Markstein in der Geschichte der Philosophie. Und dieser Sokrates war sicher ein gescheites Haus, und die höchste Erkenntnis, zu der er gelangte, war die: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Ja, immerhin: Ich weiß, dass ich nichts weiß.
Nun, wahrscheinlich hat er den nächsten Schritt, der sich eigentlich daraus ergeben müsste, dann nicht gemacht. Denn aus dieser Erkenntnis heraus müssten wir ja die Erkenntnis bei dem suchen, der sie allein hat, bei Gott. Goethe hat das sicher auch nicht gemacht.
Also: Gottes Werke sind für uns unabsehbar. Und dann der Abschnitt B, Kapitel 9, Verse 1-3: Wir sind gegenüber Gottes Fügungen machtlos, denn dies alles habe ich mir zu Herzen genommen, um dies alles zu prüfen, dass die Gerechten und die Weisen und ihre Werke in der Hand Gottes sind. Weder Liebe noch Hass kennt der Mensch im Voraus, alles ist vor ihnen. Alles ist gleicherweise für alle. Einerlei Geschick für den Gerechten und den Gesetzlosen, für den Guten und den Reinen und den Unreinen und für den, der opfert, und den, der nicht opfert, wie der Gute, so der Sünder, der, welcher schwört, wie der, welcher den Eid fürchtet. Das ist ein Übel in allem, was unter der Sonne geschieht, dass einerlei Geschick allen zuteil wird. Und auch ist das Herz der Menschenkinder voll Bosheit, und Narrheit ist in ihrem Herzen während ihres Lebens. Und danach gehen sie zu den Toten.

Die Machtlosigkeit des Menschen und die Gefahr falscher Schlüsse

In diesen Versen wird uns gesagt, dass wir machtlos sind. Gott sagt es uns, damit wir es glauben. Und damit wir es glauben, lässt er uns auch an unseren guten Vorsätzen zuschanden werden.
Das darf aber niemand zu Fatalismus verleiten oder gar zu gewissenlosem Sündigen, wovon Vers 3 spricht. Wir werden nachher im nächsten Abschnitt sehen, dass vielmehr diese Tatsache, dass wir und alles in Gottes Hand ist, uns Gottesfurcht lehren soll. Nicht Fatalismus, sondern Gottesfurcht. Damit wir uns vor dem demütigen, von dem alles abhängt und der uns allein zum Guten befähigen kann.
Zunächst steht hier, dass die Gerechten und die Weisen und ihre Werke in der Hand Gottes sind. Das ist ein ungeheuer tiefer Satz. Das Heil, die Errettung, die Gerechten sind in Gottes Hand. Ja, das ist ja schon Evangelium. Das Werk ist Gottes, und weil wir Gottes sind, wird uns, kann uns niemand aus seiner Hand rauben. Nun, im Neuen Testament wird das alles weiter ausgeführt.
Aber dann sagt er noch etwas: Weder Liebe noch Hass kennt der Mensch im Voraus, alles ist vor ihnen. Wir kennen das doch auch, dass wir uns vornehmen, jetzt anständig zu sein oder freundlich zu sein oder lieb zu sein mit den Brüdern und mit den Schwestern. Und prompt entfährt uns wieder irgendeine kleine Gemeinheit oder Bosheit. Genau das ist es, wovon Paulus spricht in Römer 7. Das Gute, das ich will, das tue ich doch nicht. Und das Böse, das ich verabscheue, das tue ich.
So spricht natürlich Paulus als der, in dem Gottesgeist wohnt, der die Natur Christi hat, der sagen kann: Nach dem inwendigen Menschen habe ich Wohlgefallen am Gesetz Gottes. Ich will Gott gefallen. Ich will die Brüder lieben, und ich will das Böse hassen. Und dann sagt hier Salomo: Liebe und Hass, das ist vor ihm, er hat es nicht in seiner Hand. Und Gott muss uns darum auch in unseren guten Vorsätzen zuschanden werden lassen, immer wieder.
Wie oft habe ich mir auch vorgenommen, dass ich meine Frau lieben will. Und wie oft habe ich ihr einfach Gemeinheiten gesagt, kleine Bosheiten. Mich nachher so geschämt, darum habe ich das wieder so gemacht. Wir können das auch selbst auf uns anwenden, wie wir immer wieder vom Bösen, das wir eigentlich nicht wollen, übereilt werden. Und das lehrt einen Paulus, dass er vollständig auf Gottes Wirken in Christus angewiesen ist. Römer 7,24: Ich elender Mensch, wer wird mich retten von diesem Leib des Todes? Ich danke Gott durch Jesus Christus. Ich danke Gott, es geschieht durch Jesus Christus.
Und dann sagt der Vers 2: Allerlei, alles ist gleicherweise für alle, Gerechte wie Ungerechte, Sünder wie Heilige, solche, die opfern, und solche, die nicht opfern, es geht allen gleich. Und das stimmt ja auch. Es ist ein völlig verkehrter Gedanke, den einige haben, die denken: Ja, wenn wir durch Glauben gerecht sind, werden wir nicht mehr krank, dann geht es uns nur gut im Leben. Nein, auch die Gerechten müssen Krankheiten, Verluste, sogenannte Schicksalsschläge erleiden. Kein Unterschied.
Und wir sehen auch, wie Gott in seiner Regierung, in seiner Vorsehung die Gaben in einer Weise verteilt, die wir nicht verstehen können. Salomo machte reich. Dort wird gesagt, warum er Salomo reich machte. Aber derselbe Gott machte auch einen Ahasver so reich, dass sein Reichtum unbeschreiblich ist, wie in Esther 1 beschrieben wird. Auch einen Gesetzlosen macht er reich. Und so teilt Gott in seiner Vorsehung die Gaben aus, auf seine Weise, und wir vermögen das nicht zu erklären und zu ergründen.
Und in einem noch weiteren Sinne ergeht es allen gleich. Allen Menschen gleich, Gerechten wie Gesetzlosen. Der Lohn der Sünde ist der Tod, denn es ist kein Unterschied. Alle haben gesündigt. Auch die Gerechten haben gesündigt und sind in Sünde geboren. Darum geht es uns auch darin allen gleich: Wir sterben alle, werden krank, werden älter und sterben. Auch die Gerechten. Da ist kein Unterschied.
Also hier sagt Salomo durchaus nicht: Es kommt nicht darauf an, ob man gerecht oder ungerecht ist, egal wie du lebst. Gerade das will er nicht sagen. Denn nachher, in Vers 3, sagt er: Es ist ein Übel, das unter der Sonne geschieht. Ja, aus dieser Beobachtung, dass es Gerechten und Ungerechten in der Zeit gleich geht, dass man gar nichts daraus folgern kann, Länge des Lebens und Reichtum, ob einer gerecht oder ungerecht sei, erfolgreich im Leben oder nicht erfolgreich im Leben, daraus kann man überhaupt nichts folgern. Und daraus entsteht ein Übel. Denn der Sünder sagt sich dann: Ja, wenn es nicht darauf ankommt, wie wir leben, dann kommt es auch nicht darauf an. Oder wenn es nicht darauf ankommt, ob einer gerecht oder ungerecht ist, dann kommt es auch nicht darauf an, wie wir leben. Dann können wir leben, wie wir wollen.
Nein, nachher geht es zu den Toten. Es geht nachher zu den Toten. Aber danach geht es zu den Toten.
Übrigens, was hier Salomo sagt, das hat er schon einmal gesagt: Auch ist das Herz der Menschenkinder voll Bosheit. Das hat er auch in Kapitel 8 gesagt, Kapitel 8, Vers 11. Weil das Urteil nicht schnell vollzogen wird, darum ist das Herz der Menschenkinder in ihnen voll, Böses zu tun, und es ist voll Bosheit. Das sind ja sehr radikale Aussagen, auch über die Bosheit, über die Verderbtheit des Menschen. Das wird im Neuen Testament bestätigt, dass im Herzen des Menschen nichts Gutes ist.
Und weil in seinem Herzen nichts Gutes ist, folgert er aus dieser Beobachtung gleich: Dann kommt es nicht darauf an, wie wir leben. Und genau das ist es, was der Weise nicht folgert, sondern er folgert daraus: Mein Leben, mein Ergehen, auch wie es mir in der Zeit geht, das liegt alles in Gottes Hand. Es ist nicht in meiner Hand. Und darum will ich Gott fürchten. Denn nachher geht es zu den Toten, und dort wird ein Unterschied sein. Sterben müssen wir alle, aber danach ist ein Unterschied. Je nachdem, wie wir gelebt haben, werden wir eingehen in die Freude unseres Herrn oder gebunden werden und in die äußere Finsternis geworfen werden.
Vielleicht sollten wir diesen Gedanken auch noch festhalten: Alles ist gleicherweise für alle, es ist kein Unterschied, haben wir gesehen in Vers 2. Es ist kein Unterschied, alle haben gesündigt, es ist kein Unterschied, alle müssen sterben. Aber es ist auch kein Unterschied, denn derselbe Herr von allen ist reich für alle, die ihn anrufen. Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird errettet werden. Römer 10,12. Das lernt der Weise. Der Narr empört sich, dass es allen gleich gehen soll und dass es nicht darauf ankommt, und wird anhand dieser Beobachtung hemmungslos oder zynisch. Der Weise lernt daraus: Ja, kein Unterschied, alle haben gesündigt, kein Unterschied auch im Geschick der Menschen, alle müssen sterben. Und er lernt daraus aber auch: Kein Unterschied darin, derselbe Herr von allen ist reich für alle, die ihn anrufen. Er lernt, den Gott anzurufen, in dessen Hand alles ist.

Hoffnung bleibt, solange Leben da ist

Dann die Verse vier bis sechs: Solange wir leben, ist noch Hoffnung. Denn für jeden, der zu den Lebenden gezählt wird, gibt es Hoffnung. Selbst ein lebendiger Hund ist besser daran als ein toter Löwe.
Denn die Lebenden wissen, dass sie sterben werden. Die Toten aber wissen gar nichts, und sie haben keinen Lohn mehr. Ihr Gedächtnis ist vergessen, ebenso ihre Liebe, ihr Hass und ihr Eifern. All das ist längst verschwunden, und sie haben ewiglich keinen Anteil mehr an allem, was unter der Sonne geschieht.
Das Leben unter der Sonne hat diesen einen Sinn: dass wir in diesem Leben den Urheber des Lebens suchen und in ihm das Heil finden. Und solange wir leben, solange es noch heute heißt, besteht noch Hoffnung. Es besteht noch Hoffnung, dass wir Erben des ewigen Lebens werden, Erben der ewigen Herrlichkeit werden.
Und so sind diese Verse ein Aufruf an die Lebenden, sich eben nicht fatalistisch gehen zu lassen, sondern Gott zu suchen, ob sie ihn wohl tastend fühlen und finden möchten, wie Paulus in Apostelgeschichte 17,27 sagte: Gott zu suchen, ob sie ihn wohl tastend fühlen und finden möchten.
Und darum ist es so, wie Salomo sagt: Ein lebender Hund ist besser dran als ein toter Löwe. Nun, ein Löwe in seinem goldenen Fell und mit seiner prächtigen Mähne und seinem feuchterregenden Gebrüll ist ja wirklich ein imposanter Anblick. Oh, der König der Tiere kommt, auch wenn er tot ist.
Da ist also ein lebender Hund noch besser dran. Und wir dürfen hier natürlich weder an die Schoßhündchen der Europäer denken noch an die Zucht-Doggen der Engländer, sondern wir müssen an einen orientalischen Köter denken, dessen Fell nur so wimmelt von Läusen, der durch die Gassen schleift und den Schwanz einzieht, sobald jemand in die Nähe kommt, und erbärmlich jault und winselt. Als ein Hund gilt in der orientalischen Gesellschaft wirklich nichts.
Aber besser noch ein lebender Hund, besser unter erbärmlichsten Umständen noch leben. Denn solange ein Schnauf in der Nase ist, ist noch Hoffnung, dass du weise wirst zur Rettung. Wenn du tot bist, was nützt dir dann ein ganz prächtiges Leben, das du gelebt hast, wenn du als ein Gottloser gestorben bist? Du magst ein Löwe gewesen sein, vielleicht sogar ein Salonlöwe. Aber womit ist dir dann geholfen? Besser ein erbärmlicher Bettler, in den Augen der Menschen ein erbärmlicher Wicht, solange du noch lebst. Denn da ist noch Hoffnung, dass du zur Buße des Lebens kommst, wie Apostelgeschichte 15 es ausdrückt, die Buße zum Leben.
Ja, solange Menschen wissen, im Vers 5 wird es ja erklärt, denn die Lebenden wissen, dass sie sterben werden, solange der Mensch das noch weiß und wenn er aus diesem Wissen auch weise wird, klug wird, dann ist noch Zeit, dass er Buße tut, weise wird zur Errettung. Diesen Vers sollte ich jetzt auch angehen, wo der steht: 2. Timotheus 3,15. Dort steht dieser Ausdruck: „weise zur Errettung, weil du von Kind auf die Heiligen Schriften kennst, die vermögend sind, dich weise zu machen zur Errettung.“
Aber die Toten, die wissen gar nichts. Nun, aus diesem Vers haben jetzt auch gewisse Leute herausgelesen, nach dem Tod hört der Mensch auch zu existieren, oder nach dem Tod verfällt die Seele in so einen Seelenschlaf und weiß nichts, nimmt nichts wahr, wie in einem Koma versunken, und wird dann irgendwann einmal auch erweckt werden, abgerufen werden. Jemand verglich das einmal mit etwas, das man auf der Festplatte im Computer speichert, schläft auf der Festplatte und irgendwann wird das hervorgeholt auf dem Bildschirm. Jetzt können wir uns das ja gut vorstellen, wie das funktioniert, meinte er. Die Technik hat uns geholfen, hier zu verstehen, wie das gemeint ist.
Nein, wir müssen natürlich den Zusammenhang beachten. Salomo spricht hier davon, dass der Lebende darum besser daran ist, weil er weiß, dass er sterben wird. Der Tote weiß ja, dass er sterben wird? Nein, er weiß es nicht. Er ist ja schon tot, und darum hat er diesbezüglich kein Wissen mehr, dass er weiß: Ich werde sterben, und ich sollte mich rüsten, so zu sterben, dass ich im Frieden mit Gott sterbe. Solches Wissen hat der Tote natürlich nicht mehr, es ist zu spät.
Und zudem haben sie auch keinen Lohn mehr von ihrem irdischen Tun, also keinen irdischen Lohn von ihrem irdischen Tun. Ihr Gedächtnis ist vergessen, niemand denkt an sie. Aber sie wissen sehr wohl, was sie angeht, wie es um sie steht, denn Lukas 16,23 sagt, dass die Gesetzlosen nach dem Tod erst die Augen richtig aufgehen. Lukas 16,23: im Hades, seine Augen aufschlagend. Als er in den Qualen war, da schlägt er die Augen auf und ist in den Qualen.
Der Tote, der gottlos Verstorbene, ist wie der bereits verurteilte Mörder in der Todeszelle. Er weiß: Ich werde hingerichtet werden. Er harrt des Gerichts. Und darum ist das schon ein Ort der Qual, auch wenn er noch nicht im Feuersee ist. Und so bleibt ihnen nur ein gewisses furchtvolles Erwarten des Gerichts und der Eifer eines Feuers, das die Widersacher verschlingen wird.

Der Rat zum Handeln in der Gegenwart

Dann der Rat, die Verse sieben bis zehn: Geh, iss dein Brot mit Freude und trinke deinen Wein mit frohem Herzen, denn längst hat Gott Wohlgefallen an deinem Tun. Deine Kleider seien weiß zu aller Zeit, und das Öl mangle nicht auf deinem Haupt.
Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, alle Tage deines eitlen Lebens, welches er dir unter der Sonne gegeben hat, alle deine eitlen Tage hindurch. Denn das ist dein Teil am Leben und an deiner Mühe, womit du dich abmühst unter der Sonne.
Alles, was du zu tun vermagst, mit deiner Kraft das tue. Denn es gibt weder Tun noch Überlegung noch Kenntnis noch Weisheit im Scheol, wohin du gehst.
Hier sehen wir es wieder, am letzten Vers, den wir jetzt lasen, am Vers 10, dass Salomo aus dieser Beobachtung, dass Gott alles gefügt hat, dass wir nicht Macht haben über uns und über die Zukunft, dass wir uns darum von Gott abhängig machen müssen, nicht etwa gefolgert hat: Ja, dann hat alles keinen Wert, dann kommt sowieso, wie es kommen muss, Kismet. Sondern er folgert daraus: Alles, was du zu tun vermagst, mit deiner Kraft das tue.
Und erstaunlicherweise hat ja gerade in den Ländern, in denen die Reformation sich ausbreitet, oder wir können auch zunächst einmal sagen: in den Ländern, die vom Christentum am stärksten geprägt wurden, also die wussten, dass die Rettung an der Gnade Gottes liegt, dass Gott der ist, der das Geschick des Menschen über das Geschick des Menschen waltet, gerade in diesen Ländern kann man feststellen, sieht man, dass die Menschen besonders unternehmerisch sind, besonders fleißig, besonders aktiv.
Also: Die rechte Erkenntnis der Gnade Gottes, dass alles an ihm hängt, dass tatsächlich er die Schritte des Menschen lenkt, führt dazu, dass der Mensch fleißig wird, verantwortungsbewusst. Eine Stelle aus dem Buch der Sprüche: Man sagt doch auf Deutsch: Der Mensch denkt, aber Gott lenkt. Stimmt das, oder ist das so eine Halbwahrheit? Ganz richtig steht es im Buch der Sprüche, buchstäblich so. Es gibt ja auch so Volksweisheiten, die so halb biblisch sind und teilweise gar nicht biblisch, aber das ist wirklich eine biblische Wahrheit, und ich nehme sogar an, dass das dem Buch der Sprüche direkt entlehnt ist.
 Sprüche 16,9: Das Herz des Menschen erdenkt seinen Weg, also der Mensch denkt, und nachher steht: Aber der Herr lenkt seine Schritte. Es ist wirklich so.
Und daraus folgt dem Gottesfürchtigen genau das, was Salomo hier sagt: Was Gott in deiner Hand zu tun gegeben hat, das tue, mit aller Entschiedenheit! Und dich nicht gehen lassen!
Ich war einmal in einem Kleinbus unterwegs in Pakistan, einem muslimischen Land. Und in muslimischen Ländern merkt man, wie dieser Glaube an ein unabänderliches Geschick, an ein unpersönliches Geschick, an ein immer verborgenes Geschick, von einem Allah verfügt, der sich nie in die Karten schauen lässt, bei dem man nie weiß, was er mit einem vorhat, wie dieser Glaube wirklich eine dämonische Fessel ist, welche die Menschen in diesen Völkern in diesen öden Fatalismus hinein zwingt. Das merkt man am tagtäglichen Leben.
Ich war einmal unterwegs in einem Kleinbus in Pakistan, und es regnete. Dann hatte es einem Passagier auf den Kopf getropft, und dann sagte er so dem Fahrer: Der Fahrer soll mal hier dieses Loch einmal flicken. Und dann sagte der Fahrer: Das ist ein Kismet, dort zu sitzen. So seine Antwort. Natürlich war das ein bisschen so eine bissige Antwort, weil es ihm eine lästige Frage war, aber doch ist es auch so: Ja, ist halt so, kann man nichts ändern, Kismet.
Ich habe einmal mit einem Mann gesprochen in Bombay. Ich sprach mit ihm über den Glauben, über die Rettung, und er hat also den Islam verteidigt, bis zum Letzten. Am Schluss hat er dann, oder ziemlich gegen den Schluss, so ein bisschen von sich erzählt. Er war eben aus dem Gefängnis entlassen worden, er war ein Mörder. Und während wir da saßen und sprachen, kamen immer so Leute zu ihm in den Hof. Nachdem er so unters Bett gelangt war und eine Flasche hervorgeholt hatte, ein Schnapshändler, das war ungefähr das Schlimmste, was ein Moslem sein kann. Und er sagt da: Was ihr mir gismet, das ist mein Gizmet, Allah ne Mujaz al-Gadzi, Allah hat mich so gemacht.
Nein, die Bibel weiß nichts von solchem Fatalismus. Und wenn wir sagen, dass wir an die Vorsehung glauben, dass Gottes Vorsatz alles fügt und dass der Herr unsere Schritte lenkt, dann ist das eben nicht Glaube an ein unpersönliches Geschick, an ein ödes Fatum, sondern der Gott der Liebe, der uns in Jesus Christus geoffenbart ist, er ist es, der unser Leben führt, lenkt. Ein unendlicher Unterschied, ob es ein unpersönliches Geschick ist, ein toter Determinismus, oder ob der lebendige Gott, der allein weise Gott, der Gott der Liebe, mein Leben in seiner Hand hat.
Und wenn ich das begreife, dann vertraue ich mich doch ihm an, werde von ihm abhängig und begehre nichts anderes so sehr, wie seinen Willen zu erkennen und zu tun. Genau das, was Salomo hier sagt: Alles, was du zu tun vermagst, mit deiner Kraft das tue! Denn es gibt weder Tun noch Überlegung noch Kenntnis noch Weisheit im Scheol, wohin du gehst. Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist darum die Zeit der Entscheidung, jetzt ist die Zeit des Handelns, des Tuns. Nach dem Tod, so wie der Baum fällt, so bleibt er liegen; der Baum fällt, dann wird er nicht mehr gerührt.
Aber die Aufforderung davor, dieser Rat, die Verse sieben bis neun, die greifen ja wieder dieses Grundthema des Buches Prediger auf: Freude. Iss dein Brot mit Freude, trink deinen Wein mit frohem Herzen. Vielleicht sind nicht alle mit diesem Rat so einverstanden, aber immerhin, er steht da. Und dann: Längst hat Gott Wohlgefallen an deinem Tun.
Wir müssen jetzt beachten, in welchem Zusammenhang dieser Rat steht. Dieser Rat wäre nämlich nackter Zynismus, setzte er nicht voraus, dass wir durch Gottesfurcht des ewigen Lebens gewiss geworden sind. Denn wie kann man einem Gottlosen sagen: Ja, trink und iss noch weiter, du wirst am Ende sowieso so verrecken und in die Hölle fahren, man kann nichts daran ändern. Das wäre Zynismus.
Aber diesen Rat teilt Salomo dem, der Gott fürchtet und durch Gottesfurcht weise geworden ist und weiß, dass sein Leben und sein Geschick in Gottes Hand ist, dass er in der Zeit für die Ewigkeit lebt, für die Ewigkeit bestimmt ist. Und wenn wir das wissen, dann können wir das wirklich beherzigen: das tägliche Essen aus seiner Hand nehmen, Gott danken für die Frau, die er uns gegeben hat.
Wer ein Weib gefunden hat, Gutes gefunden und hat Wohlgefallen erlangt vom Herrn, Sprüche 18,22. Das Gute ist eine gute Gabe des Schöpfers, die Gemeinschaft, die eheliche Gemeinschaft. Freue dich an deiner Frau. Und dann steht sogar noch etwas über Kleider: Deine Kleider seien weiß zu aller Zeit. Also der Herr will nicht, dass sie in Lumpen herumlaufen.
Nun, schöne Kleidung ist nicht das Leben. Aber wir sollen uns durchaus anständig und sauber kleiden. Das Öl mangle nicht auf deinem Haupt. Vielleicht ist es nicht jedermanns Geschmack, immer Öl ins Haar zu streichen, aber es gibt Länder, wo man das einfach macht, man muss das tun. In Indien, wo es so heiß ist, oder in Pakistan, ist es so heiß, man muss mindestens zweimal, manchmal dreimal am Tag unter die Dusche. Und wenn man so oft duscht, dann wird die Haut ganz ausgelaugt, und auch die Haare. Dann muss man ganz einfach Öl. Startet man sich jedes Mal Öl in die Haare? Also, das Öl mangle nicht auf deinem Haupt.
Und dann erinnert er daran: Genieße das Leben mit deiner Frau, die du liebst, alle Tage deines eitlen Lebens. Das Leben für sich ist wirklich eitel. Die Tage vergehen schnell, dieses Leben vergeht. Dieses Leben hat an sich und in sich, für sich allein genommen, ist es leer, ist es hohl. Aber weil Gott es gegeben hat, alle Tage deines Lebens, welche er dir unter der Sonne gegeben hat, weil er es uns gegeben hat, können wir uns auch dieses Lebens freuen, auch wenn es vergeht, vergänglich ist und nichts bleibt. Denn das ist dein Teil.

Übergang zum nächsten großen Themenkreis

Wir fahren mit dem nächsten Abschnitt fort. Er ist ziemlich lang und reicht von 9,11 bis 11,8. Diesen Abschnitt habe ich überschrieben mit: Hilflosigkeiten und Unwägbarkeiten.
9,11 bis 11,18. Und zwar habe ich diesen Abschnitt folgendermaßen unterteilt:
A: Zeit und Ende trifft uns alle, 9,11 und 12. Zeit und Ende trifft uns alle, Kapitel 9, Verse 11 und 12.
B: Die Weisheit des Armen wird verachtet, Verse 13 bis 18. Die Weisheit des Armen wird verachtet, die Verse 13 bis 18.
C: Weisheit in einer verkehrten und prekären Welt zu leben, 10,1-11. Weisheit in einer verkehrten und prekären Welt zu leben, 10,1-11.
Ja, ich will jetzt noch erklären: Das Wort an seiner Stelle, prekär, schreibt man mit Ä und mit K, also in schöner deutscher Orthografie.
D: Der Weise und der Tor, 10,12-15. Der Weise und der Tor, 10,12-15.
E: Ehe, gute und schlechte Regierung, 10,16-20. Ehe, gute und schlechte Regierung, 10,16-20.
F: Leben im Glauben, Sehen auf Hoffnung, 11,1-6. Leben im Glauben, Sehen auf Hoffnung, 11,1-6.
Daran schließt sich wieder ein Rat an, Kapitel 11, die Verse 7 und 8. Dieser Rat hat wieder mit Freude zu tun.

Zeit, Zufall und die Grenzen menschlicher Stärke

Ja, die Verse, Kapitel 9, die Verse 11 und 12: Zeit und Ende treffen uns alle. Ich wandte mich und sah unter der Sonne, dass nicht den Schnellen der Lauf gehört und nicht den Helden der Krieg und auch nicht den Weisen das Brot und auch nicht den Verständigen der Reichtum und auch nicht den Kenntnisreichen die Gunst. Denn Zeit und Schicksal trifft sie alle, denn der Mensch weiß auch seine Zeit nicht. Gleich den Fischen, welche gefangen werden im verderblichen Netze, und gleich den Vögeln, welche in der Schlinge gefangen werden, gleich diesen werden die Menschenkinder verstrickt zur Zeit des Unglücks, wenn dieses sie plötzlich überfällt.
Hier beobachtet Salomo, dass einer noch so schnell sein kann, einer noch so großer Held sein kann, einer noch so intelligent sein kann und noch so verständig sein kann, dass er doch das Glück seines Lebens nicht in der Hand hat. Und vor allem, dass er dem nicht entrinnen kann, was am Ende hier genannt wird: Zeit und Schicksal trifft sie alle, der Tag seines Untergangs, die Zeit des Unglücks, sein Tod.
Und es ist auch so, dass auch den Schnellen und den Helden nicht immer der Sieg gehört. Und es ist auch so, dass nicht immer den Weisen das Brot, also der Reichtum, gehört. Denn wäre es so, dass immer die Schnellen siegen und die Helden und die Weisen immer alle Vorteile haben, ja, dann müssten wir urteilen, der Mensch habe sein Schicksal in seiner eigenen Hand. Aber er hat es nicht. Und darum lässt es Gott dem Helden nicht immer gelingen und lässt oft den Schwächeren siegen und lässt oft den Dümmeren erfolgreicher sein als den Klügeren. Gott lenkt den Menschen anders, als er es sich geplant haben mag.
Und das werden alle von uns sagen können: Fast alle entscheidenden Geschehnisse in meinem Leben kamen anders, als ich wollte. Das allererste: Ich wollte nie Christ werden, zuallerletzt Christ, nur das nicht. Ich bin Christ geworden. Und als ich Christ war, die ersten Jahre, wollte ich nicht heiraten. Ich wollte wirklich nicht heiraten. Ich habe sogar gebetet, dass Gott mich davor bewahren möge. Und dann habe ich doch geheiratet.
Und dann wollte ich um nichts in der Welt in der satten Schweiz bleiben, wirklich nicht. Also ich hatte wirklich, ich hatte einfach genug von diesem Materialismus. Birgit hat es so schön gesagt: den Kanal voll, also wirklich, Kanal voll. Dieser hat mich sehr erdrückt, dieser Materialismus. Ich dachte nur: weg, ich will nicht in diesem Land leben. Ich habe alles versucht, um nicht in der Schweiz bleiben zu müssen. Ich lebe noch immer in der Schweiz.
Ja, es kommt einfach anders, als wir es uns vorsetzen und vornehmen. Und so kann auch der Reiche und der Kenntnisreiche und der Schnelle und der Held seinen Vorsatz nicht erreichen. Nun, wir danken Gott dafür, dass es so ist, dass er über dem Tun der Menschen waltet und dass er die Mächtigen stürzt und die Geringen erhöht. Denn das ist ein Prinzip, das wir in der Heilsgeschichte beobachten. Dort, wo Gott errettet, wo Gott Heil und Errettung wirkt, geschieht das immer wieder, dass er die Mächtigen vom Thron stürzt und die Geringen erhöht, dass die Schwachen den Sieg davontragen und die Helden niedergeworfen werden.
Wir denken an David und Goliath. Wir denken an das Gebet Hannas, das genau das zum Ausdruck gebracht hat: 1. Samuel 2,3-5.
Häufet nicht Worte des Stolzes, noch gehe Freches aus eurem Munde hervor; denn ein Gott des Wissens ist der Herr, und von ihm werden die Handlungen gewogen. Die Bogen der Helden sind zerbrochen, und die Strauchelnden haben sich mit Kraft umgürtet. Die Satt waren, haben sich um Brot verdungen, und die hungrig waren, sind es nicht mehr. Sogar die Unfruchtbare hat geboren, und die Kinderreiche ist dahingewelkt. Der Herr tötet und macht lebendig, er führt in den Scheol hinab, und er führt herauf. Der Herr macht arm und macht reich, er erniedrigt und er erhöht auch. Er hebt aus dem Staub empor den Geringen, aus dem Kot erhöht er den Armen, um ihn sitzen zu lassen bei den Edlen, und den Thron der Ehre gibt er ihnen als Erbteil.
Das Gebet Marias in Lukas 1,51-53 erinnert an das Gebet Hannas.
Er hat Macht geübt mit seinem Arm, er hat zerstreut in der Gesinnung ihres Herzens hochmütigen Sinn, er hat Mächtige von Thronen hinabgestoßen und Niedrige erhöht. Hungrige hat er mit Gütern erfüllt und Reiche leer fortgeschickt.
Nun handelte Gott nicht in der Weise, dass er also nicht den Starken und den Reichen den Erfolg und den Sieg gibt, sondern den Schwachen und den Elenden, handelte Gott nicht so, gäbe es in dieser Welt der Sünde und Sünder keine Rettung. Aber er lässt auch den Helden, er lässt auch den Gottesfürchtigen zuweilen straucheln, um ihn daran zu erinnern, dass der Sieg, der Streit und der Sieg Gottes ist. Der gleiche Josua, der vor Jericho siegreich gewesen war, fiel vor Ai, einer viel kleineren Stadt.
Und dann Vers 12: der Tod, der alle ereilt. Dort endgültig wird auch der Erfolgreiche, gibt Gott Sieg, auch Gottlosen und Starken gibt ihr Gelingen und Erfolg, ihr Leben lang. Aber mit all ihrer Klugheit und mit all ihrer Macht können sie dem Tod nicht entrinnen. Tod und Schicksal ereilt sie alle. Wie lange noch? Noch fünf Minuten gut, gerade richtig. Er ereilt sie alle. Wenn unsere Zeit da ist, dann trifft uns alle das gleiche Geschick.
Gleich den Fischen und den Vögeln: Es werden hier wieder die Menschen mit den Tieren verglichen, wie schon in Kapitel 3, Vers 19. Er ist sterblich, unser Leib ist sterblich. Gott hat uns das Leben gegeben, wir sind völlig von ihm abhängig. Aber der Weise, der darum weiß, dass der Tod von Gott der Sünde wegen verhängt ist, ja, der lernt daraus etwas. Denn der Tod ist wirklich der große Nivellierer, und zwar ein Abwärtsnivellierer, der überhaupt nicht mit sich reden lässt. Keiner entkommt ihm. Herzlos wird jeder unter das gleiche Joch gezwängt, und das ist bitter für den, der sich dagegen auflehnt. Und darum ist der Tod ein Schrecken für den Gottlosen.
Aber der, der weiß, dass Leben und das Ende des Lebens in Gottes Hand sind, und sich Gott anvertraut, dem ist der Tod Pforte, Eingang zum ewigen Glück, zu unbeschreiblicher Glückseligkeit. Aber der Mensch muss sich erniedrigen, um erhöht zu werden. Und so will ja Gott den Menschen erziehen in seinem Leben, und darum lässt er auch Helden straucheln. Er will sie dazu erziehen, dass sie lernen: Alles ist in Gottes Hand. Demütige dich unter seiner Hand. Du hast nicht Macht über dein Leben, auch nicht über deinen Tod. Er wird über dich kommen, an dem Tag, den du nicht ahnst und nicht willst. Und wer sich dieses Wissens wegen unter Gottes mächtiger Hand demütigt, den wird Gott erhöhen. Und dem verliert der Tod seinen Schrecken.
Übrigens steht hier ausdrücklich, dass die Menschenkinder die Zeit ihres Unglücks nicht wissen. Es ist eine freundliche Vorkehrung des Schöpfers, dass wir über unser Morgen nichts wissen. Und doch will der Mensch in seiner Torheit wissen, was morgen und übermorgen ist. Und manch einer ist daran zugrunde gegangen. Er hat sich in die Kristallkugel gucken lassen, Karten legen lassen, und dann wurde ihm gesagt: Wenn du 33 bist, im 33. Lebensjahr werden wir einen Autounfall haben und sterben. Und seither leben sie in beständiger Angst vor diesem Tag.
Nein, Gott hat uns diesen Tag, das Morgen und auch unser Ende vorenthalten. Augustin sagt einmal in Bezug auf das Kommende des Herrn, aber wir können das auch auf den Tag unseres Todes anwenden: Gott hat diesen einen Tag verborgen, damit wir alle Tage wachen. Und so sind wir dankbar dafür, dass uns dieser Tag, unser Ende, verborgen ist. Es ist bei Gott unser Lebensende nur einer, ein Mensch, der sah sein Ende von Anfang an vor sich. Aber er war der einzige, der es vermochte, das zu sehen und trotzdem unbeirrt seinen Weg zu gehen, dahin, in den Tod, in einen solchen Tod: der Mensch Jesus, der sein Angesicht festmachte nach Jerusalem, wissend, wie und wann er dort diese Welt verlassen würde.