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Unser Miteinander in der Familie Gottes (Gemeinde)

25.05.2024
SerieTeil 1 / 6Beziehungen nach Gottes Plan
Wie sieht ein liebevolles Miteinander in der Gemeinde aus? André Töws zeigt Stück für Stück auf, was es heißt Gemeinde aktiv zu leben und sich ganz persönlich mit einzubringen.

Einleitung und Grundgedanke

Das Thema des heutigen Abends lautet: Unser Miteinander in der Familie Gottes.
Wir alle haben wahrscheinlich gewisse Begriffe in unserem Leben. Wenn wir sie hören, dann machen sie etwas mit uns, und zwar negativ oder positiv. Es gibt gewisse Begriffe, die uns triggern. Wir verbinden sie mit etwas Negativem. Wenn man unserer Pflegetochter den Begriff Polizei im Alter von drei Jahren gesagt hätte, dann hätte sie damit vor allem etwas Negatives verbunden, aufgrund ihrer Vergangenheit. Bei gewissen Begriffen fällt nur das Wort, und es macht etwas mit uns, weil wir damit etwas Negatives verbinden.
Aber dann gibt es ja auch Begriffe, die unser Herz höher schlagen lassen. Wenn wir einen gewissen Begriff hören, dann freuen wir uns, weil wir mit diesem Begriff so viel Gutes verbinden, weil unser Herz dafür schlägt.
Ich habe mir vor einiger Zeit die Frage gestellt: Bei welchem Wort schlägt Jesu Herz höher? Ich bin zu dem Ergebnis gekommen: wenn er das Wort Gemeinde hört. Wenn Jesus das Wort Gemeinde hört, schlägt sein Herz höher, denn für die Gemeinde hat er sein Leben gelassen. Die Gemeinde liebt er so sehr, dass er bereit war, für sie in den Tod zu gehen. Er hat sein Leben für die Gemeinde gelassen.
Das heißt, wenn wir uns jetzt hier im ersten Vortrag über das Thema Gemeinde unterhalten, müssen wir uns dessen bewusst sein: Vielleicht haben wir nicht dasselbe Bild von Gemeinde, wie Jesus es hat. Vielleicht denken wir über Gemeinde als etwas Selbstverständliches, gerade wenn wir vielleicht in der Gemeinde aufgewachsen sind. Wir müssen uns in Jesus hineinversetzen. Wenn er über Gemeinde hört, schlägt sein Herz höher. Das ist sein Lieblingsthema.
Und wenn wir heute darüber sprechen, dann sprechen wir über etwas, was unserem Herrn so, so wichtig ist. Das Thema lautet: unser Miteinander in der Gemeinde Gottes.
Ich möchte aber nicht nur über Beziehungen sprechen. Das auch, es geht ja um das Miteinander. Aber ich möchte erst einmal auch ganz kurz noch einmal den Kontext legen: Worüber sprechen wir eigentlich, wenn wir über Gemeinde reden? Und im Prinzip habe ich zwei große Punkte.
Ich muss den Präsentator anschalten, der ist an genau einer Stelle weiter. Willst du klicken? Die PowerPoint wäre relativ übersichtlich. Einfach weiterklicken. Okay, ich rede einfach mal weiter, ich gehe mal davon aus, ihr kriegt das gelöst.

Was Gemeinde nicht ist und was sie wirklich ist

Wenn wir über Gemeinde reden, müssen wir uns erst einmal vergegenwärtigen, worüber wir nicht reden. Was ist Gemeinde nicht?
Gemeinde ist nicht einfach nur eine Organisation. Gemeinde ist ein Organismus. Das ist ein riesiger Unterschied. Eine Organisation ist etwas Statisches, Gemeinde ist immer etwas Dynamisches.
Gemeinde ist auch nicht einfach nur ein frommer Kulturverein. Kurze organisatorische Klärung: Kriegen wir das hin, dass ihr einfach weiterklickt? Perfekt. Gemeinde ist auch nicht einfach nur ein frommer Kulturverein, wo wir einfach immer wieder zusammenkommen, weil wir es halt so gewohnt sind, aus Tradition. Gemeinde ist sehr, sehr viel mehr.
Gemeinde ist auch nicht einfach nur ein Netzwerk für soziale Kontakte, so nach dem Motto: Da habe ich meinen Social-Media-Account, da treffe ich mich mit den Arbeitskollegen, da habe ich meinen Sportverein, und da ist eben auch Gemeinde. Und überall habe ich Kontakte, als wenn Gemeinde auf gleicher Ebene wäre. Das ist Gemeinde nicht. Gemeinde ist so viel mehr.
Ich habe euch mal eine Definition mitgebracht darüber, was Gemeinde ist. Gemeinde könnte man wie folgt definieren: Gemeinde ist die Gemeinschaft von Wiedergeborenen, durch die Gott seine Absichten in dieser Welt verwirklichen möchte. Gemeinde ist die Gemeinschaft von Wiedergeborenen, durch die Gott seine Absichten in dieser Welt verwirklichen möchte.
Gemeinde ist Gottes Erfindung. Es hat sich nicht irgendwann im Laufe der Kirchengeschichte so entwickelt, dass ein intellektueller Kirchenvater auf den Gedanken gekommen ist, es wäre eigentlich schön, wenn sich Gläubige Sonntag für Sonntag auch mal treffen. Gemeinde ist Gottes Idee.
Ich habe euch da zwei Bibelverse mitgebracht. Einmal Epheser 1. Wenn ihr eure Bibeln dabei habt, könnt ihr gerne aufschlagen. Ich habe zwar alle Verse auch auf der Präsentation, aber solange das noch nicht läuft, können wir ja selber in die Bibel reinschauen.
In Epheser 1 wird deutlich, dass Gott Gemeinde eigentlich schon vor langer Zeit geplant hat. Gemeinde ist ja auch nicht erst an Pfingsten entstanden. Der Plan liegt sehr, sehr weit vor Pfingsten. In Epheser 1 heißt es ab Vers 9:
Denn Gott hat uns wissen lassen das Geheimnis seines Willens nach seinem Ratschluss, den er zuvor in Christus gefasst hatte, um ihn auszuführen, wenn die Zeit erfüllt wäre, dass alles zusammengefasst würde in Christus, was im Himmel und auf Erden ist.
Und dann noch eine weitere Stelle, Epheser 3,8-10. Da heißt es:
Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist die Gnade gegeben worden, den Heiden zu verkündigen, den unausforschlichen Reichtum Christi, und für alle ans Licht zu bringen, wie Gott seinen geheimen Ratschluss ausführt, der vor Ewigkeit her verborgen war in ihm, der alles geschaffen hat, damit jetzt kund werde die mannigfaltige Weisheit Gottes den Mächten und Gewalten im Himmel durch die Gemeinde.
Wenn wir diese beiden Verse zusammen sehen, sehen wir: Gott hatte einen Plan mit Gemeinde. Und Gemeinde ist nicht Plan B gewesen, so nach dem Motto: Mit Israel hat es ja nicht funktioniert, ich brauche eine andere Lösung, dann versuchen wir es nochmal mit der Gemeinde. Das war nicht der Fall.
Gott hat von Anfang an an Gemeinde gedacht. Ja, Gemeinde hat ihre Geburtsstunde an Pfingsten, aber der Plan, die Idee, geht vor die Schöpfung zurück, bis in die Zeit vor der Schöpfung. Von Ewigkeit her, vor Grundlegung der Welt, hatte Gott bereits den Plan, die Gemeinde zu gründen. Er wollte seinem Sohn eine Braut geben: die Gemeinde.
Das heißt, wenn wir uns jetzt über unser Miteinander in der Gemeinde befassen, dann müssen wir uns vergegenwärtigen: Gott hatte diesen Gedanken von Gemeinde schon immer und hat sie dann an Pfingsten ins Leben gerufen.

Eigentum Gottes, weltweite Einheit und örtliche Gestalt

Noch ein paar Merkmale zur Gemeinde:
Einmal müssen wir auch festhalten: Gemeinde gehört Gott. Wir sagen das zwar ab und zu, um eine Gemeinde zu identifizieren, etwa: Das ist die Gemeinde von dem Pastor so und so, die Gemeinde von Daniel Siemens, ach ja, die in Köln-Ostheim. So sagen wir das, aber eigentlich gehört die Gemeinde nicht dem Pastor. Gemeinde gehört auch nicht einem Ältesten, Gemeinde gehört keinem Diakon, und Gemeinde gehört nicht dem Großspender der Gemeinde. Die Gemeinde gehört Gott. Er ist der Eigentümer der Gemeinde.
In Apostelgeschichte 20,28 heißt es: Habt Acht auf euch selbst und auf die ganze Gemeinde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher eingesetzt hat, die Gemeinde Gottes zu hüten, die er sich erworben hat durch das Blut seines eigenen Sohnes. Das heißt: Gott hat sich die Gemeinde erkauft, sie gehört ihm. Das bedeutet auch, dass er das Sagen darüber hat, wie Gemeinde aussehen soll.
Ein paar andere Merkmale noch, und dann steigen wir gleich auch auf die Beziehungsebene ein: Gemeinde ist sowohl universal als auch lokal. Ich habe das auf eurer Homepage gesehen. Das habt ihr sehr, sehr gut definiert und auch für neue Leute, für Suchende, sehr verständlich und deutlich gemacht. Gemeinde ist sowohl universal als auch lokal.
Wenn wir von der Universalgemeinde sprechen, dann reden wir von der Gesamtheit aller Kinder Gottes zwischen Pfingsten und der Wiederkunft Jesu. Also all die Gläubigen, die nach Pfingsten bis zur Wiederkunft Jesu zum Glauben gekommen sind, gehören zur universalen Gemeinde. Es gibt nur eine Gemeinde im Himmel. Hier gibt es verschiedene Ortsgemeinden, aber im Himmel gibt es nur die eine Gemeinde. Und Jesus weiß, wer dazu gehört. Das meinen wir, wenn wir von der Universalgemeinde sprechen.
Aber dann gibt es auch immer die lokale Gemeinde. Die lokale Gemeinde ist der sichtbare, aktuelle Teil der Gemeinde vor Ort. Man könnte auch sagen: Die örtliche Gemeinde umfasst die Gläubigen eines geografisch bezeichneten Ortes. Ich liebe so sehr die Stelle aus dem 1. Korinther 1,2. Da schreibt Paulus den Brief an die Gemeinde Gottes, die in Korinth ist.
Gemeinde ist immer konkret. Gemeinde ist konkret greifbar. Gemeinde ist nicht nur etwas Nebulöses, sondern Gemeinde wird immer sehr konkret sichtbar, da, wo sich die Gläubigen regelmäßig treffen, wo sie beten, wo sie anbeten, wo sie gemeinsam das Abendmahl feiern. Das ist Gemeinde.

Der Auftrag der Gemeinde und die Gefahr von Schieflagen

Gemeinde hat auch einen Auftrag. Jesus hat seine Gemeinde ja noch nicht direkt an Pfingsten, als die Ersten zum Glauben gekommen sind, zu sich geholt. Er holt auch nicht jetzt individuelle Gläubige direkt zu sich, sobald sie zum Glauben kommen. Das heißt, der Herr hat ja einen Plan mit uns hier auf dieser Welt.
Man könnte den Auftrag, den die Gemeinde hat, in drei Richtungen bezeichnen. Die Gemeinde hat einen Auftrag nach oben, die Gemeinde hat einen Auftrag nach außen, und die Gemeinde hat einen Auftrag nach innen. Der Auftrag nach oben ist Anbetung, der Auftrag nach außen ist Evangelisation, und der Auftrag nach innen ist, ich habe das mal so zusammengefasst, Lehre, also dass man im Glauben auch wächst durch die Predigt, durch die Verkündigung, durch das Wort Gottes. Aber auch durch Liebe, dass wir einander lieben. Da kommen die Beziehungen ins Spiel, über die wir gleich schwerpunktmäßig reden.
Jetzt habe ich Fragen an euch, und ihr könnt gerne einfach mit reinrufen. Dieser dreifache Auftrag ist so wichtig, dass jede Gemeinde immer wieder selbst mal reflektiert, wo stehen wir? Kann es sein, dass wir in einer Sache sehr, sehr gut sind und da den Fokus drauf haben, aber den anderen Auftrag, der in eine andere Richtung geht, völlig vernachlässigen?
Wie würde sich eine Gemeinde entwickeln, die sehr viel Wert auf Lobpreis legt? Lobpreis ist wichtig in der Gemeinde, aber sehr wenig Wert auf Evangelisation und sehr wenig Wert auf biblische Predigten? Wie würde eine solche Gemeinde aussehen? Ihr könnt gerne reinrufen. Zuerst einmal schön, da ist Musik, da ist Stimmung, okay, richtig. Wie würde sich die Gemeinde entwickeln, wie würden sich die Gläubigen so nach ein paar Jahren entwickeln, wenn man wenig Wert auf den Auftrag nach innen legt und auf den Auftrag nach außen?
Unordentlich, du denkst an 1. Korinther 14 möglicherweise, bitte? Kein Fundament, ja, da basiert der Glaube vielleicht eher auf Liedtexten als auf Bibeltexten. Wenig Nachfolge, richtig? Emotional geleitet, schon fast schwärmerisch, sechzig Minuten Lobpreis, fünf Minuten Predigt, also da wäre eine Schieflage.
Wie würde eine Gemeinde aussehen, die den Auftrag nach außen sehr stark wahrnimmt? Da wird jeden Samstag evangelisiert, da sind die auf der Straße. Aber in der Lehre sind sie sehr, sehr schwach, und der Auftrag nach oben wird auch nicht wirklich wahrgenommen. Wie würde so eine Gemeinde aussehen? Kurzfristig und langfristig. Ich fand das gut, dass wir zunächst einmal gerade eine kurzfristige Antwort auch hatten. Was würde kurzfristig passieren?
Entschuldigung. Richtig, sie wächst nicht, aber was würde zuerst passieren? Viele Leute würden kommen, da wäre erst mal richtig was los, zahlenmäßiges Wachstum. Aber du hast absolut richtig gesagt, die Gläubigen werden nicht gefestigt, ja, viel Fluktuation, es kommen viele, aber es gehen vielleicht auch wieder viele.
Wie würde eine Gemeinde aussehen, die den Auftrag nach innen sehr, sehr treu wahrnimmt, und da gibt es wirklich Auslegungspredigten, 40, 50 Minuten Vers für Vers? Ja, das ist ja was richtig Gutes. Und das wäre da aber sehr wenig Evangelisation, sehr wenig Lobpreis. Wie würde so eine Gemeinde aussehen? Leer, da würden keine neuen Leute kommen, richtig? Sie veraltet, richtig, die Jugend wird nicht mehr gewonnen, vielleicht auch. Irgendwann streitet man sich über Geschlechtsregister, weil alle so tief im Wort sind und da geht es um jedes Komma.
Wir merken, eine Schieflage kann gefährlich werden. Der Punkt ist ja nicht, wenn eine Gemeinde stark ist in der Lehre und schwach in der Evangelisation, dass sie jetzt in der Lehre nachlassen. Lehre ist wichtig, Lehre ist das A und O, aber dass die Evangelisation verstärkt wird, dass es da wieder eine Balance gibt. Ja, dass Lobpreis da ist, dass Freude an Christus da ist, dass Evangelisation da ist und wenn die neuen Leute kommen, dass sie in Jüngerschaftskurse und in Hauskreise gebracht werden.
Deswegen, wir sprechen jetzt gleich nur über den Auftrag nach innen, wir sprechen über die Beziehungen, das ist ja das Thema, unser Miteinander als Christen in der Familie Gottes. Aber ich wollte das trotzdem einmal in den größeren Kontext setzen. Die Gemeinde hat einen größeren Auftrag, einen Auftrag nach oben, Gott anzubeten, einen Auftrag nach außen, zu evangelisieren. Jesus kommt bald wieder, wir müssen die Zeit nutzen, auch in der persönlichen Evangelisation, zu Arbeitskollegen und Nachbarn. Aber dann ist es auch so wichtig, den Auftrag nach innen wahrzunehmen, durch vertiefende Lehre, aber auch durch liebevolle Beziehungen, und alles muss miteinander einhergehen.
Und da ist, glaube ich, jede Gemeinde an einem unterschiedlichen Punkt, und letztendlich ist das ein ständiger Prozess, in dem sich auch gerade die Gemeindeleitung immer wieder neu befindet, neu zu justieren: Herr, sind wir auf dem richtigen Weg, sind wir vielleicht einseitig geworden, was willst du uns sagen? Wir haben bei uns in Köln eine Zeit lang erlebt, wo so viel Offenheit da war, und da haben wir wirklich noch mal auch am Sonntagmorgen dauernd evangelistisch gepredigt, und Leute sind zum Glauben gekommen nach den Gottesdiensten. Ich glaube, das war richtig, den Schwerpunkt da so zu legen, weil das gerade der richtige Zeitpunkt war. Aber dann mussten wir feststellen: Oh, uns fehlt es jetzt an Jüngerschaft, da kommen so viele neue, aber die werden nicht wirklich gefestigt im Wort.
Und deswegen möchte ich uns da immer wieder ermutigen, wenn wir über Gemeinde denken, das gesamte Bild, was Jesus von Gemeinde hat, im Blick zu behalten. Aber jetzt reden wir speziell über den Auftrag nach innen und da noch mal stärker über diesen Punkt, über liebevolle Beziehungen, die wir untereinander haben sollen. Die Gemeinde als geistliche Familie.

Gemeinde als geistliche Familie

Die Bibel verwendet viele Bilder, wenn sie über Gemeinde spricht. Die Gemeinde ist ein Leib, 1. Korinther. Dann heißt es an anderen Stellen: Die Gemeinde ist eine Braut. Das Hochzeitsmahl des Lammes wird in der Offenbarung geschildert, wenn Jesus, der Bräutigam, seine Braut zu sich holt. Das ist auch ein wunderbares Bild.
Und es gibt weitere Bilder. Paulus spricht von einem Acker, von einem Bau. Gemeinde ist auch immer Baustelle. Spätestens wenn ich in der Gemeinde bin, wird sie zur Baustelle, weil ich eine Baustelle bin. Ja, und so ist Gemeinde auch immer ein Prozess im Werden. Wir wachsen. Gemeinde ist nicht perfekt, Gemeinde ist nicht vollkommen.
Aber heute reden wir hier über ein besonders schönes Bild: Gemeinde als geistliche Familie. Ich habe euch einen Vers aus Epheser 2,19 mitgebracht. Das sind Worte, die der Apostel Paulus an die Christen in Ephesus schreibt. Er sagt in Epheser 2,19: So seid ihr nun nicht mehr Fremde und Nichtbürger, sondern ihr seid Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.
Er spricht hier vor allen Dingen die Heiden an, die eben am Anfang noch nicht dabei waren, denen die Verheißungen erst einmal nicht galten. Und jetzt hat Gott aus Juden und Heiden eins gemacht, die Gemeinde. Und er nennt sie Hausgenossen. Mit diesem Wort ist gemeint: Ein Haus ist eine Familie. Hausgenossen könnte man auch anders übersetzen: Familienmitglieder. Es setzt also das Bild voraus: Gemeinde ist Familie.
Schon Jesus hat die geistliche Familie betont. Es ist ja ein gewisses Spannungsverhältnis, in dem geistliche Familie und leibliche Familie zueinander stehen. Es gibt Gemeinden, und das waren auch wir vor einiger Zeit. Ich kann mich gut erinnern: Da kam eine Person als Gast in unserer Gemeinde und sagte: Ich habe den Eindruck, bei euch komme ich nicht rein. Hier sind zu große Familienclans in der Gemeinde. Was sie meinte, ist: Das sind einige Familien, und die waren nur unter sich als biologische Familien.
Das kann gefährlich sein, wenn geistliche Familie nicht wirklich entfaltet werden kann, weil man so viel Wert auf die leibliche, auf die biologische Familie legt. In welchem Verhältnis stehen beide zueinander? Jesus hat die leibliche Familie nicht aufgelöst. Er hat sich ja sogar am Kreuz noch um seine leibliche Mutter gekümmert, um Maria. Er hat gesagt: Ehre Vater und Mutter. Das hat Jesus nicht aufgehoben. Die leibliche Familie besteht. Da reden wir morgen mehr drüber.
Aber Jesus hat an einer Stelle deutlich gemacht, dass es auch eine geistliche Familie gibt, und die ist genauso wichtig wie die leibliche Familie. Da sagt Jesus in Markus 3,32-35, ich lese einmal vor: Und eine Volksmenge saß um ihn her. Sie sagten aber zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen suchen dich. Das ist die leibliche Familie Jesu. Und er antwortete ihnen und spricht: Wer sind meine Mutter und meine Brüder? Und er blickte umher auf die um ihn im Kreise Sitzenden und spricht: Siehe, meine Mutter und meine Brüder! Wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.
Was für starke Worte! Jesus sagt mit anderen Worten: Wenn du mir nachfolgst, bist du Teil meiner Familie. Das ist ja auch der Grund, ihr Lieben, warum wir uns in der Gemeinde, und ich glaube, das ist hier bei euch nicht anders, auch Schwestern und Brüder nennen. Das sind wir wirklich. Wir sind sogar blutsverwandt in der Gemeinde. Wisst ihr warum? Weil Jesus sein Blut für uns vergossen hat. Sind wir blutsverwandt.
Wenn jetzt neben dir vielleicht nicht dein Ehepartner sitzt, sondern ein anderes Gemeindemitglied oder hinter dir, dann seid ihr euch einfach noch einmal dessen bewusst: Da sitzt dein Bruder oder deine Schwester. Das ist etwas so Kostbares. Und wie kostbar das ist, das lernt man dann noch einmal neu schätzen, wenn Leute in die Gemeinde kommen, die keine leibliche Familie haben und in der Gemeinde Familie finden.
Wie immer eine junge türkische Schwester bei uns in der Gemeinde. Sie ist aus dem Islam gerettet worden, hat Jesus Christus von ganzem Herzen angenommen. Sie ist zu ihrem Vater gegangen, hat gesagt: Ich folge jetzt Jesus. Ihr Vater hat ihr ins Gesicht gespuckt, und das war das letzte Mal, wo sie ihren Vater gesehen hat. Sie ist von zu Hause rausgeflogen. Jetzt ist sie bei uns in der Gemeinde, Bischra, und mich bewegt das zutiefst. Wenn ich sie sehe, mit den anderen Schwestern zusammen, sie hat Familie gefunden.
Ich denke an all die Alleinstehenden, die am Sonntag nicht zu ihrer Familie fahren, aber die von anderen Gemeindemitgliedern eingeladen werden und sagen: Auch wenn ich keine eigene Familie habe, ich habe hier eine geistliche Familie.
Ihr Lieben, die geistliche Familie bleibt bestehen, die leibliche nicht. Es ist schwer zu verstehen, wie Verheiratete, aber die Ehe hat ein Ende mit dem Tod. Die geistliche Familie bleibt eine Ewigkeit lang bestehen im Himmel. Deswegen möchte ich uns einfach dafür auch begeistern, Gemeinde wirklich als Familie zu sehen. Ihr seid hier als Familie heute. Wir sind Familie, weil wir Brüder und Schwestern sind. Und ich glaube, dass das ein guter Einstieg ist für so eine Gemeindefreizeit, sich dessen noch einmal bewusst zu werden: Wir sind Familie. Gemeindefreizeit ist Familienfreizeit.
Bei uns in Deutschland, ich weiß ja nicht, ob das hier in Österreich ähnlich ist, ich vermute mal fast ja, ist der Heiligabend heilig für die Familie, für die biologische Familie. Ich will überhaupt nichts dagegen sagen, prinzipiell. Das ist immer auch in der Gemeinde bei uns jahrelang so gewesen: Heiligabend feiert man im engsten Familienkreis.
Meine Frau und ich haben uns irgendwann die Frage gestellt: Warum müssen wir das immer so machen? Es gibt so viele Menschen, die einsam sind in unserer Gemeinde. Es gibt jetzt so viele Neubekehrte, wo zu Hause gar nicht Heiligabend gefeiert wird, höchstens ein paar Geschenke, aber nichts Geistliches, nichts. Wir haben mit unseren Kindern gesprochen, ihnen die Frage gestellt, ob wir Heiligabend anders gestalten dürfen. Also wir haben sie damit reingenommen, dass wir das mal ein bisschen aufbrechen und sagen: Ja, Heiligabend ist Familienfeier, aber mit der geistlichen Familie.
Ich kann euch wirklich sagen: Letztes Jahr Heiligabend, ich bin 39 Jahre alt, war mein schönster Heiligabend. Wir hatten 13 Leute eingeladen, einige Alleinstehende, ein Ehepaar, zwei Blinde aus der Gemeinde, gerade erst zum Glauben gekommen. Er ist 21 und ist vor kurzem erblindet. Das muss man sich mal vorstellen. Der sagt: Ihr Lieben, ich war blind, jetzt sehe ich.
Wenn man so Heiligabend feiert, der Herr im Mittelpunkt, wir waren acht Kulturen aus vier Kontinenten und haben Heiligabend gefeiert. Unsere Gemeinde ist in den letzten Jahren sehr international geworden. Und warum bewegt mich das so sehr, auch zu Tränen? Weil ich einfach die Herrlichkeit der Familie sehe, der geistlichen Familie. Ein Stück weit Himmel auf Erden, wie sich Gott Gemeinde gedacht hat.
Da kommen Leute zusammen aus ganz unterschiedlichen Hintergründen. Einige saßen da und sagen: Ich feiere zum ersten Mal Heiligabend. Andere, ein Moslem, der sagt: Ja, habe ich bisher noch nie gefeiert, aber jetzt bin ich Christ und ich feiere Christi Geburt. Um zu sehen, wie wunderbar sich Gott Gemeinde gedacht hat.
Das will ich hier einfach nur zeugnishaft erzählen. Es ist so bewegend, je mehr man sich das vor Augen führt und je stärker man das lebt. Nicht, dass man die leibliche Familie vernachlässigt, überhaupt nicht, sonst würde ich keine Familienarbeit machen. Aber die Gemeinde als geistliche Familie mindestens auf Augenhöhe zu sehen und bewusst als Familie, geistliche Familie, zu leben. Dafür möchte ich uns begeistern.

Das Miteinander als Ausdruck der geistlichen Familie

Wie sieht dieses Miteinander aus? Das Thema lautet ja unser Miteinander in der Familie Gottes. Wir sind jetzt nur darauf eingegangen, was Familie Gottes ist, was Gemeinde ist, um noch einmal den Kontext für unser Miteinander zu haben. Aber jetzt möchte ich in den letzten Minuten auch noch einmal darauf eingehen, wie unser Miteinander in der Gemeinde aussehen soll.
In dem Wort Miteinander steckt das Wort einander. Deswegen bin ich so vorgegangen, dass ich einfach die ganzen Einander-Stellen, die wir in der Bibel haben, zusammengetragen habe. Denn wir finden immer wieder in der Bibel: dient einander, ertragt einander, vergebt einander. Dann haben wir einen Leitfaden für unser Miteinander in der Gemeinde.
Bevor ich aber dazu komme, möchte ich uns noch einmal die größere Perspektive zeigen. Wenn wir jetzt über das Miteinander in der Gemeinde sprechen, reden wir ja in erster Linie auf horizontaler Ebene. Das hat aber eine sehr, sehr große Auswirkung auf die vertikale Ebene.
Vielleicht erinnert ihr euch an den Vers aus Epheser 3. In Epheser 3 heißt es, dass Gottes Weisheit vor der unsichtbaren Welt sichtbar werden soll. Wodurch? Durch die Gemeinde. Was meint das? Das heißt, Gott will durch die Gemeinde, auch durch die Ortsgemeinde, durch die Gemeinde in Graz, seine Weisheit der sichtbaren und unsichtbaren Welt kundtun.
Ich denke, zum einen hängt die Weisheit Gottes mit seinem genialen Plan von Gemeinde zusammen. Da wird bereits die Weisheit sichtbar. Aber ich glaube auch, dass sie in unserem Miteinander sichtbar wird.
Schaut mal: In der Gemeinde, das ist bei euch in der Gemeinde bestimmt auch so, gibt es Leute, die sind so unterschiedlich. Wenn sie nicht Christen wären, hätten sie in der Welt nichts miteinander zu tun, richtig? Aber dadurch, dass Christus uns verbindet, lieben wir einander so sehr. Und das ist fremd für die Welt. So etwas gibt es in der Welt nicht.
Das hast du im Fußballverein, wo Männer sich weinend nach einem Sieg in den Arm legen, weil alle das gleiche Ziel haben. Homogen, das funktioniert immer. Gemeinde ist total heterogen: über 40 Nationen, unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft. Ich hatte mal einen bei uns am Tisch sitzen, der kam von den Jesusfreaks, sagt das euch was? Und gegenüber saß einer von der exklusiven Brüderversammlung. Die sind ganz, ganz eng, konservativ, traditionell, wenn ich das mal so sagen darf. Sie sitzen sich gegenüber, sind jetzt bei uns in der Gemeinde und fokussieren sich beide auf das Evangelium und verstehen sich miteinander. Wo gibt es das in der Welt?
Wenn wir also jetzt darüber reden, wie wir uns zueinander verhalten sollen in der Gemeinde, geht es nicht nur darum, dass wir sagen: Ja, wir wollen es ganz nett haben, wir wollen einander lieben, damit wir uns gut fühlen. Das ist nicht das Endziel. Es geht darum, dass wir der unsichtbaren und sichtbaren Welt Gottes Weisheit kundtun, durch unser Miteinander. Das ist eine viel größere Perspektive. Da haben wir eine ganz andere Verantwortung.
Was für ein Bild geben wir von Gott ab, wenn wir uns in der Gemeinde streiten? Was für ein Bild geben wir da von Gott ab? Wird Gott dadurch geehrt, wenn wir uns in der Gemeinde die Köpfe einschlagen? Wenn wir uns zehnmal spalten, repräsentieren wir dadurch die Weisheit Gottes? Tun wir nicht. Tun wir nicht.
Deswegen ist das kein Randthema, einfach nur für ein nettes Miteinander, sondern es ist ein zutiefst anbetendes Thema, ein Thema, das mit Anbetung zusammenhängt, weil es um Gottes Weisheit geht, um sein Wesen, das wir widerspiegeln wollen.

Liebe als Kennzeichen der Jüngerschaft

Ich komme zum ersten Punkt: unserem Miteinander, einander lieben.
Ich habe euch hier ein Foto mitgebracht. Wer von euch weiß, was das für ein Schuh ist? Bitte? Adidas höre ich, steht aber nicht drauf. Woran habt ihr erkannt, dass es Adidas ist? An den drei Streifen, richtig? Das ist das Markenzeichen von Adidas.
Woran erkennt man einen Audi? An den vier Ringen. Das ist das Markenzeichen von Audi.
Woran erkennt man einen Christen? An der Liebe, genau. Die Liebe ist das Markenzeichen eines Christen, genauso wie die drei Streifen das Markenzeichen von Adidas sind und die vier Ringe das Markenzeichen von Audi.
Wenn du einen Christen erkennen willst, schaust du nicht in erster Linie auf eine Frisur oder auf einen Kleidungsstil. Einen Christen erkennt man in erster Linie an der Liebe.
Und das sagt Jesus selbst in Johannes 13, das ist unsere erste Einander-Stelle: Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit, wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.
Jesus sagt: Daran sollt ihr als Nachfolger Jesu erkannt werden, an eurer Liebe untereinander. Als Christen in der Gemeinde, wie wir uns untereinander lieben, daran sollen die Menschen draußen erkennen: Mensch, die haben etwas, was mir fehlt.
Warum ist das hier so? Ich komme hier rein in euren Gottesdienstsaal in Graz und stelle sofort fest: Hier herrscht ja eine ganz andere Atmosphäre als bei mir im Kegelclub. Was ist das? Es ist die Liebe, die so anzieht. Es ist das Markenzeichen.
Liebe ist vor allen Dingen eine Entscheidung. Jesus sagt hier: Ich gebe euch ein neues Gebot. Jetzt mal eine Frage an die Bibelkenner in unseren Reihen: Ist das Gebot der Nächstenliebe an sich neu? Nicht, oder? Es kommt aus dem Alten Testament, 3. Mose 19.
Warum sagt Jesus hier: Ein neues Gebot gebe ich euch? Wisst ihr, was neu ist? Der Maßstab ist neu. Jesus sagt: Wie ich euch geliebt habe, das ist das Neue an dem Gebot.
Wenn wir uns jetzt die Frage stellen, wie Jesus uns geliebt hat, fallen mir drei Schlagwörter ein: initiativ, aufopferungsvoll und bedingungslos. Er hat zuerst geliebt, initiativ. Er hat aufopferungsvoll geliebt, es hat ihn etwas gekostet. Und er hat sich selbst völlig zurückgestellt.
Das ist Liebe. Das ist Liebe.
Liebe ist nicht in erster Linie ein Gefühl. Die Bibel erwartet von dir nicht, dass du zu jedem Bruder und zu jeder Schwester in der Gemeinde ganz große Gefühle der Liebe hast, sondern dass du dich entscheidest, zum Wohle dieses Bruders und dieser Schwester zu handeln, dich selbst zurückzustellen, um ihr, um ihm ein Segen zu sein, und zwar nicht nur in Worten, sondern auch in Taten.
Paulus sagt das in Philipper 2 mit anderen Worten: einander sollen wir höher achten als uns selbst. Das bedeutet, einander zu lieben.
Das ist eigentlich so der Oberpunkt, den ich hier machen will. Die Dinge, die ich jetzt nenne, die anderen Einander-Stellen, lassen sich hier drunter packen.

Dienen, Lasten tragen und praktische Hilfe

Die nächste Einanderstelle, wie unser Miteinander in der Gemeinde aussehen soll: Wir sollen einander dienen.
In 1. Petrus 4 haben wir die nächste Einanderstelle. Dort heißt es: Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so dient damit einander als guter Verwalter der verschiedenartigen Gnade Gottes.
Eine weitere Einanderstelle in Bezug auf Dienst haben wir in Johannes 13,14-15. Dort sagt Jesus: Wenn nun ich, der Herr und der Lehrer, eure Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen; denn ich habe euch ein Beispiel gegeben, dass auch ihr tut, wie ich euch getan habe.
Ich war vor einiger Zeit, vor ein paar Tagen, um ehrlich zu sein, mit meinem Sohn verabredet. Wir haben zwischendurch immer wieder so Einzelaktionen mit unseren Kindern. Und bei diesem Sohn, von dem ich jetzt spreche, habe ich festgestellt, dass er sich zu viel um sich selbst dreht. Ich wollte ihm das Prinzip von Dienst erklären. Ich habe gesagt, wir machen eine gemeinsame Aktion, und die haben wir auch gemacht. In diesem Zusammenhang habe ich ihm mal die Füße gewaschen. Das war für ihn eine Überraschung.
Ich habe ihm dann diese Lektion erteilt und erklärt, was es damals bedeutete, Füße zu waschen. Füße zu waschen war damals Sklavenarbeit. Verstaubte Füße, keine geschlossenen Schuhe wie heute, keine gepflasterten Straßen. Jesus hat sich so weit heruntergebeugt und seinen Jüngern die Füße gewaschen. Und dann sagt er: Genauso sollt ihr einander die Füße waschen.
Ich denke, es geht hier um ein Prinzip. Es geht hier nicht darum, wörtlich, dass wir als Gemeinde jetzt jeden Sonntag Wasser verteilen und die Füße waschen. Es geht darum, dass wir bereit sind, einander zu dienen.
Ihr Lieben, wenn wir Nachfolger Jesu sind: Jesus kam nicht, um bedient zu werden. Jesus kam, um zu dienen.
Was ich aber in vielen Gemeinden oder auch bei uns in der Gemeinde leider feststelle, ist eine Tendenz zur Konsumhaltung. Das ist hier bei euch sicherlich ganz anders, aber bei uns stelle ich das fest, dass Leute teilweise kommen, sich in die Reihe setzen, mit einer gewissen Konsumhaltung. Jetzt hole ich mir wieder eine Predigt ab, und dann gehe ich wieder in die nächste Woche. Je nachdem, wenn der Prediger mir nicht gefällt, der am Sonntag dran ist, dann bleibe ich zuhause und schaue den Livestream einer anderen Gemeinde.
Ich überspitze das jetzt vielleicht ein bisschen, aber diese Fälle gibt es tatsächlich. Eine Konsumhaltung, die alles andere als biblisch ist. Wie wollen wir die Weisheit Gottes der unsichtbaren Welt kundtun, wenn wir mit einer Konsumhaltung in die Gemeinde kommen? Wie wollen wir Jesu Wesen, der selbstlos kam, um zu dienen, widerspiegeln, wenn wir mit verschränkten Armen dasitzen und einfach nur die nächste Predigt abholen wollen?
Ich möchte uns ermutigen. Diese Verse sagen, wir sollen einander dienen. Wir sollen unsere Gaben einsetzen. Jeder von uns hat Gaben bekommen. Du hast eine Gabe bekommen, mindestens eine. Kein Christ hat alle Gaben, damit wir immer voneinander abhängig bleiben. Aber jeder Christ hat mindestens eine Gabe.
Das heißt, Jesus hat dir bewusst Fähigkeiten gegeben, die du einsetzen darfst, aber auch einsetzen sollst, zum Wohle der Gemeinde. Vielleicht ist es die Gabe der Barmherzigkeit. Du siehst genau, wenn es einer anderen Schwester nicht gut geht, dann bist du gefragt. Geh zu ihr, bete für sie. Wenn du von Not angezogen wirst, dann hast du die Gabe der Barmherzigkeit.
Wenn du gerne Leute zu dir nach Hause einladen willst, wenn du gerne auf neue Leute zugehst, hast du die Gabe der Gastfreundschaft. Wenn es dir so am Herzen liegt, Neubekehrte zu unterweisen, damit sie wachsen können, hast du die Gabe der Lehre. Wenn dir die Seelsorge am Herzen liegt, hast du die Gabe des Hirtendienstes.
Mindestens eine Gabe hast du. Und schau mal: Wenn du sie nicht einbringst, fehlt etwas. Denn Gott hat sie dir gegeben, damit sie hier konkret in der Ortsgemeinde in Graz und jetzt auch hier auf dieser Gemeindefreizeit eingesetzt werden kann. Dadurch dienen wir einander, indem wir unsere Gaben einsetzen.
Deswegen möchte ich dich ermutigen: Direkt von Anfang an, heute beginnt die Gemeindefreizeit, dass du mit einer Haltung hier bist, nicht in erster Linie: Was kann ich für mich mitnehmen? Ich hoffe, da wird viel dabei sein für dich persönlich. Aber dass du hier sitzt und mal in die Reihen schaust und dir die Frage stellst: Wem kann ich ein Segen sein? Wem kann ich dienen?
Ich möchte mich zurückstellen. Es geht gar nicht um mich. Es geht darum, dass ich für die anderen da bin, dass ich diene, dass ich vielleicht praktische kleine Dinge im Hintergrund tue. Hier haben einige Organisatoren ganz viel zu tun. Vielleicht kannst du entlasten, vielleicht kannst du helfen. Und dann eben auch darüber hinaus im Gemeindealltag einander dienen. So sieht das Miteinander in der Familie Gottes aus.
Dann aber auch einander helfen, die Lasten zu tragen. In Galater 6,2 sagt Paulus: Einer trage des andern Lasten, und so werdet ihr das Gesetz des Christus erfüllen.
Die Psychologie sagt: Meide Menschen, die dir Kraft kosten. Die Bibel sagt: Sei bereit, Lasten zu tragen. Das ist kontra, kontrapsychologisch. Aber wir sind oft geprägt von der Psychologie. Du darfst auch mal richtig am Ende sein, weil du Lasten anderer trägst. Das ist biblisch. Dazu sind wir aufgerufen, Lasten zu tragen.
Die Bibel geht selbstverständlich davon aus, dass es Lasten in unserem Leben gibt. Und vielleicht möchte Gott dich gebrauchen, um die Last eines anderen, deines Bruders im Herrn, deiner Schwester im Herrn, mitzutragen.
Das setzt natürlich auch voraus, dass wir unsere Lasten der Gemeinde kundtun, dass wir sagen: Mir geht es gerade schlecht, ich brauche Hilfe. Das setzt eine gewisse Offenheit voraus, damit die anderen wissen können, wo sie dir helfen können. Das ist dann auch nicht egoistisch, weil du den anderen die Möglichkeit gibst, Gott zu verherrlichen, indem sie deine Lasten mittragen.
Oft stellen sich solche Leute die Frage: Ja, aber kann nicht Gott einfach mir helfen? Warum muss ich es den Geschwistern sagen, damit sie mir helfen? Es steht doch in 1. Petrus 5: Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.
Das stimmt, der Herr sorgt für dich. Aber wie sorgt Gott für dich? Häufig durch andere Menschen.
Ich habe euch mal ganz, ganz tolle Verse aus dem 2. Korintherbrief mitgebracht. Paulus war ziemlich fertig in dieser Situation. Da heißt es: Zunächst nämlich fanden wir, schwach wie wir sind, auch dann keine Ruhe, als wir nach Mazedonien kamen. Im Gegenteil, wir gerieten von allen Seiten unter Druck. Nach außen hin mussten wir uns gegen Angriffe wehren, in unserem Inneren wurden wir von Sorgen und Befürchtungen umgetrieben. Doch Gott, der die Niedergeschlagenen tröstet und ermutigt, hat uns durch die Ankunft von Titus neuen Mut gegeben.
Paulus war fertig, Paulus war belastet. Er hatte Lasten zu tragen, ihm ging es nicht gut. Wie hat sich Gott um Paulus gekümmert? Durch Titus.
Und so möchte Gott uns gebrauchen, um die Lasten des anderen zu tragen. Ich muss das mal ein bisschen schneller hier machen.
Sünde kann eine Last sein, weil der Vers davor eigentlich um Sünde geht. In Galater 6,1 heißt es: Wenn ein Bruder von einem Fehltritt übereilt wird, helft ihm zurecht.
Ja, das kann tatsächlich der Fall sein, dass es jemanden in deinem Umfeld gibt, der dir sagt: Ich habe das und das Problem. Und du trägst die Last mit, du hilfst ihm, du stehst ihm bei. Nicht mit dem Hammer draufhauen. Der Hammer kommt bei der Frucht des Geistes auch nicht vor. Sondern im Geist der Sanftmut trägst du ihn mit und hilfst ihm, mit der Sünde fertig zu werden.
Es können Krankheiten sein, die eine Last sind. Gestern Abend war ich bei einem jungen Ehepaar, noch aus unserer Gemeinde, vor kurzem geheiratet. Und die Ehe hat so eine schwere Krankheit, und das ist so belastend für ihre junge Ehe, so ein schwerer Start. Ich bin gestern zu ihnen gefahren, wir hatten noch eine gute Zeit zusammen, und am Ende sagten sie: Das hat uns jetzt so ermutigt. Und das wiederum hat mich total ermutigt.
Lasten tragen, wenn Krankheiten da sind. Wen gibt es gerade in eurer Gemeinde, der krank ist? Der zu kämpfen hat? Der vielleicht eine Diagnose bekommen hat, die ihn umhaut? Genau da muss Gemeinde als Familie ansetzen: besuchen, gegebenenfalls kochen, unterstützen, nicht nur in Worten, sondern auch im Gebet und auch ganz praktisch.
Es können Anforderungen des Alltags sein, die berufliche Situation, die uns echt fertig macht. Und die bringen wir ja mit in die Gemeinde. Da denken wir schon am Montag, wenn wir uns sonntags versammeln, weil wir dann wieder zur Arbeit müssen. In meinem Büro saßen Männer, die ich als gestandene Männer bezeichnen würde, weinend aufgrund des Drucks, den sie auf der Arbeit haben, schlaflose Nächte. Männer machen manchmal harte Zeiten durch, auch was die berufliche Situation angeht. Sind wir dann da für diesen Bruder in der Gemeinde und helfen ihm?
Vielleicht ist es der Haushalt, vielleicht die Kindererziehung, die uns wirklich an die Grenzen bringt. Vielleicht finanzielle Sorgen, dass wir da füreinander einstehen, dass wir auch mal vielleicht sammeln. Ich fand das so ermutigend: Da wurde einmal während des Gottesdienstes in mein Auto eingebrochen auf unserem Hof, und mein Portemonnaie wurde geklaut. Es ist natürlich auch blöd, das Portemonnaie offen im Auto liegen zu lassen, aber ein Bruder hat das mitbekommen und hat mir direkt Geld zugeschoben. Einfach: Ja, das machen wir in der Familie Gottes, hier eine kleine Entschädigung.
Es hat mich so ermutigt, einfach diese Geste. Wir stehen füreinander ein, wenn wir Not haben, wir tragen die Lasten.
Heute haben wir bei uns in der Gemeinde eine Männer-WhatsApp-Gruppe. Da sind, ich weiß nicht, zwei-, dreihundert Männer drin. Und heute schrieb ein Bruder rein: Unsere Ehe läuft nicht gut, ich habe gleich ein schwieriges Gespräch mit meiner Frau, betet für mich. Und dann die ganzen Gebetshände der Männer zu sehen, die füreinander einstehen, genau das ist Gemeinde.
Gemeinde ist ein Krankenhaus. Gemeinde ist nicht etwas für Gesunde, wo es immer gut läuft. Ist es nämlich nicht so in unserem Leben, sondern wo wir hinkommen mit unseren Krankheiten, mit unseren Nöten, uns öffnen und Hilfestellung bekommen. Genau das soll Gemeinde sein als Familie Gottes.

Ertragen, vergeben und aufeinander Acht haben

Dann haben wir eine nächste Einanderstelle. Die Bibel ist ziemlich realistisch. Manchmal bedeutet es auch, einander in der Gemeinde zu ertragen. Da heißt es in Kolosser 3,13, und ich gehe erst einmal nur auf den ersten Teil ein: Ertragt einander.
Paulus ist ziemlich realistisch. Heinrich Derksen, auch einer unserer Pastoren, hat mal gesagt: Es gibt Leute, die lieben wir, und es gibt Leute, die müssen wir lieben. Und die gibt es auch in der Gemeinde. Ich glaube, wir haben diese Leute. Aber ertragen ist ja nichts Negatives. Ertragen ist etwas Positives. 1. Korinther 13: Die Liebe erträgt alles. Das ist ein Kennzeichen der Liebe. Wir regen uns nämlich nicht auf, sondern wir ertragen. Das ist nichts Passives, es ist etwas Aktives.
Ich entscheide mich nicht aus meiner Kraft, das schaffe ich nämlich nicht. Ich rege mich auf, aber Herr, durch deinen Geist ertrage ich diesen Bruder und bin geduldig mit ihm. Ich habe vorgestern mal wieder eine zehnminütige Sprachnachricht bekommen von einem Bruder aus unserer Gemeinde, von dem ich glaube, dass der Herr ihn bewusst installiert hat, um an meinem Charakter zu arbeiten. Solche Geschwister gibt es auch. Nicht hier, aber bei uns. Und es war für mich wichtig. Meine erste fleischliche Reaktion war: Oh nein, nee, komm, du kümmerst dich um ihn. Der Herr will dadurch jetzt an dir arbeiten, er will dir Geduld beibringen mit diesem Bruder.
Und deswegen ist das etwas Gutes, wenn wir lernen, einander zu ertragen. Ja, die Schwester redet immer so viel, und wir regen uns auf. Und dann entscheiden wir uns: Nein, wir geben es ab. Wir legen es vor den Thron, und ich werde mich nicht aufregen. Ja, da gibt es charakterliche Schwächen, die immer wieder zum Vorschein kommen. Und ja, wir sollten sie in Liebe ansprechen. Aber oft müssen wir auch einfach ertragen und eine Eskalation verhindern.
Manchmal kommt es aber zur Eskalation, und dann müssen wir vergeben. Das ist die nächste Einanderstelle für das Miteinander in der Gemeinde. Da heißt es in Kolosser 3,13 weiter: Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig. Wenn einer Klage gegen den anderen hat, wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr.
Ein paar Dinge, die wir festhalten müssen: Vergebung ist keine Option, Vergebung ist ein Befehl. Es ist ein Befehl, es ist eine Aufforderung: Vergebt einander. Punkt. Das ist kein Sternchen, außer in den und den Fällen muss man nicht vergeben. Vergebt einander. Ein Befehl. Dann schaut man auf den Maßstab: wie der Herr euch vergeben hat. Wie vergibt uns der Herr? Er vergibt immer wieder, wenn wir mit der gleichen Sünde zu ihm kommen und sagen: Jesus, ich habe schon wieder versagt. Ich habe den Eindruck, Jesus sagt: André, warum sagst du schon wieder? Ich denke nicht mehr an das erste Mal. So treu ist der Herr in seiner Vergebung.
Vergebung ist eine Entscheidung, Vergebung ist kein Gefühl. Ich glaube, das verwechseln wir so häufig. Vergebung ist vor allen Dingen eine Entscheidung. Und Vergebung bedeutet nicht vergessen. Nirgendwo in der Bibel steht, dass wir das vergessen müssen. Es steht etwas viel, viel Stärkeres da. Hier steht, wir sollen so vergeben, wie Gott vergibt. Wie vergibt Gott uns? Vergisst Gott? Gott kann nichts vergessen, oder? Vergessen ist ja etwas Zufälliges, was wir selber nicht in der Hand haben. Oh nein, das habe ich jetzt vergessen. Es ist etwas Negatives.
Gottes Vergebung ist viel, viel stärker. Gott sagt in Micha 7: Ich werde eurer Sünden nimmermehr gedenken. Das ist viel stärker als vergessen. Gott sagt: Ich treffe eine Entscheidung. Ich werde das nicht mehr gegen dich verwenden. Ich treffe eine Entscheidung. Ich werde darüber nicht mehr nachdenken. Ich werde keine Gedankengebäude aufbauen über diese Tat. Ich entscheide mich zu vergeben. Und so sollen wir einander vergeben.
Nicht immer kannst du vergessen, was dir angetan wurde. Dann denkst du, du hättest nicht vergeben. Doch, Vergebung bedeutet: Ich entscheide mich, ich werde es unters Kreuz bringen, ich werde nicht mehr daran denken. Ich habe hier eine sehr, sehr hilfreiche Aufstellung mitgebracht, die ich aus einem Seelsorgebuch habe. Die Vergebung ist eine Entscheidung, ein vierfaches Versprechen zu geben: Einmal, ich werde an diese Sache nicht mehr denken. Ich werde diese Sache nicht mehr vorhalten und sie nicht gegen dich verwenden. Ich werde anderen davon nichts sagen. Und ich werde nicht zulassen, dass dies zwischen uns steht oder unsere Beziehung schädigt.
Das sind starke Gedanken über Vergebung. Und ich möchte dich ermutigen: Vielleicht gibt es jemanden hier, vielleicht gibt es jemanden in der Gemeinde, vielleicht gibt es jemanden in deinem Familienumfeld, dem du nicht vergeben hast. Zu vergeben ist manchmal sehr, sehr schwer, weil die Gefühle und die negativen Emotionen so stark sind. Aber Jesus möchte dir helfen, loszulassen und dich zu entscheiden. Die Gefühle kommen manchmal erst später nach, aber schon mal jetzt die Entscheidung zu treffen: Ich vergebe, ich bringe die Sache unters Kreuz.
Und ein letzter Punkt, mit dem ich auch schließen möchte: Unser Miteinander in der Familie Gottes zeigt sich auch darin, dass wir aufeinander Acht haben, dass wir einander nicht egal sind. Da heißt es in Hebräer 10,24-25: Und lasst uns aufeinander Acht haben und uns zur Liebe und zu guten Werken anzureizen, indem wir unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermuntern, und das umso mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht.
Hier sind mehrere Dinge angesprochen. Einmal, dass wir die Zusammenkünfte nicht vernachlässigen sollen. Aber zuvor heißt es, dass wir aufeinander Acht geben sollen, und zwar im positiven Sinne, nicht im Sinne eines Stalkens, überall hinterher sein und nachspionieren. Das ist damit nicht gemeint, sondern im guten Sinne aufeinander Acht haben. Das Gegenteil wäre nämlich Gleichgültigkeit. Und Gleichgültigkeit ist das Gegenteil von Liebe. Das Gegenteil von Liebe ist nicht unbedingt Hass, das Gegenteil von Liebe ist Gleichgültigkeit.
Und wenn wir einander lieben, können wir nicht gleichgültig sein, wenn ein Bruder einen falschen Weg einschlägt, wenn eine Schwester sich für die Sünde entscheidet, wenn sie nicht mehr kommt. Dann sollte das etwas mit uns machen, dass wir sagen: Es geht um unsere Schwester, da können wir doch nicht einfach zusehen. Weil wir sie lieben, gehen wir hinterher, sprechen sie liebevoll auf Dinge in ihrem Leben an, wo wir Sorge haben, auch wenn wir uns dabei zum Buhmann machen.
Ihr Lieben, das größte Hindernis, warum wir manchmal Sünden im Leben unserer Geschwister nicht ansprechen, ist unser eigener Stolz. Ich möchte nicht, dass die Person negativ über mich denkt. Wenn ich das anspreche, wird sie sauer auf mich sein, deswegen spreche ich es nicht an. Das ist aber zutiefst egoistisch von uns. Da die Entscheidung zu treffen: Auch wenn sie mich danach nicht mag, ich liebe sie so sehr, dass ich ihr helfen will, dass ich ihr weiterhelfen will. Sie ist mir nicht gleichgültig.
Hier geht es auch um Rechenschaft. Ich denke, dass ihr das sehr, sehr gut gelöst habt mit den Hauskreisen. Ich habe das gerade schon gehört, dass auch bei euch in der Gemeinde so viele Hauskreise laufen. Und gerade über die Hauskreise kann das ja gelebt werden, dass wir im guten Sinne aufeinander Acht haben, dass wir füreinander beten, dass wir einander ins Leben sprechen.
Ihr Lieben, ich brauche Menschen, die in mein Leben sprechen. Wir sind bei uns in Köln sieben Pastoren, und wir haben gesagt, wir müssen immer bereit sein, einander unsere Fehler aufzuzeigen. Und letztens kam unser jüngster Pastor in mein Büro und sagt: André, ich muss mal mit dir sprechen. Das und das hast du gesagt, und das war eigentlich nicht ganz in Ordnung. Wisst ihr was? Dieser junge Bruder, er ist 26, er ist in dem Moment für mich sehr, sehr groß geworden. Ich sage: Danke, dass du den Mut hattest, mir als Pastor, ich bin schon zehn Jahre dabei, du bist erst seit ein paar Monaten Pastor, und du sprichst so in mein Leben. Ich liebe dich dafür, weil ich dir nicht egal bin.
Und genau das ist auch Gemeinde. In der Familie Gottes sprechen wir einander ins Leben, am besten natürlich von Mann zu Mann, von Frau zu Frau. Rechenschaftsbeziehungen, Eisen schärft Eisen, dass wir das ganz bewusst pflegen und dass wir einander die Vorlage geben. Vielleicht einem guten Freund aus der Gemeinde sagen: Bitte sprich immer wieder in mein Leben, ich brauche das.
Meine Frau und ich waren ein Jahr lang in Texas aufgrund des Theologiestudiums, und in diesem Jahr haben wir uns keiner Gemeinde angeschlossen, weil wir dachten: Gut, nach einem Jahr sind wir sowieso wieder in Köln-Ostheim, wir sind ja noch Mitglieder in Köln-Ostheim. Am Ende dieser Zeit haben wir feststellen müssen: Es war nicht gut. Wir hatten keine Leute, die geistlich in unser Leben sprechen.
Das ist ja die große Chance von Gemeinde, und ich glaube, Gott hat unser Glaubensleben, Gott hat dein persönliches Glaubensleben so angelegt, dass du Brüder und Schwestern brauchst, die die Dinge ansprechen, die du selber nicht siehst. Und wenn sie es tun, dann sag danke dafür, weil sie dich wirklich so sehr lieben, dass sie dir das sagen. Vielleicht tut es dein Ehepartner. Wenn dein Ehepartner Dinge in deinem Leben anspricht, ärgere dich nicht über die Kritik, sondern danke ihm dafür, weil Gott deinen Ehepartner gerade gebraucht hat als Werkzeug für deine Heiligung.
Und genau so sollte das Miteinander in der Gemeinde aussehen. Amen! Amen!
Ich weiß nicht, Florian, ob wir noch die Zeit haben für Rückfragen. Du sagst ja, du bist der Chef, dann haben wir noch Zeit für Rückfragen. Vielleicht habt ihr Rückfragen zum Vortrag, vielleicht Ergänzungen.