Ich hänge es noch an der etwas größeren Glocke auf.
Das grundlegende Problem der Christenheit in Europa
Das größte Problem der Christenheit in Europa in unserer Zeit ist, dass wir gegen Gottes Gebote verstoßen, uns aber nicht für Sünder halten. Wir stehen schuldig vor Gottes Gericht, fürchten sein Urteil jedoch nicht. Ganz ehrlich: Wer ist hier der Geisterfahrer? Was ist unser eigentliches Problem?
Um Nachfolge zu verstehen, mach dich Hashtag Bibelfit. Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? Dazu möchte ich jetzt fünf Gedanken mit dir teilen.
Über Leid zu reden, ist immer schwierig. Wie gehst du damit um? Sollten wir überhaupt darüber sprechen? Wir wissen doch, wie wir uns selbst fühlen, sobald wir leiden. Und dann klingen viele gut gemeinte Trost- und Erklärungsversuche oft hohl, unempathisch und lieblos.
Ich denke, es fällt uns Christen schwer, die richtigen Worte zu finden. Denn oft geht es gar nicht um die Worte selbst. Wenn jemand klagt: „Warum muss ich diesen Tumor haben?“, will diese Person doch keine medizinische Erklärung über Tumore und deren Entstehung hören. Eine junge Frau, die fragt: „Warum ist mein Bruder gestorben?“, will sie wirklich den Autopsiebericht lesen und die medizinische Todesursache nachvollziehen? Ich denke nicht.
Vielmehr bringen wir mit der Frage „Warum lässt Gott das Leid in der Welt zu?“ unsere Klage über das Leid zum Ausdruck. Deshalb fürchten wir Christen und Prediger, dass alles, was wir dazu sagen, hohl, unempathisch und lieblos klingt. Diese Befürchtung hat mich in den letzten zwei Wochen der Predigtvorbereitung nicht losgelassen.
Denn sobald wir leiden, sagen wir zu Recht, wie Hiob es gesagt hat: „Ihr seid alle zusammen, alles leidige Tröster, haltet bloß die Klappe, geht bloß fern von mir, lasst mich bloß in Ruhe.“ Das ist menschlich total nachvollziehbar. Ich wette, du kennst solche Momente auch.
Trotzdem spricht die Bibel sehr viel über Leid – und zwar lange nicht nur im Buch der Psalmen oder im Buch der Klagelieder. Ich möchte heute Morgen ebenfalls darüber sprechen und das in fünf kurzen Gedanken tun.
Dabei will ich einmal abstrakt und philosophisch beginnen, dann biblische Wahrheiten betrachten und ganz persönlich enden – in einem Gespräch zwischen dir und mir.
Die Koexistenz von Gott und Leid – eine logische Betrachtung
Warum lässt Gott also das Leid auf der Welt zu?
Gedanke Nummer eins von fünf: Mal ganz naiv und ganz stumpfsinnig zurückgefragt: Warum denn nicht? Ganz ehrlich, warum eigentlich nicht?
Ich will dir erklären: Manchmal haben wir in unserem Kopf so eine Zweiteilung, bei der wir denken, es gäbe entweder Gott oder das Leid. Das ist wie Kopf oder Zahl – wir werfen eine Münze, fangen sie auf, und es kann nur eines von beidem sein. Aber das stimmt nicht.
Siehst du, wenn unsere atheistischen Freunde sagen, Gott kann es gar nicht geben, weil es ja Leid auf der Welt gibt, dann heißt das ja rein logisch, dass es keine denkbare Möglichkeit gibt, dass Gott existiert und gleichzeitig Leid da ist. Aber das stimmt nicht. Denn sobald es auch nur eine einzige Möglichkeit gäbe, dass Gott und Leid gleichzeitig sein können, ergibt die ganze Aussage keinen Sinn mehr. Dann macht es keinen Sinn mehr zu behaupten, dass es Gott wegen des Leides nicht gäbe.
Mir fallen da eine ganze Reihe von Möglichkeiten ein.
Ich denke, das Problem ist ein anderes: Unsere atheistischen Freunde, die so etwas sagen – Gott kann es nicht geben wegen des Leides in der Welt –, haben häufig ein Bild von Gott, das nicht dem echten biblisch-christlichen Gott entspricht, sondern sich etwas anderes darunter vorstellen.
Und ich denke nicht, dass das nur ein Problem unserer atheistischen Freunde ist. Ich denke, dass das eine Denkfalle ist, in die wir als Christen ganz, ganz häufig selbst hineintappen.
Die Gefahr eines selbstgemachten Gottesbildes
Ich möchte noch etwas zu einem größeren Thema anfügen: Das größte Problem der Christenheit in Europa in unserer Zeit ist, denke ich, dass wir uns unser eigenes Gottesbild machen.
Im Studium, als ich landeskirchliche Theologie studiert habe, wurden wir damals regelrecht ermutigt, uns zu überlegen, wie unser eigenes Gottesbild aussieht, wie unser Jesusbild aussieht und wie wir uns das eigentlich alles vorstellen. Das hat sicherlich auch gute didaktische Gründe.
Doch was bei vielen von uns damals hängen geblieben ist, ist so ein Motto: Naja, wenn ich mein eigenes Gottesbild habe, dann passt das schon, und dann richte ich mein Leben eben danach aus. Und das geht gar nicht.
Am Ende ist das wie beim goldenen Kalb. Du kennst die Geschichte: Moses ist oben auf dem Berg Sinai, um von Gott die Gebote zu empfangen. Unten bei den Israeliten werden sie schon irgendwie unruhig, weil er so lange nicht zurückkommt. Dann sagen sie zu Aaron: „Mensch, was ist denn nun? Wie ist denn nun Gott überhaupt? Mach uns doch mal ein Gottesbild, zeig uns doch mal, wie der aussieht.“
Aaron nimmt dann die ganzen Goldstücke von ihnen, schmilzt sie ein und macht ein goldenes Kalb daraus. Es sieht schick aus, ist irgendwie wertvoll, man kann schöne Ketten drumhängen, man kann gut drumherum tanzen, es hat einen guten Durchmesser – alles irgendwie schick. Dann sagt er: „Das ist dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat.“ Nun gibt es eine riesige Party.
So weit, so gut. Es gibt nur ein kleines Problem: Das ist nicht dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat. Du nennst ihn nur so, aber das macht ihn nicht dazu.
Das Problem ist, dass wir ganz häufig unser eigenes goldenes Kalb anbeten, das wir uns selber bauen, statt dem lebendigen Gott, von dem es in der Bibel heißt: „Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“ Übrigens steht das im Neuen Testament, nicht im Alten.
Ich glaube, weil wir uns so ein eigenes Gottesbild in unserer westlichen Kultur ganz häufig zusammenbauen, trauen sich viele Gemeinden gar nicht mehr, vom Gericht zu sprechen.
Das goldene Kalb, das wir uns zusammengebaut haben, predigt kein Gericht. Deswegen trauen sich viele Gemeinden nicht mehr, von der Hölle zu sprechen, nicht mehr von der Buße.
Deswegen sind viele Christen in unseren Breitengraden auch so lauwarm, weißt du? Ich glaube, das liegt daran, dass wir wirklich überlegen, wie Gott eigentlich ist, und dass das Bild, das wir von Gott haben, mit dem echten biblisch-christlichen Gott manchmal gar nicht so viel zu tun hat.
Und das beruht in bester Absicht darauf, dass wir ein goldenes Kalb haben, das wir uns selber bauen. Manchmal sind wir darin besser, in manchen Phasen im Leben, kenne ich von mir selbst so. Manchmal sind wir darin, Gott sei Dank, schlechter. Manchmal bauen wir uns einen Happy-Clappy-Gott, der so ist, wie wir ihn eben haben wollen.
Aber der echte Gott sagt dazu eindeutig: Tu das nicht! Mach dir kein eigenes Gottesbild! Zweites Gebot: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht.
Siehst du, den echten Gott gibt es, und es gibt auch echtes Leid.
Leid und Gottes Gegenwart in der Geschichte
Ja, und seit den ersten Seiten der Bibel wird in großer Ehrlichkeit und Offenheit davon erzählt, dass es beides gleichzeitig gibt. Das beginnt bei den Morden von Kain und Abel. Dabei fragen wir auch nicht: Warum lässt Gott das Leid in der Welt zu? Warum lässt Gott zu, dass der eine den anderen umgebracht hat? Der eine bringt den anderen um.
Bei der Sintflut, bei Noah, gibt Gott uns sogar den Grund dafür. Er sagt, die Bosheit der Menschen sei, übersetzt gesagt, himmelschreiend.
Beim Apostel Stephanus, dem ersten christlichen Märtyrer, schreibt Lukas in der Apostelgeschichte nicht: „So, damit war widerlegt, dass es Gott gibt, die Geschichte der Christen endete, Ende des Buchs, vorbei, und dann kommen die Karten in der Bibel unter Abspann.“ Nein, im Gegenteil: Gott und das Leid können gleichzeitig sein, und Gott ist auch im Leid.
So war es in Israels Bürgerkriegen in der Richterzeit, so war es im babylonischen Exil, so war es unter dem Terrorregime der Römer. Und so ist es heute noch in Nordkoreas Konzentrationslagern, in Darawislams und in den unsichtbaren Gefängnissen, die wir uns heute selber bauen. Diese Gefängnisse bestehen aus Materialismus, aus Missbrauch, aus Nachlässigkeit, aus Verzweiflung, aus Sex, aus Gehässigkeit, aus Oberflächlichkeit, aus Neid und schlicht aus Gottlosigkeit. Mit diesen Gefängnissen unterdrücken wir uns in der westlichen Welt selbst.
Im Propheten Jesaja heißt es dazu: „Herr, deine Hand ist erhoben, aber sie sehen es nicht.“ Und in all dem und in so viel mehr ist Gott direkt neben dir.
An keiner Stelle des Neuen Testaments sagt Jesus, dass uns kein Leid ereilen wird. An keiner Stelle sagt er: „Liebe Christen, ihr werdet nicht leiden.“ Das steht nirgendwo. Aber was er sagt, ist: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Das steht in der Bibel.
Der freie Wille und seine Konsequenzen
Gedanke Nummer zwei: freier Wille.
In vielen Jahren meines Lebens als Berater habe ich Menschen geholfen – im Umgang mit ihrem Gehalt, mit ihren Schulden, mit ihrem Ersparten und all den damit verbundenen Herausforderungen. Dazu gehören auch schwierige Themen wie Beziehungskrisen, Studienabbrüche, Scheidungen, gesundheitliche Probleme und Burnout – die ganze Palette.
Nach über zehntausend Stunden Beratung kann ich sagen, dass zwar nicht alles, aber siebzig bis achtzig Prozent des Leids selbstgemacht sind und vermeidbar gewesen wären. Vielleicht suchen wir uns die Dramen in unserem Leben nicht bewusst aus. Doch wir wählen häufig die Umstände, in denen diese Dramen überhaupt entstehen können.
Fast immer war für die Menschen, die zu mir in die Beratung kamen, der erste Schritt zur Heilung und Besserung die Erkenntnis, dass sie einen anderen Weg hätten einschlagen können. Daraus folgt eine wichtige Einsicht: Ein Teil des Leids ist eine Folge unserer Entscheidungen. Diese können wir auf verschiedene Weise treffen – und wir können auch jetzt bessere Entscheidungen treffen.
Entscheidungen machen es grundsätzlich möglich, dass wir schlechte Entscheidungen treffen können. Sie machen es auch möglich, falsch zu entscheiden – frag mal Adam und Eva dazu. Das ist der Preis einer Schöpfung, in der freier Wille möglich ist.
Nichts hält mich davon ab, Böses zu tun, dich auch nicht. Der Preis der Freiheit ist hoch – das war er schon immer. Und es ist wie beim Lieben, wie bei Zuneigung, wie bei Freundschaften: Du kannst Liebe, Zuwendung und freiwillige Aufmerksamkeit nicht erzwingen.
Das heißt, du musst den Preis akzeptieren, dass sich jemand gegen dich entscheiden wird. Und das tut weh.
Die gefallene Schöpfung und die Verantwortung des Menschen
Gedanke Nummer drei: Die gefallene Schöpfung
Du kannst dir einmal die Augen schließen und folgendes Bild vorstellen: Ein wunderschöner Gebirgswald im Sommer. Die Abendsonne legt sich und taucht den nahegelegenen See in zeitloses Gold. Ein kleines Rehjunges tapst vorsichtig und unschuldig an das Wasser, um einen kühlen Schluck zu nehmen. Plötzlich springt hinter ihm ein Gebirgslöwe aus dem Dickicht, beißt sich an der Kehle des Jungen fest, zerspritzt sein Blut auf das Laub und färbt den Teich rotbraun.
Ein verstörendes Bild. Und es beruhigt irgendwie zu wissen, dass Gott das von Anfang an nicht so gedacht hat. So hat Gott das nicht gewollt. Gott hat eine perfekte Schöpfung gewollt und auch geschaffen. Ganze sechsmal heißt es in der Genesis im Hebräischen „Wehine Tov“, also auf Deutsch „Es war gut“, im Hebräischen sogar mit Ausrufezeichen. Ganz am Ende der Schöpfung heißt es „Wehine Tov me'Ov“, was übersetzt „Es war sehr gut“ bedeutet. Du darfst es auch übersetzen mit „es war heftig gut“ oder „es war extrem gut“, ebenfalls mit Ausrufezeichen.
Und was kommt dann? Der Sündenfall. Jetzt wird viel darüber diskutiert, ob das wörtlich zu verstehen ist und ob es einen tatsächlichen Menschen namens Adam und Eva gegeben hat und wann das gewesen sein soll. Wenn du mich fragst – und das klingt jetzt sehr direkt – ist das ein Stück weit irrelevant. Ob es nun einen Menschen Adam gab, der vor dir und mir gesündigt hat, ändert weder etwas am Ergebnis noch daran, dass wir selbst verantwortlich sind für die Sünde in dieser Welt.
Wir haben Heiligkeit und Perfektion abgewählt, nicht Gott. Wir haben das Leid auf der Welt gewählt, nicht Gott. Und ich denke, das ist ganz wichtig einzusehen: Niemand ist unschuldig vor Gottes Gericht. Niemand wird in die Hölle geworfen, der es nicht verdient hätte. Es ist Gottes Vergebung, die wir nicht verdient haben. Die Strafe hingegen haben wir verdient. Das sollten wir nie vergessen.
Wir sind in dieser Geschichte nicht die Helden, wir sind nicht die Protagonisten, wir sind nicht die Guten – wir sind die Bösen, wir sind die Antagonisten. Also nicht ein abstraktes, allgemeines „Wir“, sondern wir, du und ich persönlich. Deshalb sagte der Prophet Samuel auch zum König David: „Du bist der Mann.“ Du bist der Schuldige. Du bist in dieser Geschichte der Schurke. Und kein Richter auf der Welt schuldet einem Verbrecher irgendetwas außer Gerechtigkeit. Wie viel mehr ist es dann beim Richter über die Welt?
Stell dir mal vor: Manchmal wünschen sich Menschen, dass Gott alles Böse in der Welt vernichten würde. Stell dir vor, Gott würde alles Leidvolle, alles Schlechte, alles Böse in der Welt vernichten – und dich und mich mit.
Jesus erzählt einmal die Geschichte, das Gleichnis vom Unkraut. Da sagt man, es war ein Feld, auf dem Dinge angepflanzt wurden. Über Nacht wuchs das Unkraut mit dazu. Dann kommt einer der Feldarbeiter und fragt: „Sollen wir das Unkraut nicht rausrupfen?“ Der Besitzer des Feldes antwortet: „Lieber nicht, sonst rupfen wir vielleicht die ganzen guten Pflanzen mit heraus.“
Häufig lesen wir die Geschichte so, dass wir denken: „Na ja, wir sind die guten Pflanzen, und deswegen ist es besser, das Unkraut nicht rauszureißen.“ Aber stell dir mal vor, wir sind das Unkraut. Am Ende heißt es: Pass einfach auf, was du dir wünschst. Du weißt nicht, ob du eine dieser guten Pflanzen bist.
Ich kann nur wieder auf einer fast schon philosophischen Ebene dazu raten: Lasst uns bitte als Christen diesen humanistischen Spiegel zur Seite legen, der uns einreden will, wir wären irgendwie gute Menschen und dass es im Leben darum geht. Stattdessen sollten wir uns den biblischen Spiegel vorhalten, den Gottes ewige Gesetze uns zeigen.
Und was spiegelt uns dieser Spiegel wider? Wir erzählen die Unwahrheit, halten uns aber nicht für Lügner. Wir nehmen Dinge, die uns nicht gehören, aber halten uns nicht für Diebe. Wir begehren, wo wir es nicht sollten, aber halten uns nicht für sexuell unmoralisch. Wir benutzen Gottes Namen respektlos, halten uns aber nicht für Blasphemiker. Wir verstoßen gegen Gottes Gebote, halten uns aber nicht für Sünder. Wir stehen schuldig vor Gottes Gericht, fürchten sein Urteil aber nicht.
Ganz ehrlich: Wer ist hier der Geisterfahrer? Was ist unser Problem? Du weißt, was unser Problem ist. Unser größtes Problem ist Sünde. Auf Deutsch heißt das: Wir sind Verbrecher gegen Gottes Gesetze. Wir haben einen Streit mit Gott vom Zaun gebrochen, bei dem wir im Unrecht sind.
Das nennt die Bibel Sünde. Diese Sünde beeinflusst und beeinträchtigt unser Denken, unser Fühlen, unser Handeln – alles. Und das ist ein sicheres Zeichen, glaube ich, dass wenn du dir meine Generation der unter 35-Jährigen in Deutschland anschaust, die allermeisten von ihnen sich für gute Menschen halten.
Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass meine Generation in Deutschland Jesus in der Masse nicht verstanden hat. Wir denken, wir sind gut, und wir denken, unsere eigenen Sünden seien nicht ernst zu nehmen.
Jesus erzählt einmal die Geschichte, in der zwei Menschen zum Tempel kommen. Der Erste geht nach vorne und sagt: „Oh Gott, ich danke dir, dass ich so ein guter Typ bin, dass ich nicht so bin wie dieser Abschaum da drüben. Danke, Gott, dass du mich so geschaffen hast.“ Danach geht er unrein nach Hause.
Der Zweite kommt nach vorne, traut sich nicht einmal, zum Himmel aufzuschauen, schlägt sich an die Brust und sagt: „Herr, sei mir Sünder gnädig.“ Dem wird vergeben.
Siehst du, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich glaube, wir sollten mehr die Haltung des zweiten Menschen einnehmen.
Das Evangelium ist die einzige wahre Geschichte, in der der Held für die Schurken stirbt.
Deshalb heißt es im Buch Daniel: „Herr, wir stehen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine Barmherzigkeit.“ Wir vertrauen darauf, dass deine Barmherzigkeit, die wir nicht verdienen, größer ist als deine Gerechtigkeit, die wir verdienen.
Die einfachste Möglichkeit, um zu wissen, was Gott über dich denkt, ist die Bibel zu lesen. Lies sie. Nimm dir täglich nur wenige Minuten Zeit. Diese wenigen Minuten hast du, denn wenn du keine wenigen Minuten am Tag hast, hast du kein Leben mehr.
Dafür habe ich dir den Bibelleseplan für Einsteiger kreiert, der Hunderten Menschen jeden Tag hilft, die Bibel leicht zugänglich zu verstehen und die sechs häufigsten Fehler beim Bibellesen zu vermeiden. Lade ihn dir einfach herunter. Der Link ist in der Videobeschreibung.
Gottes Handeln im Leid – die Erlösung durch Jesus Christus
Gedanke Nummer vier: Gott ist nicht tatenlos. Gott und Leid können zusammen existieren.
Lass mich dir eine direktere Frage stellen: Was hat Gott je für dich getan? Er hat sich für dich zu Tode quälen lassen – nackt, bei fast Minusgraden, mit herausgerissenem Fleisch und ausgerenkten Gelenken – damit du und ich das nicht müssen. Er trägt unsere Strafe. Dort, wo du und ich hingehören würden, damit die Strafe bezahlt ist, da ist er. So kannst du freigesprochen werden.
Hast du diese Vergebung schon für dich angenommen? Wenn nicht, dann tu es. Solltest du das im Gebet mit Gott noch nie klargemacht haben, bitte tu es. Denn daran erkennst du, wie ernst Gott Sünde nimmt – todernst.
Und warum? Um unsere Sünde zu besiegen – unsere Sünde, den Grund für all das Leid und Elend. Gott geht das Problem an der Wurzel an – und das zu einem unendlichen Preis.
Wofür? Er sagt: Ich werde dich befreien von der Macht des Grabes, ich werde dich retten vom Tod. „Tod, wo sind noch deine Plagen? Grab, wo ist noch deine Macht zu zerstören? Tod, wo ist noch dein Sieg, wo ist deine Macht?“ Jesus hat den Tod zerstört – das dürfen wir nie vergessen.
So heißt es auch im zweiten Timotheusbrief: Jetzt aber ist die Gnade offenbar geworden, als Jesus Christus, unser Retter, auf der Erde erschien. Er hat dem Tod die Macht genommen und das unvergängliche Leben ans Licht gebracht.
Darum geht es in der guten Nachricht. Wir wollen wissen, was Gott gegen das Leid in der Welt tut? Drei Silben für dich: Golgatha.
Das Leid ist schon besiegt, der Tod ist schon entmachtet und entwurzelt. Jetzt sind das nur noch die letzten Zuckungen dieses Rückzugsgefechts.
Aus Leid kann Gutes entstehen
Und fünfter und letzter Gedanke: Aus Leid kann Gutes entstehen.
In Momenten und Situationen großer Bedrängnis kommt häufig unser wahrer Charakter zum Vorschein. Zum Beispiel ist nach Naturkatastrophen die Bereitschaft zum Spenden nachweislich am höchsten. Und weißt du, was noch? Die Bereitschaft und Offenheit zum Evangelisieren – das ist etwas Gutes, das aus etwas Schlechtem entstehen kann.
Leid kann uns aufrütteln, Leid kann uns wachrütteln, Leid kann uns sehr viel näher zu Gott bringen. Leid kann uns überhaupt erst zu Gott führen.
Ich möchte kurz etwas aus meinem Leben erzählen. Wenn ich damals nicht in Armut gefallen wäre und mich nicht so stark überarbeitet hätte, dass ich eines Mittwochnachmittags – true story – vor Erschöpfung auf einen Gehweg gefallen und am helllichten Tag in einer verregneten Einfahrt eingeschlafen wäre, dann hätte ich mich vermutlich nie so intensiv mit Geld- und Zeitmanagement auseinandergesetzt.
Ich glaube, ich wäre Liberator geblieben und hätte sicherlich nicht so vielen Menschen auf ihrem Weg helfen können. Und wenn ich damals in meiner eigenen Jugendzeit nicht so gelitten hätte, dann hätte ich mich niemals so intensiv mit existenziellen Themen beschäftigt, wie Gerechtigkeit und der Frage, ob es Gott gibt.
Ich hätte die Bibel nie so persönlich gelesen, als ob sie um dich oder mich geht – aber genau das tut sie.
Das sind nur kleine, unwesentliche Beispiele. Und es gibt so viel mehr hier in dieser Gemeinde. Ihr kennt euch untereinander und wisst, was eure Geschichte ist.
Denk mal bei deinem nächsten Spaziergang darüber nach: Wie hat Gott dir in deinem Leben schon mal zu verstehen gegeben, dass sich derjenige, der sich an das Nichtige hält, seiner Gnade beraubt?
Also: Augen himmelwärts! Siehst du, es ist ein Klischee – und es stimmt: Gott kann auf krummen Linien gerade schreiben.
Überleg dir noch einmal, wie viel gerade er schreiben könnte, wenn wir ihn nur ließen. Was für eine Erweckung könnten wir hier in diesem Land erleben?
Deshalb: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste, baut eine Straße für unseren Gott, füllt die Täler auf, ebnet die Berge und Hügel, räumt alle Hindernisse aus dem Weg.
Jesus kommt wieder! Bereitet den Weg, bahnt die Straßen, reinigt sie von den Steinen! Siehe, der Herr kommt.
Und deshalb können wir am Ende auch antworten wie Hiob. Wie bei Hiob gibt es die Zusage, dass Gott durch das Leid erlösen wird.
Und wie Hiob können wir am Ende des Tages sagen – im hebräischen Urtext heißt es: „wa'ani yadathi go'alich chay“. Das bedeutet: Am Ende weiß ich, ich bin gewiss, ich habe keinen Schatten eines Zweifels daran, ich habe es erkannt: Mein Erlöser lebt. Ich weiß, mein Erlöser lebt.
Weißt du, dass dein Erlöser lebt? Hast du ihn als deinen Erlöser angenommen? Wenn nicht, wäre jetzt die Zeit dafür.
Schlussgedanken: Dankbarkeit und Hoffnung im Leid
Was nehmen wir uns heute daraus mit? Gott zu danken – auch im Leid. Gott im Leid anzubeten und zu preisen, weil Gott das Leid beenden wird. Er wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen.
Vergiss das nicht: Wenn die Bibel wahr ist, dann leben wir Menschen nicht nur siebzig, achtzig oder neunzig Jahre. Wenn die Bibel wirklich wahr ist, dann folgt nach unserem Leben die Ewigkeit. Und diese Ewigkeit umfasst nicht nur tausend oder zehntausend Jahre, sondern sie ist ewig.
Wie viel ist davon nach zehntausend Jahren noch ein Prozent? Hundert Jahre? Am Ende ist es wie in dem Lied Amazing Grace, wo es heißt: „When we've been dead ten thousand years, bright shining as the sun, we've no less days to sing God’s praise than when we first begun.“

