Zum Inhalt

Warum lässt Gott Leid zu?

Biblisch beantwortet ...

Hinweis zur Datenverarbeitung durch YouTube

Durch das Abspielen dieses Videos wird eine Verbindung zu YouTube hergestellt. Dabei kann YouTube Cookies setzen und Ihr Nutzungsverhalten zu Analyse- und Marketingzwecken verfolgen. Weitere Informationen finden Sie in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Um YouTube-Videos anzusehen, müssen Sie der Verarbeitung durch YouTube zustimmen.

06.06.2020

Ich hänge es noch an der etwas größeren Glocke auf.

Die Herausforderung des Leidens und der Gottesvorstellung

Das größte Problem der Christenheit in Europa in unserer Zeit ist, dass wir gegen Gottes Gebote verstoßen, uns aber nicht als Sünder sehen. Wir stehen schuldig vor Gottes Gericht, fürchten sein Urteil jedoch nicht. Ganz ehrlich: Wer ist hier der Geisterfahrer? Was ist unser eigentliches Problem?

Um Nachfolge zu verstehen, mach dich Hashtag Bibelfit.

Warum lässt Gott das Leid auf der Welt zu? Dazu möchte ich jetzt fünf Gedanken mit dir teilen.

Über Leid zu sprechen, ist immer schwierig. Wie gehst du damit um? Sollten wir überhaupt darüber reden? Wir wissen doch, wie wir uns selbst fühlen, wenn wir leiden. Viele gut gemeinte Trost- und Erklärungsversuche klingen oft hohl, unempathisch und lieblos. Ich denke, es fällt uns selbst als Christen schwer, die richtigen Worte zu finden.

Oft geht es ja gar nicht um die Worte selbst. Wenn jemand klagt: „Warum muss ich diesen Tumor haben?“, will diese Person nicht wirklich eine medizinische Erklärung über Tumore und Neoplasien hören. Eine junge Frau, die fragt: „Warum ist mein Bruder gestorben?“, möchte nicht den Autopsiebericht lesen oder die medizinische Todesursache nachvollziehen. Ich denke, das will sie nicht.

Vielmehr bringen wir mit der Frage: „Warum lässt Gott das Leid in der Welt zu?“ unsere Klage über das Leid zum Ausdruck. Deshalb fürchten wir als Christen und Prediger, dass alles, was wir dazu sagen, hohl, unempathisch und lieblos klingt. Diese Befürchtung hat mich in den letzten zwei Wochen der Predigtvorbereitung nicht losgelassen.

Denn sobald wir leiden, sagen wir zu Recht, wie Hiob es gesagt hat: „Ihr seid alle zusammen leidige Tröster, haltet bloß die Klappe, geht bloß fern von mir, lasst mich bloß in Ruhe.“ Das ist menschlich total nachvollziehbar. Ich wette, dass du solche Momente auch kennst.

Trotzdem spricht die Bibel sehr viel über Leid – und zwar lange nicht nur im Buch der Psalmen oder im Klageliederbuch. Ich möchte heute Morgen auch darüber sprechen – in fünf kurzen Gedanken.

Dabei will ich zunächst abstrakt-philosophisch beginnen, dann über biblische Wahrheiten sprechen und ganz persönlich enden, in einem Gespräch zwischen dir und mir.

Warum lässt Gott also das Leid auf der Welt zu?

Die Koexistenz von Gott und Leid

Gedanke Nummer eins von fünf – mal ganz naiv, ganz stumpfsinnig zurückgefragt: Warum denn nicht? Ganz ehrlich, warum eigentlich nicht?

Ich will dir erklären: Manchmal haben wir in unserem Kopf so eine Zweiteilung, dass wir denken, entweder gibt es Gott oder es gibt das Leid. Das ist wie Kopf oder Zahl – wir werfen eine Münze, fangen sie auf, Kopf oder Zahl, es kann nur eins von beiden sein. Aber das stimmt nicht.

Siehst du, wenn unsere atheistischen Freunde sagen, Gott kann es gar nicht geben, weil es ja Leid in der Welt gibt, dann heißt das ja rein logisch, es gibt keine denkbare Möglichkeit, dass Gott existiert, wenn Leid dabei wäre. Aber das stimmt nicht, denn sobald es nur eine einzige Möglichkeit gäbe, dass Gott und Leid gleichzeitig sein können, ergibt die ganze Aussage keinen Sinn mehr. Dann ist es nicht mehr sinnvoll zu behaupten, dass es Gott wegen des Leides nicht geben kann.

Mir fallen da eine ganze Reihe von Möglichkeiten ein. Ich denke, das Problem ist ein anderes. Das Problem ist, dass unsere atheistischen Freunde, die so etwas sagen – es kann Gott nicht geben wegen des Leides in der Welt – häufig ein Bild von Gott haben, das nicht der echte biblisch-christliche Gott ist. Sie stellen sich etwas anderes darunter vor.

Und ich denke nicht, dass das nur ein Problem unserer atheistischen Freunde ist. Ich glaube, dass das eine Denkfalle ist, in die wir als Christen ganz, ganz häufig selbst tappen.

Ich hänge das noch an die etwas größere Glocke: Das größte Problem der Christenheit in Europa in unserer Zeit ist, denke ich, dass wir uns unser eigenes Gottesbild machen.

Siehst du, im Studium wurden wir damals, als ich landeskirchliche Theologie studiert habe, regelrecht ermutigt, uns zu überlegen, wie unser eigenes Gottesbild aussieht, wie unser Jesusbild aussieht, wie wir uns das eigentlich alles vorstellen. Das hat sicherlich auch gute didaktische Gründe. Aber was bei vielen von uns damals hängen geblieben ist, ist so ein Motto nach dem Prinzip: Na ja, wenn ich mein eigenes Gottesbild habe, dann passt das schon, und dann richte ich mein Leben eben danach aus.

Und das geht gar nicht. Dann ist es am Ende wie beim goldenen Kalb.

Du kennst die Geschichte: Moses ist oben auf dem Berg Sinai, um von Gott die Gebote zu empfangen. Unten sind die Israeliten schon irgendwie unruhig, weil er so lange nicht zurückkommt. Sie sagen zu Aaron: „Mensch, wie ist denn nun Gott eigentlich? Mach uns doch mal ein Gottesbild, zeig uns doch mal, wie er aussieht.“

Und Aaron nimmt dann alle Goldstücke, die sie haben, schmilzt sie ein und macht ein goldenes Kalb daraus. Sieht schick aus, ist irgendwie wertvoll, man kann schöne Ketten drumhängen, man kann gut drumherum tanzen, hat einen guten Durchmesser, alles irgendwie schick. Dann sagt er: „Das ist dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat.“

Nun, es gibt eine Riesenparty. So weit, so gut. Es gibt nur ein kleines Problem: Das ist nicht dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat. Du nennst ihn nur so, aber das macht ihn nicht dazu.

Und das Problem ist, dass wir ganz häufig unser eigenes goldenes Kalb anbeten, das wir uns selber bauen. Statt des lebendigen Gottes, von dem es in der Bibel heißt: „Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.“ Und by the way, das steht im Neuen Testament, nicht im Alten.

Ich glaube, deswegen, weil wir uns so ein eigenes Gottesbild in unserer westlichen Kultur ganz häufig zusammenbauen, trauen sich viele Gemeinden gar nicht mehr, vom Gericht zu sprechen. Weil das goldene Kalb, das wir uns zusammengebaut haben, predigt kein Gericht.

Deshalb trauen sich viele Gemeinden nicht mehr, von der Hölle zu sprechen, nicht mehr von der Buße. Und deswegen sind viele Christen auch in unseren Breitengraden so lauwarm, weißt du?

Ich glaube, das liegt daran, dass wir wirklich überlegen: Wie ist eigentlich Gott? Und dass das Bild, das wir von Gott haben, mit dem echten biblisch-christlichen Gott manchmal gar nicht so viel zu tun hat. Und es beruht, in bester Absicht, darauf, dass wir ein goldenes Kalb haben, das wir uns selber bauen.

Manchmal sind wir darin besser, in manchen Phasen im Leben – kenne ich von mir so –, manchmal sind wir darin, Gott sei Dank, schlechter. Manchmal brauchen wir uns einen Happy-Clappy-Gott, der so ist, wie wir ihn eben haben wollen.

Aber der echte Gott sagt dazu eindeutig: Tu das nicht, mach dir kein eigenes Gottesbild, zweites Gebot, bete sie nicht an und diene ihnen nicht.

Siehst du, den echten Gott gibt es. Und es gibt auch echtes Leid.

Seit den ersten Seiten der Bibel wird in großer Ehrlichkeit und Offenheit davon erzählt, dass es beides gleichzeitig gibt. Das fängt bei den Morden von Kain und Abel an. Da fragen wir auch nicht: Warum lässt Gott das Leid in der Welt zu? Warum lässt Gott zu, dass der eine den anderen umgebracht hat? Der eine bringt den anderen um.

Bei der Sintflut, warum lässt Gott die Sintflut zu? Bei Noah gibt er uns ja sogar den Grund. Er sagt, die Bosheit der Menschen ist, übersetzt gesagt, himmelschreiend.

Beim Apostel Stephanus, dem ersten christlichen Märtyrer, schreibt Lukas in der Apostelgeschichte ja nicht: „So, damit war widerlegt, dass es Gott gibt, die Geschichte der Christen endete, Ende des Buchs, vorbei, und dann kommen die Karten in der Bibel unter Abspann.“ Nein, Spaß.

Sondern Gott und das Leid können gleichzeitig sein, und Gott ist auch im Leid. So war er es in Israels Bürgerkriegen in der Richterzeit, so war er es im babylonischen Exil, so war er es unter dem Terrorregime der Römer, und so ist es heute noch in Nordkoreas Konzentrationslagern, in Darawislams und in den unsichtbaren Gefängnissen, die wir uns heute selber bauen in unserer Zeit – aus Materialismus, aus Missbrauch, aus Nachlässigkeit, aus Verzweiflung, aus Sex, aus Gehässigkeit, aus Oberflächlichkeit, aus Neid und schlicht aus Gottlosigkeit, mit denen wir uns in der westlichen Welt selber unterdrücken.

Im Propheten Jesaja heißt es dazu: „Herr, deine Hand ist erhoben, aber sie sehen es nicht.“

Und in all dem und in so viel mehr ist Gott direkt neben dir.

An keiner Stelle des Neuen Testaments sagt Jesus, dass uns kein Leid ereilen wird. An keiner Stelle sagt er: „Liebe Christen, ihr werdet nicht leiden.“ Das steht nirgendwo.

Aber was er sagt, ist: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. Das steht in der Bibel.

Die Bedeutung des freien Willens für das Leid

Gedanke Nummer zwei: freier Wille.

In vielen Jahren meines Lebens als Berater habe ich Menschen geholfen, mit ihrem Gehalt, ihren Schulden, ihrem Ersparten und all den damit verbundenen Herausforderungen umzugehen. Dabei ging es nicht nur um finanzielle Themen, sondern auch um schwierige Lebenssituationen wie Beziehungskrisen, Studienabbrüche, Scheidungen, gesundheitliche Probleme und Burnout – die ganze Palette.

Nach über zehntausend Stunden Beratung darf ich sagen, dass zwar nicht alles, aber siebzig bis achtzig Prozent des Leids selbst verursacht sind und vermeidbar gewesen wären. Wir suchen uns vielleicht die Dramen in unserem Leben nicht aus, aber häufig wählen wir die Umstände, in denen diese Dramen überhaupt entstehen können.

Für die meisten Menschen, die zu mir in die Beratung kamen, war die erste wichtige Erkenntnis der Weg zur Heilung und Besserung: zu erkennen, dass sie einen anderen Weg hätten einschlagen können. Daraus folgt eine ganz wichtige Einsicht: Ein Teil des Leids ist eine Folge unserer Entscheidungen. Diese Entscheidungen können wir auf verschiedene Weise treffen – wir können auch jetzt bessere Entscheidungen treffen.

Entscheidungen machen es grundsätzlich möglich, dass wir schlechte Entscheidungen treffen können. Sie machen es auch möglich, falsch zu entscheiden. Frag mal Adam und Eva dazu. Das ist der Preis einer Schöpfung, in der freier Wille möglich ist.

Nichts hindert mich daran, Böses zu tun – und das tue ich auch nicht. Der Preis der Freiheit ist hoch, das war er schon immer. Es ist wie beim Lieben, bei Zuneigung oder Freundschaften: Liebe, Zuwendung und freiwillige Aufmerksamkeit kann man nicht erzwingen. Das bedeutet, man muss in Kauf nehmen, dass sich jemand gegen einen entscheidet. Und das tut weh.

Die gefallene Schöpfung und die Realität des Leids

Gedanke Nummer drei: Die gefallene Schöpfung

Du kannst dir einmal die Augen schließen und folgendes Bild vorstellen: Ein wunderschöner Gebirgswald im Sommer. Die Abendsonne legt sich über die Landschaft und taucht den nahegelegenen See in zeitloses Gold. Ein kleines Rehjunges tapst vorsichtig und unschuldig an das Wasser, um einen kühlen Schluck zu nehmen.

Und plötzlich springt hinter ihm ein Gebirgslöwe aus dem Dickicht, beißt sich an der Kehle des Jungen fest, zerspritzt sein Blut auf das Laub und färbt den Teich rotbraun. Ein verstörendes Bild.

Es beruhigt jedoch irgendwie zu wissen, dass Gott das von Anfang an nicht so gedacht hat. So hat Gott das nicht gewollt. Gott hat eine perfekte Schöpfung gewollt und auch geschaffen.

Ganze sechsmal heißt es in der Genesis im Hebräischen „Wehine Tov“, also auf Deutsch „Es war gut“, im Hebräischen sogar mit Ausrufezeichen. Und ganz am Ende der Schöpfung heißt es „Wehine Tov me'Ov“, was übersetzt „Es war sehr gut“ bedeutet. Du darfst es auch übersetzen mit „Es war heftig gut“ oder „Es war extrem gut“, ebenfalls mit Ausrufezeichen.

Und was kommt dann? Der Sündenfall. Darüber wird viel diskutiert, ob er wörtlich zu verstehen ist.

Nun, ob es einen tatsächlichen Menschen namens Adam und Eva gegeben hat und wann genau, ist, wenn du mich fragst – und das klingt jetzt sehr direkt – ein Stück weit irrelevant. Denn ob es nun einen Menschen Adam gab, der vor dir lebte und vor dem ich lebte, und dass dieser vor uns gesündigt hat, ändert weder etwas am Ergebnis noch daran, dass wir selbst verantwortlich sind für die Sünde in dieser Welt.

Wir haben Heiligkeit und Perfektion abgewählt, nicht Gott. Wir haben das Leid auf der Welt gewählt, nicht Gott.

Ich denke, das ist ganz wichtig einzusehen: Niemand ist unschuldig vor Gottes Gericht. Niemand wird in die Hölle geworfen, der es nicht verdient hätte. Es ist Gottes Vergebung, die wir nicht verdient haben. Die Strafe hingegen haben wir verdient. Das sollten wir nie vergessen.

Wir sind in dieser Geschichte nicht die Helden, wir sind nicht die Protagonisten, wir sind nicht die Guten – wir sind die Bösen, wir sind die Antagonisten.

Also nicht ein abstraktes, allgemeines „Wir“, sondern „Wir“, „Du“ und „Ich“ – du und ich persönlich, wir, du und ich.

Deshalb sagte der Prophet Samuel auch zum König David: „At-Taha'isch“ – „Du, du bist der Mann, du bist der Schuldige, du bist in dieser Geschichte der Schurke.“

Und kein Richter auf der Welt schuldet einem Verbrecher irgendetwas außer Gerechtigkeit. Wie viel mehr ist es dann beim Richter über die Welt?

Stell dir mal vor: Manchmal wünschen sich Menschen, dass Gott alles Böse in der Welt vernichten würde. Stell dir vor, Gott würde alles Leidvolle, alles Schlechte, alles Böse in der Welt vernichten – und dich und mich mit.

Jesus erzählt einmal die Geschichte, das Gleichnis vom Unkraut. Da heißt es, es war ein Feld, auf dem Dinge angepflanzt wurden. Über Nacht wuchs das Unkraut mit dazu. Ein Feldarbeiter fragt: „Sollen wir das Unkraut nicht rausrupfen?“ Der Besitzer des Feldes antwortet: „Lieber nicht, sonst rupfen wir vielleicht die ganzen guten Pflanzen mit raus.“

Häufig lesen wir die Geschichte so, dass wir denken: „Na ja, wir sind die guten Pflanzen und deswegen ist es besser, das Unkraut nicht zu entfernen.“ Aber stell dir mal vor, wir sind das Unkraut, weißt du?

Am Ende sagt die Geschichte: Pass einfach auf, was du dir wünschst. Du weißt nicht, ob du eine dieser guten Pflanzen bist.

Ich kann nur auf einer fast schon philosophischen Ebene dazu raten: Lasst uns als Christen bitte diesen humanistischen Spiegel zur Seite legen, der uns einreden will, wir wären irgendwie gute Menschen und dass es darum im Leben geht.

Stattdessen sollten wir uns den biblischen Spiegel von Gottes ewigen Gesetzen vorhalten lassen.

Und was spiegelt der uns wider? Wir erzählen die Unwahrheit, aber halten uns nicht für Lügner. Wir nehmen Dinge, die nicht unsere sind, aber halten uns nicht für Diebe. Wir begehren, wo wir es nicht sollten, aber halten uns nicht für sexuell unmoralisch. Wir benutzen Gottes Namen respektlos, aber halten uns nicht für Blasphemiker. Wir verstoßen gegen Gottes Gebote, aber halten uns nicht für Sünder. Wir stehen schuldig vor Gottes Gericht, fürchten sein Urteil aber nicht.

Ganz ehrlich, wer ist hier der Geisterfahrer? Was ist unser Problem?

Du weißt, was unser Problem ist. Unser größtes Problem ist Sünde. Also auf Deutsch: Wir sind Verbrecher gegen Gottes Gesetze. Wir haben einen Streit mit Gott vom Zaun gebrochen, bei dem wir im Unrecht sind.

Das nennt die Bibel Sünde. Diese Sünde beeinflusst und beeinträchtigt unser Denken, unser Fühlen, unser Handeln – alles.

Das ist ein sicheres Zeichen, glaube ich: Wenn du dir so meine Generation der unter 35-Jährigen in Deutschland ansiehst, halten sich die allermeisten von ihnen für gute Menschen.

Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass meine Generation in Deutschland in der Masse Jesus nicht verstanden hat. Wir denken, wir sind gut, und wir denken, dass unsere eigenen Sünden nicht ernst zu nehmen sind.

Jesus erzählt einmal die Geschichte, in der zwei Menschen zum Tempel kommen. Der Erste geht nach vorne und sagt: „Ach Gott, ich danke dir, dass ich so ein guter Typ bin, dass ich nicht so bin wie dieser Abschaum da drüben. Danke, Gott, dass du mich so geschaffen hast.“ Und dann heißt es, er ging unrein nach Hause.

Der Zweite kommt nach vorne, traut sich nicht einmal, zum Himmel aufzuschauen, schlägt sich an die Brust und sagt: „Herr, sei mir Sünder gnädig.“ Dem wird vergeben.

Siehst du, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Ich glaube, wir sollten mehr die Haltung des zweiten Menschen einnehmen.

Das Evangelium ist die einzige wahre Geschichte, in der der Held für die Schurken stirbt.

Deshalb heißt es im Buch Daniel: „Herr, wir stehen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine Barmherzigkeit. Wir vertrauen darauf, Gott, dass deine Barmherzigkeit, die wir nicht verdienen, größer ist als deine Gerechtigkeit, die wir verdienen.“

Siehst du, die einfachste Möglichkeit, um zu wissen, was Gott über dich denkt, ist es, die Bibel zu lesen. Lies sie.

Lies hier einfach wenige Minuten am Tag. Die wenigen Minuten hast du, denn wenn du keine wenigen Minuten am Tag hast, hast du kein Leben mehr.

Dafür habe ich dir den Bibelleseplan für Einsteiger kreiert, der Hunderten Menschen jeden Tag hilft, die Bibel leicht zugänglich zu verstehen und die sechs häufigsten Fehler beim Bibellesen zu vermeiden.

Lade ihn dir einfach herunter. Der Link ist in der Videobeschreibung.

Gottes Handeln im Leid und die Erlösung durch Jesus

Gedanke Nummer vier: Gott ist nicht tatenlos. Gott und Leid können zusammen existieren.

Und lass mich dir noch etwas Direkteres fragen: Was hat Gott je für dich getan? Er hat sich für dich zu Tode quälen lassen – nackt, bei fast Minusgraden, mit herausgerissenem Fleisch und ausgerenkten Gelenken –, damit du und ich das nicht müssen. Er trägt unsere Strafe. Dort, wo du und ich hingehören, damit die Strafe bezahlt ist, da ist er, damit du freigesprochen werden kannst.

Hast du diese Vergebung schon für dich angenommen? Tu es! Solltest du das im Gebet mit Gott noch nie klargemacht haben, bitte tu es. Denn daran siehst du, wie ernst Gott Sünde nimmt – todernst.

Und warum? Um unsere Sünde zu besiegen – unsere Sünde, den Grund für all das Leid und das Elend, ja? Gott geht das Problem an der Wurzel an, und das zu einem unendlichen Preis.

Und wofür? Er sagt: Ich werde dich befreien von der Macht des Grabes, ich werde dich retten vom Tod.

Tod, wo sind noch deine Plagen? Grab, wo ist noch deine Macht zu zerstören? Tod, wo ist noch dein Sieg, wo ist deine Macht?

Jesus hat den Tod zerstört – das dürfen wir nie vergessen. So heißt es später auch im 2. Timotheus 1,10: „Jetzt aber ist die Gnade offenbar geworden, als Jesus Christus, unser Retter, auf der Erde erschien. Er hat dem Tod die Macht genommen und das unvergängliche Leben ans Licht gebracht.“

Und darum geht es in der guten Nachricht. Wir wollen wissen, was Gott gegen das Leid in der Welt tut? Drei Silben für dich: Golgatha.

Das Leid ist schon besiegt, der Tod ist schon entmachtet und entwurzelt. Jetzt sind das nur noch die letzten Zuckungen von diesem Rückzugsgefecht.

Die positive Kraft des Leids und der Blick in die Ewigkeit

Und fünfter und letzter Gedanke: Aus Leid kann Gutes entstehen.

Siehst du, in Momenten und Situationen großer Bedrängnis kommt häufig unser wahrer Charakter zum Vorschein. Zum Beispiel ist nach Naturkatastrophen die Bereitschaft zum Spenden nachweislich am höchsten. Und weißt du, was noch? Die Bereitschaft und Offenheit zum Evangelisieren steigt ebenfalls. Das ist etwas Gutes, das aus etwas Schlechtem entsteht.

Leid kann uns aufrütteln, Leid kann uns wachrütteln. Es kann uns sehr viel näher zu Gott bringen. Leid kann uns überhaupt erst zu Gott führen.

Ich möchte kurz etwas aus meinem Leben erzählen. Wenn ich damals nicht in Armut gefallen wäre und mich nicht so krass überarbeitet hätte, dass ich eines Mittwochnachmittags – true story – vor Erschöpfung auf einen Gehweg gefallen und am helllichten Tag in einer verregneten Einfahrt eingeschlafen wäre, dann hätte ich mich wahrscheinlich nie so intensiv mit Geld- und Zeitmanagement auseinandergesetzt. Ich glaube, ich wäre Liberator geblieben und hätte sicherlich nicht so vielen Menschen auf ihrem Weg helfen können.

Und wenn ich damals in meiner eigenen Jugendzeit nicht so gelitten hätte, dann hätte ich mich niemals so intensiv mit existenziellen Themen auseinandergesetzt, wie zum Beispiel Gerechtigkeit und der Frage, ob es Gott gibt. Ich hätte die Bibel nie so persönlich gelesen, als ob sie nur für dich oder mich geschrieben wäre – aber genau das ist sie.

Das sind nur kleine, scheinbar unwesentliche Beispiele. Es gibt so viel mehr davon hier in dieser Gemeinde. Ihr kennt euch untereinander und wisst, was eure Geschichte ist.

Denk beim nächsten Spaziergang einmal darüber nach: Wie hat Gott dir in deinem Leben schon mal zu verstehen gegeben, dass wer sich an das Nichts hält, seine Gnade verlässt?

Also Augen himmelwärts! Siehst du, es ist ein Klischee – und es stimmt: Gott kann auf krummen Linien gerade schreiben. Überleg dir noch einmal, wie viel gerader er schreiben könnte, wenn wir ihn nur lassen würden. Was für eine Erweckung könnten wir hier in diesem Land erleben?

Deshalb bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste, baut eine Straße für unseren Gott. Füllt die Täler auf, ebnet die Berge und Hügel, räumt alle Hindernisse aus dem Weg. Jesus kommt wieder, also bereitet den Weg, bahnt die Straßen, reinigt sie von den Steinen. Siehe, der Herr kommt.

Und deshalb können wir am Ende auch antworten wie Hiob. Wie bei Hiob gibt es die Zusage, dass Gott durch das Leid erlösen wird. Und wie Hiob können wir am Ende des Tages sagen – im hebräischen Urtext heißt es: „wa'ani yadathi go'alich chay“. Das bedeutet: Am Ende weiß ich, ich bin gewiss. Ich habe keinen Schatten eines Zweifels daran, ich habe es erkannt: Mein Erlöser lebt. Ich weiß, mein Erlöser lebt.

Weißt du, dass dein Erlöser lebt? Hast du ihn als deinen Erlöser angenommen? Wenn nicht, dann wäre jetzt die Zeit dafür.

Schlussgedanken: Dankbarkeit und Hoffnung im Leid

Was nehmen wir uns heute daraus mit? Gott zu danken – auch im Leid. Gott im Leid anzubeten und zu preisen, denn Gott wird das Leid beenden. Er wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen.

Und vergiss das nicht: Wenn die Bibel wahr ist, dann leben wir Menschen nicht nur siebzig, achtzig oder neunzig Jahre. Wenn die Bibel wirklich wahr ist, dann folgt nach diesem Leben die Ewigkeit. Diese Ewigkeit dauert nicht nur tausend oder zehntausend Jahre, sondern sie ist ewig.

Und wie viel ist davon nach zehntausend Jahren noch ein Prozent? Hundert Jahre? Siehst du, am Ende ist es wie bei „Amazing Grace“, wo es am Ende heißt: „When we've been dead ten thousand years, bright shining as the sun, we've no less days to sing our praise than when we've first begun.“