Serie•Teil 42 / 47Wir betrachten den Römerbrief
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Einführung in das Thema und die Textlesung
Guten Morgen, liebe Gemeinde, auch von meiner Seite.
Ja, jetzt wollen wir uns dem Römerbrief zuwenden. Ihr liebt den Römerbrief, nicht wahr? Jemand hat einmal gesagt: Wenn ihr in dem Tempo weitermacht, dann werden wir in zwanzig Jahren noch beim Römerbrief sein. Ja, und wo ist das Problem? Wo ist das Problem? Denn von da aus strahlt der Römerbrief in die ganze Schrift hinein, und wir werden durch den Römerbrief über alle Wahrheiten unterwiesen.
Und deshalb stehen wir mit Freuden auf und nehmen den Text für heute: Römer 8,33-34.
Wer will gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben? Gott ist es doch, der rechtfertigt. Wer will verurteilen? Christus ist es doch, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist, der auch zur Rechten Gottes ist, der auch für uns eintritt.
Und dann geht es nachher weiter, aber ich bleibe erst einmal da: Wer will uns scheiden von der Liebe des Christus? Drangsal oder Angst, Verfolgung, Hunger und so weiter.
Amen.
Nehmt doch gerne miteinander Platz, liebe Freunde.
Der Gerichtssaal der Anklage und die Not des menschlichen Herzens
Ja, der Apostel kommt jetzt zum Ende von Kapitel acht und nimmt noch einmal das große Thema auf, das er bisher vorgetragen hat, nämlich das große Thema der Rechtfertigung unseres Lebens aus dem Glauben. Das ist das zentrale Thema, das Christen kennen müssen, damit sie auch in den Kämpfen ihres Lebens zur Ruhe kommen können.
Es scheint so, als ob dieses Wort ein Zitat aus dem Propheten Jesaja 50,8-9 ist. Dort hat der alte Prophet schon gesagt: Der mich rechtfertigt, ist nahe. Wer will mit mir richten? Wer will mit mir rechten? Wer will gegen mich Anklage erheben? Er trete her zu mir. Siehe, Gott der Herr steht mir bei. Wer will mich für schuldig erklären?
Das ist ja der Klang von Jesaja, den Paulus in den Römerbrief und in unsere Texte überträgt. Es ist, als würde Paulus uns zusammen mit Jesaja in einen Gerichtssaal hineinführen, in den uns Ankläger gezerrt haben. Ihre Anschuldigungen lauten: Dieser Christ ist ein großer Sünder. Er ist nicht so, wie er sein sollte. Er fällt jeden Tag in alte und neue Sünden. Von wegen heilig, von wegen gerecht. Er ist ein Versager, er ist ein Übeltäter, der ist doch kein Christ.
Und liebe Schwester, lieber Bruder, wenn du dein Leben anschaust, dann weißt du ja auch, und manchmal bist du erschrocken darüber, wozu du noch fähig bist. Was für dunkle Gedanken du noch hast, was für Beweggründe, was für Worte noch aus deinem Mund kommen und auch welche Taten manchmal noch passieren. Wo soll Gott, wie soll Gott dich selig machen, wo doch dein Herz immer noch so böse ist?
Da ist diese Bitterkeit, dieser Frust, dieser Ärger, dieses Nachtragen, die Selbstsucht, die Heuchelei, der Geiz, Streit, auch die Unreinheit und die böse Lust. Du zweifelst doch selbst an deinem Christsein. Also mir geht es jedenfalls so, dass ich oft denke: Mein Gott, es kann nicht sein, dass ich noch solche Gedanken gehabt habe.
Denk doch nur an die Fehltritte der letzten Woche, vielleicht sogar noch heute Morgen. Bevor du zum Gottesdienst gekommen bist, hast du deine Familie wieder aufgeregt. Und so klagt dich dein Gewissen an, andere Menschen klagen dich an, und auch der Teufel klagt dich an. Und alle drei, Gewissen, andere Menschen und auch der Teufel, sie haben Recht: Du hast nichts anderes als Verdammnis verdient.
In Offenbarung 12,10 heißt es, der Verkläger, der uns vor Gott verklagt, Tag und Nacht. Es gibt Kräfte, die ein Interesse daran haben, uns zu verklagen, uns zu verdammen und das auch unserem Herzen mitzuteilen.
Die Anklage gegen den Gläubigen und die Antwort der Erwählung
An dieser Stelle darf ich einfach auch sagen: Liebe Gotteskinder, die auch unter Schwermut leiden und unter Depressionen, ihr seid auf diesem Gebiet besonders angefochten. Ich habe manchmal mit niedergeschlagenen Seelen gesprochen, mit verzagten Menschen, die dann sagten: Pastor, ich weiß nicht, ob ich selig werde. Ich weiß noch nicht einmal, ob Gott mich liebt. Liebt Gott mich, wenn ich in solchen Dunkelheiten und Tiefen bin?
Das sind diese Anklagen, diese Schuldgefühle. Ich habe Christen getroffen, die darunter schwer gelitten haben und mit Verdammnisängsten zu kämpfen hatten, weil sie den Ansprüchen der Bibel nicht gerecht werden. Stimmt ja, ich habe auch junge Christen getroffen, die einerseits sehr glücklich über ihren Glauben waren und andererseits mit ihren sexuellen Versuchungen nicht klarkamen. Dann haben sie sich schmutzig gefühlt. Dann haben sie gesagt: Was ist mit meinem Christsein? Ich habe mich dort bekehrt, aber ich tauge nichts. Ich kann nicht selig werden.
Manchmal haben mir Menschen sogar noch auf dem Sterbebett von ihrer kaputten Lebensbiografie erzählt. Und dann fragen sie mich: War ich überhaupt ein richtiger Christ?
Zu Beginn des glorreichen achten Kapitels hatte Paulus diesem Kummer der römischen Christen schon entgegengerufen. Wir kennen und wir erinnern uns an diese Predigt: Römer 8,1. Die Antwort des Paulus ist: So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind. Das greift er noch einmal auf, und er schließt dieses herrliche Kapitel mit derselben Versicherung ab. Er fragt: Freunde, wer will gegen euch, die Auserwählten Gottes, Anklage erheben? Wer will es wagen?
Das ist unmöglich. Der Apostel zeigte das schon daran, wie er die Gläubigen nennt. Wie nennt er sie? Wer will gegen die, sagt es laut, wer will gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben?
Unsere Verunsicherungen kommen oft schon daher, dass wir nicht in dieser Kategorie denken. Es ist in unserem Herzen nicht fest verankert, dass wir vor Grundlegung der Welt bedingungslos zu seinem Eigentum erwählt sind. Leider, leider, leider ist sogar ein Streit unter der Christenheit immer wieder ausgebrochen, ob Erwählung überhaupt etwas ist, was bedeutungsvoll ist. Und das wird dann auch gar nicht so gemeint. Gott erwählt uns ja nur, weil er vorhergesehen hat, wie wir uns einmal positiv verhalten haben und uns bekehrt haben.
Freunde, Freunde, Freunde, wie kommen wir dazu? Und manchmal, auch wir, die wir an die Auserwählung glauben, denken wir manchmal, wir sind Christen geworden, weil wir uns bekehrt haben. Das kommt immer wieder durch: weil wir uns für Jesus entschieden haben, weil wir Buße getan haben, weil wir geglaubt haben und nicht, weil er uns erwählt hat.
Dass wir uns entschieden haben für Jesus, dass wir Buße getan haben, dass wir geglaubt haben, das ist nicht die Ursache unserer Erwählung, sondern die Erwählung ist die Ursache, dass wir glauben, dass wir uns bekehrt haben und dass wir Buße tun. Also, wenn Gott uns nicht erwählt hätte, dann hätten wir uns nie bekehrt. Wir hätten nie Buße getan, da hätten wir nie geglaubt. Wir haben das alles nur getan, weil er uns erwählt hat.
Das haben wir ja auch in den Versen gründlich durchgenommen: Römer 8,29-30, diese berühmte Heilskette. Könnt ihr euch noch erinnern? Die Ordo salutis, das muss uns in Fleisch und Blut hineingehen. Die er zuvor ersehen hat, die er auch vorherbestimmt hat; die er vorherbestimmt hat, die er auch berufen hat; die er aber berufen hat, die er auch gerechtfertigt hat; die er gerechtfertigt hat, die er auch verherrlicht.
Da hast du das ganze Paket unseres Heils, und immer er, er, er, er, nicht ich, ich, ich. Wir sind das Ergebnis seiner Wahl und nicht unserer Wahl.
Die Heilsgewissheit als Folge der göttlichen Wahl
Wenn wir mehr und mehr lernen, liebe Gemeinde, dass unser Heil nicht auf dem beruht, was wir beitragen, auf unserem Jawort, sondern allein auf Gottes souveräner Auserwählung, dann revolutioniert das unser christliches Leben und unser christliches Denken. So war es mit mir. Und viele unter uns haben mir das erzählt. Es ist eine innere Revolution.
Wir verstehen: Das Fadenkreuz wird plötzlich anders, die Koordinaten sind anders. Und das muss hinein in unser Herz, in unsere Seele. Wir haben manchmal unsinnige Vorstellungen davon, was Christsein bedeutet. Ein Christ, so sagt man, ist einer, der anständig ist, der Nächstenliebe übt, der fromm ist, der sich für Gott entschieden hat, der zur Kirche geht. Der Schwerpunkt liegt immer auf dem Menschen. Der Christ ist ein Christ, weil er das und das tut.
Aber Paulus sagt nicht: Wer will die Bekehrten beschuldigen, wer will die Entschiedenen beschuldigen? Sondern er sagt: Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Damit erinnert er daran, wo unser Heil herkommt, wo es verankert ist: nicht in uns, sondern in Gott. Nicht in unserer Wankelmütigkeit, nicht in unseren emotionalen Schwankungen, sondern unser Heil ist verankert in seiner Unveränderlichkeit. Er ist derselbe. Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.
Und der Grund, warum die Bibel voll davon ist, die Gläubigen nicht als Bekehrte, sondern als Auserwählte zu bezeichnen, ist dies. Die Bibel spricht immer und immer wieder davon. Das wäre ein Bibelstudium für sich: wie oft schon im Alten und im Neuen Testament immer wieder dieses Wort der Auserwählung vorkommt. Die Begriffe lauten Erwählung, Auserwählung, erwählt, Auswahl, auserwählt, erwählt.
So zieht nun an, als Gottes Auserwählte, sagt Paulus. An anderer Stelle: Wir wissen ja als von Gott geliebte Brüder um eure Auserwählung. Jesus selber sagt: Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt. Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt. Und Paulus wiederholt, dass Gott euch von Anfang an zur Rettung erwählt hat. Und am Ende der Tage wird er seine Auserwählten sammeln von den vier Winden.
Und so auch in unserem Text: Wer will gegen die auserwählten Gottes Anklage erheben? Das heißt: Wie kann man Anklage erheben gegen die, die Gott vor ewigen Zeiten unwiderruflich bestimmt hat, Erben seines Heils zu sein? Versteht ihr das? Wie kann der Teufel wagen, oder dein Gewissen wagen, oder ein Mensch wagen zu sagen: Du wirst verdammt werden, wenn Gott von Ewigkeit her einen unumstößlichen Beschluss über dein Leben gefasst hat und gesagt hat: Dieses soll mein Kind sein für Zeit und für Ewigkeit?
Wer kann dagegen etwas sagen? Wer will sich erheben und gegen Gott reden? Christus ist hier, der gestorben ist. Da kommen wir gleich zu. Wenn Gott für immer festgesetzt hat, dass du auf ewig ein Kind Gottes sein sollst, wer kann dich verdammen? Du bist doch Gottes Auserwählter, und daran kann auch der Böse nichts ändern, nicht irgendein Mensch und auch du nicht.
Das Kreuz Christi als endgültige Antwort auf jede Verurteilung
Der nächste Punkt ist, den Paulus hier in seinem Satz hervorbringt: Wer will gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben? Gott ist es doch, der rechtfertigt. Wer will verurteilen? Christus ist es doch, der gestorben ist.
Hier erinnert uns Paulus wieder und immer wieder daran, dass Christus in seinem Tod am Kreuz den vollen Zorn Gottes für unsere Sünden getragen hat. Christus ist nicht nur für unsere Sünden gestorben, hört ihr gut zu? Christus ist nicht nur für unsere Sünden gestorben, die wir bereits getan haben, sondern auch für die Sünden, die wir bis an unser Lebensende noch tun werden. Auch für unsere kommenden Sünden ist schon bezahlt. Die Summe aller unserer Sünden, vom ersten Atemzug unseres Lebens an bis zum letzten, hat Christus für uns komplett übernommen, so dass wir ohne Schuld dastehen. Das heißt: unschuldig, sündlos.
Dich zu beschuldigen hieße, einen Unschuldigen anzuklagen. Das ist die Argumentation des Evangeliums. Das Kreuz von Golgatha hat dafür gesorgt, dass alle deine Sünden von Jesus dir abgenommen worden sind. Wenn Gott durch den Tod Jesu ohne Ausnahme alle unsere Sünden von uns genommen hat, wie viele bleiben dann noch bei uns? Keine!
Du bist ein unschuldiger Mensch in Gottes Augen, ein Gerechter, ein Heiliger, ein Tadelloser, ohne Flecken und ohne Runzel, so dass jede Beschuldigung ins Leere läuft. Wer will beschuldigen? Schon der Prophet Micha sagt: Er wird sich über uns erbarmen, unsere Missetaten bezwingen. Ja, du wirst alle ihre Sünden in die Tiefe des Meeres werfen.
Wie viel bleibt dann noch? Wie viele Sünden wirft Gott ins Meer? Fünfzig Prozent? Neunzig Prozent? Nein, wir sind in Christus zu hundert Prozent sündenfrei, unverklagbar. Das ist der Kern der Rechtfertigungslehre aus Glauben an den Herrn Jesus Christus, unseren Stellvertreter.
Paulus formuliert es so: Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden. In Christus sind wir die dargestellte Gerechtigkeit Gottes. Wer will anklagen? Wer will beschuldigen? Gott ist hier der, der rechtfertigt. Christus ist hier, der gestorben ist und auch auferstanden ist.
Oh Freunde, was ist das für eine Lehre, was ist das für eine Wahrheit? Wir sind in Christus zur Gerechtigkeit Gottes geworden, und das ist unser unumstößlicher Stand, der auch nicht durch neue Sünden, jetzt hört weiter zu, wieder zurückgesetzt werden kann.
Die bleibende Stellung des Gläubigen und der Kampf gegen falsche Sicherheit
Manche Christen denken, wenn sie in Sünde gefallen sind, habe Gott ein Resett gemacht, und dann fange alles wieder von vorne an. Das ist Unfug. Sie meinen, dass sie, wenn sie sündigen, nicht mehr als gerecht vor Gott gelten können. Solche lieben Leute haben die Rechtfertigungslehre des Evangeliums noch nicht tiefgreifend erfasst.
Das Geheimnis dieser Lehre zu verstehen, ist für die Qualität und auch den Genuss unseres Glaubenslebens von ungeheurer Bedeutung. Ohne die klare Lehre von der geschenkten Gerechtigkeit hat niemand Heilsgewissheit und Heilssicherheit. Sein Glaube bleibt immer unsicher, voller Zweifel, voller Angst und Furcht.
Deshalb ist es wichtig zu erfassen: Ist jemand in Christus, dann ist er in den Augen Gottes schon von Ewigkeit her gerecht und wird bis in Ewigkeit gerecht bleiben, unabhängig von der Menge seiner Sünden. Aufgrund des Todes Christi ist der Stand eines wiedergeborenen Christen der eines Gerechten. Hast du verstanden? Ja, sag’s laut! Unabhängig vom Pegel deiner Sünden.
Ich bin Kind meiner Eltern gewesen, und ich war ein schwer erziehbarer Junge. Das ist aber alles Schnee von gestern. Aber ich blieb Kind, ob ich ein gehorsames Kind oder ein ungezogenes Kind war. Der rechtliche Status, das rechtliche Verhältnis zu meinen Eltern, blieb Kind, Erbe, völlig unabhängig davon, wie viel Blödsinn ich gemacht habe oder nicht.
Das dürfen wir, das ist nur ein Bild, übertragen. Unsere Sünden, unsere täglichen Sünden, unser Versagen haben keinerlei Einfluss auf deinen Rechtsstand bei Gott. Du bist Kind von Anbeginn an, und du bleibst es. Lass das mal richtig sacken. Das war die Lehre, die wir besprochen haben und die wir immer wieder besprechen müssen.
Wer will gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben? Christus ist es doch, der gestorben ist, und mehr noch: auferstanden ist.
Die Bewahrung durch das Gebet Christi und die Sicherheit der Gemeinde
Und wenn der Teufel wiederkommt und Menschen kommen und dein Gewissen kommt und dir sagen: Du hast gestern wieder gesündigt, du hast heute wieder gesündigt, du bist nicht so gut, wie du sein solltest, dann will dich die Verdammnisangst wieder quälen.
Wie schon gesagt, davon sind besonders depressive Gotteskinder betroffen, die zu Schwermut neigen. Das Erste, was Satan einer gläubigen Seele rauben will, ist diese Heilsgewissheit über den Stand unserer Gerechtigkeit vor Gott. Er will dich unsicher machen und dich mit Zweifel erfüllen, und schon bist du ein Spielball in seiner Hand.
Und deshalb sage ich dir jetzt: Widerstehe dem Teufel mit der Wahrheit der Rechtfertigung. Und sprich, ich formuliere es einfach frei, sag ihm ins Angesicht: Ich weiß, Satan, ich bin unwürdig, ich bin ein Sünder, aber hör mir jetzt mal gut zu: Gott hat mich gerecht gemacht durch sein vergossenes Blut, durch das Blut seines Sohnes. Und jetzt, Teufel, ist nichts Verdammliches an mir, ich bin nicht verklagbar. Satan, hebe dich hinweg von mir, in Jesu Namen. Amen!
Du darfst ruhen in dem Stand deiner Gotteskindschaft. Sie ist dein Fundament, sie ist der Grund, auf dem dein Glaube ruht. Und sie ist unerschütterlich. Du bist durch das Blut Jesu Christi gerecht geworden, aus dem Glauben an den Herrn Jesus Christus. Sag doch Amen! Halleluja!
Wir müssen lernen, ich will mich wiederholen und tue es doch mit Nachdruck, auf diesem Grund zu stehen. Ihr wisst, das entdeckte die Reformation vor 500 Jahren. Diese Erkenntnis leuchtete in Luthers Herz auf, und er war überwältigt. Und er rief aus: Mit dieser Lehre der Rechtfertigung aus Glauben steht und fällt die ganze Kirche. Wo dies nicht klar ist, ist gar keine Christengemeinde mehr.
Bis heute lehren Kirchen, dass die Rechtfertigung eben nicht ein fester Stand ist. Und deswegen ist es auch noch einmal so wichtig, dass wir das noch einmal nacharbeiten.
Es tut mir leid, manch einer mag vielleicht denken: Nun ist er immer noch wieder, jetzt kommt wieder die Rechtfertigung aus Glauben, Rechtfertigung, oh oh oh. Es tut mir leid, Paulus scheint das für nötig zu befinden, jetzt am Ende dieser acht Kapitel das noch einmal aufzugreifen und den Sack zuzubinden, dass es auch wirklich sitzt.
Viele Kirchen lehren, dass die Rechtfertigung nicht ein fester Stand, ein Status sei, sondern ein loser Prozess, der von deinem religiösen Bemühen abhängt. Das heißt: Wenn wir uns nicht genügend bessern, können wir nicht gerecht vor Gott werden. Hinweg mit diesem Irrtum! Der hat die Christenheit über Jahrhunderte gequält und quält sie heute noch. Aber das soll in einer lebendigen Gemeinde, denen der Herr das Evangelium in seinem Kern offenbart hat, nicht der Fall sein.
Wir haben nicht empfangen den Geist der Furcht, sondern wir haben empfangen den Geist der Sohnschaft, durch den wir rufen können: Abba, Vater. Wir sind Kinder Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen!
Rechtfertigung als Quelle der Heiligung und des Sieges im Alltag
Es ist umgekehrt: Nicht unser frommes Leben verschafft uns die Rechtfertigung, hörst du? Nicht unser frommes Leben verschafft uns die Rechtfertigung, sondern die Rechtfertigung verschafft uns ein frommes Leben.
Noch einmal: Nicht unser frommes Leben verschafft uns die Rechtfertigung, sondern die Rechtfertigung verschafft uns ein frommes Leben.
Aus der geschenkten Gerechtigkeit Christi entspringt die Sehnsucht nach Heiligkeit. Gott hat dich erwählt und aus freien Stücken gerecht gesprochen. Das ist die Grundlage. Der Anfang liegt bei Gott: Er hat angefangen, dich gerecht zu setzen. Und daraus, dass das in dein Herz geflossen ist, dass dir das wie Martin Luther offenbar geworden ist, entspringt eine Dynamik, die der Heiligung nachjagt.
Diese Rechtfertigungslehre ist der Katalysator für ein heiliges Leben und nicht unser Bemühen und unsere Anstrengung, nicht der Buchstabe, nicht das Gesetz und nicht das Gebot, sondern diese wunderbare Gerechtigkeit Gottes, die er uns aus Gnaden durch das Kreuz geschenkt hat.
Daraus entsteht eine Lust, dem Herrn nachzufolgen, eine Lust, ihm zu gehorchen, eine Freude, seinen Willen zu tun. Und je stärker diese Gerechtigkeit in Christus in dir verankert ist, felsenfest verankert ist, desto mehr Lust hast du zur Heiligung und desto mehr Kraft hast du, deine täglichen Anfechtungen auch zu besiegen.
Dein Sieg über die täglichen Sünden kommt nicht aus deiner Anstrengung, nicht aus dem Gesetz, sondern er kommt aus dem festen Vertrauen, dass Gott dich in Jesus Christus, unabhängig von deinen geistlichen Schwankungen, für immer gerechtgesprochen hat. Daraus kommt dein Sieg. Das ist das Fundament deines Heils, die Säule unseres Glaubens.
Darum sage nie mehr: Ich habe es schon erwähnt, schon wieder die Rechtfertigung, oder schon wieder diese schwere Lehre. Sondern sage: Herr, lass diese Lehre mir in Fleisch und Blut übergehen, denn diese Lehre ist Leben, sie ist überströmendes Leben.
Darum, wenn die Anfechtung vor der Tür steht, wenn du sogar in Sünde fällst und dich wieder beschmutzt, dann sage nicht: Oh Herr, vergib mir, ich will es nie wieder tun. Herr, es ist mir wieder passiert, aber es soll nicht wieder vorkommen. Ich will mich bessern. Rede nicht so einen Quatsch, sondern sag ihm: Verzeih mir, mein Gott, diese schwere Sünde, und danke, mein Herr, dass der Stand meiner Gerechtigkeit in Christus dennoch bestehen bleibt.
Du liegst auf der Erde, Schande über dich, Beschuldigungen ohne Ende, Schuldgefühle ohne Ende. Und jetzt kommt es darauf an: Du darfst sagen: Ich bin gefallen, aber ich bleibe ein Kind Gottes. Der Herr sieht mich als sein gerechtes Kind an. Ich darf wieder aufstehen. Ich beuge mich tief, o Herr, und preise dich, dass das Geschenk deiner Gerechtigkeit mich dennoch wieder aufrichtet und dass du trotz meines neuen tiefen Falls an mir festhältst.
Das ist immer und immer wieder unsere Hoffnung. Gott hält fest an seinen Kindern, an seiner Zusage. Bete Gott an und staune, dass er dich um Jesu Willen nach wie vor als gerecht und schuldlos ansieht.
Diese unbegreifliche, unerschütterliche Liebe Gottes ist es, die dich am Ende wirklich verändert und dich zu einem gottgeweihten Leben führt, zu einem Siegesleben. Nicht das Gesetz, sondern die Liebe Gottes macht dich heilig. Sie ist es, die dich treibt und die dich drängt. Aus der Dankbarkeit für das Kreuz erwächst dir der Sieg und auch die rechte Nachfolge.
Ist das nicht entlastend? Ist das nicht tröstlich? Nicht unser Kampf, sondern sein Kampf hat uns den Sieg beschert. Halleluja!
Darum sage laut in deinem Herzen: Wer will gegen die Auserwählten Gottes Anklage erheben? Gott ist es doch, der gerecht macht. Wer will verurteilen? Christus ist es doch, der gestorben ist, ja mehr noch, der auch auferweckt ist und jetzt zur Rechten Gottes ist, der auch für uns eintritt.
Christus als Fürsprecher und die Bewahrung der Seinen
Es kommt noch ein Punkt. Wir haben erstens gehabt, dass Paulus die Auserwählung anführt, als Unmöglichkeit, uns zu beschuldigen. Zweitens führt er den stellvertretenden Tod Jesu Christi an, als Unmöglichkeit, uns zu beschuldigen. Und als Drittes führt er noch Jesus als den Hohen Priester an, der in dieser Angelegenheit für uns betet, der zur Rechten Gottes ist, der auch für uns eintritt.
Es geht dem Paulus in Römer 8, wie schon gesagt, noch einmal um die Stabilität und die Sicherheit deines Glaubens. Die römischen Christen sollen sich ihres Heils gewiss sein, und das gerade auch inmitten von Verfolgung und Bedrängnis. Deshalb schreibt er ja gleich auch: Wer will uns scheiden von der Liebe des Christus? Drangsal, Angst oder Verfolgung?
Der Apostel will seine Leser stark wissen. Er ist unerschütterlich angesichts von Fürstentümern und Gewalten, wie er sie nennt, aller Art. Er will, dass die römischen Christen stehen, mitten in den Turbulenzen ihres Lebens.
Gott will, dass du stehst, mitten in den Auf und Ab deines Seins. Gott will, dass du stehst, mitten in deinen Anfechtungen und mitten in deinem Versagen. Gott will, dass du stehst, mitten in den Brüchen deines Lebens. Gott will, dass du stehst, wenn alles durcheinanderwirbelt. Gott will, dass du stark bist, indem du ruhst auf dem Felsen seiner Zusage, gerecht geworden durch den Glauben an Jesus Christus, unseren Stellvertreter. Halleluja!
Er will, dass sie stehen, dass sie sicher sind. Nichts und niemand kann uns verklagen, Gott selbst hat uns gerecht gemacht.
Wir lesen in Johannes 17,9. Da sagt Jesus im hohepriesterlichen Gebet: Ich bitte für sie. Das ist hochinteressant, wieder einmal. Nicht für die Welt bitte ich. Auch das ist eine Aussage, die viele Menschen durcheinanderbringt. Jesus betet nicht für die Welt. Er sagt: Ich bitte für sie, nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, welche du mir gegeben hast, für meine Kinder, weil sie dein sind. Er betet für seine Auserwählten.
Und was betet der Heiland? Vers 15: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie bewahrst vor dem Bösen. Hier ist die Sicherheit die dritte Säule. Der Heiland betet zum Vater um Bewahrung der Seinen.
Das Beispiel des Petrus und die unfehlbare Wirksamkeit des Gebets Jesu
Frage an euch: Wird der Vater ihn erhören, wenn Jesus für dich bittet? Wer glaubt, dass Jesus für dich betet? Heb mal deine Hand. Ja, ja, komm so hin. Wenn Jesus für dich betet, dass du nicht verloren gehen sollst, meinst du dann, dass der Vater Jesu Gebet für dich erhört?
Jetzt melde dich nochmal und sag: Ja, Jesus hat ja gesagt, vor dem Grabe des Lazarus: Vater, ich weiß, dass du mich alle Zeit erhörst. Wenn der Vater Jesu Gebet nicht erhört, wessen Gebet denn dann? Dann können wir aufhören zu beten, wenn der Vater Jesu Gebet nicht erhört. Aber Jesus ist sich klar: Ich weiß, dass du mich alle Zeit erhörst.
Und wenn Jesus für die, die der Vater ihm gegeben hat, ein anderer Ausdruck für die Auserwählten, betet, dann werden sie auch in ihrem Kampf gegen das Böse am Ende bewahrt werden. Und sie werden es überwinden. Denken wir an Petrus, der sich aus der Hand Gottes reißen wollte, aber er schaffte es nicht.
Dieser Jünger hatte nicht nur dreimal seinen Herrn verleugnet, sondern er hatte ihm auch dreimal abgesagt. Man muss sich das mal vorstellen, liebe Gemeinde: Beim ersten Mal hat Petrus gelogen, beim zweiten Mal sagte er sich unter Eid von Christus ab. Und beim dritten Mal verfluchte er sich sogar. Da würden wir doch sagen, der hat sich bewusst von Jesus losgesagt. Hat er das? Ja, hat er. Geflucht hat er, gelogen hat er, und einen Falscheid hat er geschworen.
Wenn jemand durch Schwören oder Fluchen anzeigt, dass er nichts mit Christus zu tun hat und auch nichts mit ihm zu tun haben will, hat er sich dann nicht bewusst und mutwillig aus der Hand Gottes gerissen? Ganz gewiss. Aber im Voraus hatte der Meister schon zu seinem Jünger gesagt: Simon, Simon, der Satan hat begehrt, dich zu sieben wie den Weizen. Hier kommt es wieder: Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhört.
Da war das Sicherheitsnetz. Halleluja, das ist das Fundament. Jesus steht auf unserer Seite. Der Vers davor hieß: Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein? Und was wurde aus Petrus, als der Hahn krähte? Er weinte bitterlich, ihr kennt die Geschichte.
Später trifft er Jesus wieder. Er fragt ihn: Simon, Jonas, hast du mich lieb? Und Jesus nimmt ihn wieder auf. Er sagt: Herr, du weißt doch, ich kann gar nicht anders. Denn seine Gotteskindschaft war tief in seiner Seele verwurzelt. Und Jesus hat seinen Schutzschirm über diesen seinen Jüngern gespannt. Er hat gesagt: Ich bitte, dass du sie, die du mir gegeben hast, vor dem Bösen bewahrst. Und Petrus wurde wieder zurechtgebracht.
Wenn Jesus für seine Kinder betet, dass ihr Glaube nicht aufhört, wird ihr Glaube auch nicht aufhören. Er mag unterbrochen werden, er mag in eine schwere Krise kommen, aber der Glaube wird schließlich nicht aufhören, denn das Gebet unseres Herrn verfehlt sein Ziel nicht.
Spurgeon hat einmal gesagt, und damit komme ich zum Schluss: Uns werden nicht feurige Rosse und Wagen zum Himmel bringen, sondern uns tragen die Gebete des Herrn nach Hause. Gefällt euch das? Nicht Rosse und Wagen, sondern die Gebete unseres Herrn sind die Flügel, mit denen wir zum Himmel fliegen. Halleluja!
Wir freuen uns darüber, denn Christus ist eingegangen in den Himmel selbst, um jetzt für uns vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen. Daher kann er auch diejenigen vollkommen retten, die durch ihn zu Gott kommen, weil er für immer lebt und für sie eintritt.
Schlussappell an Glaubende und Nichtglaubende
Was ist das für ein Evangelium! Also: Gottes Wahrheit heißt, aus Glauben für immer gerecht gemacht zu sein. Daran ist nichts zu rütteln, wie gut oder wie schlecht deine Tage sind.
Dein Heil ist sicher. Damit du aber dennoch nicht ins Wanken gerätst, darum betet Jesus Tag und Nacht für dich. Er hat dich gesehen, wie du wieder versagt hast, aber sein Herz verurteilt und verdammt dich nicht. Denn du bist ein geliebtes und gerecht gemachtes Kind des himmlischen Vaters.
Halleluja, es bleibt dabei. Gelobt sei der Name des Herrn.
Ja, vielleicht noch kurz ein Wort auch an Menschen, die wir jetzt gar nicht erwähnt haben, die jetzt noch nicht im Glauben sind: Du musst dir natürlich darüber im Klaren sein, ganz kurz noch, du musst dir darüber im Klaren sein, wenn du nicht in Christus bist und im Evangelium lebst, in der Gemeinschaft mit Jesus, deinem Erlöser und deinem Stellvertreter, aus der Vergebung deiner Sünden, aus der Rechtfertigung, die in Christus einem Menschen geschenkt wird, wenn du das nicht hast, wenn du nicht die Gerechtigkeit Christi in deinem Leben hast, dann wirst du angeklagt.
Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Christus ist hier der Auferstandene, aber für dich gilt: Christus ist eben nicht da, wenn du Jesus nicht hast. Dann bleibt die Anklage.
Mein lieber Freund, in der Haut eines solchen Menschen möchte ich niemals stecken, wenn der volle Zorn Gottes, der gerechte Zorn Gottes, uns verdammt und wir ins ewige Verderben gehen, die gerechte Strafe empfangen, die wir verdient und verursacht haben.
Deshalb lass dich heute schockieren, am Ende dieses Gottesdienstes. Flieh zu Jesus. Flieh zum Kreuz von Golgatha und ruf ihn an und sag: Mein Gott, erlöse auch meine Seele von meinem Verderben. Komm in mein Leben.
Und Jesus wird kommen. Jesus wird dich erretten von Ewigkeit her. Also: Nur in Jesus Christus sind wir vor Gott gerecht, sind bewahrt und auf immer gerettet.
Freue dich. Lebe mit Jesus. Lass ihn dein Leben sein, deine Freude, deine Lust, deine Zuversicht. Halleluja. Und immer noch einmal: Amen und Amen.
Stehen wir auf miteinander.
Gebet für die Gemeinde und für Suchende
Herr Jesus, ich möchte dich herzlich bitten: Fangen wir noch einmal kurz bei denen an, die noch nicht bei dir sind, Herr. Bitte bewege ihre Herzen durch deinen Heiligen Geist, durch das, was sie gehört haben, damit sie unter den Schutzschirm des Kreuzes kommen, unter die Bewahrung der Gnade. Dass sie nicht verdammt und verurteilt werden, obwohl sie zu Recht angeklagt sind. Bekehre du heute Morgen verlorene Seelen!
Und ich möchte auch im Zweiten, ja, liebe Gemeinde, dass wir gemeinsam für die lieben Menschen unter uns beten, die bezüglich ihres Glaubens und der Gewissheit ihres Heils nicht zur Ruhe kommen, die auch in Schwermut versinken, die sich nicht aufraffen können, Gott zu vertrauen. Lass uns für sie beten, die auch von den Schlägen des Lebens völlig durcheinander sind, die nichts verstehen und tausend Fragen an Gott haben.
Herr, wir beten für die Niedergeschlagenen, für die Zweifelnden. Herr, ich bete, dass sie heute besonders geöffnete Augen empfangen und sagen: Ja, mir kann ja nichts widerfahren, mir kann nichts geschehen, was immer auch war und was immer auch kommt und immer auch sein wird. Ich gehöre Jesus, ich bin sein Eigentum.
Steh auf dem Boden der geschenkten Gerechtigkeit in Jesus Christus, und ich darf mich erheben und fröhlich sein und mich freuen in dem Heil meines Gottes. Vater, in Jesu Namen bitten wir das für unsere Schwestern und Brüder und unsere Freunde.

