Einführung und Thema der Predigt
Guten Morgen allerseits! Ich freue mich, heute bei euch sein zu dürfen und euch von der Auferstehung zu erzählen.
Übrigens: Vorne gibt es noch Plätze, ihr müsst nicht hinten stehen. Dort sind nur zehn oder zwanzig Plätze frei, also fühlt euch frei, euch hinzusetzen.
Ich heiße Hans-Peter und komme aus Österreich. Die meisten kennen mich, aber für diejenigen, die mich noch nicht getroffen haben, stelle ich mich gerne vor.
Der Predigttext für heute ist Matthäus 28, den wir gerade gehört haben. Es geht um die Auferstehung Jesu Christi und darum, wie man von der Macht Gottes überrascht ist.
Im Römerbrief Kapitel 4 beschreibt Paulus die Macht Gottes so: Abraham glaubte an den Gott, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende ruft, als wenn es schon da wäre. Diese zwei Aussagen fassen die Macht Gottes zusammen.
Er schafft alles aus dem Nichts, und er erweckt die Toten zum Leben. Das sind die Grundlagen unseres Glaubens: Gott ist der Schöpfer und derjenige, der den Tod besiegt hat.
Vor zwei Jahren, als ich hier war, hatte ich denselben Bibeltext – verständlicherweise am Ostersonntag – und habe damals über die Einzigartigkeit der Auferstehung Jesu gesprochen.
Heute Morgen möchte ich mich darauf konzentrieren, was seine Auferstehung mit mir persönlich zu tun hat. Die Antwort ist ziemlich viel: Weil er auferstanden ist, werden auch wir auferstehen.
Die Bedeutung der Auferstehung für den Gläubigen
Das, was mit Jesus in Tod und Auferstehung geschah, geschieht auch mit uns im Tod und in der Auferstehung, weil Jesus sich mit uns identifiziert hat. Darum ist er unser Retter: Er hat unseren Tod erlebt und ist für uns auferstanden.
Wir werden alle mehr oder weniger mit dem Tod konfrontiert, auch während unseres Lebens. Die Frage, was mit einem Menschen geschieht, wenn er gestorben ist, ist nicht nur philosophisch. Wenn ein nahestehender Mensch stirbt, wird diese Frage existenziell.
Ich besuche auch immer mehr Begräbnisse – das ist eine Alterserscheinung. Je älter man wird, desto mehr Begräbnissen nimmt man teil. Dabei fragt man sich: Was erwartet diesen Menschen nach dem Tod? Wo ist er? Ist er in der Grube und damit ist alles aus? Oder geht es weiter? Wenn es weitergeht, wie?
Was sagt die Bibel dazu? Die Bibel ist die Grundlage unseres Glaubens. Ein Kapitel darin, und zwar im 1. Korinther 15, gibt uns sehr gute Auskunft darüber, was mit uns in der Sekunde geschieht, wenn wir sterben.
Der Grund, warum wir ein ganzes Kapitel darüber haben, ist folgender: In Korinth gab es, Gott sei Dank, einige Christen, die nicht an die Auferstehung glaubten. Weil sie nicht daran glaubten, hat Paulus ein ganzes Kapitel darüber geschrieben. Die Probleme von damals sind also heute unsere Lösung – was ja nicht schlecht ist.
Die Auferstehung im ersten Korintherbrief
Wir lesen im ersten Korinther 15,12, dass Paulus sagt: „Wie sagen einige von euch, dass es keine Auferstehung der Toten gebe?“
Dann erklärt Paulus, warum es die Auferstehung gibt. Einige hatten nicht daran geglaubt. Die Korinther glaubten bereits daran, dass der Mensch in der Erinnerung weiterlebt. Das ist eine Vorstellung, die viele teilen. Auch heute lesen wir auf Todesanzeigen oft Sätze wie: „In unserer Erinnerung lebst du ewig weiter“ und Ähnliches.
Was die Korinther jedoch nicht glauben konnten, war, dass ein Christ, der stirbt, mit seinem Leib auferstehen wird. Das war die entscheidende Frage. Paulus beginnt seine Erklärung im ersten Korinther 15 mit Jesus. Er sagt:
„Ich tue euch aber, Brüder, das Evangelium kund, denn ich habe euch vor allem überliefert, was ich auch empfangen habe: dass Christus für unsere Sünden gestorben ist nach den Schriften, dass er begraben wurde und dass er auferweckt worden ist am dritten Tag nach den Schriften und dass er Käfers erschienen ist, dann den Zwölfen und dann noch 500 anderen.“
Vier Punkte, ein vielfältiges Zeugnis, wahrscheinlich das älteste Glaubensbekenntnis, das wir haben: Das Evangelium besagt, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist, dass er begraben wurde, dass er am dritten Tag auferstanden ist und dass er lebt und von hunderten Menschen gesehen wurde. Das ist das Bekenntnis der ersten Christen.
Übrigens: Jeder Mensch, der glaubt, dass Jesus für meine Sünden gestorben, begraben, auferstanden ist und heute lebt, ist mein Bruder und meine Schwester. Alles andere ist Peripherie, alles andere ist Nebensache. Das ist das Evangelium, an das Christen glauben.
Das ist für uns von großer Bedeutung, denn das, was an Christus geschehen ist, geschieht auch an uns. Im Römerbrief 6 sagt der Apostel Paulus, dass wir mit ihm begraben worden sind und so auch mit Christus auferweckt werden, um in der Neuheit des Lebens zu wandeln.
Im ersten Johannesbrief 3,2 sagt der Apostel Johannes: „Wir wissen aber, dass wir ihm gleich sein werden.“ Das heißt: Was für Jesus gilt, gilt auch für uns. Und das ist das Evangelium.
Die Natur des Auferstehungsleibes
Jetzt stellt sich die Frage: Was ist bei der Auferstehung Jesu aus dem Grab geschehen?
Ein Missverständnis, das ich lange selbst nicht verstanden habe, wird erst nach Jahren des Bibellesens und -studiums klar. Dieses Missverständnis besteht darin zu glauben, dass Jesus in seinem alten Leib rückauferstanden ist, so wie Lazarus. Das ist jedoch nicht korrekt und wird im Neuen Testament nicht so dargestellt.
Jesus ist nicht in seinem alten Leib auferweckt worden, sondern er wurde aus seinem alten Leib verwandelt in den Auferstehungsleib. Das ist wichtig: Leibliche Auferstehung bedeutet bei Jesus nicht, dass er in seinem alten Leib in den Himmel gefahren ist, sondern dass sein Vater ihn verwandelt hat in eine neue, himmlische Leiblichkeit.
Genau das versucht der Apostel Paulus zu erklären. Ich lese euch dazu aus 1. Korinther 15,35 vor:
„Es wird aber jemand sagen: Wie werden die Toten auferweckt, und mit was für einem Leib kommen sie? Du Tor! Was du säst, wird nicht lebendig, es sterbe denn. Und was du säst, du säst nicht den Leib, der werden soll, sondern ein nacktes Korn, es sei vom Weizen oder von einem anderen Samenkorn.“
Weiter heißt es in Vers 40:
„Und es gibt einen himmlischen Leib, und es gibt einen irdischen Leib. Aber anders ist der Glanz des himmlischen Leibes und anders der des irdischen. Ein anderer der Glanz der Sonne, ein anderer der Glanz des Mondes, ein anderer der Glanz der Sterne; denn es unterscheidet sich Stern von Stern an Glanz.“
Im Vers 49 sagt Paulus dann noch:
„Und wie wir das Bild des irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des himmlischen tragen.“
Was sagt Paulus hier? Er erklärt, dass es bereits in diesem Leben viele verschiedene Leiber gibt. Ein Säugetier hat eine andere Erscheinung als ein Fisch, die Sonne hat ein anderes Licht als die Sterne. So wird auch unser himmlischer Leib anders sein als der irdische Leib.
So wie unser irdischer Leib geschaffen ist, um in dieser Welt zu bestehen, wird der himmlische Leib optimal gemacht sein, um in der himmlischen Dimension zu bestehen. Es wird andere Dimensionen geben.
Jesus nimmt das Beispiel vom Weizenkorn. Er sagt, es wird ein Weizenkorn gesät, aber du erntest nicht einfach das Korn, sondern du erntest Ehre. Nun stellt sich die Frage: Ist die Ehre das Weizenkorn? Die Antwort ist Ja und Nein. Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem, was gesät wird, und dem, was geerntet wird. Doch der geerntete Leib ist ein anderer. So versucht Paulus es zu erklären.
Die Persönlichkeit bleibt auch im himmlischen Leib erhalten, aber der Leib ist ein anderer, ein neuer – so wie der Auferstehungsleib Jesu.
Jesus war auch nach seiner Auferstehung derselbe, aber er war anders. Zum Beispiel in Lukas 24: Jesus brach Brot mit den zwei Emmaus-Jüngern, verschwand dann aber einfach vor ihren Augen. Er musste nicht durch eine Tür hinausgehen.
Auch bei den Jüngern musste er nicht an die Tür klopfen, er stand einfach da.
Deshalb musste übrigens der Grabstein Jesu nicht weggerollt werden, damit Jesus hinausgehen konnte. Der Grabstein wurde weggerollt, damit wir hineingehen können und sehen, dass das Grab leer ist.
Jesus hat den Grabstein nicht weggerollt gebraucht, denn er wurde ja in einen Auferstehungsleib verwandelt.
Die Dimensionen des Auferstehungsleibes
Ich versuche es oft so zu erklären: Als Jesus einfach verschwunden ist, hatte er eine Fähigkeit, die wir auf dieser Erde nicht besitzen. Das hängt mit unseren Dimensionen zusammen. Wir leben in einer dreidimensionalen Welt. Uns sind Länge, Breite und Höhe bewusst.
Dann gibt es noch die Zeit. Das ist eigentlich eine vierte Dimension, allerdings nur eine halbe, weil du die Zeit nur in eine Richtung erleben kannst. Du kannst nicht in die Vergangenheit zurückgehen und dich nicht an die Zukunft erinnern. Das heißt, wir leben eigentlich in einer dreieinhalbdimensionalen Welt. Falls sich jemand an die Zukunft erinnert, soll er zu mir kommen, ich bete für ihn.
Das Problem ist nun: Wir können uns niemals mehr als drei Dimensionen vorstellen. Es gibt mehr als drei Dimensionen, das wissen Mathematiker. Sie können in mehr als drei Dimensionen rechnen, aber wir können sie uns nicht vorstellen. Was wir uns jedoch vorstellen können, sind weniger Dimensionen. Das funktioniert.
Nehmen wir an, wir leben in einer zweidimensionalen Welt. Das ist jetzt Herr Flach und das ist Frau Flach. Dort gibt es keine Höhe. In einer zweidimensionalen Welt, wenn Herr Flach Frau Flach ansieht, was sieht er? Eigentlich gar nichts, denn ein Strich hat bereits eine Höhe. Aber zum besseren Verständnis nehmen wir an, Herr Flach sieht Frau Flach als einen ganz schmalen Strich. Keine Figurprobleme, höchstens die Länge des Strichs ist entscheidend.
Herr Flach sieht Frau Flach an, und so leben sie. Sie küssen sich, haben Kinder. Wenn Herr Flach die Kinder sehen will, muss er um Frau Flach herumgehen. Dann sieht er den Strich seines ersten Kindes, dann den des zweiten und so weiter. So leben sie in ihrer zweidimensionalen Welt. Es ist nicht so schwierig, sich das vorzustellen.
Jetzt stellt euch vor, Herr Flach hätte aus irgendeinem Grund die Fähigkeit, in die dritte Dimension einzutreten. Er hätte dann eine Höhe. Herr Flach steht jetzt oben und sagt zu Frau Flach: „Liebe Frau, du kannst dir gar nicht vorstellen, da hinten sind riesige Berge.“ Frau Flach antwortet: „Mein Mann ist durchgeknallt, es gibt keine Berge. In einer zweidimensionalen Welt gibt es keine Berge.“
Herr Flach sagt: „Doch, da gibt es Bäume, die sind dreißig Meter hoch.“ Frau Flach entgegnet: „Nein, mein Mann, jetzt muss er ins Irrenhaus.“ Herr Flach kann trotzdem zu seiner Frau gehen, sie küssen und alles Mögliche tun. Er hat aber eine Dimension mehr als sie.
Jetzt habe ich eine Frage: Wer von den beiden erlebt mehr Realität? Herr Flach, der jetzt nicht mehr flach ist, oder Frau Flach? Natürlich Herr Flach, denn er hat eine Dimension mehr zur Verfügung als seine Frau.
Als Jesus auferstanden ist, hatte er mehr Dimensionen zur Verfügung. Darum musste er nicht mehr durch die Tür hineingehen, er war einfach da. Trotzdem hat er Fisch gegessen, so wie ein normaler Mensch. Das heißt, der Auferstehungsleib hat eine Kontinuität, ist aber doch anders. Er hat mehr Dimensionen.
Unser Auferstehungsleib wird so sein wie der von Jesus. Wir sind nicht mehr an Materie gebunden, sondern bekommen einen neuen Leib.
Die Bedeutung der leiblichen Auferstehung für die Beziehung
Jetzt stellt sich die Frage: Warum ist es so wichtig, dass die Auferstehung leiblich ist? Warum genügt es nicht, sich einfach an die Verstorbenen zu erinnern, wie wir so oft und schön sagen?
Die Antwort ist ganz einfach: Weil man nur im Leib tatsächlich und wirklich in Beziehungen leben kann. Wirklich in Beziehungen zu leben, ist nur möglich, wenn ich persönlich ansprechbar bin und handeln kann.
Der Unterschied ist leicht nachvollziehbar. Ich habe drei Kinder. Die mittlere, das ist die Lisa, sie ist jetzt zwanzig und hatte gestern Geburtstag. Momentan ist sie schwer verliebt. Sie hat einen Freund, den Stefan, ein ganz netter Kerl. Ich hoffe, er bleibt bei ihr. Es ist auch gut, wenn die Kinder mal aus dem Haus sind, dann ist wieder Leben hier.
Unter der Woche sind beide in der Schule: Sie lernt Krankenschwester, er studiert gerade Medizin. Während der Woche denken sie aneinander und sind gedanklich verbunden. Interessanterweise wollen sie sich an den Wochenenden immer treffen. Hier hat Lisa gesagt: „Warum willst du ihn schon wieder treffen? Es genügt doch, wenn du an ihn denkst. Dann seid ihr gedanklich beieinander und verbunden, das ist doch völlig ausreichend!“
Natürlich reicht das nicht. Warum nicht? Weil Liebende leibhaftig beisammen sein wollen. Der Unterschied ist vollkommen klar.
Warum wird Jesus uns leibhaftig auferwecken? Aus einem ganz einfachen Grund: Weil er uns liebt. Er will sich nicht nur an uns erinnern, so schön die Bläser hier auch gesungen haben, sondern er will mit dir Kaffee trinken in Ewigkeit. Er will dich ansehen, er will dich berühren. Darum ist die Auferstehung leibhaftig.
Und darum heißt es in Offenbarung 21, eines meiner Lieblingskapitel, von denen es inzwischen viele gibt: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen. Und ich sah das heilige Jerusalem, die neue Stadt, aus dem Himmel herabkommen von Gott, bereitet wie eine Braut, die für ihren Mann geschmückt ist. Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein.“
Wisst ihr, was Gott will? Er will ewig mit dir zelten, weil er dich liebt. Darum die leibliche Auferstehung.
Die Erfahrung des Todes und die Hoffnung auf das Leben bei Christus
Nun stellt sich die Frage: Was geschieht im Augenblick deines und meines Todes? Ich bin jetzt fünfzig Jahre alt und dem Tag meines Todes bereits wesentlich näher als dem Tag meiner Geburt. Deshalb denkt man öfter darüber nach.
Im Philipperbrief 1 sagt der Apostel Paulus etwas sehr Eindringliches. Dieser Vers war meine Jahreslosung für das letzte Jahr, und ich habe ihn mir oft durchdacht. Paulus schreibt in Philipper 1,21: "Mein Leben ist Christus, und Sterben ist mein Gewinn." Sterben ist für einen Christen nicht nur akzeptabel, sondern ein Gewinn.
Darum sagt Paulus im Philipper 3: "Ich jage auf das Ziel zu, den Siegespreis zu erlangen, nicht den Trostpreis." Es ist der Siegespreis, den wir erlangen, wenn wir bei Jesus sind. Das ist unser Gewinn.
Ich hatte vor Kurzem zwei Skitourenwochen, die ich immer sehr gerne mache. Auf einer Skitour waren wir auf einer Hütte am Gletscher. Einer der Teilnehmer, den ich gut kenne, war ziemlich erschöpft, eigentlich völlig fertig. Ich habe noch ein paar Worte über Lawinengefahr gesagt, und dann meinte er: "Nein, ich komme da nie mehr runter, ich bin total fertig, ich schaffe das nicht mehr."
Daraufhin sagte ich: "Weißt du was? Das Schlimmste, was dir heute passieren kann, ist, dass du stirbst – und damit hast du gewonnen." Das fand er nicht besonders witzig, obwohl wir darüber lachten. Aber die Sache ist: Es stimmt! Allerdings glauben die meisten Christen heute nicht mehr daran, dass es wahr ist. Sterben ist ein Gewinn.
Natürlich ist es für diejenigen, die zurückbleiben, ein Verlust. Für die Hinterbliebenen ist es schwer, aber für den, der stirbt, nicht.
Warum war Paulus das Sterben ein Gewinn? War er lebensmüde? Wollte er als Märtyrer dem Leben entfliehen? Ich glaube nicht. Denn Paulus sagt im Philipperbrief: "Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christus zu sein."
Warum sieht Paulus das Sterben als Gewinn? Weil er dann Jesus sieht, so wie er wirklich ist. Weil er dann bei Christus ist. Das ist der Grund – nicht, weil wir lebensmüde sind oder weil uns diese Welt nichts mehr gibt. Das wäre Fatalismus und falsch.
Sondern weil ich weiß, bei wem ich dann bin. Darum ist es mein Gewinn.
Manche Christen glauben aufgrund von 1. Thessalonicher 4, dass wir nach dem Sterben in eine Art Schlafzustand verfallen und erst später am Jüngsten Tag auferweckt werden. Aber das war nicht das Verständnis von Paulus.
Hätte Paulus geglaubt, dass er nach dem Sterben schlafen wird, dann hätte er, weil er zu den Philippern gesagt hat, er wisse nicht, was er wählen soll – einerseits bei ihnen zu bleiben, was besser für sie wäre, andererseits abzuschieden und bei Jesus zu sein, was für ihn besser wäre –, gesagt: "Ich bleibe auf jeden Fall bei euch, denn das ist auf jeden Fall besser."
Er wusste jedoch, dass er im Augenblick seines Todes bei Jesus ist. Hans Joachim Eckstein bringt das mit einem prägnanten Satz auf den Punkt: Christen sterben zwar, aber sie sind keine Sekunde tot. Sie sind sofort bei Christus.
Jesu Gegenwart im Augenblick des Todes
Wo war Jesus im Augenblick seines Todes? Erinnert euch daran, was Jesus dem einsichtigen Schächer am Kreuz gesagt hat. Er sagte: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Nicht erst in drei Tagen nach seiner leiblichen Auferstehung, nicht in vierzig Tagen bei der Himmelfahrt und auch nicht erst am Jüngsten Tag, sondern heute, am Karfreitag, wird der Schächer mit Jesus im Paradies sein.
Wie kann das sein? Ich dachte immer, Jesus stirbt am Freitag, am Samstag ist er ganz tot, und am Ostersonntag ist er auferstanden. Das ist so nicht korrekt. Denn der letzte Satz Jesu, bevor er sein Haupt neigte und starb, war: „In deine Hände, Gott, befehle ich meinen Geist.“ Jesus gab sich als Person in die Hände seines Vaters in der Sekunde seines Todes.
Jesus als Person war nicht im Grab; er war sofort beim Vater. Und der Schächer war bei ihm. Was im Grab lag, war nur der Leib Jesu, aber nicht seine Person. Der Apostel Lukas beschreibt das ganz explizit mindestens dreimal. Du kannst es nachlesen in Lukas 23 und 24. Der Leib Jesu wurde abgenommen und ins Grab gelegt. Die Frauen suchten den Leib Jesu, aber nicht Jesus.
Lukas unterscheidet klar und sagt: Nach unserem Geist, nach unserer Person sind wir im Augenblick des Sterbens in der himmlischen Gemeinschaft mit Christus. Nach unserem Leib warten wir auf die Auferstehung. Darum brauchen wir mancherorts eine neue Beerdigungsverkündigung und auch eine neue Seelsorge.
Im Sterben ist es ganz wichtig, dass wir mit den Weinenden weinen und mit den Trauernden trauern. Christen haben keinen Triumphalismus, als ob sie sagen würden: „Oh, der ist gestorben, super!“ Das wäre Gemeinheit. Stattdessen trauern wir mit den Trauernden und weinen mit den Weinenden. Aber am Friedhof zu sagen: „Hier hat er die letzte Ruhe gefunden“, ist nicht korrekt.
Wo war der arme Lazarus im Augenblick seines Todes? Er war augenblicklich in Abrahams Schoß. Gerechte sterben zwar auch, aber sie sind nie mehr tot; sie sind hellwach.
Umgang mit dem Körper nach dem Tod
Ein letztes noch: Ich bekomme manchmal E-Mails und Fragen darüber, ob es richtig oder falsch ist, den verstorbenen Leib einzuäschern. Oft wird gefragt, ob das unchristlich oder unbiblisch sei.
Die Antwort darauf lautet: Weil wir nicht in unserem alten Leib auferstehen, sondern aus dem alten Leib einen neuen bekommen, spielt der äußere Zustand dieses Leibes keine Rolle. Ob der Körper verbrannt wird oder im Grab zu Staub zerfällt, ist völlig irrelevant.
Auch wenn jemand als Märtyrer zersägt und im Feuer verbrannt wurde, ist das für die Auferstehung ohne Bedeutung. In der Christenverfolgung wurden zu bestimmten Zeiten die Leiber der Christen verstümmelt und verbrannt, in der Hoffnung, dass sie dann nicht mehr auferstehen könnten.
Doch diese Vorstellung ist naiv, denn wir stehen nicht im alten Leib auf. Stattdessen erhalten wir einen neuen, himmlischen Leib.
Zusammenfassung und Gebet
Und darum als Zusammenfassung: Jesus ist unser Vorbild – im Sterben und in der Auferstehung.
Das, was an Jesus geschehen ist, geschieht auch an uns, weil er sich mit uns identifiziert hat. Auferstehung bedeutet deshalb nicht nur, dass wir geistlich im Gedanken auferstehen werden, sondern dass wir einen himmlischen Leib erhalten – eine leibhaftige Auferstehung, weil Gott uns liebt.
Im Augenblick des Todes sind wir in der Christusgemeinschaft. Wir werden Jesus sehen, wie Johannes es sagt, so wie er wirklich ist. Darauf dürfen wir uns freuen – das ist unser Gewinn.
Unseren neuen Leib erhalten wir am Jüngsten Tag, wenn Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen wird.
Jesus ist für uns am Kreuz gestorben, aber er war keine Sekunde tot. Christen sterben auch, doch wir sind keine Sekunde tot. Das ist die Hoffnung der Auferstehung, so wie Christus sie uns gegeben hat – in ihm selbst.
Ich bete: Lieber Vater, es ist ein großes Vorrecht, an deiner Auferstehung teilhaben zu dürfen – der Auferstehung deines Sohnes, Herr. Ich danke dir, dass du dich mit uns identifiziert hast, dass du für unsere Sünden gestorben bist, dass du begraben wurdest, dass dein Leib im Grab lag und dass du am dritten Tag leiblich auferstanden bist und heute lebst.
Und weil du lebst, Herr Jesus, können auch wir heute mit dir leben.
Wir feiern nicht einen Helden, der vor zweitausend Jahren sein Leben gegeben hat. Wir feiern jemanden, der heute in unserer Mitte ist, der hier lebt und in uns leben möchte. Er möchte uns erneuern und uns eine Hoffnung geben, wie nur du sie geben kannst.
Danke, Herr Jesus, für diesen Ostermorgen, für die Hoffnung, die wir in und durch dich bekommen haben. Wir danken dir im Namen unseres Herrn und Heilandes, Jesu Christi.
