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Gottes Weihnachtsvorbereitungen

22.12.1963Matthäus 1,19-21

Gnade sei mit uns und Friede von dem, der da ist, der da war und der da kommt. Amen.

Ich lese ein Wort aus dem ersten Kapitel des Matthäusevangeliums: „Und siehe, es erschien dem Joseph ein Engel des Herrn im Traum.“ Das heißt, er erschien wirklich, er hat nicht geträumt. Ein Engel des Herrn erschien im Traum und sprach zu Joseph: „Du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Gemahlin, zu dir zu nehmen. Denn das, was in ihr geboren ist, das ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, und seinen Namen sollst du Jesus nennen. Denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden.“

Herr, lass dein Wort nicht leer an uns zurückkommen. Lass es an uns ausrichten, wozu du es uns gegeben hast. Amen!

Weihnachten inmitten menschlicher Vorbereitungen und göttlicher Beteiligung

Also, jetzt am vierten Advent laufen alle Weihnachtsvorbereitungen auf Hochtouren. Gestern erzählte mir ein junger Vater, dass seine kleine Tochter von morgens bis abends quer durch den blühenden Garten der Weihnachtslieder singt – von „Leiser rieselt der Schnee“ bis „Gelobet seist du, Jesu Christ“.

Da musste ich daran denken, wie es war, als meine Kinder noch klein waren. Mein Junge schenkte mir einmal zu Weihnachten ein Modell der Alpen, das er selbst aus Gips hergestellt hatte. Die Gipsberge waren unten grün bemalt, oben weiß. Es gab kein Zimmer, das nicht Spuren von Gips hatte. Es war unmöglich, diese Weihnachtsvorbereitung zu übersehen. Und gerade das ist das Schöne daran, nicht wahr? Dass alles voll ist mit Vorfreude und Weihnachtsvorbereitungen.

Ich wünsche Ihnen, dass es bei Ihnen auch so ist: Singen und Klingen um uns und in unseren Herzen. Aber sehen Sie, es ist so ungeheuerlich, dass unser Text sagt, der große Gott beteiligt sich jetzt auch an den Weihnachtsvorbereitungen. Nicht nur die Kinder, die Häuser, die Papas und Omas – das ist alles in Ordnung –, sondern dass Gott selbst anfängt mit den Weihnachtsvorbereitungen.

Gott ist ja so groß! Salomo, der König, sagt von ihm: „Himmel und Himmel der Himmel können dich nicht fassen. Er spricht, und die Welten entstehen. Er nimmt seinen Odem weg, und sie sinken ins Nichts.“ (1. Könige 8,27-29)

Und dieser große Gott – ich brauche ein biblisches Wort – vor dem Menschen sind wie Heuschrecken, vor dem die Völker sind wie ein Tropfen, der am Spüleimer bleibt (Jesaja 40,15) – dieser große Gott neigt sich herunter zu den Menschenkindern dieser kümmerlichen Erde und beteiligt sich freudig an den Weihnachtsvorbereitungen.

Das ist überwältigend. Das muss man ansehen.

Gottes Geschenk und die ungewöhnlichen Umstände seiner Vorbereitung

Wir überschreiben den Text mit der Predigt Gottes Weihnachtsvorbereitungen. Ich lese sie noch einmal:

Und es erschien ein Engel des Herrn dem Joseph im Traum und sprach: „Joseph, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, dein Gemahl, zu dir zu nehmen. Denn das, was in ihr geboren ist, das ist vom Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, dessen Namen du Jesus nennen sollst. Denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden.“

Hier ist von Gottes Weihnachtsvorbereitung die Rede. Wie üblich haben wir drei Teile. Erstens: Gott bereitet sein Geschenk vor.

Ja, es ist eine seltsame Geschichte, die geradezu zwielichtig beginnt, sodass man sich zehnmal überlegt, ob man sie im Jugendgottesdienst bespricht. Da ist der junge Mann namens Joseph. Bitte, ein junger Mann! Wer sagt denn, dass der schon eine Glatze hat und zusätzlich einen Vollbart wie auf den Bildern dargestellt? Er war ein junger Mann, der auf Feiersfüßen ging, ein schlichter, sehr einfacher Mann, Handwerker in einem übel beleumundeten Städtchen im Norden von Galiläa, in Nazareth.

Aber immerhin stammte dieser Joseph durch viele Generationen vom König David ab. Man sagte in Israel: „Du Sohn Davids.“ Tatsächlich lagen viele Generationen dazwischen. Joseph war verlobt mit einem Mädchen namens Maria, die auf einer anderen Linie ebenfalls vom König David abstammte. Wir würden heute sagen: verarmter Adel.

Und dann passiert es: Joseph erfährt, dass seine Braut ein Kind erwartet. Das ist ein furchtbarer Schock für ihn. Er hielt sie für ein reines und unberührtes Mädchen. Eine neue Welt stürzt ihm zusammen. Was soll er tun? Er ist eine stille Seele und macht keinen Skandal, sondern will sich heimlich davonmachen und Arbeit in einer anderen Stadt suchen.

Joseph gedachte, Maria heimlich zu verlassen. Meine Freunde, und nun kommt das, was die Vernunft nie begreifen wird, was Weltmenschen sofort und überlegen in die Welt der Legenden und Märchen verweist – und was ich doch von Herzen glaube, so dass meine ganze Seligkeit daran hängt: Wie Joseph sich davonmachen will, in aller Stille.

Daher kommt der Bote Gottes zu ihm. Gott hat Boten. Wenn Sie noch nichts davon gemerkt haben, beweist das nicht das Gegenteil. Es erscheint ihm ein Engel Gottes und sagt: „Joseph, fürchte dich nicht! Maria hat sich nicht mit einem fremden Mann eingelassen, sondern das Kind, das unter ihrem Herzen heranwächst, ist vom Heiligen Geist.“ Jungfrauengeburt.

Meine Freunde, das ist das Stichwort, bei dem die ganze Welt hochgeht und sagt: „Genau das am Christentum können wir am allerwenigsten annehmen.“ Das ist das Stichwort, gegen das der Unglaube unter der Kanzel und auf der Kanzel protestiert. So unwahrscheinliche Geschichten, dass die Vernunft hochgeht wie ein Pferd vor einem Hindernis und sagt: „Unmöglich! Jungfrauengeburt!“

Der Glaube aber freut sich an den Geheimnissen Gottes. Der Glaube sucht, soweit der Mensch es überhaupt kann, diese Geheimnisse zu verstehen. Mir ist völlig klar, meine Freunde, die Frage des Heiligen Geistes, ob ein Mensch hier Ja sagt oder nicht, ist nicht klar. Aber wir wollen versuchen, uns an dieses Geheimnis heranzutasten: Das, was in ihr geboren wird, ist vom Heiligen Geist.

Wollen wir uns da herantasten? Aber seien Sie jetzt bitte wach, da müssen wir ein bisschen große biblische Linien denken. Sehen Sie, die Bibel sagt, wir stammen alle von Adam ab, von dem ersten Sünder.

Sie kennen die Geschichte von Adam, wo es zum ersten Mal geschah, dass sein Gewissen schreit: „Nicht!“ Und der Teufel sagt: „Nimm doch von der Frucht!“ Seine Augen sagen: „Sie ist lustig anzusehen.“ Der Mann entscheidet gegen Gott und sein Gebot. Dessen Epigonen sind wir.

Die Bibel sagt: Durch einen Menschen – so sagt der Römerbrief – ist die Sünde in die Welt gekommen. Der Römerbrief sagt es etwa so: „In Adam haben wir alle gesündigt.“ Das ist klar. Adam wurde vom Angesicht Gottes vertrieben, und nun sind wir draußen. Von Natur sind wir draußen. Von Gott redet die Welt als Unsinn. Wir sind draußen, fern, fern vom Paradies.

In Adam haben wir alle gesündigt, und nun – ich brauche Worte des Römerbriefs – sind wir unter die Sünde verkauft. Das geht von Generation zu Generation weiter. Das ist das Schreckliche, wenn Eltern zum ersten Mal entdecken, wie ihre Kinder auch unter die Sünde verkauft sind.

Und da wird nun dieses Kind geboren. Das Kind, das in ihr geboren ist, ist vom Heiligen Geist, nicht in der Linie natürlicher Zeugung. Verstehen Sie? Da gibt Gott ein Zeichen, dass er jetzt etwas ganz Neues beginnt: eine neue Menschenreihe, ein neuer Adam. So wird Jesus genannt.

Das Kind, das da geboren wird, der neue Adam, dieser Jesus, ist sündlos geblieben. Er hat es besser gemacht als der erste Adam. Und wenn wir im Glauben in Jesus sind, dann sind wir in ihm vor Gott heilig und gerecht.

Sehen Sie die beiden Möglichkeiten: Wir können in Adam bleiben und bleiben damit verflucht und ausgestoßen. Oder wir treten im Glauben in Jesus, dann sieht uns Gott in seinem Sohn und wird in ihm heilig und gerecht.

Die Bedeutung der Jungfrauengeburt und die göttliche Dimension Jesu

So, jetzt möchte ich Ihnen etwas sagen. Bitte schieben Sie das nicht einfach als dogmatische Spitzfindigkeiten beiseite. Ich bitte Sie, auch ich habe eine Zeit erlebt, in der ich die Jungfrauengeburt für dogmatische Spitzfindigkeiten hielt. Dieser dumme Satz entlarvt unsere Zeit. Sie ist gern bereit, sich religiös gelegentlich ein bisschen berieseln zu lassen, aber nicht bereit, die großen Taten Gottes wirklich zu sehen und durchzudenken.

Dogmatische Spitzfindigkeiten, wenn man Jungfrauengeburt sagt, nicht? Dann zeigt sich, dass unsere Zeit ihre wenig erleuchtete Vernunft zum Herrn auf den Thron erhebt und alles daraus beurteilen will. Als ob unsere Vernunft auch nur annähernd die großen Taten Gottes und Gott selbst erfassen könnte. Nein, nein, lassen Sie es ruhig auf sich zukommen. Das, was von ihr geboren ist, ist vom Heiligen Geist. Das ist Gottes Weihnachtsvorbereitung.

Lassen Sie mich das noch einmal von einer anderen Seite angehen. Ich muss Ihnen eine große Linie der Bibel aufzeigen: Im ersten Teil ist es noch nicht Gottes Weihnachtsgeschenk. Unsere Existenz begann nicht erst, als wir im Mutterleib gebildet wurden. Die Existenz dieses Kindleins, das da heranwächst, begann nicht im Mutterleib. Dieses Kind Jesus war schon, ehe der Weltgrund gelegt war. Das ewige Wort war bei Gott.

Dieser Jesus konnte sagen: „Ehe Abraham war“ – der tausend Jahre vorher lebte – „bin ich“. Und als Wunder, als anbetungswürdige Tat lässt Gott in der Fülle der Zeit seinen Sohn Fleisch und Blut annehmen und in die Menschenwelt hineingeboren werden. Nicht durch natürliche Zeugung, sondern so, dass ein Zeichen da ist: Er ist der Andere.

Warum eigentlich? Warum kommt er aus der ewigen Welt? Meine Freunde, weil für uns Menschen die Hilfe nur von außen kommen kann. Lassen Sie mich ein sehr nahes Beispiel nehmen: Sie haben alle mit Interesse das Bergwerksunglück in Lengede verfolgt. Dort waren eine Reihe Bergleute verschüttet, eingeschlossen, abgeschnitten vom Licht und vom Leben. Sie konnten sich nicht selbst befreien, sie konnten nur warten, bis von außen jemand kam – vielleicht haben Sie es im Fernsehen gesehen –, der sie herausholte.

Das ist unsere Lage. Mit dem Sündenfall wurden wir verschüttet, getrennt vom lebendigen Gott. Gott ist das Licht, Gott ist das Leben, Gott ist die Freude – und davon sind wir natürlicherweise getrennt. Ich sage noch einmal: Wenn ein Mensch die Welt von Gott abwendet, ist das Unsinn. Wir sind getrennt von Gott, verschüttet, und kein Idealist kann sich daraus selbst befreien. Er kann darüber reden, aber er kann sich nicht herausarbeiten.

Die Hilfe muss von der Welt Gottes kommen, und darum steigt der Sohn Gottes ein. Ich hätte beinahe gesagt: In Maria wird er geboren, von der Frau wird er Mensch – zum Wohl des Menschen. Und Gott macht durch diese wundersame Geburt deutlich, dass hier der kommt, der die Welt erretten soll, der uns freimachen kann, der Sünden vergibt und uns herausgräbt, damit wir wieder Kinder Gottes werden können.

Sehen Sie, das sind Gottes Weihnachtsvorbereitungen. Seien Sie bereit für das Geschenk: seinen Sohn. Von einer Jungfrau singt Luther: „Das ist wahr, des freut sich der Engelschar“ – und ich auch. Und ich frage Sie, ob Sie in diese Freude mit einstimmen wollen.

Die Einordnung des Geschenks in die Heilsgeschichte Gottes

Und nun das zweite Element von Gottes Weihnachtsvorbereitung: Er bereitet sein Geschenk vor und bringt es an den richtigen Platz. Das ist sehr wichtig. Er bringt das Geschenk an den richtigen Platz.

Ich hörte von einem Herrn, der seiner Frau ein wunderbares Geschenk gekauft hatte – einen Pelz oder so etwas Ähnliches. Doch das Geschenk wurde nicht rechtzeitig geliefert. Er hatte so viel um die Ohren und kümmerte sich darum. Am Heiligen Abend war der Gabentisch leer, und das schöne Geschenk lag irgendwo im Kaufhaus oder im Lager. Das ist ärgerlich, nicht wahr? Das Geschenk gehört schließlich an den richtigen Platz.

Auch zu Gottes Weihnachtsvorbereitungen gehört es als zweites, dass er sein Geschenk an den richtigen Platz bringt. Wenn man nur alle hundert Jahre mal predigt, wie ich, möchte man die ganze Bibel hineinpacken – können Sie das verstehen? Deshalb möchte ich Ihnen noch einmal einige biblische Linien aufzeigen.

Gott bringt also sein Geschenk an den richtigen Platz. Vor kurzem wurde in einem bekannten Blatt ein öffentlicher Streit zwischen gelehrten Männern über die Frage ausgetragen, wie man die Weltgeschichte betrachten muss. Die einen sagen, es gibt nur eine einheitliche, profane Weltgeschichte. Die anderen sagen, es gibt in der profanen Weltgeschichte einen Strom der göttlichen Heilsgeschichte.

Da ich mit der Bibel halte, halte ich mit den Zweiten. Lassen Sie mich ein Beispiel geben, das dies deutlich macht: In Südamerika gibt es den großen Strom Amazonas, der so viel gelben Lehm mit sich bringt, dass man nach seiner Mündung den Strom noch kilometerweit im Meer verfolgen kann. Er zeichnet sich ganz deutlich in den Wassern des Meeres ab.

So verläuft auch durch die Weltgeschichte ein deutlicher Strom von Gottes Heilsgeschichte. Gott beruft einen Mann namens Abraham im Völkergewimmel Syriens. „Abraham, geh aus deinem Vaterland!“ – da beginnt eine Gottesgeschichte, eine Heilsgeschichte. Gott will Abraham zu einem großen Volk machen. Dieses Volk wird Israel.

Gott führt es aus Ägypten durch große Taten an den Berg Horeb. Dort schließt er mit ihm einen Bund: „Ihr sollt mein Volk sein, ich will euer Gott sein.“ Er vertraut ihm die zehn Gebote an – das Gesetz, das für uns alle, für die ganze Welt und alle Zeiten verpflichtend ist. Für das Volk Israel wird ein König erweckt: König David.

Gott verbindet mit König David einen besonderen Bund und verspricht ihm: „Aus deinem Geschlecht soll einer kommen, dessen Thron ewig steht.“ Wenn der Messias, der Heiland, der Erlöser kommt, muss er aus dem Geschlecht Davids stammen. Dann wird diese Linie der Heilsgeschichte ganz deutlich.

Der Heiland muss aus dem Geschlecht Davids kommen und in der Davidstadt Bethlehem geboren werden. Dieser Strom der Heilsgeschichte wird uns im Text angedeutet. Der Engel des Herrn sagt zu Joseph: „Joseph, du Sohn Davids.“ Das verweist auf die Heilsgeschichte. Mit dem Wort „Du Sohn Davids“ wird diesem jungen Brautpaar deutlich gemacht, was jetzt geschieht.

Was euch verwirrt, ist ein Teil der Heilsgeschichte Gottes. Von ihr geboren ist das Kind, das vom Heiligen Geist empfangen wird. Es wird einen Sohn gebären, dessen Namen Jesus sein soll. Das ist die Heilsgeschichte Gottes!

Und sie muss auch vollendet werden. Das Kind muss in der Davidstadt Bethlehem geboren werden, dem Geburtsort Davids. So steht es im Alten Testament. Ich kann nicht alle Verheißungen aufzählen – sonst würden Sie glauben, wie es so dasteht. Nun muss dieses Gottesgeschenk noch in Bethlehem geboren werden.

Wie sollen die beiden einfachen Leute aus Nazaret, aus dem hohen Norden, nach Süden, nach Bethlehem kommen? Das gehört zu den schönen Weihnachtsvorbereitungen Gottes. Sie wissen selbst, wie wir Menschen in den Weihnachtsvorbereitungen manchmal das Unmögliche möglich machen, nicht wahr? Im letzten Moment muss noch etwas geliefert werden und so weiter.

Gott ist noch viel großartiger darin, wie er es schafft, dass sein Weihnachtsgeschenk in Bethlehem auf dem Tisch liegt. Er schaltet sogar den mächtigen Kaiser Augustus ein. Der große Weltenkaiser erhält von Gott das Herz, ein Gesetz zu erlassen über eine Volkszählung, die so umständlich ist wie keine zuvor. Jeder muss dorthin, wo sein Geschlecht herstammt.

Nun ziehen alle umher, nicht halb Essen nach Ostpreußen oder so. Ich finde es herrlich, wie Gott bei seinen Weihnachtsvorbereitungen diesen Kaiser Augustus wie eine kleine Schachfigur einsetzt. So geht Gott mit den Mächtigen der Erde um.

Wenn ich Augustus wäre, würde ich mich ärgern – aber ich bin es nicht, und er hat es nicht gewusst. Doch wir sollen wissen, dass Gott so mit den Mächtigen der Erde umgeht, damit seine Pläne erfüllt werden. Augustus wird ein Stück weit in die Heilsgeschichte Gottes hineingezogen.

Joseph und Maria ziehen nach Bethlehem, wo das Kind geboren werden soll. Liebe Freunde, bei all dem, was ich sage, stehen wir immer wieder vor der unerhörten Frage, ob das alles Legenden, Sagen oder Märchen sind – oder göttliche Wahrheit.

Aber ich will Ihnen sagen: Hier hängt alles zusammen. Nimmt man die Jungfrauengeburt oder Lukas 2, die Geschichte von den Engeln bei der Geburt in Bethlehem, heraus, dann ist es aus mit dem ganzen Evangelium. Hier hängt alles zusammen. Man darf uns da nicht die letzten Reste von Moral anbeten.

Dieser Strom der Heilsgeschichte gehört zur Gottes-Weihnachtsvorbereitung. Diese Heilsgeschichte geht weiter: Das Kind Jesus wird ein Mann, hängt am Kreuz, stirbt für uns alle, liegt im Grab, wird von Gott aus den Toten gerufen, geht zum Vater zurück, gibt den Heiligen Geist, und die Gemeinde Jesu Christi wird gerufen und gesammelt. Das ist die Heilsgeschichte Gottes.

Meine Freunde, man kann am Ufer dieses Stroms stehen – dieses Amazonastroms in der Weltgeschichte – und sagen: „Ich sehe nichts.“ Oder man kann sich daran freuen, es zur Kenntnis nehmen oder sagen: „Hier hinkt jetzt mein Bild, aber ich kann es nicht anders sagen.“

Oder man kann in den Strom hineingerissen werden. Das wünsche ich uns: dass wir in den Strom der Heilsgeschichte Gottes hineingezogen werden. Das geschieht, indem wir Buße tun, umkehren und an dieses Kind glauben, das hier geboren wird – an den Herrn Jesus, den Sohn des lebendigen Gottes.

Die fortdauernde Wirkung von Gottes Weihnachtsvorbereitungen im Herzen der Menschen

Ich muss noch kurz das Dritte sagen: Gottes Weihnachtsvorbereitungen. Er bereitet das Geschenk zu seinem Sohn vor und bringt ihn an seinen richtigen Platz.

Nun könnten Sie sagen: Ja, aber das sind doch vergangene Dinge, oder? Meine Freunde, Gottes Weihnachtsvorbereitungen geschehen noch heute und gehen auch heute weiter – heute am vierten Advent.

Der dritte Teil heißt so: Und schließlich verlegt Gott seine Weihnachtsvorbereitungen in unser Herz. Er verlegt sie in unser Herz.

„Sie wird einen Sohn gebären, dessen Namen sollst du Jesus heißen, denn er wird sein Volk selig machen“, das heißt wörtlich „erretten von ihren Sünden“. Meine Freunde, darum geht es im Weihnachtsgeschenk Gottes: Dass da einer kommt, der erretten kann von Sünden.

Es wird uns heute bis zum Überdruss, bis zum Schwachwerden, bis zur Vergasung – auch in Blättern, im Fernsehen, im Radio, in Vorträgen usw. – mitgeteilt, dass sich die Kirche endlich modernisieren müsse und nicht mehr solche Sachen sagen solle, wie „Er retten von den Sünden“. Das verstünde nämlich doch der moderne Mensch nicht mehr.

Meine Freunde, lassen Sie mich Ihnen sagen: Dies ist kein Privileg des modernen Menschen, dass er blind ist gegenüber dem Evangelium. Das wollten vor zweitausend Jahren die Leute schon nicht hören. Das ist immer menschlich gewesen, dass ein Mensch nicht Sünder sein will.

Kennen Sie die Geschichte vom alten Fritz, der ein Gefängnis besichtigt? Alle Insassen sagen: „Ich bin unschuldig.“ Nur einer sagt: „Ja, ich habe gesündigt.“ Da sagt der alte Fritz: „Lass den Mann doch raus, was soll der Verbrecher unter den gerechten Leuten hier?“ Das ist typisch für die Welt.

Natürlich hat der Mensch das nie verstanden. Wir sitzen hier auch so blind da, ohne zu wissen, dass wir von Natur unter Gottes Zorn stehen, auf dem Weg in die Hölle sind und im Tod. Wir sind ungesegnete Leute, Gottes Hand ist wider uns, wir sind draußen aus dem Paradies, wir sind Kinder Adams, verlorene Leute.

Meine Freunde, darum ist das Weihnachtsgeschenk Gottes für einen unerleuchteten Menschen natürlich so, dass er gar nichts damit anfangen kann. Ein Perlenhalsband ist ein wunderbares Geschenk, nicht wahr, liebe Frauen? Aber wenn Sie einer Kuh ein Perlenhalsband schenken, kann die Kuh wirklich nichts damit anfangen.

So wenig kann der natürliche Mensch mit Gottes Weihnachtsgeschenk etwas anfangen. Und wenn Sie es beleidigend finden, dass ich den Menschen mit einer Kuh verglichen habe, dann will ich mich gern verbessern und sagen: Also ein edles Pferd, dem Sie einen Brillantring schenken, kann mit dem Brillantring einfach nichts anfangen.

So wenig kann der unerleuchtete, unbekehrte Mensch mit Jesus etwas anfangen. Aber Gottes Weihnachtsvorbereitungen verlegt er in unser Herz.

Nun kann es geschehen, dass Gott durch seinen Geist ein Herz anrührt. Dann schlägt der inwendige Mensch die Augen auf und ahnt etwas von dem, was Johannes im Blick auf Jesus sagt: „Wir sahen seine Herrlichkeit.“

Dann bekommt man Heimweh nach dem Heiland: „Wenn er doch meiner wäre!“ Und dann sieht man sich selbst, was man vorher nicht wusste: verkehrt, launisch, böse, selbstsüchtig, unkeusch, verlogen. Man sieht sich im Licht Gottes.

Man will sich jetzt bessern und ändern – und kann es nicht. Man hört Gottes Gesetz. Die Bibel sagt: Durch Gottes Gesetz wird die Sünde nur überfließend; es wird immer schlimmer.

Ich kenne das aus der Seelsorge meines Jungen. Da will man sich ändern, und es wird alles nur schlimmer, bis es schließlich heißt: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen vom Leibe dieses Todes?“

Und sehen Sie, da ist man bereit für Gottes Weihnachtsgeschenk, für den Heiland, der meine Sünde wegträgt, der mit Gott versöhnt, der alles neu macht, der die Welt verändert.

Gott verlegt seine Weihnachtsvorbereitungen in unser Herz. Er legt es darauf an, dass wir eine schlechte, schmutzige Krippe werden, in die er seinen Sohn hineingeboren werden lässt.

Und da wünsche ich Ihnen, dass Sie das erfahren, wie ich es erfahren habe. Wie viele Ihnen aber Aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden.

Lassen Sie uns beten:

„Wenn ich dies Wunder fassen will, so steht mein Geist vor Ehrfurcht still. Er betet an und ermisst, dass Gottes Liebe unendlich ist.“ Amen.