Gott wird Mensch: Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.
Episode 517: Warnung vor Habsucht, Teil 3
Einführung in das Gleichnis vom reichen Toren
Wir betrachten ein Gleichnis: das Gleichnis von dem reichen Toren, also das Gleichnis von dem wohlhabenden Dummkopf.
Ja, man kann viel besitzen und sich trotzdem absolut unklug verhalten.
Was muss ich dazu tun? Nun, ich muss die Spannung zwischen Genuss und Verantwortung einseitig auflösen.
Was meine ich damit? Gott beschenkt uns mit Gutem. Im Buch Prediger fragt Gott: „Wer kann essen und wer kann fröhlich sein ohne mich?“ Die Antwort lautet: Keiner. Alles Gute kommt von Gott.
Jakobus 1,17 sagt: „Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist, noch eines Wechsels Schatten.“
Ein Lebensstil, der von Freude geprägt ist.
Freude als Geschenk Gottes im Wohlstand
Weil ich in einem Land lebe, in dem es eine wohlhabende Mittelschicht gibt, kostenfreie Bildung, ein gutes Gesundheitssystem, Sozialversicherung, Frieden und unbegrenzten Zugang zu Trinkwasser, in einem Land also, in dem ich nicht hungrig zu Bett gehe und man sich mehr Gedanken über Diäten macht als darüber, wie man seine Kinder satt bekommt, darf ich mich daran freuen, auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen.
Prediger 5,18-19 sagt: „Auch jeder Mensch, dem Gott Reichtum und Güter gegeben hat und den er ermächtigt hat, davon zu genießen und seinen Teil zu nehmen und sich bei seiner Mühe zu freuen, das ist eine Gabe Gottes. Denn er denkt nicht viel an die Tage seines Lebens, weil Gott ihn mit der Freude seines Herzens beschäftigt.“
Das ist es, was Paulus meint, wenn er im 1. Timotheus 6 schreibt, dass Gott uns alles reichlich zum Genuss darreicht. Wir brauchen uns nicht für den Wohlstand zu schämen, in dem wir leben. Wenn Gott uns mit der Freude unserer Herzen beschäftigt, dann dürfen und sollen wir uns auch freuen. Freude ist etwas Gutes.
Die Bedeutung der Freude im Leben
Prediger 8,15:
Und ich pries die Freude, weil es für den Menschen nichts Besseres unter der Sonne gibt, als zu essen und zu trinken und sich zu freuen. Dies wird ihn bei seinen Mühen begleiten, die Tage seines Lebens hindurch, die Gott ihm unter der Sonne gegeben hat. Freude ist etwas Gutes. Nicht umsonst ist Freude eine Frucht des Heiligen Geistes.
Wenn wir uns freuen, soll unsere Freude grundsätzlich unabhängig von den Umständen sein – eben Freude am Herrn. Trotzdem dürfen wir uns natürlich auch an den Dingen freuen, mit denen Gott uns gesegnet hat.
Prediger 9,7-9:
Geh hin! Iss dein Brot mit Freude und trink deinen Wein mit frohem Herzen, denn längst hat Gott Wohlgefallen an deinem Tun. Deine Kleider sollen weiß sein zu jeder Zeit, und das Salböl soll nicht auf deinem Haupt fehlen. Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, alle Tage deines nichtigen Lebens, das er dir unter der Sonne gegeben hat, all deine nichtigen Tage hindurch.
Warnung vor Askese und einseitigem Verzicht
Ich weiß nicht, ob ihr versteht, was hier steht. Das hier ist ein Genussgebot, keine bloße Empfehlung, wie man es auch machen könnte.
Der Asket, der verzichtet, um Gott zu imponieren, dem muss man sagen: Hör damit auf! Gott hat längst Wohlgefallen an deinem Tun. Du musst Gott nicht durch Verzicht beeindrucken.
Wie ich eingangs gesagt habe, dürfen wir die Spannung zwischen Genuss und Verantwortung nicht einseitig auflösen. Gott warnt uns hier vor der Askese, also vor dem bewussten Verzicht auf Freude.
Er warnt uns davor, weil er weiß, dass wir Freude brauchen – und zwar als Gegengewicht zu den Mühen eines nichtigen Lebens. Heute sprechen wir davon als Psychohygiene.
Der Lieblingsitaliener mit der guten Pizza, eine Tasse frisch aufgebrühter Kaffee, Ausschlafen, Romantik, ein gutes Buch – an diesen Dingen ist nichts auszusetzen, wenn wir sie dankbar aus Gottes Hand nehmen können.
Grenzen des Genusses und die Gefahr der Versklavung
Aber während ich das sage, muss ich natürlich einschränkend formulieren: Leben ist eben kompliziert. Der Genuss darf uns nicht versklaven und auch nicht zum Götzen werden. Er ist nicht wichtiger als Gott selbst.
Gott ist nicht böse, wenn er uns in Zeiten der Not führt oder unseren Glauben prüft. Er darf uns das, was er uns gibt, auch wieder wegnehmen. Hiob bringt das gut auf den Punkt: „Der Herr hat gegeben und der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gepriesen“ (Hiob 1,21).
Also darf der Genuss nicht mein Leben beherrschen. Wie es so schön heißt: „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich. Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen“ (1. Korinther 6,12).
Die Gefahr der Gier am Beispiel des reichen Toren
Und der reiche Mensch aus dem Gleichnis ist genau so einer, der von seiner Gier beherrscht wird. Sein Leben dreht sich um Ausruhen, gutes Essen und Fröhlichkeit.
Deshalb sieht er trotz seines großen Reichtums nicht, wie arm er in Wirklichkeit ist.
In Lukas 12,19-20 heißt es: „Und ich will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter liegen auf viele Jahre; ruh aus, iss, trink, sei fröhlich!“
Gott aber sprach zu ihm: „Du Tor, in dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Was du aber bereitet hast, für wen wird es sein?“
Die geistliche Blindheit des reichen Mannes
Du Thor – in der Bibel steht „Thor“ für einen Dummkopf, jemanden, der ohne Gott und ohne Weisheit lebt. Woran zeigt sich das hier?
Daran, dass der reiche Mensch etwas Wichtiges vergisst. Was hat er vergessen? Und was vergessen alle Menschen, die ausschließlich für das Hier und Jetzt leben? Sie vergessen, dass Gott einmal kommen und ihre Seele fordern wird. Niemand kennt den Zeitpunkt, an dem das geschehen wird.
Für den reichen Menschen im Gleichnis kommt der Moment der Abrechnung genau dann, wenn er sich zur Ruhe setzen und nur noch das Leben genießen will. Was für eine Ironie! Für wen wird dann sein ganzer Besitz, für wen werden die vollen neuen Scheunen sein? Antwort: Jedenfalls nicht für den, der sich so sehr darauf gefreut hat.
Hier ist jemand, der sich viele Gedanken gemacht hat, wie er die kommenden Jahre genießen kann. Die Ewigkeit spielte in seinem Denken keine Rolle.
Hier steht jemand vor Gott und vergisst die Worte des Paulus: „Denn wir haben nichts in die Welt hereingebracht, so dass wir auch nichts hinausbringen können.“ Materieller Besitz hat für die Ewigkeit keine Bedeutung.
Jesus als Vorbild im Umgang mit Reichtum
Jesus war in Bezug auf materiellen Wohlstand bettelarm. Er besaß kein Haus, keinen Esel und keinen Koffer voller Kleider. Um die Frage nach der Rechtmäßigkeit des Steuerzahlens zu beantworten, musste er sich sogar einen Denar leihen.
Trotz seiner materiellen Armut war Jesus reich im Blick auf Gott. Er tat den Willen Gottes, lebte seine Berufung und ist uns ein Vorbild darin, was es bedeutet, zuerst nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit zu streben.
Die falsche Gottesverehrung durch Habsucht
Und genau hier liegt das Problem des reichen Mannes im Gleichnis. Der Fokus seines Lebens liegt nicht auf der Ewigkeit. Er richtet seine Aufmerksamkeit nicht auf die Begegnung mit Gott und auch nicht auf die Art von Reichtum, die Jesus als Schatz im Himmel bezeichnet.
Er handelt töricht, ein echter Narr, denn er hätte wissen können, dass Gott eines Tages seine Seele fordert und Rechenschaft für sein Leben verlangt. Dieses Wissen hätte ihn dazu bringen können, anders zu leben.
Er besaß so viel und hätte so viel Gutes tun können. Doch genau das tat er nicht. Warum? Weil er einem anderen Gott diente – der Habsucht.
Wenn du einen Fehler im Skript oder in der Aufnahme findest, melde dich bitte bei mir. Der Herr segne dich, schenke dir seine Gnade und lasse dich in seinem Frieden leben. Amen.
