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Vom Schwören – Teil 2

Jesu Leben und Lehre, Teil 203/658
09.01.2023Matthäus 5,33-37
SERIE - Teil 203 / 658Jesu Leben und Lehre

Einführung in das Thema Schwören und Eid im Alten Testament

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist, Weg, Wahrheit und Leben. Episode 202: Vom Schwören, Teil 2.

Wir beschäftigen uns mit dem Thema „Du sollst nicht schwören“. Heute möchte ich damit beginnen, zu verstehen, wozu ein Eid beziehungsweise ein Schwur dient. Das erscheint mir wichtig, weil das Schwören im Alten Testament völlig normal ist.

Abraham schwört, der Knecht Abrahams schwört, Joseph schwört, die Fürsten der Gibeoniter schwören und so weiter. Das Schwören gehört also im Alten Testament zum Leben dazu. Die Frage ist: Welche Funktion hat es?

Ich sehe im Wesentlichen drei Bereiche, in denen ein Schwur zur Anwendung kommt.

Die drei Funktionen des Schwurs

Erstens vor Gericht: Zeugen oder auch die Angeklagten konnten vom zuständigen Richter unter Eid gestellt werden. Der Hohepriester tut dies im Gerichtsverfahren gegen den Herrn Jesus. In Matthäus 26,63 sagt er zu ihm: „Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes.“ Hier wird ein Angeklagter unter Eid gestellt.

Ein Meineid war übrigens streng verboten. „Du sollst gegen deinen Nächsten nicht als falscher Zeuge aussagen“, heißt es in den Zehn Geboten. Wer einen Meineid leistete, wurde mit der Strafe bestraft, die der Angeklagte aufgrund der Falschaussage zu erwarten hatte. Konkret bedeutet das: Die falschen Zeugen im Prozess Jesu hätten eigentlich durch Kreuzigung hingerichtet werden müssen. Das ist also der erste Bereich: Ein Schwur oder Eid gehört in den Kontext einer Gerichtsverhandlung.

Zweiter Bereich: Ich kann vor Gott einen Schwur leisten, wenn ich ihm ein Gelübde ablegen will. Die enge Verbindung von Schwur und Eid ergibt sich bereits aus Matthäus 5,33. Dort heißt es: „Habt ihr gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht falsch schwören, du sollst aber dem Herrn deine Eide erfüllen.“ Ich kann also Gott gegenüber einen Eid ablegen, und das ist nichts anderes als ein Gelübde.

Diese enge Verbindung von Schwur und Eid gegenüber Gott sieht man auch in 4. Mose 30,3: „Wenn ein Mann dem Herrn ein Gelübde ablegt oder einen Eid schwört, ein Enthaltungsgelübde auf seine Seele zu nehmen, dann soll er sein Wort nicht brechen; nach allem, was aus seinem Mund hervorgegangen ist, soll er tun.“ Hier wird deutlich: Das Gelübde ist ein Versprechen, und ich kann dieses Versprechen durch einen Eid noch unterstreichen. Das ist mein zweiter Bereich.

Dritter Bereich: Ein Schwur dient allgemein zur Bekräftigung von Aussagen. Er ist eine Art der Selbstverfluchung. Um die Glaubwürdigkeit einer wichtigen Aussage zu unterstreichen, rufe ich Gott als Zeugen an und sage damit gleichzeitig: Wenn ich jetzt die Unwahrheit sage, soll Gott mich dafür bestrafen.

Das beschreibt Hebräer 6,16 so: „Denn Menschen schwören bei einem Größeren, und der Eid ist ihnen zur Bestätigung ein Ende allen Widerspruchs.“ Diese etwas ungewöhnliche Formulierung bedeutet Folgendes: Ich schwöre bei Gott, und der Eid sorgt dafür, dass niemand mir mehr widersprechen kann. Wenn ich unter Eid etwas sage, habe ich eine Grenze von Ernsthaftigkeit erreicht, die nicht mehr überschritten werden kann.

Beispiel zur Verdeutlichung der Ernsthaftigkeit eines Eides

Zur Verdeutlichung des Gesagten möchte ich ein völlig hypothetisches Beispiel formulieren.

Nehmen wir an, ich komme von einer Gemeindefreizeit zurück. An einem meiner Hemden befindet sich der Duft eines süßen Frauenparfums und Reste von Lippenstift. Meine Frau stellt mich zur Rede und unterstellt mir womöglich, ich hätte die Freizeit für eine Affäre genutzt. Was soll ich tun?

Ich kann leugnen, aber ich kann meine Unschuld nicht beweisen. Selbst wenn ich ihr erzähle, dass ich das Hemd im Rahmen eines Spieleabends mit einer Mitspielerin aus meiner Gruppe tauschen musste, könnte das gelogen sein.

Meine Frau ist vielleicht überhaupt nicht eifersüchtig. Aber wenn sie es wäre, dann hätte ich jetzt ein Problem.

Das letzte Mittel, auf das ich zurückgreifen könnte, wäre ein Schwur. Ich schwöre bei Gott, dass ich auf der Freizeit keiner anderen Frau zu nahe gekommen bin. Ich schwöre bei Gott – ihr merkt, welche Ernsthaftigkeit plötzlich in dem steckt, was ich sage.

Das ist das Ende allen Widerspruchs. Mehr kann ich nicht sagen. Aber jetzt kann auch meine Frau nicht mehr widersprechen. Mehr geht nicht.

Rückkehr zu Matthäus 5, Vers 33 und die Problematik des Schwörens

Nun verstehen wir ein wenig mehr über das Schwören und den Eid. Schauen wir uns noch einmal Matthäus 5,33 an:

„Wiederum habt ihr gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht falsch schwören, du sollst aber dem Herrn deine Eide erfüllen.“

Ich hatte gestern schon gesagt, dass man diese Aussagen aus der Bibel tatsächlich so ableiten kann. Dritte Mose 19,12 und Fünfte Mose 23,22 bestätigen dies.

Die Frage ist nun: Wo liegt das Problem? Und wie bei vielen Bibelfragen gilt auch hier: weiterlesen! Der Zusammenhang beantwortet die meisten Fragen.

 Matthäus 5,34-37 sagt:
„Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron, noch bei der Erde, denn sie ist sein Fußschemel, noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs. Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören, denn du kannst nicht ein Haar weiß oder schwarz machen. Euer Wort aber sei: Ja, ja, und nein, nein. Was darüber hinausgeht, ist vom Bösen.“

Die Entwertung des Schwurs und die Herausforderung der Pharisäer

Ich lese das und bin zunächst ein wenig verblüfft. Hier werden Menschen beschrieben, die beim Himmel, bei der Erde, bei Jerusalem oder bei ihrem eigenen Kopf schwören. Warum bin ich verblüfft? Weil das irgendwie nicht richtig erscheint.

Die Anweisung im mosaischen Gesetz lautet ganz klar: 5. Mose 6,13: „Den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten und ihm dienen, und bei seinem Namen sollst du schwören.“ Schwören ist im Alten Testament also eine weit verbreitete Praxis, jedoch nur beim Namen Gottes, also bei der Person Gottes. Das ist erlaubt.

Das mosaische Gesetz kennt keinen Schwur beim Himmel, bei der Erde, bei Jerusalem oder bei meinem Kopf. Was ist hier also passiert? Es ist etwas geschehen, das man auch heute noch nachts in der Berliner S-Bahn hören kann, wenn Jugendliche sich unterhalten und dann das, was sie gesagt haben, mit der grandiosen Formulierung abschließen: „Ey, Alter, ich schwöre, ey!“

Versteht ihr? Der Eid, der eigentlich für Ausnahmesituationen gedacht war – vor Gericht, wenn ich Gott ein Gelübde ablege oder wenn ich keine andere Möglichkeit sehe, die Wahrhaftigkeit einer Aussage zu unterstreichen – ist bedeutungslos geworden, wenn man ständig und immer schwört. Wenn ein Schwur alltäglich wird, verliert das Schwören seinen Sinn.

Und wenn ich nicht mehr nur bei Gott, sondern bei allen möglichen Dingen einen Schwur leisten kann, dann stellt sich plötzlich eine ganz andere Frage: Welcher Schwur gilt eigentlich, und welcher nicht? Diese Frage ist genau die, mit der sich die Pharisäer und Schriftgelehrten beschäftigen.

An dieser Stelle machen wir morgen weiter.

Abschluss und Ermutigung

Was könntest du jetzt tun? Du könntest schon einmal darüber nachdenken, ob du jemand bist, der leichtfertig schwört.

War das alles für heute? Wenn du lange nicht mehr in deiner Gemeinde warst oder noch nicht in deiner Gemeinde mitarbeitest, denke daran: Gott hat uns nicht zu Einzelkämpfern berufen.

Der Herr segne dich, lasse dich seine Gnade erfahren und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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