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Dein Leben zählt!

Jumiko 26, Teil 12/24
11.01.2026Johannes 15,16
EVENT - Teil 12 / 24Jugendkonferenz für Weltmission 2026
Macht dein Leben wirklich einen Unterschied? Jesus hat dich erwählt – nicht zufällig, sondern mit voller Absicht. Egal, wie du dich fühlst oder was du erlebt hast: Du bist berufen, Hoffnung zu bringen und Frucht zu tragen, die bleibt.

Die Frage nach dem Unterschied, den unser Leben macht

Dein Leben zählt. Du bist von Jesus berufen und mit dieser Berufung unterwegs. Mach dein Leben zu etwas, das einen Unterschied macht.

Stell dir die Frage: Macht es einen Unterschied, ob es dich gibt oder nicht? Auf den ersten Blick scheint das keine einfache Frage zu sein, denn sie wirft viele weitere Fragen auf.

Was meinst du eigentlich mit „Unterschied“? Was braucht es dafür? Diese Frage ist auch eine ganz existenzielle, wie ich bereits gesagt habe. Macht es etwas aus, dass es mich gibt? Oder ist es eigentlich egal, ob es mich gibt, weil es dann eben andere gibt? Wie ist das wirklich?

Vielleicht kennst du Menschen, die einen Unterschied machen. Da ist es spürbar, ob sie da sind oder nicht. Manche Menschen bewegen in ihrem Leben unglaublich viel. Sie sind für andere da, und wenn man zurückblickt, denkt man: „Wow, was die alles geleistet haben, was die alles gemacht haben!“

Andere leben einfach ganz authentisch und echt. Auch das macht einen Unterschied. Man spürt, dass ihr Leben etwas bewirkt.

Eine beeindruckende Geschichte von Sir John Noble

In den letzten Tagen hat mich eine Person sehr beeindruckt, von der ich gehört habe. Diese Person kannte ich bis vor drei Wochen noch gar nicht: Sir John Noble.

John Noble wurde 1923 in Detroit geboren. Er war ein deutsch-amerikanischer Unternehmer und betrieb ab 1938 gemeinsam mit seinem Vater eine Kamerafabrik in Dresden. Sie gehörten zu den Ersten, die Spiegelreflexkameras entwickelten.

Nach dem Krieg, im Jahr 1945, wurden sie von den Russen verhaftet und in ein Arbeitslager nach Sibirien gebracht. John Noble war zehn Jahre in Gefangenschaft. Er kam in ein Arbeitslager nach Podma. Nach einiger Zeit wurde er von einem Mann angesprochen.

In seinem Buch schreibt er: „Wir hatten uns ein paar Tage nicht gesehen. Als wir uns wieder begegneten, nahm er mich beiseite und sagte: ‚Hey, ich will dich etwas fragen. Dort in der Ecke im Lager steht eine kleine Baracke. Darin liegen zwölf Häftlinge. Sie haben eine unbekannte, sehr ansteckende Krankheit und liegen im Sterben. Die russischen Posten gehen nicht in diese Baracke; ihnen ist es gleich, was mit diesen Kranken geschieht. Die Männer sind so schwach, dass sie nicht mehr alleine essen können. Ich brauche jemanden, der diesen Menschen hilft. Würdest du das tun?‘“

In seinem Kopf liefen die vergangenen Jahre der Gefangenschaft ab – die Zeit als Häftling in Deutschland, die Zeit in den Lagern der Sowjets. Er war nun neuneinhalb Jahre in sowjetischer Haft und stand möglicherweise kurz vor seiner Entlassung.

Er fragte sich, ob er jetzt dorthin gehen sollte, um sich mit der Krankheit anzustecken und vielleicht sogar zu sterben – gerade jetzt, wo er endlich die Chance hatte, frei zu kommen. Er gab die einzig ehrliche Antwort, die er geben konnte: „Wenn du fragst, ob ich das will, die Antwort ist Nein, ich will es nicht. Aber wenn es niemand anderes tut, werde ich es tun.“

„Du hast die Arbeit“, sagte der Mann.

John Noble ging langsam zu dieser Baracke, besorgt, ob er das Richtige tat. Doch die Menschen brauchten Hilfe. Er wusste nicht, wer sie waren. Als er in die dunkle Baracke trat, schlug ihm ein widerlicher Gestank entgegen. Er konnte die Krankheit auf den Lippen spüren – es war furchtbar.

Er schaute sich um. Es gab keine Medikamente oder Desinfektionsmittel. Es war eine Sterbebaracke. Die Männer lagen auf Pritschen, lebende Skelette. Sie rührten sich nicht. Ein freies Feldbett stand im Raum – vielleicht war dort schon jemand gestorben. Er quartierte sich dort ein.

Vor der Tür stand etwas Wasser, wenigstens lauwarmes Wasser, und das Essen für die Männer. Alles, was er tun konnte, war, sie zu waschen und zu füttern.

Am nächsten Morgen war einer von ihnen gestorben, die anderen elf lebten. Einen nach dem anderen griff er unter die Arme und setzte sie auf. Sie husteten ihm ins Gesicht, und er war sicher, angesteckt worden zu sein. Doch er hatte sich verpflichtet und konnte nicht zurück.

Es vergingen etwa zwölf Monate. Tatsächlich gelang es ihm, die Männer wieder so weit zu bringen, dass sie selbständig essen und sich waschen konnten.

Es war Weihnachten 1949. Er hatte ein paar Tannenzweige von dem Holz gebrochen, das für die Küche bereitlag, um einen kleinen Weihnachtsbaum zu basteln. Mit Schleifen aus Tuchstreifen schmückten sie den Weihnachtsbaum.

Die elf Männer und er saßen um dieses kleine Bäumchen herum und summten Weihnachtslieder. Keiner von ihnen kannte die Worte, keiner war jemals zur Kirche gegangen. Niemand wusste, was Weihnachten wirklich bedeutete. Doch in ihrem Herzen war der Wunsch, Weihnachten zu feiern.

Sie saßen stumm um diesen Weihnachtsbaum, als der Deutsche unter ihnen aufstand, ihn anschaute und die Stille brach: „Ich glaube, ich kann für uns alle sprechen. Wir lagen im Sterben, wir wussten, wir werden sterben. Aber als du hereinkamst, um uns zu helfen, trotz der Gefahren, hat sich jeder von uns gesagt: Wir müssen weiterleben, wir dürfen nicht aufgeben.“

John Noble nahm ihm bei der Hand und erwiderte: „Wisst ihr, was Weihnachten bedeutet? Die Geburt von Christus, der gestorben ist, um uns zu helfen, um uns die Möglichkeit zum Überleben zu geben.“

Alle elf Männer wurden wieder gesund und später entlassen.

Soweit diese beeindruckende Geschichte.

Die Bedeutung von Berufung und Erwählung

Ja, unser Leben macht einen Unterschied. Es macht erst recht einen Unterschied, ob wir unsere Berufung leben oder nicht. In Berufung steckt das Wort „Rufen“. Wir werden gerufen, von Gott berufen, angerufen. Im Grunde geht es um eine göttliche Erwählung. Gott sucht sich Menschen aus und erwählt sie.

Wenn Gott beruft, dann ist er der Aktive, wir sind die Passiven. Wir hören nur zu. Die Frage ist dann oft: Wozu beruft mich Gott eigentlich? Was will Gott mit meinem Leben anfangen? Vielleicht haben wir eine besondere Befähigung, die wir als Auftrag von Gott empfinden. Oder wir haben diese Befähigung nicht und sehnen uns nach irgendeiner Berufung, also danach, dass unser Leben doch einen Unterschied macht.

Oder wir fragen uns in dem, was wir täglich tun, immer wieder nach dem Sinn. Welchen Sinn hat das, was ich mache? Einfach so vor uns hinzuleben, das genügt uns nicht. Stattdessen wollen wir etwas tun, das uns wirklich erfüllt.

Welches Gefühl überwiegt, wenn du jetzt diesen Vers liest, der in Johannes 15 steht: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er es euch gebe“ (Johannes 15,16)? Wir alle sind erwählt, um hinzugehen. Auch das kann ganz gemischte Gefühle in uns auslösen.

Die Herausforderung der Erwählung annehmen

Vanessa hat mich vorhin gefragt, in welches Land oder wo ich gern leben würde. Ich antwortete, dass ich eigentlich gerade nirgends hingehen möchte, weil ich ganz gern hier bin.

Es stellt sich die Frage, ob ich zulasse, dass Jesus mir sagt: „Du bist erwählt.“ Oder ob ich es annehme, wenn ich höre: „Jesus hat dich erwählt.“ Jesus hat dich erwählt, obwohl er dich kennt. Er hat dich erwählt, weil er dich kennt.

Mancher von uns denkt vielleicht bei dem Wort „Erwählung“ mit Schrecken an den Sportunterricht zurück. Dort wurde man auch immer „erwählt“, wenn es darum ging, Mannschaften zu bilden. Bei uns lief das immer gleich ab: Zwei durften wählen, und dann ging es nach Kompetenz und Eignung. Der Erste griff natürlich die Besten ab. Irgendwann kam er an den Punkt, an dem nur noch ein Haufen Leute übrigstand. Dann wurden sie einfach verteilt: „Ihr zwei dahin, ihr zwei dahin, und fertig.“

Diese Erfahrung haben wir vielleicht im Sportunterricht oder an anderen Orten gemacht. Der „Kruscht“ – auf Schwäbisch gesagt – also die, die zu nichts fähig waren, wurden am Schluss einfach mitverteilt. Aber davon können wir nicht sprechen, wenn es um Erwählung geht. Nein, sie wurden einfach zwangsverteilt.

Und dann kommt Jesus und sagt: „Du bist erwählt.“ Das ist etwas ganz anderes. Du wurdest, um im Bild zu bleiben, als Erste oder Erster ausgesucht und erwählt. Erwählung ist keine Mitleidsnummer von Jesus, in der er sagt: „Ach, der oder die ist halt noch übrig geblieben, dann nehme ich den halt auch noch mit.“ Nein! Jesus kommt zuerst und sagt: „Ich habe dich rausgesucht, so wie du heute hier bist. Dich habe ich rausgesucht, mit dir habe ich etwas vor, dich berufe ich.“

Erwählung ist Ausdruck von Gottes Liebe zu dir und mir. Er erwählt jeden einzelnen von uns. Vielleicht ist es kaum zu glauben, wenn du dein Leben vor deinen Augen Revue passieren lässt oder dir ansiehst, wie es dir gerade geht. Du denkst vielleicht: „Krass, dass Jesus mich beruft, wo doch gar nicht alles gut läuft. Wo ich immer wieder denke: ‚Ach, das hätte auch besser laufen können.‘“

Es gibt so viele Dinge, die uns das Leben schwer machen und uns den Blick auf unsere Berufung versperren. Wie ist es mit all unseren Anfechtungen und Zweifeln, die wir im Glauben und Gott gegenüber haben? Fragst du dich vielleicht: „Hat Jesus mich wirklich erwählt, trotz dieser ganzen Zweifel und Anfechtungen, die ich vielleicht jeden Tag erlebe?“ Ja, gerade deswegen.

Jesus hat dich erwählt und keinen anderen. Dich hat er erwählt, so wie du heute da sitzt. Jesus hat dich erwählt, weil er dich kennt. Er weiß ganz genau, worauf er sich bei dir einlässt. Und er weiß auch ganz genau, warum er dich in seiner Mannschaft haben will.

Nein, es ist kein Fehler passiert, und nein, du bist kein Betriebsunfall. Du bist der Wunsch, den sich Gott schon lange erfüllt hat. Jesus hat sich nicht verwählt. Jesus beruft uns als Menschen, und er beruft keine Heiligen.

Die ganze Bibel ist voller Berufungsgeschichten von Menschen, die keine Helden waren und nicht perfekt. Betrüger, Ehebrecher, Feiglinge, Menschen ohne Zukunft und viele andere. Wahrscheinlich sind wir, wenn wir über Berufung nachdenken, in allerbester Gesellschaft.

Und trotzdem erwählt uns Jesus mit voller Absicht.

Die Bedeutung der Erwählung im Johannesevangelium

Das Spannende an diesem Johannesvers finde ich, wie er beginnt: Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.

Es geht nicht darum, dass wir die Entscheidung treffen, zu sagen: „Jesus, ich habe dich erwählt, jetzt warte ich auf deine Antwort.“ Nein, Jesus hat von Anfang an uns erwählt und er wartet auf unsere Antwort.

Das Gute daran ist auch, dass unsere Erwählung nicht von uns abhängt. Sie hängt nicht davon ab, wie stark ich im Glauben bin, ob ich Anfechtungen habe oder Zweifel. Nein, die Erwählung hängt allein von Jesus ab. Jesus hat sich für dich entschieden.

Damit ist auch klar: Jesus wird niemals sein Wort brechen. Wenn er sagt: „Ich habe dich erwählt“, dann gilt das für alle Zeit und Ewigkeit. Jesus erwählt, damit wir hingehen.

Die Frage nach dem Wohin und Warum des Hingehen

Jetzt stellt sich die nächste spannende Frage: Wenn mich Jesus erwählt hat, um hinzugehen, wohin soll ich denn eigentlich gehen? Warum soll ich genau dorthin gehen?

Vielleicht denken wir dabei sofort an den Vers, den ich vorher schon zitiert habe, nämlich den Missionsbefehl aus Matthäus 28: „Darum gehe hin und mache zu Jüngern alle Völker.“ Dieser Vers ist vielleicht kein Fehler, denn es geht um alle Menschen. Dort steht nicht: „Geh hin und suche den einen einzigen, um ihn für mich zu gewinnen, und wenn du den nicht findest, dann ist dein Leben verpasst.“ Nein, da steht: „Mache zu Jüngern alle Völker, alle.“ Es sind die Menschen in der S-Bahn, im Bus, in deiner Nachbarschaft, in deiner Familie – es ist eigentlich völlig egal, alle. Einfach hingehen.

Wir sind hier im Johannesevangelium, und da hat „hingehen“ noch eine ganz andere Bedeutung als nur den Aufforderungscharakter, wie bei Matthäus. Es ist gleichzeitig ein tiefer Schwerpunkt. Bei Johannes verbindet sich das Hingehen immer auch mit dem Hingehen von Jesus ans Kreuz. Jesus geht bewusst nach Jerusalem, um als souveräner Herr am Kreuz stellvertretend für uns zu sterben.

„Hingehen“ bedeutet im Johannesevangelium immer: Es geht um unser Heil. So wie bei der Heilung am Teich Bethesda, wo Jesus zu dem Kranken sagt: „Steh auf, nimm dein Bett und geh hin.“ Oder wie bei uns: „Hingehen“ zum Heil, zu unserer Erlösung, in die Nachfolge, hingehen zum Kreuz und in die Nachfolge.

Jetzt betrifft es unsere Lebensentscheidung, nämlich die Erwählung von Jesus anzunehmen und hinzugehen. Hinzugehen, um den alleinigen Herrn und König dieser Welt anzuerkennen und ihn anzubeten.

Das Spannende im Johannesevangelium ist: Jesus am Kreuz ist nicht der leidende Gott, sondern der, der seinen Thron besteigt. Als Lamm der Welt stirbt er am Kreuz stellvertretend den Sühnetod für uns. Am Kreuz entscheidet sich unsere Nachfolge, am Kreuz entscheidet sich unsere Zukunft.

Hingehen zum Kreuz bedeutet, die Zukunft in Richtung Ewigkeit festzulegen und loszugehen.

Die Gewissheit der Erwählung und das persönliche Engagement

Jesu Erwählung steht felsenfest. Darauf können wir vertrauen. Oder, um es mit den Worten von Jumiko zu sagen: Jesus hat sich auf dich und auf mich festgelegt. Er hat sich committed. Da gibt es keine Zweifel mehr. Dieses Commitment gilt für die Ewigkeit.

Aber warum gerade ich? Vielleicht stellst du dir diese Frage immer wieder. Es gibt Situationen im Leben, in denen jemand den Mund aufmachen und etwas sagen muss. Ganz ehrlich, oft habe ich mich gefragt: Muss ich das wirklich sein, der da etwas sagt? Da sitzen doch noch so viele andere, die auch mal aufstehen und das Wort ergreifen könnten. Die eine flammende Rede für Jesus halten oder auf andere Weise Zeugnis geben. Warum soll ich hingehen?

Es gibt doch genug Hauptamtliche auf dieser Welt – Predigerinnen, Prediger, Pfarrerinnen, Pfarrer. Das ist doch eigentlich egal, denn sie werden dafür bezahlt. Warum muss ich jetzt hingehen?

Aber dieser Vers sagt nicht, dass Jesus euch erwählt hat, damit eure Pastorinnen und Pastoren hingehen. Nein, er sagt, dass er euch erwählt und bestimmt hat, dass ihr hingeht. Es geht um uns alle. In unserer Jesusnachfolge sind wir dazu berufen, in die Welt zu gehen, hinzugehen. Denn die Welt braucht dringend mehr Hoffnung.

Unsere Berufung und Verheißung hängen mit der Hoffnung zusammen, die in uns ist – eine Hoffnung, die wir durch Kreuz und Auferstehung haben. Unsere Hoffnung ist nicht nur eine Möglichkeit unter vielen, die vielleicht noch unsicher ist. Sie ist eine feste Gewissheit.

Auf dieser Hoffnung fußt unser Leben. Als Christinnen und Christen tragen wir diese Hoffnung in uns. Sie ist uns sogar auf die Stirn geschrieben.

Die sichtbare Hoffnung und das Zeugnis im Alltag

Und wenn du dich das nächste Mal fragst: Bin ich die Person, die dir etwas sagen soll? Ja, natürlich, denn es weiß doch jeder, dass du es bist. Es steht dir regelrecht auf der Stirn geschrieben, dass du Jesusnachfolgerin oder Jesusnachfolger bist. Das ist gar kein Geheimnis mehr.

Wir tun oft so, als wüssten die anderen nicht, dass wir Jesus nachfolgen. Doch das spürt man, und alle spüren, dass wir Jesus im Herzen tragen. Das können wir nicht verbergen. Deshalb kann man es auch ruhig zeigen, denn alle warten ohnehin darauf. Alle warten darauf.

Gleichzeitig müssen wir uns immer wieder selbst an diese Hoffnung erinnern, denn sie ist das Fundament unseres Lebens. Jesus ist für dich und für mich gestorben. Unser Gott ist nicht tot. Jesus ist nicht am Kreuz zerbrochen, er lebt. Durch seine Auferstehung steht unser Leben auf ganz neuen Beinen. Wir stehen in seinem Licht.

Unsere Berufung und Verheißung ist sogar noch dramatischer: Es steht uns auf der Stirn geschrieben, dass wir zu Jesus gehören. Jesu Licht scheint auch durch uns hindurch, und wir stehen in seinem Licht. Wir stehen nicht im Dunkeln, sondern sind angestrahlt wie ein Flutlicht, das das Licht der Auferstehung Jesu in diese Welt bringt.

Es ist taghell um uns herum, auch wenn wir manchmal meinen, es sei dunkel und wir könnten uns verstecken. Nein, wir sind berufen, hinzustehen, weil es sowieso jeder sieht. Der lebendige Gott schenkt uns eine lebendige Hoffnung, die alles verändert.

Diese Hoffnung ist das Geniale an unserem Glauben. Sie lenkt unseren Blick immer wieder weg von dem, was uns Angst macht, hin auf Jesus Christus selbst. Wir haben die Möglichkeit, dafür zu beten und zu sagen: Jesus, nimm das weg, das macht mir Angst oder Sorgen. Lenke meinen Blick wieder auf dich.

Das unterscheidet uns von allen anderen Menschen, die das nicht können. Wir können auf Jesus schauen, und dann sehen wir das Licht, dann sehen wir das Leben. So wird uns wieder bewusst, dass wir die Erwählten sind. Dieses Licht der Hoffnung, Jesus Christus, verändert unser Leben hier und jetzt. Es verändert auch unsere Zukunft.

Ganz egal, wie es uns heute geht, egal, was wir gerade durchleben oder erleben – diese Hoffnung, dass wir durch Jesus Christus Rettung und ewiges Leben haben, eröffnet uns einen ganz neuen Horizont. Plötzlich wird die Frage klar: Was zählt wirklich in meinem Leben? Und wo macht mein Leben einen Unterschied?

Ewigkeitsperspektive und der wahre Erfolg

Unser Leben macht einen Unterschied, weil wir nicht allein auf dieses irdische Leben angewiesen sind. Unsere Perspektive richtet sich auf die Ewigkeit.

Wenn man sich umschaut – sei es in der Schule, in der Ausbildung, im Studium oder im Beruf – dann zählt für viele Menschen der Erfolg hier auf der Erde. Sie ordnen alles diesem Erfolg unter. Oft nach dem Motto: Hauptsache ich, und dann kommt wieder ich. Doch das ist nicht unsere Perspektive.

Dabei soll nicht gesagt werden, dass Christen keinen Erfolg haben dürfen. Im Gegenteil, Christen dürfen durchaus erfolgreich sein. Aber unser Blick richtet sich auf die Ewigkeit. Was wirklich zählt, ist die Ewigkeit und nicht der Erfolg, den wir hier auf der Erde erzielen.

Natürlich dürfen wir uns über jeden Erfolg hier freuen, aber entscheidend ist das, was in der Ewigkeit Bestand hat. Wer auf Jesus, den auferstandenen Christus, blickt, der den Tod besiegt hat, kann weder hoffnungslos noch verbittert oder verbissen sein.

Der Auferstandene ist Gewissheit und Wirklichkeit. Kreuz und Auferstehung sind keine Hirngespinste, die wir uns einbilden. Unsere Berufung ist keine Einbildung, sondern Wirklichkeit.

Wir wissen um die Hoffnung und sind uns bewusst, dass wir Hoffnungsbotschafter für diese Welt sind.

Die Herausforderung, Hoffnungsbotschafter zu sein

Und damit wird die ganze Berufung auch herausfordernd, wenn wir Hoffnungsbotschafterinnen und Hoffnungsbotschafter sind.

Es fängt in der eigenen Familie an. Wie schwer fällt es mir, mit meinen engen Freunden über Glauben zu sprechen? Wie schwer ist es manchmal, mit der Nachbarschaft über Glauben zu sprechen oder überhaupt ins Gespräch zu kommen? Wie ist es beim Fußballverein? Wie ist es an den Orten, an denen ihr euch bewegt?

Und doch sind wir Hoffnungsbotschafter auch für Zufallsbekanntschaften – im Bus, im Zug, beim Bäcker, egal wo. Diese Menschen erleben durch uns etwas. Sie erleben, wie wir mit ihnen umgehen. Leute, die uns ansehen, dürfen gern den Unterschied sehen.

Jesus sagt: Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er es euch gebe. (Johannes 15,16)

Jesus hat uns erwählt und berufen, dass wir hingehen. Das Geniale ist: Gleichzeitig gibt er uns noch eine Zusage. Vielleicht überlesen wir die manchmal, aber da steht, dass ihr hingeht, Frucht bringt und eure Frucht bleibt. Es bleibt etwas.

Es ist nicht umsonst, wie wir leben. Nein, da steht: Ihr bringt Frucht, die bleibt. Um ganz deutlich zu sagen: Jesus beruft dich, und du bist mit einer Verheißung unterwegs, weil deine Frucht bleibt. Jesus gibt uns hier die Zusage: Ich wirke durch dich und ich wirke auch trotz dir, aber es bleibt etwas von dir.

Denn das, was wir bringen und was zur Frucht wird, das ist auch nicht unser Verdienst. Es ist Jesu Wirken durch uns und manchmal auch trotz uns. Vielleicht wunderst du dich, dass ich jetzt sage „trotz uns“, aber das ist das, was mir manchmal das Leben leichter macht. Ich denke dann: Es kommt einfach nicht auf mich an.

Wie oft habe ich schon gedacht: Chance verpasst, da hättest du etwas sagen können, da hättest du noch etwas sagen können. Und manchmal ist es so, dass mir Leute Rückmeldungen geben, wo sie gemerkt haben, dass ich glaube.

Es war im wenigsten Fall das, was ich gesagt habe, sondern wie ich mich verhalten habe. Da haben Leute gemerkt: Das ist etwas anders.

Und das andere ist: Wenn wir auf Menschen zugehen und sie so wie vielleicht die Frau in Japan irgendwann frustriert sagen: „Das hat doch gar keinen Wert, da kommt doch nichts herum“, dann frage ich mich immer: Woher weißt du, dass da nichts herumkommt?

Diese Geschichte von Karolina ist das beste Beispiel dafür, zu sagen: Doch, da kommt etwas herum, da passieren plötzlich Dinge.

Deshalb können wir mit aller Freude und mit allem Mut einfach vorwärts gehen und leben.

Zeugnis im Alltag und gegenseitige Stärkung

Mein Jakob geht in die Jungschar. Wenn Schluss ist, hört man immer nur einen Spruch brüllen: „Mit Jesus Christus mutig voran!“ Wenn 35 Jungschärler das gemeinsam rufen, dann bewegt das etwas.

Ich glaube, wir dürfen diesen Ruf auch jeden Tag neu aussprechen: „Mit Jesus Christus mutig voran!“ Jesus wirkt durch uns und auch trotz uns. Menschen, denen wir begegnen, sollen etwas von jedem von uns erfahren – egal, wo wir gerade sind.

Die eindrücklichsten Gespräche der letzten Jahre hatte ich vor dem Kindergarten, beim Abholen meiner Kinder. Oft kamen Eltern auf mich zu und stellten Fragen, bei denen ich dachte: „Wir haben nur drei Minuten, wie soll ich da eine Antwort geben?“ Doch genau diese Gespräche waren oft entscheidend.

Wir brauchen wieder mehr Mut, um evangelistisches Zeugnis abzulegen. Vor allem aber sollten wir uns gegenseitig unsere Glaubensgeschichten erzählen. Wir sind dazu berufen, uns gegenseitig zu stärken. „Hingehen zu allen“ heißt auch, zu denen aus meiner Gemeinde und meinem Freundeskreis zu gehen – auch zu denen, die Christinnen und Christen sind. So wird Jesu Leidenschaft wieder deutlich.

Diese Glaubensgeschichten, die wir uns erzählen, sind Glaubensbooster für unseren Alltag. Sie stärken uns. Dafür brauchen wir keine Vorlesungen. Nein, wir brauchen einfach nur das, was wir erlebt haben, weiterzugeben.

Außerdem braucht es unsere diakonische Leidenschaft, um für andere etwas zu tun. Manchmal ist es besser, einfach da zu sein und einem anderen zu helfen. Das hilft oft viel mehr. Manchmal denken wir, wir müssten immer von Jesus reden. Aber manchmal ist es wirklich so: Rede von deinem Glauben und notfalls auch mit Worten. Manchmal reicht es, dass jemand da ist, jemand mit einem sitzt und einem das Gefühl gibt: „Ich bin nicht allein.“

Berufung ist ganz unterschiedlich. Gustav Werner, der Gründer der Diakonie Reutlingen, sagte einmal: „Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert.“ Unsere Berufung soll zur Tat werden – gerade weil wir mit Verheißung berufen sind.

Jesus sagt: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er es euch gebe.“ (Johannes 15,16)

Erwählung bedeutet, hingehen und bleiben – vielleicht auch nur bei einem einzigen Menschen.

Die Frage nach dem Für-Wen der Berufung

Und vielleicht ist unsere Frage nicht immer nur: Wozu bin ich berufen? Sondern vor allem auch: Für wen bin ich berufen? Jesus, wen legst du mir aufs Herz?

Ganz oft ist es bei mir so, dass ich bei der Frage nach der Berufung automatisch an Mission, Ausland oder an mein berufliches Umfeld denke. Ich frage mich: Was soll ich tun? Wo soll ich wirken?

Doch ich glaube, es geht nicht immer nur darum, was wir beruflich tun, sondern manchmal vielmehr darum, für wen wir das tun und für wen wir da sind. Wen legt Jesus mir aufs Herz?

Dieser Vers in Johannes 15 mündet ja in die Aussage: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“

Manchmal ist unsere Berufung – und das bitte nicht falsch verstehen, wenn ich das in Anführungszeichen setze – nicht, etwas Besonderes zu leisten im beruflichen Sinne. Sondern vielmehr, dass wir einfach treue Beterinnen und Beter sind – für jemanden.

Unser Wirken beginnt mit Gebet, mit beharrlichem Gebet. Und dieses Gebet heißt auch, hingehen – hingehen zum Kreuz. Jemanden zum Kreuz bringen, der uns auf dem Herzen liegt, mit beharrlichem Gebet.

Gebet verändert unsere Kirche, unsere Gesellschaft und Menschen. Und unser Gebet ist auch für Erweckung, damit andere merken: Es macht einen Unterschied, ob ich Jesus nachfolge oder nicht.

Du bist erwählt, du hast eine Verheißung, deine Frucht bleibt. Deswegen macht dein Leben den Unterschied.

Die Bedeutung jedes Einzelnen in Gottes Plan

Dein Leben zählt. Es ist nicht egal, ob es dich gibt oder nicht. Wenn du nicht da bist, dann fehlt jemand. Ganz ehrlich gesagt: Wenn du nicht da bist, ist Jesus und seine Mannschaft nicht spielbereit.

Es kommt auf dich an – aber ganz ohne Druck. Jesus sagt: „Ich mache das schon.“ Trotzdem braucht er dich genau an dem Ort, an dem du bist. Denn die Menschen brauchen dich. Sie sehen durch dich Jesus. Sie erleben ihn durch dich. So erfahren sie, wie Jesus wirklich ist – wie Gott, der ein Vater ist, der Liebe ist. Vielleicht zeigt er sich für manche auch mit ganz bewusst mütterlichen Zügen.

Gott braucht dich. Er braucht dich so, wie du heute hier bist. Höre auf ihn und höre einfach noch einmal zu: Jesus, wo willst du mich haben? Deine Berufung ist sicher. Die Verheißung deines Lebens ist auch sicher.

Du bist eine Hoffnungsbringerin, ein Hoffnungsbringer, ein Ewigkeitsbringer, ein Jesusbringer. Jesus legt dir Menschen ans Herz. Vielleicht hast du schon jemanden vor Augen, bei dem du denkst: „Vielleicht bin ich für diese Person da.“ Bet für sie, begleite sie durchs Leben. Sei ein treuer Freund, eine treue Freundin und warte ab, was Jesus daraus macht.

Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt. Eure Frucht bleibt, damit, wenn ihr den Vater bittet in meinem Namen, er es euch gebe.

Gebet zum Abschluss

Ich bete mit uns: Jesus Christus, wir danken dir, dass du uns erwählt hast – jede und jeden Einzelnen.

Danke, dass du durch uns wirkst und trotz uns. Danke, dass du der Herr dieser Welt bist. Wir danken dir, dass all das, was wir tun und reden, nicht umsonst ist, sondern dass du daraus etwas machst.

Danke, dass du der Herr bist. Danke, dass wir in deiner Mannschaft sein dürfen. Danke, dass deine Erwählung nicht endet, sondern dass du mit uns in Ewigkeit lebst.

Mach du uns zu Lichtern in der dunklen Welt. Bitte bewirke, dass andere durch uns dich sehen.

Du bist der Herr. Danke für unsere Berufung, für die Verheißung und für den Segen, den du auf unser Leben legst.

Amen.