Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter ist, Weg, Wahrheit und Leben.
Episode 575: Hilfe für ältere Söhne.
Einführung: Die Herausforderung für ältere Söhne
Bevor wir weiterziehen, möchte ich gerne noch darüber nachdenken, wie man Menschen helfen kann, die in der Rolle des älteren Bruders gefangen sind – also religiöse Menschen, auf die drei Dinge zutreffen.
Erstens sind sie in einer Lebenseinstellung gefangen, die Selbstüberforderung und ein Streben nach Anerkennung durch Leistung miteinander verbindet. Zweitens zeigt sich bei ihnen eine emotionale Verhärtung. Freude ist ihnen eher fremd; stattdessen dominieren Zorn oder Groll. Die Gefühle, die wir lernen müssen, fehlen, während die sündigen Gefühle, die sich mehr oder weniger von alleine einstellen, Überhand nehmen.
Drittens gibt es ungelöste Vergleichs- und Gerechtigkeitskonflikte, die sich vor allem in einem nicht verarbeiteten Beziehungsschmerz äußern. Dieser Schmerz zeigt sich in Gedanken wie: „Mir hast du niemals ein Böckchen gegeben.“
Wie kann man solchen Menschen helfen, die auf ungesunde Weise Anzeichen von Selbstüberforderung und emotionaler Verhärtung in Verbindung mit ungelösten Konflikten aufweisen? Diese Menschen halten sich für gläubig und sind es vielleicht auch irgendwie. „Irgendwie“ deshalb, weil es irgendwann schwierig wird, ein Glaubensleben, das aus einem falschen Gottesbild heraus erwächst, als echt einzuschätzen.
Die Notwendigkeit der Überführung durch Gottes Wort
Wie kann man solchen Menschen helfen? Die Antwort lautet: Man kann ihnen nur helfen, wenn sie sich vom Wort Gottes überführen lassen.
Deshalb lässt der Herr Jesus den Vater in unserem Gleichnis auch sagen: „Aber man muss doch jetzt fröhlich sein und sich freuen, denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden und verloren und ist gefunden worden“ (Lukas 15,32).
Hier wird ein Prinzip deutlich. Der Vater formuliert, man müsse jetzt fröhlich sein und sich freuen. Es gibt also Dinge, die kann man nur auf genau eine Weise betrachten.
Wenn ein verlorener Sohn nach Hause kommt, dann ist der Zorn des älteren Bruders keine mögliche Option. Er ist einfach falsch – falsch im Sinne von unangemessen. Seine Reaktion ist auch nicht verständlich oder nachvollziehbar, sondern schlichtweg daneben.
„Man muss doch jetzt“ – diese Formulierung macht klar, dass kein anderes Verhalten als Freude angemessen ist.
Heiligung als Anpassung an Gottes Standard
Gehen wir kurz auf die Metaebene. Was wir hier betrachten, ist die Quintessenz von Heiligung. Heiligung bedeutet, dass Gott mir seinen Standard zeigt, und ich mein Verhalten entsprechend anpasse beziehungsweise mein falsches Tun als Sünde bekenne.
Wenn Gott sagt, man müsse jetzt dies oder jenes tun, dann ist alles gesagt. Vor allem als gläubiger Mensch muss ich dann nicht mehr darüber nachdenken, was richtig ist. Es gilt nur noch, mein Verhalten an diesen Standard anzupassen. Wo ich das nicht tue, beginnt Eigenwilligkeit und Ungehorsam.
Zurück zur Frage, wie man einem religiösen Menschen helfen kann: Wenn die betroffene Person sich von Gottes Wort korrigieren lässt, dann kann man ihr helfen. Wenn nicht, dann nicht.
Leider sind religiöse Menschen, auch wenn sie Bibelstellen zitieren, selten bereit, sich vom Wort Gottes korrigieren zu lassen. Ihre Dickköpfigkeit versteckt sich oft hinter einer sehr selektiven Auswahl von Versen, einer eigenwilligen Interpretation und damit einhergehend einer Unfähigkeit, über das eigene System hinausdenken zu können.
Voraussetzungen für Hilfe: Offenheit für Gottes Wort
Wie kann man religiösen Menschen helfen, die auf ungesunde Weise Anzeichen von Selbstüberforderung und emotionaler Verhärtung zeigen, insbesondere wenn diese mit ungelösten Konflikten zusammenhängen?
Zunächst benötigen sie eine Offenheit für Gottes Wort. Wenn diese Offenheit vorhanden ist, können wir gemeinsam mit ihnen die verschiedenen Problemfelder nacheinander angehen.
Das erste Problemfeld ist die Selbstüberforderung und das Leistungsdenken.
Problemfeld 1: Selbstüberforderung und Leistungsdenken
Wer hier Probleme hat, muss ganz neu und tief verstehen, dass gottesväterliche Liebe ein Geschenk ist. Aus dem Glaubenssatz „Ich muss genügen“ soll der Glaubenssatz „Ich bin geliebt“ werden. Gott hat uns schon hundertprozentig geliebt, als wir noch Sünder waren. Wie viel mehr wird er uns jetzt lieben, wo wir seine Kinder sind, mit seiner unverschämt hingebungsvollen Liebe.
Wer bei solchen Gedanken ein Problem bekommt oder immer wieder in alte Muster verfällt, dem rate ich: Lerne viele Bibelstellen auswendig, die dir Gott als gnädig und barmherzig vorstellen. Diese Stellen zeigen dir, wie er sich kümmert und wie er immer mit offenen Armen dasteht.
Denke täglich dankbar über all das Gute nach, das Gott dir schenkt. Schmecke seine Güte und begreife dich als ein geliebtes Kind. Lass negative Erfahrungen, die du womöglich als Kind mit deinen Eltern gemacht hast, nicht im Heute deine Beziehung zu Gott sabotieren.
Und wenn der Teufel dir Lügen eingibt, die dich klein machen und die Liebe des Vaters in Frage stellen, wie zum Beispiel: „Schau dir nur an, wie du lebst“, „Schon wieder versagt“ oder „An so einem Kind kann Gott sich niemals freuen“ – dann erinnere dich: Gott freut sich an Schmuddelkindern.
Wenn der Teufel uns Lügen eingibt, zitieren wir die Schrift und verbieten ihm, uns weiter zu belästigen. Jesus hat uns in der Wüste vorgemacht, wie man sich gegen dämonische Angriffe zur Wehr setzt. Und wir machen es genauso.
Problemfeld zwei: Wenig Freude, dafür Zorn.
Problemfeld 2: Wenig Freude, dafür Zorn
Wer Schwierigkeiten damit hat, muss lernen, sich bewusst zu freuen. Kleine Rituale im Leben helfen dabei, Erfolge zu feiern. Es ist wichtig, sich bewusst mit anderen zu freuen und über Gottes Freude nachzudenken.
Ebenso kann man sich in die Freude der Psalmisten an Gott hineinfühlen. Manchmal hilft es, laut zu jubeln, bewusst ein Lied zu singen oder sich etwas zu gönnen. Dankbar eine Pause zu machen und sich mit Menschen zu umgeben, die von Natur aus fröhlich sind, kann ebenfalls Freude fördern. Freude, wie zum Beispiel durch Schokolade, kann man lernen.
Freude ist eine Frucht des Heiligen Geistes. Wir dürfen darum bitten und einen Mangel an Freude als Sünde bekennen – genauso wie wir Zorn, Wut, Groll oder Neid bekennen würden.
Problemfeld drei: ungelöster Schmerz.
Problemfeld 3: Ungelöster Schmerz
Wer Probleme hat, der braucht die Klagepsalmen. Und er sollte sich das Klagen erlauben, so wie es die Psalmisten tun.
Achtung: klagen, nicht murren! Es gibt nämlich ein gesundes Klagen, das Ausdruck von Glauben ist. Ich konfrontiere Gott mit meinen Fragen, weil ich ihn nicht mehr verstehe. Gleichzeitig erhoffe ich mir von ihm Weisheit, Einsicht und zumindest Trost und Hoffnung.
Lasst uns klagen, wenn wir uns ungerecht behandelt fühlen, unser Leben nicht mehr verstehen, verzweifelt sind oder überfordert. Wenn wir im Gebet ehrlich werden und Gott unser Herz ausschütten, dann werden wir ihn als einen Gott erleben, der eingreift.
Ja, auf seine Weise und zu seiner Zeit. Aber er wird es tun.
Zusammenfassung und Ausblick: Gottes Wort als Hilfe und Heilung
Fassen wir zusammen: Wie können wir einem religiösen Menschen helfen, der in Selbstüberforderung, emotionaler Verhärtung und ungelösten inneren Konflikten gefangen ist? Und wie können wir vielleicht uns selbst helfen?
Die Antwort lautet: Lass Gottes Wort der Maßstab in deinem Leben sein. Entdecke in der Bibel die Tiefe der Liebe Gottes, den Wert von Freude und das Vorrecht des Klagens.
Gott will uns als Vater begegnen. Egal, auf welche Weise wir verloren sind – sei es in der Ferne, verloren in Triebbefriedigung und Selbstverwirklichung, oder zu Hause, verloren im Wunsch, anderen zu gefallen und uns Gnade zu verdienen – in beiden Fällen finden wir bei Gott Hilfe und Annahme.
In beiden Situationen kommt uns ein liebender Vater entgegen, um uns zu retten.
Was könntest du jetzt tun? Überlege, ob dein Bild von Gott genug Liebe, Freigebigkeit und Gelassenheit enthält.
Abschluss und Segenswunsch
Das war es für heute.
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Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.
