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Lesung: Wer bin ich? | Chris Morphew

Wer bin ich, Teil 5/10
07.04.2023
SERIE - Teil 5 / 10Wer bin ich

Wer bin ich? Von Chris Morphew – eine Lesung von Raoul Simeonescu.

Theologie, die dich im Glauben wachsen lässt. Nachfolge praktisch: Dein geistlicher Impuls für den Tag.

Mein Name ist Jürgen Fischer, und ich darf euch exklusiv die Lesung eines ganz neu erschienenen Buches präsentieren: Chris Morphew – Wer bin ich und warum bin ich wertvoll?

Rückblick auf die Suche nach Sinn und Wert

Kapitel fünf
Wo finde ich wahre Freiheit?

Werfen wir einen kurzen Blick zurück auf das, was wir bisher herausgefunden haben. Wir alle suchen nach Sinn und Bedeutung im Leben. Wir alle versuchen zu verstehen, wer wir sind und wo wir hingehören. Außerdem wollen wir wissen, dass wir wertvoll sind.

Menschen suchen an den unterschiedlichsten Orten nach dieser Bedeutung: in dem, was sie besitzen, in ihrem Aussehen oder in dem, was sie tun können. Nichts davon ist an sich grundsätzlich schlecht. Diese Dinge sind nur einfach nicht zuverlässig, tragfähig oder beständig genug, um unser gesamtes Leben darauf zu bauen.

Wenn wir darauf setzen, dass uns irgendetwas davon sagt, wer wir sind und ob wir wertvoll sind, werden wir jedes Mal erschöpft und enttäuscht zurückgelassen. Aber was wird uns nicht enttäuschen?

Viele Menschen würden dir raten, dir selbst zu vertrauen, in dein Herz hineinzuschauen und dich von deinen eigenen tiefsten Gefühlen leiten zu lassen.

Die Grenzen menschlicher Orientierung

Aber auch das erweist sich als Sackgasse. Unsere tiefsten Gefühle ändern sich ständig, sie widersprechen sich und manche von ihnen sind nicht einmal gut oder richtig. Es sind nicht unbedingt Gefühle, denen man treu sein sollte.

Wie wir gerade festgestellt haben, ist es ein ähnliches Auf und Ab, wenn wir unseren Selbstwert in der Anerkennung anderer Menschen suchen. Das ist ebenfalls eine Achterbahnfahrt.

Was wir wirklich brauchen, ist etwas, das größer ist als wir selbst und größer als andere Menschen. Etwas, das uns führen und leiten kann.

Das führt uns zu Gott.

Gottes Führung als Quelle der Freiheit

Mehr als tausend Jahre bevor Paulus in seinem Brief an die Korinther davon schrieb, wie er seine Identität in Gott gefunden hat, waren seine Vorfahren, die Israeliten, gerade der Sklaverei in Ägypten entflohen.

Sie lagerten am Fuße des Berges Sinai, wo Gott ihnen eine Reihe von Gesetzen gab. Diese sollten ihnen zeigen, wie sie als sein Volk leben sollten. Das allererste Gesetz, das er ihnen gab, lautete:

„Ich bin Yahweh, dein Gott. Ich habe dich aus dem Sklavenhaus Ägyptens befreit. Du darfst keine anderen Götter neben mir haben.“

Einerseits sagte Gott seinem Volk damit: Betet nicht zu Osiris, Isis, Horus oder irgendeinem der anderen Götzen, die eure Sklavenhalter dort in Ägypten angebetet haben. Betet auch nicht zu Baal, Aschera oder irgendeinem der Götzen, die die Leute in dem Land anbeten, in das ich euch jetzt bringen werde.

Ich bin der einzig wahre Gott, und ihr seid mein Volk. Also betet mich an.

Die tiefere Bedeutung des ersten Gebots

Der Befehl hatte jedoch eine tiefere Bedeutung. Als Gott sagte: „Du darfst keine anderen Götter neben mir haben“, befahl er damit zugleich, niemanden und nichts mehr zu schätzen als ihn.

Sie sollten ihren tiefsten Sinn, ihre Bedeutung und ihre Sicherheit im Leben nicht in Geld, Besitz, Aussehen, Fähigkeiten, Freunden, Familie oder irgendetwas anderem suchen. Gott wollte, dass sein Volk diese Dinge bei ihm suchte.

Auf den ersten Blick wirkt das vielleicht etwas befremdlich. War Gott wirklich so einsam, unsicher und verzweifelt auf der Suche nach Aufmerksamkeit? War er wirklich so selbstsüchtig, zu denken, alle sollten sich nur um ihn kümmern?

Nein, Gott gab seinem Volk diese Regel nicht, weil er etwas von ihnen brauchte. Er wusste vielmehr, dass es das Beste für sie war. Klar, Gott verdiente die Liebe seines Volkes zu hundert Prozent. Aber er befahl ihnen nicht, ihn zu lieben, weil er das brauchte. Er tat es, weil es etwas war, das sie brauchten.

Freiheit durch Gottes Weisung

Generationen später dachte ein weiterer Angehöriger von Gottes Volk über die Gesetze nach, die Gott ihnen gegeben hatte. Er kam zu dem überraschenden Schluss: „Ich werde weiten Raum zum Leben haben, weil ich mich stets nach deiner Weisung richte“ (Psalm 119,45).

Er sagte, er sei deshalb frei, weil er Gott über sein Leben bestimmen ließ. Er ließ sich von Gott leiten und zeigen, wie man am besten lebt.

Gewöhnlich verstehen wir unter Freiheit das Gegenteil von Regeln. Aber Gott sagt, wahre Freiheit entsteht, wenn wir ihn Herr über uns sein lassen und uns von ihm leiten lassen.

Freiheit in der Akzeptanz von Grenzen

Auf den ersten Blick mag das vielleicht irgendwie verdreht wirken. Doch wenn wir genauer darüber nachdenken, merken wir, dass das in vielen anderen Bereichen unseres Lebens ebenfalls gilt.

Nehmen wir zum Beispiel den Schlaf. Dein Körper braucht jede Nacht eine ausreichende Menge Schlaf, um gesund zu bleiben. Diese Tatsache kannst du ignorieren, wenn du möchtest. Du kannst dir Kaffee und Energydrinks gönnen und dir jedes Mal eine Ohrfeige geben, wenn deine Augenlider schwer werden. Aber gut wird das für dich nicht enden. Das Schlafbedürfnis deines Körpers zu ignorieren, mag sich kurzfristig nach Freiheit anfühlen. Doch irgendwann wird es deine Freiheit zerstören. Es wird dich körperlich und seelisch ruinieren, weil dein Körper darauf angelegt ist, zu schlafen.

Dasselbe gilt für die Ernährung. Dein Körper braucht eine angemessene Ernährung, damit es ihm gut geht. Natürlich kannst du auch diese Tatsache ignorieren, wenn du möchtest. Sich von Burgern und Pommes zu ernähren, fühlt sich anfangs vielleicht wirklich nach Freiheit an. Aber irgendwann wird es dich ruinieren. Diese Art von Ernährung wird dich kaputtmachen, weil dein Körper auf gesunde Ernährung angelegt ist.

Wenn du dauerhafte Gesundheit und Freiheit willst, wirst du sie nicht finden, indem du die Dinge ignorierst, die du zum Überleben brauchst. Du wirst sie finden, indem du die Realität akzeptierst. Du bist darauf angelegt, dass dir Schlaf gut tut. Du bist darauf angelegt, dass dir gesundes Essen gut tut.

Gottes Liebe als Grundlage unserer Identität

Was Gott hier sagt, ist: Auf einer noch tieferen Ebene bist du genauso darauf angelegt, dass seine Liebe, seine Fürsorge und seine Leitung dir guttun.

Gott hat dich geschaffen. Herauszufinden, wer du bist, geht deshalb Hand in Hand damit, herauszufinden, wer er ist.

Der Grund, warum es so anstrengend ist, sich eine eigene Identität zu erschaffen, liegt darin, dass wir nie dazu bestimmt waren, unsere Identität selbst zu erschaffen.

Deine wahre Identität, dein wirklicher Wert, ist nichts, das du dir selbst erschaffen, verdienen oder konstruieren musst. Es ist etwas, das Gott dir schenkt.

Er will dir helfen, dies zu entdecken, wenn du ihn in den Mittelpunkt deines Lebens stellst.

Die Einladung zur Freiheit in Gott

Gott erwartet nicht von dir, dass du deine Freiheit aufgibst, um ihm nachzufolgen. Er möchte vielmehr, dass du ihm folgst, damit er dich zur Freiheit führen kann – zum wahren Leben, zu dem Sinn und Ziel, für das er dich geschaffen hat.

Vielleicht klingt das für dich so, als würde Gott sagen: „Liebe mich mehr und deine Freunde, deine Familie und dein Leben weniger.“ Doch das ist nicht, was er von dir will. Ganz im Gegenteil: Gott weiß, dass wenn wir ihn an die erste Stelle setzen – also zulassen, dass er unser Leben mit Liebe, Freude, Sinn und Bedeutung erfüllt, mit all den Dingen, nach denen wir uns sehnen – wir dann in der Lage sein werden, unsere Freunde und Familie viel besser zu lieben, als wir es ohne seine Hilfe je könnten.

Gott an die erste Stelle zu setzen, wird uns außerdem freimachen, das gesunde Mittelmaß zu finden, von dem meine Freundin vorher sprach. Wir können unser Geld, unsere Errungenschaften und all die anderen guten Dinge, die Gott uns schenkt, genießen, ohne davon besessen zu sein.

Auf dem Weg zum wahren Selbst

So verkehrt es auf den ersten Blick auch erscheinen mag: Wenn Gott uns einlädt, ihn zum Allerwichtigsten in unserem Leben zu machen, dann lädt er uns tatsächlich auf eine Reise ein. Eine Reise, um unser wahrstes und freiestes Ich zu entdecken.

Das bringt uns zur nächsten Frage: Wer oder was genau ist unser wahrstes und freiestes Ich? Wer sind wir eigentlich in Gottes Augen?

Das war es für heute. In der nächsten Episode geht es mit der Lesung weiter. Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

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