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Der himmlische Vater zieht zum Sohn

08.07.1962Apostelgeschichte 16,26-31

Ankunft und erste Verkündigung in Philippi

Paulus ist nach Europa gekommen, nach Philippi, und verkündigt dort die Botschaft: So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen Sohn gab. Es entsteht ein furchtbarer Tumult, der schließlich dazu führt, dass Paulus und Silas gegeißelt und ins Gefängnis geworfen werden.

Der Kerkermeister nimmt die Sache sehr ernst. Er sperrt sie ins innerste Gefängnis und legt ihre Füße in den Stock. Nun kommen wir zu dem Text, den wir heute besprechen. Um Mitternacht lobten Paulus und Silas im Gefängnis Gott. Plötzlich geschieht ein großes Erdbeben. Die Grundfesten des Gefängnisses bewegen sich, und alle Türen werden aufgerissen, alle Bande lösen sich.

Als der Kerkermeister aus dem Schlaf erwacht und sieht, dass die Türen des Gefängnisses offen stehen, zieht er sein Schwert und will sich selbst töten, weil er glaubt, die Gefangenen seien entflohen. Paulus aber ruft laut: „Tu dir nichts Übles! Wir sind alle hier.“ Er fordert ein Licht an, springt hinein und zitternd fällt der Kerkermeister Paulus und Silas zu Füßen. Er sagt: „Liebe Herren, was soll ich tun, dass ich selig werde?“ Sie antworten: „Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du und dein Haus selig.“ Paulus spricht weiter: „Heilige uns in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit.“ Amen.

Das ist eine verwirrende und unheimliche Geschichte. Ist Ihnen klar geworden, dass alle Personen, die hier vorkommen, an der Todesgrenze entlanggehen? Das Erdbeben ist so stark, dass die Grundfesten des Gefängnisses sich bewegen. Es fehlt nicht viel, und Paulus mit all den Gefangenen wären unter den Trümmern verschüttet. Der Kerkermeister versucht einen ernsthaften Selbstmordversuch. Eine unheimliche Geschichte, in der alle an der Grenze des Todes stehen.

Man könnte hier schon innehalten und darüber nachdenken, dass das für uns alle gilt. Wissen Sie, ob Sie im nächsten Jahr noch am Leben sind? Unser ganzes Leben bewegt sich eigentlich immer an der Grenze, wo der Tod ist.

Oder etwas anderes in dieser Geschichte: Man muss ja blind sein, wenn man nicht sehen will, wie tiefgründig diese Geschichte ist. Da ist doch sichtbar der Teufel am Werk, den Jesus einen Mörder von Anbeginn nennt. Er will die Boten Jesu umbringen. Die Hölle hat Angst vor dem Zeugnis von Jesus. Er soll verstummen, verschüttet werden. Und als das nicht gelingt, möchte er wenigstens den Kerkermeister, der auf dem Weg ins Verderben ist, mitreißen.

Der Teufel ist am Werk, wie er heute noch am Werke ist. Wenn ich Leute treffe, die sagen, sie glauben nicht an den Teufel, sage ich: „Doof bleibt doof und keine Pillen, ne?“ Verzeihen Sie die grobe Ausdrucksweise, aber man muss blind sein, das nicht zu sehen. Ich weiß, morgen bekomme ich wieder drei Briefe, dass ich es nicht hätte sagen sollen. Aber, liebe Freunde, der Teufel ist bei dieser Geschichte am Werk.

Noch viel stärker spüren wir, dass der lebendige Gott die Hand in dieser Geschichte hat. Unheimlich ist das Spiel, das hinter den Kulissen abläuft. Man hat das Gefühl, die Menschen vorne sind nur Statisten. Hinter den Kulissen erringt Gott Siege über das Reich der Finsternis. Das Wesentliche geschieht im Verborgenen.

Es ist eine merkwürdige, unheimliche und verwirrende Geschichte, die uns viele Fragen aufgibt. Zum Beispiel: Paulus waren die Füße in den Stock gelegt. Wenn das Erdbeben die Türen aufreißt – wie kommen seine Füße aus dem Stock? Oder wie gelingt es ihm, in so kurzer Zeit alle anderen Gefangenen zu überreden, nicht davonzulaufen?

Ich war im Gefängnis und habe Bombenangriffe erlebt. Ich weiß, wie wir auf den Moment gewartet haben, in dem wir fliehen können. Wie ist es Paulus gelungen, die Gefangenen zu überzeugen, zu bleiben?

Wie kommt der Kerkermeister auf die Idee zu fragen: „Was soll ich tun, dass ich selig werde?“ Viele von Ihnen haben einen Schock erlebt, aber das war nicht Ihre Reaktion, sich diese Frage zu stellen.

Fragen über Fragen bleiben in der Geschichte offen. Wie sollen wir mit einer so merkwürdigen, unheimlichen und verwirrenden Geschichte umgehen?

Als ich den Text diese Woche immer wieder las, wurde mir plötzlich klar: Diese Geschichte handelt nur von einem einzigen Thema. Nämlich davon, wie der himmlische Vater, der lebendige Gott, einen Menschen zu Jesus zieht. Wie Gott den Kerkermeister zu Jesus zieht – das will die Bibel erzählen.

Alles andere lässt sie offen und lädt uns ein, unter diesen Fragen zu sitzen. Sie zeigt uns, wie Gott einen Menschen zu Jesus zieht.

Jesus hat gesagt: „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, der Vater zieht ihn.“ Ich könnte predigen wie ein Engel vom Himmel, aber ich kann keinen Menschen zum Glauben bringen, wenn der Vater ihn nicht zieht.

Und jedes Mal, wenn Gott durch sein Wirken einen Menschen zu Jesus, seinem Heiland, seinem Erlöser zieht, ist das ein Gnadenwunder – ein göttliches Gnadenwunder, das Größte, was es geben kann.

An dem Kerkermeister ist es geschehen. Und wie sehr wünsche ich mir für Sie alle, für meinen lieben Jungen hier, dass Sie das in Ihrem Leben erfahren: Wie der Vater Menschen zu Jesus zieht.

Wir wollen das als Überschrift über die Predigt schreiben: Der himmlische Vater zieht zu Jesus.

Wie macht er das?

Erstens: Er nimmt alle Sicherheit weg.

Ich möchte das am Beispiel des Kerkermeisters deutlich machen.

Paulus kommt nach Europa mit der gewaltigen Botschaft, dass Gott den Himmel zerrissen hat und seinen Sohn gegeben hat. Jesus ist für uns gestorben, damit Sünde vergeben werden kann, Frieden mit Gott gefunden wird und die Tür zum Leben offensteht.

Aber diese Botschaft löst einen Aufruhr aus. Es gibt einen Volksaufstand, und das Ende ist, dass ein ungerechter Richter Paulus und Silas geißeln lässt und sie dem Kerkermeister übergibt.

Mein Freund, der bekannte Berner Münsterpfarrer Lüthi – manche kennen ihn vom Kirchentag – hat eine wundervolle Schilderung dieses Kerkermeisters gegeben. Da sieht man ihn richtig vor sich.

Ich bin oft solchen Typen begegnet. Dieser Kerkermeister ist ein Gerechter. In dieser Gefängniswelt der Ganoven ist er der Mann mit der weißen Weste – so wie Sie der Mann mit der weißen Weste sind, meint er zumindest. Er ist sich seiner Gerechtigkeit bewusst.

Ich zitiere wörtlich Lüthi: „Das zeigt sich an der Art, wie er die Neu Eingelieferten behandelt. Er lässt die blutig geschlagenen Glieder der Halbtoten in den Stock spannen. Wahrlich, er tut gründliche Arbeit. Wenn man ihm begegnet, steht auf seinem Gesicht geschrieben: Jawohl, ich tue meine Pflicht. Ich lasse mich weder durch Mitleid noch durch Sentimentalität bewegen, meine Pflicht ist es, nichts zu tun.“

Er ist der Gerechte. Dann geht er in seine Privatwohnung und schläft den Schlaf des Gerechten.

Meine Freunde, er ist ein Mann, ein sicherer Mann mit einer sicheren Position in der gesicherten Welt. Er ist das Ideal des westdeutschen Bürgers. Die Parteien kämpfen heute darum, uns zu versprechen, dass sie den sicheren Menschen in der sicheren Position in der gesicherten Welt schützen.

Und dann plötzlich wird er geweckt. Die Erde bebt, Kalk fällt von den Wänden, Türen krachen zusammen – eiserne Türen. Auf einmal ist die Welt nicht mehr sicher, alles wird unsicher. Und dieser Mann ahnt plötzlich etwas. Dass sich jetzt einer meldet, den er ganz vergessen hat – von dem es im Psalm 104 heißt: „Gott schaut auf die Erde, und sie bebt.“

Es ist schon eine Sache, wenn ein Mensch merkt: „Der ist ja noch da.“ Ein Blick von ihm genügt, und all unsere Sicherheiten krachen zusammen.

Ich muss Ihnen ein Erlebnis erzählen. Wenn ich irgendwann eine Biografie schreibe, die ich aber nicht schreibe, würde sie eine große Rolle spielen.

Kurz nach dem Krieg hatte ich eine große Evangelisation in der Tübinger Stiftskirche. Die war gut vorbereitet von Professoren, von Professor Karlheim bis zur Altsarmee. Es war eine riesige Versammlung. Wer die Tübinger Stiftskirche kennt, weiß, dass dort viele Menschen hineinpassen.

Eines Abends begann ich meinen Vortrag so: „Heute ist mir ein Mann begegnet, der hat mich auf die Straße gestellt und ganz patzig gesagt: ‚Herr Pastor, mit Ihren religiösen Reden schweben Sie in den Wolken. Man sollte mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben.‘“

Da habe ich ihn gefragt: „Welchen Boden meinen Sie eigentlich, auf dem Sie bleiben sollen? Haben Sie nicht gemerkt, dass der Boden unter uns wackelt? Haben Sie nicht bemerkt, dass Gott den Boden jeden Augenblick unter uns wegziehen kann?“

In dem Augenblick dachten die Leute: „Schau, die Erde bebt.“ Das gibt es in Süddeutschland manchmal am Bodensee, so einen Erdstoss. Immerhin stark genug, dass die ganzen Lichtleitungen reißen und wir im Stockdunkeln sitzen. Die riesige Versammlung wurde unruhig, wenn jetzt ein paar Brocken aus dem Gestein fielen.

Die Sache hat viele Menschen beeindruckt. Es war, als wollte Gott mein Wort bekräftigen. Viele Menschen spürten in dem Moment, dass Gott wirklich den Boden unter unseren Füßen wegziehen kann. Dass wir ganz und gar in seiner Hand sind. Dass unsere Art, mit Gott umzugehen, ein wahnwitziges Unternehmen ist, mit dem wir so spielen.

Wie wird es erst sein, wenn das geschieht, was im Propheten Jesaja steht: dass die Erde taumelt wie ein Betrunkener oder wie eine Hängematte, wenn die Gräber sich öffnen und die Toten auferstehen, wenn Gott die Erde ansieht und sie vergeht und die Toten vor seinem Thron stehen?

Ich sage immer wieder: Wenn mir jemand sagt, er glaubt nicht, sage ich: Warten wir es ab. Sehen wir einmal in die Bibel. Wohl dem Menschen, der über die Tatsache erschüttert werden kann, dass unter uns der Boden beben kann.

Wohl dem, der darüber erschüttert werden kann.

Der Kerkermeister wurde davon erschüttert. Als er aus dem Schlaf fuhr, wachte er nicht nur aus dem äußeren Schlaf auf, sondern auch aus einem geistlichen Schlaf. Er spürte zum ersten Mal die Realität und Wirklichkeit Gottes. Und da begann es, dass der Vater den Mann zu seinem Sohn zog – zu Jesus.

Das Zweite: Wie zieht Gott Menschen zu Jesus?

Er führt sie in eine Sackgasse.

Sie wissen, was eine Sackgasse ist. Heute steht meistens ein Schild da, das weiß man schon. Aber wie oft passiert es nicht, dass man fröhlich in eine Straße oder einen Weg einbiegt – bei meinen Wanderungen passiert mir das oft –, es ist ein schöner Waldweg, ich gehe hinein, und plötzlich ist es zu Ende: Sackgasse.

Nun ja, da kann man umkehren.

Aber ich las in Berichten von der Sturmflut in Hamburg, wie einige Leute vor den steigenden Wassern flohen und plötzlich in eine Sackgasse gerieten. Sie wollten umkehren, aber das Wasser war inzwischen gestiegen, und sie konnten nicht zurück.

Eine Sackgasse, in der man nicht mehr zurückkann.

So führt Gott Menschen in eine Sackgasse, wo man nicht mehr zurückkommt, wo man am Ende seiner Wege ist.

So ging es dem Kerkermeister – sprechen wir vom ersten Mal.

Als sicherer Mann in sicherer Position in der sicheren Welt ging er ins Bett. Und dann wacht er auf und sieht: Alle Gefängnistüren sind aufgerissen.

Er kann gar nicht anders denken, als dass jeder Gefangene natürlich darauf aus ist, seiner harten Hand zu entkommen. Sie sind weg.

Und wissen Sie, im römischen Bereich hat man da keine Fehler gemacht. Er war verantwortlich. Waren die Gefangenen weg, gab es keine großen Untersuchungen. Er war haftbar.

Und da sieht der Mann plötzlich vor sich: Gericht, Henker und Schande. Kein Ausweg mehr.

Wie soll er die Gefangenen zusammenkriegen? Die Türen sind offen. Auf einmal in der Sackgasse, wo man nicht zurückkann.

Da sagt der Satan: Es gibt noch einen Ausweg – der Selbstmord. Das ist die letzte große List des Teufels, dass er dem Menschen sagt, es gäbe einen letzten Ausweg.

Es ist sehr interessant, dass fast alle großen Leute des Dritten Reiches, als sie am Ende in der Sackgasse waren und nicht mehr zurückkonnten, diesen Weg gewählt haben.

Wenn ich wüsste, dass das eine dämonische Unternehmung war, würde ich daran merken, dass die Tür der Teufel öffnet: „Bitte, hier ist ein Ausweg, nimm die Giftkapsel, stürz dich in dein Schwert.“

Ich möchte in aller Deutlichkeit sagen: Wenn Sie ganz sicher in das Feuer des Gerichts und Zornes Gottes laufen wollen, dann müssen Sie Selbstmord begehen.

Das ist der Schwindel, dass der Teufel sagt, das sei noch ein Ausweg.

Es gibt nur einen Ausweg.

Jesus sagt: „Ich bin der Weg.“

Und wenn Sie meinen, das wäre für den Kerkermeister kein Weg gewesen, sage ich: Das war für den Kerkermeister der Weg.

Aber das sah er noch nicht.

Den Weg wollte ihn Gott führen. Den Weg wollte ihn Gott führen, damit er erkennt, dass Jesus, der Sohn Gottes, sagt: „Ich bin der Weg.“

Den Weg wollte ihn Gott führen. Dahin wollte er uns ziehen.

Aber er sah es noch nicht. Er war noch blind – wie viele von uns noch blind sind und gar nicht sehen, dass es nicht ein bisschen Religion am Rande ist, sondern die einzige Möglichkeit überhaupt zu leben.

Der Weg, der einzige Weg, ist Jesus.

Der Mann in der Sackgasse – meine Freunde, als ich ihn angesehen habe, fiel mir ein anderer Mann ein. Einer, von dem ich am Samstag vor Pfingsten in dem großen Zelt erzählt habe.

Ein gewöhnlicher Schuhmachermeister aus Herdecke, aber ein Mann aus der lebendigen ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, durch den Gott eine große geistliche Bewegung gegeben hat, deren Spuren heute noch da sind.

Dieser junge Schuhmachermeister war ein gottloser junger Mann.

Wenn seine fromme Braut ihm sagte, er möge sich bekehren zum Herrn Jesus, sagte er: „Hör auf, was für Frauen! Ich weiß allein, was ich zu tun und zu lassen habe.“

Das war seine feste Formel.

Merkwürdig, dass solche Formeln über Jahrhunderte dauern. Wie oft habe ich den Satz gehört: „Ich weiß allein, was ich zu tun und zu lassen habe.“

Nun hatte er ein gutes Geschäft in Herdecke und eine nette Familie. Und dann kam Gottes Eingreifen in die Sackgasse.

Er ging nach Hagen, um Leder zu kaufen, und da flog ein Staubkorn in sein Auge. Nicht schlimm, dachte er, und rieb sich das Auge. Es wurde immer schlimmer.

Er hatte rasende Schmerzen und wollte es kaum glauben. Er ging zu einem berühmten Augenarzt, der sagte, das Auge sei verloren. Er sitzt ganz oben und kann nicht mehr operieren mit den damaligen Mitteln.

Er ging verzweifelt zurück. Er wollte arbeiten, konnte aber nicht. Bei jeder Bewegung hatte er Schmerzen.

Er verzweifelte. Ein junger Mann, der nicht arbeiten kann. Es gab damals keine soziale Hilfe. Die Familie versank langsam in Armut. Es gab keinen Weg mehr vor und zurück.

„Ich weiß allein, was ich zu tun und zu lassen habe.“ Er wusste es auf einmal nicht mehr.

Verstehen Sie? Da war die Sackgasse. Er wusste nicht mehr, was er tun sollte.

Wenn Leute diesen schönen Spruch haben, sage ich ihnen: Warten Sie ab, bis Gott Sie in die Finger kriegt.

Und dann geschieht es, als dieser Mann in die Hände eines frommen Arztes kommt, eines Doktors Rauschenbach in Wuppertal, der ihm ein Auge herausoperiert und damit das andere rettet.

Dann muss er wochenlang in einem dunklen Zimmer sitzen mit Verband und Dunkelheit, mit Alleinsein und Gesprächen mit diesem frommen Arzt.

Da geschieht es, dass ihm innerlich Licht aufgeht, dass er sieht, wie falsch und verloren sein Weg war, wie gottlos sein ganzes Wesen ist.

Da zieht ihn der Vater zum Sohn. Da sieht er das Kreuz Jesu vor sich, wo der Sohn Gottes mich versöhnt mit Gott, wo er meine Schuld wegträgt, wo er mich loskauft.

Da glaubt er an den Sohn Gottes und wird von da an ein gesegneter Mann.

Meine verehrten Freunde, das ist Gottes Methode, dass er Menschen zum Sohn, zum Heiland, zu Jesus zieht.

Dass er sie ohnmächtig macht, innerlich oder äußerlich in solche Sackgassen führt – wie den Kerkermeister.

Ist jemand von Ihnen in einer solchen Situation, innerlich oder äußerlich? Wir wissen es nicht. Bitte hören Sie das.

Das Dritte: Wie zieht Gott Menschen zu Jesus?

Er nimmt alle Sicherheit weg, er führt sie in eine Sackgasse, und jetzt kommt das Wichtigste:

Er lässt die Botschaft von Jesus hören.

Es ist interessant: In diesem Augenblick bekommt der Kerkermeister die Botschaft, dass Jesus die Quelle ewiger Freude ist.

Bis zu diesem Moment war der Kerkermeister überzeugt: „Meine Ganoven, die ich da im Gefängnis habe, mit denen stimmt es nicht. Aber bei mir stimmt es.“

Wenn er in den Spiegel schaute, freute er sich: „Sieh, wie hat mein Schöpfer mich so gut geschaffen.“

So geht es den meisten Menschen. Die Frauen sehen sich im Spiegel gar nicht mehr.

„Sieh, mit mir ist alles in Ordnung.“

Und nun ist durch das Eingreifen Gottes in seinem Leben die große Wende geschehen: Er weiß, mit mir stimmt es nicht. Nicht die Gefangenen, ich bin der Mann, bei dem es nicht stimmt.

Meine Freunde, lassen Sie mich sagen: Ich würde mich völlig festfahren, wenn ich Ihnen jetzt psychologisch erklären wollte, wie dieser Mann dazu kam, an den lebendigen Gott zu glauben.

Er hatte doch Angst vor Gott. Was heißt hier psychologisch erklären?

Gottes Wirken in der Seele ist etwas Wunderbares.

Jedenfalls hat der Mann auf einmal nur noch eine einzige Frage: „Was soll ich tun, dass ich selig werde?“

Wörtlich heißt das: „Was soll ich tun, dass ich errettet werde?“

Oh, meine Freunde, ich wünsche Ihnen, dass alle Fragen Ihres Lebens von dieser einen Frage abgelöst werden: „Was soll ich tun, dass ich errettet werde von dem Zorn Gottes, von der Hölle, von seinem Gericht, das jetzt über mich kommt?“

Was soll ich tun, dass ich selig werde?

Oh, ich möchte mit großen Buchstaben diese Frage in Ihr Herz hineinschreiben: „Was soll ich tun, dass ich selig werde?“

Was für dumme Fragen bewegen die Menschen, die ihr Leben vor sich haben und nie diese Frage gestellt haben: „Was soll ich tun, dass ich selig werde?“

Die Frage aller Fragen stellt der Kerkermeister.

Wer beantwortet sie ihm?

Da hat er auf einmal Vertrauen, dass Paulus antworten kann.

Ich weiß auch nicht, wer ihm diese Zuversicht gab. Vielleicht war es Paulus, der nachts Gott lobte und wusste, was Seligkeit bedeutet.

Oder seine Ruhe, dass er nicht davongelaufen ist – ich kann es nicht erklären.

Jedenfalls weiß er auf einmal, dass Paulus diese Frage beantworten kann.

Paulus antwortet: „Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du und dein Haus selig.“

Und in der Fortsetzung heißt es: „Und Paulus sprach das Wort des Herrn zu ihm und allen, die in seinem Haus sind.“

Meine Freunde, wir fragen: Wie zieht Gott einen Menschen zu Jesus?

Er tut es, indem er ihm die Botschaft zukommen lässt: Jesus starb für dich, Jesus ist auferstanden, Jesus ist gekommen aus der ewigen Welt und ist der Heiland.

In der Bibel steht: „Der Glaube kommt aus der Predigt, die Predigt aber durch das Wort Gottes.“

Lassen Sie mich in aller Deutlichkeit sagen: Der Glaube kommt aus der Predigt.

Es ist kein frommes Hobby, wenn Sie sonntagmorgens hierherkommen, um eine Predigt zu hören.

Der Glaube kommt nicht aus dem sonntäglichen Morgenspaziergang.

Der Glaube kommt nicht aus dem Ausschlafen, meine Freunde.

Der Glaube kommt aus der Predigt.

Es hängt lebendig davon ab, ob Sie Predigten hören.

Aber ich möchte Ihnen auch in aller Deutlichkeit sagen: Keine zehn Pferde bringen mich ein zweites Mal unter eine Predigt, in der nicht Jesus, der Sohn Gottes, der für uns am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden ist, im Mittelpunkt steht.

Gott schenke Ihnen, dass Sie Predigten beurteilen können, ob sie Speise oder Steine sind.

Der Glaube kommt aus der Predigt.

Hier wurde der Kerkermeister selig. Da war kein Talar, kein Altar, kein Mikrofon, kein Posaunenchor. Es ging sehr primitiv zu in der Gefängniszelle.

Das Äußere ist völlig gleichgültig.

Entscheidend ist, ob diese wundervolle Botschaft erklingt, die nicht nur das Ohr, sondern auch das Gewissen erreicht: Du darfst zum Heiland kommen, Gnade finden und die Tür zum Leben öffnen.

Ich muss Sie zumindest darauf hinweisen: Wie typisch fragt der Kerkermeister: „Was soll ich tun?“

So fragen wir: „Was soll ich tun?“

Jetzt frage ich Sie: Was wollen Sie tun, damit Ihre Seele gerettet wird?

Welches Werk wäre groß genug und ausreichend, damit man Kind Gottes wird?

Welches Werk wäre groß genug, dass alle meine Sünden vergeben werden?

Was wollen Sie tun?

Der wahnsinnigste Mensch meint, er könnte etwas tun.

Und wenn ich mein ganzes Leben für Gott hingebe, würde das nicht ausreichen, um eine Sünde zu vergeben und mich zum Kind Gottes zu machen.

Welches Werk wäre groß genug?

Es gibt nur ein Werk, das mich selig machen kann: das Werk, das der Sohn Gottes für mich getan hat, als er am Kreuz starb.

Das kann ich nur im Glauben annehmen, indem ich mich diesem Heiland zu eigen gebe.

Sie können sich nicht selbst in den Himmel bringen.

All Ihre Tugenden bringen Sie nur in die Hölle.

Nur das, was Jesus für uns getan hat, indem er unsere Schuld und Schmerzen am Kreuz auf sich genommen hat, bringt uns in Frieden mit Gott und zum Leben.

Sein Werk – sein Werk!

Ich muss es lesen: Der Kerkermeister wurde vom Vater zum Sohn, von Gott zu Jesus gezogen.

Ist das bei Ihnen schon geschehen?

Wenn Sie nach Hause gehen, müssen Sie sich fragen: Ist das bei mir schon passiert?

Wer den Sohn Gottes hat als Leben, hat das Leben.

Wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht.

Ist das bei Ihnen schon geschehen?

Oder widerstreben Sie noch? Vielleicht widerstreben Sie diesem Ziehen Gottes?

Es ist ein wichtiges Gebet:

Zieh mich, o Vater, zu dem Sohn,

damit dein Sohn mich wieder zu dir zieht,

dein Geist in meinem Herzen wohne

und meine Sinne und Verstand regiere,

dass ich den Frieden Gottes schmecke und fühle

und dir darauf im Herzen singe und spiele.

Wir wollen beten:

Ja, Herr, das wollen wir dich bitten.

Das wollen wir dich bitten:

Zieh mich, o Vater, zu dem Sohn!

Amen.

Der geistliche Kampf hinter der Geschichte

Oder etwas anderes in dieser Geschichte: Man muss ja blind sein, wenn man nicht sehen wollte, wie hintergründig diese Geschichte ist. Da ist doch sichtbar der Teufel am Werk, den Jesus genannt hat – einen Mörder von Anbeginn. Er will den Boten Jesu umbringen.

Die Hölle hat Angst vor dem Zeugnis von Jesus. Er soll verstummen, verschüttet werden. Und als das nicht gelingt, möchte der Teufel wenigstens den Kerkermeister, der auf dem Wege ist, ins Verderben reißen – so wie der Teufel heute am Berge ist.

Wenn ich Leute treffe, die sagen: „Glaube ich, dass es den Teufel gibt?“, sage ich: „Doof bleibt doof und keine Pillen, ne?“ Verzeihen Sie, dass ich so grob sage, aber man muss ja blind sein, das nicht zu sehen.

Ich weiß, morgen kriege ich wieder drei Briefe, in denen steht, ich hätte es nicht sagen sollen. Aber ich bin es eben doof.

Liebe Freunde, da ist der Teufel am Werke bei dieser Geschichte – noch viel stärker aber, und das spüren wir ja alle, hat der lebendige Gott die Hand im Spiel. Unheimlich ist das, was die Hintergründe dieser Geschichte angeht. Man hat das Gefühl, die Leute vorne sind ja nur Statisten.

Doch hier erringt Gott Siege über das Reich der Finsternis. Hinter den Kulissen geschieht das Eigentliche.

Fragen und Rätsel der Geschichte

Eine merkwürdige, unheimliche und verwirrende Geschichte. Sie wirft viele Fragen auf. Zum Beispiel: Paulus waren die Füße in einem Stock gelegt. Gut, wenn das geschieht, und durch dessen Erdbeben die Türen aufgerissen werden – aber wie kommen seine Füße aus dem Stock? Das weiß ich nicht.

Oder wie gelingt es ihm, in der kurzen Zeit all die anderen Gefangenen zu überreden, dass sie nicht davonlaufen? Ich war selbst im Gefängnis und habe Bombenangriffe dort erlebt. Ich weiß, wie wir auf den Moment gewartet haben, wenn das Gefängnis getroffen wird und die Chance zum Fliehen besteht. Wie ist es ihm gelungen, die Gefangenen zu überreden, drinzubleiben?

Wie kommt der Kerkermeister auf die Idee, zu fragen: „Was soll ich tun, dass ich selig werde?“ Viele von Ihnen haben einen Schock erlebt, aber das war nicht Ihre Reaktion. Sie haben sich nicht gefragt: „Was soll ich tun, dass ich selig werde?“

Fragen über Fragen bleiben in dieser Geschichte.

Die zentrale Botschaft: Gottes Ziehen zum Glauben

Wie sollen wir mit einer so merkwürdigen, unheimlichen und verwirrenden Geschichte fertigwerden? Als ich sie diese Woche immer wieder las, wurde mir plötzlich klar: Diese Geschichte handelt nur von einem einzigen Thema. Von einem einzigen Thema nämlich, wie der himmlische Vater, der lebendige Gott, einen Menschen zu Jesus zieht.

Wie Gott einen Menschen, in diesem Fall den Kerkermeister, zu Jesus zieht – das will die Bibel erzählen. Alles andere lässt sie ruhig offen und lädt uns ein, unter ihren Fragen zu sitzen. Sie will uns zeigen, wie Gott einen Menschen zu Jesus zieht.

Jesus hat gesagt: „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, der Vater zieht ihn.“ Ich könnte predigen wie ein Engel vom Himmel, aber ich kann keinen Menschen zum Glauben bringen, wenn der Vater ihn nicht zieht.

Und jedes Mal, wenn es geschieht, dass Gott durch sein Wirken einen Menschen zu Jesus, zu seinem Heiland, seinem Erlöser, seinem Erretter zieht, ist das ein Gnadenwunder – ein göttliches Gnadenwunder. Das Größte, was es geben kann. Größer gibt es nicht.

Bei diesem Kerkermeister ist es geschehen. Und wie sehr wünsche ich mir für Sie alle, für meinen lieben Jungen hier, dass Sie das in Ihrem Leben erfahren: wie der Vater Menschen zu Jesus zieht.

Wir wollen diese Überschrift über den Text und die Predigt schreiben: Der himmlische Vater zieht zu Jesus.

Wie macht er das? Erstens: Er nimmt alle Sicherheit weg. Er nimmt alle Sicherheit weg.

Der himmlische Vater zieht zu Jesus – Wie macht er das?

Erstens: Er nimmt alle Sicherheit weg

Ich möchte Ihnen das deutlich machen, Herr Kerkermeister. Ich hole noch einmal etwas weiter aus. Sehen Sie, Paulus kommt nach Europa mit der gewaltigen Botschaft, dass Gott den Himmel zerrissen hat und seinen Sohn gegeben hat. Dieser Sohn ist für uns gestorben, damit Sünde vergeben werden kann, Frieden mit Gott gefunden wird und die Tür zum Leben offensteht.

Doch diese Botschaft bringt Unruhe. Sie spricht nicht für die Kirchen, sondern sorgt für viel Aufruhr rund um das Evangelium. Es entsteht ein Volksaufstand, und das Ende ist, dass ein ungerechter Richter Paulus verurteilt, ihn auspeitschen lässt und dem Kerkermeister übergibt.

Meine Freunde, der bekannte Berner Münsterpfarrer Lüthi, manchen bekannt vom Kirchentag, hat eine wundervolle Schilderung dieses Kerkermeisters gegeben. Man sieht ihn förmlich vor sich. Ich bin ihm oft in Gedanken begegnet.

Dieser Kerkermeister ist ein Gerechter. In dieser Gefängniswelt der Ganoven ist er der Mann mit der weißen Weste – so wie Sie, der Mann mit der weißen Weste sind, meint er zumindest. Er ist sich seiner Gerechtigkeit bewusst. Ich zitiere wörtlich Lüthi: „Er ist sich seiner Gerechtigkeit bewusst, das zeigt sich an der Art, wie er die neu eingelieferten Gefangenen behandelt. Er lässt die blutig geschlagenen Glieder der Halbtoten an den Pflock spannen. Wahrlich, er tut gründliche Arbeit. Wenn man ihm begegnet, steht auf seinem Gesicht geschrieben: Jawohl, ich tue meine Pflicht. Ich lasse mich weder durch Mitleid noch durch Sentimentalität bewegen, meine Pflicht nicht zu tun.“

Er ist der Gerechte. Dann geht er in seine Privatwohnung und schläft den Schlaf des Gerechten. Meine Freunde, er ist ein Mann, ein sicherer Mann mit einer sicheren Position in der gesicherten Welt. Er ist das Ideal des westdeutschen Bürgers. Die Parteien kämpfen heute darum, uns zu versprechen, dass sie den sicheren Menschen in der sicheren Position in der gesicherten Welt schützen.

Und dann plötzlich wird er geweckt. Die Erde bebt, der Kalk fällt von den Wänden, Türen krachen zusammen – eiserne Türen. Auf einmal ist die Welt gar nicht mehr sicher, alles ist unsicher geworden. Dieser Mann ahnt etwas. Dass sich jetzt einer meldet, den er ganz vergessen hat, von dem es im Psalm 104 heißt: „Gott schaut auf die Erde, und sie bebt.“ Es ist schon eine Sache, wenn auf einmal ein Mensch merkt, dass dieser Gott noch da ist. Ein Blick von ihm genügt, und all unsere Sicherheiten krachen zusammen.

Ich muss Ihnen ein Erlebnis erzählen. Wenn ich jene Biografie schreiben würde, die ich aber nicht schreibe, hätte sie eine große Rolle darin. Kurz nach dem Krieg hatte ich eine große Evangelisation in der Tübinger Stiftskirche. Sie war sehr interessant aufgezogen, vorbereitet von Professoren, von Professor Karlheim bis zur Altsarmee, alle machten mit. Es war eine riesige Versammlung, und die Tübinger Stiftskirche weiß, dass da eine Unmenge Menschen hineingehen.

Eines Abends begann ich meinen Vortrag so: „Heute ist mir ein Mann begegnet, der hat mich auf die Straße gestellt und ganz patzig gesagt: Herr Pastor, mit Ihren religiösen Reden bewegen Sie sich in den Wolken, man sollte mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben.“ Da habe ich dem Mann gesagt: „Welchen Boden meinen Sie eigentlich, auf dem er bleiben soll? Haben Sie denn gar nicht gemerkt, dass der Boden unter uns wackelt? Haben Sie nicht bemerkt, dass Gott den Boden jeden Augenblick unter uns wegziehen kann?“

In dem Augenblick denken Sie: Es schüttelt, die Erde bebt. Das gibt es in Süddeutschland manchmal, auf dem Bodensee herum, so ein Erdstoss. Immerhin stark genug, dass die ganzen Lichtleitungen zerreißen und wir im Stockdunkeln sitzen. Die riesige Versammlung wurde unruhig, wenn jetzt ein paar Brocken aus dem Gestein fallen.

Die Sache hat viele Menschen tief beeindruckt. Es war, als wollte Gott mein Wort bekräftigen. Viele Menschen spürten in dem Augenblick, dass Gott wirklich den Boden unter unseren Füßen wegziehen kann, dass wir ganz und gar in seine Hand gegeben sind. Dass unsere Art, mit Gott umzugehen, ein wahnwitziges Unternehmen ist, dass wir so mit ihm spielen.

Wie wird das erst sein, wenn das geschieht, was im Propheten Jesaja steht: „Die Erde taumelt wie ein Betrunkener oder wie eine Hängematte, die Gräber sich öffnen und die Toten auferstehen, und Gott die Erde ansieht und sie vergeht, während die Toten vor dem Thron stehen.“ Ich sage immer wieder: Wenn mir jemand sagt, ich glaube nicht, antworte ich: Warten wir es ab, sehen wir einmal in die Bibel.

Wohl dem Menschen, der über die Tatsache erschüttert wird, dass unter uns einmal der Boden beben kann, der weiß, dass es hier keine sichere Position in der sicheren Welt gibt. Wohl dem, der darüber noch erschüttert werden kann.

Der Kerkermeister wurde davon erschüttert, als er aus dem Schlaf fuhr. Da wachte er nicht nur aus dem äußeren Schlaf auf, sondern auch aus einem geistlichen Schlaf. Er spürte zum ersten Mal die Realität und Wirklichkeit Gottes. Und, meine Freunde, da fing es an, dass der Vater den Mann zu seinem Sohn zog, zu Jesus.

Wie zieht Gott Menschen zu Jesus? Er führt sie in eine Sackgasse. Sie wissen, was eine Sackgasse ist. Heute steht meistens ein Schild da, das weiß man schon. Aber wie oft passiert es, dass man fröhlich in eine Straße oder einen Weg einbiegt – bei meinen Wanderungen passiert mir das oft –, das ist ein schöner Waldweg, ich gehe hinein, und plötzlich ist es zu Ende: eine Sackgasse. Nun ja, da kann man umkehren.

Ich las in den Berichten von der Sturmflut in Hamburg, wie ein paar Leute vor den steigenden Wassern flohen und auf einmal in eine Sackgasse gerieten. Sie wollten umkehren, aber das Wasser war inzwischen gestiegen, sie konnten nicht mehr zurück.

Eine Sackgasse, in die man nicht mehr zurückkommt. So führt Gott Menschen in eine Sackgasse, wo man nicht mehr zurückkommt, wo man am Ende seiner Wege steht.

So ging es dem Kerkermeister. Sprechen wir vom ersten Mal: Als ein sicherer Mann in der sicheren Position, in der sicheren Welt, ging er ins Bett. Doch dann wachte er auf und sah, dass alle Gefängnistüren aufgerissen waren. Er konnte gar nicht anders denken, als dass jeder Gefangene natürlich darauf aus ist, seiner harten Hand zu entkommen – sie sind weg.

Im römischen Bereich machte man da nicht viele Fehler. Er war verantwortlich. Waren die Gefangenen weg, gab es keine großen Untersuchungen, warum und wieso. Er war haftbar.

Und da sieht der Mann plötzlich vor sich: Gericht, Henker und Schande – fertig, kein Ausweg mehr. Wie soll er die Gefangenen wieder zusammenbekommen, wenn die Türen offen stehen?

Auf einmal ist er in der Sackgasse, wo man nicht zurückkann. Da sagt der Narr: Es gibt noch einen Ausweg – der Selbstmord. Das ist die letzte große Täuschung des Teufels, dass er dem Menschen sagt, es wäre ein letzter Ausweg.

Es ist sehr interessant, dass fast alle großen Leute des Dritten Reiches, als sie am Ende in der Sackgasse waren und nicht zurückkamen, diesen Weg gewählt haben.

Wenn ich wüsste, dass das eine dämonische Unternehmung war, dann würde ich daran merken, dass der Teufel die Tür öffnet und sagt: „Bitte, hier ist ein Ausweg, nimm die Giftkapsel, stürz dich in dein Schwert.“

Ich möchte in aller Deutlichkeit sagen: Wenn Sie ganz bestimmt in das Feuer des Gerichts und Zornes Gottes laufen wollen, dann müssen Sie Selbstmord begehen. Das ist der Schwindel, dass der Teufel sagt, das sei noch ein Ausweg.

Es gibt nur einen Ausweg. Jesus sagt: „Ich bin der Weg.“ Wenn Sie meinen, das wäre für den Kerkermeister kein Weg gewesen, sage ich: Doch, das war für den Kerkermeister der Weg. Aber das sah er noch nicht.

Den Weg wollte ihn Gott führen. Den Weg wollte ihn Gott führen, dass er erkennt, dass Jesus, der Sohn Gottes, sagt: „Ich bin der Weg.“ Den Weg wollte Gott ihn führen, dahin wollte er uns ziehen. Aber das sah er noch nicht. Er war noch blind, wie viele von uns noch blind sind und gar nicht sehen, dass es nicht ein bisschen Religion am Rande ist, sondern die einzige Möglichkeit überhaupt zu leben – der Weg, der einzige Weg, Jesus.

Der Mann in der Sackgasse. Meine Freunde, als ich ihn angesehen habe, fiel mir ein anderer Mann ein, von dem ich am Samstag vor Pfingsten in dem großen Zelt erzählt habe. Ein gewöhnlicher Schuhmachermeister aus Herdecke, aber ein Mann aus der lebenden ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, durch den Gott eine große geistliche Bewegung gegeben hat, deren Spuren heute noch da sind.

Dieser junge Schuhmachermeister war ein gottloser junger Mann. Wenn seine fromme Braut ihm sagte, er möge sich bekehren zum Herrn Jesus, sagte er: „Hör auf, was für Frauen! Ich weiß alleine, was ich zu tun und zu lassen habe.“ Das war seine feste Formel.

Merkwürdig, dass solche Formeln durch Jahrhunderte dauern. Wie oft habe ich den Satz gehört: „Ich weiß alleine, was ich zu tun und zu lassen habe.“

Nun hatte er ein gutes Geschäft in Herdecke und eine nette Familie. Dann kam Gottes Eingreifen in die Sackgasse. Er ging nach Hagen, um Leder zu kaufen, und da flog ein Staubkorn in sein Auge. Nicht schlimm, dachte er, und rieb es. Es wurde immer schlimmer.

Er hatte rasende Schmerzen, wollte es kurz machen, ging zu einem berühmten Augenarzt. Der sagte, die Augen sind verloren, man könne nichts mehr machen mit den damals verfügbaren Mitteln.

Er ging verzweifelt zurück. Er wollte arbeiten, konnte aber nicht. Bei jeder Bewegung hatte er rasende Schmerzen. Er verzweifelte. Ein junger Mann, der nicht arbeiten kann. Es gab keine soziale Hilfe damals. Die Familie versank langsam in Armut. Es gab keinen Weg mehr vor und zurück.

„Ich weiß alleine, was ich zu tun und zu lassen habe.“ Er wusste es auf einmal nicht mehr. Verstehen Sie? Da war die Sackgasse. Er wusste nicht mehr, was er zu tun und zu lassen hatte.

Wenn Leute diesen schönen Spruch haben, sage ich ihnen: Warten Sie ab, bis Gott sie in die Finger bekommt.

Dann geschah es, als dieser Mann in die Hände eines frommen Arztes kam, eines Doktors Rauschenbach in Wuppertal. Der operierte ihm ein Auge heraus und rettete damit das andere.

Er musste wochenlang in einem dunklen Zimmer sitzen, mit Verband und Dunkelheit, Alleinsein, Gesprächen mit diesem frommen Arzt. Da geschah es, dass ihm innerlich Licht aufging, dass er sah, wie falsch und verloren sein Weg war, wie gottlos sein ganzes Wesen ist.

Da zog ihn der Vater zum Sohn. Da sah er das Kreuz Jesu vor sich, wo der Sohn Gottes ihn versöhnt, mit Gott ihn verbindet, wo er seine Schuld wegträgt, wo er ihn loskauft. Da glaubte er an den Sohn Gottes und wurde von da an ein gesegneter Mann.

Meine verehrten und lieben Freunde, das ist Gottes Methode, dass er Menschen zum Sohn, zum Heiland, zu Jesus zieht. Dass er sie ohnmächtig macht, innerlich oder äußerlich in solche Sackgassen führt, wie den Kerkermeister.

Ist jemand von Ihnen in einer solchen Situation, innerlich oder äußerlich, wissen wir weiter. Bitte hören Sie das Dritte: Wie zieht Gott zum Sohn? Wie zieht der himmlische Vater zu Jesus?

Ich sage: Er nimmt alle Sicherheit weg, er führt in eine Sackgasse. Und jetzt kommt das Wichtigste, das Dritte: Er lässt die Botschaft von Jesus hören.

Es ist interessant: In diesem Augenblick bekommt der Kerkermeister die Botschaft, dass Jesus die Grundlage ewiger Freuden ist.

Sehen Sie, bis zu dieser Stunde war der Kerkermeister überzeugt: „Meine Ganoven, die ich da aus dem Gefängnis habe, mit denen stimmt’s natürlich nicht. Aber bei mir stimmt es.“ Wenn er sich im Rasier-Spiegel anschaute, freute er sich: „Siehe, wie hat mein Schöpfer mich so gut geschaffen.“ So geht es ja den allermeisten Leuten. Und die, die sich nicht rasieren, sehen die Frauen sowieso im Spiegel nicht mehr.

„Siehe, mit mir ist alles so gut und nicht.“ Und nun ist durch das Eingreifen Gottes in seinem Leben die große Wende geschehen: Er weiß, mit mir stimmt es nicht, nicht die Gefangenen, ich bin der Mann, bei dem es nicht stimmt.

Nur meine Freunde, lassen Sie mich sagen: Ich würde mich völlig festfahren, wenn ich Ihnen jetzt psychologisch erklären wollte, wie dieser Mann dazu kam, dass er auf einmal an den lebendigen Gott fürchtete.

Er war doch Heide, hatte doch Angst vor dem Gericht Gottes. Was heißt hier psychologisch erklären? Gottesfähige Mittel der Seele sind etwas Wunderbares.

Jedenfalls hatte der Mann auf einmal nur noch eine einzige Frage, eine einzige Frage: „Was soll ich tun, dass ich selig werde?“ Wörtlich heißt das: „Was soll ich tun, dass ich errettet werde?“

Oh, meine Freunde, ich wünsche Ihnen, dass all die Fragen Ihres Lebens abgeblendet werden von dieser einen Ratsfrage: „Was soll ich tun, dass ich errettet werde von dem Zorn Gottes, von der Hölle, von seinem Gericht, das jetzt über mich kommt? Was soll ich tun, dass ich selig werde?“

Oh, ich möchte diese Frage mit großen Buchstaben in Ihr Herz hineinschreiben: „Was soll ich tun, dass ich selig werde?“

Was für dumme Fragen bewegen die Menschen, umlassen ihr Leben vor sich hin und haben nie die Frage gestellt: „Was soll ich eigentlich tun, dass ich selig werde?“

Die Frage aller Fragen stellt der Kerkermeister. Wer beantwortet sie ihm?

Da hat er auf einmal das Vertrauen, dass Paulus antworten könnte. Ich weiß auch nicht, wer dazu kommt. Vielleicht hat Paulus nachts Gott gelobt und gedacht: „Mensch, der weiß was vom Seligsein.“

Aber sein Einfluss auf die Gefangenen, seine Ruhe, dass er nicht weggelaufen war, kann ich erklären. Jedenfalls weiß der Kerkermeister auf einmal, dass auch diese Frage „Was soll ich tun, dass ich selig werde?“ Paulus beantworten kann.

Paulus antwortet ihm: „Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du und dein Haus selig.“ Und dann heißt es gleich in der Fortsetzung: Paulus sagt ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Haus sind.

Meine Freunde, wir fragten: Wie zieht Gott einen Menschen zu Jesus? Er antwortet, indem er ihm die Botschaft zukommen lässt: Jesus starb für dich, Jesus ist für dich auferstanden, Jesus ist gekommen aus der ewigen Welt und ist ein Heiland.

In der Bibel steht: „Der Glaube kommt aus der Predigt, die Predigt aber durch das Wort Gottes.“ Lassen Sie mich das in aller Deutlichkeit sagen: Der Glaube kommt aus der Predigt.

Es ist kein frommes Hobby, wenn Sie sonntagmorgens mal hierher kommen, um Bastelbusch Ammer zu hören. Der Glaube kommt nicht aus dem sonntäglichen Morgenspaziergang, der Glaube kommt nicht aus dem Ausschlafen, meine Freunde, sondern der Glaube kommt aus der Predigt.

Es hängt lebendig davon ab, ob Sie Predigt hören. Aber ich möchte Ihnen auch in aller Deutlichkeit sagen: Keine zehn Pferde bringen mich ein zweites Mal unter eine Predigt, in der nicht Jesus, der Sohn Gottes, für uns am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden, im Mittelpunkt steht.

Gott schenke Ihnen, dass Sie Predigten beurteilen können, ob sie Speise oder Steine sind.

Der Glaube kommt aus der Predigt. Hier verkommt der Kerkermeister. Da war kein Talar, kein Altar und kein Mikrofon, alles nicht da. Ein Posaunenchor, es ging sehr primitiv zu in der Gefängniszelle.

Das Äußere ist völlig gleichgültig, sondern es entscheidet, ob diese wundervolle Botschaft erklingt, die nicht nur fürs Ohr, sondern fürs Gewissen ist: Du darfst zum Heiland kommen, Gnade finden und die Tür zum Leben öffnen.

Ich muss Sie zumindest darauf hinweisen: Wie typisch fragt der Kerkermeister: „Was soll ich tun?“ So fragen wir: „Was soll ich tun?“

Jetzt frage ich Sie: Was wollen Sie tun, damit Ihre Seele gerettet wird? Welches Werk wäre wohl groß genug und ausreichend, dass man ein Kind Gottes wird? Welches Werk wäre groß genug, dass alle meine Sünden vergeben werden?

Was wollen Sie tun? Der wahnsinnigste Mensch meint, so zu fragen, als könnte er etwas tun. Und wenn ich mein ganzes Leben für Gott in den Tod gäbe, würde das nicht ausreichen, um eine Sünde zu vergeben und mich zum Kind Gottes zu machen.

Welches Werk wäre groß genug? Es gibt nur ein Werk, das mich selig machen kann: das Werk, das der Sohn Gottes für mich getan hat, als er am Kreuz starb.

Das kann ich nur noch im Glauben annehmen, indem ich mich diesem Heiland zu eigen gebe. Sie können sich nicht selbst in den Himmel bringen. All Ihre Tugenden bringen Sie nur in die Hölle.

Nur das, was Jesus für uns getan hat, indem er unsere Schuld und Schmerzen auf sich nahm am Kreuz, bringt uns in Frieden mit Gott und zum Leben!

Sein Werk, sein Werk!

Ich muss lesen: Der Kerkermeister wurde vom Vater zum Sohn, von Gott zu Jesus gezogen. Ist das bei Ihnen schon geschehen?

Wenn Sie nach Hause gehen, müssen Sie sich mal fragen: Ist das bei mir schon passiert? Wer den Sohn Gottes hat als Leben, wer den Sohn Gottes nicht hat als Leben, nicht.

Ist das bei Ihnen schon geschehen? Oder widerstreben Sie noch? Vielleicht widerstreben Sie diesem Ziehen Gottes?

Es ist ein wichtiges Gebet:

Zieh mich, o Vater, zu dem Sohn,

damit dein Sohn mich wieder ziehe zu dir,

dein Geist in meinem Herzen wohne

und meine Sinne und mein Verstand regiere,

dass ich den Frieden Gottes schmecke und fühle

und dir darauf im Herzen singe und spiele.

Wir wollen beten: Ja, Herr, das wollen wir dich bitten, das wollen wir dich bitten:

Zieh mich, o Vater, zu dem Sohn! Amen.

Zweitens: Gott führt Menschen in eine Sackgasse

Sie wissen, was eine Sackgasse ist. Heutzutage steht meistens ein Schild dort, das weiß man schon. Aber wie oft passiert es nicht, dass man fröhlich in eine Straße oder einen Weg einbiegt, ohne zu ahnen, dass es eine Sackgasse ist?

Bei meinen Wanderungen passiert mir das oft. Es ist ein schöner Waldweg, ich gehe hinein, und plötzlich ist er zu Ende – eine Sackgasse. Nun ja, da kann man umkehren.

Ich las in den Berichten von der Sturmflut in Hamburg, wie einige Leute vor dem steigenden Wasser flohen und plötzlich in einer Sackgasse landeten. Sie wollten umkehren, aber inzwischen war das Wasser gestiegen, und sie konnten nicht mehr zurück. Eine Sackgasse, aus der man nicht mehr entkommen kann.

Sehen Sie, so führt Gott Menschen manchmal in eine Sackgasse, aus der es kein Zurück mehr gibt – man ist plötzlich am Ende seiner Wege angekommen. So erging es dem Kerkermeister, von dem beim ersten Mal gesprochen wurde.

Als sicherer Mann in einer sicheren Position und einer sicheren Welt ging er ins Bett. Dann wachte er auf und sah, dass alle Gefängnistüren aufgerissen waren. Er konnte gar nicht anders denken, als dass jeder Gefangene natürlich darauf aus war, seiner harten Hand zu entkommen – sie waren weg.

Im römischen Bereich machte man damals keine großen Untersuchungen. Er war verantwortlich. Waren die Gefangenen weg, dann war er haftbar. Und so sah der Mann plötzlich vor sich Gericht und Henker, Schande – fertig, kein Ausweg mehr.

Wie sollte er die Gefangenen wieder zusammenbekommen, wenn die Türen offen standen? Plötzlich war er in einer Sackgasse, aus der es kein Zurück mehr gab.

Da sagt der Teufel: Es gibt noch einen Ausweg – den Selbstmord! Das ist der letzte große Schwindel des Teufels, dass er dem Menschen vorgaukelt, es gäbe noch einen Ausweg.

Es ist sehr interessant, dass fast alle großen Leute des Dritten Reiches, als sie am Ende in der Sackgasse waren und nicht mehr zurück konnten, diesen Weg gewählt haben.

Wenn ich wüsste, dass das eine dämonische Unternehmung war, dann würde ich daran erkennen, dass der Teufel die Tür öffnet und sagt: „Bitte, hier ist ein Ausweg – nimm die Giftkapsel, stürz dich in dein Schwert.“

Ich möchte in aller Deutlichkeit sagen: Wenn Sie ganz sicher in das Feuer des Gerichts und des Zorns Gottes laufen wollen, dann müssen Sie Selbstmord begehen. Das ist der Schwindel, dass der Teufel sagt, das sei noch ein Ausweg.

Es gibt keinen Ausweg mehr. Jesus sagt: „Ich bin der Weg.“ Und wenn Sie meinen, das wäre für den Kerkermeister kein Weg gewesen, dann sage ich: Das war für den Kerkermeister der Weg – aber das sah er noch nicht.

Diesen Weg wollte Gott ihm zeigen. Gott wollte ihn führen, damit er erkennt, dass Jesus, der Sohn Gottes, sagt: „Ich bin der Weg.“ Diesen Weg wollte Gott ihm zeigen und uns alle dahin führen.

Aber der Kerkermeister sah es noch nicht. Er war blind – so wie viele von uns blind sind und nicht sehen, dass es nicht nur ein bisschen Religion am Rande ist, sondern die einzige Möglichkeit überhaupt zu leben.

Der einzige Weg ist Jesus – der Mann in der Sackgasse.

Beispiel eines Menschen in der Sackgasse

Meine Freunde, als ich ihn ansah, fiel mir plötzlich ein anderer Mann ein. Von ihm hatte ich an einem Samstag vor Pfingsten in dem großen Zelt erzählt. Er war ein gewöhnlicher Schuhmachermeister aus Herdecke, aber ein Mann aus der lebendigen ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, durch den Gott eine große geistliche Bewegung gegeben hat, deren Spuren heute noch sichtbar sind.

Dieser junge Schuhmachermeister war ein gottloser junger Mann. Wenn seine fromme Braut ihm sagte, er solle sich zum Herrn Jesus bekehren, antwortete er: „Hör auf, was für Frauen! Ich weiß allein, was ich zu tun und zu lassen habe.“ Das war seine feste Formel. Merkwürdig, wie solche Formeln über Jahrhunderte bestehen bleiben. Wie oft habe ich den Satz gehört: „Ich weiß allein, was ich zu tun und zu lassen habe.“

Nun hatte er ein gutes Geschäft in Herdecke und eine nette Familie. Doch dann kam Gottes Eingreifen in seine Sackgasse. Er ging einmal nach Hagen, um Leder zu kaufen, und dabei flog ein Staubkorn in sein Auge. Anfangs war das nicht schlimm, doch als er sich rieb, wurde es immer schlimmer. Er hatte rasende Schmerzen und wollte es kurz ertragen. Schließlich ging er zu einem berühmten Augenarzt. Der sagte, die Augen seien verloren. Der Arzt saß ganz oben, und man konnte mit den damals üblichen Mitteln nichts mehr ausrichten.

Verzweifelt kehrte er zurück. Er wollte arbeiten, konnte aber nicht. Bei jeder Bewegung hatte er heftige Schmerzen. Er verzweifelte, denn ein junger Mann kann nicht arbeiten. Es gab damals keine soziale Hilfe, und die Familie versank langsam in Armut. Es gab keinen Weg mehr vor und keinen zurück. „Ich weiß allein, was ich zu tun und zu lassen habe“ – plötzlich wusste er es nicht mehr.

Verstehen Sie? Da war die Sackgasse. Er wusste nicht mehr, was er tun oder lassen sollte. Wenn Menschen diesen schönen Spruch sagen, antworte ich ihnen: „Warten Sie ab, bis Gott Sie in die Finger bekommt.“ Und dann geschieht es.

Dieser Mann kam in die Hände eines frommen Arztes, Doktor Rauschenbach in Wuppertal. Der operierte ihm ein Auge heraus und rettete damit das andere. Danach musste er wochenlang in einem dunklen Zimmer sitzen, mit Verband, in der Dunkelheit und im Alleinsein. In den Gesprächen mit diesem frommen Arzt geschah es, dass ihm innerlich Licht aufging. Er sah, wie falsch und verloren sein Weg gewesen war, wie gottlos sein ganzes Wesen war.

Da zog ihn der Vater zum Sohn. Er sah das Kreuz Jesu vor sich, wo der Sohn Gottes ihn mit Gott versöhnt, wo er seine Schuld wegträgt und ihn loskauft. Da glaubte er an den Sohn Gottes und wurde von da an ein gesegneter Mann.

Meine verehrten und lieben Freunde, das ist Gottes Methode: Er zieht Menschen zum Sohn, zum Heiland, zu Jesus. Er macht sie ohnmächtig und führt sie innerlich oder äußerlich in solche Sackgassen, wie den Kerkermeister. Ist jemand von Ihnen in einer solchen Situation, innerlich oder äußerlich, wir wissen weiter.

Bitte hören Sie das Dritte: Wie zieht Gott zum Sohn? Wie zieht der himmlische Vater zu Jesus?

Drittens: Gott lässt die Botschaft von Jesus hören

Ich sage, er nimmt alle Sicherheit weg, er führt in eine Sackgasse. Und jetzt kommt das Wichtigste, das Dritte: Er lässt die Botschaft von Jesus hören.

Es ist interessant, dass in diesem Augenblick der Kerkermeister die Botschaft empfängt: Jesus ist der Grund ewiger Freude. Sehen Sie, bis zu dieser Stunde war der Kerkermeister überzeugt: „Meine Ganoven, die ich hier im Gefängnis habe, mit denen stimmt etwas nicht.“ Ah, was sind das für Typen? Aber bei mir stimmt alles. Wenn er in den Rasierspiegel schaute, freute er sich: „Siehe, wie hat mein Schöpfer mich so gut geschaffen, nicht wahr?“ So geht es ja den allermeisten Leuten. Und die, die sich nicht rasieren, die Frauen sehen sich sowieso nicht mehr im Spiegel. Sie denken: „Mit mir ist alles gut und nicht.“

Nun aber ist durch das Eingreifen Gottes in seinem Leben die große Wende geschehen. Er weiß: „Mit mir stimmt es nicht, nicht mit den Gefangenen, ich bin der Mann, bei dem etwas nicht stimmt.“ Meine Freunde, lassen Sie mich das sagen: Ich würde mich völlig festfahren, wenn ich Ihnen jetzt psychologisch erklären wollte, wie dieser Mann dazu kam, plötzlich an den lebendigen Gott zu glauben. Er war doch Heide, er hatte Angst vor den Gerichten Gottes.

Was heißt hier psychologisch erklären? Gottesfähige Mittel der Seele sind etwas Wunderbares. Jedenfalls hat der Mann auf einmal nur noch eine einzige Frage, eine einzige: „Was soll ich tun, dass ich selig werde?“ Wörtlich heißt das: „Was soll ich tun, dass ich errettet werde?“

Oh, meine Freunde, ich wünsche Ihnen, dass all die Fragen Ihres Lebens verblassen vor dieser einen entscheidenden Frage: Was soll ich tun, dass ich errettet werde von dem Zorn Gottes, von der Hölle, von seinem Gericht, das jetzt über mich kommt? Was soll ich tun, dass ich selig werde? Ich möchte diese Frage mit führenden Buchstaben in Ihr Herz hineinschreiben: Was soll ich tun, dass ich selig werde?

Was für dumme Fragen bewegen die Menschen, um ihr Leben herum, und sie haben nie die Frage gestellt: Was soll ich eigentlich tun, dass ich selig werde? Die Frage aller Fragen stellt der Kerkermeister. Wer beantwortet sie ihm?

Da hat er plötzlich das Vertrauen, dass Paulus antworten könnte. Ich weiß auch nicht, wer dazu kommt. Vielleicht hat Paulus nachts Gott gelobt und gedacht: „Mensch, der weiß etwas vom Seligsein.“ Sein Einfluss auf die Gefangenen oder seine Ruhe, dass er nicht weggelaufen ist, kann ich erklären. Jedenfalls weiß er auf einmal: Auch diese Frage „Was soll ich tun, dass ich selig werde?“ kann Paulus beantworten.

Paulus antwortet ihm: „Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du und dein Haus selig.“ Und dann heißt es gleich in der Fortsetzung: „Und Paulus sagt ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Haus sind.“

Meine Freunde, wir fragen: Wie zieht Gott einen Menschen zu Jesus? Er antwortet, indem er ihm die Botschaft zukommen lässt: Jesus starb für dich, Jesus ist für dich auferstanden, Jesus ist aus der ewigen Welt gekommen und ist ein Heiland.

In der Bibel steht: Der Glaube kommt aus der Predigt, die Predigt ist das Wort Gottes. Lassen Sie mich das in aller Deutlichkeit sagen: Der Glaube kommt aus der Predigt. Es ist kein frommes Hobby, wenn Sie sonntagmorgens mal hierher kommen, um Bastelbusch Ammer zu hören. Der Glaube kommt nicht aus dem sonntäglichen Morgenspaziergang, der Glaube kommt nicht aus dem Ausschlafen, meine Freunde, sondern der Glaube kommt aus der Predigt.

Es hängt lebendig daran, ob Sie Predigt hören. Aber ich möchte Ihnen auch in aller Deutlichkeit sagen: Keine zehn Pferde bringen mich ein zweites Mal unter eine Predigt, in der nicht Jesus, der Sohn Gottes, für uns am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden, im Mittelpunkt steht.

Gott schenke Ihnen, dass Sie Predigten beurteilen können, ob sie Speise oder Steine sind. Der Glaube kommt aus der Predigt. Hier bekehrt sich der Kerkermeister. Da war kein Talar, kein Altar und kein Mikrofon, alles war nicht da, kein Posaunenchor. Es ging sehr primitiv zu in der Gefängniszelle.

Das Äußere ist völlig gleichgültig, völlig gleichgültig. Entscheidend ist, ob diese wundervolle Botschaft erklingt, die nicht nur für das Ohr, sondern für das Gewissen ist: Du darfst zum Heiland kommen, Gnade finden und die Tür zum Leben öffnen.

Die entscheidende Frage und das einzige Werk

Ich muss Sie zumindest darauf hinweisen. Wie typisch fragt der Kerkermeister: „Was soll ich tun?“ So fragen auch wir: „Was soll ich tun?“

Jetzt frage ich Sie: Was wollen Sie tun? Ich frage mich, welches Werk wohl groß genug und ausreichend wäre, um ein Kind Gottes zu werden. Welches Werk wäre groß genug, damit alle meine Sünden vergeben werden? Was wollen Sie tun?

Der wahnsinnigste Mensch meint, er könnte etwas tun, wenn er fragt: „Was soll ich tun?“ Und selbst wenn ich mein ganzes Leben für Gott in den Tod geben würde, würde das nicht ausreichen, um auch nur eine Sünde zu vergeben und mich zum Kind Gottes zu machen.

Welches Werk wäre groß genug? Es gibt nur ein Werk, das mich selig machen kann: das Werk, das der Sohn Gottes für mich getan hat, als er am Kreuz starb. Dieses Werk kann ich nur im Glauben annehmen, indem ich mich diesem Heiland zu eigen gebe.

Sie können sich nicht selbst in den Himmel bringen. All Ihre Tugenden bringen Sie nur in die Hölle. Nur das, was Jesus für uns getan hat, indem er unsere Schuld und Schmerzen auf sich nahm am Kreuz, bringt uns in Frieden mit Gott und zum Leben!

Sein Werk, sein Werk!

Abschluss: Das Ziehen des Vaters zum Sohne

Der Kirchenmeister wurde vom Vater zum Sohn, von Gott zu Jesus gezogen. Ist das bei Ihnen schon geschehen? Wenn Sie nach Hause gehen, sollten Sie sich einmal fragen: Ist das bei mir schon passiert?

Wer den Sohn Gottes als Leben hat, und wer den Sohn Gottes nicht als Leben hat, ist das bei Ihnen schon geschehen? Oder widerstreben Sie noch? Vielleicht widerstreben Sie diesem Ziehen Gottes?

Es ist ein wichtiges Gebet: Zieh mich, o Vater, zu dem Sohn, damit dein Sohn mich wieder zu dir zieht. Dein Geist soll in meinem Herzen wohnen und meine Sinne und meinen Verstand regieren, damit ich den Frieden Gottes schmecke und fühle und dir darauf im Herzen singe und spiele.

Wir wollen beten: Ja, Herr, das wollen wir dich bitten, das wollen wir dich bitten: Zieh mich, o Vater, zu dem Sohn! Amen.