Zum Inhalt

Herrschen oder dienen? – Teil 6

Jesu Leben und Lehre, Teil 657/658
18.12.2025Matthäus 5,19
SERIE - Teil 657 / 658Jesu Leben und Lehre

Gott wird Mensch – Leben und Lehre des Mannes, der Retter und Richter, Weg, Wahrheit und Leben ist.

Episode 657: Herrschen oder Dienen? Teil 6

Einführung in das Thema wahre Größe im Reich Gottes

Schauen wir uns ein letztes Mal an, was Jesus über wahre Größe im Reich Gottes sagt. Jakobus und Johannes wünschen sich Macht, doch Jesus erklärt ihnen, dass echte Größe ein Produkt von Liebe ist.

Ich folge als sein Jünger einem Meister, der aus Liebe am Kreuz für mich und die gesamte Menschheit gestorben ist. Nur wenn ich bereit bin, so zu lieben, wie er geliebt hat, kann ich ihm authentisch folgen. Das bedeutet, dass ich nicht lebe, um bedient zu werden, sondern um zu dienen.

Es bedeutet auch, dass ich bereit bin, mein eigenes Leben zum Wohl anderer einzusetzen. Der Große ist der Diener, und der Erste wird zum Sklaven. Jesus hatte das schon an anderer Stelle gesagt – dort, wo es um den Umgang mit Kindern und den Kleinen im Glauben ging.

Hört euch gern noch einmal die Episoden 401 und 402 an. Doch lasst mich noch eine andere Stelle kurz betrachten, die wir auch schon kennen.

Die Bedeutung der Gebote im Dienst für Gott

 Matthäus 5,19: Wer nun eines dieser geringsten Gebote auflöst und die Menschen so lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel. Wer sie aber tut und lehrt, wird groß heißen im Reich der Himmel.

Der Text stammt aus der Bergpredigt. Jesus betont darin, dass Bibellehrer im Reich der Himmel selbst die kleinsten Gebote nicht auflösen dürfen. Ich zitiere den Vers noch einmal, weil sich im Dienst oft eine Spannung auftut zwischen vermeintlicher Barmherzigkeit und den Geboten Gottes.

Gerade als jemand, der dient und als Seelsorger tätig ist, stehe ich in der Versuchung, aus Liebe nicht den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen. Doch das ist keine wahre Liebe, wenn ich das Wort Gottes verdrehe. Meine eigenen Gedanken sind am Ende nie hilfreicher oder liebevoller als das Wort Gottes selbst.

Dennoch besteht die Gefahr, aus falsch verstandener Barmherzigkeit heraus das ein oder andere Gebot nicht mehr ganz so ernst zu nehmen und es aufzulösen. An dieser Stelle sollten wir vorsichtig sein. Wer das tut, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel.

Im Dienst für Gott sind die Gebote Gottes nicht verhandelbar. Wir sollen sie zuerst selbst tun und sie dann anderen lehren. Nur das führt zu wahrer Größe.

Und warum ist das so? Nicht weil wir kleinkariert auf Gebote pochen, sondern weil wir den Menschen auf die bestmögliche Weise helfen und dienen wollen. Größe im Reich Gottes ist ein Produkt von Liebe. Manchmal ist der Besserwisser eben der liebevollere.

Jesus als Diener und Lösegeldgeber

Kommen wir zurück zu Markus 10,45: „Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“

Jesus gibt sein Leben für viele. Das griechische Wort, das hier mit „für“ übersetzt wird, lautet „anti“. Diese kleine Präposition hat zwei Bedeutungen. Zum einen bedeutet sie „für“, zum anderen aber auch „anstelle von“.

So heißt es über Josef, den Stiefvater Jesu, kurz vor der Rückkehr aus Ägypten nach Israel in Matthäus 2,22: „Als er aber hörte, dass Archelaus über Judäa herrschte, anstelle seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dahin zu gehen.“

Hier zeigt sich die Bedeutung von „anti“ als „anstelle von“. Archelaus hat den Platz seines Vaters Herodes eingenommen. Vorher war Herodes König, jetzt ist es Archelaus.

Wenn es also in Markus 10,45 heißt, dass Jesus sein Leben als Lösegeld „für“, also „anti“, viele gab, dann kommen beide Bedeutungen zusammen. Sein Leben wird zum Lösegeld „für uns“ und zwar, indem er am Kreuz unseren Platz einnimmt.

Die stellvertretende Leiden und Versöhnung durch Christus

 1. Petrus 3,18: Denn auch Christus hat einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, damit er uns zu Gott führte. Er wurde zwar nach dem Fleisch getötet, aber nach dem Geist lebendig gemacht.

 1. Petrus 2,24: Er hat unsere Sünden an seinem Leib selbst an das Holz hinaufgetragen, damit wir den Sünden abgestorben sind und der Gerechtigkeit leben. Durch seine Striemen seid ihr geheilt worden.

Der Gerechte leidet für die Ungerechten und nimmt unsere Sünden mit ans Kreuz.

 Römer 5,6.8: Denn Christus ist gestorben, als wir noch kraftlos waren, zu einem Zeitpunkt, als wir Gottlose waren. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, als wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.

Das macht Jesus so besonders: Er dient allen Menschen absolut uneigennützig. Er tut dies zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch Gottlose und Sünder sind. Er dient ihnen, indem er für sie stirbt und ihre Sünden sühnt.

 1. Johannes 2,2: Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein für unsere, sondern auch für die ganze Welt.

Am Kreuz versöhnt Gott die Welt mit sich. In seinem Sohn geht der Vater einen Schritt auf die Menschheit zu. Er geht in Vorleistung und definiert damit den Auftrag an seine Nachfolger.

Der Auftrag zur Versöhnung und die Rolle der Jünger

 2. Korinther 5,19-20: Wie denn Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnete. Gleichzeitig hat er in uns das Wort von der Versöhnung gelegt.

So sind wir nun Gesandte an Christi statt, als ob Gott durch uns ermahnt. Wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott.

Jesus gibt sein Leben als Lösegeld; mehr kann er nicht tun. Seine Jünger predigen: Lasst euch versöhnen mit Gott.

Nun liegt es an jedem Menschen, wie er mit diesem Angebot Gottes umgeht.

Die Bedeutung von „viele“ im Lösegeld-Kontext

Frage: Warum heißt es dann, dass Jesus sein Lösegeld für viele und nicht für alle gab?

 Markus 10,45: Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.

Auf diese Frage kann man drei Dinge antworten.

Erstens handelt es sich hier um einen Kontrast. Auf der einen Seite steht der Eine, Jesus, auf der anderen Seite die Vielen. Wie viele die Vielen sind, spielt für den Kontrast keine Rolle.

Zweitens weist der Herr Jesus hier sprachlich auf Jesaja 53 hin, wo in gleicher Weise von den Vielen die Rede ist.

 Jesaja 53,11: Durch seine Erkenntnis wird der Gerechte, mein Knecht, den Vielen zur Gerechtigkeit verhelfen. Und ihre Sünden wird er sich selbst aufladen.

Drittens ist das Wort „Viele“ in der Bibel ein Synonym für „Alle“. So heißt es in Römer 5,18-19: Wie es nun durch eine Übertretung für alle Menschen zur Verdammnis kam, so auch durch eine Rechtstat für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens. Denn wie durch den einen Menschen Ungehorsam die Vielen in Stellung von Sündern versetzt worden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen in die Stellung von Gerechten versetzt werden.

Merkt ihr, hier wird dieselbe Gruppe von Menschen in Vers 18 mit „Alle“ und in Vers 19 mit „Viele“ beschrieben. Deshalb wird in Matthäus 20,28 oder Markus 10,45 von einem Lösegeld für Viele gesprochen, während Paulus von einem Lösegeld für Alle reden kann.

 1. Timotheus 2,6 spricht über den Herrn Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle gab.

Persönliche Anwendung und Abschluss

Was könntest du jetzt tun? Freue dich heute besonders darüber, dass Jesus deine Sünden am Kreuz gesühnt hat. Gib dieser Freude auf besondere Weise Ausdruck.

Das war's für heute. Wenn du noch jung bist, lerne Englisch. Es gibt viele gute Bibelkommentare in dieser Sprache.

Der Herr segne dich, erfahre seine Gnade und lebe in seinem Frieden. Amen.

Vielen Dank an Jürgen Fischer, dass wir seine Ressourcen hier zur Verfügung stellen dürfen!

Seine App "Frogwords" gibt's für Android und iOS.

Jürgens aktuellste Gebets-Infos gibt's hier zum Lesen und Abonnieren.