Der Mittelpunkt
Wir sind stehen geblieben beim Anzweifeln von Gottes Wort. Vielleicht
dazu noch eine Ergänzung. Eva sagt: Es ist nicht so, dass wir von keinem
Baum essen dürfen. Wir dürfen von allen Bäumen essen. Nur von dem Baum, der
in der Mitte des Gartens ist, davon dürfen wir nicht essen. Und das
überrascht, ihre Aussage überrascht, denn in 1. Mose 2, 9 heißt es ja: Und
der HERR Gott ließ aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, lieblich
anzusehen und gut zur Speise; und den Baum des Lebens in der Mitte des
Gartens, und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen." Es wird nicht
gesagt, dass der Baum der Erkenntnis in der Mitte des Gartens stand,
sondern der Baum des Lebens und der war erlaubt. Eva sagt nicht: von einem
Baum, der in der Mitte des Gartens steht, dürfen wir nicht essen. Sondern
sie sagt: von der Frucht des Baumes, der in der Mitte ist, hat Gott gesagt,
davon sollen wir nicht essen. Also in ihrem Denken hat es eine Verschiebung
gegeben. Für sie ist der verbotene Baum in den Mittelpunkt getreten. Und
bei diesem Baum ging es um Erkenntnis, höhere Erkenntnis. Das ist für sie
zentral geworden. Der Baum des Lebens weist uns ja heilsgeschichtlich auf
den Herrn Jesus hin, der das Leben selber ist. Ich bin der Weg, die
Wahrheit und das Leben. Der Herr Jesus soll zentral sein, in der Mitte.
Dieses Thema beginnt also schon im 1. Buch der Bibel. Aber im Denken von
Eva hat der Wunsch nach höherer Erkenntnis einen derartigen Stellenwert
bekommen, dass dies in die Mitte kam. Und da sehen wir auch den Ursprung
von all dem Leid und der ganzen Katastrophe.
Wir können das auch übertragen auf das christliche Gemeindeleben. Ist der
Herr Jesus wirklich der Mittelpunkt? Oder ist das, was uns irgendwie so
zentral kennzeichnet, besondere Erkenntnis, besonderes Wissen, mehr Wissen
als andere? Und auch die Frage nach Gut und Böse. Die ist ja wichtig, oder.
Aber ist die Frage nach Gut und Böse das, was uns kennzeichnet? Was die
Leute von uns denken, was bei uns wichtig ist, dass sie denken: Die wissen
genau, was gut ist und böse. Oder ist es einfach, dass wir gekennzeichnet
sind davon: Das sind Menschen, die Gemeinschaft haben mit dem Sohn Gottes,
die erleben wirklich das ewige Leben als eine Realität der Gemeinschaft mit
Gott. Also auch da können wir viel lernen.
Einen Zaun um Gottes Gebot
Dann noch ein Detail. Es scheint dass Eva das Gebot Gottes überhöht hat,
denn in 1. Mose 3, 3 sagt sie: Aber von der Frucht des Baumes, der in der
Mitte des Gartens ist, hat Gott gesagt, davon sollt ihr nicht essen und sie
nicht anrühren, auf dass ihr nicht sterbet." Jedenfalls in Kapitel 2 bei
dem Gebot an Adam wird nichts davon gesagt, man dürfe die Frucht des Baumes
nicht berühren. Es wird nur gesagt in Kapitel 2, 16-17 sie sollen nicht
davon essen. Also es scheint, dass Eva das Gebot noch stärker macht. Das
ist etwas ganz Wichtiges im Judentum. Im Talmud wird gesagt, man soll um
die Gebote Gottes herum einen Zaun errichten. Das heißt, man soll die
Gebote strenger auslegen, als sie dastehen, um damit einen
Sicherheitsbereich zu schaffen, damit dass eigentliche Gebot Gottes nicht
übertreten wird. Und daraus erklärt sich überhaupt das ganze System der
rabbinischen Bibelauslegung. Die würden nie sagen, wir fügen neue Gebote
hinzu, sondern sie sagen, wir wollen um die Gebote einen Zaun machen, damit
sie wirklich beachtet werden. Aber das hat das erste Menschenpaar nicht vor
dem Fallen in die Sünde geschützt. Das ist auch etwas Wichtiges. Es geht
nicht darum, dass wir die Gebote Gottes überhöhen, denn das wird letztlich
keinen Schutz vor dem Fall geben. Aber dass wir uns an die Gebote halten,
so wie Gott sie gegeben hat und darauf unser volles Vertrauen setzen. Ja,
bis dahin noch etwas?
Dies sind die Namen
Ja, dann gehen wir weiter und schlagen 2. Mose 1, 1 auf. Wir haben ja aus
dem ersten Vers einen ganz passenden Titel gefunden für das erste Buch
Mose. Das 2. Buch Mose beginnt mit den Worten: Und dies sind die Namen der
Söhne Israels, die nach Ägypten kamen; mit Jakob kamen sie, ein jeder mit
seinem Hause: Ruben, Simeon, Levi und Juda; Issaschar, Sebulon und
Benjamin; Dan und Naphtali, Gad und Asser." Die Juden haben die ersten
beiden Worte des Buches als Titel genommen: veelleh schemot, dies sind die
Namen. Ich habe ja gesagt, die englische Bibel hat Exodus als Titel, also
Auszug. Man denkt, das ist eigentlich der treffende Name. Aber: dies sind
die Namen, das passt doch gar nicht so sehr. Nun wir müssen uns darüber
klar sein, das zweite Buch Mose ist das Buch der Erlösung aus Ägypten. Aber
was ist der Zusammenhang zwischen Namen und Erlösung? Und das wird in
Jesaja 43, 1 beantwortet. Plötzlich haben wir einen Aha-Effekt. Und nun,
so spricht der HERR, der dich geschaffen, Jakob, und der dich gebildet hat,
Israel. Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei
deinem Namen gerufen, du bist mein." Also ganz deutlich der Zusammenhang
zwischen Namen und Erlösung. Vers 2: Wenn du durchs Wasser gehst, ich bin
bei dir, und durch Ströme, sie werden dich nicht überfluten; wenn du durchs
Feuer gehst, wirst du nicht versengt werden, und die Flamme wird dich nicht
verbrennen." Auch das hat Israel erlebt nach dem Auszug aus Ägypten.
So haben wir am Anfang des Buches der Erlösung die Namen der zwölf Stämme
Israels aufgeführt. Gott hat dieses Volk beim Namen gerufen und aus der
Sklaverei in Ägypten herausgeführt in die Freiheit. Wir haben also am
Anfang des 2. Buches Mose genau die Situation, die das Ende des 1. Buches
Mose ist. Wir finden nämlich im ersten Kapitel Israel als Sklavenvolk in
Ägypten unter dem Verhängnis des Todes. Ein Völkermord war angeordnet, alle
Knaben sollten getötet werden, in den Nil geworfen werden. So finden wir
also ganz am Anfang dieses Buches, Israel in der Enge der Sklaverei, in der
Fremde in Ägypten, dem Land der Götzendiener, unter dem Urteil oder dem
Verhängnis des Todes. Das ist also exakt die Situation, die wir am Ende des
1.Buches Mose gefunden haben. Das 2. Buch Mose knüpft also direkt dort an.
Aber wie endet es?
Wir finden am Schluss dieses Buches die Beschreibung der Stiftshütte, wie
der transportable Tempel nach Gottes Vorschrift in der Wüste Sinai gebaut
wurde. Und wir lesen 40, 34: Und die Wolke bedeckte das Zelt der
Zusammenkunft, und die Herrlichkeit des HERRN erfüllte die Wohnung. Und
Mose konnte nicht in das Zelt der Zusammenkunft hineingehen, denn die Wolke
ruhte darauf, und die Herrlichkeit des HERRN erfüllte die Wohnung." Das
Buch endet mit der Herrlichkeit Gottes. Und es endet damit, dass ein Volk
heimkehrt, nach Hause kehrt im wörtlichen Sinn. Denn sie kommen zum Haus
Gottes. Also wir können sagen, das 2. Buch Mose endet genau da, wo das 1.
Buch Mose begonnen hatte, nämlich mit der Herrlichkeit Gottes. Die Himmel
verkündigen die Herrlichkeit Gottes. Dann haben wir gesehen, der Mensch kam
unter das Verhängnis des Todes. Aber das 2. Buch Mose zeigt, wie aus diesem
Verhängnis das Volk Israel herausgeführt wird nach Hause und zur
Herrlichkeit Gottes hingeführt wird. Also wir haben ganz klar eine
Gegenbewegung von unten nach oben, genau so, wie das 1. Buch Mose von oben
nach unten führte.
Das Passahopfer
Der Wendepunkt ist auch da wieder ein Schlüsselkapitel, das Kapitel 12,
wo wir das Passahopfer, das Blut des Lammes beschrieben finden. Daraus
lesen wir einige Verse. In 2. Mose 12, 6-7 heißt es vom Passahopfer: Und
ihr sollt es in Verwahrung haben bis auf den vierzehnten Tag dieses Monats;
und die ganze Versammlung der Gemeinde Israel soll es schlachten zwischen
den zwei Abenden. Und sie sollen von dem Blut nehmen und es an die beiden
Pfosten und an die Oberschwelle tun, an den Häusern, in welchen sie es
essen." Vers 11: Und also sollt ihr es essen: Eure Lenden gegürtet, eure
Schuhe an euren Füßen und euren Stab in eurer Hand; und ihr sollt es essen
in Eile. Es ist das Passah des HERRN." Vers 13: Und das Blut soll euch zum
Zeichen sein an den Häusern, worin ihr seid; und sehe ich das Blut, so
werde ich an euch vorübergehen; und es wird keine Plage zum Verderben unter
euch sein, wenn ich das Land Ägypten schlage." Wir haben da in Vers 11 den
Ausdruck «Passah», hebräisch «pesach». Das kommt von dem Verb «passach» und
das bedeutet «schonend vorübergehen». Also Passah übersetzen wir am Besten
mit «schonendem Vorübergehen», wenn Gott sage: Sehe ich das Blut, so werde
ich an euch passach, schonend vorübergehen.
Zum ersten Mal in der Bibel wird in Verbindung mit Opfern das Blut
erwähnt. Schon im 1. Buch Mose finden wir viele Opfer seit dem Opfer von
Kain, und wenn wir sogar noch weiter zurückgehen, bis zu dem Zeitpunkt, wo
Gott Röcke aus Fellen gemacht hat für Adam und Eva, das Blut ist immer und
immer geflossen, aber es wird nie, nicht ein einziges Mal erwähnt. Das
erste Mal wo Blut erwähnt wird in Verbindung mit Opfern ist hier in 2. Mose
12. Und gerade da, wo uns an diesem Beispiel der Erlösung Israels par
exellence, also in vollendetster Ausführung, gezeigt wird, was Erlösung
ist, da wird das Blut nicht nur erwähnt, sondern mit wirklich größter
Betonung vorgestellt. Das Blut an den Türen, sehe ich das Blut, so werde
ich schonend an euch vorübergehen. Und das macht uns deutlich, wie der
Mensch aus der Entfremdung, aus dem Verhängnis des Todes, aus dem Druck der
Sklaverei, befreit werden und nach Hause gebracht und die Herrlichkeit
Gottes kennenlernen kann. Das geht allein durch das Blut des
Stellvertreters.
Der Zeitpunkt wurde ja auch festgelegt, der Zeitpunkt der Schlachtung,
nämlich zwischen den zwei Abenden. Das ist ja auch nicht Deutsch. Es gibt
kein entsprechendes Wort dafür auf Deutsch. Der Ausdruck bezeichnet die
Stunden zwischen drei Uhr nachmittags bis zum Beginn der Nach um sechs Uhr.
Das heißt also die Schlachtung der Passahlämmer musste nach dem Gesetz Mose
um drei Uhr nachmittags einsetzen. Das ist im Neuen Testament die neunte
Stunde. Also genau der Moment, wo der Herr Jesus gestorben ist auf
Golgatha. Das war der Moment zeitlich, wo die Passahlämmer Jahr für Jahr
geschlachtet werden mussten. Also wir haben bereits hier einen Fokus auf
Golgatha, ganz gewaltig, eindrücklich und das zeigt uns, als Wendepunkt,
der Gegensatz zum Sündenfall ist die Rückkehr zu Gott.
Das Buch kann wie folgt eingeteilt werden. Kapitel 1 zeigt uns, wovon wir
erlöst wurden. Die Kapitel 2-12 zeigen, wie wir erlöst werden. Und die
Kapitel 13-40 zeigen, wozu wir erlöst wurden, nämlich um Gott zu dienen in
der Wüste. Ja, sind vielleicht neue Fragen oder Ergänzungen?
Frage??? Ja gut, Pfosten und Oberschwelle markieren den Eingang. Und Gott
ist selbst nach Ägypten gekommen, um in alle Häuser einzudringen und die
Erstgeburt zu vernichten. Und so ist also immer der Eingang da, wo der
Vernichter eingezogen wäre. Das ist gewissermaßen durch das Blut markiert
als: Hier kannst du schon verschonend vorübergehen, denn das Opfer ist
bereits gestorben.
Frage: Wie hat man das Passah verstanden? Tja, die Frage ist, damals oder
in den späteren Jahrhunderten? Nein, damals. Nun, was sie verstanden haben
unter dieser Symbolik, das können wir nicht sagen, weil wir nicht mehr
wissen, als was uns in 2. Mose berichtet wird. Aber jedenfalls hat ja auch
die ganze Heilsgeschichte im 1. Buch Mose das Thema schon vorbereitet.
Denken wir an die erste Ankündigung des Erlösers. 1. Mose 3, können wir
kurz aufschlagen. Gott spricht dort zur Schlange in Vers 15: Und ich werde
Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und
ihrem Samen; er wird dir den Kopf zermalmen, und du, du wirst ihm die Ferse
zermalmen." Gott kündigt hier an, dass ein Nachkomme von Eva einmal auf der
Weltbühne erscheinen würde. Er würde Satan besiegen, ihm den Kopf
zermalmen, aber dabei selbst eine Todeswunde erleiden, nämlich den Biss in
die Ferse. Also wusste man schon von da an, dass es einmal einen Menschen
geben würde, der Same der Frau, der kommen würde um das Böse zu besiegen
und dass er dabei selber sterben würde. Und so hat man von daher schon die
Symbolik der Opfer verstehen können. Gott hatte, wie schon gesagt, Adam und
Eva Röcke aus Fellen gemacht, um ihre Blöße zu bedecken. Auch da hat man
bereits schon einen Vorgeschmack bekommen, dass es den Tod eines anderen
braucht, damit man vor Gott bestehen kann. Dann das Opfer Abels, das steht
genau auf dieser Linie. Nur, wie gesagt, das Blut wird überhaupt nicht
erwähnt, obwohl es ja geflossen ist. Und so konnte man von allem Anfang an
die Symbolik der Opfer schon mitbekommen. Am Anfang sind die Opfer immer
Tiere, auch die Opfer von Noah.
Die verhinderte Opferung Isaaks
Aber wir kommen nach 1. Mose 22. Und dort haben wir etwas ganz
Ungewöhnliches. Abraham wird aufgerufen, seinen Sohn zu opfern. Jetzt
plötzlich geht es um das Opfer eines Menschen. Und da kommen wir derart in
die Nähe der Verheißung in 1. Mose 3, wie noch nie zuvor. Das ist ein
Nachkomme der Frau, von Eva. Und der soll jetzt eine Todeswunde erleiden,
der geliebte Sohn des Vaters. Im letzten Moment verhindert Gott die
Opferung Isaaks. Abraham sieht dort einen Widder und opfert ihn anstelle
seines Sohnes. Aber schauen wir mal was da steht in 1. Mose 22, 14: Und
Abraham gab diesem Ort den Namen: der HERR wird ersehen; daher heutigen
Tages gesagt wird: Auf dem Berge des HERRN wird ersehen werden." Das müssen
wir noch in Verbindung bringen mit Vers 7b-8: Und Isaak sprach: Siehe, das
Feuer und das Holz, wo aber ist das Schaf zum Brandopfer? Und Abraham
sprach: Gott wird sich ersehen das Schaf zum Brandopfer, mein Sohn." Isaak
wird verschont und Abraham gibt diesem Ort den Namen: Der HERR wird
ersehen. Und das bedeutet, der Herr wird das Opfer ersehen. Und das macht
die ganze Sache so dramatisch. Isaak kommt also schon so nahe an die
Erfüllung von 1. Mose 3 hin, aber es wird doch deutlich gemacht, dass er es
nicht ist. Aber Abraham sagt, an diesem Ort, auf diesem Berg wird das
eigentliche Opfer einmal ersehen werden. Also auch da hatte man
alttestamentlich schon Grundlagen, um immer deutlicher zu sehen, wohin der
ganze Heilsratschluss Gottes hindeutet.
Der Berg Morija
Nebenbei gesagt, auf welchem Berg sollte Isaak geopfert werden? Auf dem
Morija, also auf dem Tempelberg. Morija ist ja der Tempelberg, der später
normalerweise Zion genannt wird. Wir lesen den Text 1. Mose 22, 2: Und er
sprach. Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak, und
ziehe hin in das Land Morija, und opfere ihn daselbst als Brandopfer auf
einem der Berge, den ich dir sagen werde." Ja, er sagt, geh ins Land
Morija. Ja, weil das Land dort war bekannt als Land Morija, weil auf diesem
Berg, das heißt genauer gesagt, auf seinem Südabhang, das kleine Städtchen
Salem lag. Man hatte Salem nicht auf die Bergspitze gebaut, weil die
Wasserversorgung an diesem Ort die Gihonquelle war und die lang ganz unten
im Kidrontal. Nun, die ersten Siedler in Jerusalem, also noch vor der Zeit
von Abraham, hatten ein Problem. Strategisch sollte man eine Stadt
möglichst auf eine Bergspitze bauen. Aber wir haben die eigentliche
Wasserversorgung ganz unten im Tal. Und zwar ist die Gihonquelle eine
Ganzjahresquelle und sie kann bis zu 50.000 Liter Wasser in der Stunde
liefern. Das ist nicht schlecht, oder? Also was macht man in einem solchen
Fall? Dann muss man optimieren. Man kann also nicht ganz auf den Berg
hinauf, aber auch auf keinen Fall ganz hinunter ins Tal. Und darum hat man
Jerusalem auf dem Südabhang des Berges Morija gebaut.
Nun, dadurch war Morija der bekannte Berg und wenn Gott sagt, geh in das
Land Morija, dann wusste Abraham, wohin er gehen sollte. Aber wäre der Berg
Morija selbst der Berg der Opferung gewesen, dann hätte Gott gesagt, dann
opfere ihn dort, eben auf Morija. Aber er sagt, auf einem der Berge, also
auf einem weniger bekannten Berg dort bei Morija. Nun, beachtlich ist das:
Der Felsenhügel Golgatha liegt auf dem Nachbarhügel, nordwestlich vom
Tempelberg und so können wir davon ausgehen, dass eben Isaak nicht auf dem
Morija, sondern auf einem Berg dort herum geopfert wurde. Abraham sagt von
diesem Berg: auf dem Berg des Herrn wird ersehen werden. Und nun können wir
natürlich vom Neuen Testament die Überzeugung haben, dass das Golgatha war,
der Nachbarberg des Tempelberges, auf dem Isaak geopfert werden sollte. Und
so haben eigentlich all diese Berge rund um Jerusalem heilsgeschichtliche
Bedeutung. Eben der Nordwesthügel Golgatha, der Südwesthügel als Quartier
der ersten Christen. Und der Abendmahlssaal, wo der Herr Jesus das letzte
Abendmahl genommen hat, der war auf dem Südwesthügel. Der wird heute Zion
genannt, für die, die schon in Israel waren. Aber fälschlicherweise, denn
der biblische Berg Zion ist damit nicht identisch. Der biblische Berg Zion
ist der Morija, der Tempelberg. Dann haben wir östlich vom Tempelberg den
Ölberg. Dort hat der Herr Jesus das Mandat, den Auftrag gegeben zur
Weltmission, bevor er in den Himmel gegangen ist. Und auf diesen Berg wird
er wieder zurückkehren als Richter der Welt.
Als Heiland der Welt ging er weg und als Richter der Welt wird er auf den
Ölberg zurückkehren. Und nun, interessant ist, in der Zukunft wird einmal
der Hesekiel-Tempel gebaut werden auf dem Tempelberg. Aber der hat einen
dermaßen großen Vorhof von 1, 5 mal 1, 5 km, dass also alle umliegenden
Berge einmal in diesem ganzen neuen Komplex des Hesekiel-Tempels integriert
werden, so dass schlussendlich Golgatha, der Berg des Abendmahls und der
Ölberg in den Tempelberg Morija integriert werden. Und so gehört das also
letztlich im Heilsplan Gottes alles zusammen. Aber es war nicht auf Morija
selbst. Und noch etwas. Warum hat Gott die Gihonquelle unten im Kidrontal
heraussprudeln lassen? Dadurch blieb die Bergspitze von Morija frei, um
später der Tempelplatz zu werden, auf dem höchsten Punkt. Dort sollte
nämlich der Tempel gebaut werden und zwar auf dem Bergfelsen, dem höchsten
Punkt, der heute in der Omarmoschee ist. Darauf wurde das Allerheiligste
gebaut. Also das nur irgendwie zur Klärung in einem größeren Umfeld.
Bereits vor 4000 Jahren, zurzeit von Abraham, wusste man, dass das Opfer
ein Mensch sein musste. Gott würde es auswählen und man wusste, dass das
Opfer im Land Morija sterben würde.
Das Opfer in Jesaja
Und weiter können wir noch an Jesaja 53 denken. Gut, das sind wir bereits
um 700 vor Christus, aber auch da wird bereits alttestamentlich klar
gemacht, was Tieropfer zu bedeuten haben und damit auch das Passahopfer.
Denn von dem Knecht des Herrn, der da leidet, der leiden soll, für die
Sünden anderer, wird gesagt in Vers 7: Er wurde misshandelt, aber er
beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, gleich dem Lamme, welches zur
Schlachtung geführt wird, und wie ein Schaf, das stumm ist vor seinen
Scherern; und er tat seinen Mund nicht auf." Also alttestamentlich wird
bereits der Messias, der Knecht des Herrn, verglichen mit der Schlachtung
von Lämmern. So konnte man also schon im Alten Testamen verstehen, was das
bedeutet, aber die Frage war ja: Was haben die damals beim ersten Passah
verstanden? Das können wir nur ahnen und das wird auch unterschiedlich
gewesen sein, je nach dem, wie die Herzen zu Gott gestanden sind damals.
Noch andere Fragen?
Bestandteile des Passahopfers
Frage: Warum durfte das Opfer nicht gekocht werden und was bedeuten die
Zutaten, die man dazu essen sollte? Also das Braten am Feuer sollte
deutlicher zum Ausdruck bringen, wie der Zorn Gottes, die Dramatik des
Zornes Gottes, über den Stellvertreter kommt, anstatt über die, die es
verdient haben, die Erstgeborenen. Das wird dadurch noch viel dramatischer
illustriert, also das Opfer direkt ins Feuer. Dann haben wir die bitteren
Kräuter. Die werden im Judentum immer erklärt, als Erinnerung an die
Bitterkeit der Sklaverei in Ägypten. Also diese bitteren Kräuter bringen
eigentlich das Elend zum Ausdruck, das man unter der Knechtschaft, jetzt
neutestamentlich gesagt, von Satan erduldet hat. Und das Essen des Opfers
zusammen mit den bitteren Kräutern drückt noch mehr aus, von welcher Not
uns das Lamm Gottes befreit hat, aus welcher Bitterkeit der Entfremdung er
uns heraus geführt hat. Und natürlich können wir das noch vertiefen. Es
drückt letztlich auch die Bitterkeit aus, die der Herr Jesus selber am
Kreuz erduldet hat, weil er durch seine Stellvertretung unsere Bitterkeit
wegnehmen wollte. Dann haben wir das ungesäuerte Brot. Sauerteig bläht ja
den Teig auf und so ist es eigentlich ein Mittel des Betruges. Man täuscht
mehr vor, als da ist. Und das zeigt, warum Sauerteig durchweg durch die
Schrift immer negativ ist. Das ist Bluff, Stolz, Aufblähung, das dadurch
gezeigt wird. Und so wird der Sauerteig zu einem Bild der Sünde
schlechthin. Man durfte nur ungesäuertes essen. Das soll zeigen, wirkliche
Befreiung und Annahme des Opfers des Herrn Jesus ist nur möglich, wenn wir
mit der Sünde vor Gott aufräumen. Drum musste aller Sauerteig entfernt
werden. Es gibt keine Bekehrung, ohne dass wir mit der Sünde in unserem
Leben aufräumen.
Noch nebenbei gesagt, im Judentum sind diese ungesäuerten Brote, Matza
(Mz. Matzot) nennt man die, ganz dünn, sie haben Löcher und haben auch
Vertiefungen in Streifen. So ist die Vorschrift, wie diese Brote auch heute
noch zum Passah auszusehen haben. Es wird vorgeschrieben, wenn man die
Matzot vor eine Kerze stellt, muss man hindurch sehen können. Durchbohrt
und gestreift, das ist doch eigentlich ganz gewaltig. Ich erwähnt das, weil
es nützlich ist, wenn man mit Juden ins Gespräch kommt, die zu Hause jeden
Frühling Passah feiern. Man kann sie fragen: Habt ihr schon mal überlegt,
wie die Brot aussehen? Durchbohrt: um unserer Übertretungen willen war er
verwundet, oder auch durchbohrt, kann man übersetzen. Sie werden auf ihn
blicken, den sie durchbohrt haben, Sacharja 12, 10. Und sie haben Streifen:
Im Englischen heißt es ja: and by his stripes we are healed, durch seine
Striemen ist uns Heilung geworden. Diese Striemen sind diese langen
Streifen in den Broten. Durch seine Striemen sind wir geheilt. Und denken
wir daran, der Herr Jesus hat ja solches Brot vom Passah genommen und
daraus das Abendmahl gemacht und das Brot gebrochen. Und da wird erklärt,
wie dieses Brot, diese Beigabe, deutlich auf seine Dahingabe am Kreuz
hinweist, durchbohrt und gegeißelt für uns. Reicht das so? Gut, dann haben
jetzt Mittagspause.

